Tuesday, April 25, 2017

Licht, Himmel, Klang

zeit.de
Christine Lemke-Matwey
24.04.2017


Eine Reise ins Baltikum, nach Estland, wo ein kleines Festival sich anschickt, Europa zu erobern

Ein Bekenntnis vorweg: Ich gehöre zur Generation der sogenannten Kriegsenkel, bin Kindeskind von Vertriebenen aus dem Baltikum, und immer wenn ich nach Estland fahre, komme ich mir auf wundersame Weise uralt und federleicht vor. Angefüllt mit Gedanken, die mich über alle Zeitläufte und Ländergrenzen hinwegtragen, dorthin, wo es ganz sicher wieder so schön sein wird, wie es niemals gewesen sein kann.

Traumata vererben sich, heißt es. Ein familiäres Gedächtnis, erzählte Biografien auch.

Ein Dreivierteljahr ist meine letzte Reise in den Norden nun her, Hochsommer war es, und woran ich mich erinnere, ohne in meinen Recherche-Unterlagen zu wühlen und Interviews abzuhören, ist vor allem dieses verrückte kleine bohrende Heimatgefühl, das ich nirgendwo sonst auf der Welt habe. Ein Gefühl von Ruhe und von Schmerz, von Himmel und Licht.

Mit dem Seebad Pärnu, das früher einmal Pernau hieß, hatte meine Familie nicht viel zu tun – außer dass man sich durch das Wasser mit allen Baltendeutschen verbunden fühlte, die an den Küsten lebten. Pärnu liegt hoch oben am Rigaischen Meerbusen, hat rund 42.000 Einwohner und eine Architektur, die von den typischen Holzhäusern geprägt ist, wie man sie überall im Baltikum findet, aber auch von Jugendstil, Art Nouveau und etwas vom Bauhaus. Seit dem frühen 19. Jahrhundert gilt Pärnu als "Estlands Sommerhauptstadt", seines weißen Sandstrands und des Heilschlamms wegen, der hier aus der Ostsee gefördert und zur medizinischen Anwendung gebracht wird.


Das Meer ist extrem flach, man muss mehrere Hundert Meter Richtung Horizont stapfen, um schwimmtaugliche Tiefen zu erreichen. Bei Wellengang trägt die Gischt bräunliche Kronen, des Schlammes wegen, und im Winter, wenn die Tage so kurz sind, das man unversehens von einer Dämmerung in die nächste fällt, friert die Bucht rasch zu. Dann knirscht und knackt es aus der Tiefe, vor allem nachts, und raunt von früher.

DIE JÄRVI-DYNASTIE
Wie viele Järvis es in Estland gibt, die Musiker sind, hat noch niemand gezählt. Die prominentesten gehören zur Familie des Dirigenten Neeme Järvi (unten), der 1937 in Tallinn geboren wurde und 1980 in die USA emigrierte. Er hat über 400 Schallplatten aufgenommen, gern mit unbekanntem Repertoire. Seine Söhne Kristjan, 44, und Paavo sind ebenfalls Dirigenten. Seit 2010 leitet Paavo das Pärnu Music Festival, das sich sofort zu einem regen Familientreffpunkt entwickelt hat.

Das erste Mal war ich kurz nach Weihnachten 2004 in Pärnu, das Meer knirschte und knackte, und am anderen Ende der Welt, rund um den Indischen Ozean, ereignete sich die große Tsunami-Katastrophe. Die Fernsehbilder eines brachial zerstörten exotischen Paradieses standen in einem unfassbaren Kontrast zur eisigen Stille der Natur um uns herum. Jetzt, zwölf Jahre später, bin ich wieder hier, es ist Sommer, wie gesagt, und die Tage sind so lang, dass man aufpassen muss, die Nächte nicht zu vertun. Ich besuche das Pärnu Music Festival, das in sein sechstes Jahr geht und gewissermaßen eine Erfindung des Järvi-Clans ist, der berühmten estnischen Musikerdynastie. Dass auch Künstler den Weg in die Sommerfrische von Pärnu finden würden, war klar. Die Komponisten Dmitri Schostakowitsch und Aram Chatschaturjan gehörten zu den Stammgästen, und der Geiger David Oistrach veranstaltete in seiner Datscha nicht nur Konzerte, sondern führte dort auch stolz den Plattenspieler vor, den er auf einer seiner Tourneen in Ost-Berlin erworben hatte. Für die sowjetische Intelligenzia war das kleine Pärnu ein mondänes Schaufenster zum Westen.

Oistrach, erzählt der Dirigent Neeme Järvi, 79, einer der Begründer der Dynastie, habe gerne dirigieren lernen wollen. "'Neeme', sagte er, 'zeig mir, wie das geht.'" Und sein Jugendfreund Neeme zeigte es ihm: "Mit seinen kleinen runden Händen konnte er es schließlich ganz gut." Wir sitzen in einer Garderobe des 2002 neu erbauten Konzerthauses von Pärnu (900 Plätze im großen Saal, 170 im kleinen), Neeme Järvi und sein Sohn Paavo, ebenfalls ein international renommierter Dirigent. Kleine Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen Paavo als schmales blasses Jüngelchen an der Seite eines verschmitzt dreinblickenden Schostakowitsch. Kaum haben wir angefangen zu reden, schaut seine Schwester Maarika zur Tür herein, die Flötistin, "Tere!", "guten Tag", später gesellt sich Mutter Lillian dazu.

Eine Woche dauert das Festival, Symphonie- und Kammerkonzerte werden durch Meisterkurse und eine Akademie für junge Dirigenten ergänzt. Die leiten Neeme und Paavo gelegentlich auch zusammen, dann steht der Sohn vorn am Dirigentenpult und korrigiert Körperhaltung und Schlagtechnik der Kandidaten, während der Vater an der Seite sitzt und gut gelaunt schnauft: "And now: magic!" Oder: "Manche spielen Beachvolleyball, Sie spielen Sibelius!" Vor Bewerbern jedenfalls kann sich die Akademie kaum retten. Das Dirigieren habe sich zu einer regelrechten Seuche entwickelt, klagt der Meister schmunzelnd.Die Järvis sind für Estland das, was für die Deutschen vielleicht die Wagners sind, nur weniger ideologisch. Das Festivalprogramm zählt neben Neeme, Paavo und Maarika auch Madis, Mari, Marius, Martin, Mihkel, Miina und Teet Järvi als Mitwirkende auf, sie spielen Bratsche, Klavier, Orgel, Cello oder Geige. Nur Kristjan Järvi, Neemes jüngerer Sohn, der Chef des MDR Sinfonieorchesters in Leipzig, hatte diesen Sommer keine Zeit. Es ist der schiere Enthusiasmus, der aus dem winzigen Oistrach-Festival zunächst ein Järvi-Festival und seit 2010 dann das Pärnu Music Festival erwachsen ließ. Eine Metamorphose nicht ohne Ansprüche. "Anfangs", sagt Paavo Järvi und blickt aufs Jahr 2010, "waren wir hier sehr familiär. Das sind wir immer noch, aber das Niveau ist gestiegen, technisch wie künstlerisch."

Die Musiker des Orchesters (das, der Breitenwirkung halber, nicht Pärnu Festival Orchestra heißt, sondern Estonian Festival Orchestra) kommen von überall her. Mitglieder der Berliner Philharmoniker und der Bremer Kammerphilharmonie sitzen Schulter an Schulter neben estnischen Nachwuchsinterpreten und Kollegen aus Frankreich, Griechenland oder den USA. Paavo Järvis Ziel ("in zwei oder drei Jahren") ist es, einer Institution wie dem Lucerne Festival Orchestra nachzueifern, jenem von Claudio Abbado gegründeten Elite-Ensemble, in dem sich Sommer für Sommer die Besten der Besten sammeln. Das mag etwas hoch gegriffen erscheinen, ist von der musikalischen Qualität aber nicht abwegig. Und auratisch, landschaftlich nimmt Pärnu es mit dem Vierwaldstätter See locker auf. Das Entlegene, nordisch Verwunschene hat einen enormen Reiz. Nicht zuletzt um dafür zu werben, wird das Orchester 2018 zum ersten Mal auf Europatournee gehen.

Überdies könnte die geopolitische Lage Estlands zwischen Russland und dem Westen auch der Musik eine Brisanz bescheren, nach der man andernorts erst krampfhaft suchen muss. "Unser Orchester fördert internationale Beziehungen", sagt Neeme Järvi trocken, gerade weil die Probensprache heute Englisch sei. Viele junge Esten lernten aus Prinzip kein Russisch mehr.

Letztlich wisse niemand, so Neeme weiter, was der russische Präsident Wladimir Putin vorhabe, aller moralischen, wirtschaftlichen und militärischen Unterstützung der Nato und der EU zum Trotz. An der Lebensangst der Esten hat sich offenbar wenig geändert. Eine Angst, die das kleine Land seit Jahrhunderten kennt, mal unter schwedischer, mal unter deutscher, mal unter russischer Besatzung, wobei es sicher bessere und schlechtere Zeiten gab.

"Wir haben kein gutes Selbstbewusstsein", sagt Paavo Järvi, "wir warten immer auf Lob von außen." Damit meint er auch: Ein ordentlich dotiertes Orchester als Botschafter Estlands in der Welt würde helfen, das heimische Selbstbewusstsein zu stabilisieren.

Die Esten, Letten und Litauer sind hochmusikalische Völker. Man denke an ihre traditionellen Sängerfeste mit mehreren Zehntausend Menschen oder an die "Singende Revolution" von 1989. Im Gesang (und oftmals nur im Gesang) überlebten die eigenen Sprachen. Für das professionelle Musizieren allerdings ist diese Laienkultur nicht wirklich hilfreich. Dadurch dass die Musik lange einen subversiven Auftrag zu erfüllen hatte und erfüllte, ging es weniger um Fragen des technischen oder künstlerischen Fortschritts.

Viele Musiker seien schnell zufrieden, bemerkt Paavo Järvi, "insofern ist es eine didaktische Idee, die jungen Esten im Orchester neben internationale Topkräfte zu platzieren: Man wird nur besser, wenn man erlebt, wie gut andere sind." Erst wenn diese Einsicht sich durchgesetzt habe, könnten andere Parameter verändert werden: die fehlende Infrastruktur zur Talentförderung, das "sozialistische Denken", sobald es um privates Sponsoring gehe. Das estnische Musikleben, sagt Paavo Järvi, finde nach wie vor unter einer gläsernen Decke statt – "und wir sind dabei, diese Decke zu durchbrechen".

1980 emigrierte Neeme Järvi mit seiner Familie in die USA, die künstlerischen Einschränkungen in der UdSSR nahmen überhand. Nach der Unabhängigkeitserklärung 1991 kehrten die Järvis nach Estland zurück. Ihre amerikanischen Pässe haben sie behalten, und ihre Wohnsitze sind heute über die ganze Welt verstreut. Als "Flüchtlinge", wie man bei uns zu Hause sagte, haben sie sich nie gefühlt, der Musik und ihrer späten Geburt sei Dank.

Meine Großeltern hingegen, die über Nacht alles verloren, wollten Reval/Tallinn und Hapsal/Haapsalu, ihre "alte Heimat", nie wiedersehen. Im Mai 1945 sind sie 44 und 49 Jahre alt und ahnen, dass sie den kleinen Ort im oberfränkischen Zonenrandgebiet, an den es sie verschlagen hatte, nicht mehr verlassen werden. Endstation Erinnerung. Wie schön, wenn das Erzählte wieder zu leben beginnt.

Sämtliche Angaben zum diesjährigen Festival vom 10. bis zum 18. August unter parnumusicfestival.ee. Im Januar 2018 geht das Estonian Festival Orchestra mit Paavo Järvi und der Geigerin Viktoria Mullova auf Tournee.

Friday, April 21, 2017

Classical Source CD review - Nielsen




classicalsource.com
Colin Anderson
April 2017

This very welcome release preserves Concerto performances from the Philharmonia Orchestra’s Nielsen Symphony Cycle with Paavo Järvi.

Late in his life Carl Nielsen (1865-1931) decided to write a Concerto for each member of the Copenhagen Wind Quintet; sadly he composed only the two on this disc. That for Flute (1926) – for Holger Gilbert-Jespersen (who recorded the piece during the 1950s) – is whimsical and brimful of character, a range of moods embraced with a sense of theatre, not least an interrupting trombone, and with strong, varied and memory-hugging musical ideas. Samuel Coles plays with much virtuosity and personality and he enjoys a vibrant and deft interaction from his Philharmonia colleagues – whether the orchestra is being complementary or contrary to the flautist – with Järvi alive to details and colours that are projected as a part of an action-packed drama. (Signum also has a Nielsen Flute Concerto on its books, from Juliette Bausor, link below.)

Caprice and confrontation, and a dark lyricism, inform the Clarinet Concerto (1928) for Aage Oxenvad – “a person of somewhat choleric temperament, irascible but warm at heart” – such qualities, and others, reflected in this compelling music, a remarkable and fierce individuality in evidence from a tunesmith composer with progressive tendencies. The single movement, if of defined sections, rages and is soulful, a volatility underlined by a side drum as provocateur. Nothing is predictable yet everything belongs, and Mark van de Wiel plays this demanding work with flair, poise and insight; and, like Coles, receives an esteemed collaboration from the Philharmonia Orchestra and Järvi.

In February 1919 a new production of Adam Oehlenschläger’s Aladdin was staged in Copenhagen, for which Nielsen wrote a considerable amount of incidental music, and spectacularly good it is too, opening with the bold ‘Oriental Festive March’, played here with white-hot intensity, and also wonderfully suggestive, such as in ‘Aladdin’s Dream and Dance of the Morning Mist’, respectively tender and charming. The remaining five movements of the Suite (published posthumously in 1940) are all inventive and appealing, not least the multi-dimensional ‘Marketplace in Ispahan’, full of contrasts and divergences – an oriental ‘Fourth of July’ (Charles Ives) – and the Suite closes with the stamping exuberance of ‘Negro Dance’, Järvi totally at-one with Nielsen’s invention.

The only reservation is a minor one: that the Royal Festival Hall recordings have had a little resonance added (distracting) and that somewhat more space and distance has been found for Henry Wood Hall than is there in person; however the sound is vivid and complements first-class music and music-making.

Saturday, April 08, 2017

RECORDING OF THE MONTH

musicweb-international.com
Simon Thompson
April 2017


Richard STRAUSS (1864-1949)Don Juan [17:16]
Ein Heldenleben [44:13]
NHK Symphony Orchestra, Tokyo/Paavo Järvi
rec. live, Suntory Hall, Tokyo, 18 & 19 February 2015
RCA 88985391762 [61:29]



Strauss from Japan? Don’t be perturbed, but celebrate, because the results are excellent. Paavo Järvi took up the reins as chief conductor of the NHK Symphony Orchestra in the autumn of 2015, and for their first big recording project they turn to three planned discs of the orchestral music of Richard Strauss. This first instalment is really good, not least because the Japanese musicians approach Strauss’s music from a different angle to most of their recorded rivals, and the results are well worth hearing.

The first thing that strikes you is the nature of the orchestral sound. It’s light, breezy, airy and really quite wonderful. Järvi’s fast tempi help, but you can’t get away from the fact that the sound is really very un-Germanic. You might think that’s a bad thing in Strauss, a composer who sits right at the heart of the Austro-German tradition. In fact, however, it is different but remarkably successful, and so new-sounding as to be very refreshing indeed. However, don't believe any of the all-too-easy clichés about the sound being explained by this orchestra’s distance from Europe and from European culture: they’ve had several German conductors, and they’ve been playing this sort of repertoire for nearly a century. They sound this way because Järvi and the players want them to sound this way, so don’t try to explain it away: just embrace the new insights and the freshness that it brings.

There is weight when you need it, of course, most obviously in the vigorous, upwardly thrusting hero’s theme that opens Heldenleben, underpinned by sumptuous basses and with a gorgeously rich tone. The recording helps, too, placing the woodwind snipings of the adversaries right at the front of the sound and making them very present. The solo violin - played with not only great virtuosity but also uncommon sensitivity by Fuminori Marco Shinozaki - also benefits from a forward placing, but this gives it a pleasingly concertante feeling of togetherness, with the violin and orchestra answering one another’s questions like companions.

The live-ness of the recording is an almost unalloyed benefit, generating energy and spur-of-the-moment excitement that you don’t always get in the studio, and it helps to make the battle scene sound powerful, especially from the thunderous percussion. The only major downside comes there, too, because the offstage trumpets from that section’s beginning can get swamped as the orchestra cranks up. However, the build to the return of the Hero’s theme (track 5, 6:07) is thrilling, as is the first emergence of the Don Juan theme at the outset of the Works of Peace. The rest of that section is then characterised by some lovely solos and a persuasive sense of flow that leads into a sensationally lovely treatment of the Hero’s Retreat theme: the string tone at track 7, 3:51 will delight you, and even the attempts of the Adversaries to overthrow it can’t succeed. The final, temporary fortissimo blast feels perfectly judged, Järvi giving us a long, slow build up and then releasing the tension at just the right time.

This is a Heldenleben that deserves to stand alongside many more prestigious Central European readings, not because it threatens to unseat them, but because it’s refreshingly different, and a similar lightness of touch characterises an effervescent, brilliant Don Juan. The opening flourish will make the hairs on the back of your neck stand up - just listen to the clarity of the timpani and glockenspiel! - and the shimmer surrounding the first love theme is delightfully seductive. The rest of the work benefits from that lightness of sound I mentioned above, so that Don’s amorous escapades have a dance-like quality to them that’s both entirely appropriate and utterly engaging, interrupted by moments of delectable beauty, such as the gorgeously played oboe solo for the second love theme. The great horn theme at the ten-minute mark rings out with thrilling clarity, and the trumpet solo at 11:41, so easily missed in many recordings, oozes the character of a Yorkshire colliery band. The hero’s demise is shocking, as it should always be, the wisps of his spirit seeming to linger in the violins, and the effect is both poignant and at the same time unarguable in its suddenness.

A hit, then! I look forward to the next instalment.

Friday, March 31, 2017

Unabgenutzte Vermittler

fr.de
Bernhard Uske
24.03.2017

Das hr-Sinfonieorchester mit dem Pianisten Yefim Bronfman und markanten Zeugnissen in Frankfurts Alter Oper.
Ein Rüchlein musikalischer Bückware haftet den beiden Werken an, die auf dem Programm des hr-Sinfonieorchesters in der Alten Oper Frankfurt standen. Unreife sinfonische Frucht auf Seiten Anton Bruckners und konzertantes Fallobst bei Peter Tschaikowsky – konnte man meinen. Die „Nullte“ ist der Beiname der frühen d-Moll-Sinfonie des österreichischen Komponisten, was aber keinen mathematischen Unsinn bedeuten sollte, sondern vom selbstkritischen Schöpfer als Nullnummer gemeint war, als nichtiges Resultat seiner Bemühungen nach der großen, gar organischen Form. Peter Tschaikowskys 2. Klavierkonzert wiederum, als Folge-Schöpfung seines originellen konzertanten Erstlings, zeigt viel Vorgestanztes und Schematisches.

Pianistische Spitzengruppe

Zwei Musiker stellten sich der Aufgabe, die Werke an den Zuhörer zu bringen – zwei höchst frisch und unabgenutzte Vermittler. Zum einen der Ehrendirigent des hr-Sinfonieorchesters Paavo Järvi, zum anderen Yefim Bronfman, einer der Größen in der pianistischen Spitzengruppe. Er schien seine Rolle darin zu sehen, der planen und thematisch überschaubaren Vorzeige-Virtuosität ein Höchstmaß an wirbelnder und grollender Verve auf stark durchwühlten Sequenzierungs-Bahnen zuteil werden zu lassen.

Das schloss nicht aus, dass der 59-jährige gebürtige Usbeke im Andante non troppo des zweiten Satzes das lang währende, gemeinsame Konzertieren mit der Solo-Violine und dem Solo-Cello zu einem echten Trio und damit zu einem partiellen Tripelkonzert machte. Denn dezent und kammermusikalisch eingestellt agierte Bronfman mit den phänomenalen hr-Solisten: dem Konzertmeister Alejandro Rutkauskas und dem Cellisten Peter-Philipp Staemmler.

Mit Anton Bruckners „Nullter“ von 1869 vervollständigte Paavo Järvi nicht nur seinen mit dem hr-Sinfonieorchester produzierten Bruckner-Zyklus, sondern legte ein besonders markantes Zeugnis seines Bruckner-Zugangs ab, der ebenso differenziert wie subtil selbst bei den gewaltigsten und schneidendsten Ausbrüchen und Einschlägen zu bleiben vermag. Hier, bei den kunterbunt durcheinander gestellten und verbauten Klangklötzen und -klötzchen war die Brachial-Tüftelei ein blitzblankes, hochartistisches Ereignis, das obendrein überragend präzise und volumendifferenziert vom Orchester geboten wurde.

Eine gewaltige bricolage lange vor der Zeit: ein echter junger Wilder, gegen den der Zeitgenosse Gustav Mahler mit seiner 1. Sinfonie, die den Titel „Titan“ trägt, doch ziemlich alt aussieht.

ZERSPLITTERTE MENSCHHEIT

stagescreen.wordpress.com
Sascha Krieger
8.11.2016

Die Staatskapelle Berlin ist in ihrem Hauptjob ein Opernorchester. Das sollte wissen, wer an ihr Pult tritt. Dem estnischen Dirigenten Paavo Järvi, der als einer der besten seiner Zunft gilt, ist das nicht entgangen. Und so fällt zu Beginn dieses Abends zunächst auf, wie muskulös das Orchester agiert, wie massig die Streicherblöcke daherkommen, wie affirmativ die Blechbläser, wie deutlich und konturenscharf die Holzbläser. Das mag in Ludwig van Beethovens drittem Klavierkonzert ein wenig irritieren, erweist sich aber als kluge Entscheidung. Das hat auch mit dem Solisten zu tun. Radu Lupu ist ein eher idiosynkratischer Pianist, der gern einmal Umwege nimmt und auch vor extremen Lesarten nicht zurückschreckt. Das zeigt er hier im langsamen zweiten Satz: Da verzögert er radikal, wählt extrem langsame Tempo, baut immer wieder Abbrüche und Bremsbewegungen, aber auch die eine oder andere harte Setzung ein. Er verweigert dem Largo den typischen Fluss, hinterfragt und zergrübelt es, reißt es reflektiert auseinander. Das Orchester dagegen liefert den lyrischen Fluss, der den Satz eigentlich auszeichnet, spielt klar und affirmativ und bietet Lupu damit den Grund für seine Wanderungen.



Das ist auch im Kopfsatz so, wo das Orchester ein festes Fundament einzieht, den klassischen Schönklang romantisch auflädt, ihn mal in die Breite zieht, dann wieder massiv verdichtet. Lupu verweigert jede Härte, wechselt zwischen klarem, perlendem Gesang und bewegter Unschärfe – eine Ambivalenz, die sich am Orchester reibt und eine ungewöhnliche Spannung erzeugt. Im Finale lässt er die Melodielinien traumwandlerisch und scheinbar mühelos dahinfließen, verliert sich zuweilen fast in der Verweigerung von Ausdrucksvielfalt. Glücklicherweise gilt das für das Orchester nicht, das sich im Spannungsfeld aus hellem, luftigem pastoralen Klang und dramatischer Verdichtung bewegt. Die Staatskapelle bemüht sich dabei um höchste Konturenschärfe, was Lupu aber gern konterkariert. Am Ende steht ein eigenwilliges „Drittes“, das sich im Zwiegespräch zwischen Orchester und Solist findet, dieses aber auch immer wieder hinterfragt. Von klaffenden Wunden zu sprechen, wäre sicher übertrieben, aber Järvi und Lupu finden so manchen Bruch, den zu kitten sie nicht ernsthaft versuchen.

Von Natur aus voller Brüche ist Dmitri Schostakowitschs siebte Symphonie, die viel gedeutete und noch mehr instrumentalisierte „Leningrader“. Hier sind die Wunden tatsächlich offen und Järvi streut reichlich Salz hinein. Fahle Töne sind die Grundfarbe seiner alles andere als versönlichen Lesart. Hat der Beginn noch ordentlich Zug, setzt bald eine Ausdünnungs- und Entfärbungsbewegung ein, die das ganze Werk durchzieht. Sehr zart die pastorale Episode, die hier fast zum Stillstand führt. Immer wieder bremst das Geschehen ab, gewinnt eine gespenstische Tonlage zunehmend die Oberhand, die sich auch in Solovioline und Piccoloflöte findet, deren Klagen die berühmte Invasionsepisode einleitet. Diese beginnt in mehrfachem Pianissimo, kaum hörbar aus dem nichts, bruchstückhaft sich zusammenfügend. Das anschwellen, die Verzerrung, der Weg zur Gewalt sind organisch entwickelt, zwingen, unentrinnbar. Järvi überbetont nicht, sondern er lässt die Gewalt und ihren Sog wachsen als gäbe es keine alternative. Die „Invasion“ ist ein Totentanz, geisterhaft, fahl, kalt, erschütternd.



Nach einem zweiten Satz, der in seiner melancholisch verzweifelten klanglichen Reduktion hier kaum mehr ist als ein Nachgedanke folgt ein Adagio, das sich noch stärker zurücknimmt. Der Klang wird weiter entfärbt und ausgedünnt, die Einzelstimmen finden sich zunehmend isoliert, zur Reduktion des Klangs gesellt sich eine Fragmentierung der Stimmen und musikalischen Elemente. Der Zusammenhalt schwindet, organisches Werden und Vergehen wird abgelöst durch unvermittelte Ein- und Ausbrüche. es wird immer dunkler, die Musik tastet sich voran, blind und verzweifelt. Im Finale dann keine Spur vom Triumph, den Stalins Propaganda in ihm sah. Stattdessen zerfällt das musikalische Geschehen immer mehr, nehmen die Kontraste in Klangbild und Dynamik immer weiter zu, entwickelt sich eine Art Episodenstruktur, in der jedes Element, jedes Thema, jeder Solopart nurmehr für sich allein steht. Das Verbindende sucht der Zuhörer vergebens. das ist Programm: Die Gewalt, die Entmenschlichung des Menschen, von denen die vorigen Sätze erzählen, haben ganze Arbeit geleistet. Was bleibt, ist Zersplitterung, Versuche, zu einem Ausdruck zu finden, der in die Leere geht, weil er auf nichts mehr verweist. Und so klingt auch der Schluss hohl. keine Spur von Strahlen, jeden entsprechenden Versuch der Blechbläser unterminieren die unerbittlichen Kreisbewegungen der Streicher. So endet das Werk mit schneidender, beinahe roher Schärfe und ohne jede Versöhnung. Da wird der Gesang der Soloflöte zur stillen Klage, die darum weiß, dass niemand sie erhört. Eine radikale, aufrüttelnde Interpretation, die dem Zuhörer nichts schenkt und keine einfachen Antworten gibt. Die Fragen, die sie stellt, sind jedoch nicht aus der Welt. Im Gegenteil.

https://stagescreen.wordpress.com/2016/11/08/zersplitterte-menschheit/

NHK SYMPHONY ORCHESTRA AND PAAVO JÄRVI LEAVE EUROPE “THRILLED” AND WANTING MORE

harrissonparrot.com
16.03.2017



The extensive European tour undertaken by NHK Symphony Orchestra and led by conductor Paavo Järvi left Europe wanting more: “thrilling: fabulously disciplined, crisp and purposeful, and yet also expressive…” (The Guardian)

The tour kicked off on 28 February in Berlin, where the orchestra performed for their first time after 11 years and set the tone for a spectacular tour. Die Welt lauded the performance: “Paavo Järvi, from his clearly accentuated opening (of Mahler Symphony No.6), took his fiercely engaged orchestra with vehemence out of the comfort zone…with Järvi the work is disciplined, with fine articulation and a soft, yet structured, sound which leads us through melancholic marches”. Tagespiegel confirmed the success: “since technical mastery is crucial to the music of Mahler, one can be astonished at the excellent percussion and clearly staggered sound spaces.”

The next destination was the sold out Luxembourg Philharmonie, where on 1 March “Paavo Järvi seduced with the nobility of his style, the beauty of the counter-songs and the sobriety of the dramatism (in Sibelius’ Violin Concerto)…Our Japanese musicians offered the Shostakovian message more in its threatening universality, its abstract fury […] in favour of a sonorous culture which, without being aesthetic, largely banished the confusion and panic of the music’s confession.” (Luxembourg Wort)

Another sold out performance followed on 2 March at Philharmonie de Paris. NHK SO was described by Le Club des Critiques, Radio France as an orchestra with “a very warm tone and, at the same time, an almost brutal attention which is also fascinating to witness in the Sibelius Violin Concerto with Janine Jansen”. “Shostakovich’s 10th in the second half was performed to perfection”. “This is an extremely impressive orchestra…with an extraordinary warmth and expressive strings”.

Diapason viewed the performance as “an unmistakably convincing marriage”, as “the musicians of the NHK aim for crudity and realism, and their radical spontaneity gives the impression of a young orchestra, with the mastery of experienced training”.

Next on the tour was Amsterdam on 4 March, where “the NHK Symphony Orchestra Tokyo surprised with a blazing virtuosity in Shostakovich. Chief conductor Paavo Järvi smuggles the Japanese into the top league…the triumph of a dream team…” (Der Volkskrant)

Returning on 6 March to Royal Festival Hall, Southbank Centre, London, after 23 years, the expectations were high, and they were met and surpassed, with brilliant press reviews. “This visit by Tokyo’s NHK Symphony Orchestra and its chief conductor, Paavo Järvi, was a rare UK showcase for an ensemble on bristlingly good form”. (The Guardian)

The Times described the finale: “in the life-and-death tumult of the finale, where a flamboyant percussionist turned the two ear-splitting hammer-strokes into a new form of martial art – the direct, almost violent clash of opposites really paid off. The ending was stunningly dramatic”.

The last two concerts took place at Wiener Konzerthaus on 7 March and Cologne Philharmonie on 8 March. The sold out Vienna performance was described in Der Standard as “radiant music of anxiety”, “an unvarnished performance – with intensity and without sentiment.”, while Kronen Zeitung concluded that “the NHK Symphony Orchestra Tokyo performs with precision and that seeming lightness and elegance that its Chief Conductor, Paavo Järvi, is so fond of”.

The tour concluded in Cologne with long applause and standing ovations after “the exceptionally precise, profoundly strong and almost boundless breadth of the Japanese elite orchestra’s playing”. (Kölnische Rundschau).

NHK Symphony Orchestra has taken Europe by storm and everyone is talking about it.

http://www.harrisonparrott.com/news/nhk-symphony-orchestra-and-paavo-jarvi-leave-europe-thrilled-and-wanting-more

Wednesday, March 15, 2017

Eine Geigenvirtuosin und eine virtuose Abrechnung

Kronen Zeitung
Helmut Christian Mayer

La puissance sans la crispation

Luxemburger Wort
Par Pierre Gerges
3.03.2017





Friday, March 10, 2017

Philharmonie de Paris : retour triomphal de Paavo Järvi avec l'Orchestre symphonique de la NHK Tokyo

diapasonmag.fr
Rémy Louis
7.03.2017


Voir et entendre Paavo Jarvi à la Philharmonie de Paris avec son nouvel orchestre, celui de la NHK Tokyo, suscitait un grand intérêt. L'énergie fuselée propre au chef imprègne le Concerto pour violon de Sibelius partagé avec Janine Jansen. A une réserve près, qu'on n'avait pas anticipée : l'échelle dynamique naît tellement aux confins du murmure (premières mesures) que l'orchestre n'est pas toujours parfaitement audible là où nous étions placés (premier balcon de face, en général excellent pour l'orchestre). Le timbre très présent et projeté de la soliste prend ainsi plusieurs fois l'ascendant sur celui des cordes. Aucun problème bien sûr dans les tuttis, où Järvi libère une énergie formidable.

Jansen est irrésistible, pour sa conduite d'archet, ses phrasés si agiles, son discours à la fois libre et parfaitement contrôlé. Et aussi cette spontanéité de l'inspiration, cette part de sensualité qu'elle met à toute chose : elles confèrent à l'œuvre une évidence classique, une lumière et une douceur évocatrices (Adagio di molto). L'articulation et la finesse rhétorique du Bach donné en bis nous font rêver qu'elle enregistre toutes les Sonates et Partitas pour violon seul. Les musiciens japonais ont nonobstant exposé dans Sibelius une conception orchestrale inspirée par la culture allemande. L'étoffe et le jeu creusé des contrebasses, la rondeur de l'admirable pupitre de cors, la couleur assez sombre du quatuor donnent quelques indices.

La Symphonie n° 10 de Chostakovitch les confirment ensuite. On est impressionné par l'extraordinaire discipline d'ensemble, pupitre par pupitre, par la réactivité fulgurante au geste impérieux du chef (la fantastique rapidité d'exécution de l'Allegro, course folle, mais souple, que ne freine aucune inertie). La concentration de l'expression, mais aussi du son lui-même, engendre une matité assez rare de nos jours, où les orchestres visent souvent le brillant. Cela correspond idéalement au geste tout en tension et en mordant de Järvi, qui nous ramène sans détour au contexte stalinien de la composition. Même les passages plus élégiaques (le début de l'Allegretto, idéalement dosé) distillent une menace impalpable, qui atteint son inévitable et fulgurant apogée dans les climax. Interprétation de fer et de feu, bloc sonore dense et serré sans jamais être fermé ni compact (les couleurs et les respirations des bois, des cuivres).

Andris Nelsons nous avait offert deux extraordinaires 10e avec le Concertgebouw d'Amsterdam , puis le Boston Symphony, au son plus opulent et « confortable ». Les musiciens de la NHK visent crudité et réalisme, se donnent avec la spontanéité radicale d'un orchestre de jeunes, et la maîtrise d'une formation d'expérience. Voilà un mariage indubitablement convaincant, dont la Valse triste de Sibelius donnée en bis, à la fois exigeante et éperdue (nuances, tempos), reconduit tous les caractères dans une réduction homothétique. Magnifique succès à l'issue, naturellement.

Paavo Järvi et l'Orchestre symphonique de la NHK Tokyo, Philharmonie de Paris, le 2 mars.

Thursday, March 09, 2017

Die Präzision des Bösen

wienerzeitung.at
8.03.2017

(irr) So sicher sich die Programmheftschreiber heute sind: Beweisen lässt es sich nicht, dass Dmitri Schostakowitsch in seiner Zehnten Symphonie das eigene Überleben gefeiert hat. Naheliegend ist es aber schon. Das Werk ist knapp nach dem Ableben Stalins entstanden, und der hatte den Tonsetzer öffentlich demütigen lassen - was einer Morddrohung gleichkam. Dann aber der Tod des allmächtigen Tyrannen - und danach eine Symphonie, in der Schostakowitschs Initialen immer wieder musikalisch aufblitzen, erst unauffällig eingewoben, dann offener, zuletzt fast schon triumphal: D-Es-C-H.

Paavo Järvi dirigiert diese Partitur zwischen Mahler und Moderne derzeit auf einer Tournee, und er beweist damit zweierlei. Erstens, dass es sich lohnt, Vorurteile gegenüber Fernost-Ensembles zu überdenken. Das NHK-Sinfonieorchester Tokio, seit 2015 unter der Leitung des Esten, arbeitet mit der Spritzigkeit eines Klasse-Orchesters. Zweitens: Der perkussive Ansatz, mit dem der studierte Schlagwerker Järvi bereits Beethoven neu gesichtet hat, macht sich abermals bezahlt. Die monströsen Märsche der Zehnten wüten hier in einem kristallklaren Klangbild; die brutalen Blechsalven des Scherzos (angeblich ein Stalin-Porträt) treffen mit konzentrierter Schärfe ins Mark. Wobei: Diese Rhythmus-Präzision kann der Musik auch zum Gefängnis werden. Die Jubeltöne des Finales, sie strömen hier nicht frei. Absicht? Ein reines Vergnügen dagegen das Sibelius-Violinkonzert: Janine Jansen versorgt die drei Sätze mit einer Energie und Leuchtkraft, als wäre sie nicht an der Geige, sondern an der Starkstromleitung tätig; das Orchester erklimmt ganze Gebirgsketten an Spannungsgipfel und lässt die Täler dazwischen reizvoll schillern.

NHK Symphony Orchestra/Järvi review – an ensemble on bristlingly good form

theguardian.com
Erica Jeal
8.03.2017

Royal Festival Hall, London
The Tokyo orchestra’s swashbuckling performance of Mahler’s sixth was fabulously disciplined, crisp and purposeful, if a little too driven


This visit by Tokyo’s NHK Symphony Orchestra and its chief conductor, Paavo Järvi, was a rare UK showcase for an ensemble on bristlingly good form.

Toru Takemitsu’s 1957 Requiem for Strings unfolded in gauzy, many-layered textures, sounding reticent yet eloquent, its phrases falling into the rhythms of slow speech. At the end, a charged silence seemed to last for minutes.

Returning to the stage, Järvi didn’t even wait for the applause to stop before bursting into the opening of Mahler’s Symphony No 6. This was a swashbuckling performance, with few concessions made to the bright acoustic of the venue. But if the playing was loud, it was also often thrilling: fabulously disciplined, crisp and purposeful, and yet also expressive. The second movement had its quirky moments, the oboe piping like some long-beaked waterbird, the horns swerving in a woozy, drunken dance. The third was tender without being sentimental.

Järvi’s brisk approach paid off in many places. But ultimately, it was a bit too driven – there was no lingering, no space for the music to gather the full complement of its tragic intensity. Long before the ferocious closing pages, it felt as though Järvi and his players had already thrown the kitchen sink at us, as well as all the implements stored underneath – the off-stage cowbell player is busy in this symphony. Still, even if we had not gone on the symphony’s full emotional journey, it was quite some ride.