Saturday, December 29, 2012

Aasta muusikuks valiti Paavo Järvi

Ohtuleht
Marge Sillaots
27.12.2012
Eesti Rahvusringhäälingu muusikatoimetajad valisid aasta muusikuks dirigent Paavo Järvi kõrgetasemelise kontserttegevuse ja Eesti muusikaelu arendamise eest.
Paavo Järvi kütkestab oma kontsertide ja salvestustega publikut kogu maailmas ning võidab klassikalisele muusikale kõikjal uusi sõpru ja järgijaid. Tema eestvedamisel ja kunstilisel nõustamisel Pärnus toimuv Järvi suvefestival ning suveakadeemia toob välismaal tegutsevad muusikud – Eesti talendid – musitseerima koju.
Oluline koht Järvi tegevuses kuulub Eesti heliloojate teoste esitamisele ja jäädvustamisele, tema repertuaaris on Arvo Pärdi, Erkki-Sven Tüüri, Helena Tulve, Lepo Sumera, Eduard Tubina, Tõnu Kõrvitsa jt helitööd. Eesti heliloomingu ettekannete eest sai Järvi Eesti Kultuurkapitali aastapreemia 2002. aastal.
Järvi on Eesti Riikliku Sümfooniaorkestri kunstiline nõustaja ja külalisdirigent. ERSOga salvestatud album Jean Sibeliuse kantaatidega pälvis 2003. aastal Grammy auhinna. Viimasel ajal on Paavo Järvi üks tegevusi olnud Järvi suvefestivali eestvedamine, sellest on kujunemas Eesti keskne klassikalise muusika suvesündmus.
Aasta muusiku tiitel antakse Paavo Järvile üle 1. jaanuaril Estonia kontserdisaalis toimuval pidulikul uusaastakontserdil, mille vahendavad otseülekandes ETV ja Klassikaraadio.
Tänavu kuulutakse aasta muusiku tiitel välja juba 31. korda. Möödunud aastatel on selle pälvinud teiste hulgas Tiia-Ester Loitme (2008), Aarne Saluveer (2007), Kalle Randalu (1982), Alo Mattiisen (1988), Valter Ojakäär (1993), Erkki-Sven Tüür (1996), Tõnu Kaljuste (1998), Rein Rannap (2002) jt. Aasta muusiku tiitel läheb inimesele, kelle loomingulised saavutused on edendanud Eesti muusikakultuuri ja kes on teinud viljakat koostööd Eesti Rahvusringhäälinguga.
http://www.ohtuleht.ee/504423

Tja, was genau ist Dirigieren?

Deutschlandradio.de
Holger Hettinger
28.12.12

Der Dirigent Paavo Järvi philosophiert über seine Profession


Dirigent Paavo Järvi: "Ich mag es, wenn Musiker mitdenken, auch mal widersprechen, eine klare Meinung haben." (Bild: picture-alliance / dpa / Ingo Wagner)
Paavo Järvi gilt als einer der erfolgreichsten Dirigenten in der internationalen Musikwelt und verfügt über reichlich interkulturelle musikalische Erfahrung. In den USA werde selten hinterfragt, was der Dirigent vorgebe, sagt er. In Deutschland hingegen forderten die Orchester den Dirigenten regelrecht heraus.
Holger Hettinger: Paavo Järvi, Sie kommen aus einer extrem musikalischen Familie. Ihr Vater ist der berühmte Dirigent Neeme Järvi, Ihr Onkel war Kapellmeister an der Oper Tallinn. Als Sie ein kleiner Junge waren, was konnten Sie zuerst - laufen oder dirigieren?
Paavo Järvi: Nun, ich glaube, es muss das Laufen gewesen sein. Aber wissen Sie, wenn man in einer Musikerfamilie aufwächst mit einem Dirigenten als Vater, dann ist man buchstäblich umgeben von Musik. Ich habe Konzerte besucht, Opern, Proben, und auch zu Hause lief ständig Musik. Und irgendwann, da war ich so drei oder vier Jahre alt, war ich mir sicher: Ich werde einmal Dirigent, und zwar, weil mein Vater diesen Beruf hatte. Ich hatte keine Ahnung, was genau man da machen muss, aber es sah so aus, als würde es eine Menge Spaß machen.
Hettinger: Sie haben dann in Tallinn Musik studiert, haben Schlagzeug studiert und haben - für eine kurze Zeit nur, aber immerhin - in einer Band gespielt, gemeinsam mit dem Komponisten Erkki-Sven Tüürs. Also nun ist ja Rockmusik machen etwas ganz, ganz anderes als klassische Musik, da kommt es ja viel mehr auf Groove an, auf das richtige Gefühl, auf Timing. Hat diese Erfahrung Auswirkungen auf Ihre heutige Musizierpraxis?
Järvi: Ich glaube, Sie wären überrascht, wie viele Gemeinsamkeiten es da gibt. Gut, in jungen Jahren, da habe ich Klavier geübt, auch ein wenig Geige, ich habe im Knabenchor gesungen, viel Musik gemacht, Schlagzeug gespielt. Rockmusik war dagegen ein einziger großer Spaß - das musste ich natürlich ausprobieren. Ich glaube aber, am Ende unterscheiden sich Rockmusik und Klassik gar nicht so sehr voneinander. Natürlich gibt es Unterschiede, aber gemeinsam zu musizieren, das stellt ähnliche Anforderungen, egal in welcher Konfiguration.
Hettinger: Sie sind im Jahr 1980 in die USA gezogen, waren dann ab 2001 Chef des Cincinnati Sinfony Orchestra. Auch in Deutschland haben Sie viel gearbeitet, mit dem HR-Sinfonieorchester, dessen Chefdirigent Sie sind, Sie sind der künstlerische Leiter der Kammerphilharmonie Bremen. Nun kennen Sie beide Systeme, das amerikanische und das deutsche. Wo sind die Gemeinsamkeiten, wo sind die Unterschiede?
Järvi: Es gibt gleichermaßen Unterschiede wie Gemeinsamkeiten, mit den Unterschieden meine ich noch nicht einmal solche Sachen wie Mentalitätsunterschiede zwischen Amerikanern und Deutschen. Die Art zu spielen ist ganz anders. Dann ist das Verhältnis zur historischen Aufführungspraxis komplett unterschiedlich - da ist Europa einfach weiter. Entfernungen sind geringer in Europa, dadurch ist der Austausch einfacher. Natürlich haben auch amerikanische Orchester wunderbare Eigenheiten: Der technische Standard ist sehr hoch, die klangliche Geschlossenheit ist enorm, aber auch die Geschwindigkeit, mit der die Musiker neue Stücke lernen. Auf der anderen Seite: Die beiden Orchester, die ich in Deutschland dirigiere, hinterfragen sehr stark, was sie da spielen müssen und wie sie es spielen müssen. Amerikanische Orchester sind da anders, die folgen viel bereitwilliger und machen ziemlich genau das, was man als Dirigent vorgibt.
Hier hingegen fordern die Orchester einen regelrecht heraus, wenn sie etwas nicht einsehen, weil hier jeder ermutigt wird, seinen eigenen Standpunkt zu vertreten. Das gefällt mir ehrlich gesagt besser. Ich mag es, wenn Musiker mitdenken, auch mal widersprechen, eine klare Meinung haben. Es gibt so viele kluge Musiker im Orchester, da wäre es doch dumm, dieses Wissen zu ignorieren.
In Amerika ist es hierarchischer, aber um Unterschiede festzustellen, muss man gar nicht nach Amerika blicken. Sehen Sie sich die beiden Orchester an, die ich hier in Deutschland leite, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und das HR-Sinfonieorchester. Die könnten ebenfalls unterschiedlicher nicht sein. Das eine ist ein selbstverwaltetes Ensemble in der Größe eines Kammerorchesters, das andere ist ein großes Sinfonieorchester, das jede Woche ein anderes Programm spielt, das sich jede Woche mit einem anderen musikalischen Stil auseinandersetzen muss, vom Barock bis zur zeitgenössischen Musik und allem, was es dazwischen gibt. Jedes dieser Gebilde hat ein ganz spezifisches Innenleben, eine bestimmte Kultur. Das dritte Orchester, das ich in Europa leite, das Orchestre de Paris, ist noch mal eine ganz andere Welt. Da begegne ich der französischen Art, die Dinge, die Welt und die Musik zu sehen. Und das ist eine vollkommen andere Oper.
Hettinger: Als Sie den Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau bekommen haben, da hat der Laudator, der Komponist Jörg Widmann, den Beruf des Dirigenten verglichen mit jemandem, der einen Stadtplan besitzt, und der anderen Leuten die interessanten, die markanten, die bemerkenswerten Punkte einer Stadt zeigt. Stimmen Sie Jörg Widmann zu in dieser Beschreibung?
Järvi: Ja, auf der einen Seite ist das so. Das war ein sehr schönes Bild, das Jörg Widmann in dieser Rede gezeichnet hat. Wissen Sie, es ist furchtbar kompliziert, zu erklären, was ein Dirigent eigentlich tut. Wenn es einfacher wäre, zu erklären, was einen guten Dirigenten ausmacht, gäbe es mehr davon. Es ist viel einfacher, Kriterien für einen guten Instrumentalisten festzuschreiben, für einen Geiger oder Pianisten beispielsweise. Für die gibt es handfeste Faktoren, die man einschätzen kann.
Man kann die Sauberkeit des Spiels hören, man kann die Musikalität hören, das technische Vermögen, die Qualität des Tons. Das Paradoxe daran ist: Wir als Dirigenten erzeugen keinen einzigen Ton, und doch klingt das Orchester immer anders, je nachdem, wer dirigiert. Nun haben auch Dirigenten eine Schlagtechnik. Da gibt es Dirigenten, die diese Schlagtechnik virtuos beherrschen - und trotzdem klingt das Orchester nicht gut. Und dann gibt es andere, die so gut wie keine Schlagtechnik haben, aber dafür irgendetwas anderes, was die Aufmerksamkeit der Musiker erweckt und ihre Vorstellungskraft anregt. Und das Orchester musiziert ungeachtet der Frage, ob es nun leicht oder schwer ist, den Vorgaben des Dirigenten zu folgen. Tja, was genau ist Dirigieren? Wer weiß?
Hettinger: Paavo Järvi, ich habe mich auf dieses Gespräch mit Ihnen vorbereitet, indem ich unter anderem diese Box mit Beethoven-Sinfonien hervorgezogen habe, die Sie zusammen mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen aufgenommen haben. Das war sehr interessant, weil ich habe mich entscheiden müssen: Welche Sinfonie höre ich denn zuerst? Ich dachte, na, vielleicht eher was Seltenes, die zweite oder die siebte. Aber ich habe mich dann doch für die fünfte und für die neunte entschieden, also eigentlich so die berühmtesten, die großen, die, ja, jetzt negativ formuliert, die schier totgespielten, und ich habe mich gewundert, denn es wirkte auf mich so, als hätte ich wirklich eine ganz neue Sicht auf diese wohlbekannten Sinfonien, als würde ich dieser Musik zum ersten Mal begegnen. Was ist der Interpretationsansatz?

Järvi: Um zu erklären, was es mit diesem Beethoven-Zyklus auf sich hat, muss ich ein wenig ausholen. Mit diesem Orchester, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, arbeite ich seit 15 Jahren zusammen. Unser erstes gemeinsames Konzert war ein Open-Air-Konzert in einem Park, "Sommer in Lesmona" hieß es. Klingt lieblich - aber es hat die ganze Zeit geregnet. Und trotz dieser frustrierenden Rahmenbedingungen habe ich gemerkt: Da sitzt ein Orchester vor mir, das die Musik wirklich hört und das die Bereitschaft und die Begeisterung hat, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Musik zum Klingen zu bringen. Und während das Orchester so vor mir saß, ist mir klar geworden: Wenn ich jemals eine Aufnahme von Beethoven-Sinfonien mache, dann mit diesem Orchester. Zu diesen Aufnahmen kam es dann erst zehn Jahre später.
Das Merkwürdige an diesem Beethoven-Projekt ist: Ich bin aufgewachsen in einer Dirigentenfamilie, wir haben die Einspielungen von allen großen Dirigenten gehört, Furtwängler, Karajan, Bruno Walter, Fritz Reiner - ich könnte 20 weitere Namen aufzählen. Das waren ziemlich traditionsorientierte Interpretationen, die sehr tiefgründig und ernst klangen - ein Aspekt, den Beethovens Musik absolut hergibt. Dieser Interpretationsansatz ist sehr traditionell, er kommt aus der Nach-Wagner-Zeit. Die Tiefe und Intensität der Musik hat diese Generation sehr mit dem Tempo verknüpft. Wenn etwas ernst klingen soll, muss es langsam gespielt werden. Das ist oft ein Fehler, denn Beethoven hat in seinen Partituren ganz klar vermerkt, in welchem Tempo die Musik gespielt werden soll. Da gibt es eindeutige Metronomangaben, die aber von den meisten Dirigenten ignoriert werden, weil sie Beethoven misstrauen. Die Tempi sind nämlich überwiegend ziemlich schnell.

Ich finde das alles Unfug. Beethoven war ein extrem intelligenter Mensch, der diese Tempoangaben aus einem bestimmten Grund notiert hat. Er wollte nämlich, dass die Interpreten in dem Tempo spielen, das er sich vorgestellt hat. Wir haben unserer Einspielung die Neuausgabe der Beethoven-Sinfonien zugrunde gelegt und haben enormen Wert gelegt auf die präzise Artikulation. Wir haben über jeden Punkt und jeden Bogen in der Partitur nachgedacht. Wir haben die Größe des Orchesters der Besetzung angepasst, die Beethoven damals zur Verfügung hatte. Wir haben die einzelnen Instrumente so ausgesucht, dass sie dem Klang der Originalinstrumente nahekommen. Wir benutzen Naturtrompeten ohne die modernen Ventile. Wir haben also so viele Informationen wie möglich gesammelt, wie es damals hätte sein können.
Als wir dann all diese neuen Aspekte verinnerlicht hatten, da habe ich beschlossen, das alles aus meinem Kopf zu verbannen und stattdessen die Interpretationsideen einzubeziehen, die ich von den traditionell romantischen Aufführungen her kannte, denn Furtwänglers Einspielungen sind ja nicht verkehrt, vieles ist wirklich fantastisch. Was wir machen wollten, war: Wir wollten das Beste aus den beiden Interpretationswelten in unserer Einspielung vereinen. Die Hörerfahrung mit den ganzen legendären Einspielungen, damals als Kind gemeinsam mit meinem Vater, das kam mir sehr zugute, und es hat sich auch sehr gut mit der Gegenwart verbunden. Man kann nichts, was in den letzten 30, 40 Jahren passiert ist, einfach ausschließen mit der Behauptung, es sei nicht wertvoll. Man muss es integrieren. Und das Privileg eines Interpreten heutzutage liegt darin, dass man eine Entscheidung darüber treffen kann, was man davon berücksichtigt und was nicht. Unsere Annäherung an diese Musik war also nicht akademisch-theoretisch, sondern organisch, und aus dem Bedürfnis heraus entwickelt, so dicht wie möglich zum Notentext vorzudringen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1962186/

Wednesday, December 26, 2012

Muusikamaailm

Sirp
Priit Kuusk
20.12.2012

Paavo Järvi sisukas aastalõpp
Novembri algusest kuni oma juubelisünnipäevani 30. XII juhatab kolme orkestri peadirigent Paavo Järvi 19 kontserti, esinemispaikadeks Berliini Filharmoonia ja Kassel (DSO Berlini ees, ainus külalisesinemine), oma Pariisi orkestriga ka turnee (Freiburg, Hannover, Hamburg, Köln, Luzern, Bern, Zürich, Genf), siis Essen, taas Köln. 24. XI anti talle Hindemithi auhind meistri sünnilinnas Hanaus. Nii see kui Saksa-Šveitsi reis leidsid tähelepanu meedias, temast kirjutatakse üldse palju. Kavades klassikud Mozartist Debussy, Stravinski, Dutilleux’ ja Šostakovitšini, Karol Beffa esiettekanne, Deutsche Kammerphilharmonie’ga viis ta 8. ja 9. XII Viini kontserdimajja Schumanni sümfooniad, Frankfurdis oli kavas koguni kaks Hindemithi teost. Järvil olid taas parimad solistid: Janine Jansen, Christian Tetzlaff, Hilary Hahn, Andreas Haefliger, Antoine Tamestit. Sünnipäeval juhatab Paavo Järvi ERSOt Pärnus ja uusaastal Tallinnas, solistideks Tanja ja Christian Tetzlaff.
 1.-2. XII juhatas Paavo Järvi Bremeni Deutsche Kammerphilharmonie kontserte Esseni Filharmoonias ja Kölni Filharmoonia suures saalis: Mozarti balletimuusika ooperile „Idomeneo” ja Viiulikontsert nr 5 (sol Hilary Hahn) ning Šostakovitši Sümfoonia nr 15.
8.-9. XII  Paavo Järvi kontserdid Deutsche Kammerphilharmonie’ga Viini Kontserdimajas, kõik Schumanni sümfooniad, järjestuses: Sümfoonia nr 1 ja nr 4ning Sümfoonia nr 2 ja nr 3.
13.-14. XII mängis Frankfurti Raadio SO lõppeva aasta viimase kava peadirigent Paavo Järvi käe all Alte Operis: Stravinski „Scherzo fantastique”, Hindemithi „Trauermusik” ja „Der Schwanendreher” (mõlem solist Antoine Tamestit), Tšaikovski Sümfoonia nr 1.
http://www.sirp.ee/index.php?option=com_content&view=article&id=16786:muusikamaailm&catid=5:muusika&Itemid=12&issue=3422

Sunday, December 16, 2012

Kurt Masur und Musikerfamilie Järvi feiern 20. Jubiläum des Usedomer Musikfestivals

Kultur-port.de
16.12.2012

2013 feiert das Usedomer Musikfestival sein 20. Jubiläum. Dirigentenlegende und Ehrenschirmherr des Musikfestivals Kurt Masur dirigiert gemeinsam mit Studierenden seines internationalen Meisterkurses zur Einstimmung auf die Festsaison das Baltic Youth Philharmonic in einem Sonderkonzert (13.9.) in der ehemaligen Turbinenhalle in Peenemünde. Länderschwerpunkt des 20. Usedomer Musikfestivals vom 21. September bis zum 12. Oktober bildet „Estland“.

Besondere Höhepunkte werden drei weitere Peenemünder Konzerte mit einer der weltweit bedeutendsten Musikerfamilien unserer Zeit sein: den Järvis aus Estland. Die Dirigenten Neeme, Paavo und Kristjan Järvi sind bei den großen Orchestern und in allen großen Konzerthäusern der Welt zu Hause und bringen die musikalische Vielfalt Estlands auf die Sonneninsel Usedom.

Kurt Masur, dem noch bis zum 28. Februar 2013 eine Sonderausstellung im Historisch-Technischem Mueseum Peenemünde gewidmet ist, zählt seit vielen Jahren zu den herausragenden Unterstützern des Usedomer Musikfestivals. Der erste Schirmherr dirigierte die Eröffnung der 19. Festivalsaison und wurde zum Ehrenschirmherrn des Usedomer Musikfestivals ernannt. Die gesellschaftlich, politisch engagierte und weltweit geschätzte Persönlichkeit setzt mit seinem Meisterkurs und dem Sonderkonzert 2013 am geschichtsträchtigen Ort in Peenemünde Zeichen des Friedens.

Besondere Akzente lassen im Jubiläumsjahr drei weitere Peenemünder Konzerte mit einer der weltweit renommiertesten Musikerfamilien erwarten: Die Järvis sind zu Gast auf Usedom. Neben dem estnischen Komponisten Arvo Pärt ist Neeme Järvi der weltweit bekannteste estnische Künstler. Kein anderer Dirigent spielte so viele nordische Werke auf Tonband ein. Gemeinsam mit dem NDR Sinfonieorchester wird er zum Abschluss der Musiklandsaison MV zu erleben sein (12.10.). Sein ältester Sohn Paavo Järvi zählt zu den engagiertesten Dirigenten seiner Generation. Er ist Musikdirektor des Orchestre de Paris und des Sinfonieorchesters des Hessischen Rundfunks. In der nächsten Saison wird er Musikdirektor des Tokyo Symphony Orchestra. Als künstlerischer Leiter der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen bestreitet er ein großes Peenemünder Konzert (24.9.). Dann erklingen die Sinfonien Nr. 4 und Nr. 7 von Ludwig van Beethoven sowie bekannte Werke Arvo Pärts. Der 10 Jahre jüngere Kristjan Järvi, der in diesem Jahr sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern gab, eröffnet die 20. Saison des Usedomer Musikfestivals gemeinsam mit dem Baltic Youth Philharmonic. Neben der großen Chortradition Estlands mit berauschenden Vokalwerken, vorgetragen von weltweit renommierte Chören, wie dem Schleswig-Holstein Festivalchor (23.8.), dem Estnischen Philharmonischen Kammerchor (27.9) oder dem Estnischen Männerchor (3.10.), stellt das Programm vielfältige Bezüge zum Richard-Wagner-Jahr 2013 her. Estland ist auch der Ursprung der alt-germanischen „Edda“-Sagen.

Für die Peenemünder Konzerte sind Karten in zwei exklusiven Järvi Abonnements sowie für weitere Konzerthöhepunkte ab dem 17.12. zu bestellen.
http://www.kultur-port.de/index.php/kunst-kultur-news/6185-kurt-masur-und-musikerfamilie-jaervi-feiern-20-jubilaeum-des-usedomer-musikfestivals.html

Saturday, December 15, 2012

Paavo Järvi dirigiert Schumann

NDR.DE
Friederike Westerhaus
17.12.2012

CD der Woche
Paavo Järvi © HR / Sascha Rheker Fotograf: Sascha Rheker
Paavo Järvi setzt bei seiner neuen CD auf unvorhersehbare Wendungen und Akzente.

Mit Beethovens Sinfonien haben die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und ihr Künstlerischer Leiter Paavo Järvi weltweit riesige Erfolge gefeiert - ein Projekt, das sie über Jahre beschäftigt hat. Nun setzen sie ausgerechnet auf Robert Schumann, der als schlechter Orchestrator gilt oder - noch polemischer - als zweitklassiger Brahms. Doch schon mit ihrer ersten Schumann-CD mit den Sinfonien 1 und 3 haben die Bremer gezeigt, dass sie etwas zu Schumann zu sagen haben. Jetzt ist die nächste Folge der Gesamtaufnahme erschienen, mit der zweiten Sinfonie und vier Ouvertüren.

Grenzenlos emotional

Das Adagio espressivo aus Schumanns zweiter Sinfonie - schon allein dafür lohnt sich diese CD. Nur diese zehn kurzen Minuten, die weite Räume öffnen und die Ewigkeit einfangen. Musik, die zu Tränen rührt.
Die unfassbare Schönheit dieser Musik, ihre Melancholie und vor allem die Innigkeit werden hier greifbar. Ohne das große Vertrauen zwischen Järvi und den Musikern wäre das sicher nicht so intensiv, denn dieser Satz duldet keine Vorbehalte. Er muss geradezu grenzenlos emotional sein. Wer sich wirklich auf Schumanns Musik einlässt, begibt sich in eine abenteuerliche Gedanken- und Gefühlswelt.
Järvi setzt gerade auf die völlig unvorhersehbaren Wendungen und Akzente, die überraschenden Wechsel von Liebe zu Schmerz, von Abgründen zu Glücksgefühl, von Ruhe zu Getriebensein. "Neurotisch" nennt Järvi das. Genau diese neurotischen Momente müsse man übertreiben, sagt Järvi.

Aufregend, erhellend, mitreißend

Purer Nervenkitzel ist diese Aufnahme. Das liegt auch an Järvis untrüglichem Gespür für Nebenstimmen, die er plötzlich hervortreten lässt. Das Image von Schumann als unzulänglichem Orchestrator stellt er so gründlich auf den Kopf. Dass die Musiker Hürden wie die langsame Einleitung mit den heiklen Bläserakkorden oder dem halsbrecherischen Geigenbeginn des zweiten Satzes souverän meistern, nimmt man schon fast als selbstverständlich hin.
Die Ouvertüren, vor allem aber "Manfred", scheinen wie ein Extrakt der Schumann'schen Welt. Für Järvi eines der besten Stücke überhaupt.
Der Bremer Schumann ist aufregend, erhellend, mitreißend - kurzum: absolut phänomenal.

http://www.ndr.de/kultur/klassik/schumann165.html

Thursday, December 13, 2012

Sunday, December 09, 2012

Himmlische Längen, höllische Gegensätze

DerStandard.at
Daniel Ender
9 Detzember 2012

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und Paavo Järvi im Wiener Konzerthaus

Wien - Mit den Beethoven-Symphonien machten sie vor ein paar Jahren Furore: Der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen gelang es mit ihrem künstlerischen Leiter Paavo Järvi, Publikum und Presse aufzurütteln und zu einem Gutteil zu begeistern.
Entschlackt, aber klanglich immer fokussiert, packend und zupackend setzten sie damals auf großteils, aber nicht ausschließlich moderne Instrumente sowie auf eine denkbar genaue Beachtung all dessen, was in den Noten steht, ohne es deshalb jemals an Spontaneität fehlen zu lassen. Nun widmen sich die Formation und ihr Chef schwerpunktmäßig einem Projekt mit den Symphonien und Ouvertüren von Robert Schumann, das auch auf CD (beim Label RCA) erscheint.
Im Konzerthaus waren an zwei Tagen Schumanns vier Symphonien zu hören, und schon die Vortragsbezeichnung "Lebhaft", die drei von vier Sätze der Vierten tragen, kam dabei am Samstag so unmittelbar zum Vorschein, wie es nur ganz selten gelingt. Järvi betonte - wie schon bei Beethoven - das Wilde und Schroffe, setzte auf deutliche Querbezüge zwischen den Sätzen und ließ sich Zeit für die ausladenden Formen mit ihren " himmlischen Längen" (Schumann über Schubert, aber auch ihm selbst nicht ganz fremd).
Mit Leichtigkeit und Elan (Intonationstrübungen, die nur einem einzigen Musiker zuzuschreiben waren, bildeten den einzigen Wermutstropfen des Abends) blieben Orchester und Dirigent auch bei der Ersten extremen Gegensätzen auf der Spur und zeigten, dass es bei Schumann hinter der Fassade manchmal ordentlich brodelt. (Daniel Ender, DER STANDARD, 10.12.2012)
http://derstandard.at/1353208641895/Himmlische-Laengen-hoellische-Gegensaetze

Tuesday, December 04, 2012

Grabdenkmal und reiner Ton

Kreiszeitung.de
02/12/2012

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit Schostakowitsch und Mozart.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Seine Sinfonien seien „Grabdenkmäler“ sagte Dmitri Schostakowitsch über seine 15 Sinfonien, Grabdenkmäler als Dokumente des Leidens unter staatlichen Repressionen, denen der russische Komponist zeitlebens ausgesetzt war.
© Foto: Ixi Chen
Paavo Järvi
 Früh geriet er ins Visier von Stalins Verfolgungen, rettete mit der fünften Sinfonie 1937 regelrecht sein Leben und fiel 1948 mit den Kulturbeschlüssen der Partei erneut in Ungnade. Gleichwohl zwang man ihn zum Eintritt in die kommunistische Partei. Und nun erklang mit der Deutschen Kammerphilharmonie seine letzte, die 15. Sinfonie in A-Dur, die er 1971 vier Jahre vor seinem Tod schrieb.

Vieles ist rätselhaft in diesem erschütternden Spätwerk, so das Zitat aus Rossinis „Wilhelm Tell“, das von Brünhildes Todesankündigung an Sigmund aus Wagners Walküre, das Tristan-Zitat, die Zwölftonelemente und vieles mehr. Paavo Järvi setzte mit dem phänomenal aufmerksamen Orchester und extremen Tempi im ersten Satz auf Wut und Aggressivität, formte in den folgenden Sätzen vor allem die zahlreichen „Löcher“ und den Stillstand, die das Komponieren selbst infrage stellen: So als wüsste der Komponist nicht mehr, wie es weitergeht und ob es überhaupt weiter geht. Dies vor allem im letzten ausgedünnten Satz. Eine tief bewegende Wiedergabe, die, wenn nicht alles täuscht, den Dirigenten selbst erschütterte. Die „tiefe unaufdringliche Verzweiflung“, die Joachim Kaiser einst stellte, verwandelte Järvi in eine in bestem Sinne „aufdringliche“: alle Huster waren verstummt. Man versuchte sich vorzustellen, wie das Werk in der von Schostakowitsch geforderten Besetzung mit 16 ersten Geigen geklungen hätte – hier waren es nur zehn. Inhaltlich bemerkenswert in einer unendlichen Einsamkeit: das Flötensolo von Bettina Wild und noch mehr das Cellosolo von Tanja Tetzlaff und das Violinsolo von Florian Donderer. „Bitte setzen Sie sich dieser Musik aus, wann immer Sie ihr begegnen“, forderte 1984 der Komponist Wolfgang Rihm. Dem kann man nur erneut zustimmen.
© Foto: MillerHilary Hahn
Forsch und kraftvoll dagegen die eingangs gespielte Ballettmusik zu „Idomeneo“ von Mozart. Regelrecht etwas zu wuchtig gespielt folgten dann aber doch filigrane kammermusikalische Abschnitte. Und die Geigerin Hilary Hahn, seit 2006 eng mit dem Orchester verbunden, interpretierte Mozarts Violinkonzert A-Dur, KV 219. Ihr großer Name basiert auf der schwer beschreibbaren glasklaren Schönheit und Ebenmäßigkeit des Tones, die sie wie unter einer zerbrechlichen Glaskugel zelebriert. Gelegentlich fehlt das Existentielle, das sie dann im wild-chromatischen Mittelteil doch überzeugend herausbrachte. Wenn Mozart über sein eigenes Violinspiel an den Vater schrieb: „Es gieng wie öhl. Alles lobte den schönen reinen Ton“, so könnte man diesen Satz für Hahns wunderschöne Wiedergabe hier wiederholen. Und ebenfalls wunderbar, wie Järvi, der kürzlich bekanntgab, dass er so lange bei dem Orchester bleiben wird, wie dieses ihn will, die zarten Impulse von Hahn aufnahm und zurückgab. Besonders viel Beifall für das Programm.
 http://www.kreiszeitung.de/nachrichten/kultur/lokal/grabdenkmal-reiner-2647130.html