CONCERT REVIEW: Aufschäumend und mit Anmutung

Aufschäumend und mit Anmutung
VON STEFAN RÜTTER
Kolner Stadt-Anzeiger, 02.12.06

Ein „kleines Wiener“ ordert man gemeinhin in der Bäckerei. In der laufenden Spielzeit allerdings hat auch die Kölner Philharmonie ein „kleines Wiener“ im Angebot: Unter diesem Titel nämlich sind die beiden Gastspiele der Wiener Philharmoniker zu einem Miniatur-Abonnement zusammengefasst. Der erste Abend stand unter Leitung des estnischen Dirigenten Paavo Järvi, der mit den Konzerten in Paris und Köln zugleich seinen Einstand bei dem Eliteorchester gab. Wollte man nun, um im Bilde zu bleiben, an dieses Debüt die hohen Maßstäbe des Backhandwerks anlegen, so wäre festzustellen, dass es in der Krume mehr überzeugte als in der Kruste, im Klang mehr als in der Linie, in der weichen Verblendung der Farben mehr als im gestisch-rhythmischen Aufriss. Auf dem Programm standen Mozarts Ouvertüre zur „Zauberflöte“, die Sinfonie D-Dur Hob. I:104 von Joseph Haydn und Franz Schuberts „große“ C-Dur-Sinfonie. Alle drei Werke eröffnen mit einer langsamen Einleitung, in der Maestro und Musiker gemeinsam atmen und koordiniert empfinden müssen. Hier waren dem Orchester Järvis Willensäußerungen offenbar nicht deutlich genug: es gab Unschärfen und kleine Schlieren, zumal bei Mozart und Haydn.

Das erledigte sich freilich mit dem Übergang ins rasche Tempo gewissermaßen von selbst. Überhaupt griff Järvi wenig in den sinnfälligen Fortgang der Ereignisse ein. Es blieb durchgängig bei einem lockeren Fluss, bei sattem Strich, moderaten Tempi und einer weitgehend mittig eingestellten Dynamik. Wenn man bedenkt, zu welcher Schärfe der Klangrede ein Nikolaus Harnoncourt die Wiener anstacheln kann, dann stimmte der Rückfall in philharmonische Weichzeichnerei nicht unbedingt froh.

Allerdings muss man dem Esten zugute halten, dass manches, was er anzeigte und forderte, vom Orchester nur in Maßen umgesetzt wurde. Die gegentaktigen Betonungen des Seitenthemas im Schubert-Finale etwa konnte man sehen, aber nicht hören, ebenso die rhythmischen Finessen im Menuett der Haydn-Sinfonie. Da hatte es dann mitunter den Anschein, dass die Musiker im selbstbewussten Vertrauen auf eine große Tradition Detailentscheidungen gar nicht erst aus der Hand gaben.

Dieses Selbstbewusstsein ist ja in der Tat gut begründet. Das Spielniveau des Orchesters bleibt auch bei einem mit Verlaub - eher blassen Abend phänomenal. Schuberts C“-Dur-Sinfonie bot dazu reiche Anschauung. Wie sich im Andante con moto die Holzbläser zur Anmutung eines zarten Orgelregisters vereinten, wie im Finale die Streichertriolen vital aufschäumten, wie der Tutti-Klang noch in der äußersten Zurücknahme körperhaft und gesättigt blieb - das sind eben die Wiener, das kann man nirgends sonst so hören.

Diese Qualitäten indes auch für eine flexible und risikofreudige Interpretation zu nutzen, das behielt Järvi der elegischen Zugabe vor, Jean Sibelius' „Valse triste“.

Comments

Josefina Valera said…
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