Monday, July 02, 2018

Z ljubljanskim festivalom se v prestolnico vračajo Münchenski filharmoniki

rtvslo.si
1.07.2018



Po osmih letih se v Ljubljano vračajo Münchenski filharmoniki, orkester, ki slovi po žlahtnosti interpretacije, zavzemanju za sodobno glasbo, predvsem pa za to, da bi koncertna glasba dosegla čim širši krog ljudi. Znan je tudi po legendarnih Brucknerjevih koncertih in avstrijski skladatelj tudi tokrat ne bo umanjkal pri programu, ki ga pripravljajo.

Poleg Brucknerjeve Simfonije v D-molu – Ničta spored koncerta v Cankarjevem domu prinaša še BartokovKoncert za klavir in orkester št. 3 v E-duru in Hindemithove Simfonične metamorfoze na teme Carla Marie von Webra. Koncertu bo dirigiral Paavo Järvi, solist bo pianist Piotr Anderszewski.

Zgodovina Münchenskih filharmonikov sega v leto 1893, ko so bili ustanovljeni na osebno pobudo dirigenta Franza Kaima. Orkester pod vodstvom priznanih dirigentov pušča neizbrisen kulturni pečat in bogati glasbeno podobo Münchna. Karizmatični dirigent Sergiu Celibidache, ki ga je vodil med letoma 1979 in 1996, je vnesel izostren občutek za medsebojno odzivanje, ki sicer odlikuje komorne ansamble. Že kmalu po ustanovitvi si je orkester s svetovnimi turnejami pridobil velik ugled, ki je pod vodstvom prestižnih imen nenehno rasel.

V družbi nagrajencev
Njihov prvi častni dirigent v zgodovini je bil Zubin Mehta, v sezoni 2015/2016 pa je umetniško vodstvo prevzel sloviti Valerij Gergijev. Solist bo pianist Piotr Anderszewski, znan po interpretativni izraznosti in izvirnosti, dobitnik prestižne nagrade gilmore, ki jo vsake štiri leta podelijo izjemno nadarjenemu pianistu. Vlogo dirigenta prevzema grammyjev nagrajenec, Estonec Paavo Järvi.

Järvi je v nedavnem pogovoru za Delovo Sobotno prilogo med drugim dejal, da je v Estoniji njen nacionalizem glasben. "Nisem prepričan, od kod, vem pa, da so ljudje vedno peli, vsi vedno pojejo [...] Celo naša revolucija je bila pojoča; če so imeli Čehi žametno, smo mi imeli pojočo revolucijo. Vsa država je pela in celo Rusi niso mogli streljati v pojoče množice."
M. K.

Bunkamura no. 159 / July 2018

bunkamura.co.jp
07.2018



Friday, June 29, 2018

Neuer Hausgott gefunden

ovb-online.de
Tobias Hell
29.06.2018

Münchner Philharmoniker, Gasteig.

Beethoven, Brahms und Bruckner gehören von jeher zu den Hausgöttern der Münchner Philharmoniker. Und wenn die jüngsten Konzerte als Indikator gelten dürfen, ließe sich diesen Namen gut und gerne mit Bartók einweiteres „B“ zur Seite stellen. Denn nach dem fulminanten „Mandarin“, den man in der vergangenen Woche hingelegt hatte, folgte nun mit dem dritten Klavierkonzert des Komponisten der nächste Volltreffer. Zu danken war dies auch dem Solisten Piotr Anderszewski, der eine balancierte Lesart vorstellte, die um die effektvollen Aspekte des Werks wusste, aber auch hinter die Noten zu schauen verstand. Hochemotional vor allem der zweite Satz, dessen „Adagio religioso“ Anderszewski beim Wort nahm, ohne plakativ das Weihrauchfass zu schwenken.

Genau hier fand sich die Schnittmenge mit Dirigent Paavo Järvi. Der nämlich hatte schon vor der Pause mit der „Nullten“ einen überzeugenden Zugang zu Bruckner gefunden, bei dem Klischees und Vorurteile in der Schublade blieben. Järvi befreite die Partitur von romantisierendem Ballast und pflegte ein dynamisch flexibles, klar aufgefächertes Klangbild, das vor der Auslotung von Extremen keineswegs zurückschreckte. Etwa im scharfkantigen Scherzo, wo das kontrastierende Trio augenzwinkernd mit einer Extraschicht Geigen-Zuckerguss überzogen wurde.

Ebenso kompromisslos auch Hindemiths „Symphonische Metamorphosen“: Kraftvoll, aber dank umsichtiger Blechbläser selbst bei großen Klangeruptionen nie brutal, sondern Hindemiths Instrumentierung effektvoll auskostend.

Monday, June 18, 2018

Zweites Gastspiel der Bremer Kammerphilharmonie in Bad Kissingen mit Überraschung

infranken.de
Thomas Ahnert
18.06.2018

Der Geiger Christian Tetzlaff und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen überwältigten das Publikum mit dem Violinkonzert von Johannes Brahms.



Die Schlacht ist geschlagen: Christian Tetzlaff nach dem Violinkonzert von Brahms. Foto: Gerhild Ahnert

Das zweite Gastspiel der Bremer Kammerphilharmonie begann ja schon mit einer Überraschung. Dass man in einem Konzert über Musik von Franz Schubert einmal würde lachen können, damit hatte man einfach nicht gerechnet. Aber m,an musste wirklich aufpassen, dass das Lachen nicht laut wurde. Seine "Ouvertüre im italienischen Stil" ist ja schon aus einer Laune heraus entstanden. Schubert hatte in Wien Rossinis Oper "Tancredi" gesehen und mit Freunden gewettet, dass er genauso komponieren könne wie der berühmte Italiener. Der Beweis ist diese Ouvertüre.
Es ist ja schon erheiternd, wie gut Schubert nicht nur Rossinis Ouvertürenstrukturen, sondern auch seine Klischees durchschaute und ihn teilweise auch zitierte. Aber wirklich lachen konnte man über die liebevolle Ironie, mit der die Bremer diesen rossinisierten Schubert spielten, wie sie ihm auf die Schliche kamen und diese zelebrierten. Da wurde immer ein bisschen überzeichnet, ohne freilich in die Nähe der Karikatur zu geraten. Vor allem die typischen Beschleunigungen gelangten ein bisschen behäbiger, ausladender an ihre Zielpunkte. So wurde die Pfiffigkeit der Musik eine dreifache: die Rossinis, die Schuberts und die der Bremer.

Völlig ungewohnter Zugang

Aber dann kam der Überfall: Ausgerechnet das Violinkonzert von Johannes Brahms! Ausgerechnet das Konzert, das so gerne von Solisten und Dirigenten zelebriert wird, wie kein anderes, und das nicht nur, weil sich so die enormen virtuosen Anforderungen ein bisschen retuschieren lassen, sondern auch, weil es als Inbegriff einer in sich ruhenden späten Romantik gilt.
Natürlich sind Paavo Järvi und seine Bremer bei ihrem Brahms-Projekt mit dem Anspruch angetreten, den Hanseaten aus der Ecke der Gemütlichkeit herauszuholen, und das hatten sie ja schon beim Eröffnungskonzert mit der 4. Sinfonie höchst erfolgreich bewiesen. Man konnte also gewarnt sein.
Schon das Orchestervorspiel mit seinen beiden Themenblöcken, so lang und so üppig wie eine halbe Sinfonie, fand auf einem erstaunlich hohen, engagierten Niveau statt, das signalisierte, dass der Solist einiges würde bieten müssen, um sich zu behaupten. Aber dann kam Christian Tetzlaff mit einem Zugriff, der durchaus sprachlos machte. Vom ersten Ton an spielte er auf Durchsetzungswillen, ohne jedes Einstiegsgeplänkel oder Warmspielen. Dabei zielte er nicht auf Konfrontation mit dem Orchester - was auch gar nicht Brahms' Absicht gewesen wäre - sondern auf möglichst hohe Augenhöhe. Das kann er nicht mit jedem Orchester und Dirigenten machen. Aber er kennt seine Bremer, und die Bremer kennen ihn. 
Das Ergebnis war eine Musik von an die Grenzen der Erträglickeit gehender Spannung. Denn Tetzlaff spielte ohne jede Rücksicht auf technische Bedenklichkeiten in einer blitzsauberen Klarheit, dass man sich fragte, ob man jemals zuvor schon alle Noten gehört hat. Er forcierte die Tempi, wo es ging (und sinnvoll war) - und das Orchester ging mit. Es war ein phantastisches Zusammenspiel, weil Tetzlaff sehr stark dem Orchester zugewandt spielt, weil beide Seiten bestens aufeinander reagierten, und weil Paavo Järvi den Boden für klare Strukturierungen bereitet hatte, weil durch dynamische und agogische Strukturierungen die in jedem Moment wichtigen Stimmen klar herausgestellt waren. Schon der erste Satz war emotional so aufgeladen, dass die Ersten im Publikum schon applaudierten.
Der Beginn des zweiten Satzes machte unmissverständlich deutlich, auf welchem Niveau da musiziert wurde. Ulrich König blies ein derart intensives Oboensolo in der Stimmung einer aufgeregten Ruhe, dass man ins Grübeln kam, was die Solovioline dazu noch sagen konnte. Aber sie konnte. Tetzlaff nahm diese Stimmung auf und trieb sie weiter in eine unmerklich steigende Unruhe, bis man plötzlich überrascht feststellte, welche Energie die Musik auf einmal entwickelt hatte.
Dass der dritte Satz dann wie ein Wirbelsturm hereinbrach, war letztlich nicht mehr überraschend. Da ließ sich das Orchester von Tetzlaff verleiten, sich auf seine hohen Tempi einzulassen und ihm mit einer kollektiven Virtuosität Paroli zu bieten, die man normalerweise nicht erwarten kann. Der Beifallsturm schloss sich nahtlos an.

Endlich mal keine Strradivari

Etwas fiel übrigens angenehm auf: der etwas andere Klang von Christian Tetzlaffs Geige. Es war einmal nicht der Klang einer der vielen Stradivaris oder anderer italienischer Kreationen aus dieser Zeit, der zum absoluten Schönheitsideal hochstilisiert worden ist. Sondern es ist ein Instrument aus dem 21. (!) Jahrhundert: eine Geige des Bonner Geigenbauers Stefan-Michael Greiner aus dem Jahr 2000. Sie hat nicht nur einen wunderbar klaren Klang, sondern sie muss auch ein phantastisches Ansprechverhalten haben. Sonst wäre die Trennschärfe in den forciert schnellen Passagen so nicht möglich gewesen.
Und noch etwas ging einem durch den Kopf. Natürlich hätte man das Konzert auch gerne mit Janine Jansen gehört. Das wäre natürlich auch toll geworden, aber völlig anders, eher "Feine Linien in Pastell". Einen derart athletischen Zugriff bis zur Bärbeißigkeit hätte man von ihr sicher nicht bekommen.
Als Zugabe und zum Herunterkommen spielte Christian Tetzlaff die ruhigere Gavotte en Rondeau aus der Partita III für Violine solo BWV 1006 von Johann Sebastian Bach.


Weiter wie am Freitagabend

Nicht überraschend, dass die Bremer bei der 3. Sinfonie von Brahms da ansetzten, wo sie bei dem Violinkonzert aufgehört hatte. Auch hier profitierte die Musik (und das Publikum) von der Tatsache, das die virtuose Schmerzgrenze bei den Bremern wesentlich höher liegt als bei anderen Orchestern. Sie war einfach wieder mitreißend musiziert. Schon der Beginn, wo sich nach einem tumultösen Auftakt allmählich die Strukturen und Themen klären, war trotz aller Dichte immer ausgezeichnet durchhörbar und in seiner Weiterentwicklung verfolgbar. Es war auc hier wieder die große klangliche und strukturelle Klarheit, mit der die Bremer spielten, die sinnfällige Kalkuliertheit der Dynamik und der Klangfarben, der unverkrampfte Umgang auch mit den schwierigen Rhythmen vor allem des vierten Satzes. Es war auch für Veteranen der 4. Sinfonie ganz einfach eine umwerfende neue Erfahrung.
Bei den Zugaben setzten die Bremer ihre Reihe vom Freitag fort: mit den Ungarischen Tänzen Nr. 1 und Nr. 10 von Brahms.

FESTIVAL Das Cello steht im Mittelpunkt

swp.de
Dietrich Bretz
18.06.2018

(...)
Ein spannendes Konzert präsentierte die von Paavo Järvi geleitete Sächsische Staatskapelle. Zum Auftakt Arvo Pärts „Swansong“, der auf einer Motette für Chor und Orgel auf Worte des irischen geistlichen John Henry Newman beruht. Eine mit ihrer religiösen Aura berührende Tondichtung, die die Staatskapelle sensibel ausdeutete. Im Zentrum stand das Violinkonzert des polnischen Juden Mieczysław Weinberg (1919-1996), dessen leidvollen biografischen Stationen sich in der Motorik des Kopfsatzes zu spiegeln scheinen. Ein Glücksfall, dass der Ausnahmegeiger Gidon Kremer dafür als Solist gewonnen werden konnte, der die ruhelosen Passagen ebenso wie die verschatteten und innigen Teile und letztlich auch den verheißungsvollen Tonfall im Finale nuanciert ausformte.

Als Schlusspunkt hatte der Dirigent Jean Sibelius’ „Lemminkäinen Suite“ gewählt. Eine nordische Heldensage, deren Klangreichtum Järvi mit der Staatskapelle differenziert auslotete.

Sunday, June 17, 2018

Grandioser Auftakt beim Kissinger Sommer

mainpost.de
Elke Tober-Vogt
17.06.2018

Sol Gabetta war Solistin beim Eröffnungskonzert des Kissinger Sommers. Foto: Kissinger Sommer–


Erfrischend kurz und humorvoll war die Begrüßung durch Bad Kissingens Oberbürgermeister Kay Blankenburg. Dann war die Bühne frei für ein grandioses Auftaktkonzert zum diesjährigen Kissinger Sommer. Die Cellistin Sol Gabetta und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvi formten diesen Abend im sehr gut besuchten Max-Littmann-Saal des Regentenbaus zu einem eindrucksvollen Erlebnis.

Vom ersten erlesenen Ton an war klar, dass man hier eine völlige Einheit von Dirigent und Orchester erleben durfte. Mit Franz Schuberts Ouvertüre zum Melodram „Die Zauberharfe“ setzte Järvi den Saal unter Strom, brachte ihn fein zum Vibrieren, baute allmählich so viel Spannung auf, dass nur ein überwältigender Schluss folgen konnte.

Natürlichkeit

Der Este gehört zu den Dirigenten, die sehr der Natürlichkeit zugetan sind. Sol Gabetta als diesjährige „Artist in Residence“ ergänzte dies vollkommen: Bei Edward Elgars Konzert für Violoncello und Orchester e-Moll op. 85 bestach sie durch weiche, runde Tongebung. Eingebettet in den Orchesterklang, doch immer präsent, setzte sie allein die Musik in Szene, erfüllte den Saal gleichzeitig durch ihre intensive Ausstrahlung.

Virtuos, temperamentvoll, katzenhaft war ihr Spiel, nie überdreht oder selbstdarstellend, ganz dem kultivierten und gepflegten Umgang mit dem kostbaren Schatz des Werkes verpflichtet. Dirigent und Solistin verstehen sich bestens, das war nicht zu überhören. Elgars Werk wurde so zu einem emotionalen Bekenntnis zu empfindsamem, innigem und beseeltem Musizieren.

Erquickend

Butterweich ausmusiziert die Sinfonie Nr. 4 e-Moll von Johannes Brahms nach der Pause, eine erquickende Neubegegnung mit Altvertrautem. Järvi ließ seine perfekt mit ihm und innerhalb des Orchesters abgestimmten Musiker schwelgen, Melodielinien auskosten – der Quell der Musik sprudelte nur so.

So entstand eine in vielerlei Hinsicht meisterliche, ja kongeniale Interpretation: Meisterlich in Dosierung und Zurückhaltung, sodass prachtvolle und explosive Höhepunkte umso wirkungsvoller gerieten. Meisterlich in Farbgebung und Abmischung, meisterlich in Kantabilität und Expressivität, im Einklang des Orchesterapparats, des großen Bogens und musikalischen Atems. Meisterlich im hauchzarten Pianissimo ebenso wie im exaltierten Fortissimo.

Nach knapp zweieinhalb, wie im Flug vergangenen, Stunden gab es großen Applaus in alle Richtungen, dann Brahms als Zugabe – ein würdiger Festivalauftakt!

Tuesday, June 12, 2018

INTERVIEW MIT PAAVO JÄRVI

kissingensommer.de
Thomas Ahnert
12.06.2018

Thomas Ahnert traf Paavo Järvi, den Chefdirigenten des Festivalorchesters des Kissinger Sommers, in Bremen zum Interview. Das Interview erschien in der Saale-Zeitung / inFranken.de am 12.6.2018.

In den letzten Tagen haben sich die Musiker der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen in ihrem Stammquartier in der Gesamtschule Bremen-Ost – die ist im Stadtteil Tenever – auf ihre vier Konzerte beim Kissinger Sommer vorbereitet. Nach der 3. Sinfonie von Johannes Brahms trafen wir Paavo Järvi, seit 14 Jahren Chefdirigent der Bremer, zu einem Gespräch.



(Foto: Gerhild Ahnert)

Können Sie mir erklären, warum die Kammerphilharmonie und Sie im letzten Jahr zu den absoluten Lieblingen der Kissinger geworden sind?

Paavo Järvi: Nun, ich weiß nicht wirklich, warum das so war, aber ich hoffe, es war wegen der Musik, wegen der Aufführungen. Wir genießen es jedenfalls sehr, in Bad Kissingen zu sein. Es ist eine sehr natürliche und sehr angenehme Umgebung für das Orchester, um Musik zu machen, und die ganze Atmosphäre ist sehr entspannt und freundlich.

Zuerst ein paar Fragen zu Ihrer Biographie. Sie kennen sie, ich kenne sie. Trotzdem: Sie sind Chefdirigent hier in Bremen und in Tokio; sie werden es in der Tonhalle in Zürich sein, Sie sind Gastdirigent, Ehrendirigent und geben Konzerte in der ganzen Welt. Wo und wann leben Sie eigentlich?

Wo ich lebe? Ach. Das ist eine gute Frage. Da ich praktisch überhaupt keine Freizeit habe, bin in der Tat ständig auf Reisen. Heute Abend nach der Aufführung fahre ich schon wieder nach Dresden. Aber der offizielle Wohnsitz ist in London.

Da zahlen Sie Ihre Steuern?

Ja. Eigentlich ist mein offizieller Wohnsitz in Palm Beach, Florida. Aber bei meinem Leben ist es sehr kompliziert, weil es in so vielen Ländern stattfindet, von der Geographie her ist nicht wirklich klar, wo ich lebe.

Ihre 14 Jahre in Bremen sind die längste Zeit, die Sie mit einem Orchester zusammengearbeitet haben – hoffentlich noch lange – was war der Grund für diese 14 Jahre?

Eigentlich ist es sogar länger, offiziell sind es etwa 14 Jahre, aber wirklich besteht die Beziehung schon fast 20 Jahre: Mein erstes Konzert mit ihnen war vor mehr als 20 Jahren, und seitdem war ich beinahe jedes Jahr hier, so dass die Beziehung lang, sogar länger als 14 Jahre anhält.

Was macht dieses Orchester so interessant für Sie?

Sie sind besonders. Es gibt kein anderes Orchester, das der Kammerphilharmonie gleicht.

Und was ist das Besondere?

Alles. Ihre Organisationsstruktur, die Art und Weise, wie sie spielen, die Weise, wie sie sich selbst verwalten. Die Struktur des Orchesters ist einzigartig: Sie entscheiden über sich selbst, sie spielen Projekte, sie legen fest, was für sie künstlerisch wichtig ist. Es ist ein Orchester, das seine eigenen Regeln geschaffen hat. Nicht wie die meisten anderen Orchester, die beinahe alle nach einem standardisierten System arbeiten. Hier sind sie sehr offen, und sie entscheiden, was sie machen wollen.

Ist die Kammerphilharmonie ein Orchester, das leicht zu handhaben ist?

Ich glaube, dass der Umgang mit allen Orchestern schwierig ist, weil sie voller starker Persönlichkeiten und Leuten mit einer Menge Information, Wissen, Intelligenz und Auffassungsvermögen sind. Eine solche Gruppe von Menschen zu leiten ist immer eine ziemliche Herausforderung, aber sie widmen sich mit großer Hingabe ihrer Organisation und dem Ergebnis ihrer Arbeit und dem Endergebnis auf der Bühne. Und genau dies ist das Ziel für uns alle.

In Bad Kissingen spielen Sie ein ziemlich romantisches Programm. Ist das ein Zufall?

Wir spielen eine ganze Reihe von Repertoires. Das Orchester ist sehr berühmt für sein klassisches Repertoire, für seine Kenntnis der historischen Aufführungspraktiken. Aber wir spielen auch das moderne und das romantische Repertoire, Brahms und Schumann. Meiner Meinung nach muss ein Orchester vielseitig sein, eine große Bandbreite haben. Es sollte nicht auf irgendetwas spezialisiert sein. Diesmal ist es halt zufällig die Romantik.

Mich interessiert Ihre Ansicht zu dem Wechsel von Janine Jansen zu Christian Tetzlaff.

Janine musste ja absagen, weil sie gesundheitliche Probleme hat. Aber Christian Tetzlaff ist eine Art Familienmitglied der Kammerphilharmonie. Wir spielen schon so lange mit ihm und seiner Schwester zusammen. Sie sind praktisch Mitglieder des Orchesters.

Ich bin nicht traurig, da ich beide mag.

Ich auch. Sie sind sehr unterschiedlich.

Wissen Sie eigentlich, dass Ihr Bruder Kristjan am Tag nach Ihrem „Lobgesang“ in Bad Kissingen sein Baltic Sea Orchestra dirigiert?

Oh, das wusste ich nicht. Das ist toll, vielleicht kann ich ihn ja sogar dort treffen. Wir sind ja da, ich hoffe, dass das klappt.

Was für eine Art Dirigent ist er?

Er ist ein sehr interessanter Dirigent, weil er eine völlig andere Richtung verfolgt. Er spielt sehr viel Neue Musik, sehr viel Crossover hin zur populären Musik, und er komponiert auch selbst. Er ist auf völlig andere Dinge spezialisiert als ich. Er ist ein sehr kreativer und interessanter Dirigent.

Die Kammerphilharmonie ist für fünf Jahre Orchestra in Residence in Bad Kissingen, was ich für eine tolle Idee halte. Was meinen Sie dazu?

Es ist eine großartige Idee, weil wir einen angenehmen Ort haben, um dort im Sommer interessante Programme zu gestalten und kann zu einer Tradition werden. Ich denke, es ist eine sehr gute Idee.

Was bedeutet das Festival „Kissinger Sommer“ für Sie?

Ich war schon viele Jahre bei diesem Festival. Mit dem Orchestre de Paris, davor mit den Bambergern und einigen anderen Orchestern, ich glaube sogar mit den Frankfurtern. Ich liebe schon immer den Ort und das Festival und besonders den Konzertsaal im Regentenbau. Es ist ein sehr schöner Saal mit einem sehr guten Klang. Es ist ein ganz besonderer Ort. Es macht uns immer viel Spaß, dort Aufnahmen und CDs mit der Kammerphilharmonie für Sony mit den Beethovenkonzerten zu machen.

Wenn Sie den Saal mit der Bremer „Glocke“ vergleichen: Was ist besser, was ist schlechter?

Es sind zwei sehr unterschiedliche Spielstätten. Die „Glocke“ ist ein Konzertsaal, der Littmann-Saal im Regentenbau ist eine Art Sommer-Konzertsaal. Ich denke, beide Säle sind gut, der Klang in der „Glocke“ ist ein wenig trockener, der Saal in Bad Kissingen ist wärmer, hat einen runderen Klang, was ich lieber mag.

Haben Sie schon etwas vom Zentrum von Bad Kissingen gesehen?

Ja, wir gehen jedes Mal herum, das Zentrum kenne ich sehr gut, habe aber keine Ahnung von der Umgebung.

Könnten Sie sich vorstellen, dort einmal Urlaub zu machen.

Ganz sicher. Es ist ein angenehmer, ruhiger Ort. Warum nicht? Aber ich habe halt keinen Urlaub.

Es sind 100 Jahre vergangen seit der ersten Unabhängigkeit der baltischen Staaten. Was bedeutet das für Sie?

Es ist ein sehr wichtiger Moment in unserer Geschichte, weil die baltischen Staaten und speziell Estland wegen der geografischen Lage und der Größe immer besetzt waren von anderen Staaten: Schweden, Dänen, Deutschen und bis vor kurzem Russen. Für uns dauerte das Streben nach Unabhängigkeit eine sehr lange Zeit, und wir haben es jetzt endlich zu dem Punkt geschafft, wo wir haben, was wir wollen. Jetzt ist natürlich die große Frage, ob wir schaffen, das aufrechtzuerhalten, die Unabhängigkeit zu behalten. Denn die Welt ist in einer so unsicheren Verfassung im Moment, dass uns nichts mehr überrascht. Alles könnte passieren, und wenn man die politische Situation in der Welt anschaut, würde uns das gar nicht so befremdlich vorkommen. Alle Erwartungen und Regeln werden neu geschrieben. Was passieren wird, wohin sich die neue Politik bewegen wird, wird abzuwarten sein. Aber jeder Este hat immer im Hinterkopf, dass man die Unabhängigkeit auch leicht verlieren kann. Es gibt ein leichtes Gefühl des Zitterns, ein Gefühl der Vorsicht.

Mir gefällt die Vorstellung, dass der estnische Nationalismus ein musikalischer Nationalismus ist: die „Singende Revolution“.

Das Singen ist ein wichtiger Teil der Kultur und wird sehr ernst genommen. Jede Organisation hat ihren Chor: Feuerwehr, Polizeistation, Behörden und andere mehr.

In Deutschland sterben zurzeit die Amateurchöre.

Das ist schlimm, denn die beste Art, um Musik am Leben zu halten, ist durch Amateurchöre, Gesangsvereine.

https://www.kissingersommer.de/aktuelles/aktuelle-news/37897.Interview-mit-Paavo-Jaervi.html

Besondere Beziehung

infranken.de
12.06.2018

Paavo Järvi eröffnet mit der Bremer Kammerphilharmonie den Kissinger Sommer. Wie sieht er sein Orchester, das Festival und die Welt? Und seinen Bruder?

Paavo Järvi ist seit 14 Jahren Chefdirigent der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen - und er genießt das. Foto: Gerhild Ahnert




In den letzten Tagen haben sich die Musiker der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen in ihrem Stammquartier in der Gesamtschule Bremen-Ost - die ist im Stadtteil Tenever - auf ihre vier Konzerte beim Kissinger Sommer vorbereitet. Nach der 3. Sinfonie von Johannes Brahms trafen wir Paavo Järvi, seit 14 Jahren Chefdirigent der Bremer, zu einem Gespräch.

Können Sie mir erklären, warum die Kammerphilharmonie und Sie im letzten Jahr zu den absoluten Lieblingen der Kissinger geworden sind?
Paavo Järvi: Nun, ich weiß nicht wirklich, warum das so war, aber ich hoffe, es war wegen der Musik, wegen der Aufführungen. Wir genießen es jedenfalls sehr, in Bad Kissingen zu sein. Es ist eine sehr natürliche und sehr angenehme Umgebung für das Orchester, um Musik zu machen, und die ganze Atmosphäre ist sehr entspannt und freundlich.

Zuerst ein paar Fragen zu Ihrer Biographie. Sie kennen sie, ich kenne sie. Trotzdem: Sie sind Chefdirigent hier in Bremen und in Tokio; sie werden es in der Tonhalle in Zürich sein, Sie sind Gastdirigent, Ehrendirigent und geben Konzerte in der ganzen Welt. Wo und wann leben Sie eigentlich?
Wo ich lebe? Ach. Das ist eine gute Frage. Da ich praktisch überhaupt keine Freizeit habe, bin in der Tat ständig auf Reisen. Heute Abend nach der Aufführung fahre ich schon wieder nach Dresden. Aber der offizielle Wohnsitz ist in London.

Da zahlen Sie Ihre Steuern?
Ja. Eigentlich ist mein offizieller Wohnsitz in Palm Beach, Florida. Aber bei meinem Leben ist es sehr kompliziert, weil es in so vielen Ländern stattfindet, von der Geographie her ist nicht wirklich klar, wo ich lebe.

Ihre 14 Jahre in Bremen sind die längste Zeit, die Sie mit einem Orchester zusammengearbeitet haben - hoffentlich noch lange - was war der Grund für diese 14 Jahre?
Eigentlich ist es sogar länger, offiziell sind es etwa 14 Jahre, aber wirklich besteht die Beziehung schon fast 20 Jahre: Mein erstes Konzert mit ihnen war vor mehr als 20 Jahren, und seitdem war ich beinahe jedes Jahr hier, so dass die Beziehung lang, sogar länger als 14 Jahre anhält.

Was macht dieses Orchester so interessant für Sie?
Sie sind besonders. Es gibt kein anderes Orchester, das der Kammerphilharmonie gleicht.

Und was ist das Besondere?
Alles. Ihre Organisationsstruktur, die Art und Weise, wie sie spielen, die Weise, wie sie sich selbst verwalten. Die Struktur des Orchesters ist einzigartig: Sie entscheiden über sich selbst, sie spielen Projekte, sie legen fest, was für sie künstlerisch wichtig ist. Es ist ein Orchester, das seine eigenen Regeln geschaffen hat. Nicht wie die meisten anderen Orchester, die beinahe alle nach einem standardisierten System arbeiten. Hier sind sie sehr offen, und sie entscheiden, was sie machen wollen.

Ist die Kammerphilharmonie ein Orchester, das leicht zu handhaben ist?
Ich glaube, dass der Umgang mit allen Orchestern schwierig ist, weil sie voller starker Persönlichkeiten und Leuten mit einer Menge Information, Wissen, Intelligenz und Auffassungsvermögen sind. Eine solche Gruppe von Menschen zu leiten ist immer eine ziemliche Herausforderung, aber sie widmen sich mit großer Hingabe ihrer Organisation und dem Ergebnis ihrer Arbeit und dem Endergebnis auf der Bühne. Und genau dies ist das Ziel für uns alle.

In Bad Kissingen spielen Sie ein ziemlich romantisches Programm. Ist das ein Zufall?
Wir spielen eine ganze Reihe von Repertoires. Das Orchester ist sehr berühmt für sein klassisches Repertoire, für seine Kenntnis der historischen Aufführungspraktiken. Aber wir spielen auch das moderne und das romantische Repertoire, Brahms und Schumann. Meiner Meinung nach muss ein Orchester vielseitig sein, eine große Bandbreite haben. Es sollte nicht auf irgendetwas spezialisiert sein. Diesmal ist es halt zufällig die Romantik.

Mich interessiert Ihre Ansicht zu dem Wechsel von Janine Jansen zu Christian Tetzlaff.
Janine musste ja absagen, weil sie gesundheitliche Probleme hat. Aber Christian Tetzlaff ist eine Art Familienmitglied der Kammerphilharmonie. Wir spielen schon so lange mit ihm und seiner Schwester zusammen. Sie sind praktisch Mitglieder des Orchesters.

Ich bin nicht traurig, da ich beide mag.
Ich auch. Sie sind sehr unterschiedlich.

Wissen Sie eigentlich, dass Ihr Bruder Kristjan am Tag nach Ihrem "Lobgesang" in Bad Kissingen sein Baltic Sea Orchestra dirigiert?
Oh, das wusste ich nicht. Das ist toll, vielleicht kann ich ihn ja sogar dort treffen. Wir sind ja da, ich hoffe, dass das klappt.

Was für eine Art Dirigent ist er?
Er ist ein sehr interessanter Dirigent, weil er eine völlig andere Richtung verfolgt. Er spielt sehr viel Neue Musik, sehr viel Crossover hin zur populären Musik, und er komponiert auch selbst. Er ist auf völlig andere Dinge spezialisiert als ich. Er ist ein sehr kreativer und interessanter Dirigent.
Die Kammerphilharmonie ist für fünf Jahre Orchestra in Residence in Bad Kissingen, was ich für eine tolle Idee halte. Was meinen Sie dazu?
Es ist eine großartige Idee, weil wir einen angenehmen Ort haben, um dort im Sommer interessante Programme zu gestalten und kann zu einer Tradition werden. Ich denke, es ist eine sehr gute Idee.

Was bedeutet das Festival "Kissinger Sommer" für Sie?
Ich war schon viele Jahre bei diesem Festival. Mit dem Orchestre de Paris, davor mit den Bambergern und einigen anderen Orchestern, ich glaube sogar mit den Frankfurtern. Ich liebe schon immer den Ort und das Festival und besonders den Konzertsaal im Regentenbau. Es ist ein sehr schöner Saal mit einem sehr guten Klang. Es ist ein ganz besonderer Ort. Es macht uns immer viel Spaß, dort Aufnahmen und CDs mit der Kammerphilharmonie für Sony mit den Beethovenkonzerten zu machen.

Wenn Sie den Saal mit der Bremer "Glocke" vergleichen: Was ist besser, was ist schlechter?
Es sind zwei sehr unterschiedliche Spielstätten. Die "Glocke" ist ein Konzertsaal, der Littmann-Saal im Regentenbau ist eine Art Sommer-Konzertsaal. Ich denke, beide Säle sind gut, der Klang in der "Glocke" ist ein wenig trockener, der Saal in Bad Kissingen ist wärmer, hat einen runderen Klang, was ich lieber mag.

Haben Sie schon etwas vom Zentrum von Bad Kissingen gesehen?
Ja, wir gehen jedes Mal herum, das Zentrum kenne ich sehr gut, habe aber keine Ahnung von der Umgebung.

Könnten Sie sich vorstellen, dort einmal Urlaub zu machen.
Ganz sicher. Es ist ein angenehmer, ruhiger Ort. Warum nicht? Aber ich habe halt keinen Urlaub.

Es sind 100 Jahre vergangen seit der ersten Unabhängigkeit der baltischen Staaten. Was bedeutet das für Sie?
Es ist ein sehr wichtiger Moment in unserer Geschichte, weil die baltischen Staaten und speziell Estland wegen der geografischen Lage und der Größe immer besetzt waren von anderen Staaten: Schweden, Dänen, Deutschen und bis vor kurzem Russen. Für uns dauerte das Streben nach Unabhängigkeit eine sehr lange Zeit, und wir haben es jetzt endlich zu dem Punkt geschafft, wo wir haben, was wir wollen. Jetzt ist natürlich die große Frage, ob wir schaffen, das aufrechtzuerhalten, die Unabhängigkeit zu behalten. Denn die Welt ist in einer so unsicheren Verfassung im Moment, dass uns nichts mehr überrascht. Alles könnte passieren, und wenn man die politische Situation in der Welt anschaut, würde uns das gar nicht so befremdlich vorkommen. Alle Erwartungen und Regeln werden neu geschrieben. Was passieren wird, wohin sich die neue Politik bewegen wird, wird abzuwarten sein. Aber jeder Este hat immer im Hinterkopf, dass man die Unabhängigkeit auch leicht verlieren kann. Es gibt ein leichtes Gefühl des Zitterns, ein Gefühl der Vorsicht.

Mir gefällt die Vorstellung, dass der estnische Nationalismus ein musikalischer Nationalismus ist: die "Singende Revolution".
Das Singen ist ein wichtiger Teil der Kultur und wird sehr ernst genommen. Jede Organisation hat ihren Chor: Feuerwehr, Polizeistation, Behörden und andere mehr.

In Deutschland sterben zurzeit die Amateurchöre.
Das ist schlimm, denn die beste Art, um Musik am Leben zu halten, ist durch Amateurchöre, Gesangsvereine.

Monday, June 11, 2018

Baltische Exkursion

sz-online.de
Jens-Uwe Sommerschuh
11.06.2018

Paavo Järvi, die Staatskapelle und Solist Gidon Kremer besichtigen einen fast vergessenen Weinberg.

Der Abend mit der Staatskapelle in der Semperoper hatte eine starke baltische Note. Zunächst erklang mit dem Swansong ein Werk des großen Esten Arvo Pärt, derzeit „Capell-Compositeur“, und es war ein berührender Moment, als der 82-Jährige danach auf die Bühne kam und seinen Landsmann Paavo Järvi umarmte, einen der gefragtesten Dirigenten unserer Zeit. Der stand nicht zum ersten Mal am Pult der Kapelle, und auch der Starsolist, Geiger Gidon Kremer, Lette mit jüdischen, schwedischen und deutschen Wurzeln, hat schon mehrfach hier gespielt.

Das Konzert vom Sonnabend, eine Kooperation mit den Festspielen, wird am Dienstag ab 20.05 von MDR Kultur und MDR Klassik ausgestrahlt. Dieses Ereignis nachzuhören, lohnt aus vielen Gründen. Schon Pärts schlankes Stück, die noch junge Orchester-Adaption einer Chorkantate, war ein intensives Erlebnis. Das sakrale Werk, dem ökumenischen Gedanken der Annäherung verpflichtet, erstrahlte in schlichter Schönheit, von Pärt als „Engelsmusik“ gedacht.

Kremer stellte dann das Violinkonzert in g-Moll vor, das Mieczyslaw Weinberg, ein heute fast vergessener Schützling Schostakowitschs, 1959 komponiert hat. Weinberg wurde 1919 in Warschau geboren, flüchtete vor den Nazis in die Sowjetunion, wo er 1953 in Haft geriet. Der Kontrast zwischen den treibenden Ecksätzen, dem schwingenden Allegretto und dem elegischen Adagio ist erheblich. Paavo Järvi, ein Maestro mit natürlicher Autorität, führte die Kapelle souverän durch die Strudel und Sprünge der Stimmung, ließ dem Solisten, aber auch den Bläsern spürbar klanglichen Freiraum. Als Zugaben spielte Kremer zwei von Weinbergs 24 Präludien für Cello, adaptiert für die Violine.

Nach der Pause schwelgten Järvi und Kapelle in den kühlen Klangfarben des Finnen Jean Sibelius, reizten mit der Lemminkäinen-Suite die eigenwillige Dramatik dieser nordischen Heldensaga aus der Kalevala nuanciert aus. Sibelius lässt Bässe und Celli dräuen, die Geigen flimmern und die Hörner fetzen, und er schenkt dem Englischhorn ein herzzerreißendes Solo. Järvi hielt die Zügel straff, schuf ein suggestives Pulsieren fern aller Pathetik. Riesiger Beifall.

https://m.sz-online.de/nachrichten/kultur/baltische-exkursion-3952633.html

Thursday, June 07, 2018

Sto padesát let Brahmsova lidského rekviem v Brémách

casopisharmonie.cz
Mirka Zemanová
7.06.2018

foto: FB Deutsche Kammerphilharmonie


Je až překvapivé, kolik událostí ze starých i nových německých dějin se vztahuje k severoněmeckým Brémám: toto hanzovní město, 128 km na jih od Hamburku, zůstává například dodnes - i když počet obyvatel je jen okolo 671 000 - jedním ze tří existujících městských států v Německu (další freie Städtejsou mnohem větší Hamburk a Berlín), a má i svůj vlastní senát. Ochráncem Brém je legendární Roland, jehož 5,5 metrů vysoká socha - symbol svobody a nejstarší dochovaná socha tohoto hrdiny na území někdejší římské říše - stojí na Rathausplatzu od roku 1404. Podle staré legendy zůstanou Brémy svobodné a nezávislé jen pokud nad nimi bude Roland držet ochrannou ruku; tvrdí se proto, že v podzemí městské radnice je pro všechny případy ukryta jeho náhradní socha.

Brémy zbohatly obchodováním, také díky blízkému důležitému přístavu Bremerhaven, taktéž na řece Weser; odtamtud odvážely během 19. a 20. století zaoceánské parníky i většinu německých a jiných emigrantů z Evropy do Nového světa. A dokonce i světoznámá značka kávy bez kofeinu, Café HAG - ač ji dnes vlastní firma Jacobs Douwe Egberts - vznikla v Brémách v roce 1906; zakladatel firmy HAG Ludwig Roselius byl jedním z vynálezců prvního komerčního procesu výrob z tohoto druhu kávy. Během druhé světové války bylo zničeno asi 60% města, a přístav Bremerhaven byl zničen téměř úplně. Avšak nádherná radnice z 15. století bombardování zázračně unikla, a radniční vinný sklep, který existuje od roku 1405, má dnes největší sbírku nejlepších německých vín na světě.

Překvapivá byla i hudební akce, která se v Brémách konala 10. dubna 1868: byla to světová premiéra Brahmsova monumentálního Německého rekviem v St. Petri Dom, pod taktovkou samotného skladatele - a 150. výročí této premiéry oslavila letos Deutsche Kammerphilharmonie provedením tamtéž.


foto: FB Deutsche Kammerphilharmonie




Proč se uskutečnila světová premiéra tohoto oblíbeného a často uváděného díla právě v Brémách? Část Německého rekviem byla poprvé provedena ve Vídni v prosinci 1867 (zazněly tehdy první tři věty). Dobře navštívený koncert sice udělal šestatřicetiletému Brahmsovi v hudebním životě města velké jméno, nicméně v katolické Vídni bylo dílo také předmětem bouřlivé kritické debaty a jeho provedení sehrálo významnou roli v rozdělení kritiků do protikladných táborů Brahms versus Wagner.

Hamburský rodák Brahms měl proto v úmyslu uvést premiéru kompletního díla v blízkých Brémách, v srdci protestantského severního Německa. Carl Reinthaler - varhaník a ředitel brémského dómu - mu nakonec poskytl možnost uvést dílo tam, a před příjezdem skladatele je sám nazkoušel. Samotný koncert 10. dubna 1868 připadl toho roku na Velký pátek, což muselo jistě dodat události ještě hlubší význam. Koncert byl dychtivě očekáván, a předcházela mu velká reklama - Brahms byl v Brémách velmi uznáván. Na koncert se proto dostavilo 2500 diváků (na tehdejší dobu obrovské množství), a provedení všech šesti tehdy existujících vět díla slavilo velký úspěch. Na koncertě vystoupil i slavný houslista Josef Joachim, s Bachovými a Schumannovými skladbami, a altistka Amalie Weiss (tehdy Joachimova žena) zazpívala výňatky z Bachových Matoušových pašijí a z Händlova Mesiáše.
Lidské rekviem

Titul díla - Ein deutsches Requiem - se vztahuje k jazyku textu, a nemá proto nacionalistické pozadí; Brahms sám řekl řediteli brémského dómu Reinthalerovi, že by dílo raději nazval Ein menschliches Requiem (Lidské rekviem). Nicméně toto rekviem patří k dílům, která jsou v německém hudebním životě hluboce zakořeněna, a pro německé posluchače hodně znamenají. I na letošním oslavném koncertě k 150. výročí premiéry byl proto dóm zcela zaplněn; na programu koncertu však bylo pouze Rekviem (v nynější standardní verzi o sedmi větách) - po mnoha diskusích se dirigent a orchestr rozhodli proti přesné rekonstrukci původního programu z roku 1868.


foto: FB Deutsche Kammerphilharmonie




Koncert, který byl navíc natočen pro vysílání na německé stanici 3Sat TV, a zaznamenán na DVD, hraje ústřední roli v současném brahmsovském cyklu orchestru: projekt byl započat v roce 2015, a od té doby provedl orchestr kompletní cyklus skladatelových symfonií na koncertech nejen v Německu, ale i ve Vídni, v Petrohradě, Tokiu a Kanadě. První CD cyklu (Symfonie č. 2, a předehry Tragická a Akademická) vyšlo na labelu Sony/RCA na podzim roku 2017; druhé vyjde letos na podzim (Symfonie č. 1 a Haydn Variations).

Deutsche Kammerphilharmonie patří k nejlepším německým orchestrům (profesionální status získala v roce 1987, a v Brémách působí od roku 1992); v Haydnovi nebo Mozartovi je orchestr schopen uplatnit principy historicky poučené interpretace, v nichž byl vyškolen, u děl z pozdějších období pak větší vibrato apod. Mezi dirigenty, kteří s orchestrem pracovali, byli mimo jiné Heinrich Schiff, Jiří Bělohlávek a Daniel Harding; od roku 2004 je uměleckým ředitelem Paavo Järvi. K významným projektům orchestru, které si vysloužily mezinárodního uznání, patřily v minulosti beethovenovské a schumanovské cykly. Brahmsovský cyklus byl proto logickým pokračováním.

V nedávném rozhovoru v Neue Zürcher Zeitung řekl Järvi, že pro něj není „nic těžšího než dělat Brahmsovu hudbu tak, aby bylo provedení živé a zajímavé". Järviho interpretace Rekviem byla proto nepochybně výsledkem dlouhého a důkladného studia. Orchestrální obsazení bylo při dubnové oslavě přesně totéž jako při premiéře v roce 1868, a Järviho interpretace byla čistší a průzračnější než jiné, které jsem až zatím slyšela - a to přes masivní zvuk, jenž byl orchestr schopen vyprodukovat, a emocionálně drtivé vrcholy (mimochodem, kontrabasy byly umístěny vlevo a harfy napravo, což vytvářelo působivý prostorový efekt). Dirigent, který již provedl dílo několikrát s jinými orchestry, vyrostl „s širokým a dramatickým zvukem Berlínské filharmonie pod Karajanovou taktovkou", a starší nahrávky Brahmse mají vždy monumentální charakter a zatěžkaný, romantický zvuk. Menší orchestry jsou agilnější, a správná rovnováha dává možnost slyšet dobře i vnitřní hlasy.


foto: FB Deutsche Kammerphilharmonie




V Brahmsovi, jak objevili i jiní dirigenti, např. Philippe Herreweghe, jsou navíc také určité odkazy na renesanční a barokní hudbu (Gabrieli, Monteverdi a Schütz), a ty si Järvi plně uvědomil až při práci s Deutsche Kammerphilharmonie: „Je to díky tónu tohoto orchestru a jeho artikulaci," zdůraznil před premiérou v rozhovoru pro Frankfurter Allgemeine.
Rozdíl v Järviho interpretaci byl i v tempech

Brahms, který dirigoval provedení některých svých děl, údajně neměl rád metronom a podle svědectví současníků se jeho tempa velmi různila. „Pro něj měla hudba svůj vlastní čas, svůj vlastní život," řekl Järvi. „Ale najít v Brahmsovi správné tempo je opravdu klíčová záležitost."

Panoramatická stavba díla a Brahmsův symfonismus však byly v Järviho interpretaci zcela evidentní, a navzdory tomu, že sbor zpíval text z Lutherovy verze bible, až do prvního barytonového sóla (Herr, lehre doch mich) bylo to, co jsme slyšeli, vlastně proud absolutní hudby - posluchači se mohli zcela ponořit do toku nádherného zvuku. Matthias Goerne - jehož není třeba českým čtenářům představovat - pak přinesl nový prvek: zpěvák samozřejmě dílo velmi dobře zná, rozumí významu textu, a jeho dramatická interpretace dodala provedení nový rozměr. Rumunská sopranistka Valentina Farcas, která s Deutsche Kammerphilharmonie debutovala, a Rekviem s orchestrem i natočila, má za sebou již řadu vystoupení na předních operních scénách i koncertních pódiích (Salzburg Festival, Theater an der Wien, Wiener Musikverein, Komische Oper Berlin, Semperoper Dresden, Nederlandse Opera Amsterdam, Theâtre de Champs-Elysées a další). Mladá zpěvačka podala velmi dobrý výkon, nicméně v jejím krásném sólu (Ihr habt nun Traurigkeit) bych možná uvítala stříbrnější barvu hlasu. Lotyšský pěvecký sbor Koris Latvija z Rigy (který účinkoval s orchestrem i na jejich nedávném turné v Asii) byl rovněž na vysoké úrovni; jak Brémy, tak Riga jsou hanzovní - a dnes partnerská - města, a v úzkém styku jsou již 800 let.


foto: FB Deutsche Kammerphilharmonie



Vůně starých vín

Koncert k 150. výročí světové premiéry jednoho z nejproslulejších hudebních děl byl zajímavý dramaturgický počin, a celá akce - na niž byli do Brém pozváni novináři nejen z Německa, ale také z Velké Británie, Holandska, Španělska, Austrálie, Japonska a České republiky - byla velmi dobře naplánována a připravena.

Pod brémskou radnicí se nachází vinné sklepy Apostelkeller (zvaný tak podle 12 sudů ze staletými víny z Rüdersheimu a jiných německých vinařských oblastí) a menší Rosekeller; v obou jsou dnes vzácné historické sbírky německých vín, včetně nejstaršího německého lahvového vína, Rüdesheimer Apostelkeller z roku 1727, a bílého sudového Rüdesheimer z roku 1653 (toto však již dnes není možné konzumovat). V minulosti byl Rosekeller - osvětlován dodnes pouze svíčkami - vyhrazen pouze pro místní radní; scházeli se tam vždy, kdy museli diskutovat o problémech, jejichž vyřešení se nemohli v horní části radnice nijak domoci; a o tom, jak ke konečnému rozhodnutí ve sklepě dospěli, pak údajně nikdy mimo něj nemluvili.


foto: FB Deutsche Kammerphilharmonie




Ani Apostelkeller ani Rosekeller nejsou dnes přístupné veřejnosti. Novinářům, kteří se zúčastnili oslav 150. výročí premiéry Rekviem, však byla prokázána zvláštní pozornost, a byli do nich na chvíli zavedeni. Opojný pach starých vín ve sklípku je neuvěřitelný, a ohromující jsou i historické asociace: bylo to totiž právě v Rosekelleru, kde se v roce 1868 shromáždili Brahmsovi hosté - Clara Schumann, Joseph Joachim, Amalie Weiss a další - aby s ním velkolepou premiéru oslavili.

Naslouchat krásnému provedení Rekviem v brémském dómu - kde i letos byla atmosféra opravdu slavnostní - a postát na chvíli tam, kde sám skladatel a jeho přátelé úspěch premiéry oslavovali, bylo velké privilegium.

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