Monday, August 30, 2010

Konsumtempel wird Konzertsaal

Montag, 30. August 2010
(Sächsische Zeitung)
Von Ines Eifler und Bernd Klempnow

Ein Jahr nach seiner Schließung öffnete das Görlitzer Jugendstil-Kaufhaus seine Türen – für ein Benefizkonzert der Sächsischen Staatskapelle.


Die Mädchen kreischen im Walzertraum zum Schlagerlärm. Zwei Peruaner spielen Panflöte. Und die Losbudenfrau ruft: „Versuchen Sie ruhig Ihr Glück!“ Direkt neben dem Görlitzer Altstadtfestrummel aber erwacht am Sonnabendnachmittag das Jugendstilkaufhaus, Perle der Stadt, zu neuem, ungewohntem Leben. Der Klavierstimmer Olaf Mehlich streicht über die Tasten des glänzenden Konzertflügels. „Einen Steinway in einem Kaufhaus zu stimmen, das ist einmalig“, sagt er. Es ist der Flügel der Sächsischen Staatskapelle Dresden, die am Abend im ehemaligen „Hertie“ ein Benefizkonzert für das Görlitz-Zgorzelecer Jugend-Kunst-Projekt „Meetingpoint Music Messiaen“ geben wird. Zum ersten Mal seit der Schließung vor einem Jahr öffnet das Kaufhaus seine Türen. In Windeseile waren alle über 1000 Karten ausverkauft.

Von der Parfümerie aus, die den Eingangsbereich gemietet hat, schauen Leute dem Klavierstimmer zu, viele filmen den ungewohnten Anblick: Ein Kaufhaus wird Konzertsaal. Drei Wochen lang hat der Förderverein des „Meetingpoint“ geräumt, geputzt, für Brandschutz und Technik gesorgt. Wo einst Süßwaren, Koffer und Haarbürsten in Regalen lagen, stehen jetzt Stuhlreihen um eine extra aufgebaute Bühne. Die Ränge, wo früher Kleider und Dessous hingen, sind nun Foyers mit Sekttafeln.

Als die Parfümerie drei Stunden vor Konzertbeginn schließt, hält vorm Seiteneingang der Lkw der Staatskapelle. Orchesterdisponent Matthias Gries weist seine Mitarbeiter an: Die großen Instrumentenkisten ins Kaufhaus, die Anzüge und Kleider in die Kirche gegenüber, wo sich die Musiker umziehen werden. „Wir kommen direkt aus Österreich“, sagt Gries. Dort hatte die Kapelle ihre erste Kurztournee dieser Saison absolviert.

Es war ein scharfer Ritt, den die Musiker innerhalb der ersten Spielzeitwoche hinter sich hatten – erst Konzerte und Opern-Aufführungen in Dresden, dann Flug nach Wien und Konzert beim Festival Grafenegg, retour und dann direkt vom Flugzeug in den Bus nach Görlitz. Besonders das Festival steckte in den Knochen. Dieses Fest ist kein leichtes Terrain. Nur die Creme de la Creme wie das Mariinsky-Theater St.Petersburg oder das Concertgebouw-Orchester Amsterdam tritt dort auf. Doch mit zwei zupackenden Beethoven-Werken im geschmeidigen, warmen Dresdner Sound gewann die Kapelle das verwöhnte Publikum. Die Zuschauer klatschten, bis Solist Rudolf Buchbinder und das Orchester mit Zugaben nochmals begeisterten. Doch das ist schon wieder Musik von gestern. Am frühen Abend trifft der Staatskapellen-Bus in Görlitz ein. Dirigent Paavo Järvi betritt als Erster das Kaufhaus. „Prächtig, luxuriös!“, sagt er, „ich bin auf die Akustik gespannt.“ Albrecht Goetze, Ideengeber des „Meetingpoint“, faltet die Hände, verbeugt sich und dankt dem Esten für den Auftritt zugunsten der „Kids“, die Goetze für Kunst begeistern will. Sie sind ihm so wichtig, dass er die besten Plätze für Schüler reserviert hat.

Nur wenig später ist alles bereit. Paavo Järvi hat das Orchester einige Passagen anspielen lassen und sich von der Akustik überzeugt: „Very fine!“ Goetzes freiwillige Helfer, Sicherheitsleute und Feuerwehr postieren sich an den Türen. Inzwischen ist auch Pianist Rudolf Buchbinder eingetroffen. Der vielbeschäftigte Wiener ist extra für das Benefizkonzert innerhalb einer Woche das zweite Mal nach Sachsen gereist. „Jedes Mittel ist recht, um Kindern Musik ans Herz zu legen“, sagt er. „Außerdem geht es doch hier auch um die Versöhnung der Deutschen und Polen.“

45 Minuten vor Konzertbeginn drängen sich die Menschen vor den Glastüren. „Es ist so weit“, ruft Goetze. Rasch füllt die Menge das Haus, bewundernde Blicke. Einige sind aus Liebe zu ihrem Kaufhaus gekommen. Andere wegen der Musik von Beethoven, die ungemein populär ist. Die meisten wegen beidem. Hannelore Großer, 67, kann sich das Kaufhaus sogar dauerhaft als Konzerthaus vorstellen. Aber auch Albrecht Goetzes Vorhaben, Jugendliche zu erreichen, geht auf. Die 15-jährige Julia Hausmann sitzt auf einem „Schülerstuhl“ und ist „nur wegen der Musik“ gekommen.

Töne bis unters Glasdach

Dann wird es ruhig. Paavo Järvi hebt den Taktstock. Albrecht Goetze, der noch unruhig war, ob der Rummel vor der Tür zwei Stunden lang still sein würde wie versprochen, entspannt sich. Walzertraum und Peruaner sind nicht mehr zu hören. Mit Geigenzauber und Pauken beginnt das Konzert. Die Töne fließen über die prunkvollen Doppeltreppen hinauf bis unters gläserne Dach. „Diese Musik braucht Höhe“, hatte Järvi nach der Probe gesagt. Und dieses Haus ist hoch.

Aber auch Beethovens kraftvolle Fünfte und sein berühmtes Klavierkonzert Es-Dur machen die einst profane Funktion des prächtigen Baus vergessen. Wie den Wienern und den Dresdnern schenken die Musiker den jubelnden Görlitzern am Ende eine Zugabe.

Grafenegg: Buchbinder brilliert mit Dresdnern

29.08.2010 | 18:55 | EWALD BARINGER (Die Presse)

Beethoven-Abend der Staatskapelle unter Paavo Järvi. Solist, Orchester, Dirigent sind bestens aufeinander eingespielt. 6500Besucher in vier Tagen.


Mit zweimal Beethoven, jeweils Nummer fünf, auf Nummer sicher: Rudolf Buchbinder, Intendant des Musik-Festivals Grafenegg, das in den ersten vier Tagen bereits 6.500Besucher verzeichnen konnte, hat am Freitagabend gleichsam bei sich selbst gastiert und im Auditorium gemeinsam mit der Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Paavo Järvi beim Klavierkonzert Nr.5 Ovationen des Publikums eingeheimst.

Dass Solist, Orchester und Dirigent so gut aufeinander eingespielt wirkten, kam nicht von ungefähr – waren doch bereits drei Konzerte in der Dresdner Semperoper vorangegangen. Dort wird Buchbinder in sieben Matineen auch Beethovens 32Klaviersonaten zur Aufführung bringen und während der Saison 2010/2011 der Staatskapelle Dresden als Artist in Residence besonders eng verbunden sein. In der erstmals eingerichteten Position des „Capell-Virtuosen“ wird er mit dem Orchester, dem dann ab 2012 Christian Thielemann als Chefdirigent vorstehen wird, in Dresden und im Rahmen einer USA-Tournee konzertieren.

Frenetischer Applaus

In Grafenegg funktionierte das Zusammenspiel jedenfalls bestens, selbst heikle Übergänge glückten weich wie auf Wolken, jedoch in absoluter Präzision. Buchbinder zelebriert Beethoven mit allen pianistischen Weihen, ausgefeilter Anschlagskultur und Sinn für Balance wie Attacke. Klanglich besonders schön gelang der zweite Satz. Das Finale aus der „Pathétique“ folgte als Dank für den frenetischen Applaus.

Nicht restlos überzeugend – und das ist in diesem Fall wohl auch zu viel erwartet – geriet dann die fünfte Symphonie, wenngleich sich von Beginn an dramatische Spannung auflud. Erst im Schlusssatz stellte sich die große Linie ein. Traumhaft poetisch: Sibelius' Valse triste als Zugabe.

Immer wieder aufschlussreich ist der Besuch der Einführungsvorträge. Diesmal verblüffte der deutsche Musikwissenschaftler und Kulturpolitiker Peter Zacher mit einer sympathischen Portion Selbstironie und dem Eingeständnis, statt über solch populäre Stücke lieber über weniger Bekanntes, jedoch ebenso Aufführenswertes wie Keith Emersons Klavierkonzert oder Werke von Mikis Theodorakis sprechen zu wollen.

Doch auch zu Beethoven fiel ihm allerlei ein, und sei es der „Krämerspiegel“ von Richard Strauss nach Texten von Alfred Kerr, in dessen Verlauf u.a. die Erkenntnis zu gewinnen ist, dass der Sprechrhythmus des Götzzitates mit dem prägnanten Eingangsmotiv der Fünften Beethovens tatsächlich kompatibel ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2010)

Wednesday, August 25, 2010

Kraftvoller Auftakt - Zeiträume der Musik im 1. Sinfoniekonzert der Staatskapelle Dresden

Datum: 24. August 2010 | Autor: Alexander Keuk
musik-in-dresden.de

Strahlender Sonnenschein begleitete die Saisoneröffnung der Sächsischen Staatskapelle am Sonntagvormittag in der Semperoper. Der Übergang von der genussvollen Sommerzeit hin zur neuen Konzertsaison gelang fließend. Großen Pomp sparte sich die Staatskapelle diesmal, denn die Saison 2010/2011 ist noch "cheflos", allerdings keineswegs führungslos, denn namhafte Dirigenten bekommen die Chance, das hervorragende Orchester zu leiten, so im 1. Sinfoniekonzert der Este Paavo Järvi.

Die Qualität des Auftaktkonzertes lag in einer den Geist fordenden Dramaturgie, denn mit dem Thema "Zeit-Raum" wurde eine imaginäre Thematik über das Konzert gebreitet, die zum Ursprung der Musik selbst führt. Wer anders setzte sich mit diesem Thema genialer auseinander als Ludwig van Beethoven? Viele seiner Werke wirken wie eine Forschungsarbeit der Zeit-Nahme oder der Überwindung der Zeiten. Tonlängen und Pausen, Plötzlichkeit und Abwarten werden zu fokussierten Objekten der Betrachtung. Damit beschäftigt sich auch der estnische Komponist Erkki-Sven Tüür, dessen Werk "Zeitraum" zu Beginn erklang.

Bei allem Respekt vor der Ernsthaftigkeit der Aufgabe: die Wirkung misslang. Möglicherweise lag es an der Übermacht Beethovens, dass die teils minimalistisch tickenden Skalen und die herausplautzenden Zusammenballungen der Bläser nur ein Gerüst eines Zeitraums artikulierten, aber eben keine Botschaft. Zu unscharf war das kompositorische Material der anvisierten Zeit-Architektur ausgestaltet. Trotz engagierten Spiels der Kapelle unter der akkuraten Leitung Järvis wird man sich einem neuen Umgang mit Musik der Gegenwart zukünftig stellen müssen, das ungeliebte Pflichtstück der ersten Konzertviertelstunde sollte man begraben.

Neben dem Capell-Compositeur (in diesem Jahr Johannes Maria Staud) gibt es nun auch einen Capell-Virtuos bei der Sächsischen Staatskapelle und die Dresdner dürften hocherfreut sein, dass Rudolf Buchbinder mehrere Abende gestalten wird. Der herausragende Beethoven-Interpret zeigte denn auch im 5. Klavierkonzert Es-Dur, dass ein überlegter, frischer Zugang dieses Werk wohl niemals altern lassen wird. Dazu ist zuviel Leben, zuviel Mensch, zuviel Herz ist in diesem Werk und Buchbinder zeigte davon eine ganzes Füllhorn. Wohl darf man ihn im besten Sinne als "Nuntius" der Werke Beethovens betrachten, denn Buchbinders Auseinandersetzung mit von ihm gespielter Musik ist jederzeit komplex und spiegelt sich bereits in der Maxime wieder, dass keine Note dem Zufall überlassen wird. Auch das selbstbewusste Frei-Spielen im dritten Satz wirkt gesteuert, kraftvoll, überzeugend. Dem niemals übertriebenen oder ungestümen ersten Satz folgte Achtsamkeit im Adagio - Buchbinder erzählt die Musik immer noch mit einer fast kindlichen Neugier und der Zuhörer schafft es, das Werk wieder in frischen Farben zu entdecken. Paavo Järvi arbeitete in guter Partnerschaft mit dem Solisten und entlockte dem Orchester einen runden und sehr flexiblen Gesamtklang.

Die Kompetenz und Hingabe, mit der Järvi bei Beethoven zu Werke geht, beschert dem Dirigenten und seiner Kammerphilharmonie Bremen in diesem Jahr übrigens eine ECHO-Klassik-Auszeichnung. Eine sehr überzeugende, in den Tempi durchaus avancierte Interpretation gelang ihm mit der Kapelle mit der 5. Sinfonie c-Moll Opus 67. Das (unzulängliche) Motto namens "Schicksals-Sinfonie" bettete Järvi in ein satzübergreifendes Konzept ein, das schon bei Beethoven angelegt ist. Das Andante bildet daher nur eine Brücke, eine Farbschattierung hin zum offenen, sonnendurchtränkten Feld des Finales, das Järvi mit einem überaus spannenden Übergang aus dem Scherzo erreichte. Die Ecksätze waren wie aus einem Guß gemeißelt und mit klarem Vorwärtsgedanken hingesetzt: so wies das 1. Sinfoniekonzert am Ende in einer meisterlichen Interpretation in die musikalische Zukunft der neuen Konzertsaison. Und es ist eine gut, dass uns Beethovens Musik solche Erkenntnisse heute immer wieder zu geben vermag.

Eine Textfassung des Artikels ist am 23. August in den Dresdner Neuesten Nachrichten erschienen.

Tuesday, August 24, 2010

Das Görlitzer Kaufhaus strahlt schon für das große Konzert

Dienstag, 24. August 2010
Sächsische Zeitung


Touristen, die die Stadt Görlitz besuchen, schauen sich schon mal neugierig am Eingang um. Denn gestern wurde das Kaufhaus für das bevorstehende Konzert herausgeputzt. Foto: Pawel Sosnowski


Am Sonnabend spielt die Dresdner Staatskapelle in der Jugendstil-Pracht. Es gibt nur noch Restkarten.

Das ganze Wochenende wurde geputzt: Jetzt strahlt das seit einem Jahr geschlossene Görlitzer Jugendstil-Kaufhaus wieder in all seiner Pracht. „Es ist atemberaubend, einfach wunderbar“, schwärmt Albrecht Goetze vom Meetingpoint Music Messiaen, der das große Benefizkonzert mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden veranstaltet.

Das berühmte Orchester wird hier an diesem Sonnabend vor 1000 Zuhörern Beethovens 5. Klavierkonzert und seine berühmte 5. Sinfonie spielen. Schon das allein dürfte für Musikfreunde ein großes Fest werden, das noch dazu unter Leitung des großen Dirigenten Paavo Järvi und vom Starpianisten Rudolf Buchbinder zelebriert wird. Beethovens Konzerten vorangestellt ist in dem Konzert das Stück „Zeitraum“ des zeitgenössischen estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür. Die Görlitzer erwartet ein hochkarätiges Musikerlebnis.

Auch die Akustik ist inzwischen getestet, sagt Albrecht Goetze und ist begeistert: „Als sei das Haus als Konzertsaal gebaut“, schwärmt der ausgebildete Regisseur.

Ohne große Werbung war das Kaufhaus-Konzert bereits nach kurzer Zeit so gut wie ausverkauft. Auch das freut die Organisatoren. „Das zeigt nicht nur die Musikbegeisterung der Görlitzer, sondern vor allem auch, welchen Stellenwert das Jugendstil-Kaufhaus in Görlitz hat“, freut sich Goetze.

Die Zukunft des deutschlandweit einmaligen Kaufhauses, das im August vorigen Jahres zu ersten Mal in seiner Geschichte geschlossen wurde und seitdem leer steht, ist noch immer ungewiss. Nach Aussage des Immobilienvermarkters der insolventen Hertie-Kette laufen Verhandlungen mit einem Interessenten, deren Ergebnis offen ist. Die Aktion des Meetingpoint Music Messiaen hofft am Sonnabend deshalb auch auf überregionale Aufmerksamkeit. (SZ/ju)

Einige Restkarten für das Konzert gibt es diese Woche nur noch beim Meetingpoint, Demianiplatz 40 (9 - 15.30 Uhr) und ab 18 Uhr an der Abendkasse. Das Konzert beginnt 19 Uhr.

Friday, August 06, 2010

Schumann’s Troubled Spirit Is Fertile Ground for Players

By Vivien Schweitzer
New York Times
August 4, 2010

Even highly competent orchestral concerts can sound like just another day at the office for jaded musicians. But when the Deutsche Kammerphilharmonie Bremen appeared at Alice Tully Hall on Monday evening in the Mostly Mozart Festival, it seemed that work was certainly play for these fiery performers.

There was nothing quotidian about any of the concert, conducted by Paavo Jarvi, the ensemble’s artistic director since 2004. There were two Schumann works on the lineup in honor of that composer’s bicentennial. In an interview printed in the orchestra’s seasonal book for 2010, Mr. Jarvi said that when interpreting Schumann “you have to exaggerate emotions, not so much the precision” in the music, and instead of looking for logic, focus instead on its “neurotic extremes.”

Mr. Jarvi did just that in his bristling and almost unhinged interpretations of Schumann’s “Manfred” Overture, which opened the program, and the “Spring” Symphony No. 1 in B flat, which closed it. Schumann, an unstable man who attempted suicide and died in an insane asylum, composed the overture as music for Lord Byron’s dramatic poem about a transcendence-seeking, Faust-like sorcerer.

This was a Xanax-free performance, the music raw and unprettified and its bipolar underpinnings highlighted with sharp contrasts and unexpected accents. The musicians, perched on the edge of their seats, played with enormous energy and illuminated violent mood swings within a single measure.

Neurotic cinders also fanned their high-octane rendition of Schumann’s First Symphony, which he composed quickly and in good spirits in 1841. Mr. Jarvi’s incisive, unpredictable phrasing and bold contrasts made for an exciting performance, although with music making this risky, the few rough edges seemed almost inevitable.

Piotr Anderszewski, a highly idiosyncratic pianist, is an ideal match for this ensemble. More than the typically brief rehearsal time seemed to have gone into their thoughtful rendering of Mozart’s Piano Concerto No. 17 in G, with soloist and orchestra remarkably attuned to each other.

Mr. Anderszewski’s approach stops just short of mannered; his interpretation might even sound pretentious in the hands of a less gifted performer. But this distinctive musician is never routine, and his exquisitely honed phrasing and gestures often illuminate unusual structural details. The orchestra played with great elegance, particularly in the dance-like final movement.

There were three encores: Mr. Anderszewski played Bartok’s Three Hungarian Folksongs after the concerto in the first half of the program. After the Schumann symphony, the orchestra offered a vigorous performance of the last movement from Beethoven’s Symphony No. 1 and Sibelius’s “Valse Triste” (Op. 44, No. 1) — remarkable for the gossamer pianissimos that seemed to cast a spell over the rapt audience.

http://www.nytimes.com/2010/08/04/arts/music/04kammer.html?_r=1

Neeme Jarvi 70th Birthday Jubilee (2010)

“A family affair,” the celebration of conductor Neeme Jarvi’s 70th Birthday Jubilee (26 May 2007) in Talinn, Estonia has all the trappings of a religious festival.

Gary Lemco

July 29, 2010

Audiophile Audition

Neeme Jarvi 70th Birthday Jubilee (2010)

Program: KAPP: Poehjarannik; TOERMIS: Kolm mul oli kaunst soena; SIBELIUS: Finlandia; ELLER: Three Pieces fro Flute and String Orchestra; NIELSEN: Three Movements from Aladdin Suite; LISZT: A Faust Symphony
Performers: Maarika Jarvi, flute/Juhan Tralla, tenor/ Estonian National Symphony Orchestra/Estonian National Male Choir/Kristjan Jarvi/ Paavo Jarvi/Neeme Jarvi

Studio: VAI DVD 4443
Video: 16:9 Color
Audio: PCM Stereo
All regions
Length: 121 minutes
Rating: ****


Truly “a family affair,” the celebration of conductor Neeme Jarvi’s 70th Birthday Jubilee (26 May 2007) in Talinn, Estonia brought out the entire community--including Estonian President Toomas--to the Estonian Concert Hall for a program selected by Neeme Jarvi himself. His sons Paavo Jarvi and Kristjan Jarvi--along with flute virtuoso Maarika Jarvi--participate in a colorfully vibrant concert that exudes national pride and artistic confidence.

Prior to the concert segment, we have a glimpse of the Jarvi household: interviews with wife Lillia Jarvi and each of her gifted children. “My husband loves and adores music,” Lillia exclaims, “and it is a family history and tradition. A house and atmosphere of classical music put the love into their blood.” Kristjan elaborates: My father did not insist that we become musicians--but it became the curiosity that killed the cat.” “He has the capacity to infect us with a curiosity about music,” adds Paavo, “and so I wanted to be a conductor since I was five-years-old. He showed us so much enthusiasm for every new piece--and he made it so much fun.” Kristjan puts his home’s music into perspective: “Talinn in Estonia is not an ‘international’ locale; our language and our culture is all, especially after we broke away fifteen years ago from the Soviet Union. So, music gives us the identity we crave.”


Neeme Jarvi leads the opening piece--one of several that features the Estonian Male Choir--in a piece by national composer Villem Kapp (1913-1964), entitled Northern Coast, a combination of pastoral and march that alternates between soft ariosi--a kind of homage to the sea--and more boisterous outer sections marked by cymbal crashes and fervent trombones. Then, flutist Maarika Jarvi joins Neeme Jarvi for I Had Three Beautiful Words by Veljo Tormis (b. 1930), a tripartite serenade in muted colors wherein the chorus intones in sighs and whispers of love. At the finale, Jarvi beckons the composer to receive a red rose in appreciation of his colors.

Paavo Jarvi makes only one appearance, and this a massive rendition of the Sibelius Finlandia, with the male chorus intoning the Finnish equivalent of “Be Still My Soul.” Brilliant but relaxed through long association, the piece gains a decisive momentum at the finale, with brass blazing and Paavo Jarvi much pleased with the resounding chords of Finnish independence. Maarika and Kristjan Jarvi appear to perform Three Pieces for Flute and String Orchestra (trans. Charles Coleman) by Heino Eller (1865-1970). A conservative syntax marks these lovely program pieces, entitled “In the Valley,” “On the River,” and “In the Meadow,” which makes them distant cousins of the Frederick Delius school of musical thought. Each of the dances is a bucolic lyric paean to Nature, light and breezy, the second of which might suggest a wayfarer’s whistled tune.

Kristjan Jarvi makes a solo appearance with three excerpts from Nielsen’s Aladdin Suite, highly energized in the Dane’s pomp, idiosyncratic harmony and erotic syntax, each suggestive of Arabia or at least--in the third dance called “African Dance”--a moment from Tunis or Algeria. Wonderful battery effects from the Estonian National Orchestra certify their virtuosic sense for color and rhythm, each new addition to the spectrum urging Kristjan Jarvi to more convulsive ecstasies.


Lastly, but certainly the main attraction, Neeme Jarvi leads a powerfully etched rendition of Liszt’s Eine Faust-Sinfonie (1857) after the epic by Goethe. The huge orchestra and chorus, including solo tenor Juhan Tralla and pipe organ, follows Jarvi’s every facial crease and hand gesture with due reverence. Conceived in three programmatic movements--the third Mephisto movement an inversion of themes from the first Faust movement--Liszt’s music exploits all twelve tones of the chromatic scale and in several respects foreshadows the “crisis of harmony” incarnate in Schoenberg. Only the second movement, Gretchen, remains thematically intact resistant to the Devil’s wiles and acts accordingly as an impetus to the tenor’s repeated plaint that “the Eternal Feminine leads us onward.” Even if we do not particularly worship at Liszt’s musical altar, we can plainly witness in literally iconic terms that the Estonians treated this Neeme Jarvi Day as a religious pilgrimage.


http://www.audaud.com/article.php?ArticleID=7708

Thursday, August 05, 2010

Outstanding Beethoven Järvi Prom 1

CLASSICAL ICONOCLAST
InstantEncore.com


When it comes to Beethoven's Fifth, I turn to jelly. It's so wonderful that even school bands sound good. So when an outstanding performance comes up, I melt in ecstasy.

Paavo Järvi brought the Deutsche Kammerphilharmonie Bremen to BBC Prom 14. Another historic occasion, for Järvi's Beethoven cycle breaks new ground. This orchestra ia superb, reflecting the modern European trend towards specialist virtuoso ensembles. Traditional city-based orchestras can fossilize, but orchestras as "elite units" keep fresh.

What a vivid sound the DKB give Järvi! Such sharpness of attack, such energy, such brightness. Gone the accretions of performance tradition which may or may not reflect Beethoven. Instead, the music feels like it's flying straight off the manuscript, clean and vigorous. It "lives". You half expect the composer to turn up and take a bow.

The period instrument ethos definitely helps. Natural horns may not be as sophisticated as late 19th century improvements, but they're brighter, more human in many ways. Textures are lighter, but they move. When Beethoven could still hear, that's what he might have heard.

Authentic in itself means nothing, though. Järvi and his orchestra make their Beethoven 5 sound right because they access the spirit of the symphony. This is Beethoven in full flow, glorying in the joy of creation.. What freedom, what clarity! 200 years after it was written, it's still AUDACIOUS.

After hearing the Fifth, listening again to Järvi and the orchestra do Beethoven 1 enhances the experience. It connects to the 5th, so brave, so assertive. And then, Hilary Hahn plays the Violin Concerto in D major. She's on the DKB vibe, too, wonderful.

And as a bonus, an encore! The Allegretto Scherzando from Beethoven 8.

But listen to the broadcast online, on demand and all over the world until next week. Highly recommended.Get the recording,too, though it's not quite the same.

Best Prom so far in an illustrious season. Of course, my weakness is period-sensitive orchestras and their agile sound. My next best was Petrenko Schumann, Rachmaninov and Tchaikovsky, Prom 4. So far this season only 3 duds of sixteen (two I haven't written about and one stinker coming up I won't listen to). PS I have been wonderstruck by Paul Lewis's Beethoven, especially Piano Concerto no 2 on 29th (Prom 16) and 4 on 21st (Prom 6). I don't usually write unless I have something original to say, and it's pretty obvious, everyone swoons for Paul Lewis. And Andris Nelsons, who is brilliant.


http://www.instantencore.com/buzz/item.aspx?FeedEntryId=99172

Concert Review/ Paavo Järvi & Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

August 4th 2010, by Tobias Fischer
Tokafi.com


Picture by Patrick P.L. Lam


In their first of three concerts this year at the Lanaudiere Festival, the Deutsche Kammerphilharmonie Bremen arrives on Canadian soil under a tight schedule. Having just appeared at the PROMS this year, the ensemble embarks on tour to perform their first Schumann Symphony cycle out in this festival, followed by appearances in Lincoln Center. This is the Deutsche Kammperhilharmonie’s third visit at the festival here in Joliette - the most recent, a Beethoven Symphony cycle from three years ago, has left many music lovers and critics alike in attendance glow with fond admiration in their naturally energetic performances. Despite the somewhat cool weather out in the open Fernand-Lindsay Ampitheatre, local and neighbouring visitors travel great distances to witness this ensemble in action.

Under the direction of their Estonian music director Paavo Järvi, they open with one of Schumann’s lesser-heard orchestral works to set the many minds in attendance with the Schumann language. This is a language that is defined by “an excessive, neurotic range of expression,” as commented by members of the Deutsche Kammerphilharmonie. The Overture, Scherzo and Finale Op.52, in fact a disguised “Sinfonietta” in structure, is Schumann’s next attempt after his “Spring” Symphony No.1 (Op.38) to pay homage to classical traditions. In this work totalling under twenty-minutes, one can hear some of the idioms and idiosyncrasies towards Schumann’s treatment on melodic lines, which the composer inherits from his precursor, Beethoven. With increasing accolades on their recorded and live performances in the Beethoven Symphonies with Järvi, this meticulous conductor focuses on bringing out some of the attractive instrumental qualities of the Deutsche Kammerphilharmonie: the full-bodied tone of the three double-basses and five celli from the bed of strings, or the trumpet players who bring out clarity and a golden lustre on their historical instruments. Together, they bring out a slightly lean sound to the work as a whole, but emphasize on the timbre qualities and individualistic elements to each of the instrumental groups. Most impressive out of all three sections is surprisingly the Overture, wherein Järvi’s direction highlights the metric freedom and lyrical character as the music demands. As a result of this concert being set in open-air, some of the passages from the woodwinds and horns in the middle section of the Scherzo do not carry out quite as effectively as one would have hoped.

It is interesting to note that several musical giants in history do not value greatly on the Symphonies written by Schumann. Felix Weingartner, for example, considers Schumann’s symphonies “too moderately orchestrated,” and in his opinion believes Schumann is not skilled to write for the orchestra in general. Another, the great Gustav Mahler, even goes to great lengths to re-orchestrate all four of Schumann’s Symphonies with much denser orchestration. A debate on Schumann’s orchestration technique has conjured much discussion in recent decades and is an active area of academic research. Thus, in keeping with recent Schumann scholarship and revival on historically-informed performances, Järvi and the Deutsche Kammerphilharmonie believe Schumann’s orchestral music nonetheless contain “an excessive, neurotic range of expression,” which can be as electrifying and exert as much vitality as listening to Beethoven Symphonies.

To illustrate this, they choose the two even numbered Symphonies to put this into effect in their first Schumann evening. In the Symphony No.4, Järvi focuses in detail on the tempo and rhythmical relationships from one movement to the next, emphasizing the rhythmic components which he believes underscore a logical continuity in the work. In return, it does not take long for the audience to appreciate that there exists a magical rapport and a special “German sound” in this group of musicians, as evident in the solo and dialogue passages. For example, in the third movement Romanza, the solo from the concertmaster is captured with admirable effect and clarity in definition that befits intelligently with the second musical subject performed by his string colleagues. As the movement draws to a close, one can witness the rewards precision can bring to a performance. One of these is found in the ensemble’s ability to execute a singing line in unison, as they bring the movement to a close like a tender lullaby. Alternatively, in the transition between the Scherzo and the Finale in the last movement, Järvi is able to inject a kind of vitality and athleticism into the energetic theme that complements the lightness and caprice qualities of the previous Scherzo section.

In the Symphony No.2, again it is the slow Adagio expressivo third movement that highlights the musicians' abilities to bring music and language into one, bridge by a constant outpouring of genuine expression. The string section engages themselves into a passionate “song without words”, and despite some earlier hesitations from the previous Symphony, the woodwinds now echo in full range with a beautiful dialogue that is led by the oboes and clarinets. In the workup to the climax of the Allegro molto vivace fourth movement, the oboist takes the spotlight to deliver a simple melody that uses familiar thematic material from the earlier movements. This melody encapsulates elements of joy and victory, as the music works its way up into a climax. At this point, Järvi, himself, cannot resist the build-up of triumphant energy, and some may have noticed he leaps slightly up in the air! In response to this heightened spirit, the trumpets respond with their last appearance with equal grandiose, bringing the work to a full close.

Compared to the acclaimed orchestras of the world, for instance the Amsterdam Concertgebouw or the Chicago Symphony, the Deutsche Kammerphilharmonie offers no less an engaging musical experience. This is further exemplified in the Allegretto scherzando from Beethoven’s Eighth Symphony as an encore. All-in-all, there are many “Schumannesque” utterances within the composer’s orchestral scores, hidden like messages waiting to be revealed. It takes the meticulous insights of a conductor, together with confidence and a rapport with his/her musicians, which can make music take flight. The unique combination of Paavo Järvi and the Deutsche Kammerphilharmonie Bremen is one of those rare jewels in today’s concert platform that befits this philosophy, and in consistent with their recorded Beethoven cycle, it is the unity in vision that fosters magic in their music-making.

http://www.tokafi.com/news/concert-review-paavo-jarvi-deutsche-kammerphilharm/

Wednesday, August 04, 2010

Festival de Lanaudière: Schumann éclipse Hilary Hahn

Claude Gingras
La Presse
01 août 2010



Le deuxième concert de la Deutsche Kammerphilharmonie Bremen -la Philharmonie allemande de chambre, de Brême- a attiré hier soir à l'Amphithéâtre du Festival de Lanaudière environ 4000 personnes, soit deux fois plus que la veille.

Nul doute que ce succès d'assistance est dû à la présence de Hilary Hahn comme soliste. Et pourtant, la délicate violoniste américaine de 30 ans ne jouait pas Schumann, le compositeur que l'orchestre allemand était venu fêter, mais plutôt Beethoven.

On peut d'ailleurs se demander pourquoi Beethoven figurait dans cette série de trois concerts centrée sur le bicentenaire de Schumann, comme on peut se demander pourquoi on joue un concerto pour piano de Mozart au concert final cet après-midi.

Schumann a laissé trois grands concertos, respectivement pour piano (très connu), pour violoncelle (un peu moins joué) et pour violon (très rarement programmé), et l'idéal eût été d'en inscrire un à chaque programme. On célèbre Schumann... ou bien on le célèbre à moitié.

De toute façon, c'est Schumann qui a volé la vedette hier soir, grâce à l'interprétation extraordinairement claire, vivante et généreuse de la première Symphonie que Paavo Järvi et ses 50 musiciens ont donnée après l'entracte.

L'oeuvre en quatre mouvements -dont les trois derniers sont joués d'une seule traite, ce qui empêche les gens d'applaudir où il ne faut pas!- vibre d'une exubérance qui lui a valu le titre de Frühling, c'est-à-dire «Printemps», titre autorisé par Schumann bien que non choisi par lui.

J'ai commenté hier, dans ma critique du concert de vendredi, la qualité du jeu orchestral telle que mise en valeur par l'acoustique précise de l'Amphithéâtre et un résultat sonore qui annihile la réputation de mauvais orchestrateur faite à Schumann. J'ajoute simplement que le chef, là encore, prolongeait le plaisir de l'écoute en faisant toutes les reprises.

En début de concert, il dirigeait l'ouverture de l'unique opéra de Schumann, Genoveva, aux belles sonorités de cors. En passant, la liste des musiciens comportait un nom familier : Robert Slapcoff, de Montréal, s'est retrouvé aux percussions, sans qu'on explique pourquoi.

Comme la veille, le chef a répondu à l'ovation du public par un rappel: le finale de la première Symphonie de Beethoven, dont l'humour lui inspira un brin de cabotinage tout à fait justifié.

Une ovation égale avait salué avant l'entracte le Beethoven de Hilary Hahn. Près de 90 mesures d'introduction précèdent l'entrée du violon - 90 mesures pendant lesquelles la jeune diva de l'archet observe les musiciens autour d'elle avec l'air de dire: «Où donc suis-je tombée ?...»

Ce qu'accomplit Hilary Hahn au plan strictement violonistique -articulation, justesse, sonorité- est proche de la perfection. Là-dessus, c'est 10 sur 10, ou presque. Mais ce son est beaucoup trop fin pour Beethoven, le mouvement lent est carrément ralenti et l'ensemble du discours est affecté et manque de naturel. La soliste réussit néanmoins à attirer l'attention sur elle au point qu'on oublie qu'il y a là, aussi, un orchestre complet.

Ses cadences aux premier et dernier mouvements étaient celles de Fritz Kreisler. En rappel, elle a joué la Sarabande de la deuxième Partita, en ré mineur, BWV 1004, de Bach.

DEUTSCHE KAMMERPHILHARMONIE BREMEN. Chef d'orchestre : Paavo Järvi. Soliste : Hilary Hahn, violoniste. Hier soir, Amphithéâtre Fernand-Lindsay de Joliette. Dans le cadre du 33e Festival de Lanaudière.

Programme :

Ouverture de l'opéra Genoveva, op. 81 (1847-50) - Schumann

Concerto pour violon et orchestre en ré majeur, op. 61 (1806) - Beethoven

Symphonie no 1, en si bémol majeur, op. 38 ( Frühling )(1841) - Schumann

http://www.cyberpresse.ca/arts/musique/musique-classique/201008/01/01-4303031-festival-de-lanaudiere-schumann-eclipse-hilary-hahn.php

Festival de Lanaudière - Le Schumann lumineux de Paavo Järvi

Christophe Huss
Le Devoir
2 août 2010


La Deutsche Kammerphilharmonie Bremen (DKP) et le chef estonien Paavo Järvi présentaient cette fin de semaine l'intégrale des Symphonies de Schumann en trois concerts, dont deux avec soliste. Nous nous penchons dans cette même page sur le partenariat avec Hilary Hahn, samedi soir. Le pianiste Piotr Anderszewski, qui a joué le 17e Concerto de Mozart, hier après-midi, sans fioritures de toucher mais en faisant sourdre une bouleversante tension dans le mouvement lent, nous excusera de ne pas nous attarder plus longemps sur lui. Son rappel était tiré des Chants populaires hongrois de Bartók.

Nous parlons ici de Schumann. Le tandem Järvi-DKP abordait pour la première fois ses symphonies en intégrale groupée dans le temps. Auréolé de sa renommée désormais internationale dans Beethoven (même les Anglais s'y intéressent à présent: c'est dire!), ledit tandem est prêt à conquérir le monde avec Schumann, avant Brahms, qui sera présenté en 2013 à l'amphithéâtre.

À propos de Beethoven, les auditeurs ont pu jauger à travers les rappels (2e mouvement de la 8e, vendredi; finale de la 1re, samedi) à quel point les interprétations déjà hors norme sont devenues quasi irréelles de verve, de précision et d'invention. Ce compte rendu a failli s'intituler «L'orchestre s'amuse», car le plaisir de la musique partagée par les musiciens entre eux et avec le public n'est ici pas un vain mot: c'est une mission.

Dans Le Devoir de samedi, nous brossions un portrait des défis posés par les symphonies de Schumann. En quelques mots, il s'agit pour le chef d'ouvrir le son de l'orchestre, de faire jaillir la polyphonie, dans une articulation ferme prête à traduire le dramatisme, ou, à tout le moins, les changements d'humeur du compositeur.

La manière Järvi-DKP

La manière Järvi-DKP est propice à cela, d'autant qu'ils viennent à Schumann «en montant de Beethoven», et non, comme beaucoup de chefs et d'orchestres, «en descendant de Brahms». On retrouve l'énergie collective forcenée, la clarté de l'articulation, l'écoute mutuelle. Les musiciens différencient nettement la ligne générale et tout ce qui s'en démarque: accents, interventions d'instruments ajoutant une couleur particulière.

Järvi est capable de retenir un peu les cordes pour faire passer les bois. Ce n'est pas un détail ou une coquetterie: c'est une nécessité dans cette musique.

L'ouverture Manfred, hier, a mis particulièrement le point sur un élément qui distingue Järvi et de tous les autres musiciens (Hilary Hahn par exemple): la première note d'une phrase est un postulat, pas une sorte de «fondu entrant». Autres atouts: il n'y a pas de dogmatisme baroque (les cantabiles sont ornés d'un beau vibrato) et le ton n'est jamais sautillant. Seconds violons et altos ont une présence très rare.

Sur le plan esthétique, Järvi s'écarte de mon schumannien préféré, Leonard Bernstein, par une charge dramatique moindre. Comme les 6e et 9e Symphonies de Beethoven en 2007, le terrain de travail majeur va être la 4e Symphonie. Il y manque encore quelques dimensions: une intensité dans le soutien des phrases par les cordes, une façon de porter le son à terme, la présence des cors dans la balance (ils se sont rattrapés dans les Symphonies n° 1 et 3). Bref, un terreau sonore d'un romantisme sylvestre plus évocateur, à la respiration plus profonde. Peut-être la fatigue du voyage avait-elle émoussé un peu la DKP ce premier soir.

Les trois autres symphonies sont déjà quasiment extralucides dans la manière de nourrir l'évocation sonore, de ne jamais relâcher l'intensité. L'agencement des tempos dans le 3e mouvement de la Symphonie no 1 (un scherzo et deux trios, dont le premier molto più vivace, une rareté absolue dans la musique) tenait du pur génie, de même que la liberté rythmique de la fin de ce volet.

Apothéose suprême: la relative pondération des mouvements conclusifs permet de faire exploser leurs aboutissements. Une signature de la même manière, dont cette magique équipe, sans équivalent au monde, fait éclater la force de la musique.

http://www.ledevoir.com/culture/musique/293604/festival-de-lanaudiere-le-schumann-lumineux-de-paavo-jarvi

Beethoven: Symphony No 9 / Paavo Jarvi

ArkivMusic.com

This is a hybrid Super Audio CD playable on both regular and Super Audio CD players.

BEETHOVEN Symphony No. 9 Paavo Järvi, cond; Christiane Oelze (sop); Petra Lang (alt); Klaus Florian Vogt (ten); Matthias Goerne (bar); German CP & Ch (Jan-Sören Fölster, dir) RCA 88697576062 (SACD: 63:55)

If you take all of the CD recordings of Beethoven’s Ninth Symphony (about 250), select those played by a chamber orchestra, then select only those played on modern instruments, and then select only those recorded in Super Audio sound, you will be left with the recording under review. Since that’s hardly a rational recommendation, I compared this performance to those by, among others, Nikolaus Harnoncourt with the Chamber Orchestra of Europe (Teldec/Warner) and John Eliot Gardiner with his Orchestre Révolutionnaire et Romantique (DG).

Rather than a portentous opening, Järvi’s is an impetuous, nervy one that nevertheless commands attention; he is never dull, generating plenty of tension as the music is pulled between austerity and optimism, minor and major modes. In this he is closer to Gardiner than Harnoncourt, whose momentum occasionally flags (at an extra minute’s duration). Crisp articulation, minimal portamento or string vibrato, coupled with the distinct inner voices of the reduced forces (56 musicians), make Järvi’s a first movement of coherence as well as power. For those wary of the potentially puny sound of a chamber ensemble, Järvi’s band makes a splendid noise indeed, with the timpani (hard sticks) especially impressive; the soundstage is full-size and atmospheric, yet it allows for maximum instrumental clarity.

The Scherzo generates tremendous élan in a joyful performance that maintains a balance between propulsion and detail. The trio is genial while sustaining a fluid tempo that heightens the spirit of good feeling. The beautiful third movement moves at a flowing tempo, but Järvi doesn’t neglect the cantabile element as the richness of the writing for strings and winds is given full play; that said, one occasionally misses the luster of a VPO (Rattle) or BPO (Karajan) string section.

Any lack of weight should be most evident in the finale, but I’m hard-pressed to find fault here: The German Chamber Philharmonic makes an impressive commotion at the furious opening. The basses and cellos, in their discursive lead-up to the “Freude” theme, can sound somewhat thin when compared to Harnoncourt’s Chamber Orchestra of Europe (though that may be due in part to Teldec’s closer sound); the Big Theme itself is eloquently realized by the orchestra. Goerne’s rich baritone brings an imploring quality to his plea for brotherhood that is distinctive in music that we know so well. The chorus, numbering 41, is robust and sharp, and there are obvious gains in the clarity of its enunciation. Some listeners, no doubt, will miss the power of a larger choral ensemble, but I prefer the immediacy of this performance to those with more heft.

Järvi’s alla Marcia section moves smartly and jauntily, leading to a very moving “Seid umschlungen Millionen.” The final episodes travel at a brisk pace, enthusiastically conveyed by soloists, chorus, and orchestra alike. Järvi is faithful to both the spirit and the letter of the music; comparison with Benjamin Zander’s scrupulously researched and performed Ninth (Carlton Classics) finds Järvi in accord at all crucial points (though his final prestissimo really takes flight).

I won’t go so far as to claim that this new Ninth is revolutionary, though it can be revelatory, further evidence (if any is needed by now) that performances played on modern instruments and informed by historical research can affect us as convincingly as the classic recordings of an earlier era. Järvi’s entire Beethoven cycle is competitive with any recent set and brings a renewed sense of discovery to this thrice-familiar music. Most highly recommended.

FANFARE: Christopher Abbot

http://www.arkivmusic.com/classical/album.jsp?album_id=390492

Tuesday, August 03, 2010

Paavo Järvi valiti aasta dirigendiks

Aino Siebert, Baltische Rundschau
Silja Joon, kultuuritoimetuse juht
26.07.10
Pärnu Postimees

Maailma nimekaim klassikaauhind ECHO Klassik antakse tänavu Paavo Järvile. Phono-Akademie Saksamaal valis Järvi aasta dirigendiks, tunnustus tuleb Ludwig van Beethoveni sümfooniate 2 ja 6 lindistuste eest koos Bremeni Deutsche Kammerphilharmonie orkestriga.

Üle maailma tuntud maestro juhatab Saksamaal veel hr-Sinfonieorchesterit, ta on Hesseni Ringhäälingu sümfoonikute peadirigent.

Preemia antakse Järvile üle 17. oktoobril Essenis, galaõhtu “Echo der Stars” kannab alates kella 22st otseülekandena üle telekanal ZDF ja saadet juhib Saksamaal ülipopulaarne show-mees Thomas Gottschalk.

Žüriisse kuuluvad Saksamaa tuntud poliitikud, kultuuritegelased ja ajakirjanikud, ZDFi muusikatoimetus ning ühingu Muusikatööstus töörühm.

ECHO on maailma tuntuim muusikaauhind. Alates 1992. aastast on preemia üleandmine muusika-aasta üks kõrgpunkte. ECHO-saajate hulgas on olnud Sir Simon Rattle, lord Yehudi Menuhin, Anna Netrebko, Elina Garanča, Montserrat Caballé, José Carreras, Anne-Sopie Mutter ja palju teised.

Paavo Järvi isa, maestro Neeme Järvi on Pärnus viibinud juba enam kui kaks nädalat ja tegi esmaspäeval algust selleaastaste rahvusvaheliste dirigentide meistrikursustega, millest võtab osa 17 noort dirigenti 14 riigist üle maailma.

“Minu kaks poega Paavo ja Kristjan on maailmakuulsad dirigendid,” tõdes ta.

Neeme Järvi kodulehe andmeil on Paavo Järvi (1962) juhatanud juba kümneid maailmakuulsaid orkestreid. Tal on peadirigendina kolm oma orkestrit: Cincinnati sümfooniaorkester (2001) USAs ning Bremeni Deutsche Kammerphilharmonie (2004) ja Frankfurti Raadio sümfooniaorkester (2006) Euroopas.

Paavo Järvi on väga oodatud noorteorkestrite ees, aga ta võttis enda hooleks ka Eesti riikliku sümfooniaorkestri kunstilise nõustamise ja esineb sellega igal hooajal.

Omapäraste tõlgitsuste, muusikale lähenemise ja meisterlikkuse poolest ei jää ta maha oma isast. Ja kuigi nad ongi erinevad, paistab Paavo silma erudeeritud ja äärmiselt süvitsi mineva muusikuna, olles peale isa eeskuju nüüdseks kogenud ja suure repertuaariga dirigent, kes alati on leidnud võimaluse esitada maailmas paremikku eesti muusikast.

Paavo Järvi on Järvide perekonnast seni ainus Grammy võitnu. Pärast kuulsaid eelkäijaid (Karajan, Barenboim, Eschenbach) on Paavo Järvi aastast 2010 l’Orchestre de Paris’ uus peadirigent.

Paavo Järvi wurde als Dirigent des Jahres gekrönt

Aino Siebert
July 29, 2010
Baltische Rundschau

Die Deutsche Phono-Akademie vergibt wieder den “ECHO Klassik” – Preis: In diesem Jahr werden u.a. die Mezzosopranistin Joyce Di Donato und der Tenor Jonas Kaufmann geehrt, der Geiger David Garrett bekommt den ECHO Klassik für seinen Spitzenplatz im Plattenverkauf als “Bestseller des Jahres” und der estnische Dirigent Paavo Järvi nimmt die Auszeichnung als Dirigent des Jahres entgegen. Als Nachwuchskünstler ausgezeichnet wurden neben anderen die deutsch-japanische Pianistin Alice Sara Ott und die bayerische Sopranistin Christiane Karg.

Maestro Paavo Järvi erhält den Preis für seine Bearbeitung der Sinfonien 2 und 6 “Pastorale” von Ludwig van Beethoven mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Er leitet in Deutschland noch ein weiteres Orchester, hr-Sinfonieorchester (Internationale Bezeichnung: „The Frankfurt Radio-Symphony Orchestra”).

Die Deutsche Phono-Akademie zeichnet mit dem “ECHO Klassik” jährlich herausragende Interpretationen klassischer Musik aus. Seit 1994 geht der Preis sowohl an deutsche als auch an internationale Künstler, seit 1996 wird die Verleihung als TV-Gala im öffentlich- rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt. Die diesjährige Gala ist Teil des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010.

59 Musikverlage hatten sich beteiligt, es gab mit 570 Nominierungen einen Rekord. Ermittelt wurden die Preise von einer Jury, die sich aus hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Medien, der ZDF-Musikredaktion und dem Arbeitskreis Klassik des Bundesverbandes Musikindustrie e. V. (BVMI) zusammensetzt.

Die Preise werden am 17. Oktober in der Philharmonie Essen bei einer TV-Gala verliehen. Die Veranstaltung moderiert Thomas Gottschalk.. Das Fernsehkanal ZDF zeichnet die Zeremonie auf und zeigt sie ab 22 Uhr.

http://www.baltische-rundschau.eu/2010/07/29/paavo-jarvi-wurde-als-dirigent-des-jahres-gekront/imgj_2009-12-16_0159/

A violin rock star dazzles at Lanaudiere

Alan Conter
The Globe and Mail
August 1, 2010


This year, the month-long Lanaudière Festival is celebrating romanticism in a big way by making the bicentenaries of the births of Chopin and Schumann. A good chunk of the Schumann is being served up by the return visit of the Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, performing all four of his symphonies. If you don’t know this tight German ensemble, they’re well worth a listen.

Paavo Järvi, the Estonian-born American conductor who also heads the Cincinnati Symphony, has put the DKB on the map since taking on their artistic direction in 2004. They played Lanaudiêre to enthusiastic crowds in 2005 and 2007 and this year’s Schumann symphonic cycle was one of the hot tickets. Of course the fact that they are touring with pianist Piotr Anderszewski and violinist Hilary Hahn adds to the draw.

While the spotlight may be on Robert Schumann, clearly Saturday night’s stellar moment was Hilary Hahn’s brilliant performance of Beethoven’s Violin Concerto in D Major, op. 61. The 31-year-old violinist, who already has two Grammys under her belt, delivered a beautifully textured reading of the intricate work. Yet her technical prowess is tempered by a stage presence that mixes warmth and bravura – she’s kind of like a violin rock star.

During the moments when she’s not playing, she pays close and appreciative attention to her fellow band members and you can see her getting into their groove. From time to time she’ll finger the orchestral violin passages, preparing for her solo entries. She’s clearly enjoying this European and North American tour with them.

Since this is Beethoven’s only complete violin concerto it does get played often and almost everyone who’s a classical violin fan has heard it dozens of times. It’s a challenge to make if fresh. Hahn, Järvi and the orchestra pulled it off very successfully.

This isn’t grandiose Beethoven – or even mega-romantic Beethoven – it’s lyrical and reflective. It harks back to the classical roots of the violin concerto form that Beethoven admired so much of the late Italian baroque and the French. The strings of the DKB were in very fine form and so thrilled the audience that Hahn graciously tagged on a solo bit of Bach as an encore.

The concert began with Schumann’s Genoveva Overture, op. 81. While the opera has sunk into obscurity, musicians like the overture because of its elaborate formal elements and stunning orchestration. Järvi’s reading was nicely balanced, a relaxed opening building in intensity.

To round the evening off and, really, the raison d’être of the DKB’s presence, was the performance of the Schumann symphony. The Symphony No. 1 in B-flat major, op. 38, dubbed “Spring,” is a lush, full-on romantic piece.

All four movements are redolent with the sentiment of a newly married and briefly ecstatic Schumann. The larghetto is richly coloured, with some lovely intermingling of winds and horns with the darker strings. It was finely played in the open air of Lanaudière.

The festival continues till Aug. 8, with Valentina Lisitsa playing an all-Chopin recital at the Eglise de l’Assomption in Joliette on Aug. 5. The OSM under Kent Nagano are at the Amphitheatre Aug. 6-7: Shostakovitch and Brahms with violinist Isabelle Faust on Aug. 6, followed by Haydn’s oratorio “The Creation.”


http://www.theglobeandmail.com/news/arts/music/a-violin-rock-star-dazzles-at-lanaudiere/article1659018/