Monday, March 31, 2014

Sternstunden mit Hilary Hahn und Paavo Järvi im Konzert in der Tonhalle Düsseldorf – gleichzeitig die musikalische Wiederentdeckung einer lebendigen Brahms-Bruckner-Zeitgenossenschaft



erpery.wordpress.com
Peter E. Rytz
24.03.2014

Einmal im Jahr werden die Sternzeichen-Konzerte in der Tonhalle Düsseldorf mit tatkräftiger Unterstützung der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Tonhalle Düsseldorf e.V. zu Sternstunden des Konzertprogramms veredelt. Mit dem diesjährigen Konzert am Sonntag gaben sich mit Hilary Hahn und Paavo Järvi Künstler die Ehre, die zu den herausragendsten Persönlichkeiten des heutigen Musiklebens zählen.
Dem aufmerksamen Beobachter blieb dabei nicht verborgen, dass der damit verbundene Status Very Interesting People auch einen besonderen Sicherheitspreis, respektive Sicherheitsbedarf hat. Dass Hilary Hahn nach ihrem triumphal umjubelten Konzert für Violine und Orchester D-Dur opp. 77 von Johannes Brahms in der Pause CDs, Eintrittskarten und Programme signierte und viele Begeisterte eine große Schlange vor ihrem Tisch bildeten, und dass das alles, durch Sicherheitskräfte abgesichert, nur so in geordneten Bahnen ablaufen kann, war klar. Dass aber ein Bodyguard Hilary Hahn zu ihrem Konzert bis auf die Bühne begleitete, um sich anschließend seitlich der ersten Parkett-Reihen auf einem Stuhl sitzend mit hoher Aufmerksamkeit dem Verhalten des Publikum zu widmen, war zumindest für den Verfasser dieser Zeilen eine erstmalige Erfahrung.
So auch als Konzertbesucher in einem inzwischen alle Lebensbereiche umfassenden Sicherheitssystem einjustiert, dauerte es einen Moment um die eigene Aufmerksamkeit dem Eigentlichen des Konzertabends zu zuwenden. Und das ist in einem Konzerthaus wie der Tonhalle Düsseldorf immer noch die Musik.
Auch wenn viele gekommen waren, um Hahn spielen zu sehen, tat sie jedenfalls nichts dazu, mögliche einseitige Erwartungen zu bedienen. Ihrem Spiel, bei dem man den Eindruck haben konnte, jeder Ton käme geradewegs und direkt aus dem Orpheus-Universum idealistisch aufgebauter Harmonien, eine weitere Eloge anzufügen, hieße Eulen nach Athen zu tragen.
Das Außergewöhnliche an diesem Konzert war eine wunderbare Harmonie zwischen dem aufmerksam Hilary Hahns Violinspiel beobachtend begleitenden sowie mit wenigen zurückhaltenden Gesten dirigierenden Paavo Järvi, der ihr mit dem von ihm über Jahre als Chefdirigenten geprägtem HR-Sinfonieorchester einen Klang-Teppich ausrollte, auf dem sie in tänzerischer Anmut ihrer Violine jenen kunstvoll verschränkten Brahms-Melos entlockte. Järvi und Hahn spielten nicht nur eines der seit seiner Uraufführung 1879 in Wien populärsten Violin-Konzerte. Sie zelebrierten eine Musik-Partnerschaft, die im vollen Vertrauen und Wissen um einen gemeinsamen Resonanzboden des musikalischen Ausdrucks 38 Minuten eine Schicksalsgemeinschaft von geradezu emphatischer Undingtheit bildete.
Hilary Hahn – modonnenhaft und zugleich in mädchenhafter fraulicher Anmutung – ist zweifellos auf dem Zenit ihres Könnens angekommen.
Schon vor vier Jahren resümierte Die Zeit anhand eines Interviews mit ihr: Aus dem Geigenwunderkind Hilary Hahn ist eine erwachsene Künstlerin geworden. Erwachsenwerden muss nicht gleichzeitig ein Erwachsensein bedeuten. Dass das bei ihr aufgeht, davon konnte sich das Publikum in der Tonhalle Düsseldorf gestern überzeugen. Mit ihrer Zugabe der Courante aus der Partita III E-Dur, BWV 1006 von Johann Sebastian Bach demonstrierte sie noch eine weitere Seite ihres eindrucksvollen Violinspiels. Ihre auch auf CD eingespielten Partitas für Violine solo lassen ihr Spiel besonders durchsichtig und plastisch hörbar werden.
Danach, sollte man meinen, hätte es Järvi schwer gehabt, um nach der perfekt gelungenen Balance zwischen virtuosem Anspruch der Violine und der sinfonischen Orchestermusik des Brahms-Konzerts mit der opulent dimensionierten Symphonie Nr. 3 d-Moll (Fassung von 1888/89) von Anton Bruckner die Konzentration von Orchester und Publikum zu fokussieren. Weit gefehlt!
Järvi ist ein Dirigent mit einer musikalisch äußerst selten zu erlebenden Imagination, die sich von seinem Pult aus in das Orchester wie Energieentladungen verströmt. Bruckner, ein Zeitgenosse Brahms von dem man allerdings den Eindruck haben könnte, er stamme von einem anderen Komponisten-Stern, umkreist in seinen Sinfonien wieder und wieder den Raum, ohne den Ausgang auf direktem Weg zu suchen. Seine Nähe und Fürsprache zu Richard Wagner, dem von ihm verehrten Meister der Dicht- und Tonkunst, stempelte ihn im Musikleben des 19.Jahrhunderts zu einem Kontrahenten von Brahms ab.
Diese musikkritisch tradierte Konzertprogramm-Dichotomie führte Järvi mit seiner Interpretation der 3.Bruckner-Sinfonie ab adsurdum. Man merkte ihm und dem HR-Sinfonieorchester an, das sie sich mit ihrem Bruckner auskennen. Seit geraumer Zeit sind sie dabei, eine Gesamteinspielung aller Bruckner-Sinfonien zu realisieren. Wunderbar zu hören, wie in großen Tutti-Bögen die Höhen und Täler, im Gehen unvermittelt zwischen Fortissimo und Pianissimo wechselnd, durchmessen werden.
Als die Sinfonie am Ende mit einem Brückenschlag zum Kopfsatz zurück geführt wird, sie mit dem kraftvolle Zitat des ersten Trompetensignals den Endpunkt markiert, war es, als hätte Paavo Järvi Brahms und Bruckner ihre musikalische Zeitgenossenschaft für manchen Zweifler gerade gerückt.

http://erpery.wordpress.com/2014/03/24/sternstunden-mit-hilary-hahn-und-paavo-jarvi-im-konzert-in-der-tonhalle-dusseldorf-gleichzeitig-die-musikalische-wiederentdeckung-einer-lebendigen-brahms-bruckner-zeitgenossenschaft/

Un Hindemith plus attachant que jamais

resmusica.com
Jean-Luc Caron
26/03/2014

(1895-1963) : Sonate op. 11 n° 4 pour alto et piano ; Sonate op. 25 n° 1 pour alto solo ; Der schwanendreher ; Trauermusik. Antoire Tamesti, alto ; Orchestre symphonique de la Radio de Francfort, dir. Paavo Järvi. 1 CD Naïve. Réf. : V 5329, code barre : 8 22186 05329 4. Enregistrement réalisé à la Hessischer Rundfunck, Sendesaal, Francfort (Allemagne) en décembre 2012, avril et septembre 2013. Notice trilingue : français, anglais, allemand. Durée : 67’

Le moins que l’on puisse avancer est que Hindemith ne bénéficie pas d’une grande attention de la part du public général. Son positionnement historique complique son classement précis, prisonnier de l’histoire de la musique entre un postromantisme mourant et usé et une modernité galopante dont les places d’honneur reviennent à d’autres. On jouera la facilité en précisant qu’il fut un des représentants du néoclassicisme mais ce vocable accepte tellement de choses !
Et puis, voici cet enregistrement extraordinaire bousculant tant de préjugés et de jugements à l’emporte-pièce, durablement agrippés à un  savoir succinct et rarement révisité. , merveilleux altiste, a laissé pour son instrument d’inoubliables pages dont l’écoute oblige à reconsidérer leur auteur. Parvenir à écouter ces quatre œuvres en oubliant les mauvaises habitudes signalées supra, c’est se laisser guider vers une redécouverte des plus délectables.
La Sonate pour alto et piano (1919) décline un message délicat, euphonique, d’un splendide équilibre, donnant sans tarder l’envie d’une réécoute. Il faut céder à la tentation ! La Sonate pour alto seul (1922) se classe directement parmi les musiques les plus remarquables et attachantes d’un genre aussi méconnu que déprécié. Daté de 1935, une année après la création du célèbre Mathis le peintre dirigé par Wilhelm Furtwängler, grand défenseur d’Hindemith, même face aux nazis, Der Schwanendreher, un concerto pour alto et petit orchestre sur d’anciens chants populaires, s’écoute aisément et ne doit pas effaroucher. D’autant que l’Orchestre symphonique de la Radio de Francfort et son chef Paavo Järvi accompagnent parfaitement l’altiste , merveilleux musicien sur qui repose largement la réussite indéniable de cette anthologie. L’écoute s’achève avec Trauermusik, une marche funèbre de 1936, intense de recueillement et de haute tenue dont l’objectivité supposée n’étouffe jamais l’harmonie foncière.
Encore félicitations appuyées à Antoire Tamestit qui signe là une lecture destinée à se classer durablement au sommet de la discographie.
http://www.resmusica.com/2014/03/26/un-hindemith-plus-attachant-que-jamais/

Hilary Hahn İş Sanat İzleyicisini Bir Kez Daha Büyüledi

Sondakika.com
Haber Yayın Tarihi
29/03/2014

Hilary Hahn İş Sanat İzleyicisini Bir Kez Daha Büyüledi,
Hilary Hahn, Şef Paavo Järvi yönetimindeki Frankfurt Radyo Senfoni Orkestrası eşliğinde İş Sanat'ta muhteşem bir konser verdi.
İki Grammy Ödüllü keman virtüözü Hilary Hahn İş Sanat izleyicisini bir kez daha büyüledi
Geçtiğimiz sezon verdiği muhteşem resital ile İş Sanat'ın unutulmaz konserlerinden birine imza atan Hilary Hahn, bu kez şef Paavo Järvi yönetimindeki Frankfurt Radyo Senfoni Orkestrası eşliğinde verdiği konserle izleyiciyi büyüledi.
2001 ve 2008 yıllarında Grammy'de "Orkestra Eşliğinde En İyi Solo Performans" ödüllerinin yanı sıra çok sayıda Diapason ödülünü kucaklamıştı. Tekniği, yorumu ve yeni müziğe bağlılığıyla zamanımızın en çok aranan müzisyenlerinden biri olarak nitelendirilen Hilary Hahn, konserde Brahms'ın Re majör Keman Konçertosu'nu seslendirdi. Müzikseverlerce dakikalarca ayakta alkışlanan sanatçı, Bach'ın iki No'lu Partitasından Sarabande ile bis yaptı.
Konserin ikinci yarısında, Avrupa'nın en seçkin orkestralarından biri olarak kabul edilen ve baroktan çağdaşa geniş repertuvarıyla dikkat çeken Frankfurt Radyo Senfoni Orkestrası, Bruckner'ın Re minör 3. Senfonisi'ni seslendirdi. Estonya asıllı şef Paavo Järvi yönetimindeki orkestra dinamik ve başarılı icrası ile izleyiciden büyük alkış aldı. İş Sanat izleyicisinin ısrarlı alkışlarına kayıtsız kalamayan orkestra, İstanbullu müzikseverlere Sibelius ile veda etti.
İş Sanat'ın büyük ilgi gören klasik müzik serisi, 1 ve 2 Nisan'da iki gece üst üste sahne alacak Macaristan Ulusal Filarmoni Orkestrası konseriyle devam edecek. Şef Zoltan Kocsis yönetimindeki orkestranın ilk geceki konserinde, Letonyalı ödüllü kemancı Baiba Skride da solist olarak sahne alacak.
http://www.sondakika.com/haber/haber-hilary-hahn-is-sanat-izleyicisini-bir-kez-daha-5841897/

VIRTUOSA DEL VIOLÍN FASCINA EN SU CONCIERTO EN ESTAMBUL

Trtspanish.com
28.03.2014

La violinista estadounidense Hilary Hahn fascinó a los auditorios en el concierto que ofreció en compañía de la Orquesta Sinfónica de la Radio de Fráncfort, encabezada por el jefe Paavo Järvi


La virtuosa estadounidense del violín Hilary Hahn, ganadora de dos premios Grammy, ofreció un concierto en el Centro Cultural İş Sanat.

Hilary Hahn, que realizó uno de los conciertos inolvidables en İş Sanat con su recital en la temporada pasada, fascinó a los auditorios en el concierto que ofreció en compañía de la Orquesta Sinfónica de la Radio de Fráncfort, encabezada por el jefe Paavo Järvi.

Hilary Hahn, calificada de uno de los músicos más buscados del tiempo con su técnica, interpretación y lealtad a la nueva música, interpretó el concierto para violín en re mayor de Johannes Brahms.

La artista, aplaudida a lo largo de minutos por los aficionados a la música, hizo un bis con Sarabande de la Segunda Partita de Bach.
Virtuosa del violín fascina en su concierto en Estambul

http://www.trtspanish.com/trtworld/es/newsDetail.aspx?HaberKodu=ae233e51-229c-4d73-aded-9bbcf3742ae8

Friday, March 28, 2014

Geigerin Hilary Hahn in der Tonhalle

Westdeutche Zeitung
Lars Wallerang
24/03/2014

Hilary Hahn und das HR-Orchester gastierten am Samstag unter der Leitung von Paavo Järvi in der Tonhalle.
Konzert
Aktuelle Fotos gestattet die Geigerin Hilary Hahn nicht, dafür spielt sie technisch umso brillanter. Allein emotionale Wärme fehlt ihrem Spiel.
Düsseldorf. Es ist ein bisschen wie im Märchen: Hilary Hahn (34), eine der besten Geigerinnen der Welt, erscheint in romantischer Gewandung, bestehend aus einem engen, hellen Oberteil mit goldenen Applikationen und einem buschig ausladenden schwarzen Schwanenfeder-Rock. Selbstbewusst schaut sie mit ihrem Porzellanpüppchen-Gesicht ins zahlreich erschienene Tonhallen-Publikum.
Der Verein der Freunde und Förderer der Tonhalle hatte ordentlich Geld in die Hand genommen, um das Konzert der Reihe „Sternstunden“ zu ermöglichen.
Hahns Spiel ist technisch perfekt, wirkt aber doch etwas unterkühlt
Das formidable HR-Sinfonieorchester steht unter Leitung seines Chefdirigenten Paavo Järvi – es beginnt mit einem der schönsten und bewegendsten Violinkonzerte des 19. Jahrhunderts, dem von Johannes Brahms. Die junge amerikanische Geigerin verbreitet ihren Zauber, dem bereits etwas Unwirkliches anhaftet.
Die enormen technischen Ansprüche des Brahms-Konzerts sind dem Hörer zwar bewusst, doch scheint deren Gefährlichkeit durch das souveräne Spiel von Hilary Hahn wie ausgeschaltet. Man weiß: Hahn wird nicht stolpern – und kann sich deshalb zurücklehnen um der unglaublichen Schönheit des Spiels zu lauschen. Alles klingt kostbar und edel. Kein Akzent wirkt übertrieben, kein Affekt aufgesetzt. Wenn mal ein Gefühl zum Ausdruck kommt, dann wirkt es echt. Das ist nicht mehr Gold, das ist Platin.
Doch könnte sich manch ein Hörer fragen, warum ihm angesichts dieser erlesenen Ästhetik nicht so recht das Herz aufgehen mag. Das liegt sicher an der geringen emotionalen Betriebstemperatur von Hahns Geigenspiel. Das alles wirkt zwar wunderbar wie Märchenmagie, doch scheint es der Zauber der Schneekönigin zu sein, der hier zum Zuge kommt.
Hilary Hahn ist geradezu bekannt für ein recht unterkühltes, strenges Spiel von marmorner Schönheit. Ihr zur Seite steht der passende Dirigent. Denn Paavo Järvi geht als Schneekönig unter den Pult-Stars durch. Auch er verzichtet auf emotionalen Überschwang und setzt auf glasklare Klangarchitektur ohne Schnörkel und Schnickschnack. Für den rauschenden Beifall bedankte sich die Geigerin mit einem ebenfalls formvollendeten Bach-Solo.
Bruckners Dritte Symphonie wirkt mit Doppel-Oktaven fast sakral
Nach der Pause spielt das Orchester Anton Bruckners Dritte Symphonie, ein Werk von kompromissloser Kantigkeit. Das Wiener Uraufführungspublikum soll im Jahr 1870 verständnislos auf die Richard Wagner gewidmete Symphonie reagiert haben, der wiederum die Trompeten-Führung beim wohlwollenden Blick auf die Partitur so interessant fand, dass er Bruckner fortan immer „die Trompete“ nannte. Die Klangwirkung mit ihren Doppel-Oktaven erinnert an eine Kirchenorgel.
Dadurch wirken viele Passagen sehr sakral. Paavo Järvi nimmt die Zügel recht straff, so dass die Strukturen klar herauskommen. Die tänzerischen Stellen, die an österreichische Ländler erinnern, dirigiert er mit viel Sinn fürs Burlesk-Rhythmische. Auch für Bruckner gibt es großen Beifall. Das Publikum wird mit Jean Sibelius’ melancholisch verschleiertem „Valse triste“ als Zugabe belohnt.

http://www.wz-newsline.de/mobile/lokales/duesseldorf/kultur/geigerin-hilary-hahn-in-der-tonhalle-1.1594049

Monday, March 24, 2014

Klassisch: Musik der Anteilnahme

Südwest Presse
BURKHARD SCHÄFER
20/03/2014

Geografisch gesehen ist Estland ein Zwerg, musikalisch ist es ein Riese - was nicht zuletzt in der Chortradition des Landes begründet liegt. Anfang der 90er Jahre sangen die Esten ihre sowjetischen Besatzer außer Landes, die "singende Revolution" ging in die Geschichte ein.
Komponist Erkki-Sven Tüür Foto: swp

Einen Abglanz dieser archaischen Kraft meint man in der siebten Sinfonie von Erkki-Sven Tüür (geboren 1959) zu hören, dem neben Arvo Pärt wohl bekanntesten estnischen Komponisten. Geschrieben für Chor und Orchester, ist Tüürs Siebte eigentlich (s)eine "vorgezogene" Neunte. Genau wie Beethovens Urbild ist sie vom Pathos der Humanität getragen, auch wenn Tüür dem Werk nicht Schiller, sondern Texte von Siddhartha Gautama, Jimi Hendrix oder Mutter Teresa zu Grunde legt. Anders das pulsierende, klanglich und rhythmisch vielschichtige Klavierkonzert von 2006, das hier von der Pianistin Laura Mikkola gespielt wird. Der estnische Dirigent Paavo Järvi und das Frankfurter Rundfunk-Symphonie-Orchester leisten vorbildliche Arbeit. Superb! (Erschienen bei ECM).
Drei Fragen an. . .
. . . den Komponisten Erkki-Sven Tüür
Ihre siebte Sinfonie heißt "Pietas". Was bedeutet das?
Das lateinische Wort "Pietas" heißt Mitgefühl. Um Anteilnahme und Liebe geht es auch in meiner Sinfonie. Ich habe dafür Zitate mehr oder weniger berühmter Menschen kompiliert, die aus vielen Zeiten und kulturellen Bereichen stammen. Als ich dann die Zitate am Stück las, hatte ich den Eindruck, dass sie auch von einer einzigen Person stammen könnten.
In welcher Traditionslinie sehen Sie sich in Bezug auf Ihre Sinfonie?
Der entscheidende Punkt ist, dass meine siebte Sinfonie nicht die Stimme für die eine oder andere Tradition erhebt, ich wollte vielmehr die tiefen Verbindungslinien und erstaunlichen Ähnlichkeiten zwischen den Gedanken der Menschen aus ganz unterschiedlichen Epochen aufscheinen lassen. Wir dürfen niemals aufhören, in Hinsicht auf Empathie, Mitleid und gegenseitiges Verständnis zu wachsen.
Ihr Klavierkonzert trägt keinen Titel, wie "abstrakt" ist dieses Werk?
Sicherlich hatte ich beim Komponieren viele technisch-abstrakte Dinge im Kopf hin und her gewälzt, gleichzeitig habe ich auch natürlichen Entwicklungsprozessen wie dem Wachstum der Pflanzen große Aufmerksamkeit geschenkt. Du pflanzt ein Samenkorn - und siehst die Blume wachsen. Rein wissenschaftlich analysiert ist das ein äußerst komplexer Vorgang, aber mit dem Zeitraffer betrachtet, wirkt alles ganz folgerichtig und natürlich. Ein Wunder! Ich denke, jeder Komponist wäre glücklich, wenn die Zuhörer sein Werk ähnlich erlebten.
 
http://m.swp.de/ulm/nachrichten/kultur/Klassisch-Musik-der-Anteilnahme;art4308,2510878

Sunday, March 23, 2014

Paavo Jarvi Jorg Widmann: Armonica (Pan Classics)

independent.co.uk
Andy Gill
22/03/2014

Paavo Järvi is one of the busiest contemporary conductors, working here with the Frankfurt Radio Symphony Orchestra on  a programme combining three pieces by Jorg Widmann with complementary works by Mauricio Kagel, Beat Furrer and Peter Ruzicka. The latter’s “Clouds” is an accumulation of sonic droplets and mist into a torrential downpour, while Kagel’s Etude No 3 offers a Stravinskian cacophony of horns. But it’s Widmann’s title track that stands out: inspired by Mozart’s interest in the glass harmonica,  it features a blend of strings, accordion and tuned percussion emulating that instrument’s long, keening tones, everything shaped “lightly and vitreously... like a musical suspension of gravity”,  as Widmann describes it.

http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/classical/reviews/classical-album-reviews-paavo-jarvi-the-juilliard-string-quartet-carolyn-sampson-9205278.html

Classic CD: Poulenc, Stabat Mater

nzherald.co.nz
William Dart
16/03/2014

Poulenc, Stabat Mater (Deutsche Grammophon)

CD cover: Poulenc.
 Stars: 4/5
Verdict: A musical bad boy bares heart and soul in his religious works
It is not difficult to fall in love with the music of Francis Poulenc. This Deutsche Grammophon collection of his choral music gives a clue to the appeal of the Frenchman when he is described, on its back cover, as a "bad boy" among 20th century French composers. He was also a masterly exponent of sacred music.
Poulenc was not so much bad as mischievous and provocative, as one might expect from a founding member of those 1920s livewires, Les Six.
This composer's music keeps you guessing. It runs the gamut from the stark neoclassicism of the early woodwind sonatas to utterly gorgeous songs that present life as an eternal cabaret of the soul.
Hollywood must have known something when Poulenc's Mouvements Perpetuels were threaded through the soundtrack of Hitchcock's 1948 Rope.
The first work on this exemplary recording from the Salle Pleyel, the doyenne of French concert halls, is Poulenc's 1961 Gloria. Written in the year before he died, it is a score of unsullied optimism.
Finnish conductor Paavo Jarvi, the Orchestre de Paris and its choir deal out exhilaration right from the opening bars in which faux-Baroque grandeur swoops into cocktail lounge harmonies. These days, it sounds more and more like John Adams on every hearing.
A little more legato would have been nice from soloist Patricia Petibon, but the soprano suspends the sighing Domine Deus, Agnus Dei so elegantly over the choir, like a piece of ecclesiastical musique noire.
Petibon is more forceful in Poulenc's 1950 Stabat Mater, a heartfelt response to the death of his friend, the gay artist and designer Christian Berard. The delicate emotions when she sings of the forsaken Christ contrast dramatically with the visceral drive of the Cuius animam and Inflammatus.
Separating these major works is his Litanies a la Vierge Noire. Also occasioned by the death of a close friend, this 1937 piece has the women of the choir and the orchestra - so much more effective than alternative organ accompaniment - maintaining the balance of humility and fervour that the composer wanted.
http://m.nzherald.co.nz/entertainment/news/article.cfm?c_id=1501119&objectid=11220637

Tuesday, March 11, 2014

Schumann: Symphony No. 4 - Järvi

Sa-cd.net
John Miller
10/03/2014

After the first issue of Järvi's Schumann Project (Schumann: Symphonies Nos. 1 & 3 - Paavo Järvi), RCA Red Seal only issued the following volumes in the Far East. This final disc, therefore, has a front cover which looks fully western, while the rest of the presentation is in Japanese, including the notes, except for the personnel list of the Deutsche Kammerphilharmonie and a dedication from the orchestra for the memory of horn player Volker Grewell, a soloist on this disc.

All the features of the DK's performance under Järvi's baton which attracted me on the first disc of the Schumann Cycle are present here. The DK players are expert soloists themselves, and each orchestral section seeks the "life within" their instrumental parts, clarifying and enriching Schumann's experimental orchestration with perfectly placed accents, snappy rhythms and subtly-nuanced phrasing.

The disc provides a well-chosen concert-like collection of two orchestral pieces, including the Overture, Scherzo and Finale of 1841, which was first presented in the same Gewandhouse Orchestra concert as the Fourth Symphony. Together with the Konzertstück for 4 horns and orchestra, Op. 86 (1849), these once forgotten pieces have been appearing with increasing frequency, at least as "fill-ups" in recordings. Schumann referred to his Overture, Scherzo and Finale as having a "light, friendly character" which is just how Järvi and the DK present it. The Konzertstück for 4 horns and orchestra has a more skillful and inventive character. It was written to help along the absorption of the newly invented valve systems for the French horn into reluctant orchestras, and there are period performances with four soloists playing early rotary valve horns while the orchestral horns remain as valveless (e.g. Gardiner on RBCD). Here the DK's soloists play modern horns. Soloists Stephan Dohr, Elka Schutz Hökelmann, Volker Grewel and Thomas Sonnen form a tightly knit ensemble, and display their virtuosity (particularly Dohr who has much tessitura to negotiate) lightly but with great wit.

Schumann's Fourth Symphony had a long gestation, from its inception in 1841 to a major revision a decade later. Although Järvi has elected to perform the 1851 version (a revision undertaken by a master at the peak of his powers), there was yet another (less radical) revision in 1853. The structure of this symphony was experimental for Schumann, and he never again traveled so far from the Viennese classical form of his beloved Beethoven. Not only are the "rules" of sonata structure abjured and reinvented, the four movements are linked together as if continuous. Since there are also recurrences in each movement of his initial thematic motifs, which themselves have great economy of means, one might also suggest the Fourth to be a progenitor of Liszt's cyclic symphonic structures.

Järvi produces a thrilling traverse of the Fourth, from its dark and nervously tense start on an upbeat, through the struggle of the first movement to finally reach its feminine "second subject", sweet and deeply romantic - as late as the last third of his structure - and spurring the movement's jubilant ending. The Romance is not intended to be a standard Germanic slow movement but was based on a medieval slow dance, which the DK players indicate with a gentle and sensuous lilt. Their view of the movement is dignified and somewhat aloof, which forms a wonderful contrast with the dynamism and rough manners of the following Scherzo, often knocked about by off beat rhythms until its moonlit trio enters to placate matters. In continuation, the Finale introduces itself with a lovely vision of sunrise, arriving triumphantly at a loud, shining major chord, after which the first movement motifs reappear to be re-digested with storms of energy, here showing fabulously precise articulation and rhythmic cohesion from the orchestra.

Polyhymnia's recording in the Funkhous Köpenick, Berlin is clean and well-balanced, but even in 5.0 mode the auditorium seems rather dry, there is little back to front perspective and the basses seem reticent. Turning to the first disc in the set, from the same venue, there was more of the large hall reverberance and noticeably well-focused wide and deep disposition of the instrumental groups, mirroring the booklet's photograph of a session. For the missing warmth, I found that on the BluRay discs of "Schumann at Pier 2", despite being slightly closer for the video, the spacious warmth of Pier 2 provides a much more thrilling sound than on either SA-CDs.

Collectors of the full set of SA-CDs in the Järvi/DK Schumann Project will want this new Fourth; those searching for a full set from scratch will have a lot to listen to when making a personal decision, with competition including the fresh-sounding Dausgaard on BIS and, as I write, a new set from Steffens on Coviello, as yet un-reviewed. While the recording of this RCA may not be the best, Järvi's performances are. The fine fill-ups on this disc also might tip your choice.


Performance:  Sonics (S/MC): /
http://www.sa-cd.net/showreviews/9287

Paavo Järvi on märtsikuul publiku ees kokku neljateistkümne kontserdiga

Sirp
Priit Kuusk
10/03/2013

Dirigent Paavo Järvi märtsikuu on kontsertide poolest eriti pingeline, ta juhatab kolme Saksa orkestri ees sel kuul mitme erineva kavaga kokku 14 kontserti(!).

Märtsi esimesel päeval tõi Paavo Järvi oma Frankfurtis veebruari lõpul esitatud kava  külalisõhtuga Aschaffenburgi Linnahalli: Arvo Pärdi „Cantus Benjamin Britteni mälestuseks“, Dmitri Šostakovitši Klaverikontsert nr 2, solistiks Aleksandre Toradze, ja Franz Schmidti Sümfoonia nr 3.
Juba 5. märtsil dirigeeris ta õhtut oma praeguse ainsa saksa orkestri, Deutsche Kammerphilharmonie ees, kellega antakse viiekontserdiline seeria: Hamburgi Laeiszhalle järel 6. ja 7. märtsil orkestri kodulinna Bremeni esindussaalis 'die Glocke', seejärel 8. märtsil Luxembourg'i Filharmooniasaalis ning 9. märtsil taas Bremenis. Neis kavades on püsivalt Wolfgang Amadeus Mozarti Viiulikontsert nr 3, kus solistiks on Saksamaal elav vene viiulitäht Alina Pogostkina, Hamburgis ja kõigil kolmel õhtul Bremenis Brahmsi Sümfoonia nr 1, Bremenis kolm korda ka Robert Schumanni avamäng „Manfred“, veel Joseph Haydni Sümfoonia nr 100 ning Luxembourg'is ka Mozarti balletimuusika ooperist „Idomeneo“.
Tähendusrikas kontserdisari järgneb alates 12. märtsist (veel ka 13. ja 16. märtsil) Münchenis filharmooniasaalis „Gasteig“, kus Paavo Järvi on dirigentide ühe ihaldatuma Euroopa orkestri, Müncheni Filharmoonikute ees. Sama kava kõlab mainekas saalis kolmel korral: „Armastusstseen“ Hector Berliozi ooperist „Romeo ja Julia“, Aleksandr Skrjabini Klaverikontsert fis-moll ja Schumanni Sümfoonia nr 1. Skrjabini kontserdi solistiks on juba pikki aegu Viinis elav suurepärane noor serbia pianist Anika Vavic, keda meiegi mäletame ERSO solistina ja Paavo juhatusel suviselt Oistrahhi-festivalilt Pärnust.
Anika Vavic on aina edukas, ta on esinenud niisuguste kuulsuste solistina, nagu Seiji Ozawa, Zubin Mehta, Daniel Barenboim, ka Mariss Jansons, Valeri Gergiev, kellega mänginud korduvalt Maria Teatri sümfooniaorkestriga, meenutades veel tema läinud aasta esinemisi BBC Promsil Londoni Filharmoonia Orkestriga (dirigent Vladimir Jurovski), „Carinthia suvel“ (Gergievi ja Rodion Štšedrini IV klaverikontserdiga), Enescu festivalil Bukarestis jmt. Paavo Järviga on ta varemgi üles astunud mitmel korral.
Huvitava kokkulangevusena kõlab Skrjabini ainus Klaverikontsert fis-moll mõni päev varem ka Estonia kontserdisaalis, kui seda 7. märtsil mängib koos ERSOga Aleksandr Vedernikovi juhatusel Ukrainast pärit, praegu Luzernis elav ja õpetav pianist Konstantin Lifschitz.
Enne märtsikuu vabaks jäävat viimast nädalat mahuvad Paavo Järvi esinemisgraafikusse veel viis kontserti – taas tema hiljutise oma orkestri, Frankfurti Raadio Sümfooniaorkestriga (peadirigent 2006-2013). Need toimuvad 19.-21. märtsil orkestri residentsis Frankfurti Alte Operis, seejärel Düsseldorfi Tonhalles ning taaskord Müncheni kuulsas „Gasteigis“, nüüd siis juba teise orkestriga. See kava on kõikjal ühesugune: Brahmsi Viiulikontsert, solistiks tippviiuldaja Hilary Hahn USAst, keda kuulsime Paavo käe all möödunud suvel ka Pärnu festivalil, ning Anton Bruckneri  Kolmas sümfoonia 1889. aasta versioonis.
Põnevaks teeb selle kontserdisarja asjaolu, et, mänginud viis kontserti Paavo Järvi käe all Saksamaal, võtab Frankfurti orkestri sama kavaga kuu lõpul üle Neeme Järvi ning viib saksa muusikud veel kontserdireisile kolme kontserdiga 28.- 30. märtsil Austriasse – Innsbrucki, Linzi ning Viini Musikvereini „Kuldsesse saali“.
http://www.sirp.ee/index.php?option=com_content&view=article&id=21135:2014-03-10-11-18-30&catid=1:uudised&Itemid=4

Friday, March 07, 2014

Alina Pogostkina gibt Mozarts G-Dur ein neues Gesicht

Hamburger Abendblatt
Verena Fischer-Zernin
07/03/2014
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen begeistert mit Brahms und Haydn das Publikum in der Laeiszhalle. Es war bereits der zweite Auftritt der Saison in Hamburg.

Foto: Felix Broede
Alina Pogostkina war mit ihrer Stradivari zu Gast in der Laeiszhalle
Alina Pogostkina war mit ihrer Stradivari zu Gast in der Laeiszhalle
 
Hamburg. Sternstunden kann man nicht planen, sie werden einem geschenkt. Den einen freilich häufiger als den anderen. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen scheint bei Euterpe, der Muse der Musik, einen Stein im Brett zu haben, zumindest was die Konzerte in der Laeiszhalle betrifft. Bei ihrem zweiten Auftritt der Saison führten die Musiker vor, wie atemberaubend man eine Brahms-Sinfonie spielen kann: Chefdirigent Paavo Järvi kam herein, holte aus, und schon flogen dem Hörer die trockenen Paukenschläge der Einleitungstakte von Brahms' Erster um die Ohren, als hätte das Jüngste Gericht begonnen. Diese schier unausweichliche Spannung sollte die ganze Sinfonie hindurch anhalten.
Aber was heißt hier überhaupt Sinfonie? Järvi ließ Szenen, Licht, Stimmungen derart dramatisch wechseln, als ereignete sich das Stück auf der Opernbühne. Wie Raubtiere krochen die Bässe pianissimo durchs Unterholz, und die Geigen waren sich in Bogeneinteilung und dosiertem Vibratogebrauch so einig, dass selbst einfache Dreiklänge schwärmerische Süße entfalteten. Es war geradezu zum Anfassen, wie die einzelnen Stimmen miteinander Kammermusik machten, besonders der Klarinettist Matthew Hunt und die Horngruppe um Elke Schulze Höckelmann. Nur der Ton der Oboen war ein wenig arg hell und scharf.
Die Erschütterungen, die Brahms an diesem Abend auslöste, verdankte er der Risikobereitschaft der Beteiligten, bei Ausdruck, Artikulation und Tempi an Grenzen zu gehen. Järvi ließ die sogenannten langsamen Sätze federn, statt dem bei Brahms so verbreiteten nordisch-schwerblütigen Duktus zu verfallen. Abgründig und tiefernst geriet die Musik gerade wegen der Unerbittlichkeit von Puls und Rhythmus.

Beethoven lässt grüßen
Anrührend auch, wie leichtfüßig diese Lesart sich in die Tradition der Klassiker stellte – Beethoven ließ ohnehin grüßen, aber auch Haydn, mit dessen "Militär-Sinfonie" das Konzert begann. Witz und Tragik wechselten hier, typisch Haydn, bruchlos ab. Nadelscharf flitzten die Achteltriolen; dass selten mal etwas wackelte, war bei den Tempi in einer Livesituation nicht nur zu verschmerzen, es war schlicht unerheblich. Und mit dem Auftritt dreier osmanischer Militärmusiker mit Schnauzer und Lametta-Pferdeschwanz, die mit Becken, Triangel und großer Trommel die Militärmusik zum zweiten Satz beisteuerten, war die Aschermittwochsparty perfekt.
Das Herz des Abends aber war Mozarts G-Dur-Violinkonzert mit der Solistin Alina Pogostkina. Das Stück gilt sonst als kleiner, nicht ganz ernst zu nehmender Bruder der Schwesterwerke in A-Dur und D-Dur. Doch hier hatte es vom ersten Takt ein völlig anderes Gesicht.
Während der Einleitung rockte Pogostkina dezent mit den einzelnen Stimmen mit und strahlte dabei wie ein Kind. Ihr erster Einsatz war weder geschmachtet noch brachial. Pogostkina setzte die Töne ihres Themas so schlicht und gezielt wie Worte, übrigens mit klassischem Bogen und auch sonst mühelos stilrein. Allein die frechen kurzen Vorschläge! Und wie Solistin und Orchester aufeinander eingingen, das konnte einen zu Tränen rühren.
Der Beifall für diese außerordentliche Leistung war so zurückhaltend, dass man sich kurz ein bisschen wunderte. Da musste Pogostkina erst in die Trickkiste greifen und die berühmte 24. Paganini-Caprice zugeben, nicht immer ganz blitzsauber, aber überaus geistreich und schlank musiziert, bis das Publikum überzeugt war. Ovationen.

http://www.abendblatt.de/kultur-live/article125525297/Alina-Pogostkina-gibt-Mozarts-G-Dur-ein-neues-Gesicht.html

Wednesday, March 05, 2014

Ein Bündel Orchestermusik

Klassik.com
Dr. Stefan Drees
04/03/2014

Armonica - Werke von Widmann, Kagel, Furrer & Ruzicka
Label/Verlag: Pan Classics

Das hr-Sinfonieorchester Frankfurt widmet sich unter Leitung von Paavo Järvi sechs Werken von vier zeitgenössischen Komponisten.
Unverkennbare Stile sind es, die auf dieser CD von Panclassics vereinigt sind: Unter Leitung von Paavo Järvi nähert sich das hr-Sinfonieorchester Frankfurt insgesamt vier zeitgenössischen Komponisten unterschiedlicher Generationen und lädt dazu ein, den ästhetisch differenten Umgang mit dem großen Orchesterapparat an mehreren Beispielen einsätziger Orchesterstücke über einen Zeitraum der letzten drei Jahrzehnte hinweg zu vergleichen.
Die Auswahl von Werken Mauricio Kagels (1924–2008), Peter Ruzickas (*1948), Beat Furrers (*1954) und Jörg Widmanns (*1973) erweist sich als apart; ihre Logik bleibt dem Zuhörer allerdings verschlossen, denn außer der Besetzung und der Tatsache, dass zwei der Stücke von den hier spielenden Interpreten aus der Taufe gehoben wurden, gibt es keinerlei Bezüge zwischen den Arbeiten der einzelnen Kompositionen. Lässt man sich allerdings auf die Zusammenstellung ein, kann man erleben, dass Järvi ein ausgesprochen starker Sachverwalter für diese Musik ist und – mit Hilfe eines mit ungemeiner Präzision spielenden Orchesters und von einem sehr klaren Klangbild unterstützt – die Eigenheiten der einzelnen Stücke hervorragend herauszuarbeiten versteht. Dass es sich dabei in allen Fällen um Live-Aufnahmen aus den Jahren 2008 bis 2012 handelt, vermag man angesichts dieser Qualität kaum zu glauben.
Einfallsreich eröffnet Kagels 'Etüde Nr. 3' (1996), deren einerseits enges und andererseits wandlungsfähiges metrisches Korsett Järvi in ein überraschend vielfältiges Farbenspiel taucht, den Reigen der sechs Kompositionen. Im Falle von Furrers 'Chiaroscuro – Für R.H.R' (1983/86) gewinnt das Spiel mit den Orchesterfarben noch weitaus größere an Bedeutung: Die charakteristischen Klänge eines vor allem in den Bassregionen eingesetzten Klaviers und die fein ziselierten Aktionen des Streicherapparats bilden die Pole, zwischen denen sich die musikalischen Ereignisse abspielen: Järvi schafft eine ausgeglichene Balance zwischen dem nervösen Geflecht aus unterschiedlichen, einander durchkreuzenden orchestralen Bewegungsverläufen und den zu identifizierbaren Gestalten gerinnenden Konturen, die immer wieder daraus hervorblitzen. Vom hier erkennbaren Wissen um die Stärken des hr-Sinfonieorchesters zeugt auch die Umsetzung von Ruzickas Orchesterstück 'Clouds' (2012), dessen Wirkung sich ganz aus dem Gegenüber von fein instrumentierten, in den Pianobereichen konzentriert dargebotenen Passagen und den in Wellen heranrollenden, jedoch klanglich immer anders wirkenden orchestralen Tuttis verdankt.
Der eigentliche Schwerpunkt der CD liegt indes auf drei Kompositionen Jörg Widmanns: In der 'Antiphon' für Orchestergruppen (2007/08) greift der Komponist eine dramaturgischen Idee aus die Praxis der Mehrchörigkeit auf, wobei jedoch der handwerkliche Aspekt der Kontrapunktik die Musik überwuchert. Der räumlichen Disposition, in der Aufnahme sehr gut nachvollziehbar, verleiht Järvi eine an den auskomponierten Gesten orientierte Formung, wodurch die Längen des Werkes einigermaßen überbrückt werden. Von den Interpreten klanglich fantastisch umgesetzt ist das Orchesterstück 'Armonica' (2006), dessen Raffinement darin besteht, dass Widmann das Orchester um eine aus Glasharmonika und Akkordeon zentrierte Klangachse lagert und den musikalischen Verlauf in Anlehnung an Atemzüge gestaltet. Warum dann allerdings am Ende der Produktion das obskure 'Souvenir bavarois' (2010) – vom Publikum frenetisch bejubelt – erklingt, erschließt sich mir nicht, ist dieses Stück klingenden Altherrenhumors mit seiner Verwurstung bayerischer Marschmusik (die ich im Gegensatz zum Bookletautor Joachim Berenbold weder als ‚geistreich‘ noch als ‚gewitzt‘ empfinde) doch eine eher peinliche Angelegenheit. Der Gesamteindruck der CD wäre ein besserer gewesen, wenn man darauf verzichtet hätte – und auf drei Minuten Spielzeit weniger wäre es nun wirklich nicht angekommen.
Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:
http://magazin.klassik.com/reviews/reviews.cfm?task=record&RECID=25947&REID=14990