Tuesday, April 25, 2017

Licht, Himmel, Klang

zeit.de
Christine Lemke-Matwey
24.04.2017


Eine Reise ins Baltikum, nach Estland, wo ein kleines Festival sich anschickt, Europa zu erobern

Ein Bekenntnis vorweg: Ich gehöre zur Generation der sogenannten Kriegsenkel, bin Kindeskind von Vertriebenen aus dem Baltikum, und immer wenn ich nach Estland fahre, komme ich mir auf wundersame Weise uralt und federleicht vor. Angefüllt mit Gedanken, die mich über alle Zeitläufte und Ländergrenzen hinwegtragen, dorthin, wo es ganz sicher wieder so schön sein wird, wie es niemals gewesen sein kann.

Traumata vererben sich, heißt es. Ein familiäres Gedächtnis, erzählte Biografien auch.

Ein Dreivierteljahr ist meine letzte Reise in den Norden nun her, Hochsommer war es, und woran ich mich erinnere, ohne in meinen Recherche-Unterlagen zu wühlen und Interviews abzuhören, ist vor allem dieses verrückte kleine bohrende Heimatgefühl, das ich nirgendwo sonst auf der Welt habe. Ein Gefühl von Ruhe und von Schmerz, von Himmel und Licht.

Mit dem Seebad Pärnu, das früher einmal Pernau hieß, hatte meine Familie nicht viel zu tun – außer dass man sich durch das Wasser mit allen Baltendeutschen verbunden fühlte, die an den Küsten lebten. Pärnu liegt hoch oben am Rigaischen Meerbusen, hat rund 42.000 Einwohner und eine Architektur, die von den typischen Holzhäusern geprägt ist, wie man sie überall im Baltikum findet, aber auch von Jugendstil, Art Nouveau und etwas vom Bauhaus. Seit dem frühen 19. Jahrhundert gilt Pärnu als "Estlands Sommerhauptstadt", seines weißen Sandstrands und des Heilschlamms wegen, der hier aus der Ostsee gefördert und zur medizinischen Anwendung gebracht wird.


Das Meer ist extrem flach, man muss mehrere Hundert Meter Richtung Horizont stapfen, um schwimmtaugliche Tiefen zu erreichen. Bei Wellengang trägt die Gischt bräunliche Kronen, des Schlammes wegen, und im Winter, wenn die Tage so kurz sind, das man unversehens von einer Dämmerung in die nächste fällt, friert die Bucht rasch zu. Dann knirscht und knackt es aus der Tiefe, vor allem nachts, und raunt von früher.

DIE JÄRVI-DYNASTIE
Wie viele Järvis es in Estland gibt, die Musiker sind, hat noch niemand gezählt. Die prominentesten gehören zur Familie des Dirigenten Neeme Järvi (unten), der 1937 in Tallinn geboren wurde und 1980 in die USA emigrierte. Er hat über 400 Schallplatten aufgenommen, gern mit unbekanntem Repertoire. Seine Söhne Kristjan, 44, und Paavo sind ebenfalls Dirigenten. Seit 2010 leitet Paavo das Pärnu Music Festival, das sich sofort zu einem regen Familientreffpunkt entwickelt hat.

Das erste Mal war ich kurz nach Weihnachten 2004 in Pärnu, das Meer knirschte und knackte, und am anderen Ende der Welt, rund um den Indischen Ozean, ereignete sich die große Tsunami-Katastrophe. Die Fernsehbilder eines brachial zerstörten exotischen Paradieses standen in einem unfassbaren Kontrast zur eisigen Stille der Natur um uns herum. Jetzt, zwölf Jahre später, bin ich wieder hier, es ist Sommer, wie gesagt, und die Tage sind so lang, dass man aufpassen muss, die Nächte nicht zu vertun. Ich besuche das Pärnu Music Festival, das in sein sechstes Jahr geht und gewissermaßen eine Erfindung des Järvi-Clans ist, der berühmten estnischen Musikerdynastie. Dass auch Künstler den Weg in die Sommerfrische von Pärnu finden würden, war klar. Die Komponisten Dmitri Schostakowitsch und Aram Chatschaturjan gehörten zu den Stammgästen, und der Geiger David Oistrach veranstaltete in seiner Datscha nicht nur Konzerte, sondern führte dort auch stolz den Plattenspieler vor, den er auf einer seiner Tourneen in Ost-Berlin erworben hatte. Für die sowjetische Intelligenzia war das kleine Pärnu ein mondänes Schaufenster zum Westen.

Oistrach, erzählt der Dirigent Neeme Järvi, 79, einer der Begründer der Dynastie, habe gerne dirigieren lernen wollen. "'Neeme', sagte er, 'zeig mir, wie das geht.'" Und sein Jugendfreund Neeme zeigte es ihm: "Mit seinen kleinen runden Händen konnte er es schließlich ganz gut." Wir sitzen in einer Garderobe des 2002 neu erbauten Konzerthauses von Pärnu (900 Plätze im großen Saal, 170 im kleinen), Neeme Järvi und sein Sohn Paavo, ebenfalls ein international renommierter Dirigent. Kleine Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen Paavo als schmales blasses Jüngelchen an der Seite eines verschmitzt dreinblickenden Schostakowitsch. Kaum haben wir angefangen zu reden, schaut seine Schwester Maarika zur Tür herein, die Flötistin, "Tere!", "guten Tag", später gesellt sich Mutter Lillian dazu.

Eine Woche dauert das Festival, Symphonie- und Kammerkonzerte werden durch Meisterkurse und eine Akademie für junge Dirigenten ergänzt. Die leiten Neeme und Paavo gelegentlich auch zusammen, dann steht der Sohn vorn am Dirigentenpult und korrigiert Körperhaltung und Schlagtechnik der Kandidaten, während der Vater an der Seite sitzt und gut gelaunt schnauft: "And now: magic!" Oder: "Manche spielen Beachvolleyball, Sie spielen Sibelius!" Vor Bewerbern jedenfalls kann sich die Akademie kaum retten. Das Dirigieren habe sich zu einer regelrechten Seuche entwickelt, klagt der Meister schmunzelnd.Die Järvis sind für Estland das, was für die Deutschen vielleicht die Wagners sind, nur weniger ideologisch. Das Festivalprogramm zählt neben Neeme, Paavo und Maarika auch Madis, Mari, Marius, Martin, Mihkel, Miina und Teet Järvi als Mitwirkende auf, sie spielen Bratsche, Klavier, Orgel, Cello oder Geige. Nur Kristjan Järvi, Neemes jüngerer Sohn, der Chef des MDR Sinfonieorchesters in Leipzig, hatte diesen Sommer keine Zeit. Es ist der schiere Enthusiasmus, der aus dem winzigen Oistrach-Festival zunächst ein Järvi-Festival und seit 2010 dann das Pärnu Music Festival erwachsen ließ. Eine Metamorphose nicht ohne Ansprüche. "Anfangs", sagt Paavo Järvi und blickt aufs Jahr 2010, "waren wir hier sehr familiär. Das sind wir immer noch, aber das Niveau ist gestiegen, technisch wie künstlerisch."

Die Musiker des Orchesters (das, der Breitenwirkung halber, nicht Pärnu Festival Orchestra heißt, sondern Estonian Festival Orchestra) kommen von überall her. Mitglieder der Berliner Philharmoniker und der Bremer Kammerphilharmonie sitzen Schulter an Schulter neben estnischen Nachwuchsinterpreten und Kollegen aus Frankreich, Griechenland oder den USA. Paavo Järvis Ziel ("in zwei oder drei Jahren") ist es, einer Institution wie dem Lucerne Festival Orchestra nachzueifern, jenem von Claudio Abbado gegründeten Elite-Ensemble, in dem sich Sommer für Sommer die Besten der Besten sammeln. Das mag etwas hoch gegriffen erscheinen, ist von der musikalischen Qualität aber nicht abwegig. Und auratisch, landschaftlich nimmt Pärnu es mit dem Vierwaldstätter See locker auf. Das Entlegene, nordisch Verwunschene hat einen enormen Reiz. Nicht zuletzt um dafür zu werben, wird das Orchester 2018 zum ersten Mal auf Europatournee gehen.

Überdies könnte die geopolitische Lage Estlands zwischen Russland und dem Westen auch der Musik eine Brisanz bescheren, nach der man andernorts erst krampfhaft suchen muss. "Unser Orchester fördert internationale Beziehungen", sagt Neeme Järvi trocken, gerade weil die Probensprache heute Englisch sei. Viele junge Esten lernten aus Prinzip kein Russisch mehr.

Letztlich wisse niemand, so Neeme weiter, was der russische Präsident Wladimir Putin vorhabe, aller moralischen, wirtschaftlichen und militärischen Unterstützung der Nato und der EU zum Trotz. An der Lebensangst der Esten hat sich offenbar wenig geändert. Eine Angst, die das kleine Land seit Jahrhunderten kennt, mal unter schwedischer, mal unter deutscher, mal unter russischer Besatzung, wobei es sicher bessere und schlechtere Zeiten gab.

"Wir haben kein gutes Selbstbewusstsein", sagt Paavo Järvi, "wir warten immer auf Lob von außen." Damit meint er auch: Ein ordentlich dotiertes Orchester als Botschafter Estlands in der Welt würde helfen, das heimische Selbstbewusstsein zu stabilisieren.

Die Esten, Letten und Litauer sind hochmusikalische Völker. Man denke an ihre traditionellen Sängerfeste mit mehreren Zehntausend Menschen oder an die "Singende Revolution" von 1989. Im Gesang (und oftmals nur im Gesang) überlebten die eigenen Sprachen. Für das professionelle Musizieren allerdings ist diese Laienkultur nicht wirklich hilfreich. Dadurch dass die Musik lange einen subversiven Auftrag zu erfüllen hatte und erfüllte, ging es weniger um Fragen des technischen oder künstlerischen Fortschritts.

Viele Musiker seien schnell zufrieden, bemerkt Paavo Järvi, "insofern ist es eine didaktische Idee, die jungen Esten im Orchester neben internationale Topkräfte zu platzieren: Man wird nur besser, wenn man erlebt, wie gut andere sind." Erst wenn diese Einsicht sich durchgesetzt habe, könnten andere Parameter verändert werden: die fehlende Infrastruktur zur Talentförderung, das "sozialistische Denken", sobald es um privates Sponsoring gehe. Das estnische Musikleben, sagt Paavo Järvi, finde nach wie vor unter einer gläsernen Decke statt – "und wir sind dabei, diese Decke zu durchbrechen".

1980 emigrierte Neeme Järvi mit seiner Familie in die USA, die künstlerischen Einschränkungen in der UdSSR nahmen überhand. Nach der Unabhängigkeitserklärung 1991 kehrten die Järvis nach Estland zurück. Ihre amerikanischen Pässe haben sie behalten, und ihre Wohnsitze sind heute über die ganze Welt verstreut. Als "Flüchtlinge", wie man bei uns zu Hause sagte, haben sie sich nie gefühlt, der Musik und ihrer späten Geburt sei Dank.

Meine Großeltern hingegen, die über Nacht alles verloren, wollten Reval/Tallinn und Hapsal/Haapsalu, ihre "alte Heimat", nie wiedersehen. Im Mai 1945 sind sie 44 und 49 Jahre alt und ahnen, dass sie den kleinen Ort im oberfränkischen Zonenrandgebiet, an den es sie verschlagen hatte, nicht mehr verlassen werden. Endstation Erinnerung. Wie schön, wenn das Erzählte wieder zu leben beginnt.

Sämtliche Angaben zum diesjährigen Festival vom 10. bis zum 18. August unter parnumusicfestival.ee. Im Januar 2018 geht das Estonian Festival Orchestra mit Paavo Järvi und der Geigerin Viktoria Mullova auf Tournee.

Friday, April 21, 2017

Classical Source CD review - Nielsen




classicalsource.com
Colin Anderson
April 2017

This very welcome release preserves Concerto performances from the Philharmonia Orchestra’s Nielsen Symphony Cycle with Paavo Järvi.

Late in his life Carl Nielsen (1865-1931) decided to write a Concerto for each member of the Copenhagen Wind Quintet; sadly he composed only the two on this disc. That for Flute (1926) – for Holger Gilbert-Jespersen (who recorded the piece during the 1950s) – is whimsical and brimful of character, a range of moods embraced with a sense of theatre, not least an interrupting trombone, and with strong, varied and memory-hugging musical ideas. Samuel Coles plays with much virtuosity and personality and he enjoys a vibrant and deft interaction from his Philharmonia colleagues – whether the orchestra is being complementary or contrary to the flautist – with Järvi alive to details and colours that are projected as a part of an action-packed drama. (Signum also has a Nielsen Flute Concerto on its books, from Juliette Bausor, link below.)

Caprice and confrontation, and a dark lyricism, inform the Clarinet Concerto (1928) for Aage Oxenvad – “a person of somewhat choleric temperament, irascible but warm at heart” – such qualities, and others, reflected in this compelling music, a remarkable and fierce individuality in evidence from a tunesmith composer with progressive tendencies. The single movement, if of defined sections, rages and is soulful, a volatility underlined by a side drum as provocateur. Nothing is predictable yet everything belongs, and Mark van de Wiel plays this demanding work with flair, poise and insight; and, like Coles, receives an esteemed collaboration from the Philharmonia Orchestra and Järvi.

In February 1919 a new production of Adam Oehlenschläger’s Aladdin was staged in Copenhagen, for which Nielsen wrote a considerable amount of incidental music, and spectacularly good it is too, opening with the bold ‘Oriental Festive March’, played here with white-hot intensity, and also wonderfully suggestive, such as in ‘Aladdin’s Dream and Dance of the Morning Mist’, respectively tender and charming. The remaining five movements of the Suite (published posthumously in 1940) are all inventive and appealing, not least the multi-dimensional ‘Marketplace in Ispahan’, full of contrasts and divergences – an oriental ‘Fourth of July’ (Charles Ives) – and the Suite closes with the stamping exuberance of ‘Negro Dance’, Järvi totally at-one with Nielsen’s invention.

The only reservation is a minor one: that the Royal Festival Hall recordings have had a little resonance added (distracting) and that somewhat more space and distance has been found for Henry Wood Hall than is there in person; however the sound is vivid and complements first-class music and music-making.

Saturday, April 08, 2017

RECORDING OF THE MONTH

musicweb-international.com
Simon Thompson
April 2017


Richard STRAUSS (1864-1949)Don Juan [17:16]
Ein Heldenleben [44:13]
NHK Symphony Orchestra, Tokyo/Paavo Järvi
rec. live, Suntory Hall, Tokyo, 18 & 19 February 2015
RCA 88985391762 [61:29]



Strauss from Japan? Don’t be perturbed, but celebrate, because the results are excellent. Paavo Järvi took up the reins as chief conductor of the NHK Symphony Orchestra in the autumn of 2015, and for their first big recording project they turn to three planned discs of the orchestral music of Richard Strauss. This first instalment is really good, not least because the Japanese musicians approach Strauss’s music from a different angle to most of their recorded rivals, and the results are well worth hearing.

The first thing that strikes you is the nature of the orchestral sound. It’s light, breezy, airy and really quite wonderful. Järvi’s fast tempi help, but you can’t get away from the fact that the sound is really very un-Germanic. You might think that’s a bad thing in Strauss, a composer who sits right at the heart of the Austro-German tradition. In fact, however, it is different but remarkably successful, and so new-sounding as to be very refreshing indeed. However, don't believe any of the all-too-easy clichés about the sound being explained by this orchestra’s distance from Europe and from European culture: they’ve had several German conductors, and they’ve been playing this sort of repertoire for nearly a century. They sound this way because Järvi and the players want them to sound this way, so don’t try to explain it away: just embrace the new insights and the freshness that it brings.

There is weight when you need it, of course, most obviously in the vigorous, upwardly thrusting hero’s theme that opens Heldenleben, underpinned by sumptuous basses and with a gorgeously rich tone. The recording helps, too, placing the woodwind snipings of the adversaries right at the front of the sound and making them very present. The solo violin - played with not only great virtuosity but also uncommon sensitivity by Fuminori Marco Shinozaki - also benefits from a forward placing, but this gives it a pleasingly concertante feeling of togetherness, with the violin and orchestra answering one another’s questions like companions.

The live-ness of the recording is an almost unalloyed benefit, generating energy and spur-of-the-moment excitement that you don’t always get in the studio, and it helps to make the battle scene sound powerful, especially from the thunderous percussion. The only major downside comes there, too, because the offstage trumpets from that section’s beginning can get swamped as the orchestra cranks up. However, the build to the return of the Hero’s theme (track 5, 6:07) is thrilling, as is the first emergence of the Don Juan theme at the outset of the Works of Peace. The rest of that section is then characterised by some lovely solos and a persuasive sense of flow that leads into a sensationally lovely treatment of the Hero’s Retreat theme: the string tone at track 7, 3:51 will delight you, and even the attempts of the Adversaries to overthrow it can’t succeed. The final, temporary fortissimo blast feels perfectly judged, Järvi giving us a long, slow build up and then releasing the tension at just the right time.

This is a Heldenleben that deserves to stand alongside many more prestigious Central European readings, not because it threatens to unseat them, but because it’s refreshingly different, and a similar lightness of touch characterises an effervescent, brilliant Don Juan. The opening flourish will make the hairs on the back of your neck stand up - just listen to the clarity of the timpani and glockenspiel! - and the shimmer surrounding the first love theme is delightfully seductive. The rest of the work benefits from that lightness of sound I mentioned above, so that Don’s amorous escapades have a dance-like quality to them that’s both entirely appropriate and utterly engaging, interrupted by moments of delectable beauty, such as the gorgeously played oboe solo for the second love theme. The great horn theme at the ten-minute mark rings out with thrilling clarity, and the trumpet solo at 11:41, so easily missed in many recordings, oozes the character of a Yorkshire colliery band. The hero’s demise is shocking, as it should always be, the wisps of his spirit seeming to linger in the violins, and the effect is both poignant and at the same time unarguable in its suddenness.

A hit, then! I look forward to the next instalment.

Friday, March 31, 2017

Unabgenutzte Vermittler

fr.de
Bernhard Uske
24.03.2017

Das hr-Sinfonieorchester mit dem Pianisten Yefim Bronfman und markanten Zeugnissen in Frankfurts Alter Oper.
Ein Rüchlein musikalischer Bückware haftet den beiden Werken an, die auf dem Programm des hr-Sinfonieorchesters in der Alten Oper Frankfurt standen. Unreife sinfonische Frucht auf Seiten Anton Bruckners und konzertantes Fallobst bei Peter Tschaikowsky – konnte man meinen. Die „Nullte“ ist der Beiname der frühen d-Moll-Sinfonie des österreichischen Komponisten, was aber keinen mathematischen Unsinn bedeuten sollte, sondern vom selbstkritischen Schöpfer als Nullnummer gemeint war, als nichtiges Resultat seiner Bemühungen nach der großen, gar organischen Form. Peter Tschaikowskys 2. Klavierkonzert wiederum, als Folge-Schöpfung seines originellen konzertanten Erstlings, zeigt viel Vorgestanztes und Schematisches.

Pianistische Spitzengruppe

Zwei Musiker stellten sich der Aufgabe, die Werke an den Zuhörer zu bringen – zwei höchst frisch und unabgenutzte Vermittler. Zum einen der Ehrendirigent des hr-Sinfonieorchesters Paavo Järvi, zum anderen Yefim Bronfman, einer der Größen in der pianistischen Spitzengruppe. Er schien seine Rolle darin zu sehen, der planen und thematisch überschaubaren Vorzeige-Virtuosität ein Höchstmaß an wirbelnder und grollender Verve auf stark durchwühlten Sequenzierungs-Bahnen zuteil werden zu lassen.

Das schloss nicht aus, dass der 59-jährige gebürtige Usbeke im Andante non troppo des zweiten Satzes das lang währende, gemeinsame Konzertieren mit der Solo-Violine und dem Solo-Cello zu einem echten Trio und damit zu einem partiellen Tripelkonzert machte. Denn dezent und kammermusikalisch eingestellt agierte Bronfman mit den phänomenalen hr-Solisten: dem Konzertmeister Alejandro Rutkauskas und dem Cellisten Peter-Philipp Staemmler.

Mit Anton Bruckners „Nullter“ von 1869 vervollständigte Paavo Järvi nicht nur seinen mit dem hr-Sinfonieorchester produzierten Bruckner-Zyklus, sondern legte ein besonders markantes Zeugnis seines Bruckner-Zugangs ab, der ebenso differenziert wie subtil selbst bei den gewaltigsten und schneidendsten Ausbrüchen und Einschlägen zu bleiben vermag. Hier, bei den kunterbunt durcheinander gestellten und verbauten Klangklötzen und -klötzchen war die Brachial-Tüftelei ein blitzblankes, hochartistisches Ereignis, das obendrein überragend präzise und volumendifferenziert vom Orchester geboten wurde.

Eine gewaltige bricolage lange vor der Zeit: ein echter junger Wilder, gegen den der Zeitgenosse Gustav Mahler mit seiner 1. Sinfonie, die den Titel „Titan“ trägt, doch ziemlich alt aussieht.

ZERSPLITTERTE MENSCHHEIT

stagescreen.wordpress.com
Sascha Krieger
8.11.2016

Die Staatskapelle Berlin ist in ihrem Hauptjob ein Opernorchester. Das sollte wissen, wer an ihr Pult tritt. Dem estnischen Dirigenten Paavo Järvi, der als einer der besten seiner Zunft gilt, ist das nicht entgangen. Und so fällt zu Beginn dieses Abends zunächst auf, wie muskulös das Orchester agiert, wie massig die Streicherblöcke daherkommen, wie affirmativ die Blechbläser, wie deutlich und konturenscharf die Holzbläser. Das mag in Ludwig van Beethovens drittem Klavierkonzert ein wenig irritieren, erweist sich aber als kluge Entscheidung. Das hat auch mit dem Solisten zu tun. Radu Lupu ist ein eher idiosynkratischer Pianist, der gern einmal Umwege nimmt und auch vor extremen Lesarten nicht zurückschreckt. Das zeigt er hier im langsamen zweiten Satz: Da verzögert er radikal, wählt extrem langsame Tempo, baut immer wieder Abbrüche und Bremsbewegungen, aber auch die eine oder andere harte Setzung ein. Er verweigert dem Largo den typischen Fluss, hinterfragt und zergrübelt es, reißt es reflektiert auseinander. Das Orchester dagegen liefert den lyrischen Fluss, der den Satz eigentlich auszeichnet, spielt klar und affirmativ und bietet Lupu damit den Grund für seine Wanderungen.



Das ist auch im Kopfsatz so, wo das Orchester ein festes Fundament einzieht, den klassischen Schönklang romantisch auflädt, ihn mal in die Breite zieht, dann wieder massiv verdichtet. Lupu verweigert jede Härte, wechselt zwischen klarem, perlendem Gesang und bewegter Unschärfe – eine Ambivalenz, die sich am Orchester reibt und eine ungewöhnliche Spannung erzeugt. Im Finale lässt er die Melodielinien traumwandlerisch und scheinbar mühelos dahinfließen, verliert sich zuweilen fast in der Verweigerung von Ausdrucksvielfalt. Glücklicherweise gilt das für das Orchester nicht, das sich im Spannungsfeld aus hellem, luftigem pastoralen Klang und dramatischer Verdichtung bewegt. Die Staatskapelle bemüht sich dabei um höchste Konturenschärfe, was Lupu aber gern konterkariert. Am Ende steht ein eigenwilliges „Drittes“, das sich im Zwiegespräch zwischen Orchester und Solist findet, dieses aber auch immer wieder hinterfragt. Von klaffenden Wunden zu sprechen, wäre sicher übertrieben, aber Järvi und Lupu finden so manchen Bruch, den zu kitten sie nicht ernsthaft versuchen.

Von Natur aus voller Brüche ist Dmitri Schostakowitschs siebte Symphonie, die viel gedeutete und noch mehr instrumentalisierte „Leningrader“. Hier sind die Wunden tatsächlich offen und Järvi streut reichlich Salz hinein. Fahle Töne sind die Grundfarbe seiner alles andere als versönlichen Lesart. Hat der Beginn noch ordentlich Zug, setzt bald eine Ausdünnungs- und Entfärbungsbewegung ein, die das ganze Werk durchzieht. Sehr zart die pastorale Episode, die hier fast zum Stillstand führt. Immer wieder bremst das Geschehen ab, gewinnt eine gespenstische Tonlage zunehmend die Oberhand, die sich auch in Solovioline und Piccoloflöte findet, deren Klagen die berühmte Invasionsepisode einleitet. Diese beginnt in mehrfachem Pianissimo, kaum hörbar aus dem nichts, bruchstückhaft sich zusammenfügend. Das anschwellen, die Verzerrung, der Weg zur Gewalt sind organisch entwickelt, zwingen, unentrinnbar. Järvi überbetont nicht, sondern er lässt die Gewalt und ihren Sog wachsen als gäbe es keine alternative. Die „Invasion“ ist ein Totentanz, geisterhaft, fahl, kalt, erschütternd.



Nach einem zweiten Satz, der in seiner melancholisch verzweifelten klanglichen Reduktion hier kaum mehr ist als ein Nachgedanke folgt ein Adagio, das sich noch stärker zurücknimmt. Der Klang wird weiter entfärbt und ausgedünnt, die Einzelstimmen finden sich zunehmend isoliert, zur Reduktion des Klangs gesellt sich eine Fragmentierung der Stimmen und musikalischen Elemente. Der Zusammenhalt schwindet, organisches Werden und Vergehen wird abgelöst durch unvermittelte Ein- und Ausbrüche. es wird immer dunkler, die Musik tastet sich voran, blind und verzweifelt. Im Finale dann keine Spur vom Triumph, den Stalins Propaganda in ihm sah. Stattdessen zerfällt das musikalische Geschehen immer mehr, nehmen die Kontraste in Klangbild und Dynamik immer weiter zu, entwickelt sich eine Art Episodenstruktur, in der jedes Element, jedes Thema, jeder Solopart nurmehr für sich allein steht. Das Verbindende sucht der Zuhörer vergebens. das ist Programm: Die Gewalt, die Entmenschlichung des Menschen, von denen die vorigen Sätze erzählen, haben ganze Arbeit geleistet. Was bleibt, ist Zersplitterung, Versuche, zu einem Ausdruck zu finden, der in die Leere geht, weil er auf nichts mehr verweist. Und so klingt auch der Schluss hohl. keine Spur von Strahlen, jeden entsprechenden Versuch der Blechbläser unterminieren die unerbittlichen Kreisbewegungen der Streicher. So endet das Werk mit schneidender, beinahe roher Schärfe und ohne jede Versöhnung. Da wird der Gesang der Soloflöte zur stillen Klage, die darum weiß, dass niemand sie erhört. Eine radikale, aufrüttelnde Interpretation, die dem Zuhörer nichts schenkt und keine einfachen Antworten gibt. Die Fragen, die sie stellt, sind jedoch nicht aus der Welt. Im Gegenteil.

https://stagescreen.wordpress.com/2016/11/08/zersplitterte-menschheit/

NHK SYMPHONY ORCHESTRA AND PAAVO JÄRVI LEAVE EUROPE “THRILLED” AND WANTING MORE

harrissonparrot.com
16.03.2017



The extensive European tour undertaken by NHK Symphony Orchestra and led by conductor Paavo Järvi left Europe wanting more: “thrilling: fabulously disciplined, crisp and purposeful, and yet also expressive…” (The Guardian)

The tour kicked off on 28 February in Berlin, where the orchestra performed for their first time after 11 years and set the tone for a spectacular tour. Die Welt lauded the performance: “Paavo Järvi, from his clearly accentuated opening (of Mahler Symphony No.6), took his fiercely engaged orchestra with vehemence out of the comfort zone…with Järvi the work is disciplined, with fine articulation and a soft, yet structured, sound which leads us through melancholic marches”. Tagespiegel confirmed the success: “since technical mastery is crucial to the music of Mahler, one can be astonished at the excellent percussion and clearly staggered sound spaces.”

The next destination was the sold out Luxembourg Philharmonie, where on 1 March “Paavo Järvi seduced with the nobility of his style, the beauty of the counter-songs and the sobriety of the dramatism (in Sibelius’ Violin Concerto)…Our Japanese musicians offered the Shostakovian message more in its threatening universality, its abstract fury […] in favour of a sonorous culture which, without being aesthetic, largely banished the confusion and panic of the music’s confession.” (Luxembourg Wort)

Another sold out performance followed on 2 March at Philharmonie de Paris. NHK SO was described by Le Club des Critiques, Radio France as an orchestra with “a very warm tone and, at the same time, an almost brutal attention which is also fascinating to witness in the Sibelius Violin Concerto with Janine Jansen”. “Shostakovich’s 10th in the second half was performed to perfection”. “This is an extremely impressive orchestra…with an extraordinary warmth and expressive strings”.

Diapason viewed the performance as “an unmistakably convincing marriage”, as “the musicians of the NHK aim for crudity and realism, and their radical spontaneity gives the impression of a young orchestra, with the mastery of experienced training”.

Next on the tour was Amsterdam on 4 March, where “the NHK Symphony Orchestra Tokyo surprised with a blazing virtuosity in Shostakovich. Chief conductor Paavo Järvi smuggles the Japanese into the top league…the triumph of a dream team…” (Der Volkskrant)

Returning on 6 March to Royal Festival Hall, Southbank Centre, London, after 23 years, the expectations were high, and they were met and surpassed, with brilliant press reviews. “This visit by Tokyo’s NHK Symphony Orchestra and its chief conductor, Paavo Järvi, was a rare UK showcase for an ensemble on bristlingly good form”. (The Guardian)

The Times described the finale: “in the life-and-death tumult of the finale, where a flamboyant percussionist turned the two ear-splitting hammer-strokes into a new form of martial art – the direct, almost violent clash of opposites really paid off. The ending was stunningly dramatic”.

The last two concerts took place at Wiener Konzerthaus on 7 March and Cologne Philharmonie on 8 March. The sold out Vienna performance was described in Der Standard as “radiant music of anxiety”, “an unvarnished performance – with intensity and without sentiment.”, while Kronen Zeitung concluded that “the NHK Symphony Orchestra Tokyo performs with precision and that seeming lightness and elegance that its Chief Conductor, Paavo Järvi, is so fond of”.

The tour concluded in Cologne with long applause and standing ovations after “the exceptionally precise, profoundly strong and almost boundless breadth of the Japanese elite orchestra’s playing”. (Kölnische Rundschau).

NHK Symphony Orchestra has taken Europe by storm and everyone is talking about it.

http://www.harrisonparrott.com/news/nhk-symphony-orchestra-and-paavo-jarvi-leave-europe-thrilled-and-wanting-more

Wednesday, March 15, 2017

Eine Geigenvirtuosin und eine virtuose Abrechnung

Kronen Zeitung
Helmut Christian Mayer

La puissance sans la crispation

Luxemburger Wort
Par Pierre Gerges
3.03.2017





Friday, March 10, 2017

Philharmonie de Paris : retour triomphal de Paavo Järvi avec l'Orchestre symphonique de la NHK Tokyo

diapasonmag.fr
Rémy Louis
7.03.2017


Voir et entendre Paavo Jarvi à la Philharmonie de Paris avec son nouvel orchestre, celui de la NHK Tokyo, suscitait un grand intérêt. L'énergie fuselée propre au chef imprègne le Concerto pour violon de Sibelius partagé avec Janine Jansen. A une réserve près, qu'on n'avait pas anticipée : l'échelle dynamique naît tellement aux confins du murmure (premières mesures) que l'orchestre n'est pas toujours parfaitement audible là où nous étions placés (premier balcon de face, en général excellent pour l'orchestre). Le timbre très présent et projeté de la soliste prend ainsi plusieurs fois l'ascendant sur celui des cordes. Aucun problème bien sûr dans les tuttis, où Järvi libère une énergie formidable.

Jansen est irrésistible, pour sa conduite d'archet, ses phrasés si agiles, son discours à la fois libre et parfaitement contrôlé. Et aussi cette spontanéité de l'inspiration, cette part de sensualité qu'elle met à toute chose : elles confèrent à l'œuvre une évidence classique, une lumière et une douceur évocatrices (Adagio di molto). L'articulation et la finesse rhétorique du Bach donné en bis nous font rêver qu'elle enregistre toutes les Sonates et Partitas pour violon seul. Les musiciens japonais ont nonobstant exposé dans Sibelius une conception orchestrale inspirée par la culture allemande. L'étoffe et le jeu creusé des contrebasses, la rondeur de l'admirable pupitre de cors, la couleur assez sombre du quatuor donnent quelques indices.

La Symphonie n° 10 de Chostakovitch les confirment ensuite. On est impressionné par l'extraordinaire discipline d'ensemble, pupitre par pupitre, par la réactivité fulgurante au geste impérieux du chef (la fantastique rapidité d'exécution de l'Allegro, course folle, mais souple, que ne freine aucune inertie). La concentration de l'expression, mais aussi du son lui-même, engendre une matité assez rare de nos jours, où les orchestres visent souvent le brillant. Cela correspond idéalement au geste tout en tension et en mordant de Järvi, qui nous ramène sans détour au contexte stalinien de la composition. Même les passages plus élégiaques (le début de l'Allegretto, idéalement dosé) distillent une menace impalpable, qui atteint son inévitable et fulgurant apogée dans les climax. Interprétation de fer et de feu, bloc sonore dense et serré sans jamais être fermé ni compact (les couleurs et les respirations des bois, des cuivres).

Andris Nelsons nous avait offert deux extraordinaires 10e avec le Concertgebouw d'Amsterdam , puis le Boston Symphony, au son plus opulent et « confortable ». Les musiciens de la NHK visent crudité et réalisme, se donnent avec la spontanéité radicale d'un orchestre de jeunes, et la maîtrise d'une formation d'expérience. Voilà un mariage indubitablement convaincant, dont la Valse triste de Sibelius donnée en bis, à la fois exigeante et éperdue (nuances, tempos), reconduit tous les caractères dans une réduction homothétique. Magnifique succès à l'issue, naturellement.

Paavo Järvi et l'Orchestre symphonique de la NHK Tokyo, Philharmonie de Paris, le 2 mars.

Thursday, March 09, 2017

Die Präzision des Bösen

wienerzeitung.at
8.03.2017

(irr) So sicher sich die Programmheftschreiber heute sind: Beweisen lässt es sich nicht, dass Dmitri Schostakowitsch in seiner Zehnten Symphonie das eigene Überleben gefeiert hat. Naheliegend ist es aber schon. Das Werk ist knapp nach dem Ableben Stalins entstanden, und der hatte den Tonsetzer öffentlich demütigen lassen - was einer Morddrohung gleichkam. Dann aber der Tod des allmächtigen Tyrannen - und danach eine Symphonie, in der Schostakowitschs Initialen immer wieder musikalisch aufblitzen, erst unauffällig eingewoben, dann offener, zuletzt fast schon triumphal: D-Es-C-H.

Paavo Järvi dirigiert diese Partitur zwischen Mahler und Moderne derzeit auf einer Tournee, und er beweist damit zweierlei. Erstens, dass es sich lohnt, Vorurteile gegenüber Fernost-Ensembles zu überdenken. Das NHK-Sinfonieorchester Tokio, seit 2015 unter der Leitung des Esten, arbeitet mit der Spritzigkeit eines Klasse-Orchesters. Zweitens: Der perkussive Ansatz, mit dem der studierte Schlagwerker Järvi bereits Beethoven neu gesichtet hat, macht sich abermals bezahlt. Die monströsen Märsche der Zehnten wüten hier in einem kristallklaren Klangbild; die brutalen Blechsalven des Scherzos (angeblich ein Stalin-Porträt) treffen mit konzentrierter Schärfe ins Mark. Wobei: Diese Rhythmus-Präzision kann der Musik auch zum Gefängnis werden. Die Jubeltöne des Finales, sie strömen hier nicht frei. Absicht? Ein reines Vergnügen dagegen das Sibelius-Violinkonzert: Janine Jansen versorgt die drei Sätze mit einer Energie und Leuchtkraft, als wäre sie nicht an der Geige, sondern an der Starkstromleitung tätig; das Orchester erklimmt ganze Gebirgsketten an Spannungsgipfel und lässt die Täler dazwischen reizvoll schillern.

NHK Symphony Orchestra/Järvi review – an ensemble on bristlingly good form

theguardian.com
Erica Jeal
8.03.2017

Royal Festival Hall, London
The Tokyo orchestra’s swashbuckling performance of Mahler’s sixth was fabulously disciplined, crisp and purposeful, if a little too driven


This visit by Tokyo’s NHK Symphony Orchestra and its chief conductor, Paavo Järvi, was a rare UK showcase for an ensemble on bristlingly good form.

Toru Takemitsu’s 1957 Requiem for Strings unfolded in gauzy, many-layered textures, sounding reticent yet eloquent, its phrases falling into the rhythms of slow speech. At the end, a charged silence seemed to last for minutes.

Returning to the stage, Järvi didn’t even wait for the applause to stop before bursting into the opening of Mahler’s Symphony No 6. This was a swashbuckling performance, with few concessions made to the bright acoustic of the venue. But if the playing was loud, it was also often thrilling: fabulously disciplined, crisp and purposeful, and yet also expressive. The second movement had its quirky moments, the oboe piping like some long-beaked waterbird, the horns swerving in a woozy, drunken dance. The third was tender without being sentimental.

Järvi’s brisk approach paid off in many places. But ultimately, it was a bit too driven – there was no lingering, no space for the music to gather the full complement of its tragic intensity. Long before the ferocious closing pages, it felt as though Järvi and his players had already thrown the kitchen sink at us, as well as all the implements stored underneath – the off-stage cowbell player is busy in this symphony. Still, even if we had not gone on the symphony’s full emotional journey, it was quite some ride.

Wednesday, March 08, 2017

Concert: NHKSO/ Järvi at the Festival Hall

thetimes.co.uk
Richard Morrison
7.03.2017

If Mahler had lived a century later he might well have ended his conducting career in Tokyo rather than New York. In recent decades no country has been more Mahler-mad than Japan, but that mania has largely been fuelled by the recordings and tours of European and American orchestras.

Now the flow has been reversed. The NHK Symphony Orchestra from Tokyo is touring Europe with its music director, Paavo Järvi, and its main calling card is Mahler’s tempestuous and doom-laden Sixth Symphony … as this epic work progressed I became engrossed, first by Järvi’s unswerving emphasis on momentum and second by the accentuation of extreme contrasts of dynamics rather than subtle variations of timbre. That may sound unsophisticated, but in the life-and-death tumult of the finale — where a flamboyant percussionist turned the two ear-splitting hammer-strokes into a new form of martial art — the direct, almost violent clash of opposites really paid off. The ending was stunningly dramatic.

Tuesday, March 07, 2017

La Philharmonie accueille le "NHK" de Tokyo : Paavo Järvi et Janine Jansen en public conquis

bachtrack.com
Pierre Liscia
4.03.2017

Retour attendu que celui de l'ancien directeur musical de l'Orchestre de Paris. Celui qui sut porter à ses sommets la phalange parisienne exerce-t-il le même art avec sa nouvelle formation, l'Orchestra de la NHK de Tokyo ? En guise de réponse, deux des œuvres favorites du chef estonien : le Concerto de Sibélius et la Dixième Symphonie de Chostakovitch. Avec, dans le rôle de la partenaire idéale, la flamboyante Janine Jansen.


© Marco Borggreve

Tout est acéré dans le jeu de Janine Jansen ; à commencer par sa façon d'écouter. La violoniste semble avoir une oreille près de son violon, et l'autre au fond de la salle. La maîtrise du rendu sonore est prodigieuse, et démontre une science de l'acoustique qui dépasse le simple instinct musical. Et ce, dès les premières mesures : désincarnées, comme on a l'habitude, mais aussi complètement détimbrées, sans pourtant que cela n'affecte l'intelligibilité du discours. Janine Jansen est de ces artistes qui vous imposent le silence par l'éloquence de leur construction musicale. Techniquement, c'est impeccable. Surprenant, au premier coup d'œil : car sa gestuelle active pourrait impliquer des soucis de réverbération, tandis que l'on sent une réelle tension imprimée dans le mouvement de la main droite. Mais ici, l'un et l'autre de ces désagréments sont balayés, tant la gestuelle est intégrée au naturel du jeu. De la poigne de fer de Janine Jansen s'évadent les sonorités les plus volubiles : comme si le geste instrumental était ici mise en tension, et le rendu sonore libération de cette tension. Mais si, dans l'oreille du spectateur, la tension s'évapore, l'attention, elle, ne faiblit pas ; car Jansen a compris qu'il y a chez Sibélius une minutieuse rhétorique, et construit son final, apparent sabbat déchaîné, comme un éloquent discours. Sans manquer d'en surligner au mieux les détails : les coups d'archet sautillé ont le mordant des dents qui claquent. Dans cette structuration des registres, les différentes intensités du vibrato jouent un rôle essentiel ; ainsi, dans certains passages en double-cordes, le seul vibrato structure l'apodose d'une péripétie mélodique, qui se fait alors catabase. Impossible sans le travail de nivellement sonore de l'orchestre. C'était déjà palpable dans les premières mesures ; ça l'est plus encore dans la pédale de cuivres portant le chant initial du 2ème mouvement. Les cors, discrets mais présents, permettent à Janine Jansen d'oser un son feutré pour ensuite aller crescendo dans l'intensité des passions qu'elle donne à entendre. En bis, la Sarabande de la IIe Partita de Bach. Jansen parvient à y imprimer une identité sonore véritablement personnelle ; à une époque où la tendance est à l'uniformisation des sonorités, une telle prestation ne peut que réjouir.


© Kaupo Kikkas



La Symphonie achève de nous prouver les qualités de pédagogue de Paavo Järvi. En probablement bien peu de répétitions, le chef est parvenu à communiquer à son orchestre tout ce qu'il savait de l'acoustique de la salle. Si bien qu'alors que le premier mouvement s'ouvre sur le grondement des contrebasses, toute la salle tremble avec nous. On admire d'emblée, dans le grand solo de cordes initial, les qualités formelles de cet orchestre (supervisé, chose inédite en France, par des "inspecteurs" responsables de la bonne marche de chacun des pupitres !) ; au-delà de la parfaite cohérence des places d'archet, dans les cordes, on repère même des choix délibérés de doigtés imposés à tous. Ce qui implique un véritable travail de concertation pupitre par pupitre, travail également perceptible dans la remarquable intonation de l'harmonie. Les qualités sont ainsi collectives, mais aussi individuelles ; on reste captif de l'envoûtant filet sonore du piccolo, à la fin du premier mouvement. Les timbales, au timbre très sec, participent de l'acuité sonore globale. Le rendu est immédiat, comme ce grand acmé des cordes à la fin du premier mouvement, où les mouvements d'archet semblent être autant de coups de fouet qui nous frappent par leur force et leur vélocité. Autre démonstration de maîtrise dans le deuxième mouvement, où le bourdonnement des cordes aboutit à une saturation sonore maîtrisée. La marche des cuivres, elle, a l'éloquence macabre d'un Dies Irae. Dans l'allegretto, le tempo est relativement lent ; mais il permet à Paavo Järvi de jouer au jeu de questions-réponses qu'il maîtrise si bien, et de donner un sens aux espaces de silence que le tempo procure.


Après d'enthousiastes applaudissements, un bis : c'est la Valse Triste de Sibélius. Encore une œuvre choisie à dessein ; car certains se souviendront l'avoir entendue par l'Orchestre de Paris, à l'époque passée de la Salle Pleyel. Et de se remémorer les habitudes si caractéristiques de la direction du chef estonien. Une bien belle manière de nous montrer que, malgré les nouveaux chemins qui se dessinent devant lui, Paavo Järvi n'est jamais vraiment parti.

NHK Symphony Orchestra's magnificent Mahler Six in London

bachtrack.com
Roy Westbrook
7.03.2017

If we must have a curtain-raiser for Mahler’s Sixth Symphony, of all works, then this most eminent of Japanese orchestras chose well. Their countryman Toru Takemitsu is still the best known of Asian classical composers to have made a name in the West. He also effectively blended eastern and western influences long before the word ‘fusion’ was used to describe both music and cuisine. His Requiem for Strings, once famous if now faded, had the merit of showcasing the superb body of strings on which the NHK Symphony Orchestra Tokyo’s excellence is founded, at least for the ten minutes of the piece before they were joined by a horde of brass, wind and percussion players for the Mahler. In tone, tuning and dexterity the string band is an outstanding group, and the balance achieved by their Chief Conductor Paavo Järvi across the various intricate lines ensured that Takemitsu’s rich harmony never became clotted. Thus the Requiem’s Bergian expressionism set the scene perfectly for the work Berg himself called “the only Sixth, despite the Pastoral”.



First, the basics for any performance of this work. Yes, the opening march tempo was a persuasive middling speed between an inexorable doomed trudge and an over-lively stepping out. Yes, those superb strings soared and sang in ‘Alma’s theme’. Yes, the first movement coda surged exultantly, the eight horns braying as one, with golden tone.

The scherzo came second (quite right too, but don’t write in) as in Mahler’s first published score. And when the entrance notices said the concert was ‘without interval’ they meant it. Only when Jarvi left the platform (quite briefly) after the Takemitsu was there a real pause. The first and second movements, and then the third (Andante) and fourth, were effectively joined as pairs, with a short pause only between second and third movements. This threw a little extra weight onto the second half the symphony (as it became), and to its advantage. Mahler’s musical literalism (stumbling toddlers, cowbells, hammer blows) was relished without embarrassment or irony. (Right again – these references were significant for Mahler. “A Symphony must contain the world” he told Sibelius, and these sights and sounds were part of his world).




Above all the work was magnificently played. It was not only the heaving aloft of a giant mallet for the hammer blows (two, not three) that provided a sense of theatre, of performing. Horns really did get those bells in the air when the score directs it, as did the clarinets, throwing back their heads such that the bell was above the players’ foreheads. Solo after solo in wind and brass caught the ear and the imagination, so that it took quite a while at the end for Järvi to invite each principal to take a bow, and duly receive a roar of gratitude. The NHK SO is visiting Vienna, Berlin and Amsterdam on this tour – but even in those venues they will have nothing to learn about playing Mahler.

Järvi’s interpretative view is a fairly central contemporary one, powerful and highly effective. There were some well-judged expressive ritardandi at structural junction points, especially helpful to telegraph the route through the long finale, but generally he played it pretty straight. Measured on the thermometer of emotional temperature (‘the Boulez to Bernstein’ scale), he is more in the cool zone perhaps, if not right at the modernist objectivity end. His Andante was far too warm for that, if never entirely heart on sleeve. But should not conductors sometimes recall Alma’s observations? “None of his works moved him so deeply at its first hearing as this… When it was over he walked up and down in the artist’s room, sobbing, wringing his hands, unable to control himself.” The Zeitgeist is against much overt emotionalism in Mahler performance, and one has to be grateful to have heard a Mahler Six of such skill and integrity as this. But if Järvi wished ever to reach towards the upper regions of that emotional scale where the heat rises, even unto incandescence, he should go for it one evening – these terrific players could follow him alright. And we just might have a very great performance of this incomparable symphony, not just a very good one.

https://bachtrack.com/review-mahler-paavo-jarvi-nhk-symphony-london-march-2017

Strauss: Ein Heldenleben, Op 40; Don Juan, Op 20

classicalear.co.uk
Andrew Achenbach
7.03.2017


Phrases are shaped, inner voices probed and details sifted with unfailing imagination, innate good taste and gratifying sensitivity, and there are many uncommonly fine solo contributions to admire throughout.

Paavo Järvi's new Richard Strauss series for RCA with the NHK Symphony Orchestra is launched in handsome style with a ripely engineered Don Juan (excellent, biting timps at the outset) that lacks nothing in shapely poise, voluptuous allure (marvellous work from the principal oboe in the reflective central episode) or giddy swagger. Indeed, both here and in the nobly unforced and enviably purposeful account of Ein Heldenleben which follows, one is reminded (as the conductor himself shrewdly observes in the booklet) that the Tokyo orchestra have performed this repertoire many times under the guest leadership of such distinguished Straussians as Wolfgang Sawallisch, Horst Stein and Otmar Suitner. Järvi and his scrupulously prepared band bring genuine dedication, intoxicating sweep and infectious spirit to Strauss's ambitious canvas. Phrases are shaped, inner voices probed and details sifted with unfailing imagination, innate good taste and gratifying sensitivity, and there are many uncommonly fine solo contributions to admire throughout, not least from concertmaster Fuminori Maro Shinozaki in the role of the composer's wife, Pauline. Altogether most rewarding music-making, then, excitingly captured on the wing from two concerts in Tokyo's Suntory Hall during February 2015.
http://classicalear.co.uk/posts/ZTNjZTU0ZTU5MjBkOGU

NHK Symphony Orchestra, Tokyo, Järvi, RFH

www.theartsdesk.com
David Nice
7.03.2017

High-definition Mahler with plenty of fire in its belly




Berlin and Vienna Philharmonics; Royal Concertgebouw Amsterdam; NHKSO Tokyo. Would you have thought of putting the Japanese orchestra in the same league as the top Europeans? I certainly wouldn't, at least not until last night. While there isn't the same blended warmth, the sound is never clinical or cold; and the revelation is an incisiveness unlike any other, no doubt encouraged by Chief Conductor Paavo Järvi's digging deep in the amazing march-mania at the heart of the finale in Mahler's Sixth Symphony.

The ocular proof of that hard work could be seen in the physical movement and involvement of so many of the players, above all from one of the front-desk cellists and the first oboist. This was a Mahler Six in which every detail was clearly etched, every phrase flexible but firm of purpose. If that didn't always leave room for the full Mahler gamut, it was a thing of wonder in itself.

Launching the concert was a token gesture towards Japan's best-known composer, Toru Takemitsu. Requiem is a short work by the 27-year-old composer; to be honest, in its going-nowhere angst it could have been written by any number of lesser figures around the middle of the 20th century. But the division of labour, the solos and the effects never sounded less than impressive from the NHK strings.

There were no moments of drift, not a dud bar, in the Mahler. Total heft and focus in the first movement drove both the grim marching and the great sweeping lyric theme purposefully forward, with lower strings holding focus (double basses to the left, in front of the horns, in closest possible league with first violins and cellos). While the high Alpine idyll at the centre of the movement could have been quieter - Festival Hall dryness and clarity tend to compound Järvi's almost relentless precision - the hysterical cavalcade of a coda proved hair-raising.






Straight on, then, to the scherzo as 3/8 action reply of the marching: by that coup, Järvi showed he had no doubt, unlike Mahler himself, that this is where it should be, not third with the Andante in between (as too many, Rattle among them, prefer in ordering the inner movements). Hard not to think of it here as the bad boy's bedroom in Toy Story, with the quacking oboe which tries to hold a tottering course in the middle of all the grotesquerie the doll that says "mama", reassembled after the cataclysm with the head on backwards. Those lowering horns could almost have been impersonating wa-wa mutes in another of the special effects more wonderfully skewed than I've ever heard them.

If the orchestra could have done with a touch more middle-European glow anywhere, a dash of chiaroscuro, it would have to have been in a by no means too slow third movement. If you think it should breathe and billow, this would not be the interpretation for you - driven at the climaxes, but undeniably intense on its own terms. And here, too, was a pairing with a bigger movement, Järvi plunging headlong into the mountain outlines of the first violins in the finale's strange new world, with harps offering startling detail and consummate tuba playing setting up the baleful prelude before the ultimate march-welters.

Again the Tokyo strings took us further than seemed possible in their incisive clarity; you could hear every viola note in the wake of the two terrifying hammer blows of fate. And Järvi knew once again where to let out the military uniform, where to admit heartache and hope, if not exactly tenderness. One thing's for sure: there will never be a Mahler Sixth more confidently or trenchantly executed than this one.

NHK Symphony Orchestra/Paavo Järvi at Royal Festival Hall –Takemitsu Requiem & Mahler 6

www.classicalsource.com
Colin Anderson
6.03.2017

Monday, March 06, 2017 Southbank Centre, London – Royal Festival Hall

The Tokyo-based NHK Symphony Orchestra can trace its origins to 1926. With a change of name, it has been supported since 1951 by Nippon Hoso Kyokai (the Japan Broadcasting Corporation) and was out in full force for Maher 6 – of the 114 musicians listed all appear to be indigenous – and beforehand it was the strings that introduced Requiem (1957) by Tokyo-born Toru Takemitsu (1930-96). Short Requiem may be (just under ten minutes), but from the barest of sounds something solemn and emotionally agitated emerges, always exquisitely composed and somewhat Bartókian in expression. Whether refined or when becoming more angular, whatever was required, the NHK players, with chief conductor Paavo Järvi, had every expressive phrase and nuance mastered, not least concertmaster Fuminori Maro Shinozaki, whose solo contributions were ineffably divine (as they would also be in the Mahler).

And for eighty or so minutes the Mahler was equally outstanding. The Orchestra – quite superb in terms of precision, virtuosity, sensitivity, character, confidence and commitment – was laid out with horns extreme-left at the back of the double basses, themselves behind the first violins, and with a pair of harps to the rear of the antiphonal seconds. The musicians had every demand of Mahler’s score and Järvi’s requirements secured. Balance was impeccable, so too attention to detail and dynamics, although the very quietest pianissimos were few and far between. But what mattered most was Järvi’s identification with the music and his wholesome grasp of it.

From the first bar this performance compelled, a sense of rightness established immediately. Thus the first movement was determined but not so fast as to seem glib, and ‘Alma’s theme’ had romantic sweep (NHK violins really singing) while being integral to the exposition, duly repeated. It was certainly vivid but never showy or hyped, and if the offstage cowbells were too loud (next door rather than a mountain retreat), such a response depends more on one’s seating position and anyway Järvi’s ebbing and flowing of the music was pertinent bar-by-bar while resisting any charges of distorting the line; and the coda was exhilarating.

Now, what should come next, Scherzo or slow movement? This isn’t the place to debate such a conundrum (but I direct you to the link below), suffice to say that while Mahler finally settled on the Andante as the succeeding movement (and did so before the premiere, which he conducted), if you do what Järvi did here and go attacca into the Scherzo (fortunately no-one clapped to spoil the moment) then its second-place position becomes convincing, keeping up the pressure generated by its predecessor, also adding grotesque aspects and contrasting them with antique dance measures, flexibly drawn by Järvi.

Indeed one the hallmarks of this reading was its volatility, an unease that also informed the Andante, harps unusually highlighted and graced by eloquent woodwind and horn solos, and here less of an oasis of contentment and ecstasy and more a sleepless night in search of an unfound paradise; and such an approach made the attachment to the vast Finale all the more inherent. From the strangeness of the opening measures Järvi then made sure that the hero of Mahler’s music was resolute to succeed, and that equally he didn’t stand a chance against the forces of evil, so that when the hammer-blows arrived (just the two, Mahler excised the third for superstitious reasons) they were of tremendous impact and also mirrored Mahler’s instructions: “Kurzer, mächtig, aber dumpf hallender Schlag von nicht metallischem Charakter” – Short, mighty, but dull in resonance, with a non-metallic character. There were moments of glorious affirmation along the tortuous journey but the ultimate snuffing-out of valour was made inevitable; “Tragic” indeed. The trombone-dominated threnody was baleful, then the malice of Fate’s domination was hit home with the viciousness and exactness of a guillotine, and the long silence that followed told of musicians and audience collectively caught up in something special.
Mahler 6 Middle Movements
NHK/Järvi Strauss, Vol.1


http://www.classicalsource.com/db_control/db_concert_review.php?id=14363

NHK Symphony Orchestra brengt laaiend virtuoze Sjostakovitsj



http://www.volkskrant.nl
Guido van Oorschot
7.03.2017



NHK Symphony Orchestra, Klassiek, Sibelius en Sjostakovitsj. NHK Symphony Orchestra o.l.v. Paavo Järvi, met Janine Jansen (viool). 4/3, Concertgebouw, Amsterdam.


RECENSIE Het NHK Symphony Orchestra uit Tokio overrompelt met een laaiend virtuoze Sjostakovitsj. Chef-dirigent Paavo Järvi smokkelt de Japanners naar de wereldtop.


Japanse orkesten, heet het, zijn machines. Ze spelen vlekkeloos, maar zonder gevoel. Een optreden van het NHK Symphony Orchestra in het Amsterdamse Concertgebouw zou dan ook puur voor de statistieken zijn: even klokken hoever Tokio achterloopt op de wereldtop.

Het was alvast slim van de Japanners dat ze Janine Jansen meenamen voor het Vioolconcert van Jean Sibelius. In de Grote Zaal viel geen lege stoel te bekennen. Als vanouds joeg Jansen hartstocht door de noten. Maar aan het eind van de avond, toen de Tiende symfonie van Sjostakovitsj z'n werk had gedaan, was de herinnering nagenoeg verbleekt. Janine Jansen, de wereldster, werd een voetnoot bij de triomftocht van een dreamteam.

Door de strijkers trok een gloed die kenners doorgaans lokaliseren bij de Wiener Philharmoniker. Berlijns was de bluf waarmee de altviolisten ragden. In het hol van de leeuw speelden de Japanners bovendien een Amsterdamse troef uit: hoe vingervaardig je ook bent, ijdeltuiterij is uit den boze.

Laaiend virtuoos

De man die het orkest de wereldtop binnensmokkelt, heet Paavo Järvi (54). Hij stamt uit een dirigentenfamilie in Estland en werd opgekweekt in Amerika. Als chef van Japans beste orkest drukt hij sinds anderhalf seizoen de voetstappen van reuzen als Wolfgang Sawallisch en Herbert Blomstedt.

Järvi leverde een Sjostakovitsj af zoals die in Sovjettijden leek voorbehouden aan het orkest van Leningrad en zijn dirigerende dictator Jevgeni Mravinski: supergedetailleerd en laaiend virtuoos. De componist keek nu eens niet gekweld of cynisch uit de ogen. Noem het zen-Sjostakovitsj: voor een overspannen wereld is het een aanwinst.


http://www.volkskrant.nl/muziek/nhk-symphony-orchestra-brengt-laaiend-virtuoze-sjostakovitsj~a4470841/

10 Questions for Conductor Paavo Järvi

www.theartsdesk.com
David Nice
4.03.2017

Following in the family tradition, a musical Estonian on London and Tokyo orchestras



Now at the very top of his game and master of sundry great orchestras around the world, Paavo Järvi is the conductor students of the art like to follow for his perfect technique. Time was when he seemed like the cooler version of his peerless father Neeme; now, if he can still at time seem more cerebral than his impetuous but also excellent younger brother Kristjan, he often seems touched by the kind of inspiration Neeme maintains in his 80th year.


They work together under Utopian circumstances every summer with the superband Estonian Festival Orchestra and the promising trainees of the Academy Orchestra in the idyllic Estonian seaside town of Pärnu, which is where I’ve spent most time with Paavo and got to know his clubbablel ways. We met most recently the morning after the last concert in his Nielsen series at the Royal Festival Hall with the Philharmonia Orchestra, with whom he has a special understanding. Even so, there isn’t the luxury of so much time to work together and their performance of the Sixth Symphony, ironically nicknamed the “Semplice” or “Simple”, while perfect in conception, could have done with a rehearsal or two more to give the Philharmonia strings a chance to blaze. The ethos of the first half, on the other hand, struck me as very rare in London: not just perfect teamwork but a congeniality shared with the audience and communicated, I think, to all - initiated by the conductor in a hyper-elegant Haydn"Clock" Symphony, enhanced by the well-bonded trio of violinist Christian Tetzlaff, his cellist sister Tanja and their friend the pianist Lars Vogt.

The upshot of that was a rather too jolly night on the town, so that when I turned up at Paavo’s Notting Hill flat the following morning, there was no answer. After an entertaining 20 minutes with the music-lover who’d steered him home but still couldn’t get a reply any more than I could, he surfaced, very apologetic. Our chat was friendly as always, but rather disrupted by the next arrival, and so you’ll get a snapshot, mostly of impressions from the previous evening, which hopefully give some indication of his general approach as drawn from the specific. We moved eventually from the London concert to the prospect of his next appearance here as Chief Conductor of the NHK Symphony Orchestra Tokyo, this coming Monday (pictured below by Takao Hashimoto: on the Berlin leg of their tour; Graham Rickson reviews their new Strauss disc in his Classical CDs roundup today).







DAVID NICE It was quite a shock to be reminded of the horrors of this week [Trumpery and unrest elsewhere] by the explosions of Nielsen’s first movement. I’d forgotten about them completely, transported into that world of lightness and humour you sustained in the first half. I laughed a lot and smiled all the way through the Haydn and the Beethoven Triple Concerto. That was the second late Haydn symphony I've heard you conduct the Philharmonia in - do you think there's a special affinity there?

PAAVO JÄRVI I think any orchestra that wants to be seen as a serious contender in being a great exponent of the repertoire has to have some kind of familiarity with Haydn. That symphony or any other symphony of his, out of that comes everything else that we are symphonically proud of or impressed by - Beethoven, Mozart, Schubert, that is a kind of a blueprint for a symphony. And it's so witty and joyful and everything you need to have in a symphony, including unusual orchestration - and you have this fugue in Nielsen, and before that a fugue in Haydn, and before that...where does it all come from? Nielsen in the 1920s years later shows how far the symphony has come from the basics to the midst of a corrupted world, even if in the "Semplice" it's a world that starts out fine on the surface. Each variation in the finale is corruputed and stripped of its dignity.

I was saying that I think in a way that's the Nielsen symphony that should be called the "Inextinguishable", because of the way in the first movement there are endless pile-ups and he just picks himself up and starts again. It's astonishingly modern in its fragmentation and sudden violence, isn't it?

Yes, it gets destroyed and starts up again and again and again. It's interesting that we have this tendency to think of these modernists who changed the world, I'm talking about after Stravinsky, Boulez for example. This piece was written in 1925, nothing that's been created since has come close to the originality and the daring newness of the things he describes.

Could you describe it as post-modernist?

Yes, exactly, but the funny thing is that modernism hasn't happened yet. This is genius.

I've never found any proof that Shostakovich knew Nielsen's Sixth, but I hear direct parallels in the dance sequence of his Fourth Symphony composed a decade later, where he even seems to quote Nielsen's finale in one galop, and in the innocent way - also with a glockenspiel - his Fifteenth Symphony of 1971 begins. What do you think of that possibility?

Maybe he would have seen a score. But I'm not so sure. If you think of people asking, what is the simplest and purest thing, the answer has to be that it's a bell. I think it's arriving at the same conclusion. Sometimes scientists arrive at the same conclusion simultaneously from different places. I don't think any one of them would have taken anything. One thing's for sure, both Nielsen and Shostakovich can seem crazy in those works. Sometimes you can be too crazy for people to accept the new. It's a funny thing, I know a lot of violinists who never play the Nielsen Concerto. They play Dutilleux, other 20th century works. Why not the Nielsen? Somehow at one point teachers say it's not really great music. Of course it is. But they have been taught or convinced that it's not worth their time. At the same time they do play Shostakovich Second.

It's an obligatory work at the Nielsen Competition in Odense, but that's a Danish thing.

Thank God, because at least violinists have experience of doing it – it’s a great concerto.






Was it quite hard getting the Philharmonia into shape in a relatively short period of time for playing the Semplice? Because the violin writing especially is so hard.

They are so amazing, they're a sensational orchestra, a typical London orchestra where it's every week a new thing to play, it's not important what you play, whether you understand it or not, because there's not time to digest it. An orchestra which plays a Dvořák symphony, it's great, because they know and understand it, whereas if you put something in front of them like this, they will bring all their skill to it, but do they understand what they play? No. But then they're willing, and after a couple of rehearsals you begin to get results.

The responsibility's yours.

Yes, but they're so good and so unbelievably willing. I don't know, I must say I'm incredibly proud that we did all six Nielsen symphonies in London where everything is about box office and attendance, OK we didn't have a sold out house, but at least there was a sense of proper enjoyment. In other places it would have been empty after the first bar. I think it was also a bit of congratulation, thank you that you did it, I think every Nielsen lover in Britain was there.

What we saw last night is this very genuine communicative rapport, front desk, smiling.

I must say I'm so humbled by the fact that these hardcore, hardworking London musicians, great as they are, and they're not very well paid, but to see them having fun and going for it, that's one of the best things you can imagine, enjoyment in this nightmare of a symphony where you don't know what's going on, nobody can relate to anything technically or rely on anything for a little bit.

The more rehearsals you have the freer you would be.

It's not so much rehearsal but a couple of performances, one or two, before you come to London, because it's like preparing yourself for jumping out of a plane, you can't academically prepare yourself, just jump, and after you go through it, once or twice, it's not about knowing how it is, it's just one of those things you have to have experience of doing, and thank God I had the concert in Stockholm the night before, that is so important. They gave a very good concert, I'm not talking about using them as guinea-pigs, but after the first experience the second is an entirely different one.

You know it well.

But they'd never played it. As much as people say, we don't need a conductor or whatever, that's a symphony where they need one. They can do a Haydn by themselves, not as well, but they can. Every variation in Nielsen's finale needs to be conducted with total organisation. I'm glad you liked the swift bringing-in of the fanfares at the end. What else can happen? How weird can we get now? let's bring in a fanfare. It's genius.Was it quite hard getting the Philharmonia into shape in a relatively short period of time for playing the Semplice? Because the violin writing especially is so hard.
They are so amazing, they're a sensational orchestra, a typical London orchestra where it's every week a new thing to play, it's not important what you play, whether you understand it or not, because there's not time to digest it. An orchestra which plays a Dvořák symphony, it's great, because they know and understand it, whereas if you put something in front of them like this, they will bring all their skill to it, but do they understand what they play? No. But then they're willing, and after a couple of rehearsals you begin to get results.

The responsibility's yours.

Yes, but they're so good and so unbelievably willing. I don't know, I must say I'm incredibly proud that we did all six Nielsen symphonies in London where everything is about box office and attendance, OK we didn't have a sold out house, but at least there was a sense of proper enjoyment. In other places it would have been empty after the first bar. I think it was also a bit of congratulation, thank you that you did it, I think every Nielsen lover in Britain was there.

What we saw last night is this very genuine communicative rapport, front desk, smiling.

I must say I'm so humbled by the fact that these hardcore, hardworking London musicians, great as they are, and they're not very well paid, but to see them having fun and going for it, that's one of the best things you can imagine, enjoyment in this nightmare of a symphony where you don't know what's going on, nobody can relate to anything technically or rely on anything for a little bit.

The more rehearsals you have the freer you would be.

It's not so much rehearsal but a couple of performances, one or two, before you come to London, because it's like preparing yourself for jumping out of a plane, you can't academically prepare yourself, just jump, and after you go through it, once or twice, it's not about knowing how it is, it's just one of those things you have to have experience of doing, and thank God I had the concert in Stockholm the night before, that is so important. They gave a very good concert, I'm not talking about using them as guinea-pigs, but after the first experience the second is an entirely different one.

You know it well.

But they'd never played it. As much as people say, we don't need a conductor or whatever, that's a symphony where they need one. They can do a Haydn by themselves, not as well, but they can. Every variation in Nielsen's finale needs to be conducted with total organisation. I'm glad you liked the swift bringing-in of the fanfares at the end. What else can happen? How weird can we get now? let's bring in a fanfare. It's genius.






There was something special about the performance of the Beethoven Triple Concerto last night [pictured above by Giorgia Bertazzi: Lars Vogt and Tanja and Christian Tetzlaff], would you agree? I've never enjoyed it so much - in fact I've hardly enjoyed it at all before.

Usually what happens is that you have three musicians coming from three different continents coming together and playing. And it sounds OK, but it doesn't sound like anyone knows each other, that they have a concept, that they have had time to work. This is a family. Two of them are siblings and Lars should basically called their brother - that's how I introduced him, as a joke. I've known them for 20 years. Tanja is principal cellist in the [Deutsche] Kammerphilharmonie [Bremen, where Paavo is Artistic Director], and that's why they have an intimate knowledge of each other , it's one of those things, otherwise everybody starts and it flows along like a stream..

But it's not top-notch Beethoven, is it?

I think it is. That slow movement, if it's really played fully, I think it's moving. If it's just played OK, I agree, it sounds bland. I grew up with teachers telling me it's not as great as the Violin Concerto. Christian Tetzlaff made certain nuances yesterday, little timing things, dramatic things - that made it great music because it was great music-making. As for the orchestra, when you have soloists who are so in tune with each other, it's infectious. You always connect with them.

Your second disc of Strauss with the NHK Symphony Orchestra, which you're bringing to London, has a very special quality about it, a focused, gleaming sound. Did you work hard on that?

Yes, and I believe Ein Heldenleben is a good way of introducing this orchestra. I discussed with my father once how this is a piece about gestures. And the gestures often come out, but half the notes aren't there. Here you hear every note. And this is seriously sophisticated playing. Why do we never find the NHK Symphony Orchestra placed among the top orchestras of the world? It's always Berlin, Amsterdam, Vienna, the Czech Phil. But I would seriously place them among the top five. You know, there's this cliched thinking that oriental musicians lack feeling. I don't think that's true at all. But in any case many of the NHK players studied in western conservatoires, so they come back after some time and they bring those attitudes with them. Besides, there is an extremely strong connection there with the great Austro-German tradition which dates back far further than people think. Wolfgang Sawallisch worked with the NHK a lot, and Karl Böhm was a regular visitor to Japan. [Pictured below by Takao Hashimoto: Paavo coming on stage to conduct the NHK Symphony Orchestra in Berlin].







I remember when we first met 30 years ago in Notting Hill, it was still in the days of the fax machine and faxes were coming through from your father discussing recordings you'd both listened to, or recommending performances you must hear. Is the relationship still similar?

Oh, it's fantastic. I always get on the phone to him if I have doubts about how a movement should go, or else I try things out with him. He's still my best guide and mentor.

You're at the very top of your game now. Is there anything you want to do that you haven't achieved yet?

I think my schedule is too full - I need to stop going everywhere, it isn't necessary. But I do treasure the relationships I have with my main orchestras and I'm always happy to see them. If I would change anything, it would be to cut down on concert-giving to a degree so that I can concentrate on special projects. You know what we have in Pärnu [with the Estonian Festival Orchestra] - this is something that can't be found anywhere else. I'd hope for more along those lines.

Read Graham Rickson's review of the new Strauss disc here


http://theartsdesk.com/classical-music/10-questions-conductor-paavo-järvi

The Arts Desk - CD review (Strauss: Ein Heldenleben, Don Juan)


www.theartsdesk.com
Graham Rickson
4.03.2017





Strauss: Ein Heldenleben, Don Juan NHK Symphony Orchestra, Tokyo/Paavo Järvi (RCA)
Listen to this disc blind and you’d probably identify the orchestra as an elite European or American ensemble. This is surely one of the great recordings of Ein Heldenleben, and it’s all about the timing. Paavo Järvi’s brilliant Tokyo-based NHK Symphony Orchestra bring us home in less than 45 minutes, making the egotistical hero less of a pub bore than someone whose company you’d actually enjoy sharing. Strauss’s Lebhaft bewegtis properly observed: Der Held bounds into life, the springy lower strings never overwhelmed by horns. Järvi’s critics are suitably waspish, and violinist Fuminori Maro Shinozaki’s portrayal of Strauss’s wife is ravishing. A punchy, viscerally exciting battle scene forms the centrepiece, and even Strauss’s self-quotations don’t feel indulgent.
Maybe we shouldn’t be surprised; Järvi’s sleeve note points out that this orchestra has long had an affinity with the Austro-German repertoire, working with the likes of Horst Stein and Wolfgang Sawallisch. There’s not a weak link; strings play with warmth and depth of sound, the brass immaculate and crucially never too loud. Don Juan is the coupling – a reading slightly more expansive than you’d expect, but still compelling. Sample the big tune ten minutes in and swoon. Quite wonderful. This is the first disc in a projected Strauss series, so hopefully there’ll be more soon. Wonderfully engineered too; these are live recordings with real presence.

http://www.theartsdesk.com/classical-music/classical-cds-weekly-prokofiev-strauss-weinberg

Friday, March 03, 2017

PAAVO JÄRVI DIRIGE LE NHK DANS SON ANCIEN FIEF



www.toutelaculture.com
Alice Aigrain
3.03.2017

C’était un retour attendu. Le titre de la soirée NHK/JÄRVI, en lettre capitale ne s’y trompe pas, c’est bien ce couple récent entre l’ancien chef de l’Orchestre de Paris et la formation japonaise que le public était venu écouter hier soir. Dans un programme avec du Sibelius et Chostakovitch, les spectateurs ont pu admirer une collaboration prometteuse que l’on souhaite cependant voir évoluer vers plus de rondeur.



Paavo Järvi est celui qui durant 6 ans a reconstruit l’âme de l’Orchestre de Paris. A force de travail, de bienveillance et d’exigence, il a su faire de cette formation un ensemble régulier dans la qualité de ses interprétations. Alors quand il a annoncé en 2014 son départ en 2016 pour le NHK de Tokyo, le monde de la musique classique parisienne s’est ému et a regretté par avance celui qui a su égailler nos oreilles. Son style intense et un peu rêche, sa gestuelle saccadée de percussionniste, son apparent manque de lyrisme avait surpris avant de séduire Paris. Sa conquête a surtout été celle de l’Orchestre, un indéniable lien était en place entre les musiciens et le chef d’orchestre. Le plaisir de jouer ensemble avait rapidement pris le dessus sur tous les autres défis qui acculaient pourtant une formation en perte de vitesse. Paavo Järvi est donc parti, quand tout était de nouveau au mieux, avant que la lassitude puisse émerger. Une stratégie intelligente, bien qu’un peu frustrante tant pour le public que pour le chef puisque ce dernier déclarait au Figaro il y a encore quelques jours : « Si vous saviez ce que l’Orchestre de Paris me manque ! Mon cœur est encore avec eux. ». Alors quand un an après son départ, ce dernier revient dans ce qui était sa scène, avec son nouvel orchestre, le public est là. La salle est complète et l’attente est grande. Le scénario est similaire : le NHK est un orchestre qui doit se refondre l’âme pour regagner sa stature internationale.

Il y a d’abord eu le Concerto pour violon en ré mineur de Jean Sibelius, porté par la soliste Janine Jansen. Dans cette œuvre d’une virtuosité recherchée, le violon reste prédominant durant les trois mouvements. Instrument de prédilection du compositeur, la pièce lui offre toutes les latitudes pour permettre au soliste de s’exprimer et de se tester. Le baron Axel Carpelan parlera à propos du concerto d’un « embarras de richesses », il faut dire que Sibelius ne s’est rien interdit. Le premier mouvement en allegro moderato est marqué par les arpèges et les doubles cordes. Suit un adagio di molto d’un lyrisme rompu par les dissonances des cuivres. La soliste répond par les sauts d’octaves brisés, dans une lente discussion avec les flutes. Enfin le second allegro, s’impose comme un feu d’artifices qui expose la largeur de jeu du violoniste, accompagné et dramatisé par l’unisson des cordes et la puissance sonore des bois. Aux double-cordes et staccato succèdent une montée très rapide dans l’aigu puis des sauts d’octaves gigantesques, arpèges doubles et montée d’octaves brisées. Janine Jansen avait donc devant elle un terrain propice tant à une démonstration virtuose qu’à un jeu émotif. Comme hors du temps, la soliste a su prendre et garder la place de protagoniste, sans partir dans un long monologue éclipsant l’orchestre. Sa gestualité, son engagement, ont permis de mettre en lumière la gravité romantique de cette composition du début du XXe siècle.

La complicité de l’association entre Paavo Järvi et l’orchestre symphonique NHK Tokyo a pu s’apprécier surtout lors de la seconde partie consacrée à l’interprétation de le Symphonie n°10 en mi mineur de Dimitri Chostakovitch. Critiquée pour son formalisme par les instances soviétiques lors de sa création, elle est l’une des symphonies les plus importantes de la seconde moitié du XXe siècle. L’intensité du jeu de baguette de Järvi correspond bien à cette composition sombre et déchirante à la rythmique mécanique. Dans ses Mémoires, le compositeur confiera que cet opus est à lire comme l’illustration de Staline et de son époque. Vilipendé par les pouvoirs soviétiques qui reprochent à l’évolution formelle de la musique l’abandon de la mélodie au profit de « combinaisons sonores chaotiques et névrotiques, qui transforment la musique en cacophonie », Chostakovitch répond par cet opus pessimiste et lourd où les fortissimi déchirants succèdent à des percussions dramatiques et fantastiques, installant ainsi une tension permanente qui oppresse et accable. L’orchestre et son chef ont réussi parfois à atteindre un niveau d’intensité – notamment lors du second mouvement en Allegro – qui laissent à penser que l’écoute et la complicité se met en place dans cette nouvelle association. Pourtant la violence du message de la symphonie semble parfois un anéanti par la rigueur de l’orchestre. A la gravité ne doit pas se confondre la raideur, et la sonorité manquait parfois de souplesse et de rondeur. Alors quand Paavo Järvi dit : « Mon rôle est d’ouvrir la sonorité et de travailler la souplesse et la réactivité : je suis dans ma deuxième saison et ça commence à venir. Donnez-moi encore deux ans ! », sachant les miracles dont il est capable, peu nombreux sont ceux qui doutent de son succès déjà en marche. Le public lui, continue d’applaudir le couple NHK/Järvi un long moment, comme pour raccourcir un peu le temps qui le sépare de sa prochaine rencontre avec celui qu’il considère encore un peu, comme son chef d’orchestre.


© AFP – C. Platiau


http://toutelaculture.com/musique/classique-musique/paavo-jarvi-dirige-le-nhk-dans-son-ancien-fief/