Thursday, October 11, 2018

Je grösser die Herausforderung, desto mehr glänzt der Maestro

nzz.ch
Thomas Schacher
11.10.2018

Das Publikum strömte zu dem Konzert, mit dem Paavo Järvi, der künftige Chefdirigent des Tonhalle-Orchesters, quasi seinen Einstand gab – und die Zeichen für die Zukunft stehen gut. Järvi erwies sich als sensibler Koordinator und souveräner Gestalter.



Mit sicherer Hand weiss Paavo Järvi auch Mahlers gewaltige Klanglandschaften zu formen. (Bild: Brescia e Amisano)

Offiziell beginnt die Amtszeit von Paavo Järvi als Chefdirigent und Musikdirektor des Tonhalle-Orchesters erst in einem knappen Jahr. Doch Järvi gastiert bereits in der Saison 2018/19 mit vier Programmen in Zürich und gibt damit einen Vorgeschmack auf das, was von ihm in Zukunft zu erhoffen ist.

Mit grosser Spannung erwartete man deshalb den ersten Auftritt des estnischen Dirigenten vom vergangenen Mittwoch, dem der Charakter eines De-facto-Einstands zukam. Der Konzertsaal in der Tonhalle Maag war so gut wie ausverkauft, das Tonhalle-Orchester spielte mit der ersten Garnitur seiner Mitglieder. Und Järvi – das sei vorweggenommen – erfüllte die hochgesteckten Erwartungen mehr als genug, ja am Schluss des Konzerts wurde er vom Publikum für Zürcher Verhältnisse geradezu euphorisch gefeiert.

Strukturbewusstsein

Mit Franz Liszts erstem Klavierkonzert und Gustav Mahlers fünfter Sinfonie hat Järvi zwei zentrale Kompositionen des europäischen Repertoires aus dem 19. Jahrhundert ausgewählt. Dass das Klavierkonzert quasi als Vorprogramm für die Sinfonie dient, ist für die chinesische Pianistin Zee Zee, die an diesem Tag ihren 30. Geburtstag feiert, gewiss kein Vorteil. Und da sie zum ersten Mal bei der Tonhalle-Gesellschaft auftritt, hat sie auch noch keine Fangemeinde. Trotzdem schafft sie es binnen zwanzig Minuten, die Sympathien des Publikums für sich zu gewinnen. Der Charakter des Es-Dur-Konzerts, das den Spagat zwischen virtuoser Klavierfantasie und Sinfonischer Dichtung schlägt, kommt ihr dabei sehr entgegen. Das energische Dreinfahren liegt ihr gleichermassen wie das Ausbreiten einer zarten Melodie oder das neckische Herumhüpfen auf den Tasten.

Järvi sorgt mit sehr klarer Zeichengebung für die perfekte Koordination zwischen Soloinstrument und Orchester und verbindet die vier Sätze des Werks zu einem kohärenten Ganzen. Allerdings offenbaren sich die spezifischen Qualitäten des Dirigenten bei Liszt noch nicht im vollen Masse. Dafür muss man sich bis zur Mahler-Sinfonie gedulden. Und auch beim ersten Satz dieser cis-Moll-Sinfonie, dem Trauermarsch, sind es zunächst die dirigiertechnischen Fähigkeiten und das Strukturbewusstsein Järvis, die beeindrucken. Die Triolen des Marschthemas erklingen messerscharf, die verschiedenen Rhythmen des polyfonen Geflechts sind astrein aufeinander abgestimmt.

Bei den Tempi berücksichtigt Järvi durchaus die von Mahler geforderten Beschleunigungen und Beruhigungen, aber mit Mass, so dass der Satz nicht in seine Einzelteile auseinanderbricht. In der Dynamik dagegen forciert er die Extreme des Lärmig-Lauten und des ganz Zurückgenommenen, was im Vergleich zur Tempogestaltung eine wirkungsvolle Spannung erzeugt.

Es braucht dann das in jeder Beziehung radikale Scherzo, um Järvis Dirigierpersönlichkeit wirklich herauszufordern. Bei diesem Monstersatz von 819 Takten handelt es sich nicht um einen lockeren Zwischensatz, sondern um ein Gebilde, das Mahlers Verständnis von «Welt» exemplarisch zeigt. Der Satz beginnt als lieblicher Wiener Walzer, schlägt in den Trios den Tonfall der Wunderhorn-Lieder an, ufert indes in den Hauptteilen immer mehr aus und endet in einer Art von organisiertem Chaos. Järvi bringt diesen Kosmos in all seinen Extremen zum Klingen. Er findet hier einen ganz direkten Kontakt zum Tonhalle-Orchester, der sich auch in lebhafter Mimik und Körpersprache äussert. Die Musikerinnen und Musiker sind, bis zu den hintersten Pulten, ganz Auge und Ohr und steigern sich zur Höchstform.

In eine entrückte Welt des Schönen führt das berühmte Adagietto, wo die Stunde der Streicher und der Harfe schlägt. Järvi zaubert hier eine berührende Abschiedsstimmung herbei, was angesichts der Nähe dieses Satzes zum Lied «Ich bin der Welt abhanden gekommen» genau in der Intention des Komponisten liegt.

In der Welt verhaftet

Und dann? Was kommt nach dem Abschied von der Welt? In der zweiten Sinfonie feiert Mahler die Auferstehung als grossangelegtes Chorfinale. In der Vierten lässt er, nicht ohne Ironie, ein himmlisches Schlaraffenland erstehen.

In der Fünften gibt er sich weltlicher, obwohl im Rondo-Finale zum Schluss ein Choral auftaucht. Wie man diesen Schlusssatz deuten soll, darüber scheiden sich die Geister. Järvi sucht nicht die metaphysische Überhöhung. Wenn am Schluss im Blech der Choral erscheint, lässt er ihn nicht plakativ herausposaunen, sondern bettet ihn in die rasenden Figuren der Holzbläser und der Streicher ein. Järvi bleibt sozusagen innerhalb der Welt, wobei er die Utopie einer säkularen Harmonie heraufbeschwört.

Fairy dust and explosives: Paavo Järvi conducts Liszt and Mahler in Zurich

bachtrack.com
Sarah Batschelet
11.10.2018

Paavo Järvi officially takes up his position as Chief Conductor of the Tonhalle Orchester Zürich in the 2019/20 season. In the interim, though, he will periodically guest-conduct at the Tonhalle Maag, the venue that has been refitted for use by the orchestra until its historic hall (1885) on the Lake of Zurich shore has been renovated. What’s more, the Estonian conductor will be at the helm on the orchestra’s Far Eastern autumn tour.

Paavo Järvi
© Kaupo Kikkas

The evening at the Maag began with Franz Liszt’s Piano Concerto no. 1 in E flat major, a work which was crafted over a 26-year period and premiered in 1855 in Weimar with the composer as soloist and Hector Berlioz conducting. Here in Zurich, the choice of Chinese pianist Zee Zee (Zhang Zuo) couldn’t have been better. The Los Angeles Times has cited her as “a powerful, passionate and compelling representative of pure artistry”. Even in the very first bars of the concerto’s first movement, the piano part spans four octaves, but she ably delivered precision at speed, her silky black hair jagging behind her as she snapped back to an upright position. A duet with a superb principal clarinet moderated the turbulence, but set the stage for Zee Zee to evoke another full spectrum of sounds, ultimately as varied as from dynamite to fairy dust.

In the concerto’s second movement, she again alternated a showy explosive with a tender playfulness, the flute, oboe and clarinet offering fine counterpoint. The third movement harbours passages that many pianists consider the most difficult ever written for their instrument. Although Zee Zee slightly pushed ahead of the orchestra a few times, her handling of the challenging tempi changes was commendable. Järvi’s clear eye-contact with her signalled his support, which made her reaction to the thunderous applause at the end of the concerto somewhat perplexing. As modest as she was, the pianist first greeted the audience with a face that read, “What? You really liked me?” It was both humble and infectious. What’s more, in her Debussy encore, she evoked prisms of light as if making sheer magic underwater.

After the interval, Gustav Mahler’s Fifth Symphony demanded the full contingent of Tonhalle players. Herbert von Karajan once said that “a great performance of the Fifth is a transforming experience,” in no small part because the work charts the development of the love Mahler had for Alma Schindler, who was to become his wife.

Järvi took the first movement more slowly than usual. It’s a funeral march, granted, but this one ran right close to a flow of molasses. Nevertheless, the fine trumpet solo and percussion section’s strong showing were compelling embellishments. What’s more, in the absence of the Steinway after the Liszt, we had a much better view of Järvi at work. From the start, he showed himself solidly core-centric, not inclined to great drama, but to a strong physicality that translated into pointed and muscular direction instead.

In the cello solo in the second movement and the vigorous explorations of the brass and woodwinds’ “great vehemence”, the orchestra also excelled. At times, one could read the score’s indications for vibrato in the musicians’ bodies alone. In the monumental third movement, the superb horn soloist was assigned a special place to command more attention, giving him an almost cinematographic presence. And here, too, the conductor used his baton evocatively, “digging” with it to prompt the various instrument groups and vibrating his limbs to expand the resonance of select passages.

The famous Adagietto wove the richest possible orchestral tapestry, and highlighted both a celestial harp and the slightly restrained pacing that fills the listener with the thrill of anticipation. That contrasted with the jolly start of the finale, which went on to parade a fine bassoon. Järvi’s repeated sweep of his palm over his pate showed the Mahler as a truly vigorous athletic workout for any conductor. But the Estonian’s command of the huge configuration was superb, and his rapport with the group seemed as amenable as it was supportive. Expectations are always great on the occasion of a conductor’s new posting, as well they should be. The Zurich public and the Tonhalle’s audience look forward to the Järvi era.

Wednesday, October 03, 2018

Zwei Dirigenten, zwei Perspektiven

deutschlandfunk.de
Marcus Stäbler
3.10.2018

Die Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim stehen für die Tradition des dunklen, opulenten Klangs. Paavo Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen sind dagegen für ihre schlanken Interpretationen bekannt. Dieser spannende Kontrast offenbart sich auch in den neuen Brahms-Einspielungen

Johannes Brahms (picture alliance / dpa)

Musik: Johannes Brahms, 1. Sinfonie, 1. Satz, Staatskapelle Berlin

Wuchtig und voluminös beginnt die langsame Einleitung aus der ersten Brahms-Sinfonie in der Aufnahme mit der Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim. Paavo Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen schlagen einen ganz anderen Ton an. Der Klang ist heller, das Tempo rascher und das Pochen der Pauke stärker abgesetzt.

Musik: Brahms, 1. Sinfonie, 1. Satz, Dt. Kammerphilharmonie Bremen

Zwei verschiedene, teilweise gegensätzliche Sichtweisen auf Brahms, präsentiert von zwei Top-Orchestern mit einer ganz unterschiedlichen Geschichte und Philosophie. Diese beiden Aufnahmen möchte ich Ihnen heute vorstellen und miteinander vergleichen – und damit am Tag der Deutschen Einheit auch einen Blick auf die Vielfalt der hiesigen Orchesterlandschaft werfen.

Die Staatskapelle Berlin blickt auf eine beinahe 450 Jahre währende Geschichte zurück und gehört damit zu den ältesten Orchestern der Welt. Sie verkörpert die deutsche Tradition wie kaum ein anderer Klangkörper. Diese Tradition beschwört der Chefdirigent Daniel Barenboim auch mit der aktuellen Gesamtaufnahme aller vier Brahms-Sinfonien, die bei der Deutschen Grammophon erschienen ist.

Gewichtiger Brahms bei Barenboim

Barenboim setzt generell auf einen dunklen und wuchtigen Klang, sein Brahms hat Gewicht. Auch in den schnellen Passagen der ersten Sinfonie.

Musik: Johannes Brahms, 1. Sinfonie, 1. Satz, Staatskapelle Berlin

Daniel Barenboim und die Staatskappelle Berlin musizieren den Beginn der ersten Brahms-Sinfonie mit romantischer Schwere. Jeder Schritt scheint Kraft zu kosten, als hätte Brahms nicht nur den übergroßen Schatten des Vorbilds Beethovens gespürt, sondern den Titanen bei der Komposition auf den eigenen Schultern mitgeschleppt.

Paavo Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie zeichnen in ihrer Aufnahme beim Label RCA ein anderes Bild vom ersten Satz. Bei ihnen steht das Vorandrängen im Vordergrund, die Musik bekommt eine jugendliche Energie und Frische.

Musik: Johannes Brahms, 1. Sinfonie, 1. Satz, Dt. Kammerphilharmonie Bremen

Paavo Järvi bremst hier etwas ab, um den bodenständigen, beinahe volksmusikantischen Charme der Passage hervorzuheben. Eines von vielen Beispielen für die Flexibilität der Aufnahme und des Klangkörpers. Järvi und seine hellwache Kammerphilharmonie überraschen mehr als einmal mit bisher unerhörten Details, ihre Interpretation weicht stark vom Brahms-Bild des späten 20. Jahrhunderts ab, das noch von Dirigenten wie Herbert von Karajan geprägt war. Deshalb wirkt Järvis Ansatz paradoxerweise moderner als der von Barenboim, obwohl er deutlich näher am historischen Originalklang bleibt.

Die Kammerphilharmonie spielt in einer Besetzung von 35 Streichern, so wie es Brahms von den Orchestern seiner Zeit im Ohr hatte, die Aufnahme der ersten Sinfonie ist im Kurhaus Wiesbaden entstanden, wo der Komponist selbst einmal seine Dritte dirigiert hatte. Gut möglich also, dass die zeitgenössischen Hörer der ersten Sinfonie eine so schlanke Interpretation des Andante sostenuto erlebt haben wie sie Paavo Järvi mit seinem Orchester formt.

Musik: Johannes Brahms, 1. Sinfonie, 2. Satz, Dt. Kammerphilharmonie Bremen

Järvi rückt Brahms in neues Licht

Aus der idyllischen Stimmung des Andante sostenuto sticht hier und da eine Flamme hervor, die ein untergründiges Feuer erahnen lässt. Das ist die Grundhaltung, mit der Paavo Järvi und die Kammerphilharmonie Bremen einen Großteil der ersten Brahms-Sinfonie musizieren. Ihre Lesart rückt den Komponisten in ein neues Licht. Mit der klassischen Formstrenge der Partitur scheint er ein Temperament zu disziplinieren, das sich auf vielfältige Weise Bahn bricht. Im dritten Satz etwa bündelt sich die Energie zu einer mitreißenden Steigerung. Sie strebt in mehreren Anläufen auf ihren Höhepunkt zu.

Musik: Johannes Brahms, 1. Sinfonie, 3. Satz, Dt. Kammerphilharmonie Bremen

Dieses hitzige Moment ist bei Järvi auch im Finale der ersten Brahms-Sinfonie präsent, wenn die Musik stellenweise fast schon atemlos voran stürmt.

Musik: Johannes Brahms, 1. Sinfonie, 4. Satz, Dt. Kammerphilharmonie Bremen

Ganz so außer sich wie hier gerät die Musik in der Konkurrenzaufnahme der Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim nicht, sie schlägt ein maßvolleres Grundtempo an und bleibt in den Steigerungen stärker gezügelt.

Musik: Johannes Brahms, 1. Sinfonie, 4. Satz, Staatskapelle Berlin

Daniel Barenboim wahrt auch in feurigen Passagen ein Mindestmaß an Contenance, der Klang bleibt immer rund und geschlossen. Dennoch ist die Einspielung aus Berlin alles andere als behäbig, sie verströmt bloß eine größere Ruhe. Und auch aus der erwächst eine gewaltige Sogkraft. Weil Barenboim und sein Orchester jede Phrase auf ihr Ziel hinführen und mit einem reich nuancierten und satten Klang füllen – die Staatskapelle spielt mit fünfzig Streichern, ist also in dieser Gruppe um etwa ein Drittel größer besetzt als die Kammerphilharmonie.

Trotz des ziemlich massigen Aufgebots und einem mitunter spürbaren Hang zum Monumentalen, schafft Barenboim mit seinen Musikern durchaus auch wunderbar intime Momente. Etwa im Andante, in dem sich Daniel Barenboim viel Zeit nimmt, um die Piano-Schattierungen auszukosten. Die Musik wirkt hier zu Beginn ganz in intim und zärtlich, als würden die Bögen die Saiten liebkosen.

Musik: Johannes Brahms, 1. Sinfonie, 2. Satz, Staatskapelle Berlin
Zwei Orchester auf Spitzenniveau

Wie die Kammerphilharmonie Bremen ist auch die Staatskapelle Berlin mit exzellenten Musikern besetzt. Die Solopartien der Bläser sind ausnahmslos hinreißend gespielt, sei es in den Posaunen, Flöten, Oboen oder Klarinetten.

Musik: Johannes Brahms, 1. Sinfonie, 3. Satz, Staatskapelle Berlin

Eine Sonderrolle hat Brahms dem Solohorn eingeräumt, das in vielen Passagen in den Vordergrund tritt. Auch im Finale der ersten Sinfonie, in dem das Horn eine von Alphornrufen inspirierte Melodie anstimmt. In beiden Aufnahmen ein Moment von berückender Schönheit. Bei der Staatskapelle Berlin klingt dieser Hornruf rund und voll.

Musik: Johannes Brahms, 1. Sinfonie, 4. Satz, Staatskapelle Berlin

Die Solohornistin der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen spielt diese Passage etwas weicher und schwebender, passend zum Bild eines Alphorns auf dem entfernten Hügel einer Berglandschaft.

Musik: Johannes Brahms, 1. Sinfonie, 4. Satz, Dt. Kammerphilharmonie Bremen

Es gibt hier natürlich kein richtig oder falsch, sondern zwei unterschiedliche Auffassungen, die beide ihre Berechtigung haben und auf orchestralem Spitzenniveau realisiert sind. Beim direkten Vergleich hängt der Eindruck auch stark davon ab, in welcher Reihenfolge man die Aufnahmen anhört. Wer sich von einer neuen Einspielung auch neue Impulse erhofft, ist sicher bei Järvi besser aufgehoben, wer bei Brahms das sämige Legato und einen üppigen Klang schätzt, wird von Barenboim reich beschenkt.

Musik: Johannes Brahms, 2. Sinfonie, 2. Satz, Staatskapelle Berlin

Die beiden Produktionen unterschieden sich auch in der Repertoireauswahl. Paavo Järvis CD ist die zweite Folge eines auf drei Jahre angelegten Brahms-Zyklus, sie kombiniert die erste Sinfonie mit den Haydn-Variationen.

Daniel Barenboim hat mit der Staatskapelle Berlin das Gesamtpaket auf einen Schlag veröffentlicht. Die Sinfonien zwei bis vier setzen den Weg fort, den er mit der ersten einschlägt. Mit der Reife und Gelassenheit eines 75-jährigen Dirigenten gibt er der Musik Raum, um ihren ganzen Reichtum zu entfalten: Die herrlichen Themen, die dichte Polyfonie, die in der Akustik des neuen Pierre-Boulez-Saals in Berlin transparent abgebildet ist, aber auch den harmonischen Farbreichtum, den er genüsslich auskostet. Das wohl extremste Beispiel ist das Andante moderato aus der vierten Sinfonie, in der die Zeit beinahe stehen zu bleiben scheint. Man kann das als viel zu langsam empfinden und Barenboim vorwerfen, dass die Musik auf der Stelle tritt. Man kann das Tempo aber auch als Möglichkeit des Innehaltens wahr nehmen und sich in eine andere Sphäre tragen lassen. Dann wirkt dieser Satz wunderbar zeitlos und entrückt, wie der Ausblick in eine himmlische Farbwelt.

Musik: Johannes Brahms, 4. Sinfonie, 2. Satz, Staatskapelle Berlin

Ein Ausschnitt aus der Gesamtaufnahme der Brahms-Sinfonien mit Daniel Barenboim und der Staatskapelle Berlin, die bei der Deutschen Grammophon erschienen ist. Die Einspielung der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvi ist eine Produktion von RCA Red Seal.

Johannes Brahms
Sinfonien Nr. 1-4
Staatskapelle Berlin
Ltg.: Daniel Barenboim.
Deutsche Grammophon 4835251 (4 CDs)

Johannes Brahms
Sinfonie Nr. 1 c-Moll, Haydn-Variationen
Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Ltg. Paavo Järvi
RCA Red Seal 19075869552

https://www.deutschlandfunk.de/sinfonik-von-johannes-brahms-zwei-dirigenten-zwei.727.de.html?dram%3Aarticle_id=429500

Thursday, September 27, 2018

HINDEMITH Mathis der Maler; Symphonic Metamorphosis NAÏVE

musicweb-international.com
Robert Cummings

Paul HINDEMITH (1895-1963)
Symphony “Mathis der Maler” (1933-34) [28:01]
Symphonic Metamorphosis on Themes of Carl Maria von Weber (1943) [20:38]
Five Pieces for String Orchestra, Op. 44/4 (1927) [13:23]
Ragtime, Op. 26/5 (1921) [3:34]
Frankfurt Radio Symphony Orchestra/Paavo Järvi
rec. 2010-13, Alte Oper, Frankfurt
NAÏVE V5434 [65:57]



The first three of the four works listed here are arguably Hindemith’s most popular compositions, though perhaps only the Symphonic Metamorphosis is in, or on the fringes of, the standard repertory. One is often tempted to speculate about why Hindemith’s popularity has apparently been on the decline since the 1970s. In the 1960s, for example, Hindemith was often mentioned in the company of Prokofiev and Stravinsky and was more popular than Shostakovich - at least on recordings; I still have catalogues from that era which reveal that surprising fact. I raise this issue because conductor Paavo Järvi, a champion of Hindemith’s music, comments on the composer’s unfairly neglected status in a brief note contained in the album booklet. Anyway, the works on this CD are all quite fine, the Mathis der Maler Symphonyand Symphonic Metamorphosis qualifying as first-rate masterpieces.

Here Järvi and company make a good case for Hindemith as a heavyweight among his contemporaries. Järvi delivers fairly straightforward but detailed readings which are intelligently phrased and well recorded. The Frankfurt Radio Symphony Orchestra plays splendidly for him, sounding world-class in their precision and collective technique.

This Mathis der Maler may not come across as quite as majestic or thunderous in sound as certain other performances, but it is still epic and sonically imposing. Yet it also exhibits a welcome leanness, and brims with energy where appropriate. Conductor Järvi points up much meaningful detail in the process, producing a fine performance. In the first movement the horns play right off with a suaveness and nobility, and the strings effervesce with spirit and energy in the faster music. Here and in the other two movements, the brass typically plays with a burnished, but never piercing, tone which suits Hindemith’s often brass-laden scoring quite well. Järvi blends the various orchestral sections together to get perfect sonic balances and his tempo selections are judicious, if slightly on the slow side.

The short second movement goes very well and Järvi never makes a misstep in the complex and lengthy finale, brilliantly negotiating the mood changes and tricky orchestration, the tempos again slightly on the leisurely side. Thanks must of course go to the fine Frankfurt Radio players; through all the building tensions and final glory, they perform with collective virtuosity and utter commitment.

An equally impressive effort here is that of the Symphonic Metamorphosis. Järvi finds just the right tempo for the first movement and coaxes the brass to ring out with robust mischief. In the brief middle section, the oboe and other woodwinds perform with an infectious playfulness. The second movement (Turandot) is delightfully raucous and witty, played with such gusto by the brass, and vigor by the strings. The Andantino third movement is well executed and the closing panel (Marsch) is delivered with as much life-affirming zest as you’re likely to encounter in almost any other performance of this great and colorful work.

The Five Pieces for Strings can sometimes sound dour, and at other times angst-filled, but there isn’t a hint of the self-pity or despair here as you may sometimes discern in a plethora of works by other 20thcentury composers. In this very spirited and energetic performance by the Frankfurt Radio strings, Järvi short-changes no aspect of the darker side of this work, and he points up the sunshine, subtle wit and even the playfulness of the music —not missing its undercurrent of menace. Järvi and the Frankfurt Radio players deliver a colorful and hilarious performance of Ragtime; the rowdy laughter at the outset sets the stage for all sorts of aural high jinks. A fine closer.

Naïve offers excellent sound throughout this disc. As far as I can determine, these performances, recorded from 2010 to 2013, are being issued here for the first time. Thus, one wonders what took so long. Whatever the reason, I’m happy they’re finally available. Now as for the competition... there have been many fine recordings of these various works down through the years by the likes of Bernstein (a conductor who spoke glowingly of Hindemith), Karajan, Werner Andreas Albert and others. One might well cite a better performance of the Mathis der Maler Symphony or other of the works here, but as a collection, this new effort by Paavo Järvi is simply hard to beat. Highly recommended!

http://www.musicweb-international.com/classrev/2018/Sep/Hindemith_Mathis_V5434.htm

Wednesday, September 19, 2018

A conducting dynasty: in conversation with Neeme Järvi and his sons Paavo and Kristjan

gramophone.co.uk
James Jolly
19.09.2018

With Neeme Järvi having just turned 80 and Estonia marking its centenary, James Jolly seizes the chance to meet Neeme and his sons Paavo and Kristjan – their country’s finest conducting exports


Neeme Järvi has been honoured with Gramophone's 2018 Lifetime Achievement Award. This article was originally published in the January 2018 issue of Gramophone.

For many years, there has been one item on Gramophone’s ‘to do’ list: talk conducting with the Järvi family – Neeme and his sons, Paavo and Kristjan; not individually, but all together. For the past few years, diaries – the three maintain pretty hair-raising schedules – have stood in the way. But last summer, the stars were in alignment, the omens were good, and all three were gathered in the same place, Tallinn, the capital of Estonia – a country which, this year, marks its 100th anniversary. Such a milestone is being celebrated in an all-embracing ‘Estonia 100’ initiative which is attracting many visitors to this small but dynamic Baltic nation.

Neeme is now Principal Conductor and Artistic Director of the Estonian National Symphony Orchestra (a role he previously held from 1963 to 1979), and he resides in Tallinn. Around the time of our interview, he was working with student orchestras as part of the Järvi Academy, while Paavo had been conducting his recently formed (in 2011) Estonian Festival Orchestra in nearby Pärnu; he was also spending time in Tallinn with his father’s orchestra, of which he’s Artistic Adviser, recording a selection of Arvo Pärt’s music with Viktoria Mullova for Onyx (due out this autumn), as well as giving conducting masterclasses. As for Kristjan, he works regularly in Estonia and happened to be in town for a few days.

The setting for our conversation was rich with nostalgia. We sat down in the studio where the acclaimed young Estonian photographer Kaupo Kikkas works and which happens to be inside the building that, back in Soviet times, was Tallinn’s official ‘House of Composers’ where composers would live and work. It was there – once the red tape had been cut to allow a conductor to move in – that the Järvi family lived and where Paavo was raised. It stirred many memories for Neeme who, with his laconic wit, was provoked to dig deep into the past.

Neeme was on fine form and both Paavo and Kristjan were clearly deeply respectful of their father; he, in turn, was palpably proud of what they have achieved. But the Järvi conducting dynasty actually stretches back further than the current trinity. And that’s where we started our conversation …


(l-r) Paavo, Neeme and Kristjan Järvi with James Jolly (photo: Kaupo Kikkas)

Neeme My brother, Vallo – he was 13 years older than me – was very active as a conductor. He was a percussionist first and then a conductor – exactly like me. Everything he did, I did afterwards – my mother was a strong lady and she always said, ‘Vallo has done that. You have to do it too!’ Vallo was a conductor of Theatre Estonia and conducted all the opera and ballet repertoire in the country. He didn’t travel outside Estonia (these were Soviet times) but he was a hard worker and a good conductor – I learned a lot from him. Once I was playing the xylophone for him in Eine Nacht in Venedig by Strauss, and I knew the piece well, so I said, ‘Let me conduct!’ – and so I did. And in the same concert there was the Khachaturian Violin Concerto, which I played on the xylophone with Vallo conducting – so that was my second outing in the same concert! It was such fun …

Paavo … and it was an old-fashioned xylophone, too!

Neeme I’d played it since I was four-years old – it was my first profession. Then I went to the Leningrad Conservatoire. It was about the same time that the Berlin Philharmonic/Karl Böhm Mozart symphony set came out on DG and we listened to it every day. Kristjan was about three and wasn’t really speaking yet. One day he was messing around behind one of the loudspeakers – one of those big old-fashioned ones – and it fell over onto him. He came rushing in, pointing to his head and crying, ‘Mozart!’ That was pretty typical of our family life (and still now, if anyone hurts his head, we point and cry ‘Mozart’!).

James Was there ever a suggestion that Paavo or Kristjan might do something other than conducting?

Paavo Never! I never wanted to be anything else – I think I wanted to be like my father, basically! It wasn’t so much that I wanted to be a conductor but more that I looked at my father and he was having so much joy that I wanted to do it too. It was never a case of, ‘Let’s do something else’.

Kristjan For me, it was about everything except conducting. I used to think, ‘Vallo, Neeme, Paavo … Kristjan. No, three is probably enough!’ Also, I didn’t feel like it would be a business, as it were, that could accommodate so many from the same family doing the same thing. Of course, times were different for each of us. When I got to America I thought, ‘Wow. There are so many things I could do’. And so it’s kind of a miracle that I became a conductor – and that’s all thanks to my piano teacher Nina Svetlanova who actually insisted on the Manhattan School of Music. She said, ‘Just try it for two years and if you don’t like it, then do something else.’ And two years turned into four years, and four years turned into six years. Then things developed – I started having conducting lessons, then I started Absolute Ensemble and went to university in Michigan, and then I got the position as Esa-Pekka Salonen’s assistant in LA and then … [Paavo interjects: ‘There was no way out!’] It was kind of like quick sand.

Neeme The percussionists at the Opera used to drink quite a lot! Once, we were doing Glière’s ballet The Red Poppy – a very popular piece at the time. There’s one section where all four percussionists play and I looked round and no one from my section was there. So I took all the parts myself, playing with my hands, my legs, my feet, with everything I could. Luckily I knew the piece! When it was over, the other percussionists returned and asked me, ‘So where are we?’ ‘It’s already passed,’ was my answer! I also used to play four-hand piano music with my brother – Haydn, Mozart … Everything went wrong, but we didn’t stop! We didn’t care about wrong notes – it was the lines we were after. But thanks to a percussionist’s training, you get a feel for rhythms. And the rhythms are really important in a conductor’s life; to lead things, to catch the pulsation of the piece.


Paavo Järvi (photo: Kaupo Kikkas)

Paavo It’s funny but when we have the students here for the Academy, the weakest thing is the rhythm. I find, in general – and it’s a strange thing – that the rhythm’s lacking. It’s not a question of not being able to count difficult rhythms but the basic sense of rhythmic pulse. They stop the orchestra and say ‘You’re late’ but they’re not feeling the basic pulse themselves.

Kristjan When we’re taking about rhythm, we’re not talking about Morse code; we’re talking about actually how you rhythmically convey a phrase that has an anchor and which leads logically to another phrase. Rock bands have a groove – you can just feel it. With the really good ones you can just feel there is something that’s so in the right place.

Neeme Kristjan’s fanaticism comes from the rhythms. He has the Absolute Ensemble which he created. It’s a fantastic group. If you hear them – and personally I don’t very much like this kind of stuff! – there’s an amazingly tight sense of rhythm. It is such a wonderful thing to hear rhythms that are so tight. It’s so not my world, but it’s very impressive.

James People on the outside often have this idea that the conductor just stands up and performs some kind of magic. Are they imposing, or steering, or are they enabling?

Paavo I think that unless you are actually a conductor yourself, you don’t really, truly, understand what goes on between the players and the conductor. There is some kind of chemistry. The orchestra plays and good music is made, and it has nothing to do with logistics, nothing to do with helping the players through a complicated passage. Sometimes you see someone who appears to be all over the place and when the players look up they don’t seem to understand anything, but somehow, something happens. Then there are people who are all organised and precise and nothing happens! And then there is everything in between. It’s a very tricky thing.

Neeme Rimsky-Korsakov said the conductor’s profession is a murky business. And it is. There aren’t exactly rules. It depends on so much: what kind of personality you are; what kind of leader you are; what kind of strong man you are; what kind of technician you are. But you need talent first – you can be a very good technician but you need talent too. It’s such a strange combination. You can have a strong personality and image but if you don’t look welcoming it doesn’t work. You need an artistic presence and that must be conveyed in your gestures. You need to be helpful to the orchestra though your eyes, your arms, your elbows, your wrists. But if you don’t have any ideas then you can’t be a conductor. You have to inspire.

Kristjan I have to add here that my father hardly ever moves when he conducts.

James Is that not something that comes with age? As conductors reach their prime, they hardly move at all.

Paavo Because they don’t need to. They’ve got all that stuff done.

Neeme If a conductor waves his arms about, the audience thinks he’s working hard but he’s probably just disturbing the musicians!


Kristjan Järvi (photo: Kaupo Kikkas)

Kristjan There are different factors. He’s 80 and I’m half his age and that also makes a difference. Not just in terms of knowledge and experience, but in the fact that there’s a certain built-in respect, no matter what. But the most incredible thing to learn from him, and also when I see him teach, is that it is the most subtle, genuine and intuitive form of communication when you can actually assess and feel each other through small gestures and glances. You get such an amazing result – one that is so hard to explain in words. You reach such a level of understanding and honesty that words aren’t needed. That’s the most wonderful thing I see when my father conducts. He doesn’t need to show or prove anything. It’s a miraculous result with hardly any effort. That’s true virtuosity.

Paavo Barenboim said to me the other day, ‘You know, your father is liked by every orchestral musician that I know. Why is it?’ ‘Because he’s very good!’ It was interesting because Barenboim travels around a lot, performing with many different orchestras. Every orchestral musician likes our father – I know this too because whenever I guest-conduct they all come up to me and ask me: ‘How is your father? We’ve not seen each other for a while.’ It’s because it’s organic. He’s real. If you don’t connect with your players, it doesn’t work.

Neeme Conducting is something like an artist’s work, like drawing. You draw a line, you follow the pencil, you go there, you finish beautifully. It is exactly the same thing in music. You’re drawing naked lines, phrases. What’s missing? Ideas! The main thing is, ‘How do I do this?’, not, ‘I already know how to do this because my plan is quite clear, I know how I’m going to make this phrase go there, and so on’. That’s phrasing – where I want to go, from here to here and there to there. And that’s what engages the ideas, how to trace this movement. I reach that place with successful lines. You’re drawing with a stick and the players are following you immediately.



Paavo Yesterday in a masterclass we saw some young people conducting. We had a very good Russian guy and it was so obvious that he just loved it so much – and it totally worked. And then another person conducted and you felt that he wasn’t connected to the music at all. And he’d say, ‘I started pushing here because he writes accelerando at this point.’ ‘Yes, but how do you get to that point? And why?’ [Neeme interjects: ‘Musicianship!’] But that first person simply just did it. Everyone felt his unbelievable love for the music. He forgot he had to look one way or another. He was just willing everyone on.

Neeme It’s such a joy, and people perceive this joy. If you don’t have any ideas, or have just heard the music formulaically or bar by bar, or say that ‘the composer has written it like this’, it’s no good … The composer doesn’t know anything about that. We have to try and find what the composer wanted. Take Glazunov: if you look at the music on the page, it’s all boring, but if you start to conduct it and bring your ideas, it’s not boring at all.

Kristjan It’s not that the composer doesn’t know anything. That’s not what my father is trying to say. The composers do know what they want – but they also change their minds. We work with living composers all the time.

Paavo Take Arvo Pärt, which we’re recording at the moment. Vika Mullova shows up with a metronome and the marking says ‘80’. And I say, ‘No, that’s way too fast’, and we do the whole thing at 40 because it sounds so much better! That happens all the time with Pärt.

Kristjan And on the spot, too. Music happens on the spot, not on the page. If something is convincing, then it works.

James The thing that sets you all apart from so many conductors is your insatiable appetite for repertoire, both old and new. Both Neeme and Paavo in particular have recorded dozens of pieces which have added enormously to the catalogue. What drives your approach to programming, particularly with respect to the rich musical heritage of Estonia?

Paavo When you grow up in a country like this, and with a father like this, there’s a certain sense of a mission, a mission to introduce Estonian composers outside Estonia. Then there is always a system of priorities because if you’re a music director in Germany you have composers that the German orchestras expect their music director to play – so when I was in Frankfurt I did a lot of German composers like Jörg Widmann, Peter Ruzicka and many others. But if you guest-conduct and you don’t feel you have a responsibility to a local orchestra, then, if you are given a choice to do a new piece, I always – as a matter of principle – choose an Estonian piece. So, for example, we were at the BBC Proms recently and we did an Erkki-Sven Tüür work [Flamma]. There are many great German and British composers, but as I am an Estonian it’s my duty to champion Estonian composers because we don’t have so many people to introduce our music. So if I were to go to Cleveland or Chicago and they asked, ‘Would you like to do a John Adams piece or an Erkki-Sven Tüür piece?’, I would do the Tüür because nobody else would do it.

James And you, Kristjan, grew up in the US. Do you see yourself as much an American as an Estonian? How deep do your roots go?

Kristjan When people use the word ‘culture’, that’s basically identity. I identify with the fact that my home is Estonia but that I grew up in America and that country gave me a lot. Of course, the word ‘culture’ means very different things to different people. It can mean opera for one, to another a sports event, but for us Estonians it’s our geography, it’s our agriculture, it’s our architecture, our design, music, dance, literature, and that’s what creates this family of Estonians, since we not so many. Paavo said that when he has a choice to programme something like Erkki-Sven Tüür or Adams, he would programme Tüür … Well, I don’t think there’s an orchestra in Germany that’s played more Estonian music than the MDR Radio Symphony Orchestra [of which Kristjan is Music Director]. But I’ve also tried to have Estonian performers and soloists, not only in the classical genre but incredible folk artists and jazz musicians too. We played Eduard Tubin within a concept called ‘Baltic Folk’ where we had Tubin played by this Estonian folk violinist but also on an electric violin. It took Tubin’s folk music into a completely modern, ‘electro’ setting which isn’t jazz but is totally contemporary – ‘urban folk’ perhaps. And we were also introducing an old Estonian classical symphonist who people might not know through a genre which is very much in vogue these days, complete with a symphony orchestra.

Neeme We’re now in Estonia, a small country with a lot of wonderful composers. But as conductors we need to know the music of the world. We don’t need to know only Mahler and Bruckner or Beethoven. I personally need more. I was, for 24 years, Principal Conductor of the Gothenburg Symphony Orchestra, Sweden’s national orchestra, and we did so much there. What an interesting story they have: their second Principal Conductor was [the pianist, composer and conductor] Wilhelm Stenhammar, his good friend was Sibelius, Nielsen was a guest conductor there, and they all worked together in Gothenburg. Yet even today, people are still asking me, ‘Where is Gothenburg?’

Paavo But, because of you, they probably know it better!

Neeme It’s important to engage with the culture of your orchestra’s country. So, with the Gothenburg Symphony Orchestra and also the Royal Stockholm Philharmonic, we did a lot of Swedish music. We made the first Stenhammar recordings and recorded the orchestral works of Hugo Alfvén, and now I’ve just finished the first complete set of symphonies by Kurt Atterberg, who I think is one of the greatest of all Swedish composers. Completely forgotten! The Dollar Symphony was first conducted by Toscanini, and Beecham also did it – it’s a wonderful piece. It was written as an attempt to finish the Unfinished Symphony by Schubert.

Kristjan Here’s an interesting fact: for all of us, our first conducting positions since leaving Estonia have all been in Sweden.

Neeme Yes, Paavo was Chief Conductor of the Malmö Symphony Orchestra and then Principal Guest Conductor of the Royal Stockholm Philharmonic, and Kristjan was Chief Conductor of the NorrlandsOperan. And what is Sweden, to us, all about? Once upon a time everything belonged to Sweden, even Estonia was under Sweden – Norway was, Denmark was, Finland was, and even in the Tsar’s time there was Swedish influence. So when I arrived in Gothenburg we did 19 discs for the BIS record label, including the Sibelius symphonies. Every Swedish musician knows Sibelius is a Swedish composer! Sibelius spoke Swedish at home. Finnish speakers were in the minority. Now of course all the conductors who come from Finland only ever conduct Sibelius, almost nothing else that’s Finnish. There are a lot of wonderful Finnish composers – Uuno Klami, Leevi Madetoja, Erkki Melartin – but the world doesn’t know about them. They need to be more available.

Actually, talking of Sibelius, I have to tell a story. Paavo was conducting the Kullervo Symphony with the Stockholm Philharmonic. The fourth movement, in five, goes very quickly, and suddenly his baton flew out of his hand. A double bass player picked it up – Paavo saw he’d got it and signalled to him to give it back. So the double bass player throws it – Paavo is conducting away in five – and he reaches up and catches it and continues conducting. Where is CNN when you need it? [Paavo: ‘That’s a clip that would have gone viral!’]

James Neeme, you’ve recorded the music of neglected composers from beyond Sweden, too …


Paavo and Neeme Järvi (photo: Kaupo Kikkas)

Neeme Yes, I then went to Norway and did recordings of Johan Halvorsen and Johan Svendsen – marvellous music! And then to Denmark for Rued Langgaard and of course Carl Nielsen. It is such a wonderful area for music. Then there’s the Hungarian music of Leó Weiner – who is Leó Weiner? My record of the Divertimentos Nos 1-5 and the Serenade has just come out on Chandos [11/17]. And then there’s Romanian music, Bulgarian music, Polish music …

So, my message is, ‘Don’t always play the same music, find the good stuff that people don’t know’. That’s why I really admire what Paavo has done by recording all that great music. He has done mainstream – in Cincinnati he did everything that needed to be done – but he has also created a new approach to Beethoven with the Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, and at a time when it’s already been done hundreds of different ways. And now it’s the symphonies and orchestral works of Brahms … It’s a love story with that orchestra!

I’ve been incredibly lucky with my record companies and we’ve done some great work together – BIS at the start and then Chandos; from Brian Couzens to Ralph Couzens, Chandos is one of the greatest British companies that still survives!

James When you go to guest-conduct an orchestra in its own native music, how does the equation work between what you bring and what they bring?

Paavo It’s interesting that if you go to France and you play French music it’s obvious that there are certain things that they just know. I’ve learned a lot of things from the Orchestre de Paris especially with pieces like La valse. I thought I knew that piece very well, but there were certain little things they did that were kind of amazing. Then again, sometimes they have a kind of tradition that makes no sense at all, but they’ve always done it. And you say, ‘I know you think you know it, but I don’t hear it that way.’ ‘But we’re a French orchestra, we know how it’s played …’ And so, if you have a relationship with an orchestra, you undo that tradition.

James But the Orchestre de Paris is not an old orchestra, it only goes back to the 1970s …

Paavo True, but they believe, for real, that they premiered the Symphonie fantastique with Berlioz conducting because somehow they’ve traced their origins back to the Conservatoire orchestra. It is a little bit of myth-making, but when they play Symphonie fantastique you just feel – in comparison to any other orchestra you may conduct – that something unique is happening.

Neeme They’re taught in the Conservatoire, ‘This is how you do it’. [Kristjan: ‘And they play Beethoven in a very French way too!’]

James How do orchestras retain a personality down the generations? The Cleveland Orchestra, for example, is still recognisable as George Szell’s orchestra all these years later …

Kristjan That’s like the Vienna Philharmonic, but there are very few orchestras in the world like that.

Paavo Well, the Czech Philharmonic still sounds like the Czech Philharmonic!

Kristjan That’s an incredible orchestra – probably one of the best orchestras which has that type of tradition. But mostly it is through a certain cultural identification – a pride.

James Is it a flip side of the easy dissemination of music that orchestras now sound very similar and no longer have the immediately identifiable personalities that they once had?

Paavo It’s because the world is so much more cosmopolitan: in the Berlin Philharmonic you’ve a French flautist, an English oboist and, among the double basses, an Australian and two Finns.

Neeme One problem with orchestras is when the chief conductor changes every four years. It has to start from nowhere each time. Take Szell and the Cleveland Orchestra, they lived together for over 25 years – here was a conductor who asked for his wishes every day when he came to his orchestra. He created his style and his repertoire, and it was always great because professionally it was at such a high level. There was a George Szell sound. There was a Mravinsky sound. It comes from working with an orchestra for a long time and making them a highly professional ensemble.

James Szell, Reiner and others were legendary for their dictatorial style. The musicians were terrified of them, yet the results speak for themselves … That couldn’t happen today.

Paavo No, of course not. Well, in North Korea perhaps! [Neeme: ‘You can’t do terror nowadays.’]

Kristjan Governance of conductors is very like governance at the state level. Yes, dictators get amazing results. But at the same time you can empower the people and lead them, not actually govern them but direct them. And that’s how we all work, not by terror. Orchestras are just small nations.

Neeme In Leningrad, I’d listen to Yevgeny Mravinsky, Kurt Sanderling and Arvīds Jansons (Mariss’s father). I remember being in the hall for the first performance of Shostakovich’s Tenth Symphony, and also for the first time that Mravinsky conducted an accompaniment – for David Oistrakh – in the Shostakovich Violin Concerto No 1. [Paavo: ‘A “real” conductor didn’t do accompanying back then!’] And there were always six rehearsals for every programme. Then the Krushchev era arrived and we had a visit from the Cleveland Orchestra, and the Boston Symphony Orchestra came with Charles Munch and Pierre Monteux. And then Ormandy came with the Philadelphia Orchestra. Then Stokowski came to conduct the Leningrad Philharmonic. I went up to him and said, ‘We’re students and we’d really love to come to your rehearsals but they won’t let us. Can you help?’ The director of the orchestra, who was a very strong man, said ‘No!’ They went in and shut the door on us. We waited a few minutes, then the door opened and we were all summoned in. Stokowski had insisted we be allowed to come in and as soon as he said this the director became a weak man and gave in! We entered and Stokowski had reseated the entire orchestra – completely rebuilt it! All the winds were to the right, all the strings to the left, and the double basses were in the middle on risers, facing into the hall – normally the orchestra played on the flat. And Stokowski came in, didn’t say a word but started conducting [Neeme sings the Tristan Prelude]. It was amazing. I remember shaking hands with Stokowski and he wore white gloves which he never took off. You learn a lot from seeing these great conductors. Nowadays, the opportunities that I had simply don’t exist. It was a very special time.

https://www.gramophone.co.uk/feature/a-conducting-dynasty-in-conversation-with-neeme-paavo-kristjan-j%C3%A4rvi

Tuesday, September 18, 2018

Za letním muzikantským potěšením do Estonska

klasikaplus.cz
Petr Veber
18.09.2018

„Místo, kam muzikanti přijdou zakoušet hudbu způsobem, na jaký bývali zvyklí, když byli mladí.“

„V domnění, že se jistě jedná o festival až o rok později, jsem nabídku přijala.“

„A prý jsem ho inspirovala k napsání skladby pro harfu.“

Estonský festivalový orchestr je na hudební scéně pojmem už několik let, ale letos se posunul zase ještě dál, když s úspěchem debutoval na londýnském festivalu BBC Proms a pak v hamburské koncertní síni Elbphilharmonie. Hraje s ním pravidelně také harfistka Jana Boušková, která i na letošní letní zkušenost vzpomíná v rozhovoru jako na něco, co přesahuje muzikantské zážitky všedních dní. A pár slov přidává pro portál KlasikaPlus.cz i zakladatel a dirigent tělesa Paavo Järvi.

„Hlavní idea, která stála u vzniku orchestru? Dát dohromady hudebníky na vysoké úrovni a promísit je se studenty, s takovými, kteří už jsou také skutečně na úrovni. A k tomu navodit pro tvoření hudby atmosféru plnou přirozeného entuziasmu,“ odpověděl Paavo Järvi na otázku, která k němu směřovala z Prahy. Orchestr se v létě schází a hraje v Pärnu, městě u Baltu na jihozápadě Estonska. „Nejde ani tak o práci, jako spíše o místo, kam muzikanti přijdou zakoušet hudbu způsobem, na jaký bývali zvyklí, když byli mladí, když byli studenty,“ zdůraznil Paavo Järvi. „Atmosféra je přirozeně pozitivní, vždyť hovoříme o letním prázdninovém času. Pärnu je krásné, nevelké lázeňské město, místo, kam hodně lidí jezdí na dovolenou, místo s velmi dobrou koncertní síni. Všechno je tam pohodové, ale současně je přítomna koncentrace na hudbu na velmi vysoké úrovni,“ dodal dirigent.

Výsledkem letního soustředění byly letos v Pärnu dva koncerty. V programu prvního figurovala Třetí symfonie Arvo Pärta, Griegův Klavírní koncert se sólistkou Elisabeth Leonskou, Ravelův La Valse a jedna čerstvá novinka, skladba And tired from happiness, they started to dance, kterou napsal Jüri Reinvere. Druhý večer pak Paavo Järvi dirigoval Koncert pro orchestr Witolda Lutosławského, Sibeliův Houslový koncert s Midori v sólovém partu a Sibeliovu Pátou symfonii.

„Není mnoho takových výjimečných festivalů, jakým je estonský Hudební festival v Pärnu. Být pozvána na něj jako jediná Češka je pro mě samozřejmě proto obrovská pocta,“ vypráví Jana Boušková.

První pozvání obdržela v červnu 2016 osobní zprávou od dirigenta a zakladatele tohoto festivalu Paava Järviho. „Napsal mi jen měsíc před plánovaným termínem. V domnění, že se jistě jedná o festival až o rok později, jsem nabídku přijala. Když mi ale téměř obratem přišla letenka s datem odletu za měsíc, trochu se mi vše v mém kalendáři rázem zamotalo a musela jsem tou přizpůsobit nějaké jiné, již naplánované aktivity. Ale nelituji toho. Zážitek, jaký si člověk z tohoto festivalu tenkrát přivezl, byl nevšední. Od toho roku jsem již měla tu čest se zúčastnit dvakrát.“


Kromě této výjimečné atmosféry festivalu je podle Jany Bouškové snad ještě výjimečnější atmosféra samotného Estonského festivalového orchestru. „Byla jsem do něj také Paavo Järvim vybrána jako jediný český interpret. Tento orchestr je opravdu jedna velká rodina. Nikdy jsem takovou atmosféru v žádném jiném nezažila. Je složen výhradně z členů těch nejlepších orchestrů na světě a jednotlivé hráče si osobně Paavo Järvi sám vybírá. O to víc si nesmírně cením, že jsem byla jím na harfu vybrána z celého světa já.“


Jana Boušková vzpomíná, jak před dvěma lety vedle koncertů také nahrávali CD s Šestou symfonií Dmitrije Šostakoviče. „Měla takový náboj, jaký se málokdy slyší. Hudební nasazení, radost a energie, která z každého jednotlivého hráče tohoto orchestru doslova sálá, je neuvěřitelná. A výsledek je pak mimořádný. S tímto programem jsme v lednu letošního roku podnikli také velké turné po Evropě,“ vypočítává. Letošní letní soustředění v Estonsku obsahovalo i světovou premiéru skladby estonského autora Jüri Reinvereho, která měla již po prvním uvedení obrovský ohlas. „Je opravdu vynikající a já věřím, že české publikum bude mít příležitost tuto skladbu brzy slyšet i v Praze,“ poznamenala Jana Boušková, kterou navíc dojalo, když jí po skončení festivalu skladatel sám od sebe napsal. „Provedení Introdukce a Allegra od Maurice Ravela, které jsem hrála během komorního galakoncertu, bylo pro něj podle dopisu highlight festivalu. A prý jsem ho inspirovala k napsání skladby pro harfu.“





Atmosféra celého hudebního týdne v Pärnu je podle české harfistky fantastická. „Po skončení se nestane, aby se někdo s někým z orchestru vřelým, upřímným objetím nerozloučil. Je to opravdu velká rodina a tím otcem je bezesporu skvělý a jedinečný Paavo Järvi, kterého všichni milují a respektují nejen jako úžasného dirigenta, muzikanta, ale hlavně také jako přítele, kterým on nám všem opravdu je. Vše je tam velmi výjimečné a já jsem nesmírně šťastná, že do této rodiny Estonského festivalového orchestru patřím. Orchestr má za sebou i letošní debut v Londýně na Proms a v Elbphilharmonie v Hamburku a na jaře se chystáme na turné do Japonska,“ prozradila a dodala: „Právě o tomto tělese se píše, že je to vycházející hvězda. A já si myslím, že jeho záře brzy silně rozzáří všechny sály světa.“

Na programu koncertů v Londýně a Hamburku byly letos Třetí symfonie Arvo Pärta, Griegův Klavírní koncert a Sibeliova Pátá symfonie. Sólistkou byla Khatia Buniatishvili, dirigoval Paavo Järvi. Ten, podle jehož slov je přítomno nadšení a optimismus a hlavním pocitem při tvoření hudby je potěšení.

Tuesday, September 04, 2018

Eesti Festivaliorkester meenutas ülesastumist BBC Promsil: nagu oleks tulnud spordivõistlusele!

kultuur.err.ee
Lisete Velt
4.09.2018

Klassikaraadio saate "Helikaja" hooaja esimene osa tegi tagasivaate märgilisele suvele Eesti muusikas. Suvele, mis viis Eesti Festivalirokestri Paavo Järvi juhatusel Pärnu Muusikafestivalilt otse Londonisse mainekale BBC Promsile ja sealt edasi sadamalinna Hamburgi, kus anti kontsert Euroopa ühes uusimas kontserdimajas Elbphilharmonies.


Klassikaraadio oli kohal nii Pärnus, Londonis kui Hamburgis ning tõi Pärnu Muusikafestivali ja debüüdi BBC Promsil raadio vahendusel koju kätte viimse noodini. Saates piilus Klassikaraadio Royal Albert Halli ja Elbphilharmonie lava taha, uuris muusikutelt, milline tunne oli astuda 6000 inimese ette Royal Albert Halli lavale ja mida tähendas õhtu BBC Promsil Eesti muusikale.

2009. aastast toimuv Pärnu Muusikafestival on kasvanud üheks oluliseimaks orkestrifestivaliks kogu Euroopas. Festival on oma kõrge taseme saavutanud tänu Neeme Järvi ja festivali kunstilise juhi Paavo Järvi suurele pühendumisele. 5.–11. augustini toimunud festivalil osales ligi 300 muusikut 20 riigist ning sai kuulda nii orkestrimuusikat, suurepäraseid soliste kui ka kammermuusikat.

Pärnu Muusikafestival lõppes traditsiooniliselt Eesti Festivaliorkestri ja Paavo Järvi kontserdiga. Täismajale antud kontserdil soleeris imelapsena kuulsaks saanud jaapani viiuldaja Midori. Pärnu kontserdimajas pakiti pillid kokku ja järgmiseks peatuseks sai Royal Albert Hall Londonis.

BBC Promsi näol on tegemist ühe suurima ja vanima klassikalise muusika festivaliga, mille algatas dirigent Henry Wood, kelle idee oli väärtmuusika esitlemine laiemale kuulajaskonnale mitteametlikus atmosfääris. Festival on jäänud truuks oma algsele eesmärgile esitada võimalikult erinevat muusikat võimalikult kõrgetasemelises ettekandes võimalikult suurele hulgale publikule ja võimalikult odava piletihinnaga. BBC Promsi kodusaal on suurejooneline Royal Albert Hall. Esimene Promsi kontsert toimus 10. augustil 1895.

13. augustil 2018 debüüteeris BBC Promsil Paavo Järvi juhatusel Eesti Festivaliorkester. Soleeris võluv gruusia päritolu pianist Kathia Buniatishvili. Kavas Arvo Pärdi kolmas sümfoonia, Edvard Griegi klaverikontsert a-moll ja Jean Sibeliuse viies sümfoonia.

Miks kutsuti mainekale BBC Promsile just Eesti Festivaliorkester? "Meil on selles mõttes hästi vedanud, et Pärnu Muusikafestivali nimi on millegi pärast väga tuntuks saanud väljaspool Eestit," ütles Paavo Järvi, kelle kunstilise juhtimisel all on festivalile omistatud EFFE (Europe for festivals, festivals for Europe) kvaliteedimärgis. "Siin on käinud mitmed tähtsad ajakirjanikud ja millegi pärast midagi hakkas neile silma. See entusiasm ja eluga asja juures olemine, musitseerimisrõõm ja huvitav formaat, et noored eestlased ja professionaalid väljaspool Eestit on koos," rääkis Paavo Järvi. "Meil on õnne olnud ennast hästi näidata nende ajakirjanike ees, kes suurtes lehtedes kirjutavad," lisas maestro.

Eesti Festivaliorkestri näol on tegemist orkestriga, kes ei mängi igapäevaselt koos. Millega seda kompenseerida? "Üks suur pluss selle orkestri juures on see, et kõik inimesed on siin välja valitud, nii et üldine tase on erakordselt kõrge. Sellise koosseisuga on võimalik teha selliseid asju, mida tavalise koosseisuga ei ole võimalik teha," ütles Järvi.

BBC Promsil Royal Albert Hallis ootas Eesti Festivaliorkestrit ja Paavo Järvit ees täismaja – enam kui 5000 kuulajat. Lisaks otseülekanne BBC Radio 3-s ja neljas välisriigis, nende hulgas vahendas raadiokuulajatele Eestis kontserti Klassikaraadio. Mõned päevad hiljem nägi eetrivalgust BBC üles võetud telesalvestus.

"Nagu oleks tulnud spordivõistlusele! Ei usu, et see võib olla klassikalise muusika kontsert, mis just algab!" kirjeldas Royal Albert Halli lavale astumist EFO tšellist Marius Järvi.

Royal Albert Hall tõi muusikutele ette ka ootamatusi. Näiteks löökpillimängija Madis Metsamarti ootasid ees tagurpidi timpanid. "Hetkega tuleb unustada kõik, mida sa tead, ja kogu oma automaatika tuleb lülitada ümber või kustutada," ütles Metsamart.

Eesti Festivaliorkestri ja Paavo Järvi kaks nädalat Pärnus, Londonis ja Hamburgis möödusid rahvusvahelise meedia tähelepanu all. Eesti muusika ja muusikud olid tähelepanu keskpunktis. Neist kirjutasid nii Frankfurter Allegemeine Zeitung, Hamburger Abendblatt, The Arts Desk, The Times kui ka The Guardian. Pärnu Muusikafestivali kontserdi salvestas Jaapani avalik-õiguslik televisioon NHK koostöös Eesti Rahvusringhäälinguga.

"See on suur märk, mis on eesti muusikaajaloos nüüd maha pandud," tõdes kontsertide järel BBC Promsil ja Elbphilharmonies EFO löökpillimängija Heigo Rosin.

https://kultuur.err.ee/858664/eesti-festivaliorkester-meenutas-ulesastumist-bbc-promsil-nagu-oleks-tulnud-spordivoistlusele

Sunday, August 26, 2018

RMF: Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und „German hornsound“ im Kurhaus Wiesbaden

echo-online.de
Manuel Wenda
26.08.2018

Für das Rheingau Musik Festival hat sich die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen sinfonischen Werken Robert Schumanns gewidmet und sich dabei vom Hornquartett „German hornsound“ unterstützen lassen.



Euphorischen Beifall gibt es im Kurhaus für die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit ihrem Dirigenten Paavo Järvi und das Quartett „German hornsound“.Foto: RMF/Ansgar Klostermann

WIESBADEN - Im vergangenen Jahr brachte die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen beim Rheingau Musik Festival einen viel beachteten Brahms-Zyklus, in diesem Jahr wandte sie sich dem sinfonischen Werk Robert Schumanns zu. Chefdirigent des Orchesters ist Paavo Järvi, für das RMF-Publikum ein alter Bekannter, leitete er doch in seinen Zeiten als Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters viele Eröffnungskonzerte in Kloster Eberbach. Der erste Abend des Gastspiels geriet fesselnd und vermittelte die Essenz romantischer Musik. Gleich die Ouvertüre zu Goethes „Hermann und Dorothea“ atmete Tiefe. Wechsel der Dynamik und ein rasch fließendes Tempo machten den Reiz der Deutung aus.

Schumanns Konzertstück für vier Hörner und großes Orchester F-Dur op. 86 war zur Zeit seiner Entstehung ein Novum in der Musikgeschichte, lange wurde es ob seines immensen technischen Anspruchs selten gespielt. Mit „German hornsound“ trat im Friedrich-von-Thiersch-Saal ein hochvirtuoses Ensemble auf die Bühne. Resolut setzte der „Lebhaft“ überschriebene erste Satz ein. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter Järvi sowie das Quartett verschafften dem Zuhörer ein plastisches Hörerlebnis, das Spiel der Hörner beschwor geradezu Waldszenen. „German hornsound“ musizieren mit Feuer und Akkuratesse. Von schöner Delikatesse war das Klangbild in der Romanze, eine zarte, ganz leichte Verschwommenheit lag über allem. Sprühend geriet das Finale und intensiver Jubel erfüllte am Ende das Kurhaus. Als Zugabe wählten „German hornsound“ eine Bearbeitung der Arie „Ave Maria“ aus Giuseppe Verdis „Otello“ – Momente von großer Innerlichkeit. Järvi und das Orchester applaudierten dem Ensemble, dieses gab die Ovationen zurück.
Forscher Start nach der Pause
Nach der Pause Schumanns Sinfonie Nr. 3, die „Rheinische“: Järvi und die Musiker starteten forsch in den Begrüßungsapplaus hinein, in eine Interpretation von schwärmerischem Duktus. Im Scherzo steigerte die Kammerphilharmonie die folkloristische Atmosphäre in ekstatische Ausbrüche. Leichtfüßig ging die Sinfonie ihrem Ende entgegen und rief euphorischen Beifall hervor. Zum Abschluss dann „Gassenhauer“ von Johannes Brahms. Selten hört man den „Ungarischen Tanz Nr. 5“ so „sophisticated“ wie süffig.