Rondo review of Schubert from Manuel Brug
Er muss – auch aufnahmemäßig – immer auf mehreren Hochzeiten tanzen. Während der Este Paavo Järvi gerade mit seinem Orchester der Tonhalle Zürich bei Mahler tief gründelt, haut er mit seinen langjährigen Mitklangverschworenen der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen den kompletten Schubert sinfonisch weg. Doch so rüde klingt das nicht: Die zweite Lieferung mit den jugendlich anmutigen Sinfonien Nr. 5 B-Dur und Nr. 6 der „kleinen“ in C-Dur gelingt als Lehrstunde aufmerksamen Kontrastivmusizierens im Geist einer flotten, frischen, gemütsguten, aber frühen Romantik.
Das atmet in jedem Takt Elan, Vitalität, gespannte Begeisterung und schwunghaften Esprit bei allen Beteiligten. Das Klangbild mit diesem Orchester, das historische Blechblasinstrumente einsetzt, ist gewohnt schlank und engmensuriert, dabei nie knallig oder grob, aber direkt und zupackend. Nie wird die frühe Entstehung dieser Partituren des etwa 20-jährigen Schubert um 1816-18 negiert: Was simpel wirken mag, bekommt schlichtschöne Naivität, die herzensfroh aufblüht, aber auch in mutwilliger Brillanz des Dialogisierens von Streichern und Bläsern Spaß an sich selbst hat.
Ganz egal, welchen Einzelsatz man herausgreift – das zärtliche Andante der 6. mit seinen ländlich-pastoral anmutenden Weisen oder das gelöst vorwärtsstürmende Finale, das nie überschnappt, die helle Atmosphäre klarer Linien im Kopfsatz der 5. oder deren graziös-grobes Menuetto – nach Beethoven, Brahms tutto completto sowie etwas Haydn muss man einfach konstatieren: Die Nordlichter finden auch bei Franz Schubert als wienerischstem aller österreichischen (oder geschickt eingemeindeten Komponisten) einen überzeugend idiomatischen Zugang – durchaus auch mit vorsichtigem Sentiment, aber ohne zu viel Zucker. Da dürfen ruhig auch noch die beiden ausstehenden Schubert/Järvi-Lieferungen kommen.
Comments