Sunday, October 28, 2012

Audiovisuelle Reise durch das sinfonische Universum Robert Schumanns

Deutsche Welle
24.10.2012

Die Fernseh- und DVD-Produktion „Schumann at Pier2“ von Deutsche Welle, Unitel Classica und Radio Bremen zeigt die vier Sinfonien von Robert Schumann aus einem neuen Blickwinkel.
Schumann wie man ihn noch nie gehört und gesehen hat! Kein geringeres Ziel haben sich Dirigent Paavo Järvi und Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen für die Zusammenarbeit mit dem TV-Team von Deutsche Welle, Unitel Classica und Radio Bremen gesetzt: „Wir möchten zeigen, wie Musik entsteht“, sagt Järvi. Zeitgemäß und frisch sind sowohl die Interpretationen von Dirigent und Orchester als auch die visuelle Gestaltung der vier Konzertmitschnitte und des 98-minütigen Konzertfilms.
Für Konzert und TV-Produktion wählte die Fernsehcrew einen ungewöhnlichen Ort: Das „Pier2“, eine ehemalige Werfthalle im Bremer Hafen. Dort spielten Järvi und Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen an mehreren Tagen alle vier Schumann-Sinfonien vor Publikum ein. Für die Konzertaufzeichnungen vor industriell geprägter Kulisse wurden acht HD-Kameras, ein Dolly (Kamerawagen), ein Kran und Remote-Technik (Fernsteuerung) eingesetzt. Das Ergebnis: TV-Aufzeichnungen der Schumann-Sinfonien, wie es sie so bisher nicht gegeben hat. Die Konzertmitschnitte waren eine wichtige Basis für den 98-minütigen Konzertfilm, in dem Dirigent und Musiker ausführlich über Werk, Komponist und Interpretation sprechen.
„Ein Klassikfilm auch für Menschen, die sich sonst nicht unbedingt für klassische Musik interessieren“, beschreibt DW-Regisseur Christian Berger den Ansatz von Schumann at Pier2. Beim internationalen Television Festival Golden Prague 2012 ist die TV-Produktion am 17. Oktober mit dem Czech Television Prize ausgezeichnet worden. Ende August war der Konzertfilm im Programm des „Festival des Films du Monde“ in Montréal präsentiert worden, dem einzigen A-Festival in Nordamerika.
Mit Schumann at Pier2 knüpft die Deutsche Welle an die international vielfach preisgekrönte Musikdokumentation Das Beethoven-Projekt an, bei der ebenfalls Christian Berger Regie geführt hatte.
Berger zu seiner neuesten Produktion: „Wir versuchen, dem musikalischen Geschehen auf der Bühne möglichst nahe zu kommen, die Perspektive der Musiker einzunehmen. Die Kommunikation zwischen Dirigent und Orchester soll nachvollziehbar werden. Dabei sind es oft die kleinen Momente, ein Blick, eine Geste, die die Musik noch klarer machen.“
Im Kontrast zu den farbenfrohen Konzerten, bei denen für jede Sinfonie eine eigene Licht- und Bühnengestaltung entwickelt wurde, stehen die Aufnahmen im Studio: eine weiße Hohlkehle, strahlend helles Licht und pure Musik. Dort erläutern Dirigent Paavo Järvi und ausgewählte Musiker der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen wichtige Passagen der Sinfonien und liefern Hintergrundinformationen zum Leben von Robert Schumann. Dazu gibt der Film exklusive Einblicke in die Probenarbeit und zeigt zentrale Ausschnitte der Sinfonien. So entsteht eine zeitgemäße audiovisuelle Reise durch das sinfonische Universum von Robert Schumann. „Faszinierend, verständlich und unterhaltsam. Klassik außerhalb des Elfenbeinturmes, Musikfernsehen sowohl für Klassikfreunde wie auch für Neueinsteiger“, so Berger.
„Wenn man sich mit völliger Hingabe dieser Musik widmet, man den Mut hat, wirklich zu erkennen, was sich in dieser Musik verbirgt, und man darüber ein bisschen die sogenannten Traditionen vergisst, dann erkennt man sehr schnell, wie atemberaubend und emotional kraftvoll Schumanns Musik ist“, so Dirigent Järvi.
Schumann at Pier2 entstand unter der redaktionellen Federführung der Hauptabteilung „Gesellschaft und Dokumentationen“ der DW. Für die Produktion waren 13 Drehtage, vier Monate intensiver Postproduktion und über 60 Schnitttage erforderlich.
Ausstrahlungen:
Im Programm der Deutschen Welle wird Schumann at Pier2 in zwei Teilen am 4. und 11. November auf dem Sendeplatz Im Focus gezeigt. Auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Arabisch – weltweit. Diese Fassung des Konzertfilms hat eine Sendezeit von zweimal 42 Minuten.
Arte wird am 4. November unter dem Titel Schumann@PIER2 - 3 Schüler 4 Sinfonien eine 52-minütige Version mit einem besonderen inhaltlichen Schwerpunkt ausstrahlen. Der Film zeigt neben der Arbeit des Orchesters und den Konzertausschnitten die erste Begegnung von drei Bremer Schülern mit klassischer Musik bei den Konzerten im Pier2.
Unitel Classica, der erste digitale Fernsehkanal für klassische Musik, zeigt die Konzertmitschnitte der vier Sinfonien in einem Themenabend am 5. November in Deutschland und in weiteren 20 Ländern.
Ebenfalls am 5. November werden die DVD-Box mit drei DVDs sowie eine Blu-ray-Disc veröffentlicht, die beim renommierten Label C Major Entertainment erscheinen und neben der Musikdokumentation von Christian Berger die Konzertmitschnitte aller vier Schumann- Sinfonien enthalten.
Auf der Webseite der Deutschen Welle unter WWW.DW.DE/IM-FOCUS ist Schumann at Pier2 als Video-Stream ab 4. November zu sehen.
http://www.dw.de/audiovisuelle-reise-durch-das-sinfonische-universum-robert-schumanns/a-16327838

Friday, October 26, 2012

Tschechischer Fernsehpreis für „Schumann at Pier2“

DW.de
22.10.2012

Beim Internationalen Television Festival Golden Prague 2012 wurde die DW-Produktion mit dem Czech Television Prize ausgezeichnet.
Regisseur Christian Berger und Produzent Bernhard Fleischer nahmen den Pokal im Prager Žofín Palast entgegen. Überreicht wurde er von Petr Dvořák, dem Generaldirektor des öffentlich-rechtlichen tschechischen Fernsehens.
Die Begründung der Jury: "The Czech Television Award goes to the programme Schumann at Pier 2 – a Concert Film with Paavo Järvi and the Deutsche Kammerphilharmonie Bremen by Deutsche Welle and co-producers Unitel Classica, Radio Bremen and Arte. The creators of the programme were able to identify with the audience solely by unconventional film methods bringing Robert Schumann´s music closer to the viewers. Paavo Järvi is not only an excellent conductor but also a convincing narrator who can draw your attention to the essence of Schumann´s music. Along with the orchestra, he introduces you to new findings, experiences, energy and joy of music."
Projektleiter Rolf Rische: „Wir freuen uns über diesen Fernsehpreis ganz besonders, da damit zum ersten Mal eine Deutsche Welle Produktion bei diesem traditionsreichen und renommierten Festival ausgezeichnet wurde.“
Das ITF Golden Prague zählt zu den ältesten Fernsehfestivals Europas, es fand in diesem Jahr zum 49. Mal statt. Es zeigt und prämiert Filme zu den Themen Musik und Tanz. 98 Produktionen konkurrierten in diesem Jahr um die sieben Preise.
http://www.dw.de/tschechischer-fernsehpreis-für-schumann-at-pier2/a-16319724

Classical CD Reviews

Audiophile Audition
Gary Lemco
Oct 23, 2012
CHOPIN: Waltz in C-sharp Minor; Piano Sonata No. 2 “Funeral March”; Ballade No. 4; Piano Concerto No. 2; Mazurka in A Minor; Bonus: short film with Khatia Buniatishvili – Khatia Buniatishvili, p./ Orch. de Paris/ Paavo Jarvi – Sony Classical
A most exciting and technically-gifted young pianist.
CHOPIN: Waltz in C-sharp Minor; Piano Sonata No. 2 “Funeral March”; Ballade No. 4; Piano Concerto No. 2; Mazurka in A Minor; Bonus: short film with Khatia Buniatishvili – Khatia Buniatishvili, p./ Orch. de Paris/ Paavo Jarvi – Sony Classical
CHOPIN: Waltz in C-sharp Minor, Op. 64, No. 2; Piano Sonata No. 2 in B-flat Minor, Op. 35 “Funeral March”; Ballade No. 4 in F Minor, Op. 52; Piano Concerto No. 2 in F Minor, Op. 21; Mazurka in A Minor, Op. 17, No. 4; Bonus: A short film by and featuring Khatia Buniatishvili – Khatia Buniatishvili, piano/ Orchestre de Paris/ Paavo Jarvi – Sony Classical Enhanced CD 88691971292, 65:44[9/17/12] ****:
Georgian pianist Khatia Buniatishvili (b. 1987) considers Frederic Chopin a wanderer, a poet of singularly personal melancholy, and the selection of pieces for this recital (rec. September 2011- March 2012) reflect the rather androgynous conceit that Chopin expresses as we enter a restrained introspective aura, with the rising sixth’s yearning for an erotic freedom that sighs instead of exults in the brilliant fioritura that gains acceleration with each Persephone’s lament in the thralls of winter. From the outset of the C-sharp Minor Waltz, repetition. The dynamic range, too, remains subdued and stately, an aristocrat’s stoicism. This disc represents the pianist’s first appearance with an orchestra.
Having just attended a Cecile Licad recital in which her opening Grave – Doppio movimento assumed the ferocity of the lioness, including the taking of the first movement repeat – which Khatia Buniatishvili does not – we still feel the aggressive energy of the first movement, conceived as a Byronic confrontation of martial and wistful forces. But the true battle seems to emerge in the Scherzo, with its blistering octaves, leaps, and double notes that suddenly yields to a major-key central section, the shift having been from E-flat Minor to a warm G-flat Major. Buniatishvili lulls us into a kind of romantic submission until the da capo once more raises the frenetic sacred fire. We must recall that Chopin composed the Funeral March first (c. 1837) and built his Sonata around it. Even if Ms. Buniatishvili’s looks did not remind me of Italian actress Anna Magnani, her temperament would. The epic character of the tragic drama plays out in lustrous piano tones, the elegiac middle section tear-laden pearls or silver droplets. The manic Presto finale, marked by single notes an octave apart in each hand, elicits from Buniatishvili an unnerving series of convulsions, barely staying upright in the midst of staggering internal upheavals.
The F Minor Ballade (1842) may have its origins in the poetry of Adam Mickiewicz, but the monumental piece ranges over a series of emotions, tragic and rebellious, that quite transcend the notion of the folk “ballad.” As an example of Chopin’s late harmonic syntax and contrapuntal mastery, the piece stands in a class by itself. Buniatishvili negotiates its mercurial textures and sound clusters with pearly and reverent articulation, the effect a throbbing sense of palpable eroticism. The passionate surge before the coda culminates in three chords, fff, that quite shatter our complacency and resolve into five chords pianissimo. The last pages ring with power, tragic and defiant at once. Equally poignant but infinitely more compressed, the A Minor Mazurka, with four-bar introduction and triplet, casts an eerie nostalgia on the emotional landscape, an archaic folk dance sounding in drone-effect among the bleak recollections.
Buniatishvili and Paavo Jarvi collaborate in the 1829 F Minor Concerto quite conscious that they want the poet’s Romantic Agony to dominate the atmosphere. If any older approach seems to inform this rendition, it might be the equally poetic – but significantly less accurate digitally – version by Alfred Cortot and Charles Munch. The relish for the stile brillant and its rhetorical flourishes and sudden ejaculations of speed and concomitant pullings-back seem entirely natural to the sensibility of this performance. The essential monologue character of the writing keeps the solo instrument centered at all times, while the orchestra merely provides color context. The gorgeous Larghetto in A-flat Major signifies an unabashed love song whose middle section attains a wrenching peroration. The last movement, Allegro vivace, transcends the mazurka basis of the folk idiom and becomes a dazzling bravura display to rival Chopin’s model, Hummel. Buniatishvili and Jarvi hustle and canter through its flavored metrics, eminently singing what cannot be sung, dancing what cannot be danced.
[I had thought the enhanced CD was a thing of the past, but a few labels (such as Navona) are still doing it, though not including motion videos. Pop this one in your computer and you get a little film of the glamorous Buniatishvilli doing the sort of things performers do in music videos—tasteful ones at least...Ed.]
http://audaud.com/2012/10/chopin-waltz-in-c-sharp-minor-op-64-no-2-piano-sonata-no-2-funeral-march-ballade-no-4-piano-concerto-no-2-in-f-minor-mazurka-in-a-minor-bonus-short-film-by-and-featuring-khatia-bunia/

Monday, October 22, 2012

L'Orchestre de Paris et le rêve de Sibelius

Musikzen
Marc Vignal
 19/10/2012

« J’ai rêvé la nuit dernière que Josef Haydn nous avait rendu visite chez nous », note Sibelius dans son journal le 11 juillet 1912, un an après avoir fait entendre son ascétique Quatrième Symphonie. Pourquoi Haydn plutôt que Beethoven, son dieu ? Sibelius nous ne le dit pas. II arrivait jadis au chef Thomas Beecham de programmer Haydn et Sibelius au même concert, et c’est probablement le cas, de nos jours, de Simon Rattle. Paavo Järvi et l’Orchestre de Paris l’ont fait, en commençant leur programme par la moins pittoresque et la plus rare des six Parisiennes, la symphonie n°84. Sa vigueur et ses subtilités étaient au rendez-vous, grâce notamment à un beau sens des nuances, à de soudaines et très efficaces plongées dans la nuance piano. Rien d’ascétique dans la Première de Sibelius, mais un romantisme d’ordre légendaire et individuel, ponctué par des déchainements orchestraux aux sonorités tranchantes. Le timbalier peut s’en donner à cœur joie, et Frédéric Macarez ne s’en est pas privé, frappant dur mais parvenant également donner à certains traits une dimension mélodique qu'on imaginait pas. Entre les deux, dans le 27ème concerto de Mozart, le vétéran Menahem Pressler a montré que son jeu n’avait rien perdu de ses qualités de précision et de mystérieux lyrisme. Il s’est surpassé dans les deux bis consacrés à Chopin, tenant littéralement la salle en haleine.

http://www.musikzen.fr/concerts---dependances/l-orchestre-de-paris-et-le-reve-de-sibelius/

Saturday, October 20, 2012

Tout en contrastes

concertonet.com
Sebastien Gauthier

Paris
Salle Pleyel
10/17/2012 - et 18 octobre 2012
Joseph Haydn : Symphonie n° 84 en mi bémol majeur
Wolfgang Amadeus Mozart : Concerto pour piano et orchestre n° 27 en si bémol majeur, K. 595
Jean Sibelius : Symphonie n° 1 en mi mineur, opus 39

Menahem Pressler (piano)
Orchestre de Paris, Paavo Järvi (direction)

M. Pressler (© Alain Barker)

Paavo Järvi, dont le concert de ce soir aura montré à l’évidence qu’il continue d’entretenir une fructueuse lune de miel avec l’Orchestre de Paris, a de la suite dans les idées. Ainsi, après avoir déjà donné la Quatre-vingt-troisième Symphonie «La Poule» et la Quatre-vingt-cinquième «La Reine» de Haydn, le voici qui programme une autre des six Symphonies «Parisiennes». De même, le chef estonien, par ses racines et sa culture, a toujours affiché un réel tropisme à l’égard de la musique d’Europe du Nord, qu’il s’agisse de Nielsen, Tubin ou Sibelius. Ce soir encore, il aura donc invité le public de la salle Pleyel (comble, comme la veille dans un programme pourtant totalement différent) à entendre une symphonie de Sibelius que l’Orchestre de Paris n’avait pas jouée depuis plus de dix ans.

Mais le concert commençait donc par une première partie entièrement viennoise avec deux de ses plus emblématiques représentants. Les Symphonies «Parisiennes» de Haydn sont malheureusement trop peu jouées alors que, outre qu’elles permettent de décrasser un orchestre symphonique, elles offrent de splendides moments à l’auditeur qui se laisse ainsi porté par des mélodies toujours enjouées et imaginatives. La Quatre-vingt-quatrième (1786), moins célèbre que d’autres – ne serait-ce que parce qu’elle ne possède aucun surnom –, en est un parfait exemple, dès la lente introduction qui laisse ensuite place à une continuelle dextérité des violons. A ce jeu-là, sous la houlette de leur premier violon Roland Daugareil, les cordes de l’Orchestre de Paris encourent peu de reproches, les articulations s’enchaînant sans coup férir, les archets tressautant sur les cordes et, même si le dernier mouvement est parfois un peu raide, le résultat est du plus bel effet. Dans le deuxième mouvement, on insistera sur la très belle participation des bois, et notamment de Marc Trénel au basson, d’ailleurs fort sollicité ce soir.

Changement de disposition pour la deuxième œuvre au programme, qui permettait d’entendre une légende du piano en la personne de Menahem Pressler. Alors que ce devait être initialement le Vingt-troisième Concerto de Mozart (qu’il avait d’ailleurs donné il y a quelques années sous la baguette de Daniele Gatti), c’est le Vingt-septième (1791) qui fut finalement interprété par le fondateur – en 1955! – du Beaux-Arts Trio. Et quelle interprétation qui, à défaut d’être spectaculaire ou pleine d’émotion, fut frappée du sceau de l’évidence et du naturel. On ne se pose jamais la question du tempo car c’est bien entendu le bon. On ne se demande jamais s’il y a ou non faute de goût car cette notion est évidemment étrangère à Pressler. On ne suppute jamais de ce qu’il va advenir de la phrase à venir car le discours s’enchaîne avec une logique aussi implacable qu’évidente. Si l’on a pu avoir quelque crainte au début du premier mouvement du côté de l’orchestre (une légère affectation dans le phrasé, une entrée un peu rude des bois), Paavo Järvi se mue rapidement en accompagnateur attentif, au diapason de l’atmosphère de musique de chambre souhaitée par un vaillant soliste de presque 89 ans! Aussi, c’est très naturellement que le public de la salle Pleyel se lève pour ovationner cet éternel jeune homme – pour filer la métaphore mozartienne – qui interprète, en bis, un «Clair de lune» de la Suite bergamasque de Debussy tout en finesse et en subtilité.

L’œuvre de Sibelius demeure encore trop peu souvent à l’affiche des salles de concert, ce qui est regrettable. Ainsi, lOorchestre de Paris n’avait pas donné sa Première Symphonie (1899-1900) depuis 2000, celle-ci ayant été jouée depuis par le Philharmonique de Los Angeles en novembre 2007, par le National il y a quatre ans et, en dernier lieu, par le Philharmonique de Vienne en mai 2009. Paavo Järvi, conduisant un orchestre en grande forme – citons entre autres Frédéric Macarez aux timbales, Marie-Pierre Chavaroche à la harpe, Andréa Cazalet au cor, Philippe Berrod à la clarinette –, en donne une version en technicolor. Ne reculant devant aucun effet, fût-ce certes parfois de manière un peu facile, Järvi confère toute son ampleur aux roulements de timbales, aux accents dans les tutti, tout spécialement dans les mouvements pairs. Même si l’ensemble reste convaincant, on y perd néanmoins certaines couleurs, peut-être même un brin de délicatesse qui innerve l’ensemble de l’œuvre du compositeur finlandais. Pour autant, on ne peut qu’applaudir l’initiative d’avoir ainsi programmé une œuvre aussi magnifique. Le chemin emprunté par le nouveau directeur musical depuis son arrivée à la tête de l’Orchestre de Paris est indéniablement le bon.

http://www.concertonet.com/scripts/review.php?ID_review=8746

Tuesday, October 16, 2012

Пааво Ярви – «Осень в Германии»

Орфей
muzcentrum.ru
Виктор Александров
15.10.2012
Знаменитый маэстро Пааво Ярви, один из сыновей патриарха эстонской дирижерской школы Неэме Ярви, провел очередные концерты в городах Германии с коллективами, которые он возглавляет - Камерным филармоническим оркестром Бремена и оркестром Франкфуртского радио.
Пааво Ярви составляет свои программы по принципу контраста, в них всегда чувствуются тонкость,изящество, оригинальный вкус и универсальность идей. График концертных выступлений у дирижера очень интенсивный, ему приходится поддерживать концентрацию и распределять силы между несколькими известнейшими коллективами Германии и Франции.
Камерный филармонический оркестр Бремена особенно дорог Пааво Ярви, здесь есть своя удивительная гармония, по-особому домашняя атмосфера музицирования.
Пааво Ярви: «В Бременском оркестре играют только единомышленники.Мы вместе с артистами решаем интерпретацию сочинения, находим много новых идей в партитурах. Для меня это особая ситуация. Я привык дирижировать большими коллективами, в которых музыканты прекрасно понимают, что дирижер будет делать.А здесь я себя свободно ощущаю камерным артистом, соучастником процесса.Возможность импровизаций является неотъемлемой частью моей работы с бременскими коллегами. Каждый раз мы стремимся обнаружить нечто новое, непохожее на предыдущие репетиции и концерты».
Среди новых программ Камерного филармонического оркестра Бремена - концерт с британским виолончелистом Стивеном Иссерлисом, который самозабвенно исполнил Концерт для виолончели с оркестром Роберта Шумана. Искусное владение инструментом, необычайно броская и импульсивная манера игры ярко проявились в романтической интерпретации Иссерлиса, виолончель которого растворялась в роскошном аккомпанементе Бременского оркестра под управлением Пааво Ярви.
Ярким украшением вечера стала Симфония №100 «Военная» Йозефа Гайдна, входящая в цикл известных Лондонских симфоний. Название определяет дух музыки этого сочинения, насыщенного множеством сигналов и фанфар. Симфония пронизана маршевыми ритмами, энергией и стремительностью.
В этом сочинении Гайдн использует ударные инструменты военного оркестра (треугольник, тарелки,большой барабан). Особенно импозантно смотрелись музыканты группы ударных в исторических костюмах солдат, которые вначале чинно расхаживали по партеру на глазах у изумленных зрителей, а затем эффектно поднимались на сцену и постепенно примыкали к оркестровому составу.
Пааво Ярви подчеркивает оптимизм, жизненную энергию и солнечный свет музыки Гайдна,отчего сочинение приобретает новое, современное звучание. Свобода мысли,непосредственность и мобильность отличают игру музыкантов Бременского оркестра,к какому бы сочинению они не обращались. Яркий тому пример – открывшая вечер оркестровая пьеса эстонского композитора-поставангардиста Эркки-Свен Тююра«Действия – Страсти – Иллюзии» (Action – Passion – Illusion). Сочинение, написанное в1993 году для струнного оркестра, поражает мозаичностью фактуры, дерзновенным музыкальным языком и острыми диссонирующими гармониями.
С симфоническим оркестром Франкфуртского радио Пааво Ярви выступил спустя несколько дней на сцене Alte Oper во Франкфурте, а затем и на гастролях в Эссене. В концертном зале Филармонии прозвучали произведения В.А.Моцарта и А.Шёнберга в рамках проекта «Экспедиции в классику».
Концерт отличался яркой просветительской направленностью: перед его началом дирижер, музыканты оркестра и солистка вместе с ведущим активно обсуждали детали произведений предстоящей программы и представляли их фрагменты публике.
В Концерте для кларнета с оркестром В.А.Моцарта солировала израильская кларнетистка Шарон Кам, которая заменила внезапно заболевшего немецкого кларнетиста и композитора Йорга Видмана. Спешная замена никак не отразилась на качестве исполнения. Напротив, ознакомиться с исполнительской трактовкой Шарон Кам моцартовского шедевра было особенно приятно. Ажурные сплетения фраз, чистота и ясность звучания упоительных кларнетовых соло гармонировали с общей музыкальной тканью оркестрового аккомпанемента.
Кульминацией программы стало исполнение ранней симфонической поэмы Арнольда Шёнберга «Пеллеас и Мелисанда», навеянной образами символисткой драмы М.Метерлинка.
Перед началом концерта Пааво Ярви намеренно очертил круг тем и лейтмотивов сочинения Шёнберга: упомянув о тристановом аккорде, из которого произрастает интонационная фабула опуса нововенца, дирижер затем попросил музыкантов оркестра Франкфуртского радио сыграть основные темы произведения. В аскетичной интерпретации Пааво Ярви «Пеллеаса и Мелисанды» Шенберга доминировал сгущенный колорит мрачных настроений и эмоций. Произведение захватывало от первой и до последней ноты своим драматическим накалом и фатальной силой.
Пааво Ярви:«В этом эффектном сочинении Шенберга невероятная палитра оттенков и красок. Для меня особенно приятно играть здесь в Эссене с моим Франкфуртским оркестром австрийскую программу. Ведь музыку Шенберга музыканты чувствуют очень интуитивно, мы уже записали «Пеллеаса и Мелисанду» в Alte Oper Франкфурта.
Еще Густав Малер невероятно ценил творчество своего современника, за несколько месяцев до смерти он сказал свой жене Альме: «Я его музыку плохо понимаю, но я знаю, что он великий». Особенно я придаю значение этим провидческим словам Малера на примере абсолютного шедевра Шенберга «Пеллеас и Мелисанда».
Благосклонный прием чопорной немецкой публики был вполне ожидаем, люди внимательно слушали произведение романтического периода Шенберга, всецело погружаясь в стихию образов символистского полотна Метерлинка.

Виктор Александров (Бремен – Эссен, Германия)
 

Friday, October 12, 2012

Deutsche Kammerphilharmonie unter Järvi und das Hilliard Ensemble

General-Anzeiger
02.10.2012
Bernhard Hartmann

BONN. Mal eben gut 700 Jahre Musikgeschichte innerhalb eines Konzertes zu durchschreiten, ist schon eine echte Herausforderung. Der Dirigent Paavo Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen - seit vielen Jahren Residenzorchester des Beethovenfestes - nahm sie an, allerdings nicht ohne sich der Hilfe des britischen Hilliard-Ensembles zu versichern, das seit Jahrzehnten auf die Vokalmusiktradition der vorbarocken Zeit spezialisiert ist.



Paavo Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie in der Beethovenhalle. Foto: Barbara Frommann

Die frühesten Kompositionen an diesem Abend waren denn auch A-cappella-Werke aus dem 14. Jahrhundert, fünf Motetten des französischen Komponisten Guillaume de Machaut. Diese spätmittelalterliche Musik klingt in der Wiedergabe von David James (Countertenor), Rogers Covey-Crumb (Tenor), Steven Harrold (Tenor) und Gordon Jones (Bariton) wunderbar rein, die kompliziert organisierten Stimmen dieser weltlichen und geistlichen Gesänge wirken selbst unter den akustischen Bedingungen der Beethovenhalle unangestrengt, fast meditativ.

Erst dann kamen die Musiker aus Bremen auf die Bühne. Auf den Pulten lagen Noten eines Komponisten aus dem 20. Jahrhundert (Strawinski), der sich mit einem Meister der Renaissance (Gesualdo) auseinandersetzte: Die altertümliche Harmonik und Melodik der frühen Musik und der Klang eines sehr farbig besetzten modernen Orchesters gehen hier eine überaus reizvolle Verbindung ein, die vor allem durch die vorzüglichen Bläser der Kammerphilharmonie eine bemerkenswerte Leuchtkraft erhielt.

In der Programmdramaturgie folgte mit beinahe logischer Konsequenz ein Werk des 21. Jahrhunderts, das aber durchaus ans Mittelalter anknüpft. In "Questions...", das der estnische Komponist Erkke-Sven Tüür den vier Stimmen des Hilliard-Ensembles sozusagen auf den Leib geschrieben hat, stehen die Männerstimmen einem Streichorchester gegenüber. Die Textgrundlage ist eher prosaisch: Ein vertontes Interview mit dem amerikanischen Quantenphysiker David Bohm (1917-1992), der überzeugt war, dass die Trennung von Kunst und Wissenschaft nur eine vorläufige sei.

Die Fragen werden in dichtem vierstimmigem Satz formuliert, bei den Antworten lockert Tüür den Satz ein wenig mehr auf. Und das Orchester kommentiert die Gedanken und Aussagen, mitunter sehr direkt und in der Interpretation der Kammerphilharmonie ungemein energetisch. Der Schluss dieses auch von den vier britischen Stimmen mit großer Intensität vorgetragenen Dialogs aber wirkte beinahe mit einem auskomponierten Fragezeichen. Neben den Ausführenden nahm auch der aus Estland angereiste Komponist (den mit Järvi die gemeinsame Zeit als Musiker in einer Rockband verbindet) den Applaus entgegen.

Nach der Pause setzte man mit mit der zweiten Sinfonie von Johannes Brahms ein orchestrales Glanzlicht. Diese Interpretation hatte alles, was man sich nur wünschen kann: Leidenschaft, Feuer, Virtuosität, mitreißende rhythmische Kraft und dabei eine nur selten zu vernehmende Durchhörbarkeit. Besser kann man ein Publikum für einen kommenden Brahms-Zyklus nicht anfixen. Nach dem Trompetensignal des Finales riss es die Zuhörer förmlich von den Sitzen.

Mit zwei Zugaben bedankte man sich dafür: Nach Brahms' Ungarischem Tanz folgte Sibelius' "Valse triste", deren trübe Moll-Stimmung so klangschön wiedergegeben wurde, dass sie sich in pures Glück verkehrte.

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/kultur/Deutsche-Kammerphilharmonie-unter-Jaervi-und-das-Hilliard-Ensemble-article870598.html



Wednesday, October 03, 2012

„Neugier ist ein wichtiger Motor“

concerti.de
von Michael Blümke

© Jean Christophe Uhl


Paavo Järvi über das richtige Alter für Dirigenten, die Absurdität des Künstlerlebens und unterschiedliche Publikumsmentalitäten

Paavo Järvi entstammt einer estnischen Dirigentenfamilie, sein Vater Neeme und sein Onkel Vallo begründeten die Familientradition, Paavo und sein zehn Jahre jüngerer Bruder Kristjan traten in ihre Fußstapfen. Seit 2004 ist Paavo Järvi künstlerischer Leiter der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, seit 2006 auch Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters. Mit Beginn der Saison 2010/11 übernahm er außerdem das Orchestre de Paris, für das er sich vom Cincinnati Symphony Orchestra getrennt hat, dem er zehn Jahre lang verbunden war.

„Das eigentliche Dirigentenleben fängt wohl erst jenseits der 50 an“, äußerten Sie einmal in einem Interview. Ende Dezember ist es bei Ihnen so weit – geht es jetzt erst richtig los?

Das habe ich vor vielen Jahren gesagt, aber je näher ich der 50 komme, desto mehr merke ich, wie wahr das ist. Ich dirigiere professionell seit 1985, aber ich kann ehrlich sagen, dass ich erst jetzt genug Erfahrung und Vertrauen habe, um bewerten zu können, was ich tue. Und ich ertappe mich immer öfter dabei, wie ich denke, jetzt habe ich‘s, jetzt verstehe ich, wie es geht. Richtiges Dirigieren beginnt erst mit größerer Erfahrung, nachdem man die Gelegenheit hatte, in das Repertoire hineinzuwachsen, mit ihm zu wachsen. Auch persönlich, menschlich.

Dirigenten scheinen eine Spezies zu sein, die mit zunehmendem Alter immer besser wird.

Das ist einerseits natürlich ein Klischee, denn für jeden guten alten Dirigenten gibt es genug andere, die zu früh gestorben sind, um ihr Potential entwickeln zu können. Allerdings gibt es auch irgendwo einen Wendepunkt, ab dem gewisse Dirigenten eher schlechter werden, weniger bedeutend und aus dem Blickfeld rücken. Und dann gibt es da diejenigen, die zu diesen großen alten Männern werden, weil sie etwas Interessantes zu sagen haben, weil sie ihrem Musizieren einen gewissen Wert, eine gewisse Tiefe verleihen, Leute dazu bringen, ihnen zuhören zu wollen. Da wir nun mal in einer sehr oberflächlichen Welt leben, schätzen wir am Anfang die falschen Dinge, geben etwas auf heiße Luft, bedeutungslose Gesten, Image und Showeffekte. Dinge also, die beeindruck-end sein können, doch irgendwann gelangt man an einen Punkt, an dem man müde wird, das alles durchzumachen. Und dann sieht man, wer nur das bietet und wer auch Tiefe und Substanz hat. Das Merkwürdige ist, dass Alter nicht gleich Tiefe oder Größe bedeutet. Es gibt eine Menge Leute, die auch im vorgerückten Alter nicht viel zu sagen haben. Und umgekehrt.

„Das Talent muss reifen wie ein guter Wein“, lautet ein anderer Ausspruch von Ihnen. Welcher Wein sind Sie? Weiß oder rot? Italiener oder Franzose?

Rot, auf jeden Fall. Italiener oder Franzose, oder auch Spanier, ist egal, ich liebe sie alle. Aber es gibt etwas bei diesem Reifeprozess. Ich will jetzt nicht selbstgefällig oder angeberisch klingen, aber ich kann sagen, wenn jemand die Musik nicht verdaut, nicht verarbeitet hat. Nicht, weil er nicht hart gearbeitet hat oder die Musik nicht genug liebt, sondern weil er einfach nicht genug Zeit hatte. Es braucht seine Zeit. Mahlers Erste beispielsweise, die ich gestern geprobt habe, habe ich bestimmt schon zwanzig Mal aufgeführt. Doch erst gestern Abend sind mir einige Sachen aufgefallen, die ich bisher „falsch“ gemacht habe. Für mich falsch, weil ich gemerkt habe, dass man sie besser machen kann. Manchmal muss man auch den Mut haben, Dinge anders zu machen. Und der kommt mit dem Alter.

Und noch ein letztes Järvi-Zitat: „Dirigent ist kein Job, sondern eine Lebensweise.“ Wie sieht diese Lebensweise aus?

Es ist eigentlich ein schrecklich narzisstisches, selbstbezogenes, geradezu lächerliches Leben, wenn man anfängt, darüber nachzudenken. Erstens dreht sich alles, wirklich alles, um dich. Es geht immer um deinen Terminplan, um deine Verfügbarkeit, Menschen unternehmen alle möglichen Anstrengungen, um es dir recht zu machen. Aber das ist nicht das Leben. Leben ist, mit Menschen in Kontakt zu treten, sich zu verlieben, Kinder zu bekommen, morgens aufzuwachen und mit deiner Familie zu frühstücken. Leben ist nicht, morgens aufzuwachen und nicht zu wissen, in welcher Stadt du gerade bist. Und deshalb kann man es – wenn man es als Job betrachtet – sehr schnell satthaben. Doch wenn Musikmachen das Höchste für dich ist, dann nimmst du alles in Kauf. Wie gesagt, es ist auf seltsame Weise ein absurdes, schrecklich egozentrisches Leben.

Muss man als Künstler egozentrisch sein?

Ich versuche, auf dem Boden zu bleiben. Und nichts bringt einen wieder besser zurück auf die Erde als Kinder. Ich habe zwei Töchter, fünf und acht Jahre alt. Denen ist es völlig egal, ob du ein berühmter Dirigent bist. Die wollen einfach mit dir zusammen sein. Wenn du morgens aufwachst und sie springen einfach auf dich drauf, überlegst du nicht, fühle ich mich heute Morgen gut, habe ich Kopfschmerzen, dann hat das Leben einfach begonnen. Das ist das Beste auf der Welt. Dann weißt du, was wichtig ist.

Bei Ihnen waren Bernstein und natürlich Ihr Vater die prägenden Figuren. An wen geben Sie Ihr Wissen weiter?

Das ist eine gute Frage. Es ist so offensichtlich, dass mein Vater mir alles vermittelt hat, was er wusste. Und es ist genauso offensichtlich, dass ich deswegen Dirigent bin. Nun habe ich zwei Töchter, und ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich überhaupt will, dass sie Dirigentinnen werden – wobei die Ältere die Persönlichkeit dazu hätte. Ich habe ein Sommerfestival in Estland, bei dem Dirigierkurse mit einem Festivalorchester einen wesentlichen Teil ausmachen. Und da merke ich, dass mir das Unterrichten enorm viel Freude bereitet, weil ich eine Menge lerne. Ich glaube fast, dass ich für mich mehr lerne als die Teilnehmer von mir. Es ist unglaublich interessant, den Prozess zu verfolgen, wie man Dirigent wird. Wenn ich sehe, wie junge Dirigenten ihren Weg finden und diese elementaren Fehler machen, wird mir klar, dass es die gleichen Fehler sind, die ich gemacht habe, als ich am Anfang stand. Deswegen hoffe ich auch, weiterhin unterrichten zu können.

Sie sind quasi in einem Opernhaus groß geworden, weil Ihr Vater damals Leiter der estnischen Oper war. Würde Sie eine tolle Opernproduktion hier und da nicht reizen?

Ich denke in letzter Zeit immer häufiger darüber nach. Denn ich bin mittlerweile an einem Punkt angekommen, wo ich mit einigen Ausnahmen den Großteil des Orchesterrepertoires, das ich dirigieren wollte und sollte, gemacht habe. Natürlich gibt es nach wie vor eine Menge Musik, auf die ich neugierig bin, aber Oper reizt mich immer stärker, nur dass ich bisher mit drei Orchestern nie lange genug Zeit am Stück dafür hatte. Und einfach mit nur einer Probe einige Vorstellungen zu übernehmen, das ist nichts für mich, das befriedigt mich nicht. Wahrscheinlich wäre es am besten, die Sache mit einem meiner Orchester anzugehen und Zeit für ein solches Opernprojekt zu finden.

Gerade hat Ihre dritte Saison in Paris begonnen. Haben Sie Unterschiede in der Publikumsmentalität im Vergleich zu Deutschland festgestellt?

Die Deutschen sind vielleicht nicht das feurigste Publikum, aber sie sind ernsthaft bei der Sache. Wenn ihnen etwas gefällt, klatschen sie sehr lange, sie zeigen ihre Wertschätzung. Franzosen sind eher wie ein Streichholz, sie entzünden sich ungeheuer schnell, aber die Flamme geht auch schnell wieder aus. In Deutschland kann es durchaus passieren, dass der Applaus nur mittelstark ist, nicht über ein Mezzoforte hinausgeht, und man denkt, ach, es hat ihnen nicht so besonders gefallen. Doch dann muss man 15 Mal auf die Bühne kommen, weil sie einen nicht gehen lassen wollen. In Frankreich dagegen schreien die Leute ihre Begeisterung raus, da gibt es sofort standing ovations – und im nächsten Moment ist schon alles vorbei.

Den Test schlechthin – die Beethoven-Sinfonien – haben Sie bravourös bestanden. Gibt es noch einen anderen Test, den man als Dirigent bestehen muss?

Ich finde, dass es unmöglich ist, Brahms gut zu dirigieren. Für mich ist das eine absolut unlösbare Aufgabe. Es ist mir noch nie gelungen, Brahms so zu dirigieren, dass ich damit zufrieden war, nicht einmal ansatzweise. Brahms klingt entweder immer aufgedonnert und erhaben à la Karajan oder irgendwie interessant – nicht überzeugend – aber interessant wie bei Harnoncourt. Das liegt daran, dass man sich kühn in das Gebiet vorwagen muss, das Brahms uns nicht sehen lassen will, das er vor uns zu verbergen sucht, indem er überall diese Wälle errichtet. Und so sind die Interpretationen immer emotional unterbelichtet oder übertrieben, die Balance stimmt irgendwie nie. Es gibt nur einige wenige überzeugende, Furtwängler zum Beispiel. Oder Bernstein. Und deswegen ist Brahms die nächste Herausforderung für mich, der ich mich mit der Deutschen Kammerphilharmonie stellen werde.

Wie viele neue – für Sie neue – Werke führen Sie jede Saison auf?

Fünfzehn, zwanzig. Ja, ein Menschenleben ist nicht genug für das Repertoire. Aber der Appetit und die Neugier sind da. Und die nehmen auch nicht ab, im Gegenteil. Man muss sich einfach entscheiden, wie wichtig einem diese Sachen sind, wie viel Zeit man sich dafür nimmt – und wie hoch der Preis dafür ist. Für mich ist es mittlerweile klar, dass ich dieses musikzentrierte Leben will, ich glaube, ich könnte gar kein anderes ertragen.

Gibt es für Sie denn ein Leben neben der Musik? Haben Sie noch Zeit für Hobbies?

Nein, Hobbies habe ich nicht. Ich weiß, es klingt ein bisschen albern, aber die Musik ist mein Hobby.

Das heißt, wenn Sie lesen, lesen Sie keinen Roman, sondern Partituren …

Ich lese gern Biografien, nicht nur über Musiker, auch über Politiker. Aber einen Roman habe ich schon lange nicht mehr gelesen.

Und wie viel Zeit bleibt für die Familie?

Nicht genug. Aber ich versuche immer, wenn ich eine Woche frei habe, in die Staaten zu fliegen. Und den Sommer verbringen wir immer zusammen in Estland.

Das bedeutet aber auch, dass Sie nicht wirklich ausspannen können, wenn Sie zu Hause sind.

Ja, aber dafür wird man auf andere Weise entschädigt, die Batterien wieder aufgeladen. Es gibt nichts Schöneres, als die Neugier eines Kindes zu erleben. Wir Erwachsenen haben diese Neugier auch in uns, aber unser Leben ist so angefüllt mit anderen Sachen, dass wir manchmal der Neugier müde werden. Aber Neugier ist ein wichtiger Motor, der dich immer vorantreibt.

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