Monday, December 19, 2016

Verve, Impetus und Elan mit Steven Isserlis und Paavo Järvi


bachtrack.com
Rolf Kyburz
17/12/2016

Dies war das erste von drei aufeinander folgenden, fast identischen Abonnementskonzerten in der Tonhalle, und trotz einer wenig eingängigen ersten Konzerthälfte war das Risiko für das Tonhalle-Orchester Zürich minimal: mit seiner russischen Herkunft ist Steven Isserlis prädestiniert für eine kompetente und authentische Interpretation des Cellokonzerts von Prokofjew. Mit Paavo Järvi agierte ein kompetenter, verlässlicher und sympathischer Gastdirigent auf dem Podium.



Steven Isserlis
© Kevin Davis

Prokofjews Cellokonzert mag auch bald 80 Jahre nach seiner Uraufführung 1938 oft noch herb, fast abweisend klingen, mir schienen in dieser Aufführung derartige Eindrücke jedoch schon gar nicht aufkommen zu wollen! Schon der erste Satz ist ganz tonal. Wer Prokofjews Klangsprache einmal akzeptiert, findet sich in einer Welt voll von sehr schönen Kantilenen, von oft fast klassischer Heiterkeit, beinahe Abgeklärtheit, zumindest im Adagio-Teil. Der Hörer brauchte für das Werk keine Aufwärmzeit: Steven Isserlis warf sich mit dem eröffnenden Solo gleich mit Verve in seinen Part und das Orchester setzte danach die Gesangslinie fast nahtlos fort. Prokofjew hat dabei so geschickt instrumentiert, dass das häufig im hohen Diskant spielende Solo und die schreitende Begleitung (meist im Fagott) stets hörbar bleiben, selbst da, wo die Violinen die Nebenstimme übernehmen.

Isserlis brachte seine ganze Leidenschaft in den Solopart ein, war sehr emotional auch im Vibrato (das aber in der Dosierung und Frequenz gut zu diesem Werk passte) und äußerst expressiv in den elegischen Segmenten. Sein Instrument glänzte mit einem hell-singenden, sehr ausgeglichenen Ton, problemlos tragend in den leisen Stellen, nie nasal verfärbt. Paavo Järvi dirigierte mit klarer Zeichensprache, hatte das Orchester rhythmisch und dynamisch stets unter Kontrolle. Dennoch ließ er dem Solisten genügend Freiraum und über weite Strecken schienen die Impulse aus dem Solopart zu kommen. Selbst wenn Isserlis orchestrale Segmente mit teils heftigen Kopfbewegungen begleitete, machte er damit dem Dirigenten nicht seine Rolle streitig.

Das Allegro giusto bringt eine stärkere Vermischung des Celloklangs mit dem Orchester, mehr Interaktion; dabei hat dieser Satz neben wunderschön aufblühenden Melodien und klassizistischen Anklängen auch einen Strauss an neckischen Motiven und ist voller Humor: unbegreiflich, dass dieses Konzert bei der Premiere auf Ablehnung stieß! Die Musik ist sehr abwechslungsreich, mit einem fast geflüsterten Mittelteil, con sordino im Solo; das Cello blieb trotzdem immer wahrnehmbar. Daneben enthält der Solo-Part aber extrem virtuose Passagen: passioniert, aus dem Inneren heraus musiziert. Dieser Teil ist äußerst schwierig in der Intonation, wurde aber von Isserlis klaglos gemeistert, soweit technisch möglich.

Der Schlusssatz ist länger als die beiden ersten zusammen, aber dennoch kein Monstrum, sondern eine Folge von vier Variationen, zwei Interludien und einem mehrteiligen Abschluss. Er beginnt mit einem einprägsamen Thema, das zwar ruhig schreitet und doch drängend im Ausdruck bleibt. Die Variationen führen über äußerste Virtuosität (an der Grenze des Artikulierbaren, aber bei Isserlis nicht extrovertiert) und Serenaden-Heiterkeit zu einem Kadenz-artigen Interludium, hier verspielt und unprätentiös interpretiert: der Solist schien fast verträumt den verklingenden Tönen nachzuhorchen. Mit der vierten Variation schwächt sich die Bindung an das Thema, erst recht über die darauffolgende Reminiscenza, hin zur Coda mit dem fulminant-dramatischen Schluss. Faszinierende Musik in einer packenden, intensiven und lebendigen Interpretation! Als Zugabe spielte Steven Isserlis aus den 12 leichten Stücken für Klavier, Op.65 von Prokofjew die Nr.10, den unterhaltsamen Marsch in C-Dur (arrangiert von Gregor Piatigorsky).

Paavo Järvi
© Ixi Chen

Nach der Pause folgte die (halbe) Stunde des Orchesters. Paavo Järvi nahm das Lebhaft des Kopfsatzes der Rheinischen Symphonie wörtlich, dirigierte mit Schwung, eher luzid denn rheinisch-schwerfällig, impulsiv, herzerwärmende Lebenslust und Glück ausstrahlend; die nachdenklichen Momente bleiben episodisch. Zentral, wie oft bei Schumann, war der Glanz der vier Hörner: prachtvoll, aber nie schmetternd. Die Interpretation des Scherzos schien mir erzählerisch-durchsichtig, mit sprechendem Rubato, welches an die Koordinationsfähigkeit und Flexibilität des Orchesters hohe Ansprüche stellte. Der Mittelsatz war detailliert, vermied aber Härten und Übertreibungen (z.B. in den fp-Akzenten), sowie Extreme in Dynamik und Artikulation. Für mich eine gediegene Interpretation im besten Sinne des Wortes, wie schon im Vorgängersatz im ppp entschwindend.

Das nachfolgende Feierlich beginnt schreitend, dominiert vom satten Legato der Hörner und Posaunen, wie eine Trauermusik, mit langgezogenen Melodielinien. Järvi schaffte es hier, in einer langen Steigerung, auch über piano-Passagen hinweg, kontinuierlich Spannung aufzubauen, hin zu einer Serie von Fanfaren, wonach die Musik in Ruhe ausklingt – nur um überzugehen in das flüssige, leichtfüßige Tempo des Finales. Interessant fand ich hier, wie der Dirigent für die zwei p-Akzente kurz bremste, um sogleich wieder zum Originaltempo zurückzukehren. Allgemein nutzte Paavo Järvi ein lebhaftes Rubato, dem das Orchester problemlos folgte: die Musiker ließen sich mitreißen und mittragen.

Ich empfand die Arbeit von Dirigent und Orchester als ausgezeichnet, überzeugend und geschlossen. Gar eine Spitzenleistung?

https://bachtrack.com/de_DE/kritik-tonhalle-orchester-paavo-jaervi-steven-isserlis-prokofjew-schumann-zuerich-dezember-2016

PAAVO JÄRVI ANNOUNCED AS THE WINNER OF TWO RECORD ACADEMY AWARDS IN JAPAN

paavojarvi.com



At the 54th RECORD ACADEMY AWARD in Tokyo today, Paavo Järvi was announced as the recipient of two prestigious prizes: The Complete Nielsen Symphonies recorded with the Frankfurt Radio Symphony was voted “Gand Prix (Silver Prize): Best Symphony Recording” and his second CD release as Chief Conductor of the NHK Symphony Orchestra featuring Richard Strauss’ Don Quixote, Till Eulenspiegel & Der Rosenkavalier Suite was voted “Best Orchestral Recording”. Both releases appear on the RCA Red Seal label of Sony Music.

These two recordings were particularly special projects for Paavo Järvi. The Nielsen Cycle was performed and recorded over several years in Frankfurt during his time as Principal Conductor (2006 – 2013). As Paavo commented, “Carl Nielsen’s symphonies are rarely performed and even more rarely recorded so it was an important opportunity to bring a new audience to this great music. That audiences not only throughout Europe but also in Japan have come to appreciate these less known works has been truly uplifting.”

Of his recording project with the NHK Symphony Orchestra Paavo said “For our recording of Strauss to be chosen as the best recording in the orchestral category is particularly momentous as it is a recognition of our collaboration together as conductor and orchestra. When I was thinking about this recording project, it brought to mind the NHK Symphony Orchestra’s great tradition, its famous sound, and the conductors who have had a deep influence on it. It is well-known that this orchestra has a very German character because of the long performance tradition with some of the greatest German and Austrian conductors … Listening to our Strauss recording, I can say without any hesitation, that the result has even exceeded my expectations. I am so impressed with the tightly knit ensemble playing of the orchestra: all the musicians are very detail oriented and the result is very polished and well-worked out. What also made me personally very happy was, along with this high level of achievement and deep affinity for the music, the orchestra’s openness to suggestions and discussion. They were ready for and accepting of ideas that they might not have tried before, and we immediately became a good team.”

The RECORD ACADEMY AWARD is organized by RECORD GEIJUTSU Magazine (literally, “The Art of Record” in Japanese), published by the ONGAKU-NO-TOMO Company (literally “Friends of Music” in Japanese) and is given annually to the best classical music discs in 15 different genres/categories by the vote of the selection committee comprising Japanese classical music critics and journalists. The Award was created in 1963 and is regarded as one of the most authoritative in the world of classical music.

http://www.paavojarvi.com/paavo-jarvi-announced-as-the-winner-of-two-record-academy-awards-in-japan/

Isserlis Persuasive in Prokofiev Concerto; Järvi delights with the ‘Rhenish’


seenandheard-international.com
John Rhodes
16/12/2016

Prokofiev – Cello concerto
Schumann – Symphony No.3, ‘Rhenish’


Steven Isserlis (c) Jean Baptiste Millot

Prokofiev’s Cello Concerto is no household favourite by any stretch of the imagination. When composed, in 1938, it was considered “soul-less”. In Isserlis’s expert hands the concerto becomes soulful. The première was reportedly a fiasco, but there was much criticism (by Hans Richter, for one) of the conductor and soloist. It took until 1947 to be rediscovered, by Rostropovich, who then urged Prokofiev to re-write it as a Sinfonia Concertante, actually hoping – Isserlis suspects – for a brand new work. The revision (Op.125), whilst eclipsing its predecessor, has also found no favour.

Isserlis, one of the world’s leading cellists for a generation, has been championing the original work (Op.58) and recorded it last year, to considerable acclaim, with the Frankfurt Radio Symphony Orchestra under Paavo Järvi.

The work does not make for particularly easy listening: the last movement consisting of interludes and a series of variations (seemingly on the first three notes of the chimes of Big Ben) is a mite over-long. It’s rugged but never as bleak as Shostakovich could have made it; the solo part is difficult (no hurdle for Isserlis, of course) and rather unrewarding. The work does have some beautiful passages and the jaunty orchestral accompaniment reminds one of the sound world of Romeo and Juliet, but without the tunes.

Isserlis, with Järvi’s assistance, made a persuasive case for the “original” version. Few are persuaded the concerto is actually a masterpiece, but it’s certainly well worth hearing. Watching Isserlis is an added bonus: with his mop of curly grey hair, he casts his eyes to the heavens when not playing and visibly adores the work. In the first movement, Isserlis conjures up some surprising sounds and builds up great tension. There are some almost witty passages, as one might expect from Prokofiev, and here Isserlis conveys a sense of fun. However, the feeling of a malevolent presence hardly ever leaves the work. After a fast and furious Coda, Isserlis rewarded us with some playful Kabalevsky and cheeky grimaces.

Schumann’s Third Symphony, the ‘Rhenish’, is named after the River Rhine which flows majestically through the cities of Cologne and Düsseldorf. I lived in Düsseldorf for a few years in the late Sixties and themes from Schumann’s symphony were used on local television to introduce and sign off a regional news programme, ‘Hier und heute’, here and today. All the locals knew the melody even if few recognised its provenance. Schumann was inspired to write the symphony after a happy trip, with his wife Clara, to the Rhineland, Schumann later becoming Municipal Music Director in Düsseldorf.

The first movement opens with a surging heroic theme and the whole movement has an ever-present flow, like the Rhine itself. The second movement is a Scherzo, a rustic Ländler evoking the days when the Rhineland was not yet heavily industrialised; the third movement brings calm repose before a fourth movement in which Järvi skilfully built up and overlaid the chorale-like themes. Järvi has recorded the work, a few years ago, with the Deutsche Kammerphilharmonie, Bremen, and he uncovers phrases which in ordinary performances of the work are usually unheard. The final movement brought a smile to everyone’s face and the joyous finish ensured warm applause. The orchestra clearly warmed to Järvi, he would be a contender as Bringuier’s successor; could he combine the Tonhalle with the NHK Symphony of which he became the Chief Conductor last year, with an initial contract of three years?

http://seenandheard-international.com/2016/12/isserlis-persuasive-in-prokofiev-concerto-jarvi-delights-with-the-rhenish/

Ist das der neue Chefdirigent?

nzz.ch
Moritz Weber
18.12.2016

Paavo Järvi zählt zu den möglichen Kandidaten für den Posten des Chefdirigenten beim Tonhalle-Orchester. Seine Qualitäten bewies er jetzt in einem Konzert mit Musik von Schumann, Kurtág und Prokofjew.

Paavo Järvi tritt ruhig aufs Podium, die Musiker des besetzten Tonhalle-Orchesters strahlen, und noch bevor der Auftrittsapplaus ganz verebbt ist, gibt der 53 Jahre alte Dirigent den Einsatz zur «Rheinischen» von Robert Schumann. Voller Schwung und wie mit Siebenmeilenstiefeln scheint das Hauptthema in einem grossen Bogen über die ersten Takte des Werks hinweg zu fliegen.

Klingt so der Prolog zu einem neuen Kapitel in der Geschichte des Zürcher Orchesters? Bekanntlich muss schon recht bald ein Nachfolger für den 2018 scheidenden Chefdirigenten Lionel Bringuier gefunden werden. Das Kandidatenkarussell sollte sich also ziemlich schnell drehen, wenn die Intendanz bereits zur Saison 2018/19 einen Chefdirigenten – oder eine Chefdirigentin – mit angemessener internationaler Reputation verpflichten will.
Ein Kandidat von Format

Zweifellos ist der Este Paavo Järvi ein Kandidat von Format, seine bisherige Arbeit als Chefdirigent einiger Orchester in Europa, Japan und den USA sowie seine zahlreichen hervorragenden Aufnahmen zeugen davon. Zu ihnen gehören etwa seine preisgekrönten Einspielungen der Sinfonien Carl Nielsens oder von Henri Dutilleux’ Orchestermusik, die Gesamtaufnahmen der Beethoven-Sinfonien sowie nicht zuletzt alle Schumann-Sinfonien. Beide Werkzyklen hat er mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen eingespielt, wo er seit 2004 überaus erfolgreich als künstlerischer Leiter amtiert.


Der 53 Jahre alte Dirigent Paavo Järvi wäre ein hervorragend geeigneter Kandidat für die Nachfolge von Lionel Bringuier in Zürich. (Bild: PD)

http://www.ad-hoc-news.de/news/paavo-jaervi-zaehlt-zu-den-moeglichen-kandidaten-fuer-den-posten-des/52491026

Thursday, December 15, 2016

Пааво Ярви: «Музыка должна нести любовь и мир в каждую семью»

Санкт-Петербургские музыкальный вестник
Виктор АЛЕКСАНДРОВ,
07/12/2016

Пааво Ярви: «Музыка должна нести любовь и мир в каждую семью»

Шестой международный фестиваль Ярви в эстонском городе Пярну собрал тысячи любителей классической музыки. Еще в 70-х годах прошлого столетия знаменитый скрипач Давид Ойстрах задумал провести на берегах Балтии небольшой музыкальный фестиваль, в дальнейшем ставший брендом музыкальной Эстонии. Сегодня фестивальную эстафету успешно продолжает именитая династия артистов, главой которой является патриарх эстонской дирижерской школы Неэме Ярви. В течение недели на сцене Концертного зала и других площадках города выступили свыше 150 музыкантов из разных стран мира.

— Мы стараемся превратить Пярну в один из европейских музыкальных центров, — рассказывает Неэме Ярви, — Образовательные проекты летней Академии в Пярну очень полезны молодым дирижерам, которым мы даем шанс максимально проявить себя в концертах со сводным симфоническим оркестром. Я уверен, что каждый из них получает необходимый опыт в профессии. Для меня важна постановка рук, дирижерская пластика.

К сожалению, у многих дирижеров руки не поставлены, сами они внутренне зажаты. А ведь еще и о музыке надо думать. Совмещать эти вещи очень трудно.

Фестиваль открыло выступление латвийского оркестра «Симфониетта Рига» под управлением Пааво Ярви с программой из сочинений Сергея Прокофьева, Арво Пярта, Йозефа Гайдна и Вольфганга Амадея Моцарта.

В Концерте для флейты и арфы с оркестром Моцарта солировали выдающиеся музыканты современности, концертмейстеры оркестра де Пари и Берлинской филармонии: Мари-Пьер Лангламе (арфа, Франция) и Венсан Люка (флейта, Франция).

В церкви Святой Елизаветы состоялись концерты камерной музыки с участием замечательного чешского ансамбля «Haba квартет». Музыканты впервые приехали на Фестиваль Ярви (все они играют в оркестре Франкфуртского радио). В их исполнении прозвучала музыка чешских классиков: струнный квартет № 2 «Интимные письма» Леоша Яначека и Первый струнный квартет Бедржиха Сметаны «Из моей жизни».

Главным героем летней музыкальной недели стал Эстонский фестивальный оркестр во главе с художественным руководителем фестиваля маэстро Пааво Ярви. Ежегодно в Пярну съезжаются музыканты из лучших коллективов Европы, включая оркестры Германии и Франции, с которыми регулярно сотрудничает Пааво Ярви. Отрадно было видеть здесь и нашего соотечественника — трубача Владислава Лаврика, солиста Российского национального оркестра.

— Эстонский фестивальный оркестр, — говорит Пааво Ярви, — одна большая единая семья, где музыканты прекрасно общаются друг с другом. Продолжает работу Фестивальная академия, в которой молодые дирижеры совершенствуют свое мастерство под руководством выдающихся педагогов.

Маэстро Пааво Ярви любезно согласился ответить на несколько вопросов.

В Академии преподаете и вы, и Леонид Грин, и ваш отец Неэме Ярви. Как это все сочетается?

— У нас одна общая школа — школа Николая Рабиновича. Это был один из корифеев ленинградской дирижерской школы наряду с Ильей Мусиным. Множество дирижерских секретов папа в свое время раскрыл мне и моему брату Кристиану. Сегодня мы стараемся передать это молодым начинающим дирижерам.

Вы пропагандируете музыку современных эстонских композиторов: Арво Пярта, Лепо Сумера, Эркки-Свена Тююра…

— Практически в каждом выступлении с любым оркестром мира я стараюсь исполнять произведения композиторов своей страны. В этот раз в Пярну наряду с сочинениями Арво Пярта, Вельо Тормиса прозвучала колоритная пьеса для оркестра «Заклинание бури» — недавнее произведение Эркки-Свена Тююра. Сегодня это один из самых исполняемых эстонских композиторов нашего поколения наряду с Арво Пяртом, Лепо Сумера и Тыну Кырвитсом. В этом году на фестивале мы впервые учредили премию имени Лепо Сумера. Ее обладателем стал молодой эстонский композитор Тойво Тулев.

В каждом из фестивалей у вас уже сложилась добрая традиция приглашать новых именитых солистов, еще незнакомых эстонской публике. В прошлые годы это были Хилари Хан, Стивен Иссерлис, Катя Буниатишвили. В этот раз — Виктория Муллова.
— Я очень рад, что почетной гостьей фестиваля этого года стала замечательная скрипачка Виктория. У Виктории колоссальный исполнительский опыт, ее глубоко личные интерпретации не могут не восхищать! В каждое новое исполнение Концерта Сибелиуса она вносит массу ярких красок и эмоциональных оттенков.

Финансирует ли правительство страны фестиваль в Пярну? Проявляют ли внимание к культурным событиям власти города?
— Да, нас очень хорошо поддерживает министерство культуры Эстонии, но мы не отказываемся и от частных спонсоров, без которых проведение такого праздника музыки вряд ли возможно.

А количество публики на наших концертах постоянно увеличивается. Классическая музыка должна нести на своих крыльях любовь и мир в каждую семью — тогда и гармония станет нашим верным союзником жизни.

Фестиваль завершился гала-концертом Эстонского фестивального оркестра под управлением Пааво Ярви. Молодая китайская пианистка Чжан Цзо покорила эстонскую публику исполнением Первого фортепианного концерта Людвига Ван Бетховена. В той же программе прозвучали Шестая симфония Дмитрия Шостаковича и оркестровая фантазия Модеста Мусоргского «Иванова Ночь на Лысой Горе» (в авторской версии 1867 года). Пааво Ярви предпочел первоначальный вариант партитуры вместо редакции Римского-Корсакова, чтобы максимально ощутить смелый гармонический язык Мусоргского.

http://nstar-spb.ru/musical/print/interview/paavo-yarvi-muzyka-dolzhna-nesti-lyubov-i-mir-v-kazhduyu-semyu/

Friday, December 09, 2016

„Es war ein durchaus riskantes Projekt“


Weser Kurier
Iris Hetcher
09/12/2016

Dirigent Paavo Järvi über die Einspielung aller Beethoven-Sinfonien mit der Deutschen Kammerphilharmonie
Herr Järvi, die Beethoven-Box mit allen neun Sinfonien ist fertig. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und Sie hatten in den vergangenen zehn Jahren eine Art Langzeitbeziehung mit dem Komponisten. Sind Sie jetzt erst einmal durch mit Beethoven?


Beethoven wird ihn immer begleiten, doch derzeit blickt Paavo Järvi schon auf die kommenden Projekte mit der Kammerphilharmonie. (Michael Galian)


Paavo Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen geben gemeinsam mit dem Pianisten Menahem Pressler am 9., 10. und 11. Dezember Konzerte in der Glocke. Es gibt jeweils Restkarten an der Abendkasse. (JULIA BAIER, Baier und Julia)

Paavo Järvi: Das fühlt sich erst einmal so an. Aber da im Jahr 2020 das große Beethoven-Jubiläum ansteht, setzen wir die Beziehung sozusagen fort mit mindestens zwei Zyklen. Wir spielen die Sinfonien beispielsweise in China und an anderen Orten.

Es gibt also kein Leben ohne Beethoven.

Das Orchester ist für seinen Beethoven weltweit bekannt. Er wird also immer Teil unseres Repertoires sein. Alle Sinfonien sind aufgenommen, das war schon ein großes Projekt.

Wenn man die Box durchhört, fällt einem als Grundton eine gewisse Klarheit und Frische auf, Sie dirigieren zügig, manchmal mischen sich spielerische Momente darunter. Was hat Sie am meisten an der Zusammenarbeit mit dem Orchester beeindruckt?

Es war ein durchaus riskantes Projekt. Als ich begonnen habe, mit dem Orchester zu arbeiten, habe ich allerdings sofort gedacht: ‚Wenn ich Beethoven aufnehme, dann mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen‘...

...warum?

Weil die Art, wie die Musiker Beethoven interpretieren, mir sehr vertraut und logisch vorkam. Diese traditionell mit Beethoven verknüpfte Schwere fehlt; dieser Ansatz, mit dem wir alle aufgewachsen sind. Ich komme aus einer Dirigenten-Familie und bin mit sehr vielen Versionen der Beethoven-Sinfonien aufgewachsen. Und immer war die allgemeine Herangehensweise so: Wenn es Beethoven ist, ist es großartig, wenn es großartig ist, ist es sehr ernsthaft und hat sehr viel Tiefe. Was bedeutet, man muss es langsam spielen...

...und möglichst düster.

...und düster, allerdings. Und immer, wenn man dann an Beethoven denkt, denken alle an diese Schwere, diese Gravitas. Das gilt als die Wahrheit, die man nicht infrage stellen darf. Aber wenn man sich die Musik anschaut, sieht man, er hat eigentlich etwas ganz anderes geschrieben, hat sehr genau notiert, wo er sich ein Legato vorstellt und wo mehr Dynamik. Also haben wir uns gedacht: Wir schauen mal, was passiert, wenn man es so spielt, wie es notiert ist. Und das ist jetzt das Resultat.

Welche Rolle hat das Wort Respekt bei Ihrer Interpretation gespielt?

Es gibt diese sehr dünne Linie zwischen Tradition und Respekt und ebenso Text. Unsere Beschäftigung mit allen Dreien hat uns nicht nur in der Interpretation herausgefordert, sondern auch als Persönlichkeiten. Haben wir wirklich das Recht, die Tradition infrage zu stellen? Wo ist der Übergang zwischen Tradition und einfach nur einer schlechten Angewohnheit? Wo ist der Respekt für den Text, oder geht es nicht eher um den Respekt vor der Auffassung anderer Dirigenten? Die meisten Menschen, deren Interpretation von Beethoven wir auf CD hören, haben Beethoven nie getroffen. Also: Wenn man beginnt, in größeren Zusammenhängen zu denken, tun sich da ganz schön viele Fragen auf. Am Ende steht dann immer die Kardinalfrage: Wie sehr ist man bereit, ein Risiko einzugehen, und ist es das wert?

Was hat den Ausschlag gegeben, das Risiko einzugehen?

Für mich gab es da rein musikalische Gründe. Wenn im Text Allegretto steht und jeder lässt es als Adagio spielen und ignoriert auch ansonsten alle Anmerkungen Beethovens, dann geht es darum, ob man dem Text mehr Glauben schenkt oder der Interpretation eines Dirigenten. Dabei geht es mir nicht um richtig oder falsch, aber genau an dem Punkt wurde es für mich spannend. Wobei viele Menschen im Vorfeld gesagt haben, klingt interessant, aber das ist eigentlich verkehrt.

Richtig oder falsch kann es in der Musik doch eigentlich gar nicht geben, oder?

Das kommt darauf an, wen Sie fragen. Es gibt schon Menschen, die denken, sie seien im Besitz der Wahrheit. Aber es ist viel besser geworden, andere Auffassungen werden durchaus akzeptiert.

Was Sinfonien angeht, ist Beethoven ein Titan. Wer ist das für Sie noch?

Brahms, Mozart und Haydn.

Haydn wird oft unterschätzt, er gilt eher als Leichtgewicht.

Wenn es um sinfonische Musik geht, ist er der Größte, seine Behandlung der formalen Aspekte ist perfekt. Es gäbe keinen Mozart, keinen Beethoven, keinen Schubert, Brahms oder Mahler ohne Haydn.

Wann also widmen Sie sich gemeinsam mit der Kammerphilharmonie Haydn?

Möglichst bald. Auf jeden Fall planen wir, die Londoner und die Pariser Symphonien aufzunehmen. Aber jetzt sind wir erst einmal mit Brahms beschäftigt. Und dann vielleicht mit Schubert, das wünsche ich mir jedenfalls.

Was fasziniert Sie an Schubert?

Er wird ebenso wie Haydn unterschätzt, aber er war wirklich ein Genie – ein großer Komponist. Schubert wird immer nur als Lieder-Komponist eingestuft, schon zu seinen Lebzeiten war das so. Das hat sich als Auffassung von ihm so eingeschlichen und es dauert lange, ehe sich so etwas wieder ändert. Es ist sehr subtile, farbenreiche Musik, nichts für eine Zeit wie die heutige, in der einfache, laute Finale angesagt sind. Deshalb ist es auch eher schwierig, ein großes Publikum für Schubert zu gewinnen.

Sie bezeichnen die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen immer als „meine Familie“. Ist das nicht etwas pathetisch?

Ja, aber warum nicht? Natürlich klingt das wie ein Stereotyp, aber es stimmt. Wir kennen uns seit rund 20 Jahren. Ich verbringe mit den Musikern mehr Zeit als mit meinen Kindern. Gerade waren wir drei Wochen auf Asien-Tournee, haben zusammen gegessen, sind zusammen gereist, wir sind sehr eng miteinander.

In Asien ist die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ungeheuer populär, allein, wenn man sich die hohen Verkaufszahlen der CDs anschaut. Wie erklären Sie sich das?

Es könnte etwas mit der Mentalität zu tun haben. Die Japaner beispielsweise sind ein sehr loyales Publikum und die Rolle, die klassische Musik spielt, ist eine andere.

Inwiefern?

In Europa oder den USA ist klassische Musik zu einer Art Unterhaltung vor oder nach dem Essen geworden; man macht sich einen netten Abend. In Asien und vor allem in Japan hat der Besuch eines Konzerts noch viel mehr von einer spirituellen Erfahrung. Das hat vielleicht damit zu tun, dass klassische Musik nicht eine der dortigen traditionellen Kunstformen ist und man ihr daher mit mehr Respekt und Bewunderung begegnet. Die Asiaten wissen grundsätzlich ungeheuer viel über Klassik, und in Japan gelten die deutschen Komponisten, aber auch Dirigenten, als Meilensteine der Klassik.

Was steht bei der Kammerphilharmonie und Ihnen als Nächstes an?

Wir stecken mitten in unserem Brahms-Projekt und müssen noch drei CDs fertigstellen. Ich hoffe, dann können wir uns Schubert, Mozart oder Mendelssohn widmen. Aber wir haben ja noch etwas Zeit uns zu entscheiden. Jetzt ist uns Brahms wichtig.

Noch einmal zurück zu Beethoven - gibt es für Sie persönlich einen Liebling unter den neun Sinfonien?

Ich mag die Eroica, die dritte Sinfonie. Sie ist revolutionär, sie stellt einen Bruch dar mit Konventionen. Die Musik musste sich entscheiden, ob sie politisch oder reine Musik sein will. Die Eroica ist somit ein erster Schritt in Richtung sozial bewusster Kunst. Auch wie er die Sinfonie geschrieben hat, ist einzigartig. Bis zu diesem Moment gab es diese Art von Sinfonie nicht, er hat viele Regeln gebrochen. Nehmen Sie nur den Anfang, das Stück beginnt ohne Einleitung, es ist, als wird dem Zuhörer zwei Mal ins Gesicht geschlagen. Ein Weckruf für die Welt und die Etablierung eines neuen Standards für die Sinfonie, einfach außergewöhnlich. Bruckner und Mahler wären ohne Beethoven nicht möglich gewesen.

Sie haben alle Sinfonien am Stück auf Festivals gespielt. Wäre das nicht auch denkbar für Bremen, so eine Art Beethoven-Wochenende?

Das klingt gut. Ich denke aber, dass wir in den vergangenen Jahren so viel Beethoven in Bremen gespielt haben, dass das Publikum hier lieber etwas Neues von uns hören möchte. Außerdem haben wir immer so viele Ideen, was wir alles noch machen wollen. Obwohl: Beethoven verdient das natürlich immer.

Das Gespräch führte Iris Hetscher.

Paavo Järvi signiert die Bremer Edition der neun Beethoven-Sinfonien am Freitag, 14.30 Uhr, im Kundenzentrum des Pressehauses an der Martinistraße 43. Die Box gibt es dort am Freitag zu Sonderkonditionen zu kaufen.

Paavo Järvi ist seit 2004 Künstlerischer Leiter der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Järvi stammt aus einer Familie von Dirigenten. Er hat für seine Arbeit, auch als Chefdirigent des NHK Symphony Orchestra Tokyo, diverse Preise erhalten.

http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-kultur-freizeit_artikel,-%E2%80%9EEs-war-ein-durchaus-riskantes-Projekt%E2%80%9C-_arid,1511285.html

Thursday, December 01, 2016


NHKSO.or.jp
01/12/2016



「『管弦楽部門』での最優秀CDに選んでいただけたということは、まさに私たちの演奏活動の成果を認識いただけたことの証左であり、とても重要なことと考えています。」


「N響とのシュトラウスの演奏は、録音としての成果が私の期待を遥かに上回るものであり、個人的に嬉しく思ったのは、N響の楽員のみなさんがこれまでトライしたことがなかったようなアイデアを柔軟に受け入れてくれて、演奏や解釈についての新たな提案や話し合いに非常に積極的であったことでしょう。私たちは素晴らしい『チーム』になったのです。」


今後は「R.シュトラウス交響詩チクルス」の第3弾(ツァラトゥストラはこう語った、ほか)のリリースも予定され、また2017年2月末から3月には、ベルリン、パリ、ロンドン、ウィーンなどヨーロッパ主要7都市を巡るツアーが行われます。さらに充実したパーヴォ&N響の活動にご注目ください。


2016年度 第54回レコード・アカデミー賞 受賞ディスク一覧

http://www.ongakunotomo.co.jp/m_square/record_academy_total/2016.html


ソニーミュージック インフォメーション

http://www.sonymusic.co.jp/artist/PaavoJarvi/info/475906


パーヴォ・ヤルヴィ N響指揮公演

http://www.nhkso.or.jp/news/17075/?utm_content=buffer77078&utm_medium=social&utm_source=twitter.com&utm_campaign=buffer