Wenn Paavo Järvi dirigiert, mit Schwung, präzis, um keinen Einsatz verlegen, dann umgibt ihn eine Aura der Freundlichkeit, ja der Freude an der Musik, die ansteckend wirkt. Was sich im Dortmunder Konzerthaus, bei seinem Gastspiel mit dem Orchestre de Paris, dessen Chef der Este Järvi seit fünf Jahren ist, aufs Schönste bestätigt. Weil die Musiker dieses Klangkörpers lustvoll ans Werk gehen.
Und das Publikum darf schwelgen. Sich an der Glut des Streicherkorpus wärmen, samtene Hornromantik genießen oder sich kerniger Dramatik hingeben. Dabei schafft es Järvi stets, dynamische Ausbrüche nicht zu überreizen. Sie mögen bisweilen schroff klingen, haben aber nichts von enervierender Härte.
Auf dem Programm steht Romantisches, zunächst Schumanns "Genoveva"-Ouvertüre, straff musiziert, mit dramatischer Fallhöhe. Das gilt erst recht für Tschaikowskys 5.  Symphonie, deren Hauptthema zunächst dunkel aufschimmert, dann wie ein Fatum ins sangliche Adagio einbricht, um zuletzt heroische Gestalt anzunehmen. Bestechend sind dabei vor allem die Klangmischungen, die Järvi dem Orchester entlockt. Ein wenig behäbig indes wirkt der Walzersatz, mit einem nur bedingt leichtfüßigen Mittelteil.
Des Dirigenten Freundlichkeit, sie geht einher mit dem Sinn fürs Exakte. Järvi denkt in Strukturen, da muss jede dynamische Verschiebung, jeder Tempowechsel sitzen. So wundert es nicht, wenn in Griegs Klavierkonzert der Solopart mitunter mitdirigiert wird. Was den Effekt hat, dass die junge, wilde, in Lisztscher Manier auftrumpfende Solistin Khatia Buniatishvili, bisweilen sanft gezügelt wird. Gleichwohl: Ihre Gestaltungskraft ist phänomenal, und mehr und mehr erarbeitet sie sich auch den schönen Klang. So pendelt die georgische Pianistin zwischen virtuosem Furor und zartfühlender Lyrik. Allergrößter Beifall.