Sunday, December 20, 2009

Eine Insel strahlender Gesundheit

Kreiszeitung.de
Von Ute Schalz-

LaurenzeBREMEN (Eig. Ber.)



Sicher hat der eine oder andere Hörer mal gedacht, nun reicht es auch mit dem Beethoven bei Paavo Järvi und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.

Dass aber gerade diese vielen so erfolgreichen Aufführungen in aller Welt eben nicht eine falsche Routine fördern, sondern im Gegenteil zu immer neuer Aufmerkamkeit und Spannung verlocken, war in der Zugabe des jüngsten Premierenkonzertes zu hören: Der letzte Satz aus Beethovens 1. Sinfonie kam als nicht weniger als eine Explosion daher. Järvi selbst hatte in einer Pressekonferenz vor ein paar Tagen gesagt, dem Orchester muss nun mal eine andere Sprache abverlangt werden. Man entschied sich für die große Liebe Järvis, Robert Schumann: „Er war der erste Komponist, den ich als Jugendlicher wirklich geliebt habe“. Der Dirigent hat gerade seinen Vertrag bis 2011 verlängert.

Nach der Interpretation der vierten Sinfonie in der vergangenen Spielzeit erklang nun die dritte „Rheinische“, jenes scheinbar jubelnd vorwärtsstürmende Werk, das der schon kranke Schumann für seinen so positiven Empfang in Düsseldorf schrieb: „Wohin mit der Rheinischen, so lange sie uns rätselhaft isoliert als eine Insel strahlender „Gesundheit“ in einem Meer von Resignation und „Krankheit“ schwimmt?“ fragt der Dirigent und der Musikwissenschaftler Peter Gülke. Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie boten eine Interpretation, die die Antwort auf sehr persönliche Weise gab: aus der Genauigkeit der Anweisungen in der Partitur entstand ein Werk der Wildheiten, der Spontaneitäten, der Apruptheiten, kurz: ein Werk geboren aus der romantischen Improvisation – wie auch schon bei vierten zu erkennen war - und nicht aus der eigentlich noch immer gültigen thematischen Arbeit eines Beethoven. Ohne jeden Schatten von Beethoven betonte Järvi das Nicht-Organische und mehrere Male war man dermassen überrascht von Schumanns Einfällen, dass hier tatsächlich ein ganz neuer Blick auf Schumann gelingen könnte.

Schumanns unbestreitbare Modernität wurde in einen wundersamen Kontext gebracht: Richard Strauss' Oboenkonzert in D-Dur aus dem Jahr 1945 beschwört Mozart und die Tonalität. Auch wenn der Oboenpart zu Recht eines der tollsten Referenzkonzerte des Instruments ist, so erledigt sich dadurch nicht die Frage nach dem Warum – der Komposition und der Aufführung – einer derart anachronistischen Süsslichkeit. Zugegeben, es war von Francois Leleux als Debut bei der Kammerphilharmonie hinreißend gespielt, und im Orchester hörte man klangschöne Transparenz statt wie meist in Interpretationen des Werks etwas fettige Begleitung, aber das reicht nicht. Nach kurzer Zeit ist das Stück ebenso überflüssig wie langweilig.

Nicht so Strawinsky mit seiner Pulcinella-Bearbeitung (von Pergolesi und anderen), dessen subjektive Deutung des alten Textes mit Kraft, vor allem Witz daherkommt, immer regelrecht reflexiv gebrochen, was Strauss vollkommen fremd ist. Auch hier überzeugte der freche, mit Lust an der Mechanisierung gestaltete Ton der Wiedergabe. Das Konzert wird morgen als 5. High-Light-Konzert wiederholt.

Thursday, December 17, 2009

Besser ohne Lupu

Martin Wilkening
Berliner Zeitung
17.12.09

Ein Konzert der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen ist selbst für das orchesterverwöhnte Berliner Musikleben eine Bereicherung. Denn seltsamerweise werden, bei allen Nuancen in der Programmatik und Klangkultur der hiesigen Orchester, entscheidende grundsätzliche Alternativen andernorts entworfen. Der ebenso schnörkellose wie virtuose drive, verbunden mit einer faszinierenden klanglichen Biegsamkeit, den sich das Orchester mit seinem Dirigenten Paavo Järvi an Beethovens Sinfonien in den letzten Jahren erarbeitet hat, ist in seiner Unverwechselbarkeit auch auf CDs erfahrbar. Im Konzertsaal jedoch wirkt die Geradlinigkeit dieser Klangströme noch präsenter, fast erschreckend intensiv, zumal der Kammermusiksaal fast zu klein für dieses Orchester ist, und der von Bläsern und extrem virtuosen Pauken dominierte Klang den Raum bis in den letzten Winkel hinein restlos zu füllen scheint.

Zwar erklang der Schlusssatz aus Beethovens 1. Sinfonie, eines der Paradestücke der Kammerphilharmonie, hier nur als elektrisierende Zugabe. Aber auch zuvor, in einem reinen Schumann-Programm, war dies ein Konzert, in dem schon allein die sinnliche Präsenz der tönenden Formen etwas geradezu Berauschendes hatte.

Allerdings war dies ein Rausch in analytischer Schärfe, die Klanggruppen und ihre Bewegungen untereinander traten durch die ungewöhnliche interne Aufspaltung der hohen und tiefen Streicher überdeutlich hervor, dazu wurde leicht und luftig phrasiert. Schumanns "Rheinische Sinfonie" erschien auch dramaturgisch in selten erlebbarer Konsequenz ihrer Folge von Charakterbildern, die Tanzsätze rhythmisch ebenso gespannt wie im Tempo gehalten, voll Aufmerksamkeit auf die Poesie der feinen Brüche und ungewöhnlichen Wendungen. Die Szene im Dom mit der Feierlichkeit ihrer versponnenen Melodielinien erklang durch das vibratolose Spiel um so bohrender.

In der eingangs gespielten Manfred-Ouvertüre zeigten die 1. Violinen und Blechbläser allerdings doch einige Schwächen, und recht befremdend geriet die Begegnung mit dem Pianisten Radu Lupu in Schumanns Klavierkonzert. Lupus Kunst der vielfältig säuselnden Mittellagen hatte gegen den direkten Klang des Orchesters keine Chance, diesem hingegen blieb nichts anderes übrig, als sich der behäbigen Gangart anzupassen. Die allerdings hatte den Vorteil, dass das Tempo hier einmal von der ausnahmsweise nicht überzogenen Anfangskadenz an klar und stabil war, allerdings von einer in diesem Stück doch fast temperamentlos wirken Einförmigkeit bis in die flach dahintreibende Kadenz hinein.

Paavo Järvil on detsembris rohkesti kontserte Saksamaal

Priit Kuusk
uudised.err.ee
17.12.2009 21:27


Dirigent Paavo Järvile on jõulukuu olnud väga pingeline - kuni ülehomseni on tal detsembris kokku üksteist kontserti kolme erineva saksa orkestriga.

Kuu algul seisis Paavo Euroopa ühe kuulsama orkestri, Müncheni Filharmoonikute ees: 3., 4. ja 5. detsembril toimusid õhtud Müncheni Filharmoonia esinduslikus Gasteigis. Seejärel viis ta orkestri 7. detsembril ka Amsterdami Kontserdimajja.

Müncheni kavas oli solistiks viiuldaja Janine Jansen, keda Paavo oma hiljutisel reisil ka Eestis tutvustas, ja veel Bartóki samade teostega. Kõlas ka Šostakovitši VI sümfoonia.

Juba 10. ja 11. detsembril juhatas Järvi oma Frankfurti Raadio orkestrit, Alte Operis kõlamas Martinů "Piero della Francesca freskod", Raveli Klaverikontsert ning Nielseni II sümfoonia, nooruke Alice Sara Ott solistiks.

Selle aasta viimased kontserdid annab Paavo oma teise saksa orkestri Deutsche Kammerphilharmonie’ga (DKPh) Bremenist. Ja mainekale Alte Operile järgnevad veel Saksamaa tõepoolest kõige kuulsamad kontserdisaalid - üleeile Berliini Filharmoonia suur saal, täna Kölni Filharmoonia saal, homme neist kõige uuem Baden-Badeni Festivalimaja.
Orkestri kodulinnas mängitakse sama esinduslikus saalis "Die Glocke", kontserdid eile ja ülehomme.

DKPh kavades on kõikjal Schumann "Rheini sümfoonia" (nr 3) ning süit Stravinski balletimuusikast "Pulcinella", Berliinis ja täna Kölnis ning Baden-Badenis mängib Schumanni Klaverikontserti legendaarne rumeenia pianist Radu Lupu, Bremeni õhtutel on Richard Straussi Oboekontserdi solistiks prantslane François Leleux.

18.-19. novembril dirigeeris Paavo Järvi oma tulevast orkestrit Orchestre de Paris’d Pariisis Pleyeli saalis. Ka siin oli Beethoveni Viiulikontserdi solistiks Janine Jansen, kellega neil on värskelt ilmunud uus plaat. Selle kõrval juhatas Paavo prantslaste armastatud klassiku Georges Bizet’ kaht teost, süiti "Laste mängud" ning Sümfooniat nr 1.

Ülehomme õhtuks on Paavo 19 detsembripäeva jooksul juhatanud seitsmes erinevas linnas kokku 11 kontserti(!). Siis järgneb teenitud jõulupuhkus pere juures Londonis.

Tat und Kraft

Der Tagesspiegel
Carsten Niemann
17.12.2009

Beethoven steckt ihm irgendwie in den Knochen, diesem Manfred, den Schumann in seiner gleichnamigen Ouvertüre porträtiert. Dass im Kammermusiksaal der Einfluss so deutlich zu hören ist, liegt auch daran, Paavo Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen sich derzeit intenisv mit Beethovens Symphonien beschäftigen. Die Stringenz von Beethovens motivischem Denken und sein ebenso revolutionärer wie optimistischer Furor wirken dabei als ein Teil der Kraft, welche die Tondichtung und ihren Helden am Leben erhalten. Aus der gleichen Kraft speisen sich aber auch die Gesten einer romantischer Entgrenzungssehnsucht, die Järvi mit beachtlichem Mut zur Deutlichkeit aus Schumanns emphatischen Betonungen und Crescendi entwickelt. Es folgen an diesem Schumann-Abend eine mit gleißender Energie musizierte Rheinische Symphonie sowie das Klavierkonzert.

Radu Lupu spielt mit einer derartigen Achtsamkeit für die individuelle Färbung, welche die Orchestermitglieder ihren eigenen Soli verleihen, dass es scheint, als würde er seinen Klavierpart improvisierend aus dem Gehörten entwickeln. Wie diskret Järvi diesen intimen Dialog begleitet und wie deutlich er sich dennoch einbringt, als er Orchester und Solisten im tänzerischen letzten Satz in eine Ballhausszenerie entführt, macht das Glück dieser musikalischen Dreiecksbeziehungen perfekt.

Friday, December 11, 2009

Gebraut nach dem Reinheitsgebot

Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 9 d - Moll
Label: RCA Red Seal , VÖ: 09.10.2009


Kritik von Prof. Egon Bezold, 10.12.2009
Klassik.com

Wer ist nicht schon nach den ersten Takten der im Pianissimo verhauchenden Brucknerschen Tremoli, dem ‚Urnebel’, zum Volumeregler geflüchtet, um einbrechende Fortissimo-Akkorde rechtzeitig auf nachbarfreundliche Lautstärke zu reduzieren? Zu Klagen über diese dynamischen Widrigkeiten gibt der Live-Mitschnitt von Bruckners Neunter aus Frankfurts Alter Oper (realisiert vom Aufnahmeteam des HR) keinen Anlass. In der Tat kann der Hessische Rundfunk auf eine beachtliche Bruckner-Tradition zurückblicken, besonders seit der spektakulären Ära von Eliahu Inbal, der mit Einspielungen der Urfassungen von Bruckners Sinfonien Furore machte. Die Affinität für das Brucknersche Idiom findet jetzt in Paavo Järvi eine würdige Nachfolge. Wer Anton Bruckners ‚dem lieben Gott’ gewidmete Neunte Sinfonie interpretiert, muss spüren lassen, wie hier letzte musikalische Fragen offen bleiben. Wäre Paavo Järvi ein reiner Strukturalist, dann verkündigte er nur halbe Bruckner-Wahrheiten. Doch genau das Gegenteil ereignet sich in dieser mehrkanaligen Wiedergabe.

Schon die Exposition des majestätischen, kompakt kraftvoll gebauten Kopfsatzes verdeutlicht Järvis Gangart: Da erhebt sich in gemessen Tempi die riesige Architektur, die den Dirigenten als souveränen Gestalter, als Meister des Bogenspannens, ausweist. Alles ist von vibrierender Energie erfüllt, akkurat ausgestaltet. Was da zustande kommt, ist keine abgeklärte Klanganalyse, sondern die Hitze eines überlegen geführten Gefechts. Während man zu Inbals Zeiten, auch später bei Dmitrij Kitajenko, dachte, dass das Orchester an den Maestri ihres Fachs noch wachsen könne, die Tutti noch geschmeidiger, die klangliche Komponente noch runder sein könnte, scheint das Orchester unter Paavo Järvis Leitung hinsichtlich der Spielkultur im Ranking der europäischen Rundfunkorchester an die Spitzengruppe einzurücken.

Auffallend signalisiert die Neunte diesen Aufwärtstrend. Innig gestaltet das Orchester die schlichten Choralmelodien. Das bündig- markante Scherzo besitzt Farbe, ohne extreme Kontraste vorzuspiegeln. Erschütternd erklingt das 'Adagio’ des dritten und letzten Satzes. So steht Järvis Konzept eindeutig an der Schwelle zur Neuen Musik, vor allem unterstreicht der klangmächtig heraus gemeißelte Nonenakkord die Modernität seines Bruckner-Bildes. Und immer wieder sorgt ein perfekt ausbalanciertes Klangbild für Transparenz. Es gibt weder mystische Nebellandschaften noch eine überzogene Linearität, auch keine Überartikulation von Details, die zur Zerfaserung führen könnten.

Järvi pflegt einen geschmeidigen, hellen, kernigen, beileibe nicht weich fließenden Klang im Sinne der ehrwürdigen Bruckner-Apostel. Bruckner-Wahrheiten liegen – so scheint es –immer in der Mitte; weder in amerikanisch bläserlastiger Orchesterphysiognomie noch in den weiten landschaftlichen Gegebenheiten Oberösterreichs, woran sich Wiens Philharmoniker orientieren, wenn ein Franz Welser-Möst die Geschicke steuert oder Christian Thielemann in die Fußstapfen Wilhelm Furtwänglers zu treten meint. Järvi braut seinen Bruckner nach dem ‚Reinheitsgebot’. Bei ihm lassen sich Emotion und Clarté zu einer überzeugenden Einheit binden. Man darf gespannt sein, welches interpretatorisches Profil in den anderen Sinfonien zum Vorschein kommen. So alltäglich Bruckner-Interpretationen auch immer geworden sind – zu einer Herausforderung werden sie immer wieder. Die Hessischen Rundfunksinfoniker scheinen ihr in jedem Fall gewachsen zu sein. Dafür spricht ihr niveauvoll virtuoses Spiel.

Wednesday, December 09, 2009

CD Pick of the Week: Paavo Järvi with Beethoven's Third and Eighth

Paavo Järvi, Picture © Julia Baier

...As it turns out, these new, leaner Eroicas are well worth getting . Happily, no scrappage bonus is required; we can get them and keep our Kleiber (Erich) and Kletzki and Böhm and even Bernstein. The lean one under review here isn’t all that new anymore and if I’ve been tardy in writing about it, it’s only because I wasn’t sure my words could do it justice. Meticulous cross-comparison ensued in trying to get it all right and in the end I had nothing but papers with scribbled bar numbers (music, not imbibing establishments), tempo comparisons, and exclamation points.

I’m scrapping all ­that to simply say it how it is: Paavo Järvi’s disc with the Third Symphony of Beethoven (and a nearly equally zany Eighth) performed by the German Chamber Philharmonic of Bremen is stunning. One of those recordings that, after having listened to something like four dozen other Eroicas, you didn’t think would come along. If the phrase “blow your socks off” ever made sense, it does here. This is a brisk, bold, head-on performance. Järvi smacks the symphony into your face with a force that it makes Osmo Vänskä’s take (BIS) sound nearly tame. And my hitherto favorite Gardiner (Archiv), the only one to take all the repeats and still clock in below Järvi (44:29 to 45:03), ends up sounding rather breezy, as if Gardiner didn’t really mean to speed. Using a 28-player string section (8-7-5-5-3), Järvi’s Chamber Orchestra sounds to be in complete control of the work, too, whereas Gardiner’s HIP forces (tuned lower by a half step, give or take a few Herz of wiggle-room) sound more authentically, if not necessarily more appropriately, challenged.

....................

Since the Eroica-economy is not a zero sum game, I ask to be left dabbling happily in the multitudes, enjoying each one, depending on my mood. All of which goes to show that many ways lead to Rome… but only Järvi takes a motorcycle.


Find the full article here:

Friday, December 04, 2009

Planets Review

Christophe Huss
Classics Today France


GUSTAV HOLST
Les Planètes
BENJAMIN BRITTEN
Variations sur un thème de Purcell

Orchestre symphonique de Cincinnati
Paavo Järvi
Telarc- CD-80743(CD)
Référence: Karajan (DG)
rating

Je n'ai pas tout de suite accroché à ce nouveau disque de Paavo Järvi à Cincinnati, sans doute l'un des derniers, sinon le dernier, pour Telarc, ce label admirable qui a, hélas, abandonné le métier.

Le premier travail d'adaptation était lié au fait qu'il s'agit du premier CD (et non SACD) Telarc que je reçois depuis 7 ou 8 ans. Il me fallait me réhabituer à la perte de relief... Bon. Cela prend deux plages. Ensuite, j'ai eu l'impression que l'orchestre évoluait à distance. Grave erreur: c'est le niveau de gravure qui est tout simplement "normal" dans un monde où tout le monde "met du niveau" pour vous impressionner. Ici, il suffit de monter le potentiomètre et d'en profiter.

Arrivé à la 4e et la 5e plage, Jupiter et Saturne, l'oreille s'est ajustée et on comprend. On comprend qu'il s'agit de la plus jouissive version des Planètes que l'on puisse imaginer, nourrie d'un travail scrutateur sur l'orchestration, les dosages polyphoniques et les dynamiques. Je n'ai qu'une hâte en écrivant ce compte-rendu: écouter cette radiographie orchestrale au casque.

Les Planètes sont souvent prétexte à bruit. Avec Paavo Järvi elles sont fermeté, implacabilité et transparence. Le dosage des harpes dans Neptune, les patientes montées dynamiques, les couleurs automnales des contrebasses de Saturne (chef-d'œuvre des chefs-d'œuvre de ce CD: écoutez la partie suivant le climax...): toute l'interprétation fourmille de stimuli sonores jubilatoires pour l'esprit et les sens. C'est un immense plaisir d'audition dans lequel jamais la musique n'est prise en otage pour faire un effet.

Pour augmenter le minutage sans avoir l'argent pour enregistrer autre chose, Telarc a repris les Variations Purcell de Britten qui figuraient en complément des Variations Enigma, un autre 10/10. Dommage pour ceux qui l'ont déjà. Aubaine pour les autres…

Voilà le baroud d'honneur d'un label attachant, singulier et coloré, qui nous manquera. Et quel baroud d'honneur!

Wednesday, December 02, 2009

Rezension der RCA-CD 88697576062 bei Klassik Heute

Benjamin G. Cohrs
13.11.2009
Klassik Heute

Mit der Neu-Einspielung der neunten Sinfonie kommt der Beethoven-Sinfonienzyklus der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvi zu seinem fulminanten Abschluß. Zwar überschreitet die Kammerphilharmonie hier ausnahmsweise die Grenzen ihrer selbstgewählten kleinen Besetzung und stockt die Streicher um jeweils ein Pult auf, doch 9-8-6-6-4 ist natürlich noch bei weitem nicht die übliche, repräsentative Grossbesetzung, sondern entspricht der Stärke vieler Orchester der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (vergleichbar etwa dem Gewandhausorchester zur Zeit Mendelssohns oder der Meininger Kapelle). Die Durchschlagskraft dieses kleinen Ensembles ist allerdings erstaunlich. Das ist nicht der modernen Tontechnik zu verdanken, wie der Verfasser weiss, denn er hatte das Vergnügen, dieses Werk mehrmals auch live mit der Kammerphilharmonie zu hören. Es ist vor allem der Zugriff der Musikerinnen und Musiker, die an den entscheidenden Stellen in die Instrumente langen, als ginge es um ihr Leben. Es ist auch der Zugriff von Paavo Järvi, der den deklamatorischen Gestus von Beethovens Musik sicher erfaßt. Und es ist die Zusammenarbeit und Erfahrung aus vielen Aufführungen, bei denen Orchester und Dirigent allmählich ein fast unfehlbares Gespür für den Zusammenhang von Tempo und Klangentfaltung im jeweiligen Raum entwickelt haben. Die sehr gute Klangbalance ist der Mischung aus modernen Holzblasinstrumenten und Hörnern, Naturtrompeten, eng mensurierten Posaunen, historischen Pauken und modernen Streichinstrumenten (wobei die Bässe umsponnene Darmsaiten verwenden), aber auch der antiphonalen Aufstellung der Violinen und recht hohen Holzbläserpodesten zu verdanken. So hört man auch im lauten Tutti die Holzbläser stets durch, der Klang wird nie vom Blech dominiert, die Naturtrompeten wirken schneidig und voll, aber nie brutal.

Gearbeitet haben die Tontechniker allenfalls an der Balance von Soli, Chor und Orchester: Der 40-köpfige Deutsche Kammerchor hat in allen Aufführungen, die ich hörte, nicht so viel Wucht entwickelt, wie es auf der Aufnahme scheint. Aber das ist bei Studioproduktionen natürlich völlig legitim, man will ja als Hörer ein optimales Ergebnis. Außerdem versteht man so erfreulicherweise vom Chor jedes Wort. Auch das Solo-Quartett ist alles in allem vorzüglich, doch geht der für die Produktion bestellte Tenor Klaus Florian Vogt seine Partitur eine Spur zu lyrisch-leicht an. Donald Litaker sang in den Konzerten der Kammerphilharmonie den berühmten Triumphmarsch „Froh wie seine Sonnen“ (Tr. 6) doch kraftvoller und mitreißender. Produzent Philipp Traugott (der übrigens auch als Studienleiter fungierte) und das Technik-Team von Polyhymnia haben im Übrigen ganze Arbeit geleistet: Im Zweikanalmodus klingt die Aufnahme kaum schlechter als im SACD-Surround, auch wenn in der Mehrkanalwiedergabe ungleich mehr Räumlichkeit erlebbar wird.

Die Interpretation selbst atmet den gleichen Geist wie die der vorausgegangenen Sinfonien: Zu hören sind bestürzende Details durch penible Beachtung der Spielanweisungen, eine vorbildliche Auslotung der Dynamik und nachtwandlerische Sicherheit beim Erfassen der Tempi; dies alles führt zu größtmöglicher Geschlossenheit im Ganzen. So manche als problematisch geltende Interpretationsklippe (zum Beispiel des Tempos im Scherzo-Trio) wirkt hier wie selbstverständlich umschifft. Kopfsatz und Finale entwickeln einen nie nachlassenden Drive; im Finale spürt man endlich einmal die geistige Vaterschaft der Neunten zu Berlioz’ Symphonie fantastique. Zugleich gibt das Tempo sofort nach, wenn die Musik es einmal erfordert, zum Beispiel im Finale bei dem Wort „Brüder“ (Tr. 9, 2’03). An den entscheidenden Stellen kommt das Werk also zum Atmen, ungeachtet der sicher von manchen als schockierend empfundenen raschen Tempi. Das Adagio erzielt durch das flüssige, kantable Tempo eine eigenartig jenseitige, exaltierte Atmosphäre, die ganz merkwürdig berührt, auch oder gerade weil jedes überzogene Pathos wie weggeblasen scheint. Dies gilt auch für die Sinfonie im Ganzen. Abgerundet wird die Produktion durch den vorzüglichen Booklet-Text von Peter Schleuning. Nichts weniger als eine neue Referenzaufnahme und eine diskographische Sternstunde!