Friday, June 29, 2012

Betrunkener Abt prahlt in Kloster Eberbach

Frankfurter
25 juin 2012
Michael Dellith

Das HR-Sinfonieorchester eröffnete das 25. Rheingau-Musik-Festival klangwuchtig mit Orffs "Carmina Burana" und Debussys "La Mer".

Olga Peretyako (Soprano) und Dirigent Paavo Järvi. Foto: Klostermann

Auf den ersten Blick wollten diese beiden Werke so gar nicht zueinander passen: Orffs rhythmisch prägnante, von motorischer Suggestionskraft getriebenen "Carmina" und die hypersensible Klangempfindung von Debussys sinfonischen Skizzen "La Mer", Inbegriff des musikalischen Impressionismus. Doch der Abend belehrte eines Besseren. Denn in beiden Werken geht es um elementare Welten, um elementares Empfinden. Debussys Komposition "La Mer" beschreibt nicht nur einfach mit musikalischen Mitteln die Wellenbewegung des Wassers. So wie die impressionistische Malerei nicht die Natur realistisch abbildet, sondern Stimmung und Atmosphäre einzufangen sucht, so taucht auch Debussys Musik ein in eine Welt des Unberechenbaren, Vagen und Flüchtigen und erfasst so die elementare Kraft des Meeres.

Chefdirigent Paavo Järvi und sein HR-Sinfonieorchester entwickelten einen ausgesuchten Klangsinn für diese Musik, schufen in größtmöglicher Flexibilität ein Kaleidoskop an Farben und Stimmungen. Keine Frage, das HR-Orchester, gerade von seiner Japan- und Südkorea-Tournee zurückgekehrt, befindet sich derzeit in Bestform.

Hellwaches Reagieren, vor allem in rhythmischer Hinsicht, war auch beim Hauptwerk des Abends, den "Carmina Burana", gefragt, die vor 75 Jahren in der Frankfurter Oper vom Cäcilienverein uraufgeführt wurden. Doch nicht die Frankfurter Sänger traten zum Jubiläum in Kloster Eberbach an, sondern der Philharmonische Chor aus dem tschechischen Brünn, der beim Rheingau-Festival schon so manche "Chorschlacht" geschlagen hat. Auch diesmal bewährten sich die Profimusiker mit beeindruckendem Klangvolumen. Was die Deklamation anbetrifft, gerieten die profunden Männerstimmen im rasanten Sauflied "In Taberna" allerdings an ihre Grenzen. Tadellos und klanglich profiliert bewältigten die Limburger Domsingknaben ihren Part als singende Amoretten.

Große Anerkennung verdient der kurzfristig für Johannes Martin Kränzle eingesprungene Bariton Jochen Kupfer. Er gab – stets kultiviert – den betrunkenen Abt ebenso überzeugend wie den liebestollen Minnesänger. Und auch der Tenor Hans-Werner Bunz machte aus seinem Auftritt als gebratener Schwan eine Glanznummer, ohne ins Klamaukhafte abzugleiten. Trotz ihrer großen opernhaften Stimme wusste Olga Peretyatko ihren Sopran zu fokussieren und mit Liebreiz auszustatten.

Dass sich Orffs mittelalterliche Trink- und Liebesgesänge in den Mauern von Kloster Eberbach vortrefflich machen würden, das war von vornherein klar. Aber dass sie derart überwältigen würden, war schon eine Überraschung.


Wednesday, June 27, 2012

Paavo Järvi lõpetab hooaega oma Frankfurti ja Pariisi orkestritega

Eesti Päevaleht
Priit Kuusik, muusikaajakirjanik
27. juunil 2012
Foto: Rauno Volmar
Dirigent Paavo Järvi tegi Frankfurti Raadio Sümfooniaorkestriga pika reisi Jaapanisse ja Lõuna-Koreasse, lõpetades seejärel orkestri hooaja kodusaalis ning traditsiooniliselt Rheingau festivalil. Orchestre de Paris' viimased õhtud kodusaalis on veel ees, misjärel esinetakse juuli algul Saksamaal Bad Kissingeni suvefestivalil.

Pärast kaheksat kontserti Jaapanis, kus viimane õhtu anti Tokyos Bunka Kaikani kontserdisaalis, esines Frankfurti raadio orkester veel kahe kontserdiga Lõuna-Koreas, lõpetades reisi Söuli Kunstide keskuses 11. juunil.

Juba 15. ja 16. juunil esines Frankfurti RSO oma kodusaalis Alte Operis, mängides Aasia reisi kavast vaid Richard Wagneri avamängu „Rienzi“, lisaks sakslaste tippviiuldaja Frank Peter Zimmermann Antonín Dvořáki Viiulikontserdiga ning Felix Mendelsssohni Sümfoonia nr 4.  23. ja 24. juunil anti kaks kontserti Rheingau muusikafestivalil, mille ava- ja lõppkontserti Eberbachi kloostri basiilikas nüüd alati Frankfurti orkester sisustab. Kuna Rheingau muusikafestival tähistab tänavu oma alguse 25. aastapäeva, toimus selle pidulik avamine Wiesbadeni Kurhausis. Orkestri kavas olid Claude Debussy poeetiline „Meri“ („La mer“) ning Carl Orffi rõõmsameelne ja atraktiivne lavaline oratoorium „Carmina burana“ (selle maailmaesiettekanne toimuski 1937. a Frankfurtis). Orffi teose ettekandel olid kaastegevad Tšehhi Filharmoonia koor Brnost ja Limburgi Toomkiriku poistekoor. Ajakirjanduses on väga kiitvalt hinnatud Paavo Järvit ning Orffi ettekande solisti Olga Peretjatkod Peterburist, kes kodulinnas alustas oma muusikuteed 15-aastasena ooperi lastekooris. 23. juuni kontsert läks otseülekandele Hesseni Ringhäälingu kultuuriprogrammis (hr 2) ning 24. juuni kontsert televisioonis ja seda korratakse 30. juunil (3 sat). Alates 25. juunist on 24. juuni kontsert videona vaadatav Arte Live veebis ning orkestri kodulehel. Mõlemad kontserdid olid juba varakult välja müüdud.

Paavo Järvi teise orkestri, Orchestre de Paris' hooaeg oma residentsis Pariisis, kuulsas Salle Pleyelis lõpetatakse peadirigendi käe all 27. ja 28. juunil, kavas taas prantsuse klassikat – Charles Gounod' Sümfoonia nr 1 ning Camille Saint-Saënsi Viiulikontsert nr 3, kuhu solistiks tuleb Vadim Repin. Õhtu lõputeoseks on Dmitri Šostakovitši Sümfoonia nr 1.  

Paavo viib Orchestre de Paris' hooaja lõpetuseks 6. ja 7. juulil rahvusvahelisele festivalile Bad Kissingenis kahe erineva kavaga, kus instrumentaalkontserdid Beethovenilt, Chopinilt ja Saint-Saënsilt, Edvard Griegi „Peer Gynti“ süidid nr 1 ja nr 2 ning Šostakovitši Sümfoonia nr 1.

Juulikuu viimasel nädalal tuleb Paavo Järvi dirigeerima Pärnusse Järvi Suvefestivalile, mille muusikaline nõustaja ta on. Samas oli ta tegev suveakadeemia noorte dirigentide valimisel. Ta  juhatab festivali avakontserti 26. juulil ning jõuab sealt edasi Šveitsi 2. augustil Verbier' festivalile. Pärnus dirigeerib ta Järvi festivaliorkestrit ning Šveitsis Verbier' festivaliorkestrit.

Tuesday, June 26, 2012

Atmoshpères parisiennes

Diapason
Eté 2012
Thierry Soveaux

Rheingau Musik Festival wird eröffnet – Paavo Järvi dirigiert „Carmina Burana“

 Baltische Rundschau
von Redaktion Deutchland
 24.06.2012

Die Basilika des Klosters Eberbach ist der ideale Klangraum für Carl Orffs „Carmina Burana“. Am Samstag, 23. Juni, und am Sonntag, 24. Juni, jeweils 19 Uhr, eröffnet das hr-Sinfonieorchester dort unter Leitung von Chefdirigent Paavo Järvi das 25. Rheingau Musik Festival. Zu Gast sind die Sopranistin Olga Peretyatko, der Tenor Hans-Werner Bunz, der Bariton Johannes Martin Kränzle, der Tschechische Philharmonische Chor Brno und die Limburger Domsingknaben. Vor der Aufführung dieses wohl populärsten Chorwerkes des 20. Jahrhunderts ist mit Claude Debussys „La mer“ ein faszinierendes Werk des französischen Impressionismus zu erleben.
Beide Konzerte sind ausverkauft. Sie sind jedoch am 23. Juni, 19 Uhr, live in hr2-kultur, am 24. Juni, 20.15 Uhr im hr-fernsehen, am 30. Juni um 20.15 Uhr in 3sat und ab Montag, 25. Juni, als Stream-on-Demand unter www.hr-sinfonieorchester.de und im Arte Live Web zu sehen.
Orffs „Carmina Burana“ basieren auf einer mittelalterlichen Sammlung weltlicher Gedichte aus dem Kloster Benediktbeuren, deren lebenspralle Texte die Wechselhaftigkeit des Schicksals, die Flüchtigkeit des Lebens, die Freude über die Rückkehr des Frühlings sowie die Genüsse und Gefahren von Trinken, Völlerei, Glücksspiel und Wollust behandeln. Zu seinen „Beurer Liedern“ schuf Orff dabei eine kongeniale Musik, die modern und archaisch zugleich anmutet und seit ihrer Frankfurter Uraufführung 1937 die Hörer weltweit in den Bann zieht.
Seit 25 Jahren begleitet der Hessische Rundfunk (hr) das Rheingau Musik Festival . Von Anfang an ist der hr Medienpartner und hat mit vielen Übertragungen, begleitenden Berichten und Orchesterauftritten den Erfolg des Festivals gefördert und mitbegründet.
Foto: hr-Sinfonieorchester / Jean Christophe Uhl

http://www.baltische-rundschau.eu/2012/06/24/rheingau-musik-festival-wird-eroffnet-paavo-jarvi-dirigiert-carmina-burana/

Festakt zu 25 Jahren Rheingau Musik Festival im Kurhaus Wiesbaden

Allgemeine Zeitung
Axel Zibulski
18.06.2012


Dirigent Paavo Järvi und das hr-Sinfonieorchester spielen beim Festakt zum 25-jährigen Bestehen des Rheingau Musik Festivals im Kurhaus.

Michael Herrmann versprach seiner Familie für die kommenden Jahre: Sommerurlaube am Rhein. Keine Rückzugsgedanken also beim Gründer und Intendanten des Rheingau Musik Festivals eine Woche vor Start in die 25. Saison. Das Jubiläum war Anlass für einen Festakt mit dem hr-Sinfonieorchester im Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses. In seiner Begrüßung dankte Herrmann vor allem den Künstlern, die seit langem beim Festival gastieren. Einer von ihnen, der Dirigent Enoch zu Guttenberg, hielt die Festrede.

„Dank, Anerkennung und Respekt für eine großartige Lebensleistung“ sprach der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier dem Festival-Gründer Herrmann aus, der 1988 die erste Saison mit 19 Konzerten ins Leben rief: „Wer Musik veranstaltet, bringt den Menschen Freude“, resümierte Bouffier, der zugleich Schirmherr des Festivals ist. Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch lobte als dessen Kuratoriumsvorsitzender die weitgehende Unabhängigkeit von staatlichen Zuwendungen: „Mit dem, was das Land dazugibt, kann man hier nicht einmal Hauptsponsor werden.“ Zugleich würdigte Koch die Organisation des Festivals mit seinen mittlerweile mehr als 150 Veranstaltungen pro Jahr an über 40 Spielorten.

Enoch zu Guttenberg zog vor den geladenen Gästen in seiner Festrede einen weiten Bogen zur biblischen Schöpfungsgeschichte. Die Einmaligkeit des Menschen gegenüber anderen Geschöpfen sei einzig in der Fähigkeit zum historischen Gedächtnis begründet: „Das Medium, das dieses Gedächtnis hervorbringt, ist die Kunst. Sein Geist ruht in jedem großen Musikwerk. Gäbe es nicht das Refugium der Kunst, dann müssten wir resignieren“. Mit Blick auf Herrmann sagte Guttenberg: „Er ist, Gott sei Dank, ein Besessener, ein Verrückter.“ Einer, der über „irre Wege“ vom gelernten Buchhändler zum Immobilienmakler, zum Kneipier und schließlich zum erfolgreichen Musikmanager geworden sei.
Künstler und Wegbegleiter
Mehr als 20 Künstler und Wegbegleiter Herrmanns kamen per Video-Einspielung zu Wort: „Das Leben wäre ein Irrtum, würde es das Festival nicht geben“, findet Peter Hanser-Strecker, Vorsitzender der Geschäftsleitung des Mainzer Schott-Verlags. Und Paavo Järvi, Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters, erinnerte sich besonders gern an eine Aufführung von Gustav Mahlers dritter Sinfonie in der Basilika von Kloster Eberbach. Im Wiesbadener Kurhaus dirigierte er das hr-Sinfonieorchester in der „Akademischen Festouvertüre“ von Johannes Brahms, der Sinfonischen Dichtung „Finlandia“ von Jean Sibelius - und sorgte gemeinsam mit Geiger Frank Peter Zimmermann für eine hoch konzentrierte, detailgenau und vitale Interpretation von Antonín Dvoráks Violinkonzert a-Moll op. 53.

http://www.allgemeine-zeitung.de/region/kultur/musik/12097780.htm

Im Kloster singt ein Engel

Bild.de
Dr. Josefbecker
24.06.2012
 Rheingau Musik Festival 
Im Kloster singt ein Engel
Bezaubernd nett, himmlisch gut: Sopranistin Olga Peretyatko, die ihre Karriere mit 15 Jahren im Kinderchor der Oper St. Petersburg startete

Kloster Eberbach – Sogar die freundlichen Hostessen auf dem Heimweg summen noch die Eingangsmelodie von der trügerischen Fortuna. So super eindrücklich war das Erlebnis zum Auftakt des Rheingau Musik Festivals. Zum 25. Mal beglückt der „Sommer voller Musik“ die Region.
Zum Auftakt gab‘s satten Sound in der Basilika. Nach den sinfonischen Skizzen „La mer“ von Claude Debussy peitschte Paavo Järvi das fantastische HR-Sinfonieorchester durch Carl Orffs „Carmina Burana“, deftig sinnliche Gesänge auf mittelalterliche Texte.
Jochen Kupfer gefiel als sonorer ausdrucksstarker Bariton, Hans-Werner Bunz lieferte ein komödiantisches Kabinettstück als gerösteter Schwan.
Über allen schwebte in der Basilika ein „russischer Engel“: Olga Peretyatko entzückte wie eine Lerche tirillierend mit ihrer jungen, frischen, starken Stimme. Vergesst Netrebko! Olga ist besser – und schöner!
Philharmonischer Chor aus Brno und Limburger Domsingknaben bildeten eine gewaltige Stimmwand. Pure Begeisterung. Hochgenuss. Stehende Ovationen.
Das Rheingau Musik Festival bietet bis 1.9. noch 150 Konzerte der Spitzenklasse.
 
http://www.bild.de/regional/frankfurt/frankfurt-am-main/rheingau-musik-festival-eroeffnet-24830500.bild.html

Der Schwan singt in der Röhre

Echo-online
Thomas Wolff
25.06.2012

Rheingau-Musikfestival – Machtvoller Auftakt, schwierige Akustik: die „Carmina Burana“
ELTVILLE.
Wie unter Schmerzen windet sich der Tenor. Auf seinem schmalen Platz neben dem Dirigenten wackelt er unstet herum, verzieht das Gesicht – klar, schließlich singt er das Lied vom schönen Schwan, der gerade gegrillt wird. „Es dreht und wendet mich der Koch“, barmt er mit komischer Kopfstimme, „nun so schwarz und so verbrannt“. Der Chor spendet höhnisch Trost: „Miser, miser“, tönt es von hinten, „Armer, Armer.“
So spaßig die Nummer mit dem schwarzen Schwan in der Schänken-Szene von Carl Orffs Carmina Burana auch ist: Es bleibt ein Kunststück, sie gut zu singen. Hans-Werner Bunz ist dafür genau der Richtige. Das Klagen, Jammern und Sehnen des Gepeinigten bringt er in all seinen Facetten ebenso pointiert wie ironiesatt herüber. Und die deftige Komik tut gut. Orffs Elementarwerk strotzt ja ansonsten vor großen Gesten und kraftmeierndem Pathos. Ein Paukenschlag mit ironischen Untertönen also zum Auftakt des Jubiläumsfestivals im Rheingau.
Mit Kloster Eberbach hatten Festivalchef Michael Herrmann und sein Team einen in vielerlei Hinsicht passenden Ort für die Carmina Burana gewählt. Die schöne Schlichtheit der romanischen Architektur bietet einen sinnfälligen Rahmen für Orffs auf kunstvolle Einfachheit gebautes Großwerk. Ringsum die üppig grünen Weinberge: Das Lob der guten Lebens klingt hier so noch mal so anregend.
Zudem dienten die gottverlassenen, längst säkularisierten Zisterzienserbauten ja als Filmkulisse für „Der Name der Rose“, und was der Autor Umberto Eco in neuerer Zeit für die Popularisierung mittelalterlicher (Klischee-)Vorstellungen geleistet hat, das hat der Komponist Carl Orff mit seinen vertonten Lateinversen in den späten Dreißigern nicht minder getan. Sein Mix aus antiker, heute exotisch anmutender Sprache und urgründigen Rhythmen wirkt noch immer.

Dazu tragen an diesem Abend wesentlich die Sänger bei, allen voran die des Philharmonischen Chores Brno. Die sinnliche Kraft des Werks bringen Frauen- wie Männerstimmen in dynamisch fein abgestuften Ansätzen zum Klingen. Urwüchsig schön die Lobgesänge auf die Freuden des Frühlings, wuchtig das Donnern des Schicksalsrades, das Fortuna dreht und dreht. Rhythmisch präzise und harmonisch geschlossen auch die Beiträge der Limburger Domsingknaben.
Ein Händchen hatten die Macher auch bei der Wahl der Solisten – und reichlich Glück. Kurzfristig war der Bariton erkrankt, mithin die Hauptpartie des Werks. Der Nürnberger Jochen Kupfer ist nun alles andere als ein Ersatzmann. Mit runder, weicher, zugleich voller Stimme gab er den fröhlichen Zecher wie den vor Liebe Entflammten, blieb sicher in allen Lagen – und die sind hier extrem: Aus hoher Kopfstimme muss der Bariton ansatzlos in den Keller wechseln, was Kupfer exzellent meisterte. Die russische Sopranistin Olga Peretyatko lieh der schmachtenden Maid einen anmutigen, geschmeidigen Ton. Und der Schwan von Tenor Bunz: zum Sterben schön. Doch wie großartig all das wirklich klang, hörte wahrscheinlich nur Dirigent Paavo Järvi wirklich.
An seinem Premiumplatz in der Mitte der Vierung der Basilika war Järvi von seinen HR-Sinfonikern allseits umgeben, hatte die Solisten im Rücken, die Chöre vor Augen. Die Situation für das Publikum im lang gestreckten Kirchenschiff war natürlich eine andere. Die weit entfernten Chorsänger, die sich im Ostchor der Basilika stapelten; davor die Perkussionisten mit ihren Kastagnetten, Gongs und Triangeln; dazwischen die scharf klingenden Blechbläser, und in der Vierung die wie in Watte gepackten Streicher: All das fügte sich rhythmisch oft nicht zusammen. Zu tief gestaffelt standen die knapp 200 Akteure – notgedrungen – in diesem steinernen Schlauch. Zudem bewirken die nackten Kirchenwände einen unkontrollierbar langen Nachhall.

Wie schon das erste Stück des Abends, Debussys impressionistische Skizze „La mer“, an den Rändern zum Aquarell zerfloss, so verschwammen auch bei Orff die Konturen in den rhythmischen Passagen, besonders bei den Orchestertutti. Da mochte Järvi noch so engagiert mit den Armen rudern: Es lief einiges auseinander, was der dramatischen Wucht des Ganzen doch abträglich war.
Wenn das Konzert am Ende freundlichen Beifall bekam, dann lag das sicher eher am Charme der lyrischen, verhalten orchestrierten Lieder. Von denen hat es ja auch nicht wenige in der Carmina Burana. Und dann gab es ja noch lecker Schwan in der Pfanne. Was will der Hedonist mehr.
http://www.echo-online.de/freizeit/kunstkultur/musik/Der-Schwan-singt-in-der-Roehre;art641,3000618

Das Mittelalterliche der „Carmina Burana“ passt gut in die Basilika

Wiesbadener Tagblatt
25.06.2011
Axel Zibulski

Eröffnungskonzert des Rheingau Musik Festivals.
Foto: Ansgar Klostermann
RHEINGAU MUSIK FESTIVAL Eröffnungskonzert in Kloster Eberbach: Das hr-Sinfonieorchester spielt Werke von Claude Debussy und Carl Orff
Carl Orffs „Carmina Burana“ passen als freie Adaptionen mittelalterlicher Lieder ziemlich gut ins heutige Kloster Eberbach. Meist erklingt in der Basilika Sommer für Sommer Musik, die über Barock und Romantik bis zum zeitgenössischen Komponistenporträt dem Raum ästhetisch ungezwungen und dabei manchmal auch recht spannungsvoll begegnet. Denn Eberbach ist Haupt- und regelmäßig Auftaktspielstätte des Rheingau Musik Festivals, das jetzt in der Basilika, wie in den Vorjahren, vom hr-Sinfonieorchester und seinem Chefdirigenten Paavo Järvi eröffnet wurde.
In den beiden ersten Konzerten der 25. Festival-Auflage standen also (nach Claude Debussys Sinfonischen Skizzen „La Mer“) Carl Orffs ihrerseits recht freie und dabei ungezwungen ins Großformatige zielende Bearbeitungen der Lieder aus dem bayerischen Kloster Benediktbeuren auf dem Programm. Zu erwarten war eine vertiefte, bei weitem nicht bloß plakative Interpretation des gut einstündigen Werks, wie sie in der Aufführung mit dem Philharmonischen Chor Brünn, den Limburger Domsingknaben und einem vorzüglichen Solisten-Terzett auch imposant gelang.
Der rahmende, aus Funk und Fernsehen bestens bekannte und dorthin, wie das ganze Eröffnungskonzert, vom Hessischen Rundfunk rückübertragene „O-Fortuna“-Chor hatte schneidend-präzise Wucht, die eingangs in den Einsätzen der Limburger Domsingknaben aber auch die ersten Feinheiten dieser Aufführung zuließ. Orffs weltliche Mittelalter-Schau mit ihren Episoden des Tanzes, der Kneipen-Dekadenz, der Liebe schließlich war unter Paavo Järvis Leitung so kurzweilig-deutlich, so farbig, auch so musikalisch-dramatisch anschaulich zu hören wie selten. Großen Anteil hatte daran der Philharmonische Chor aus dem tschechischen Brünn, der bei allem Volumen mit höchster Beweglichkeit glänzte. Höchst weltliche Sinnesfreuden kamen in der säkularisierten Basilika wunderbar deftig zur Geltung, bis hin zum skurrilen Lied eines gebratenen Schwans, wie es Tenor Hans-Werner Bunz falsettierend und leidend-leiernd aussang.
Breiter die Aufgaben der beiden anderen Vokalsolisten: Der bis zum metallischen Attackieren hoch präsente Bariton von Jochen Kupfer bedeutete für die Aufführung ebenso einen Gewinn wie die mutig, aber rein und tragend ihre einsamen Höhen in den Liebesliedern aussingende Sopranistin Olga Peretyatko. Das hr-Sinfonieorchester durchlüftete den Orchestersatz zwischenzeitlich zum Beispiel mit lockeren Blechbläser-Einsätzen, nachdem es zuvor Claude Debussys maritime Reflexionen „La Mer“ im Gedämpften wie im Ausschwingenden eher farbschablonenhaft ausgelegt hatte. Das Publikum spendete am Ende des ersten von mehr als 150 Festival-Konzerten seinen großen, langanhaltenden Beifall bald im Stehen.

http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/kultur/musik/12124781.htm

Friday, June 22, 2012

Eine echte Herausforderung

Frankfurter Neue Presse
Detlef Kinsler
21.06.2012
Tonmeister Christoph Claßen (l.) zusammen mit Chefdirigent Paavo Järvi bei den letzten Vorbereitungen für das Konzert im Kloster Eberbach. Foto: Kinsler

Das klingt tatsächlich nach einer Vorbestimmung. Christoph Claßen ist Tonmeister und wusste schon früh, dass er sich zu diesem Beruf berufen fühlte. "Weil ich aus einem musikalischen Haus komme, beide Eltern Musiklehrer waren und ich selber Klavier und Geige gespielt habe", erzählt er. Aber da war immer auch eine Affinität zur Technik.

"Ich hatte mir zu Weihnachten meine erste Philips-Tonbandmaschine gewünscht, mit der ich Dinge zusammenmischen konnte. So habe ich als Jugendlicher schon kleine Hörspiele gemacht und dann Aufnahmen vom Schulorchester." Als dann eine CD entstehen sollte, assistierte er bei dem professionellen Produzenten. "Da stand es dann für mich endgültig fest, ich war ungefähr in der 10. Klasse und habe das dann ziemlich geradlinig weiter verfolgt."

Claßen, Jahrgang 68, zog vom Ruhrgebiet zum Studium nach Berlin, über Niederbayern kam er nach Frankfurt und zum Hessischen Rundfunk, wo er 1993 als Jung-Tonmeister erste Aufnahmen machte und seit 2010 angestellt ist. Zusammen mit dem Toningenieur am Mischpult ist er als Aufnahmeleiter und Mann mit den Partituren dafür verantwortlich, das Klangbild des Klangkörpers im Sinne des Chefdirigenten Paavo Järvi optimal zu gestalten. Neben der Arbeit beim HR erlaubt ihm eine Nebentätigkeitsgenehmigung (so das Amtsdeutsch) auch Produktionen außer Haus. So war er gerade in Italien, um dort mit dem Barockensemble Accademia Bizantina und Geiger Giuliano Carmignola Vivaldi-Konzerte einzuspielen, davor reiste er in die Schweiz, um mit Pierre-Laurent Aimard Debussy in La Chaux-de-Fonds aufzunehmen. Neben dem französischen Starpianisten, dessen Kollegen Alfred Brendel und Lang Lang sowie dem Klavierstimmer Stefan Knüpfer als eigentlichem Hauptdarsteller war Claßen 2009 im außergewöhnlichen Dokumentarfilm "Pianomania" zu sehen, Untertitel "Auf der Suche nach dem perfekten Klang".

"Perfektion gibt es nicht", lautet dann die überraschende Aussage des Mannes, dem man zuschreibt, ihm entgehe keine schiefe Note. "Das ist schlichtweg gelogen", lacht er, "denn man findet dann auf den fertigen Aufnahmen immer noch mal ein falsches Tönchen." In der Rolle des ersten Zuhörers, der das Endprodukt schon im Kopf haben muss, bevor es fertig ist, spiegelt er dem Musiker, was er hört. "Das war vielleicht nicht perfekt, aber musikalisch so toll, dass es lohnt darüber nachzudenken, es vielleicht so zu belassen", könnte er dann vorschlagen. In der Kommunikation mit Künstler ist auch Diplomatie und ein wenig Psychologie gefragt, und zum komplexen Berufsbild gehören auch Management-Fähigkeiten, wenn zum Beispiel ein großes Orchester, ein Chor und viele Gesangssolisten zusammenkommen. "Zehn Tage im Studio eine komplette Oper aufzunehmen, das ist eine ganz andere Hausnummer, da muss man genau darauf achten, dass alles im Kasten ist", betont Claßen. Für seinen Anteil an der "Tannhäuser"-Einspielung im Madison Square Garden unter Daniel Baremboim bekam der Frankfurter einen begehrten Grammy. "Das ist natürlich eine tolle Sache, und ich habe mich darüber auch wahnsinnig gefreut. Es ist eine Anerkennung für etwas, wofür du dich richtig ins Zeug gelegt hast."

Morgen ist Christoph Claßens Arbeitsplatz ein Aufnahmewagen beim 25. Jubiläum des Rheingau Musik Festivals. Auf dem Programm des Eröffnungskonzertes steht Carl Orffs "Carmina Burana" im Kloster Eberbach. "Die Basilika ist ein gigantischer Raum, ein Konzert da zu sehen, ist ein Erlebnis", weiß Claßen. Ein hundertköpfiges Orchester, dazu 50 Personen im Chor – mit kleinem Hörfunk- und größerem Fernsehteam sind fast 200 Leute involviert. Das ist akustisch und logistisch immer wieder eine Herausforderung.

http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/frankfurt/eine-echte-herausforderung_rmn01.c.9934380.de.html

hr-Sinfonieorchester eröffnet mit Carmina Burana

hr-online.de
22.06.2012Einen schöneren Ort für die "Carmina Burana" kann es eigentlich nicht geben: Im Kloster Eberbach eröffnet das hr-Sinfonieorchester mit Carl Orffs Meisterwerk das Rheingau Musik Festival 2012.

Das hr-Sinfonieorchester beim Rheingau Musik Festival im Kloster Eberbach

Die Basilika des Klosters Eberbach ist der ideale Klangraum für Carl Orffs "Carmina Burana", die unter der Leitung von Chefdirigent Paavo Järvi aufgeführt werden. Zu Gast sind die Sopranistin Olga Peretyatko, der Tenor Hans-Werner Bunz, der Bariton Jochen Kupfer, der für den erkrankten Kollegen Johannes Martin Kränzle eigensprungen ist, der Tschechische Philharmonische Chor Brno und die Limburger Domsingknaben. Vor der Aufführung dieses wohl populärsten Chorwerkes des 20. Jahrhunderts ist mit Claude Debussys "La mer" ein faszinierendes Werk des französischen Impressionismus zu erleben.

Orffs "Carmina Burana" basieren auf einer mittelalterlichen Sammlung weltlicher Gedichte aus dem Kloster Benediktbeuren, deren lebenspralle Texte die Wechselhaftigkeit des Schicksals, die Flüchtigkeit des Lebens, die Freude über die Rückkehr des Frühlings sowie die Genüsse und Gefahren von Trinken, Völlerei, Glücksspiel und Wollust behandeln. Zu seinen "Beurer Liedern" schuf Orff dabei eine kongeniale Musik, die modern und archaisch zugleich anmutet und seit ihrer Frankfurter Uraufführung 1937 die Hörer weltweit in den Bann zieht.

Seit 25 Jahren begleitet der Hessische Rundfunk (hr) das Rheingau Musik Festival. Von Anfang an ist der hr Medienpartner und hat mit vielen Übertragungen, begleitenden Berichten und Orchesterauftritten den Erfolg des Festivals gefördert und mitbegründet.

Sunday, June 17, 2012

A few copies of the Paavo Järvi Beethoven Symphony Box Remain

AnalogPlanet
Michael Fremer
Jun 12, 2012

This is a photo of IMPEX Records' Robert Sliger holding up one of the few copies of the superb Jarvi Beethoven symphony box set reviewed elsewhere on this site. Everyone who has purchased it is glad they did. So are the members of the Bremen Chamber Orchestra who pushed for its release on vinyl. Right! What can those clowns possibly know about music and sound. If they knew anything they'd only want to hear it in the digital domain. Yeah sure.http://www.analogplanet.com/content/few-copies-paavo-j%C3%A4rvi-beethoven-symphony-box-remain

Thursday, June 14, 2012

Järvi Summer Festival Selections Made

ERR News
Kristopher Rikken
14.06.2012

Twenty-one young conductors have been accepted to the master courses to be given by Paavo Järvi at the prestigious Pärnu summer festival that bears his family name.
Neeme Järvi(left) and Paavo Järvi(Photo: Postimees/Scanpix)
Järvi and a panel of judges made the selection from a total of 56 applications received from all over the world.
Entries included videos, which were one criterion in the decision. Some of the names were new, while others have been selected for several years running, Klassikaraadio reported.
Besides teaching conducting, the Järvi Summer Festival also features a master class for instrumentalists and composers, the latter taught by the festival's resident composer Helena Tulve. Tulve will also debut a new work, to be performed at the gala concert at the Pärnu Concert Hall on July 28.
The master classes will be held from July 26 to August 2. Neeme Järvi, Paavo Järvi and Leonid Grin will teach the conducting courses. Top participants will wield their batons at concerts in Pärnu on July 27 and 28 and August 2. The final concert on August 2 is dedicated to the elder Järvi's 75th birthday and will feature Tchaikovsky's Piano Concerto No. 2, Tubin's Concertino and Beethoven's Fifth Symphony.


http://news.err.ee/culture/9276ac7f-fe25-4a34-b841-245c626ba87a

Wednesday, June 13, 2012

Monday, June 11, 2012

Paavo Järvi turnee Frankfurti orkestriga Jaapanis ja Koreas jõuab lõpule

Priit Kuusk, muusikaajakirjanik
11. juunil 2012

Frankfurti Raadio Sümfooniaorkestril ja tema peadirigendil Paavo Järvil hakkab lõpule jõudma ligi kaks nädalat kestnud pingeline kontserditurnee Jaapanis ning Lõuna-Koreas, mis sisaldab endas kokku kümme kontserti.

Kogu turnee solistideks on olnud tippviiuldaja Hilary Hahn ning nooruke menukas pianist Alice Sara Ott. Jaapanis esineti kokku kuues suurlinnas, avakontsert toimus 31. mail Sapporos Kitara kontserdisaalis. Kuna kava avateoseks oli Ferenc Liszti Klaverikontsert nr 1, tuli esimesena koos orkestriga lavale 1988. aastal Münchenis saksa-jaapani peres sündinud Alice Sara Ott. Kava teine peateos oli Gustav Mahleri Viies sümfoonia.

1. juunil jätkati muusikareisi Matsudos Seitoku ülikoolis, kus anti kontsert vaid üliõpilastele, kavas Mahleri Viienda sümfoonia ees Richard Wagneri avamäng tema varasele ooperile „Rienzi“. 2. juunil esineti Yokohamas Minato Mirai hallis ning siin tuli Felix Mendelssohni Viiulikontserdiga lavale Hilary Hahn USAst. Kava teiseks teoseks oli Anton Bruckneri Sümfoonia nr 8.

3., 5. ja 6. juuni kontsertidel Nagoyas, Frankfurti sõpruslinnas Fukuokas ning esimesel kontserdil ōkyōs Suntory Hall'is korrati 31. mai kava Liszti ja Mahleriga. 7. juunil kõlas samas saalis ka Mendelssohni ja Bruckneri kava.

Lahkumiskontsert Tōkyōs, millega jäeti hüvasti Jaapaniga, toimus 8. juunil pealinna saalis Bunka Kaikan, mille eest Paavo orkestrit ja solisti väga kiitis, pidades seda kogu reisi kõige õnnestunumaks. Siin esitati Liszti klaverikontsert kõrvuti Bruckneri sümfooniaga.

Frankfurti orkestri viimased kontserdid toimuvad Lõuna-Koreas ja neil on solistiks vaid Hilary Hahn – 10. juunil Seongnami Kunstide Keskuses ning 11. juunil Söuli Kunstide Keskuses, kavas Mendelssohni Viiulikontsert ning 10. juunil Bruckneri 8. sümfoonia ja 11. juunil Mahleri 5. sümfoonia. Paavo Järvi on viimase poole aasta jooksul Söulis dirigeerimas juba teist korda, detsembris esines ta siin menukalt koos Orchestre de Paris'ga. Allakirjutanu viibis Söulis aga ühel rahukonverentsil selle aasta jaanuari lõpul sealse uusaasta tuleku aegu. Kunstide keskuse kontserdisaal avati 1988. aastal ja mahutab 2600 kuulajat.

Pärast Matsudo kontserti üliõpilastele toimub Korea pealinnas reisi muusikaharidusliku programmi teine üritus: 11. juunil korraldavad orkestri muusikud meistrikursuste sarja Söuli muusikakõrgkooli instrumentaalerialade üliõpilastele. Aasia reisi lõppkontserdi 11. juunil Eesti dirigendi juhatusel Söuli Kunstide Keskuses salvestab ja teeb selle rahvusvaheliselt kättesaadavaks Lõuna-Korea rahvuslik televisioon SBS.

Nüüd jääb Paavo Järvil Frankfurti orkestriga veel hooaeg lõpetada kodusaalis Alte Operis 15. ja 16. juunil Mendelssohni „Itaalia sümfooniaga“ (nr 4) ning Antonín Dvořáki Viiulikontserdiga kuulsa saksa solisti Frank Peter Zimmermanniga ja seejärel viia orkester traditsioonilisele esinemisele Rheingau muusikafestivalil meie jaanipäeva aegu Eberbachi kloostris.

Sunday, June 10, 2012

Der Pate Gustav Mahlers: Hans Rotts 1. Symphonie

RP-online
09.06.2012


Selten hat man einer Platte mit solcher Neugier entgegengefiebert wie dieser. Hans Rott (1858–1884) – war das nicht dieser wahnsinnige Geniekopf aus Österreich, dessen E-Dur-Symphonie von Johannes Brahms abgeurteilt wurde, wonach der Komponist als psychiatrischer Fall auffällig wurde. Diese E-Dur-Symphonie – also das Werk eines 20-Jährigen – gilt als Vermählung der Ideen Anton Bruckners (der Rotts Lehrer war) und als Vorwehen der Symphonik Gustav Mahlers (dessen Freund Rott war). Ja, es mahlert gewaltig in dieser fulminanten Musik, die um 1878 entstanden war; das Finale von Mahlers Siebter ist hier beinahe wörtlich antizipiert. Es gibt ordentliche Aufnahmen dieser E-Dur-Symphonie, aber nun gibt's eine fabelhafte: Das Symphonieorchester des Hessischen Rundfunk unter Paavo Järvi stellt das Suchende ebenso ins Recht wie das Expressive, Nervöse, Unmäßige. Das Orchester ist fabelhaft, Järvi betont das Drängende. WOLFRAM GOERTZ
RCA/Sony CD 8869 1963192

Monday, June 04, 2012

Documentary to Focus on Paavo Järvi

Music in Cincinnati
Maru Ellyn Hutton
May 28, 2012

David Donnelly of Endeavor Pictures shooting in Cincinnati for "Maestro"

David Donnelly knows what it means to follow your bliss.
A native of Lakeside Park, Kentucky, Donnelly, 30, is a filmmaker. As a student at Washington University in St. Louis, he took a film production class, “and it was a love affair from the start. Some things you know in life, and right away I just knew this is what I wanted to do. It makes me wake up early in the mornings.”
After graduation, he moved to Los Angeles and dug right in. He worked as an intern and production assistant and freelanced as a writer and director. “I did not go to film school. I’m self-taught. I just started making projects.” In 2010, he started a production company, Endeavor Pictures, with actor/businessman Ford d’Aprix. (D’Aprix was praised for his role as John Wilkes Booth in the one-man, off-Broadway show “To Bury Caesar” in 2009.)
Endeavor’s latest project is a feature length documentary called “Maestro,” an “exploration of the creative process,” focusing on conductor Paavo Järvi (music director of the Cincinnati Symphony Orchestra 2001-2011).
Paavo Järvi
“The purpose of our company is to create films that inspire social change,” said Donnelly. “That’s the core message of every one of our projects. The first thing we did under the Endeavor Pictures banner was a two-disc DVD set called ‘Think About It’ (about teen drinking and driving). It’s part narrative and part documentary, shot mostly in Cincinnati. We signed a deal with the largest educational film distributor in North America, and it goes out in catalogs to high school teachers, law enforcement agencies, driving schools, those kinds of places.”
Others include “Consequences,” a 30-minute docu-drama for at-risk youth, produced in partnership with the Consequences Foundation, and “Believe,” “a diverse palette” of monologues on philosophies of life, to be premiered in Miami early next year. Endeavor’s first feature length film (due out this summer) is “Doctor Feelgood,” the story of a “playboy doctor” who comes under investigation when a patient dies after taking an overdose of a drug he prescribed. (For further information, see www.endeavorpicturesllc.com.)
But how does classical music inspire social change?
Donnelly recalled that when he was in high school (Holmes High School in Covington, Kentucky) he played football and trumpet. “I liked playing trumpet, and I feel like I was good at it, but I thought it was cooler to play football. That’s a very common thing, especially among men. I think there are a lot of talented men who could be doing theater or band or playing classical pieces. They could be in the arts, but in contemporary culture, it’s not necessarily something that is hip. I don’t think that’s the case. I think these guys are rock stars.”
Donnelly met Järvi in Cincinnati, where he lived for two years after embarking on his career in Los Angeles. “I really didn’t know anything about classical music. I was not much of a fan.” What Donnelly learned right away was the similarity between what they do. “When you’re making a film, you’re taking a creative vision, and you have to communicate that vision. You have to make it your own. He (Järvi) has to take a piece of music that’s been heard maybe hundreds, if not thousands of times, and somehow make it his own. He has to communicate that vision to large amounts of people in a live performance.”
Donnelly started going to CSO concerts and taking other people his age. Järvi gave him some pieces to listen to and information about their context, i.e. the stories behind them. “That was a real inspiration to me, because I’m a story-oriented person,” he said. “Once I heard some of the stories, the inspiration behind some of them and what they meant, all of a sudden it was fascinating. I want to replicate that experience to a very large audience with this film.”
It’s a “universal story,” said Donnelly, who is now back in Los Angeles. “It’s about the evolution of self-expression. The footprints of human history can be told through the history of classical music. Take a piece that might have been made hundreds of years ago. Was that country at war? At peace? What was the mentality at that time? There’s so much you can learn from each of these pieces.”
Donnelly wants to show classical music from a new and different angle, he said. “People, especially in mainstream culture, have certain stereotypes of classical music. I’m going to shoot it like an athletic performance, kind of like the build up before a big game. We’re focusing on the artistic process, what it’s like to take a piece of music from beginning to end and how that works through the rehearsal process and live performance.”
People should know “the technical mastery” that goes into classical music, he said. “A conductor devotes his entire life to studying and making this art form last. All the people involved are so talented, and there’s got to be this perfect literal and metaphorical harmony that makes it come together.” People don’t know what a conductor does, he added. “They’re like, couldn’t they play if the conductor wasn’t there? Could a film direct itself? Technically, I guess, but someone has to be the heartbeat of the performance, the leader who is looking at the big picture vs. each individual’s performance. It’s both micro and macro.”
To produce “Maestro,” Donnelly and his crew are filming Järvi with several orchestras, including the Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Orchestre de Paris and Frankfurt Radio Orchestra, all of which he heads. As a parallel to that, he will follow an up and coming conductor (to be named). “We want to show somebody at the top of their game and somebody trying to break in.”
Donnelly’s company will produce a soundtrack album in addition to the film. “Part of what we do is use unexpected scores in a lot of our work. People are going to expect stuffiness. Obviously, we’re going to have classical music, but we’re going to have a soundtrack inspired by classical music that different bands do contemporary takes on. We want people to hear classical music in a different way. We’d like to have a jazz-inspired piece and a rock-inspired piece. We’d like to incorporate a couple of bigger artists from the mainstream in addition to some up-and-coming bands. We have a whole music team, and part of my job is to try to figure out what the total sound is going to be, in addition to what it’s going to feel and look like.”
Donnelly began shooting in Cincinnati in January. “We shot at Music Hall; we shot at VIEW Cucina and Nada. The main part of the filming will be in Europe, but there will be a lot of shooting in Cincinnati, and hopefully, it will reflect greatly on Cincinnati and on the orchestra (CSO) and arts scene there.”
Donnelly hopes to have the final cut of “Maestro” ready by September, with a limited theatrical release by early to mid-2013. It will be available, also, on DVD and online streams, and will be distributed to music education classes in high schools and universities across the country. “We want to show the beauty that goes on in the classical music world and who these people really are. They deserve a lot of respect.”
There will be a sneak peek of footage from “Maestro” at a “black and white gala,” to be held in Cincinnati on Saturday, July 21 at 8 p.m. Tickets are $99. All proceeds go directly to the film. For further information and tickets, visit http://www.Maestromovie.wordpress.com/.
http://www.musicincincinnati.com/site/features/Documentary_to_Focus_on_Paavo_J_rvi.html

Sunday, June 03, 2012

Friday, June 01, 2012

Hans Rott ∙ 1. Sinfonie / Suite für Orchester B-Dur

Hr-online.de
Sony RCA

Eine der überraschendsten Entdeckungen im Bereich der spätromantischen Sinfonik präsentieren das hr-Sinfonierochester und Paavo Järvi auf dieser CD: die nachgelassene 1. Sinfonie E-Dur des geistig früh dem Wahn verfallenen Österreichers Hans Rott.
Man könnte sie Mahlers »Nullte« nennen: diese klangmächtige 1. Sinfonie von Hans Rott. Denn wie keine andere spricht diese Sinfonie des jung verstorbenen Studienkollegen Gustav Mahlers dessen musikalische Sprache – und dies, obwohl sie Jahre vor Mahlers 1. Sinfonie entstand. Eine erstaunliche Komposition, die den Wiener Hans Rott zum eigentlichen »Begründer der neuen Sinfonie« macht, wie sie Mahler verstand, und deren Entdeckung der Musikwelt seit den 1990er Jahren große Rätsel aufgibt.

Der junge Rott war eines der vielversprechendsten Talente seiner Zeit. Sein Lehrer Anton Bruckner wie Mahler selbst hielten größte Stücke auf ihn. Doch als Rott in »halluzinatorischem Irrsinn und Verfolgungswahn« einen Mitreisenden im Eisenbahnabteil mit einem Revolver bedrohte, wurde der erst 22-Jährige in eine Irrenanstalt eingewiesen, wo er wenige Jahr später auch verstarb. Ende einer Karriere, die Bahnbrechendes hätte bringen können. Hans Rotts E-Dur-Sinfonie jedenfalls zeugt von ungeahnter Kraft und Modernität.

In Weltersteinspielung stellen das hr-Sinfonieorchester und Paavo Järvi auf dieser CD darüber hinaus die »Suite für Orchester in B-Dur« vor, ein letztlich unvollendetes Werk, das Rott ein Jahr vor seiner 1. Sinfonie entworfen hat. Die überlieferten Skizzen zu zwei der vier geplanten Sätze hat der Frankfurter Musikwissenschaftler Johannes Volker Schmidt jüngst zu einer spielbaren Version ergänzt.