Sunday, September 30, 2012

Dirigent Paavo Järvi erhält Paul-Hindemith preis

Focus online
28.09.2012


Wieder eine Auszeichnung für Paavo Järvi. dpa / Jörg Carstensen

Der Dirigent Paavo Järvi (49) bekommt den Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau. Verliehen wird ihm die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung am 24. November im Congress Park Hanau, wie die Stadt am Freitag mitteilte.

Der in Estland geborene und in den USA aufgewachsene Musiker ist unter anderem Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters Frankfurt. Järvi genieße weltweites Ansehen und verfüge über herausragende Fähigkeiten, sagte der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD).

Die Stadt Hanau verleiht den Hindemith-Preis seit dem Jahr 2000 alle zwei Jahre. Der in Hanau geborene Hindemith (1895-1963) gehört zu den bedeutendsten Avantgarde-Komponisten des 20. Jahrhunderts. Järvis Vorgänger zuletzt als Preisträger waren der Violinist Frank Peter Zimmermann (2010) und der Dirigent Gerd Albrecht (2008).

http://www.focus.de/kultur/kunst/musik-dirigent-paavo-jaervi-erhaelt-paul-hindemith-preis_aid_829079.html

Schostakowitsch-CD: Alexander Toradze spielt, Paavo Järvi dirigiert

Wiesbadener Tagblatt
Stefan Schickhaus
28.09.2012

Sie kennen sich schon lange, der Pianist Alexander Toradze und der Dirigent Paavo Järvi. Als in den späten 1960er Jahren Toradze an einem Klavierwettbewerb teilnahm, wurde das begleitende Orchester geleitet von Paavo Järvis Vater, dem großen estnischen Dirigenten Neeme Järvi. Weil dieser sich in einem TV-Interview so lobend über den georgischen Wettbewerbsteilnehmer äußerte, schloss die Familie Toradze die Familie Järvi in ihr Herz. Über diese lange familiäre und auch künstlerische Familienfreundschaft erzählen Alexander Toradze und Paavo Järvi in einem Youtube-Video, das ein Making Of ihrer ersten gemeinsamen CD darstellt. Im Sendesaal des Hessischen Rundfunks in Frankfurt haben sie die beiden Klavierkonzerte von Dmitri Schostakowitsch aufgenommen, ergänzt durch das selten zu hörende Concertino a-Moll für zwei Klaviere.

Toradzes pianistische Haltung sei sehr speziell, erklärt Järvi. Er tauche stets extrem tief in die Materie ein. „Die Grenze, wo der Komponist sein Werk beendet und wo der Pianist seines beginnt, ist hier nicht immer scharf zu ziehen“. Der Chefdirigent des HR-Sinfonieorchesters nennt den Interpretationsstil des Georgiers, vor allem bei russischer Musik des 20. Jahrhunderts, „exaltiert in jeder erdenklichen Art“.

Und genau so hört sich das auf diesem Schostakowitsch-Album auch an. In Alexander Toradze finden die beiden Klavierkonzerte einen furiosen, burlesken, kompromisslosen Interpreten, der aus zutiefst lyrischen Momenten in Sekundebruchteilen hochschrecken kann in den größten Tastengalopp.

Bei Schostakowitschs erstem Klavierkonzert habe er ohnehin einen Stummfilm vor Augen, und zwar einen kernigen Western, sagt Paavo Järvi. Und entsprechend hart geschnitten legt er die Partitur aus, schwarz und weiß ohne Graubereich.

Diese CD-Produktion ist übrigens die erste im Rahmen einer neuen Kooperation von HR-music mit dem Heidelberger Klassik-Label Pan Classics.

http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/kultur/musik/12460111.htm

Tuesday, September 25, 2012

Khatia Buniatishvili spielt Chopin

NDR.de
Chantal Nastasi
24.09.2012

Khatia Buniatshvili, Klavier
Orchestre de Paris, Leitung: Paavo Järvi

Als Nachwuchskünstlerin des Jahres hat Khatia Buniatishvili mit ihrer Debüt-CD prompt den ECHO Klassik 2012 gewonnen, den sie Mitte Oktober verliehen bekommt. Kürzlich ist die zweite CD der georgischen Pianistin bei Sony erschienen, auf der sie sich der Musik von Chopin widmet.
CD-Cover - Khatia Buniatishvili: Chopin © Sony Classical   
Auf Khatia Buniatishvilis zweiten CD sind neben den kleineren Stücken auch größere Werke von Chopin zu hören.
Stimmungsvoll und virtuos
Durch die kleinen Formen habe sie Chopin Musik erstmals kennengelernt, durch seine Walzer, Préludes und Mazurken, erzählt Buniatishvili. Und so wollte sie ihre CD mit diesen Werken einrahmen: mit dem cis-Moll Walzer zu Beginn und der Mazurka in a-Moll am Ende.
Wie von ferne, als kämen die Stimmungen und Melodien aus der Erinnerung - solche Klangfarben sind Buniatishvilis große Stärke. Sie kann sehr leise spielen und doch mit unglaublich viel klanglicher Präsenz. Und im nächsten Moment, durch ihren etwas zupackenderen Anschlag, ist die Nostalgie verschwunden. Fingerfertigkeit, Schnelligkeit sowie Balance- und Klangempfinden verbinden sich bei der 25-Jährigen zu dem, was Virtuosität im besten Sinne des Wortes sein soll.
Innige Momente
Das Bild, das Buniatishvili musikalisch von Chopin zeichnen möchte, zeigt sie - wie auch bei ihrer Liszt-CD - mit einem kleinen Video. Als Bonustrack auf der CD sieht man sie am Bahnhof warten und dabei gedanklich durch Plätze der Erinnerung schweifen. Die in grau gehaltenen Bilder sind mit Chopins Musik unterlegt.
Neben den kleineren Stücken hat die in Paris lebende Georgierin auch größere Werke von Chopin eingespielt: die vierte Ballade, die zweite Sonate und zusammen mit dem Orchestre de Paris unter Leitung von Paavo Järvi das zweite Klavierkonzert - eine Live-Aufnahme, die im September 2011 in der Pariser Salle Pleyel entstand.
Buniatishivili schwebt geradezu durch den ersten Satz, mit ihren perlenden Läufen und den innigen Momenten. Der zweite Satz ist eine Liebeserklärung Chopins an eine junge Polin, und ohne Volkslieder wäre wohl der letzte Satz nicht entstanden. Für all das beweisen Buniatishvili und Järvi mit seinem Orchester als kongeniale Begleiter ein perfektes Gespür.
 http://www.ndr.de/kultur/klassik/chopin115.html

Monday, September 24, 2012

„Neugier ist ein wichtiger Motor“

Concerti.de
Michael Blümke



Paavo Järvi über das richtige Alter für Dirigenten, die Absurdität des Künstlerlebens und unterschiedliche Publikumsmentalitäten 

© Jean Christophe Uhl

Paavo Järvi entstammt einer estnischen Dirigentenfamilie, sein Vater Neeme und sein Onkel Vallo begründeten die Familientradition, Paavo und sein zehn Jahre jüngerer Bruder Kristjan traten in ihre Fußstapfen. Seit 2004 ist Paavo Järvi künstlerischer Leiter der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, seit 2006 auch Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters. Mit Beginn der Saison 2010/11 übernahm er außerdem das Orchestre de Paris, für das er sich vom Cincinnati Symphony Orchestra getrennt hat, dem er zehn Jahre lang verbunden war.

Das eigentliche Dirigentenleben fängt wohl erst jenseits der 50 an“, äußerten Sie einmal in einem Interview. Ende Dezember ist es bei Ihnen so weit – geht es jetzt erst richtig los?

Das habe ich vor vielen Jahren gesagt, aber je näher ich der 50 komme, desto mehr merke ich, wie wahr das ist. Ich dirigiere professionell seit 1985, aber ich kann ehrlich sagen, dass ich erst jetzt genug Erfahrung und Vertrauen habe, um bewerten zu können, was ich tue. Und ich ertappe mich immer öfter dabei, wie ich denke, jetzt habe ich‘s, jetzt verstehe ich, wie es geht. Richtiges Dirigieren beginnt erst mit größerer Erfahrung, nachdem man die Gelegenheit hatte, in das Repertoire hineinzuwachsen, mit ihm zu wachsen. Auch persönlich, menschlich.

Dirigenten scheinen eine Spezies zu sein, die mit zunehmendem Alter immer besser wird.

Das ist einerseits natürlich ein Klischee, denn für jeden guten alten Dirigenten gibt es genug andere, die zu früh gestorben sind, um ihr Potential entwickeln zu können. Allerdings gibt es auch irgendwo einen Wendepunkt, ab dem gewisse Dirigenten eher schlechter werden, weniger bedeutend und aus dem Blickfeld rücken. Und dann gibt es da diejenigen, die zu diesen großen alten Männern werden, weil sie etwas Interessantes zu sagen haben, weil sie ihrem Musizieren einen gewissen Wert, eine gewisse Tiefe verleihen, Leute dazu bringen, ihnen zuhören zu wollen. Da wir nun mal in einer sehr oberflächlichen Welt leben, schätzen wir am Anfang die falschen Dinge, geben etwas auf heiße Luft, bedeutungslose Gesten, Image und Showeffekte. Dinge also, die beeindruck-end sein können, doch irgendwann gelangt man an einen Punkt, an dem man müde wird, das alles durchzumachen. Und dann sieht man, wer nur das bietet und wer auch Tiefe und Substanz hat. Das Merkwürdige ist, dass Alter nicht gleich Tiefe oder Größe bedeutet. Es gibt eine Menge Leute, die auch im vorgerückten Alter nicht viel zu sagen haben. Und umgekehrt.

„Das Talent muss reifen wie ein guter Wein“, lautet ein anderer Ausspruch von Ihnen. Welcher Wein sind Sie? Weiß oder rot? Italiener oder Franzose?

Rot, auf jeden Fall. Italiener oder Franzose, oder auch Spanier, ist egal, ich liebe sie alle. Aber es gibt etwas bei diesem Reifeprozess. Ich will jetzt nicht selbstgefällig oder angeberisch klingen, aber ich kann sagen, wenn jemand die Musik nicht verdaut, nicht verarbeitet hat. Nicht, weil er nicht hart gearbeitet hat oder die Musik nicht genug liebt, sondern weil er einfach nicht genug Zeit hatte. Es braucht seine Zeit. Mahlers Erste beispielsweise, die ich gestern geprobt habe, habe ich bestimmt schon zwanzig Mal aufgeführt. Doch erst gestern Abend sind mir einige Sachen aufgefallen, die ich bisher „falsch“ gemacht habe. Für mich falsch, weil ich gemerkt habe, dass man sie besser machen kann. Manchmal muss man auch den Mut haben, Dinge anders zu machen. Und der kommt mit dem Alter.

Und noch ein letztes Järvi-Zitat: „Dirigent ist kein Job, sondern eine Lebensweise.“ Wie sieht diese Lebensweise aus?

Es ist eigentlich ein schrecklich narzisstisches, selbstbezogenes, geradezu lächerliches Leben, wenn man anfängt, darüber nachzudenken. Erstens dreht sich alles, wirklich alles, um dich. Es geht immer um deinen Terminplan, um deine Verfügbarkeit, Menschen unternehmen alle möglichen Anstrengungen, um es dir recht zu machen. Aber das ist nicht das Leben. Leben ist, mit Menschen in Kontakt zu treten, sich zu verlieben, Kinder zu bekommen, morgens aufzuwachen und mit deiner Familie zu frühstücken. Leben ist nicht, morgens aufzuwachen und nicht zu wissen, in welcher Stadt du gerade bist. Und deshalb kann man es – wenn man es als Job betrachtet – sehr schnell satthaben. Doch wenn Musikmachen das Höchste für dich ist, dann nimmst du alles in Kauf. Wie gesagt, es ist auf seltsame Weise ein absurdes, schrecklich egozentrisches Leben.

Muss man als Künstler egozentrisch sein?

Ich versuche, auf dem Boden zu bleiben. Und nichts bringt einen wieder besser zurück auf die Erde als Kinder. Ich habe zwei Töchter, fünf und acht Jahre alt. Denen ist es völlig egal, ob du ein berühmter Dirigent bist. Die wollen einfach mit dir zusammen sein. Wenn du morgens aufwachst und sie springen einfach auf dich drauf, überlegst du nicht, fühle ich mich heute Morgen gut, habe ich Kopfschmerzen, dann hat das Leben einfach begonnen. Das ist das Beste auf der Welt. Dann weißt du, was wichtig ist.

Bei Ihnen waren Bernstein und natürlich Ihr Vater die prägenden Figuren. An wen geben Sie Ihr Wissen weiter?

Das ist eine gute Frage. Es ist so offensichtlich, dass mein Vater mir alles vermittelt hat, was er wusste. Und es ist genauso offensichtlich, dass ich deswegen Dirigent bin. Nun habe ich zwei Töchter, und ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich überhaupt will, dass sie Dirigentinnen werden – wobei die Ältere die Persönlichkeit dazu hätte. Ich habe ein Sommerfestival in Estland, bei dem Dirigierkurse mit einem Festivalorchester einen wesentlichen Teil ausmachen. Und da merke ich, dass mir das Unterrichten enorm viel Freude bereitet, weil ich eine Menge lerne. Ich glaube fast, dass ich für mich mehr lerne als die Teilnehmer von mir. Es ist unglaublich interessant, den Prozess zu verfolgen, wie man Dirigent wird. Wenn ich sehe, wie junge Dirigenten ihren Weg finden und diese elementaren Fehler machen, wird mir klar, dass es die gleichen Fehler sind, die ich gemacht habe, als ich am Anfang stand. Deswegen hoffe ich auch, weiterhin unterrichten zu können.

Sie sind quasi in einem Opernhaus groß geworden, weil Ihr Vater damals Leiter der estnischen Oper war. Würde Sie eine tolle Opernproduktion hier und da nicht reizen?

Ich denke in letzter Zeit immer häufiger darüber nach. Denn ich bin mittlerweile an einem Punkt angekommen, wo ich mit einigen Ausnahmen den Großteil des Orchesterrepertoires, das ich dirigieren wollte und sollte, gemacht habe. Natürlich gibt es nach wie vor eine Menge Musik, auf die ich neugierig bin, aber Oper reizt mich immer stärker, nur dass ich bisher mit drei Orchestern nie lange genug Zeit am Stück dafür hatte. Und einfach mit nur einer Probe einige Vorstellungen zu übernehmen, das ist nichts für mich, das befriedigt mich nicht. Wahrscheinlich wäre es am besten, die Sache mit einem meiner Orchester anzugehen und Zeit für ein solches Opernprojekt zu finden.

Gerade hat Ihre dritte Saison in Paris begonnen. Haben Sie Unterschiede in der Publikumsmentalität im Vergleich zu Deutschland festgestellt?

Die Deutschen sind vielleicht nicht das feurigste Publikum, aber sie sind ernsthaft bei der Sache. Wenn ihnen etwas gefällt, klatschen sie sehr lange, sie zeigen ihre Wertschätzung. Franzosen sind eher wie ein Streichholz, sie entzünden sich ungeheuer schnell, aber die Flamme geht auch schnell wieder aus. In Deutschland kann es durchaus passieren, dass der Applaus nur mittelstark ist, nicht über ein Mezzoforte hinausgeht, und man denkt, ach, es hat ihnen nicht so besonders gefallen. Doch dann muss man 15 Mal auf die Bühne kommen, weil sie einen nicht gehen lassen wollen. In Frankreich dagegen schreien die Leute ihre Begeisterung raus, da gibt es sofort standing ovations – und im nächsten Moment ist schon alles vorbei.

Den Test schlechthin – die Beethoven-Sinfonien – haben Sie bravourös bestanden. Gibt es noch einen anderen Test, den man als Dirigent bestehen muss?

Ich finde, dass es unmöglich ist, Brahms gut zu dirigieren. Für mich ist das eine absolut unlösbare Aufgabe. Es ist mir noch nie gelungen, Brahms so zu dirigieren, dass ich damit zufrieden war, nicht einmal ansatzweise. Brahms klingt entweder immer aufgedonnert und erhaben à la Karajan oder irgendwie interessant – nicht überzeugend – aber interessant wie bei Harnoncourt. Das liegt daran, dass man sich kühn in das Gebiet vorwagen muss, das Brahms uns nicht sehen lassen will, das er vor uns zu verbergen sucht, indem er überall diese Wälle errichtet. Und so sind die Interpretationen immer emotional unterbelichtet oder übertrieben, die Balance stimmt irgendwie nie. Es gibt nur einige wenige überzeugende, Furtwängler zum Beispiel. Oder Bernstein. Und deswegen ist Brahms die nächste Herausforderung für mich, der ich mich mit der Deutschen Kammerphilharmonie stellen werde.

Wie viele neue – für Sie neue – Werke führen Sie jede Saison auf?

Fünfzehn, zwanzig. Ja, ein Menschenleben ist nicht genug für das Repertoire. Aber der Appetit und die Neugier sind da. Und die nehmen auch nicht ab, im Gegenteil. Man muss sich einfach entscheiden, wie wichtig einem diese Sachen sind, wie viel Zeit man sich dafür nimmt – und wie hoch der Preis dafür ist. Für mich ist es mittlerweile klar, dass ich dieses musikzentrierte Leben will, ich glaube, ich könnte gar kein anderes ertragen.

Gibt es für Sie denn ein Leben neben der Musik? Haben Sie noch Zeit für Hobbies?

Nein, Hobbies habe ich nicht. Ich weiß, es klingt ein bisschen albern, aber die Musik ist mein Hobby.

Das heißt, wenn Sie lesen, lesen Sie keinen Roman, sondern Partituren …

Ich lese gern Biografien, nicht nur über Musiker, auch über Politiker. Aber einen Roman habe ich schon lange nicht mehr gelesen.

Und wie viel Zeit bleibt für die Familie?

Nicht genug. Aber ich versuche immer, wenn ich eine Woche frei habe, in die Staaten zu fliegen. Und den Sommer verbringen wir immer zusammen in Estland.

Das bedeutet aber auch, dass Sie nicht wirklich ausspannen können, wenn Sie zu Hause sind.

Ja, aber dafür wird man auf andere Weise entschädigt, die Batterien wieder aufgeladen. Es gibt nichts Schöneres, als die Neugier eines Kindes zu erleben. Wir Erwachsenen haben diese Neugier auch in uns, aber unser Leben ist so angefüllt mit anderen Sachen, dass wir manchmal der Neugier müde werden. Aber Neugier ist ein wichtiger Motor, der dich immer vorantreibt.

 http://www.concerti.de/index.php?seid=1193

Tuesday, September 18, 2012


Oiseau de feu et piano incandescent : La fougueuse rentrée de l'Orchestre de Paris à Pleyel

La Revue Du Spectacle.fr
Christine Ducq
16 septembre 2012

C’est en très bonne compagnie que les fidèles de l’Orchestre de Paris ont été conviés pour les deux premiers concerts de la saison : avec les 119 musiciens, les 130 chanteurs du Chœur de Lionel Sow, la soprano Mireille Delunsch et le pianiste chinois Lang Lang ! Sans parler du programme à se pâmer : Francis Poulenc, Serge Prokofiev, Igor Stravinski.
Quoi de commun entre cette délicieuse musique française et cette roborative musique russe ? L’énergie. Une énergie rythmique en crescendo se communiquant peu à peu aux auditeurs, qu’on a rarement vus aussi enthousiastes en fin de concert - tout comme votre exaltée reporter. Il faut dire que Paavo Järvi a bien fait les choses, faisant de ces deux premières soirées un manifeste de l’identité musicale de l’Orchestre comme de sa direction.

L'Orchestre de Paris dirigé par Paavo Järvi © Gérard Uféras.

"Les Litanies à la Vierge noire" de Francis Poulenc sont donc entrées mercredi au répertoire de l’Orchestre avec son impressionnant chœur exclusivement féminin et un orchestre réduit aux cordes, aux percussions. Une œuvre composée en 1936 quand Poulenc vient de subir le choc spirituel d’un retour à la foi de l’enfance, alors qu’il a visité la Vierge noire de Rocamadour.

Mireille Delunsch Studio © Cui Cui - Aude Boissaye.
Mireille Delunsch Studio © Cui Cui - Aude Boissaye.

C’est encore une prière, mais cette fois un "Stabat Mater", qu’il compose en 1950, conçue comme l’oraison funèbre du décorateur Christian Bérard mort depuis peu, vieux complice avec Jean Cocteau des créations de jeunesse. Avec un orchestre plus étendu, très coloré grâce au jeu des timbales, des trombones et des trompettes - sans oublier la harpe -, on se laisse donc happer par les passages déchirants par exemple du "Stabat Mater dolorosa", la ferveur ardente de la sarabande, les coulées élégiaques et les voix émouvantes du Chœur tout entier présent cette fois. La soprano Mireille Delunsch - remplaçant au pied levé Patricia Petibon souffrante - a gagné les cœurs avec cette voix colorature aux aigus sans défaut, ce phrasé élégant et cette sûreté de la mélodie.

Lang Lang © DR.

Déjà charmé, le public a vécu l’emballement de la double virtuosité du 3e concerto opus 26 de Serge Prokofiev et du pianiste justement acclamé Lang Lang. Un concerto aussi redoutable techniquement qu’il est remarquable à l’écoute. Difficulté folle que le pianiste chinois a superbement dominée : jeu rubato, toucher d’acier trempé mais aussi passages legato ont eu raison d’une pièce où la brutalité escorte la subtilité. Pour l’orchestre, et ses pupitres gagnés par l’incendie, les amples moments lyriques le disputent à la mélodie folklorique russe, immédiatement transposée en violentes rafales staccato des cordes. En écho aux vagues d’octaves et d’arpèges arrachées au piano par un artiste ahurissant. Jusqu’au "Finale", que Prokofiev appelait une "controverse" entre les belligérants, mettant un terme au dialogue orageux du soliste et de l’orchestre. Je ne vous dis pas l‘entente et la parfaite compréhension qui doivent régner entre eux : elles éclatent ici pour le pianiste, fidèle à la formation depuis 2004.


Et c’est encore une énergie diabolique que communique la magistrale suite "L’Oiseau de feu" d’Igor Stravinski ! Cette légende faisant s’affronter un méchant sorcier, Kachtcheï, et un jeune prince aidé d’un oiseau merveilleux est l’argument d’un ballet chorégraphié par Fokine, donné lors de la seconde tournée parisienne des Ballets russes en 1910. C’est dans l’urgence que Serge de Diaghilev en commande l’illustration musicale à Stravinski, qui se transcende littéralement ici : nouveauté de l’écriture rythmique, composition profondément personnelle - avec des souvenirs de Rimski-Korsakov - génie de l’orchestration. On entend déjà les accents de l’incroyable orgie tribale du "Sacre" à venir, dans la "Danse infernale" du méchant roi. Les acclamations ont justement salué cette fureur géniale et la direction musicale du chef estonien (à qui on ne la fait pas, question "âme slave") : un Directeur sobre, précis, et qui s’enflamme quand il le faut. Le feu sous la glace. Je ne vous encourage que trop à suivre la saison musicale de l’Orchestre de Paris : elle promet encore de riches heures !

Le concert est accessible jusqu’au 13 mars 2013 sur :
orchestredeparis.com
citedelamusiquelive.tv
Il sera diffusé sur Arte ("Maestro") et Mezzo Live HD ultérieurement.

Avec :
Lang Lang, piano ;
Mireille Delunsch, soprano.
Orchestre de Paris, direction : Paavo Järvi ;
Chœur de l’Orchestre de Paris : Lionel Sow, chef de chœur.

Programme :
(Concert entendu le jeudi 13 septembre 2012.)
Francis Poulenc, "Litanies à la Vierge noire, pour chœur de femmes et orchestre".
Francis Poulenc, "Stabat Mater".
Serge Prokofiev, "Concerto pour piano n°3 en ut majeur, opus 26".
Igor Stravinski, "L’Oiseau de Feu, suite pour orchestre (version 1919)".

http://www.larevueduspectacle.fr/Oiseau-de-feu-et-piano-incandescent-La-fougueuse-rentree-de-l-Orchestre-de-Paris-a-Pleyel_a720.html

Wednesday, September 12, 2012

Sunday, September 09, 2012

Schönspieler auf hartem Kurs

OP-online.de
Klaus Ackermann
08/09/2012

„Auftakt“ mit Lang Lang und hr-SinfonikernFrankfurt - Spektakulärer könnte der Saison-„Auftakt“ des hr-Sinfonieorchesters in der Alten Oper kaum sein. Denn kein Geringerer als der vielzitierte Pianist Lang Lang zeigt es seinen Kritikern, die ihn gern als Weichspüler in den Senkel stellen.Von Klaus Ackermann


Paavo Järvi und Lang Lang in der Alten Oper.

Zumindest bei Prokojews 3. Klavierkonzert, vielleicht das bedeutendste des 20. Jahrhunderts, holte der Chinese den Hammer heraus, enorm konditioniert, die Kraft gut einteilend und technisch nahezu perfekt auch in den filigraneren Passagen dieses Virtuosen-Alptraums. Eine Lanze brach zudem Paavo Järvi für den Russen Sergej Rachmaninow, dessen 3. Sinfonie zwar in der Spätromantik fußt, der freilich in der rhythmisch geschärften Wiedergabe des estnischen Chefdirigenten der Moderne durchaus etwas abgewinnen konnte.

„Auftakt“-Komponist ist in diesem Jahr der Münchner Jörg Widmann, auch als Klarinettist auf internationalen Konzertpodien daheim, der mit dem 2006 komponierten „Armonica“ einem raren Instrument zu Ehren verhilft. Benjamin Franklin, einer der Gründungsväter der USA, hat nicht nur den Blitzableiter erfunden, sondern auch die Glasharmonika perfektioniert, deren kühle, aber erhaben aus den Orchester ragenden Töne von der Wienerin Christa Schönfeldinger reguliert werden. Das ist Sphärenmusik mit einer Vorspielerin, deren gläserner Klang vom Orchester aufgesogen wird.

Nach derlei orchestralem Feinstrick dann ein stählern harter Einstieg ins Prokofjew-Klavierkonzert mit seinen grotesken Wenden, den treibenden Rhythmen, den zielstrebig angepeilten dynamischen Spitzen, die den cool agierenden Lang Lang nicht erschüttern können. Der dicht eingebunden ist ins zuweilen nahezu gemütvolle Spiel der Holzbläser und tiefen Streicher, das sich wie Nebelfelder auflöst. Hart und trocken das finale Allegro, urplötzlich abgerissen – und die Bravo-Rufer prompt reizend. Es darf ein neuer Lang Lang gefeiert werden, der alte spult dann noch das Chopin-Nocturne cis-Moll in so (bekannt) zögerlichen Tempi ab, dass dessen Zierrat im Diskant wie Puderzucker staubt.

Schließlich ein Rachmaninow der zwingenden sinfonischen Entwicklungen hin zu süffigem Melos. Aus einer Zeit die sich längst anderen modischen Doktrinen unterworfen hatte. Das Ächzen und Stöhnen darüber scheint der Russe gleich mit komponiert zu haben, was Paavo Järvi akribisch darlegt, auch mit Blick auf originelle Instrumentation. Das hat zwar melodisch ein russisches Idiom, bringt die reizvolle Liaison zwischen Horn, Harfe und Solovioline als reinen Schöngesang, schaukelt sich aber zu schneidendem Blech und Streicher-Spuk hoch.

Die Hoffnung auf erlösendes Dur ist trügerisch. Schließlich war der im amerikanischen Exil Lebende depressiv. Jörg Widmanns „Souvenir bavarois“ weckt die fröhlicheren Lebensgeister, bayerische Marschmusik, orchestral eingeseift und bizarr umgedeutet. Was haben wir gelacht …
http://www.op-online.de/nachrichten/kultur/auftakt-lang-lang-hr-sinfonikern-2493706.html

Thursday, September 06, 2012

Wednesday, September 05, 2012