Wednesday, April 27, 2011

Quoi de neuf? Beethoven!


Diaporama N°501 S Mai 2011

Je pars, je reste


Classica N° 131 avril 2011

Cresecendo


Diaporama N° 591 S Mai 2011

Friday, April 22, 2011

Album: Brahms, Ein Deutches Requiem –Järvi/SRC/FRSO (Virgin Classics)

The Independent
Reviewed by Anna Picard
April 17 2011

Paavo Järvi's spacious, serene reading of A German Requiem is beautifully recorded.

Frankfurt Radio Symphony Orchestra's strings balance silkiness of tone with clean articulation, while the delicate woodwind and noble brass glint through the textures. A similarly crisp translucence is heard from the Swedish Radio Choir.

Ludovic Tézier's baritone solos are authoritative, but Natalie Dessay's woozy account of "Ihr habt nun Traurigkeit" sounds more like Strauss than Brahms.

http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/classical/reviews/album-brahms-ein-deutches-requiem-ndashj228rvisrcfrso-virgin-classics-2269152.html

Thursday, April 21, 2011

CSO to beam Yo-Yo Ma concert to Fountain Square

cincinnati.com
April 20, 2011
Janelle Gelfand


If you were unable to score a ticket to see classical superstar Yo-Yo Ma on May 3 in Music Hall, you can still watch him perform in a live simulcast on Fountain Square’s LED video board, downtown. The cellist’s 7:30 p.m. concert, sold out since September, will be fed live to Fountain Square, thanks to a Cincinnati Symphony partnership with CET, Cincinnati Bell, Cincinnati Center City Development Corp (3CDC) and WGUC.

It is Ma’s first performance with the orchestra in 25 years. The 15-time Grammy winner will perform Dvorak’s Cello Concerto, with Paavo Järvi conducting. The all-Dvorak program includes “Carnival” Overture and Symphony No. 9, “From the New World.”

http://cincinnati.com/blogs/arts/2011/04/20/cso-to-beam-yo-yo-ma-to-fountain-square/

Wednesday, April 20, 2011

Nordische Frische beim HR-Sinfoniekonzert

giessener-allgemeine.de
Christina Rühl
17.04.2011

Ein estnischer Dirigent, ein norwegischer Solo-Cellist und Sinfonien aus Dänemark und Estland - das Konzert des HR-Sinfonieorchesters stand am Freitag ganz im Zeichen des hohen Nordens.


Das HR-Sinfonieorchester mit Chefdirigent Paavo Järvi (rechts). (Fotos: HR/Anna Meuer/Virgin Classics/Stéphane de Bourgies)

Dennoch herrschte alles andere als eine kühle Atmosphäre in der Alten Oper Frankfurt: Dirigent Paavo Järvi und seine Orchestermusiker zelebrierten die nordischen Klänge leidenschaftlich und intensiv, manchmal auch mit herber Frische. Die 11. Sinfonie von Eduard Tubin und Carl Nielsens fünfte Sinfonie umrahmten das Cellokonzert Edward Elgars, das Cellist Truls Mørk mit inniger Melancholie intonierte.
Dass es sich bei dem ersten Stück des Abends - der 11. Sinfonie Tubins - um eine Herzensangelegenheit des Dirigenten handelte, spürte nicht nur Järvi selbst. Ohne große Gesten bewahrte er die atmosphärische Dichte des nur neun Minuten andauernden Werkes. Prägnante Paukenschläge bildeten das Fundament für das wogende Thema des Orchesters, die Streicher wandelten sicher durch die fugenartigen Sätze. Mit straffem Tempo gelang die Reprise samt des temperamentvollen Finales - Järvi wusste die sinfonische Rarität seines baltischen Landsmannes in Szene zu setzen. Dabei knüpfte er an eine Familientradition an: Sein Vater Neeme Järvi hatte in den 1980er Jahren die Wiederentdeckung Tubins initiiert, dessen Werke im sowjetisch beherrschten Estland lange verboten waren.

Mit dem Cellokonzert des Briten Edward Elgars machte das Sinfonieorchester Platz für den Norweger Truls Mørk: Der Cellist stand eine halbe Stunde lang im Zentrum der Aufmerksamkeit. Mørk nutze das Privileg vom ersten bis zum letzen Anstrich: Er musizierte nicht bloß, sondern lebte das Stück, atmete tief, bevor er zum schwermütigen Thema des ersten Satzes ansetzte. Zart und weich wandelte er durch die elegischen Takte, virtuos durch die Scherzo-Passagen. Dabei wahrte er sich bei seinen spätromantischen Höhenflügen jedoch vor zu viel Pathos.

Ebenso sensibel intonierte das Orchester die melancholische Grundstimmung: Die Bratschen wiegten sanft das traurige Hauptthema, Streicher und Bläser begleiteten dezent das Soloinstrument. Im Adagio verschmolzen Cello und Orchester organisch zu einem Klangkörper: Järvi und Mørk präsentierten sich als eingespieltes Team.

Nach den sehnsuchtsvollen Klängen sorgte das Orchester mit einem markanten Dänen für Abkühlung: Kraftvoll und frisch erklang Carl Nielsens fünfte Sinfonie; Järvis Orchester überzeugte mit einer gleichsam energischen und originellen Tonsprache. Jenseits impressionistischer Klangflächen meisterten die Musiker ebenso die perkussiven Herausforderungen. Das Thema des ersten Satzes verdichtete sich, wurde begleitet vom monotonen und unerbittlichen Rhythmus der kleinen Trommel - ein Effekt, den auch Schostakowitsch später in seiner »Leningrader« Sinfonie verwendete.

Wie gewohnt wahrte sich Järvi jedoch auch hier vor Effektmalerei: Der kontrastreiche Orchestersatz kam authentisch daher. Das lyrische Adagio-Thema des zweiten Teils entwickelte sich zu spannungsreicher Polyphonie und mündete in eine strahlende Hymne. Rastlose Figuren in den Flöten und Klarinetten und eine turbulente Harmonik steigerten sich zu einem Kampf zwischen dem Orchester und der abtrünnigen kleinen Trommel, die sich dem Thema des Orchesters schließlich beugen musste. Nach dem triumphalen Finale bedankte sich das Publikum mit tosendem Applaus. Christina Rühl

http://www.giessener-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Kultur/Artikel,-Nordische-Frische-beim-HR-Sinfoniekonzert-_arid,254232_regid,1_puid,1_pageid,14.html

hr-Sinfoniekonzert mit Paavo Järvi und Truls Mørk

hr-online.de
Pressestimmen

15.04.2011 | Frankfurt | Alte Oper »... wundersame Klanglichkeit in dynamischer Aktion ...«


Der norwegische Cello-Virtuose Truls Mørk kehrte nach fünf Jahren mit Elgars melancholischem Cellokonzert zum hr-Sinfonieorchester zurück


Dramatisch spitzt Nielsen die Gegensätze im ersten der beiden Sätze zu. Unerbittlich schnarrt der militärische Marschrhythmus der Rührtrommel in die weich fließende Streichermelodie hinein, versucht sie förmlich zu zerstören. ... Järvis und der hr-Sinfoniker ungemein dichtes, beredtes Musizieren entfaltete von Beginn an eine intensive Sogwirkung: ebenso überlegt wie überlegen disponiert die Steigerungslinien, mit beklemmender bildhafter Kraft dargestellt die heraufziehende und offen ausbrechende Gewalt. Erfreulich durchsichtig und mit bestechender Tiefenschärfe gelang ebenfalls der heikle, komplexe zweiten Teil, der die aufhebende Synthese bringt. Weder bestand die Gefahr eines Abfalls der Spannung noch traten auch nur momentweise Leerstellen auf. Järvi und dem vorzüglich musizierenden Orchester gelang ein mehr als überzeugendes Plädoyer für die im Konzertsaal nur selten anzutreffende Musik des Dänen.

Die herbstlichen Farben von Elgars viersätzigem e-moll-Cellokonzert opus 85 ließ Solist Truls Mørk mit »singendem« Ton aufblühen. Ein fast zu schöner Abgesang auf die Epoche vor dem Ersten Weltkrieg, gleichwohl vom Solisten wie vom anschmiegsamen Orchester ohne Übertreibungen und falsches Pathos artikuliert.

Eröffnet hatte das »nordische« Programm die unvollendete elfte Sinfonie (1982) des Esten Eduard Tubin. Der harte Paukenrhythmus im Kontrast zu rasch fließender Bewegung verwies in deutlich komprimierterer Form auf die Konzeption der Nielsen-Sinfonie.

Ulrich Boller, Frankfurter Neue Presse,
16.04.2011



Für die Schlagzeuger des hr-Sinfonieorchesters war das jüngste Konzert in Frankfurts Alter Oper Schwerstarbeit. Denn sowohl in Eduard Tubins 11. Sinfonie als auch in der 5. Sinfonie von Carl Nielsen liegt ein Großteil der Klangdramaturgie in ihren Händen. Tubins letzte Sinfonie von 1982 ist ein zehnminütiger Parcours, mit dem sich orchestraler Athletismus feiert. Die Aufschwünge der gymnastisch gefassten Streicher, das muskelstarke Blech und das bewegungssteigernde Schlagzeug wurden von Paavo Järvi mit seinen Musikern überlegen in Szene gesetzt.

Das Gegenteil zur Tubinschen Extravertiertheit stellte Edward Elgars Cello-Konzert von 1919 dar. Wie ein Widerspruch in sich wirkt der große konzertante Aufwand, der allein dafür da zu sein scheint, sich ständig in verträumt-traurige Innerlichkeit zurückzunehmen. Bei vielen Aufführungen führt das zu einem langen Cello-Solo mit einer Tutti-Klangtapete. Zwischen dem Solisten Truls Mørk und Järvi aber herrschte eine Balance, die Deutlichkeit im Dämmrigen schuf, ohne mehr Licht als nötig zu machen. Der dunkle, volumenreiche, aber nie übergewichtige Ton des norwegischen Solisten war von gleichem Format wie die Klangfiguren, die Järvi dem Orchester abverlangte.

Zuletzt, bei der Nielsen-Sinfonie von 1922, war die ganze Dynamik-Palette des Orchesters gefordert und regelrechte Akkord-Arbeit der Schlagzeug-Gruppe. Sie hatte eine Bandbreite bis zu aleatorischen Prozessen zu bewältigen. Nielsens Synthesen aus Störung und Steigerung waren wie aus einem Guss und das mittels Pauken, Rührtrommel und anderem Schlagwerk inszenierte Chaos fesselnde, produktive Unruhe.

Bernhard Uske, Frankfurter Rundschau,
18.04.2011



... Einen großen Teil der Informationen über den bedeutenden dänischen Sinfoniker Nielsen, dessen musikalische Komplexität subtile Kenntnis seiner sechs Sinfonien erst bei mehrmaligem konzentrierten Hören zulässt, verdankt die Musikwelt dem unermüdlichen Einsatz der Familie Järvi: Vater Neeme, der ein seit Jahrzehnten in aller Welt geachteter und geschätzter Künstler ist; Sohn Paavo, dessen Ruhm dem seines Vaters nicht nachsteht; Paavos Bruder Kristjan Järvi, der von 2012 an das MDR-Sinfonieorchester Leipzig leiten wird. ...

Kaum hoch genug einzuschätzen ist ihr Engagement für das Œuvre Eduard Tubins, des wohl größten estnischen Sinfonikers ..., und so bot Paavo Järvis Frankfurter Konzert eine der wenigen Gelegenheiten zu einer kleinen Tubin-Kostprobe. Mehr als zehn Minuten waren es nicht, denn Tubins elfte Sinfonie aus seinem Todesjahr 1982 ist nicht nur seine letzte, sondern blieb auch Fragment: Lediglich der Eröffnungssatz (Allegro vivace con spirito) existiert, reicht jedoch allemal, um Tubins Musik als interessant, originär, komplex und klangintensiv zu erkennen. Markante rhythmische Profile verbinden sich darin mit dem Bewusstsein für subtile Klangmischungen. Auch auf dem Gebiet der Sinfonik gibt es noch viel zu entdecken – man denke an die zahlreichen Sinfonien Mieczyslaw Weinbergs.

Die sechs Sinfonien Carl Nielsens erlauben weiterreichende Vergleiche, denn mit einigem Bemühen haben Musikfreunde heute durchaus die Chance, diese Werke öfter zu hören. Paavo Järvis Darbietung der Sinfonie Nr. 5 op. 50 mit dem hr-Sinfonieorchester war nicht nur fulminant und brillant bis in kleinste motivische Verästelungen, sondern führte auch glasklar vor Ohren, wie konsequent der dänische Sinfoniker die Moderne weiterdachte: Gegen die zuweilen klangliche Härte und rhythmische Insistenz dieser fünften von 1922 scheint die sechs Jahre zuvor vollendete vierte Sinfonie op. 29 vergleichsweise opulent und spätromantisch in ihrem »Kampfgeist« um das letzten Endes nicht zu verdrängende »Gute«. In der Fünften lässt sich nichts verdrängen oder durch musikalische Synthese überwinden – vor allem jene Präsenz der kleinen Trommel nicht, die ständig »stört« und, endlich einmal still, wie ein Kobold plötzlich außerhalb des Saals wiederaufersteht. Dem klanglich reduzierten, oft transparenten Kopfsatz steht ein wesentlich komplizierteres Finale innerhalb dieser zweiteiligen Anlage gegenüber, das Järvi mit ebensolcher Klarheit strukturell durchdrungen hat – eine wegweisende Interpretation.

Nicht weniger spannend war zuvor Truls Mørks weltverlorene Deutung des Konzerts für Violoncello und Orchester e-Moll op. 85 von Edward Elgar geglückt – ein trauriges, melancholisches, sanftes Werk und eine Musik, die der norwegische Cellovirtuose überwiegend zart und doch klanggesättigt in den Raum stellte. Viel Beifall und eine Zugabe von Benjamin Britten.

Harald Budweg, Frankfurter Allgemeine Zeitung,
18.04.2011



Es müssen nicht immer die üblichen Verdächtigen sein. Paavo Järvi und das hr-Sinfonieorchester nahmen für Werke von Eduard Tubin und Carl Nielsen ein. Und hatten dazu mit dem Norweger Truls Mork den idealen Solisten für das Cellokonzert des Briten Edward Elgar erwählt.

Ein Funkkonzert der Besonderheiten in Frankfurts Alter Oper, und daher umso spannender. Wer kennt schon Eduard Tubin, den vor den Sowjets nach Schweden geflohenen estnischen Komponisten, der an tonalen Grenzen eine eigenwillige orchestrale Farbigkeit entwickelte? Seine Landsleute Paavo Järvi und dessen Vater Neeme brechen da kontinuierlich eine Lanze. Von Tubins 11. Sinfonie ist nur der Kopfsatz überliefert, den er wegen seines Krebsleidens nicht orchestrieren konnte, was Kaljo Raid besorgte.

Heftige Kesselpauken-Schläge eröffnen diesen Satz, dessen unruhig treibendes Geigenthema von einem Akkorde-Schwall der Blechbläser überschüttet und von markanten Horn-Einwürfen ausgebremst wird. Heftig rhythmisierte Klarinetten-Girlanden spielen noch dem herben tänzerischen Charakter zu, die vielen klangmalerischen Momente kommen Järvis dynamischer Differenzierungskunst entgegen. Auch in jener zwischen 1920 und 1922 entstandenen 5. Sinfonie des Dänen Carl Nielsen, in der kleine Terz und Quarte zum komplexen Geflecht geknüpft sind.

.... Järvi und die spürbar angetanen hr-Sinfoniker schärfen den Blick auf Details dieses ostinaten Klangflusses, auf wie Orgelregister wirkende Blechbläserfarben, auf ein feinnerviges Streicher-Fugato oder eine Art Passacaglia wie in sakraler Sphäre. Das ist wundersame Klanglichkeit in dynamischer Aktion und hält munter.

Wie das kunstvoll-kultivierte Spiel des wieder aufs Konzert-Karussell aufgesprungenen Truls Mork in Edward Elgars lyrisch versponnenem Cellokonzert. Von Anbeginn herrscht ein Hang zum Elegischen, zum Weltfernen, auch in den wie Rezitative anmutenden Soli. Selbst im Scherzo gibt es keinerlei virtuose Schaumschlägerei. Schier drucklos gestrichen, aber weittragend auf dem ehrwürdigen Instrument dann das Adagio, und selbst das tänzerische Finale scheint eher ein versonnener Blick zurück. Geschrieben von einem, der mit der Welt abgeschlossen hat – gespielt von einem, der das Poesievolle liebt. Was die Zugabe, den Satz aus einer Suite für Violoncello solo von Benjamin Britten, zu einer Art Selbstgespräch macht, mit bohrenden Gedanken.

Klaus Ackermann, Offenbach Post,
18.04.2011



Ein estnischer Dirigent, ein norwegischer Solo-Cellist und Sinfonien aus Dänemark und Estland – das Konzert des hr-Sinfonieorchesters stand am Freitag ganz im Zeichen des hohen Nordens. Dennoch herrschte alles andere als eine kühle Atmosphäre in der Alten Oper Frankfurt: Dirigent Paavo Järvi und seine Orchestermusiker zelebrierten die nordischen Klänge leidenschaftlich und intensiv, manchmal auch mit herber Frische. ...

Dass es sich bei dem ersten Stück des Abends – der 11. Sinfonie Tubins – um eine Herzensangelegenheit des Dirigenten handelte, spürte nicht nur Järvi selbst. Ohne große Gesten bewahrte er die atmosphärische Dichte des nur neun Minuten andauernden Werkes. Prägnante Paukenschläge bildeten das Fundament für das wogende Thema des Orchesters, die Streicher wandelten sicher durch die fugenartigen Sätze. Mit straffem Tempo gelang die Reprise samt des temperamentvollen Finales – Järvi wusste die sinfonische Rarität seines baltischen Landsmannes in Szene zu setzen. Dabei knüpfte er an eine Familientradition an: Sein Vater Neeme Järvi hatte in den 1980er Jahren die Wiederentdeckung Tubins initiiert, dessen Werke im sowjetisch beherrschten Estland lange verboten waren.

Mit dem Cellokonzert des Briten Edward Elgars machte das Sinfonieorchester Platz für den Norweger Truls Mørk: ... Er musizierte nicht bloß, sondern lebte das Stück, atmete tief, bevor er zum schwermütigen Thema des ersten Satzes ansetzte. Zart und weich wandelte er durch die elegischen Takte, virtuos durch die Scherzo-Passagen. ...

Ebenso sensibel intonierte das Orchester die melancholische Grundstimmung: Die Bratschen wiegten sanft das traurige Hauptthema, Streicher und Bläser begleiteten dezent das Soloinstrument. Im Adagio verschmolzen Cello und Orchester organisch zu einem Klangkörper: Järvi und Mørk präsentierten sich als eingespieltes Team.

Nach den sehnsuchtsvollen Klängen sorgte das Orchester mit einem markanten Dänen für Abkühlung: Kraftvoll und frisch erklang Carl Nielsens fünfte Sinfonie; Järvis Orchester überzeugte mit einer gleichsam energischen und originellen Tonsprache. ... Wie gewohnt wahrte sich Järvi jedoch auch hier vor Effektmalerei: Der kontrastreiche Orchestersatz kam authentisch daher. Das lyrische Adagio-Thema des zweiten Teils entwickelte sich zu spannungsreicher Polyphonie und mündete in eine strahlende Hymne. Rastlose Figuren in den Flöten und Klarinetten und eine turbulente Harmonik steigerten sich zu einem Kampf zwischen dem Orchester und der abtrünnigen kleinen Trommel, die sich dem Thema des Orchesters schließlich beugen musste. Nach dem triumphalen Finale bedankte sich das Publikum mit tosendem Applaus.

Christina Rühl, Gießener Allgemeine Zeitung,
18.04.2011

http://www.hr-online.de/website/rubriken/kultur/index.jsp?rubrik=37844&key=standard_document_41323821

Tuesday, April 19, 2011

Entdeckungsreise im Norden Europas

op-online.de
18.04.2011

Es müssen nicht immer die üblichen Verdächtigen sein. Paavo Järvi und das hr-Sinfonieorchester nahmen für Werke von Eduard Tubin und Carl Nielsen ein. Und hatten dazu mit dem Norweger Truls Mork den idealen Solisten für das Cellokonzert des Briten Edward Elgar erwählt. Von Klaus Ackermann

Ein Funkkonzert der Besonderheiten in Frankfurts Alter Oper, und daher umso spannender. Wer kennt schon Eduard Tubin, den vor den Sowjets nach Schweden geflohenen estnischen Komponisten, der an tonalen Grenzen eine eigenwillige orchestrale Farbigkeit entwickelte? Seine Landsleute Paavo Järvi und dessen Vater Neeme brechen da kontinuierlich eine Lanze. Von Tubins 11. Sinfonie ist nur der Kopfsatz überliefert, den er wegen seines Krebsleidens nicht orchestrieren konnte, was Kaljo Raid besorgte.

Heftige Kesselpauken-Schläge eröffnen diesen Satz, dessen unruhig treibendes Geigenthema von einem Akkorde-Schwall der Blechbläser überschüttet und von markanten Horn-Einwürfen ausgebremst wird. Heftig rhythmisierte Klarinetten-Girlanden spielen noch dem herben tänzerischen Charakter zu, die vielen klangmalerischen Momente kommen Järvis dynamischer Differenzierungskunst entgegen. Auch in jener zwischen 1920 und 1922 entstandenen 5. Sinfonie des Dänen Carl Nielsen, in der kleine Terz und Quarte zum komplexen Geflecht geknüpft sind.

Wundersame Klanglichkeit in dynamischer Aktion

Die kleine Trommel forciert den Marschcharakter, widersetzt sich indes auch dem Akkorde-Chroma und dem hellen Dur-Finale des Eingangssatzes, noch aus dem Off widerborstige Akzente setzend. Järvi und die spürbar angetanen hr-Sinfoniker schärfen den Blick auf Details diesen ostinaten Klangflusses, auf wie Orgelregister wirkende Blechbläserfarben, auf ein feinnerviges Streicher-Fugato oder eine Art Passacaglia wie in sakraler Sphäre. Das ist wundersame Klanglichkeit in dynamischer Aktion und hält munter. Wie das kunstvoll-kultivierte Spiel des wieder aufs Konzert-Karussell aufgesprungenen Truls Mork in Edward Elgars lyrisch versponnenem Cellokonzert.

Von Anbeginn herrscht ein Hang zum Elegischen, zum Weltfernen, auch in den wie Rezitative anmutenden Soli. Selbst im Scherzo gibt es keinerlei virtuose Schaumschlägerei. Schier drucklos gestrichen, aber weittragend auf dem ehrwürdigen Instrument dann das Adagio, und selbst das tänzerische Finale scheint eher ein versonnener Blick zurück. Geschrieben von einem, der mit der Welt abgeschlossen hat – gespielt von einem, der das Poesievolle liebt. Was die Zugabe, den Satz aus einer Suite für Violoncello solo von Benjamin Britten, zu einer Art Selbstgespräch macht, mit bohrenden Gedanken.

http://www.op-online.de/nachrichten/kultur/entdeckungsreise-norden-europas-1209720.html

Paavo Järvi: Neue Klangwelten in Frankfurt

Baltische-rundschau.eu

Aino Siebert

16.04.2011

Paavo Järvi, im Hintergrund Portrait von Alisa Weilerstein Foto: Werner Siebert

Frankfurt am Main/BR. Mit der Konzertsaison 2011/12 setzt das hr-Sinfonieorchester (international: Frankfurt Radio Symphony Orchestra) seine international erfolgreiche Zusammenarbeit mit Chefdirigent Paavo Järvi in der sechsten Spielzeit fort. Im Mittelpunkt von Järvis künstlerischer Arbeit stehen die großen Werke der sinfonischen Literatur. Das außerordentliche Niveau seiner Konzerte und Aufnahmen mit dem Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks (hr) begeistern Publikum und Presse dabei immer wieder. Die neue „Artist in Residence“, die Cellistin Alisa Weilerstein, ist ein weiterer Garant für außergewöhnliche Konzerterlebnisse. Solisten wie Janine Jansen, Jean-Yves Thibaudet, Mojca Erdmann und Martin Grubinger sind zu Gast, der ehemalige Chefdirigent Hugh Wolff kehrt ans Pult zurück, eine neue Biennale für Moderne Musik „cresc…“ wird mit Partnern aus der Taufe gehoben, ein multimedialer Filmmusikabend rund um Steven Spielberg entführt in Fantasiewelten, die Jugend- und Nachwuchsförderung spielen weiterhin eine große Rolle, und dies alles zu äußerst attraktiven Preisen.

70 Konzerte gibt das hr-Sinfonieorchester in der nächsten Saison in Hessen. Hinzu kommen Sonderprojekte und 17 Gastkonzerte unter anderem in Amsterdam, Wien, Prag, Madrid, Tokio und Seoul. Denn das hr-Sinfonieorchester geht mit Paavo Järvi als künstlerischer Botschafter Hessens und Frankfurts auch auf drei große Tourneen in Europa und Übersee. Die begeistert aufgenommenen Kinder- und Jugendprojekte, darunter die einwöchige Schultour durch Hessen und der Instrumenten-Zoo, werden fortgeführt, ein für Deutschland innovatives, neues Kita-Pilotprojekt kommt hinzu. Die Konzerte und Gastspiele des hr-Sinfonieorchesters werden von hr2-kultur übertragen und über die European Broadcasting Union (EBU) auch international ausgestrahlt. Ausgewählte Konzertereignisse wie das nächste Music Discovery Project oder die Eröffnungskonzerte zum 25-jährigen Jubiläum des Rheingau Musik Festivals werden auch im hr-fernsehen, in 3sat und auf ARTE-Live-Web ausgestrahlt.

Paavo Järvi – Klangsinnlichkeit, Intensität und Klarheit
„Frankfurt und das hr-Sinfonieorchester sind mir inzwischen zu einer musikalischen Heimat geworden“, so Paavo Järvi, der letztes Jahr zum „Dirigenten des Jahres“ gekürt wurde. Seine Liebe zur nordischen Musik unterstreicht er mit Carl Nielsens 6. Sinfonie. Den international beachteten Bruckner-Zyklus setzt er mit der Achten fort, die Mahler-Reihe mit der 1. und 7. Sinfonie beim Rheingau Musik Festival. Gleichzeitig kann man ihn als inspirierten Schubert-, Mendelssohn- und Strauss-Interpreten erleben. Bedeutende Künstlerpersönlichkeiten wie Denis Matsuev, Hilary Hahn, Frank Peter Zimmermann und Viktoria Mullova werden mit ihm und dem Orchester zusammenarbeiten.

Das hr-Sinfonieorchester unter der Leitung von Chefdirigent Paavo Järvi Foto HR/Anna Meuer

Alisa Weilerstein ist neue „Artist in Residence“
Ihr Spiel ist spontan, leidenschaftlich und technisch makellos. Aufsehen erregte ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern, bei dem Alisa Weilerstein nach dem Urteil Daniel Barenboims an die unvergleichliche Kunst seiner verstorbenen ersten Frau Jacqueline du Pré anknüpfte. Als große Entdeckung wird die New Yorkerin seitdem in aller Welt gefeiert. In vier Projekten ist Weilerstein sowohl als Konzertsolistin wie auch als Kammermusikerin zu erleben.

Gastdirigenten wie Fabio Luisi, Sakari Oramo und Hugh Wolff International renommierte Dirigenten wie Fabio Luisi, Peter Eötvös, Marin Alsop und Sakari Oramo werden in der nächsten Saison zu Gast sein. Freuen können sich viele Konzertbesucher auch auf den ehemaligen Chefdirigenten Hugh Wolff, der in der Alten Oper Frankfurt ein spezielles Programm anlässlich des 75. Todestags von Maurice Ravel präsentieren wird. In der beliebten Konzertreihe Barock+ kehren Jean-Christophe Spinosi und Reinhard Goebel ans Pult im hr-Sendesaal zurück.

Musikalische Premieren von Black bis Ruzicka
Spannende Ansätze der Gegenwartsmusik vermitteln Erstaufführungen, die das hr-Sinfonieorchester präsentiert. Neue Auftragswerke der Kanadierin Annesley Black und des Türken Alper Naral (Forum Neue Musik), des Tschechen Peter Srnka („cresc…“-Festival) und der deutschen Komponisten Jens Joneleit (hr-Sinfoniekonzerte) und Peter Ruzicka (Rheingau Musik Festival) sind dabei in Uraufführungen zu erleben. In Deutscher Erstaufführung macht das Orchester zudem mit Werken der Japanerin Malika Kishino und des Niederländers Willem Jeths bekannt und stellt mit dem Violinkonzert des Briten Colin Matthews ein gewichtiges „SymphoNet“-Auftragswerk des City of Birmingham Symphony Orchestra in Deutschland vor.

Paavo Järvi, Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters Foto HR/Anna Meuer

„cresc…“: Biennale für Moderne Musik – Frankfurt Rhein Main
Ein neues dreitägiges Festival wird in der Rhein-Main-Region darüber hinaus künftig alle zwei Jahre die Aufmerksamkeit auf zeitgenössische Musik lenken: Im November 2011 startet „cresc…“, das gemeinsame Projekt von Ensemble Modern und hr-Sinfonieorchester in Kooperation mit dem Internationalen Musikinstitut Darmstadt und unterstützt vom kulturfonds frankfurtrheinmain und der Allianz-Kulturstiftung. Im Fokus der ersten Ausgabe des Festivals der beiden Orchester mit weiteren hochrangigen internationalen Gastensembles steht Iannis Xenakis und das Thema „Musik im Raum“.

Debütieren und Assistieren: Nachwuchsförderung auf höchstem Niveau
Die erfolgreiche Debüt-Reihe des hr-Sinfonieorchesters hat inzwischen einen hohen Bekanntheitsgrad als Kaderschmiede für herausragende Dirigenten und Solisten. Der junge Spanier José Luís Gómez dirigiert das erste Debüt-Konzert der Saison und ist für weitere Projekte, z. B. in der Jugendarbeit, vorgesehen. Als Sieger des letzten Internationalen Dirigentenwettbewerbs Sir Georg Solti in Frankfurt bekommt er zudem die Möglichkeit, in der Saison 2011/12 intensiv mit Paavo Järvi zu arbeiten. Die Einrichtung dieser neuen Nachwuchs-Position beim hr-Sinfonieorchester ist eine Innovation in der deutschen Orchesterlandschaft. Möglich wurde sie durch eine Spende der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung zur Unterstützung des hr-Sinfonieorchesters, die in die neue Position fließen wird. Weitere vielversprechende Debütanten neben José Luís Gómez sind in der Spielzeit unter anderem die jungen Dirigenten Kazuki Yamada, Joshua Weilerstein und Omer Meir Wellber.

Attraktive Abonnements zu günstigen Preisen
Das hr-Sinfonieorchester bietet eine Vielfalt an Abonnements zu äußerst attraktiven Bedingungen an, von drei bis zu zwölf Konzerten, von der Barockmusik über Debüts bis zur Avantgarde. Damit bleibt der Hessische Rundfunk auch in der Saison 2011/12 seinem Grundsatz treu, höchste musikalische Qualität zu konkurrenzlos günstigen Preisen zu bieten.

Die Konzertbroschüre 2011/12 des hr-Sinfonieorchesters kann beim Hessischen Rundfunk, hr-Ticketcenter, Bertramstraße 8, 60320 Frankfurt, Telefon: (069) 155-2000, angefordert werden. Das detaillierte Programm der Saison ist zudem zu finden unter: www.hr-sinfonieorchester.de . Abonnements können von jetzt an vorbestellt werden. Von Anfang Juli an können feste Plätze gebucht werden. Dann beginnt auch der Einzelkarten-Vorverkauf.

Das hr-Sinfonieorchester (Frankfurt Radio Symphony Orchestra) auf CD

Cover der Bruckner-CD

Jenseits der Radio- und Konzertarbeit dokumentieren zahlreiche CD-Produktionen das hohe künstlerische Niveau des hr-Sinfonieorchesters. Mit wichtigen, vielfach preisgekrönten Einspielungen schärft es sein künstlerisches Profil wie sein internationales Renommee.

In der Vergangenheit etwa mit Editionen wie den Ersteinspielungen der Urfassungen von Bruckners 3., 4. und 8. Sinfonie (»Grand Prix du Disque«) oder der ersten Digitalaufnahme aller Mahler-Sinfonien unter Eliahu Inbal (»Deutscher Schallplatten- preis«); der Ersteinspielung der 1. und 6. Sinfonie von George Antheil (»Cannes Classical Award«), der vielbeachteten Haydn-Produktionen unter Hugh Wolff oder der Ersteinspielung von Orchesterwerken des New Yorker Down-Town-Künstlers Elliott Sharp (»Bestenliste: Preis der deutschen Schallplatten- kritik«). Aktuell gewann eine CD mit Cellokonzerten von Antonín Dvořák und Victor Herbert mit Gautier Capuçon, dem hr-Sinfonieorchester und Paavo Järvi den »Echo Klassik« 2009.

Aufnahmen des hr-Sinfonieorchesters erscheinen bei großen CD-Labels wie EMI/Virgin oder Sony/RCA Red Seal. Das hauseigene CD-Label hr-music (ehemals: hr-musik.de) eröffnet dem Orchester darüber hinaus die künstlerische Unabhängigkeit, interessantes Repertoire auch jenseits des klassischen Mainstreams aufzunehmen und zu veröffentlichen. (ast)

http://www.baltische-rundschau.eu/2011/04/16/paavo-jarvi-neue-klangwelten-in-frankfurt/

Thursday, April 14, 2011

Friday, April 08, 2011

Album: Paavo Jarvi, Brahms: Ein Deutsches Requiem (Virgin Classics)

The Independent
reviewed by Andy Gill
April 8, 2011

Following his brilliant interpretation of Beethoven's 9th, Järvi turns his attention to another German musical milestone, Brahms' most imposing work.

The deliberate omission of a specifically Christian message lends the piece a universality denied to some requiems, which Järvi, the Swedish Radio Choir and Frankfurt Radio Symphony Orchestra tap with a performance of compassion and sensitivity. Natalie Dessay's soprano aria in the fifth movement adds lightness and spiritual aspiration between Ludovic Tézier's more sombre baritone solos, and rather than a big, declamatory climax, the serene conclusion finds the piece effectively evaporating into the ether.

http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/classical/reviews/album-paavo-jarvi-brahms-ein-deutsches-requiem-virgin-classics-2265181.html


hr-Sinfoniekonzert mit Paavo Järvi und Olli Mustonen

hr-onlinde.de
Pressestimmen
31.03./01.04.2011 | Frankfurt | Alte Oper
»... durchdacht, wohlstrukturiert und transparent ...«


Chefdirigent Paavo Järvi dirigierte unbekannte Werke und Werkfassungen bekannter Komponisten


Anton Bruckners Sinfonie Nr. 2 e-Moll stellt im Gesamtoeuvre des Komponisten in mehrfacher Hinsicht einen Sonderfall dar: Es ist – abgesehen von der Studiensinfonie f-Moll und der »Nullten« d-Moll – das am seltensten aufgeführte sinfonische Werk des Komponisten und auch jenes, in dem Formabschnitte am radikalsten zusammengefügt werden. ... Dass Paavo Järvi und das hr-Sinfonieorchester die Zweite jetzt dennoch ins Programm des »Freitagskonzerts« in der Alten Oper genommen haben, überrascht hingegen angesichts der geplanten CD-Gesamteinspielung der Bruckner-Sinfonien auf CD nicht allzu sehr. Järvi und die Rundfunkmusiker boten eine spannungsvolle, dynamische und im Hinblick auf die Themenkontraste weit aufgefächerte, aber auch frei fließende Wiedergabe auf hohem Niveau. Thematische Entwicklungen, Klangintensität und dynamische Abstufungen wirkten sämtlich durchdacht, wohlstrukturiert und transparent.

Die Pizzicati im Andante werden bis zur Tonträgersitzung sicher noch zusammenzubringen sein. Dass Järvi sich überwiegend für die »handelsüblichen« Striche vornehmlich im Finale entschied, muss man bedauern. Verblüffend auch, dass er für den Schluss des zweiten Satzes die Horn-Fassung wählte. Als weiteres großes Werk war vor der Pause Ludwig van Beethovens Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61 in der von Beethovens Komponistenkollegen Muzio Clementi vorgeschlagenen, von Beethoven selbst angefertigten alternativen Klavierfassung erklungen. Olli Mustonen, der Solist des Abends, hielt seine sonst oft ausgeprägte Neigung, den Werkzusammenhang klassischer Stücke durch extrem manieristische Spielweise eher zu verschleiern als zu erhellen, diesmal wohltuend im Zaum – sehr zum Wohle des Ganzen. Und auch dies mag Paavo Järvi an der Zusammenarbeit mit dem finnischen Klaviervirtuosen reizen: dessen Fähigkeit, Musik der Klassik völlig unemotional anmutend, doch mit glasklarer Trennschärfe der Motivik so zu interpretieren, dass die Sog- und Sprengkraft dieser Musik zur Zeit ihrer Entstehung ins Blickfeld rückt. Das brachte ihm jetzt viel Beifall ein, für den er sich mit dem zart intonierten, doch keineswegs betont stimmungsvoll gespielten ersten »Gesang der Frühe« von Robert Schumann bedankte.

Harald Budweg, Frankfurter Allgemeine Zeitung,
04.04.2011


Zwei Werke – zwei Raritäten, wovon die eine eigentlich wohlbekannt ist, nur nicht in dieser Fassung. Denn Paavo Järvi kombinierte beim jüngsten hr-Konzert Bruckners selten zu hörende zweite Sinfonie mit Beethovens Violinkonzert in der Version für Klavier und Orchester. ...

Wie pianistisch ein Violinpart klingen kann, das demonstrierte Olli Mustonen an diesem Abend eindrücklich. Man muss den finnischen Klaviervirtuosen und seine pointierte, zuweilen manierierte Anschlagskunst mögen. Seine Tongebung ist von kristalliner Klarheit, und in den ausgedehnten Kadenzen des Beethovenschen Violin-/Klavierkonzerts meinte man gar, kleine Eiswürfel aus dem Flügel purzeln zu hören. Gleichwohl entbehrt sein Spiel nicht einer übergeordneten Linie – einer Kantabilität, die Paavo Järvi trotz stets präsenter dramatischer Impulse auch im Orchester bevorzugte.

Dass Bruckners Musik enorm sinnlich und expressiv sein kann, zeigten Järvi und sein hochmotiviertes Orchester am Beispiel der zweiten Sinfonie, die der österreichische Tonsetzer selbst als »zahm« bezeichnete. Gleichwohl gelang es den Instrumentalisten, trotz der oft blockartigen Kompositionsweise einen enormen Drive zu entwickeln. Auch die oft geschmähten Generalpausen gerieten unter Järvis Leitung nicht zu übergroßen Zäsuren. Sie wurden organisch in den Ablauf eingebunden. Mitunter bekam Bruckner sogar etwas Leichtfüßiges, Tänzerisches, ohne dass der Finalsog des letzten Satzes etwas von seiner Wirkung eingebüßt hätte. Das Publikum feierte Järvi und das hr-Sinfonieorchester mit großem Enthusiasmus. Ganz zu Recht.

Michael Dellith, Frankfurter Neue Presse,
02.04.2011


http://www.hr-online.de/website/rubriken/kultur/index.jsp?rubrik=37844&key=standard_document_41225673

Wednesday, April 06, 2011

Die schwierige Frage nach der Heimat

der kulturchronist.com
jürgen hartmann stuttgart
4/04/2011

Paavo Järvi ist Chefdirigent von vier Orchestern – das neueste von ihnen, das Orchestre de Paris, bringt er mit nach Wien (Artikel für die Monatszeitschrift der Musikfreunde Wien, Ausgabe Mai/Juni 2011)

Siebentausendvierhundertsechsundsechzig – in Zahlen: 7.466 – Kilometer müsste Paavo Järvi zurücklegen, würde er die vier Orchester, denen er als Chefdirigent verpflichtet ist, nacheinander aufsuchen. Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio könnte der Ausgangspunkt sein, wo er seit 2001 (und noch bis Mai dieses Jahres) Music Director des Symphony Orchestra ist. Von dort aus ginge es flugs über den Ozean (6.658 km) in die Hauptstadt Frankreichs, wo er letzten Sommer als Directeur musicale des Orchestre de Paris begann, weiter nach Frankfurt am Main zum Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks, das ihn 2006 zum Chefdirigenten berief (478 km) und von dort aus nach Bremen, wo Järvi seit 2004 Künstlerischer Leiter der Deutschen Kammerphilharmonie ist (nur 330 km). Wollte der Dirigent von dort aus einen Ausflug an seinen Geburtsort machen, die estnische Hauptstadt Tallinn, wären weitere gut 1.200 km fällig. Alles Luftlinie, nota bene.

„Dort, wo meine Kinder sind“

1962 geboren, ging Paavo Järvi mit seiner Familie als Achtzehnjähriger in die USA, setzte dort sein Studium fort und machte sich bald auf zur internationalen Karriere, die ihn in ein festes Engagement in Stockholm und als Gast an die Pulte vieler Orchester führte, vom Concertgebouw Orkest über die Wiener Philharmoniker, bei denen er 2006 debütierte, bis zur Staatskapelle Dresden, deren aktuelle Konzertsaison er eröffnet hat. Aber wo ist Paavo Järvi zu Hause? „Dort, wo meine Kinder sind“, sagt er nach kurzem Nachdenken über diese, wie er zugibt, „schwierige Frage“. Das wäre Cincinnati, und immer, wenn er auch nur zwei, drei Tage frei hat, fliegt er hin, um die beiden Mädchen im Alter von fünf und acht zu sehen. „Das ist wohl am nächsten an dem, was man Heimat nennt“, fügt Järvi nachdenklich hinzu. Man kann die Frage aber auch anders formulieren: Wo ist seine musikalische Heimat? „Das ist eigentlich einfach: Ich habe mit den Orchestern, mit denen ich regelmäßig arbeite, eine enge Beziehung und sobald ich jeweils am Flughafen ankomme, fühlt es sich vertraut an“, sagt der Dirigent, der sich mit dem baldigen Abschied von Cincinnati wieder mehr auf Europa konzentrieren wird.

Unterschiedliche Spielarten

Einige im Umkreis dieses amerikanischen Orchesters sind ein wenig eifersüchtig auf Paavo Järvis Wendung zur „alten Welt“, das geht aus manchen Kommentaren zu den entsprechenden Zeitungsartikeln im Internet hervor. Frankfurt und Bremen? „Gute Orchester, aber nicht besser“, meint da beispielsweise ein Leser. Järvi benutzt diese Kategorien natürlich nicht, wenn er über „seine“ Klangkörper spricht. Die selbstverwaltete Bremer Kammerphilharmonie, mit der er einen sensationellen Beethoven-Zyklus erarbeitete, weltweit aufführte und auf CD einspielte, sei ein Muster „kollektiver Intelligenz“, hat Järvi einmal gesagt; die Musiker dort wollten nicht Anweisungen hören, sondern sie unterbrächen sogar während der Probe hin und wieder den Dirigenten – nicht umgekehrt, wie es üblich ist. Mit dem weithin unterschätzten HR-Sinfonieorchester arbeitet Paavo Järvi an den Sinfonien von Gustav Mahler und knüpft damit an den legendären Zyklus eines seiner Vorgänger, Eliahu Inbal, an. In Frankfurt hat er aber auch das aufwändige, jährlich neu konzipierte „Music Discovery Project“ geleitet, wo Pop und Klassik zusammentreffen und dem Orchester neues Publikum gewinnen sollen. Das Cincinnati Symphony Orchestra verglich der Dirigent mit „einer gut geölten Maschine“ und meinte das durchaus als Kompliment, wie er betont: Man strebe bei den amerikanischen Orchestern wie nirgendwo sonst nach Perfektion.

Das Kollektiv der Individualisten

Beim Orchestre de Paris trifft Paavo Järvi nun auf einen Klangkörper, der es seinen Dirigenten nicht immer einfach gemacht hat. Einen der Gründe dafür, die starke Individualität der einzelnen Musikerinnen und Musiker, sieht der neue Chef aber als Vorteil: „Die Solisten des Orchesters sind wahre Stars, und ich liebe es, wenn es in einem Orchester eine starke Kultur des Solistischen gibt, die Musiker aber gleichzeitig Teil eines Ensembles sein können“, sagt Järvi. Im Orchestre de Paris sei niemand selbstgefällig oder zu früh zufrieden: „Man zündet sozusagen ein Streichholz an, und das Orchester glüht!“

Seine Amtszeit als „Directeur musicale“ begann Paavo Järvi in der legendären Salle Pleyel mit einem Werk, auf das Paris, vorsichtig formuliert, vielleicht nicht gerade gewartet hat: Jean Sibelius’ „Kullervo“. Auch für das Orchestre de Paris, das 1967 aus dem – so hieß es wirklich! - Orchestre de la Société des concerts du Conservatoire hervorging, war das epische Werk, eine Sinfonie mit Solisten und Chor, eine Novität. Mit diesem Auftakt und seiner Ankündigung eines eher ausgewogenen als spektakulären Programms, bei dem „Neuheit und Qualität Hand in Hand gehen“ sollen, scheint der Nachfolger von Christoph Eschenbach die, wie er sagt, „einmalige Musikstadt Paris“ auf eine vielleicht etwas ruhigere, aber kontinuierliche Weiterentwicklung einstimmen zu wollen.

Philharmonie de Paris

Wenn alles gut geht, dürften Paavo Järvi und das Orchestre de Paris sogar gemeinsam die Eröffnung der „Philharmonie de Paris“ erleben und mitgestalten. Im Parc de la Villette, nahe der längst berühmten Cité de la Musique, entsteht ein futuristischer Konzertsaal mit 2.400 Plätzen, in dem Järvis Orchester neben der Salle Pleyel einen deutlich größeren, zweiten ständigen Spielort haben wird. Die Eröffnung ist für das Jahr 2013 geplant. Dass die Konzertsäle und damit die zahllosen musikalischen Ereignisse sich über ganz Paris verteilen – die Baustelle der Philharmonie liegt im Nordwesten der Stadt, am Boulevard périphérique –, sei eigentlich kein Problem, meint Paavo Järvi. Das Publikum sei flexibel, und tatsächlich ist das Musikleben der französischen Hauptstadt vielfältig wie kaum ein anderes. Mit zwei so unterschiedlichen, dabei sehr schönen Heimstätten geht jedenfalls das Orchestre de Paris, das fast vier Jahrzehnte lang in unwürdigen Verhältnissen arbeiten musste, als großer Gewinner aus den kulturellen Planungen der Hauptstadt hervor.

„Ohne das ganze Autoritätsding“

Als Chefdirigent von derzeit vier, demnächst „nur“ noch drei Orchestern fühlt sich Paavo Järvi eigentlich ganz wohl, ist er doch kein Freund reiner Gastspieltätigkeit. Als Gast müsse man sich die Programme meistens vorschreiben lassen und es sei praktisch unmöglich, langfristige Konzepte zu verwirklichen. Verwechslungsgefahr besteht jedoch nicht: Dass der Pariser Brahms bald so klingen könnte wie der Bremer Beethoven, hält der Dirigent für ausgeschlossen. „Natürlich muss man die Kultur des einzelnen Orchesters berücksichtigen, das ist doch gerade das Interessante daran“, sagt Paavo Järvi, „irgendwelchen Zwang auszuüben, wäre ganz falsch“. Überhaupt will er als Orchesterleiter mit „dem ganzen Autoritätsding“ nichts zu tun haben. Sein Blick auf die musikalischen Werke verändere sich – „ich hoffe, dass er sich verändert!“ – mit der Zeit und auch mit den Orchestern. Und vor allem mit der Erfahrung: Bei einer frühen Begegnung mit Bernstein habe dieser gesagt, dass ein Dirigent mehr fühlen als denken müsse. „Das habe ich damals überhaupt nicht verstanden“, sagt Paavo Järvi heute. „Aber es stimmt: Man kann denken und denken während der Vorbereitung, aber nichts lenkt dich so in die richtige Richtung wie die Intuition des Augenblicks“.

Tränen für Traviata

An einen ganz bestimmten Augenblick in früher Jugend erinnert sich Järvi noch heute. Mit fünf, sechs Jahren hatte ihn seine Mutter in eine Vorstellung der „Traviata“ mitgenommen, und sie musste den weinenden kleinen Paavo schließlich mit sanfter Gewalt aus dem Theater zerren. Genau darum geht es heute dem weitgereisten Dirigenten, wenn er klassische Musik an junge Leute vermittelt – von den eigenen Töchtern bis zu den Hörern des Frankfurter „Music Discovery Projects“. „Es muss eine ganz tiefe Erfahrung sein“, sagt Paavo Järvi und ist sich bewusst, dass der Konzertbetrieb dabei nicht die erste Erfahrung sein sollte. Die Musik in der Familie könne man durch nichts ersetzen – und als Sohn eines berühmten Dirigenten weiß er, wovon er spricht: „Das beste Ausbildungssystem sind die Eltern“.

http://kulturchronist.twoday.net/stories/16550086/comment

New York Philharmonic 2011

Saturday, April 02, 2011

Wenn Eiswürfel aus dem Flügel purzeln

Chefdirigent Paavo Järvi setzte seinen Bruckner-Zyklus mit dem HR-Orchester in der Alten Oper mit der zweiten Sinfonie fort. Dazu gab’s Beethoven auf dem Klavier.

Von Michael Dellith

Frankfurter Neue Presse

02.April.2011

Zwei Werke – zwei Raritäten, wovon die eine eigentlich wohlbekannt ist, nur nicht in dieser Fassung. Denn Paavo Järvi kombinierte beim jüngsten HR-Konzert Bruckners selten zu hörende zweite Sinfonie mit Beethovens Violinkonzert in der Version für Klavier und Orchester. Zu dieser hatte der Musikverleger Muzio Clementi den Komponisten überredet. Er erhoffte sich davon eine größere Verbreitung und einen besseren Absatz des neuen Werks.

Wie pianistisch ein Violinpart klingen kann, das demonstrierte Olli Mustonen an diesem Abend eindrücklich. Man muss den finnischen Klaviervirtuosen und seine pointierte, zuweilen manierierte Anschlagskunst mögen. Seine Tongebung ist von kristalliner Klarheit, und in den ausgedehnten Kadenzen des Beethovenschen Violin-/Klavierkonzerts meinte man gar, kleine Eiswürfel aus dem Flügel purzeln zu hören. Gleichwohl entbehrt sein Spiel nicht einer übergeordneten Linie – einer Kantabilität, die Paavo Järvi trotz stets präsenter dramatischer Impulse auch im Orchester bevorzugte.

Dass Bruckners Musik enorm sinnlich und expressiv sein kann, zeigten Järvi und sein hochmotiviertes Orchester am Beispiel der zweiten Sinfonie, die der österreichische Tonsetzer selbst als «zahm» bezeichnete. Gleichwohl gelang es den Instrumentalisten, trotz der oft blockartigen Kompositionsweise einen enormen Drive zu entwickeln. Auch die oft geschmähten Generalpausen gerieten unter Järvis Leitung nicht zu übergroßen Zäsuren. Sie wurden organisch in den Ablauf eingebunden. Mitunter bekam Bruckner sogar etwas Leichtfüßiges, Tänzerisches, ohne dass der Finalsog des letzten Satzes etwas von seiner Wirkung eingebüßt hätte. Das Publikum feierte Järvi und das HR-Sinfonieorchester mit großem Enthusiasmus. Ganz zu Recht.

http://www.fnp.de/nnp/nachrichten/kultur/wenn-eiswuerfel-aus-dem-fluegel-purzeln_rmn01.c.8806094.de.html