Monday, July 02, 2018

Z ljubljanskim festivalom se v prestolnico vračajo Münchenski filharmoniki

rtvslo.si
1.07.2018



Po osmih letih se v Ljubljano vračajo Münchenski filharmoniki, orkester, ki slovi po žlahtnosti interpretacije, zavzemanju za sodobno glasbo, predvsem pa za to, da bi koncertna glasba dosegla čim širši krog ljudi. Znan je tudi po legendarnih Brucknerjevih koncertih in avstrijski skladatelj tudi tokrat ne bo umanjkal pri programu, ki ga pripravljajo.

Poleg Brucknerjeve Simfonije v D-molu – Ničta spored koncerta v Cankarjevem domu prinaša še BartokovKoncert za klavir in orkester št. 3 v E-duru in Hindemithove Simfonične metamorfoze na teme Carla Marie von Webra. Koncertu bo dirigiral Paavo Järvi, solist bo pianist Piotr Anderszewski.

Zgodovina Münchenskih filharmonikov sega v leto 1893, ko so bili ustanovljeni na osebno pobudo dirigenta Franza Kaima. Orkester pod vodstvom priznanih dirigentov pušča neizbrisen kulturni pečat in bogati glasbeno podobo Münchna. Karizmatični dirigent Sergiu Celibidache, ki ga je vodil med letoma 1979 in 1996, je vnesel izostren občutek za medsebojno odzivanje, ki sicer odlikuje komorne ansamble. Že kmalu po ustanovitvi si je orkester s svetovnimi turnejami pridobil velik ugled, ki je pod vodstvom prestižnih imen nenehno rasel.

V družbi nagrajencev
Njihov prvi častni dirigent v zgodovini je bil Zubin Mehta, v sezoni 2015/2016 pa je umetniško vodstvo prevzel sloviti Valerij Gergijev. Solist bo pianist Piotr Anderszewski, znan po interpretativni izraznosti in izvirnosti, dobitnik prestižne nagrade gilmore, ki jo vsake štiri leta podelijo izjemno nadarjenemu pianistu. Vlogo dirigenta prevzema grammyjev nagrajenec, Estonec Paavo Järvi.

Järvi je v nedavnem pogovoru za Delovo Sobotno prilogo med drugim dejal, da je v Estoniji njen nacionalizem glasben. "Nisem prepričan, od kod, vem pa, da so ljudje vedno peli, vsi vedno pojejo [...] Celo naša revolucija je bila pojoča; če so imeli Čehi žametno, smo mi imeli pojočo revolucijo. Vsa država je pela in celo Rusi niso mogli streljati v pojoče množice."
M. K.

Bunkamura no. 159 / July 2018

bunkamura.co.jp
07.2018



Friday, June 29, 2018

Neuer Hausgott gefunden

ovb-online.de
Tobias Hell
29.06.2018

Münchner Philharmoniker, Gasteig.

Beethoven, Brahms und Bruckner gehören von jeher zu den Hausgöttern der Münchner Philharmoniker. Und wenn die jüngsten Konzerte als Indikator gelten dürfen, ließe sich diesen Namen gut und gerne mit Bartók einweiteres „B“ zur Seite stellen. Denn nach dem fulminanten „Mandarin“, den man in der vergangenen Woche hingelegt hatte, folgte nun mit dem dritten Klavierkonzert des Komponisten der nächste Volltreffer. Zu danken war dies auch dem Solisten Piotr Anderszewski, der eine balancierte Lesart vorstellte, die um die effektvollen Aspekte des Werks wusste, aber auch hinter die Noten zu schauen verstand. Hochemotional vor allem der zweite Satz, dessen „Adagio religioso“ Anderszewski beim Wort nahm, ohne plakativ das Weihrauchfass zu schwenken.

Genau hier fand sich die Schnittmenge mit Dirigent Paavo Järvi. Der nämlich hatte schon vor der Pause mit der „Nullten“ einen überzeugenden Zugang zu Bruckner gefunden, bei dem Klischees und Vorurteile in der Schublade blieben. Järvi befreite die Partitur von romantisierendem Ballast und pflegte ein dynamisch flexibles, klar aufgefächertes Klangbild, das vor der Auslotung von Extremen keineswegs zurückschreckte. Etwa im scharfkantigen Scherzo, wo das kontrastierende Trio augenzwinkernd mit einer Extraschicht Geigen-Zuckerguss überzogen wurde.

Ebenso kompromisslos auch Hindemiths „Symphonische Metamorphosen“: Kraftvoll, aber dank umsichtiger Blechbläser selbst bei großen Klangeruptionen nie brutal, sondern Hindemiths Instrumentierung effektvoll auskostend.

Monday, June 18, 2018

Zweites Gastspiel der Bremer Kammerphilharmonie in Bad Kissingen mit Überraschung

infranken.de
Thomas Ahnert
18.06.2018

Der Geiger Christian Tetzlaff und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen überwältigten das Publikum mit dem Violinkonzert von Johannes Brahms.



Die Schlacht ist geschlagen: Christian Tetzlaff nach dem Violinkonzert von Brahms. Foto: Gerhild Ahnert

Das zweite Gastspiel der Bremer Kammerphilharmonie begann ja schon mit einer Überraschung. Dass man in einem Konzert über Musik von Franz Schubert einmal würde lachen können, damit hatte man einfach nicht gerechnet. Aber m,an musste wirklich aufpassen, dass das Lachen nicht laut wurde. Seine "Ouvertüre im italienischen Stil" ist ja schon aus einer Laune heraus entstanden. Schubert hatte in Wien Rossinis Oper "Tancredi" gesehen und mit Freunden gewettet, dass er genauso komponieren könne wie der berühmte Italiener. Der Beweis ist diese Ouvertüre.
Es ist ja schon erheiternd, wie gut Schubert nicht nur Rossinis Ouvertürenstrukturen, sondern auch seine Klischees durchschaute und ihn teilweise auch zitierte. Aber wirklich lachen konnte man über die liebevolle Ironie, mit der die Bremer diesen rossinisierten Schubert spielten, wie sie ihm auf die Schliche kamen und diese zelebrierten. Da wurde immer ein bisschen überzeichnet, ohne freilich in die Nähe der Karikatur zu geraten. Vor allem die typischen Beschleunigungen gelangten ein bisschen behäbiger, ausladender an ihre Zielpunkte. So wurde die Pfiffigkeit der Musik eine dreifache: die Rossinis, die Schuberts und die der Bremer.

Völlig ungewohnter Zugang

Aber dann kam der Überfall: Ausgerechnet das Violinkonzert von Johannes Brahms! Ausgerechnet das Konzert, das so gerne von Solisten und Dirigenten zelebriert wird, wie kein anderes, und das nicht nur, weil sich so die enormen virtuosen Anforderungen ein bisschen retuschieren lassen, sondern auch, weil es als Inbegriff einer in sich ruhenden späten Romantik gilt.
Natürlich sind Paavo Järvi und seine Bremer bei ihrem Brahms-Projekt mit dem Anspruch angetreten, den Hanseaten aus der Ecke der Gemütlichkeit herauszuholen, und das hatten sie ja schon beim Eröffnungskonzert mit der 4. Sinfonie höchst erfolgreich bewiesen. Man konnte also gewarnt sein.
Schon das Orchestervorspiel mit seinen beiden Themenblöcken, so lang und so üppig wie eine halbe Sinfonie, fand auf einem erstaunlich hohen, engagierten Niveau statt, das signalisierte, dass der Solist einiges würde bieten müssen, um sich zu behaupten. Aber dann kam Christian Tetzlaff mit einem Zugriff, der durchaus sprachlos machte. Vom ersten Ton an spielte er auf Durchsetzungswillen, ohne jedes Einstiegsgeplänkel oder Warmspielen. Dabei zielte er nicht auf Konfrontation mit dem Orchester - was auch gar nicht Brahms' Absicht gewesen wäre - sondern auf möglichst hohe Augenhöhe. Das kann er nicht mit jedem Orchester und Dirigenten machen. Aber er kennt seine Bremer, und die Bremer kennen ihn. 
Das Ergebnis war eine Musik von an die Grenzen der Erträglickeit gehender Spannung. Denn Tetzlaff spielte ohne jede Rücksicht auf technische Bedenklichkeiten in einer blitzsauberen Klarheit, dass man sich fragte, ob man jemals zuvor schon alle Noten gehört hat. Er forcierte die Tempi, wo es ging (und sinnvoll war) - und das Orchester ging mit. Es war ein phantastisches Zusammenspiel, weil Tetzlaff sehr stark dem Orchester zugewandt spielt, weil beide Seiten bestens aufeinander reagierten, und weil Paavo Järvi den Boden für klare Strukturierungen bereitet hatte, weil durch dynamische und agogische Strukturierungen die in jedem Moment wichtigen Stimmen klar herausgestellt waren. Schon der erste Satz war emotional so aufgeladen, dass die Ersten im Publikum schon applaudierten.
Der Beginn des zweiten Satzes machte unmissverständlich deutlich, auf welchem Niveau da musiziert wurde. Ulrich König blies ein derart intensives Oboensolo in der Stimmung einer aufgeregten Ruhe, dass man ins Grübeln kam, was die Solovioline dazu noch sagen konnte. Aber sie konnte. Tetzlaff nahm diese Stimmung auf und trieb sie weiter in eine unmerklich steigende Unruhe, bis man plötzlich überrascht feststellte, welche Energie die Musik auf einmal entwickelt hatte.
Dass der dritte Satz dann wie ein Wirbelsturm hereinbrach, war letztlich nicht mehr überraschend. Da ließ sich das Orchester von Tetzlaff verleiten, sich auf seine hohen Tempi einzulassen und ihm mit einer kollektiven Virtuosität Paroli zu bieten, die man normalerweise nicht erwarten kann. Der Beifallsturm schloss sich nahtlos an.

Endlich mal keine Strradivari

Etwas fiel übrigens angenehm auf: der etwas andere Klang von Christian Tetzlaffs Geige. Es war einmal nicht der Klang einer der vielen Stradivaris oder anderer italienischer Kreationen aus dieser Zeit, der zum absoluten Schönheitsideal hochstilisiert worden ist. Sondern es ist ein Instrument aus dem 21. (!) Jahrhundert: eine Geige des Bonner Geigenbauers Stefan-Michael Greiner aus dem Jahr 2000. Sie hat nicht nur einen wunderbar klaren Klang, sondern sie muss auch ein phantastisches Ansprechverhalten haben. Sonst wäre die Trennschärfe in den forciert schnellen Passagen so nicht möglich gewesen.
Und noch etwas ging einem durch den Kopf. Natürlich hätte man das Konzert auch gerne mit Janine Jansen gehört. Das wäre natürlich auch toll geworden, aber völlig anders, eher "Feine Linien in Pastell". Einen derart athletischen Zugriff bis zur Bärbeißigkeit hätte man von ihr sicher nicht bekommen.
Als Zugabe und zum Herunterkommen spielte Christian Tetzlaff die ruhigere Gavotte en Rondeau aus der Partita III für Violine solo BWV 1006 von Johann Sebastian Bach.


Weiter wie am Freitagabend

Nicht überraschend, dass die Bremer bei der 3. Sinfonie von Brahms da ansetzten, wo sie bei dem Violinkonzert aufgehört hatte. Auch hier profitierte die Musik (und das Publikum) von der Tatsache, das die virtuose Schmerzgrenze bei den Bremern wesentlich höher liegt als bei anderen Orchestern. Sie war einfach wieder mitreißend musiziert. Schon der Beginn, wo sich nach einem tumultösen Auftakt allmählich die Strukturen und Themen klären, war trotz aller Dichte immer ausgezeichnet durchhörbar und in seiner Weiterentwicklung verfolgbar. Es war auc hier wieder die große klangliche und strukturelle Klarheit, mit der die Bremer spielten, die sinnfällige Kalkuliertheit der Dynamik und der Klangfarben, der unverkrampfte Umgang auch mit den schwierigen Rhythmen vor allem des vierten Satzes. Es war auch für Veteranen der 4. Sinfonie ganz einfach eine umwerfende neue Erfahrung.
Bei den Zugaben setzten die Bremer ihre Reihe vom Freitag fort: mit den Ungarischen Tänzen Nr. 1 und Nr. 10 von Brahms.

FESTIVAL Das Cello steht im Mittelpunkt

swp.de
Dietrich Bretz
18.06.2018

(...)
Ein spannendes Konzert präsentierte die von Paavo Järvi geleitete Sächsische Staatskapelle. Zum Auftakt Arvo Pärts „Swansong“, der auf einer Motette für Chor und Orgel auf Worte des irischen geistlichen John Henry Newman beruht. Eine mit ihrer religiösen Aura berührende Tondichtung, die die Staatskapelle sensibel ausdeutete. Im Zentrum stand das Violinkonzert des polnischen Juden Mieczysław Weinberg (1919-1996), dessen leidvollen biografischen Stationen sich in der Motorik des Kopfsatzes zu spiegeln scheinen. Ein Glücksfall, dass der Ausnahmegeiger Gidon Kremer dafür als Solist gewonnen werden konnte, der die ruhelosen Passagen ebenso wie die verschatteten und innigen Teile und letztlich auch den verheißungsvollen Tonfall im Finale nuanciert ausformte.

Als Schlusspunkt hatte der Dirigent Jean Sibelius’ „Lemminkäinen Suite“ gewählt. Eine nordische Heldensage, deren Klangreichtum Järvi mit der Staatskapelle differenziert auslotete.

Sunday, June 17, 2018

Grandioser Auftakt beim Kissinger Sommer

mainpost.de
Elke Tober-Vogt
17.06.2018

Sol Gabetta war Solistin beim Eröffnungskonzert des Kissinger Sommers. Foto: Kissinger Sommer–


Erfrischend kurz und humorvoll war die Begrüßung durch Bad Kissingens Oberbürgermeister Kay Blankenburg. Dann war die Bühne frei für ein grandioses Auftaktkonzert zum diesjährigen Kissinger Sommer. Die Cellistin Sol Gabetta und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvi formten diesen Abend im sehr gut besuchten Max-Littmann-Saal des Regentenbaus zu einem eindrucksvollen Erlebnis.

Vom ersten erlesenen Ton an war klar, dass man hier eine völlige Einheit von Dirigent und Orchester erleben durfte. Mit Franz Schuberts Ouvertüre zum Melodram „Die Zauberharfe“ setzte Järvi den Saal unter Strom, brachte ihn fein zum Vibrieren, baute allmählich so viel Spannung auf, dass nur ein überwältigender Schluss folgen konnte.

Natürlichkeit

Der Este gehört zu den Dirigenten, die sehr der Natürlichkeit zugetan sind. Sol Gabetta als diesjährige „Artist in Residence“ ergänzte dies vollkommen: Bei Edward Elgars Konzert für Violoncello und Orchester e-Moll op. 85 bestach sie durch weiche, runde Tongebung. Eingebettet in den Orchesterklang, doch immer präsent, setzte sie allein die Musik in Szene, erfüllte den Saal gleichzeitig durch ihre intensive Ausstrahlung.

Virtuos, temperamentvoll, katzenhaft war ihr Spiel, nie überdreht oder selbstdarstellend, ganz dem kultivierten und gepflegten Umgang mit dem kostbaren Schatz des Werkes verpflichtet. Dirigent und Solistin verstehen sich bestens, das war nicht zu überhören. Elgars Werk wurde so zu einem emotionalen Bekenntnis zu empfindsamem, innigem und beseeltem Musizieren.

Erquickend

Butterweich ausmusiziert die Sinfonie Nr. 4 e-Moll von Johannes Brahms nach der Pause, eine erquickende Neubegegnung mit Altvertrautem. Järvi ließ seine perfekt mit ihm und innerhalb des Orchesters abgestimmten Musiker schwelgen, Melodielinien auskosten – der Quell der Musik sprudelte nur so.

So entstand eine in vielerlei Hinsicht meisterliche, ja kongeniale Interpretation: Meisterlich in Dosierung und Zurückhaltung, sodass prachtvolle und explosive Höhepunkte umso wirkungsvoller gerieten. Meisterlich in Farbgebung und Abmischung, meisterlich in Kantabilität und Expressivität, im Einklang des Orchesterapparats, des großen Bogens und musikalischen Atems. Meisterlich im hauchzarten Pianissimo ebenso wie im exaltierten Fortissimo.

Nach knapp zweieinhalb, wie im Flug vergangenen, Stunden gab es großen Applaus in alle Richtungen, dann Brahms als Zugabe – ein würdiger Festivalauftakt!

Tuesday, June 12, 2018

INTERVIEW MIT PAAVO JÄRVI

kissingensommer.de
Thomas Ahnert
12.06.2018

Thomas Ahnert traf Paavo Järvi, den Chefdirigenten des Festivalorchesters des Kissinger Sommers, in Bremen zum Interview. Das Interview erschien in der Saale-Zeitung / inFranken.de am 12.6.2018.

In den letzten Tagen haben sich die Musiker der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen in ihrem Stammquartier in der Gesamtschule Bremen-Ost – die ist im Stadtteil Tenever – auf ihre vier Konzerte beim Kissinger Sommer vorbereitet. Nach der 3. Sinfonie von Johannes Brahms trafen wir Paavo Järvi, seit 14 Jahren Chefdirigent der Bremer, zu einem Gespräch.



(Foto: Gerhild Ahnert)

Können Sie mir erklären, warum die Kammerphilharmonie und Sie im letzten Jahr zu den absoluten Lieblingen der Kissinger geworden sind?

Paavo Järvi: Nun, ich weiß nicht wirklich, warum das so war, aber ich hoffe, es war wegen der Musik, wegen der Aufführungen. Wir genießen es jedenfalls sehr, in Bad Kissingen zu sein. Es ist eine sehr natürliche und sehr angenehme Umgebung für das Orchester, um Musik zu machen, und die ganze Atmosphäre ist sehr entspannt und freundlich.

Zuerst ein paar Fragen zu Ihrer Biographie. Sie kennen sie, ich kenne sie. Trotzdem: Sie sind Chefdirigent hier in Bremen und in Tokio; sie werden es in der Tonhalle in Zürich sein, Sie sind Gastdirigent, Ehrendirigent und geben Konzerte in der ganzen Welt. Wo und wann leben Sie eigentlich?

Wo ich lebe? Ach. Das ist eine gute Frage. Da ich praktisch überhaupt keine Freizeit habe, bin in der Tat ständig auf Reisen. Heute Abend nach der Aufführung fahre ich schon wieder nach Dresden. Aber der offizielle Wohnsitz ist in London.

Da zahlen Sie Ihre Steuern?

Ja. Eigentlich ist mein offizieller Wohnsitz in Palm Beach, Florida. Aber bei meinem Leben ist es sehr kompliziert, weil es in so vielen Ländern stattfindet, von der Geographie her ist nicht wirklich klar, wo ich lebe.

Ihre 14 Jahre in Bremen sind die längste Zeit, die Sie mit einem Orchester zusammengearbeitet haben – hoffentlich noch lange – was war der Grund für diese 14 Jahre?

Eigentlich ist es sogar länger, offiziell sind es etwa 14 Jahre, aber wirklich besteht die Beziehung schon fast 20 Jahre: Mein erstes Konzert mit ihnen war vor mehr als 20 Jahren, und seitdem war ich beinahe jedes Jahr hier, so dass die Beziehung lang, sogar länger als 14 Jahre anhält.

Was macht dieses Orchester so interessant für Sie?

Sie sind besonders. Es gibt kein anderes Orchester, das der Kammerphilharmonie gleicht.

Und was ist das Besondere?

Alles. Ihre Organisationsstruktur, die Art und Weise, wie sie spielen, die Weise, wie sie sich selbst verwalten. Die Struktur des Orchesters ist einzigartig: Sie entscheiden über sich selbst, sie spielen Projekte, sie legen fest, was für sie künstlerisch wichtig ist. Es ist ein Orchester, das seine eigenen Regeln geschaffen hat. Nicht wie die meisten anderen Orchester, die beinahe alle nach einem standardisierten System arbeiten. Hier sind sie sehr offen, und sie entscheiden, was sie machen wollen.

Ist die Kammerphilharmonie ein Orchester, das leicht zu handhaben ist?

Ich glaube, dass der Umgang mit allen Orchestern schwierig ist, weil sie voller starker Persönlichkeiten und Leuten mit einer Menge Information, Wissen, Intelligenz und Auffassungsvermögen sind. Eine solche Gruppe von Menschen zu leiten ist immer eine ziemliche Herausforderung, aber sie widmen sich mit großer Hingabe ihrer Organisation und dem Ergebnis ihrer Arbeit und dem Endergebnis auf der Bühne. Und genau dies ist das Ziel für uns alle.

In Bad Kissingen spielen Sie ein ziemlich romantisches Programm. Ist das ein Zufall?

Wir spielen eine ganze Reihe von Repertoires. Das Orchester ist sehr berühmt für sein klassisches Repertoire, für seine Kenntnis der historischen Aufführungspraktiken. Aber wir spielen auch das moderne und das romantische Repertoire, Brahms und Schumann. Meiner Meinung nach muss ein Orchester vielseitig sein, eine große Bandbreite haben. Es sollte nicht auf irgendetwas spezialisiert sein. Diesmal ist es halt zufällig die Romantik.

Mich interessiert Ihre Ansicht zu dem Wechsel von Janine Jansen zu Christian Tetzlaff.

Janine musste ja absagen, weil sie gesundheitliche Probleme hat. Aber Christian Tetzlaff ist eine Art Familienmitglied der Kammerphilharmonie. Wir spielen schon so lange mit ihm und seiner Schwester zusammen. Sie sind praktisch Mitglieder des Orchesters.

Ich bin nicht traurig, da ich beide mag.

Ich auch. Sie sind sehr unterschiedlich.

Wissen Sie eigentlich, dass Ihr Bruder Kristjan am Tag nach Ihrem „Lobgesang“ in Bad Kissingen sein Baltic Sea Orchestra dirigiert?

Oh, das wusste ich nicht. Das ist toll, vielleicht kann ich ihn ja sogar dort treffen. Wir sind ja da, ich hoffe, dass das klappt.

Was für eine Art Dirigent ist er?

Er ist ein sehr interessanter Dirigent, weil er eine völlig andere Richtung verfolgt. Er spielt sehr viel Neue Musik, sehr viel Crossover hin zur populären Musik, und er komponiert auch selbst. Er ist auf völlig andere Dinge spezialisiert als ich. Er ist ein sehr kreativer und interessanter Dirigent.

Die Kammerphilharmonie ist für fünf Jahre Orchestra in Residence in Bad Kissingen, was ich für eine tolle Idee halte. Was meinen Sie dazu?

Es ist eine großartige Idee, weil wir einen angenehmen Ort haben, um dort im Sommer interessante Programme zu gestalten und kann zu einer Tradition werden. Ich denke, es ist eine sehr gute Idee.

Was bedeutet das Festival „Kissinger Sommer“ für Sie?

Ich war schon viele Jahre bei diesem Festival. Mit dem Orchestre de Paris, davor mit den Bambergern und einigen anderen Orchestern, ich glaube sogar mit den Frankfurtern. Ich liebe schon immer den Ort und das Festival und besonders den Konzertsaal im Regentenbau. Es ist ein sehr schöner Saal mit einem sehr guten Klang. Es ist ein ganz besonderer Ort. Es macht uns immer viel Spaß, dort Aufnahmen und CDs mit der Kammerphilharmonie für Sony mit den Beethovenkonzerten zu machen.

Wenn Sie den Saal mit der Bremer „Glocke“ vergleichen: Was ist besser, was ist schlechter?

Es sind zwei sehr unterschiedliche Spielstätten. Die „Glocke“ ist ein Konzertsaal, der Littmann-Saal im Regentenbau ist eine Art Sommer-Konzertsaal. Ich denke, beide Säle sind gut, der Klang in der „Glocke“ ist ein wenig trockener, der Saal in Bad Kissingen ist wärmer, hat einen runderen Klang, was ich lieber mag.

Haben Sie schon etwas vom Zentrum von Bad Kissingen gesehen?

Ja, wir gehen jedes Mal herum, das Zentrum kenne ich sehr gut, habe aber keine Ahnung von der Umgebung.

Könnten Sie sich vorstellen, dort einmal Urlaub zu machen.

Ganz sicher. Es ist ein angenehmer, ruhiger Ort. Warum nicht? Aber ich habe halt keinen Urlaub.

Es sind 100 Jahre vergangen seit der ersten Unabhängigkeit der baltischen Staaten. Was bedeutet das für Sie?

Es ist ein sehr wichtiger Moment in unserer Geschichte, weil die baltischen Staaten und speziell Estland wegen der geografischen Lage und der Größe immer besetzt waren von anderen Staaten: Schweden, Dänen, Deutschen und bis vor kurzem Russen. Für uns dauerte das Streben nach Unabhängigkeit eine sehr lange Zeit, und wir haben es jetzt endlich zu dem Punkt geschafft, wo wir haben, was wir wollen. Jetzt ist natürlich die große Frage, ob wir schaffen, das aufrechtzuerhalten, die Unabhängigkeit zu behalten. Denn die Welt ist in einer so unsicheren Verfassung im Moment, dass uns nichts mehr überrascht. Alles könnte passieren, und wenn man die politische Situation in der Welt anschaut, würde uns das gar nicht so befremdlich vorkommen. Alle Erwartungen und Regeln werden neu geschrieben. Was passieren wird, wohin sich die neue Politik bewegen wird, wird abzuwarten sein. Aber jeder Este hat immer im Hinterkopf, dass man die Unabhängigkeit auch leicht verlieren kann. Es gibt ein leichtes Gefühl des Zitterns, ein Gefühl der Vorsicht.

Mir gefällt die Vorstellung, dass der estnische Nationalismus ein musikalischer Nationalismus ist: die „Singende Revolution“.

Das Singen ist ein wichtiger Teil der Kultur und wird sehr ernst genommen. Jede Organisation hat ihren Chor: Feuerwehr, Polizeistation, Behörden und andere mehr.

In Deutschland sterben zurzeit die Amateurchöre.

Das ist schlimm, denn die beste Art, um Musik am Leben zu halten, ist durch Amateurchöre, Gesangsvereine.

https://www.kissingersommer.de/aktuelles/aktuelle-news/37897.Interview-mit-Paavo-Jaervi.html

Besondere Beziehung

infranken.de
12.06.2018

Paavo Järvi eröffnet mit der Bremer Kammerphilharmonie den Kissinger Sommer. Wie sieht er sein Orchester, das Festival und die Welt? Und seinen Bruder?

Paavo Järvi ist seit 14 Jahren Chefdirigent der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen - und er genießt das. Foto: Gerhild Ahnert




In den letzten Tagen haben sich die Musiker der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen in ihrem Stammquartier in der Gesamtschule Bremen-Ost - die ist im Stadtteil Tenever - auf ihre vier Konzerte beim Kissinger Sommer vorbereitet. Nach der 3. Sinfonie von Johannes Brahms trafen wir Paavo Järvi, seit 14 Jahren Chefdirigent der Bremer, zu einem Gespräch.

Können Sie mir erklären, warum die Kammerphilharmonie und Sie im letzten Jahr zu den absoluten Lieblingen der Kissinger geworden sind?
Paavo Järvi: Nun, ich weiß nicht wirklich, warum das so war, aber ich hoffe, es war wegen der Musik, wegen der Aufführungen. Wir genießen es jedenfalls sehr, in Bad Kissingen zu sein. Es ist eine sehr natürliche und sehr angenehme Umgebung für das Orchester, um Musik zu machen, und die ganze Atmosphäre ist sehr entspannt und freundlich.

Zuerst ein paar Fragen zu Ihrer Biographie. Sie kennen sie, ich kenne sie. Trotzdem: Sie sind Chefdirigent hier in Bremen und in Tokio; sie werden es in der Tonhalle in Zürich sein, Sie sind Gastdirigent, Ehrendirigent und geben Konzerte in der ganzen Welt. Wo und wann leben Sie eigentlich?
Wo ich lebe? Ach. Das ist eine gute Frage. Da ich praktisch überhaupt keine Freizeit habe, bin in der Tat ständig auf Reisen. Heute Abend nach der Aufführung fahre ich schon wieder nach Dresden. Aber der offizielle Wohnsitz ist in London.

Da zahlen Sie Ihre Steuern?
Ja. Eigentlich ist mein offizieller Wohnsitz in Palm Beach, Florida. Aber bei meinem Leben ist es sehr kompliziert, weil es in so vielen Ländern stattfindet, von der Geographie her ist nicht wirklich klar, wo ich lebe.

Ihre 14 Jahre in Bremen sind die längste Zeit, die Sie mit einem Orchester zusammengearbeitet haben - hoffentlich noch lange - was war der Grund für diese 14 Jahre?
Eigentlich ist es sogar länger, offiziell sind es etwa 14 Jahre, aber wirklich besteht die Beziehung schon fast 20 Jahre: Mein erstes Konzert mit ihnen war vor mehr als 20 Jahren, und seitdem war ich beinahe jedes Jahr hier, so dass die Beziehung lang, sogar länger als 14 Jahre anhält.

Was macht dieses Orchester so interessant für Sie?
Sie sind besonders. Es gibt kein anderes Orchester, das der Kammerphilharmonie gleicht.

Und was ist das Besondere?
Alles. Ihre Organisationsstruktur, die Art und Weise, wie sie spielen, die Weise, wie sie sich selbst verwalten. Die Struktur des Orchesters ist einzigartig: Sie entscheiden über sich selbst, sie spielen Projekte, sie legen fest, was für sie künstlerisch wichtig ist. Es ist ein Orchester, das seine eigenen Regeln geschaffen hat. Nicht wie die meisten anderen Orchester, die beinahe alle nach einem standardisierten System arbeiten. Hier sind sie sehr offen, und sie entscheiden, was sie machen wollen.

Ist die Kammerphilharmonie ein Orchester, das leicht zu handhaben ist?
Ich glaube, dass der Umgang mit allen Orchestern schwierig ist, weil sie voller starker Persönlichkeiten und Leuten mit einer Menge Information, Wissen, Intelligenz und Auffassungsvermögen sind. Eine solche Gruppe von Menschen zu leiten ist immer eine ziemliche Herausforderung, aber sie widmen sich mit großer Hingabe ihrer Organisation und dem Ergebnis ihrer Arbeit und dem Endergebnis auf der Bühne. Und genau dies ist das Ziel für uns alle.

In Bad Kissingen spielen Sie ein ziemlich romantisches Programm. Ist das ein Zufall?
Wir spielen eine ganze Reihe von Repertoires. Das Orchester ist sehr berühmt für sein klassisches Repertoire, für seine Kenntnis der historischen Aufführungspraktiken. Aber wir spielen auch das moderne und das romantische Repertoire, Brahms und Schumann. Meiner Meinung nach muss ein Orchester vielseitig sein, eine große Bandbreite haben. Es sollte nicht auf irgendetwas spezialisiert sein. Diesmal ist es halt zufällig die Romantik.

Mich interessiert Ihre Ansicht zu dem Wechsel von Janine Jansen zu Christian Tetzlaff.
Janine musste ja absagen, weil sie gesundheitliche Probleme hat. Aber Christian Tetzlaff ist eine Art Familienmitglied der Kammerphilharmonie. Wir spielen schon so lange mit ihm und seiner Schwester zusammen. Sie sind praktisch Mitglieder des Orchesters.

Ich bin nicht traurig, da ich beide mag.
Ich auch. Sie sind sehr unterschiedlich.

Wissen Sie eigentlich, dass Ihr Bruder Kristjan am Tag nach Ihrem "Lobgesang" in Bad Kissingen sein Baltic Sea Orchestra dirigiert?
Oh, das wusste ich nicht. Das ist toll, vielleicht kann ich ihn ja sogar dort treffen. Wir sind ja da, ich hoffe, dass das klappt.

Was für eine Art Dirigent ist er?
Er ist ein sehr interessanter Dirigent, weil er eine völlig andere Richtung verfolgt. Er spielt sehr viel Neue Musik, sehr viel Crossover hin zur populären Musik, und er komponiert auch selbst. Er ist auf völlig andere Dinge spezialisiert als ich. Er ist ein sehr kreativer und interessanter Dirigent.
Die Kammerphilharmonie ist für fünf Jahre Orchestra in Residence in Bad Kissingen, was ich für eine tolle Idee halte. Was meinen Sie dazu?
Es ist eine großartige Idee, weil wir einen angenehmen Ort haben, um dort im Sommer interessante Programme zu gestalten und kann zu einer Tradition werden. Ich denke, es ist eine sehr gute Idee.

Was bedeutet das Festival "Kissinger Sommer" für Sie?
Ich war schon viele Jahre bei diesem Festival. Mit dem Orchestre de Paris, davor mit den Bambergern und einigen anderen Orchestern, ich glaube sogar mit den Frankfurtern. Ich liebe schon immer den Ort und das Festival und besonders den Konzertsaal im Regentenbau. Es ist ein sehr schöner Saal mit einem sehr guten Klang. Es ist ein ganz besonderer Ort. Es macht uns immer viel Spaß, dort Aufnahmen und CDs mit der Kammerphilharmonie für Sony mit den Beethovenkonzerten zu machen.

Wenn Sie den Saal mit der Bremer "Glocke" vergleichen: Was ist besser, was ist schlechter?
Es sind zwei sehr unterschiedliche Spielstätten. Die "Glocke" ist ein Konzertsaal, der Littmann-Saal im Regentenbau ist eine Art Sommer-Konzertsaal. Ich denke, beide Säle sind gut, der Klang in der "Glocke" ist ein wenig trockener, der Saal in Bad Kissingen ist wärmer, hat einen runderen Klang, was ich lieber mag.

Haben Sie schon etwas vom Zentrum von Bad Kissingen gesehen?
Ja, wir gehen jedes Mal herum, das Zentrum kenne ich sehr gut, habe aber keine Ahnung von der Umgebung.

Könnten Sie sich vorstellen, dort einmal Urlaub zu machen.
Ganz sicher. Es ist ein angenehmer, ruhiger Ort. Warum nicht? Aber ich habe halt keinen Urlaub.

Es sind 100 Jahre vergangen seit der ersten Unabhängigkeit der baltischen Staaten. Was bedeutet das für Sie?
Es ist ein sehr wichtiger Moment in unserer Geschichte, weil die baltischen Staaten und speziell Estland wegen der geografischen Lage und der Größe immer besetzt waren von anderen Staaten: Schweden, Dänen, Deutschen und bis vor kurzem Russen. Für uns dauerte das Streben nach Unabhängigkeit eine sehr lange Zeit, und wir haben es jetzt endlich zu dem Punkt geschafft, wo wir haben, was wir wollen. Jetzt ist natürlich die große Frage, ob wir schaffen, das aufrechtzuerhalten, die Unabhängigkeit zu behalten. Denn die Welt ist in einer so unsicheren Verfassung im Moment, dass uns nichts mehr überrascht. Alles könnte passieren, und wenn man die politische Situation in der Welt anschaut, würde uns das gar nicht so befremdlich vorkommen. Alle Erwartungen und Regeln werden neu geschrieben. Was passieren wird, wohin sich die neue Politik bewegen wird, wird abzuwarten sein. Aber jeder Este hat immer im Hinterkopf, dass man die Unabhängigkeit auch leicht verlieren kann. Es gibt ein leichtes Gefühl des Zitterns, ein Gefühl der Vorsicht.

Mir gefällt die Vorstellung, dass der estnische Nationalismus ein musikalischer Nationalismus ist: die "Singende Revolution".
Das Singen ist ein wichtiger Teil der Kultur und wird sehr ernst genommen. Jede Organisation hat ihren Chor: Feuerwehr, Polizeistation, Behörden und andere mehr.

In Deutschland sterben zurzeit die Amateurchöre.
Das ist schlimm, denn die beste Art, um Musik am Leben zu halten, ist durch Amateurchöre, Gesangsvereine.

Monday, June 11, 2018

Baltische Exkursion

sz-online.de
Jens-Uwe Sommerschuh
11.06.2018

Paavo Järvi, die Staatskapelle und Solist Gidon Kremer besichtigen einen fast vergessenen Weinberg.

Der Abend mit der Staatskapelle in der Semperoper hatte eine starke baltische Note. Zunächst erklang mit dem Swansong ein Werk des großen Esten Arvo Pärt, derzeit „Capell-Compositeur“, und es war ein berührender Moment, als der 82-Jährige danach auf die Bühne kam und seinen Landsmann Paavo Järvi umarmte, einen der gefragtesten Dirigenten unserer Zeit. Der stand nicht zum ersten Mal am Pult der Kapelle, und auch der Starsolist, Geiger Gidon Kremer, Lette mit jüdischen, schwedischen und deutschen Wurzeln, hat schon mehrfach hier gespielt.

Das Konzert vom Sonnabend, eine Kooperation mit den Festspielen, wird am Dienstag ab 20.05 von MDR Kultur und MDR Klassik ausgestrahlt. Dieses Ereignis nachzuhören, lohnt aus vielen Gründen. Schon Pärts schlankes Stück, die noch junge Orchester-Adaption einer Chorkantate, war ein intensives Erlebnis. Das sakrale Werk, dem ökumenischen Gedanken der Annäherung verpflichtet, erstrahlte in schlichter Schönheit, von Pärt als „Engelsmusik“ gedacht.

Kremer stellte dann das Violinkonzert in g-Moll vor, das Mieczyslaw Weinberg, ein heute fast vergessener Schützling Schostakowitschs, 1959 komponiert hat. Weinberg wurde 1919 in Warschau geboren, flüchtete vor den Nazis in die Sowjetunion, wo er 1953 in Haft geriet. Der Kontrast zwischen den treibenden Ecksätzen, dem schwingenden Allegretto und dem elegischen Adagio ist erheblich. Paavo Järvi, ein Maestro mit natürlicher Autorität, führte die Kapelle souverän durch die Strudel und Sprünge der Stimmung, ließ dem Solisten, aber auch den Bläsern spürbar klanglichen Freiraum. Als Zugaben spielte Kremer zwei von Weinbergs 24 Präludien für Cello, adaptiert für die Violine.

Nach der Pause schwelgten Järvi und Kapelle in den kühlen Klangfarben des Finnen Jean Sibelius, reizten mit der Lemminkäinen-Suite die eigenwillige Dramatik dieser nordischen Heldensaga aus der Kalevala nuanciert aus. Sibelius lässt Bässe und Celli dräuen, die Geigen flimmern und die Hörner fetzen, und er schenkt dem Englischhorn ein herzzerreißendes Solo. Järvi hielt die Zügel straff, schuf ein suggestives Pulsieren fern aller Pathetik. Riesiger Beifall.

https://m.sz-online.de/nachrichten/kultur/baltische-exkursion-3952633.html

Thursday, June 07, 2018

Sto padesát let Brahmsova lidského rekviem v Brémách

casopisharmonie.cz
Mirka Zemanová
7.06.2018

foto: FB Deutsche Kammerphilharmonie


Je až překvapivé, kolik událostí ze starých i nových německých dějin se vztahuje k severoněmeckým Brémám: toto hanzovní město, 128 km na jih od Hamburku, zůstává například dodnes - i když počet obyvatel je jen okolo 671 000 - jedním ze tří existujících městských států v Německu (další freie Städtejsou mnohem větší Hamburk a Berlín), a má i svůj vlastní senát. Ochráncem Brém je legendární Roland, jehož 5,5 metrů vysoká socha - symbol svobody a nejstarší dochovaná socha tohoto hrdiny na území někdejší římské říše - stojí na Rathausplatzu od roku 1404. Podle staré legendy zůstanou Brémy svobodné a nezávislé jen pokud nad nimi bude Roland držet ochrannou ruku; tvrdí se proto, že v podzemí městské radnice je pro všechny případy ukryta jeho náhradní socha.

Brémy zbohatly obchodováním, také díky blízkému důležitému přístavu Bremerhaven, taktéž na řece Weser; odtamtud odvážely během 19. a 20. století zaoceánské parníky i většinu německých a jiných emigrantů z Evropy do Nového světa. A dokonce i světoznámá značka kávy bez kofeinu, Café HAG - ač ji dnes vlastní firma Jacobs Douwe Egberts - vznikla v Brémách v roce 1906; zakladatel firmy HAG Ludwig Roselius byl jedním z vynálezců prvního komerčního procesu výrob z tohoto druhu kávy. Během druhé světové války bylo zničeno asi 60% města, a přístav Bremerhaven byl zničen téměř úplně. Avšak nádherná radnice z 15. století bombardování zázračně unikla, a radniční vinný sklep, který existuje od roku 1405, má dnes největší sbírku nejlepších německých vín na světě.

Překvapivá byla i hudební akce, která se v Brémách konala 10. dubna 1868: byla to světová premiéra Brahmsova monumentálního Německého rekviem v St. Petri Dom, pod taktovkou samotného skladatele - a 150. výročí této premiéry oslavila letos Deutsche Kammerphilharmonie provedením tamtéž.


foto: FB Deutsche Kammerphilharmonie




Proč se uskutečnila světová premiéra tohoto oblíbeného a často uváděného díla právě v Brémách? Část Německého rekviem byla poprvé provedena ve Vídni v prosinci 1867 (zazněly tehdy první tři věty). Dobře navštívený koncert sice udělal šestatřicetiletému Brahmsovi v hudebním životě města velké jméno, nicméně v katolické Vídni bylo dílo také předmětem bouřlivé kritické debaty a jeho provedení sehrálo významnou roli v rozdělení kritiků do protikladných táborů Brahms versus Wagner.

Hamburský rodák Brahms měl proto v úmyslu uvést premiéru kompletního díla v blízkých Brémách, v srdci protestantského severního Německa. Carl Reinthaler - varhaník a ředitel brémského dómu - mu nakonec poskytl možnost uvést dílo tam, a před příjezdem skladatele je sám nazkoušel. Samotný koncert 10. dubna 1868 připadl toho roku na Velký pátek, což muselo jistě dodat události ještě hlubší význam. Koncert byl dychtivě očekáván, a předcházela mu velká reklama - Brahms byl v Brémách velmi uznáván. Na koncert se proto dostavilo 2500 diváků (na tehdejší dobu obrovské množství), a provedení všech šesti tehdy existujících vět díla slavilo velký úspěch. Na koncertě vystoupil i slavný houslista Josef Joachim, s Bachovými a Schumannovými skladbami, a altistka Amalie Weiss (tehdy Joachimova žena) zazpívala výňatky z Bachových Matoušových pašijí a z Händlova Mesiáše.
Lidské rekviem

Titul díla - Ein deutsches Requiem - se vztahuje k jazyku textu, a nemá proto nacionalistické pozadí; Brahms sám řekl řediteli brémského dómu Reinthalerovi, že by dílo raději nazval Ein menschliches Requiem (Lidské rekviem). Nicméně toto rekviem patří k dílům, která jsou v německém hudebním životě hluboce zakořeněna, a pro německé posluchače hodně znamenají. I na letošním oslavném koncertě k 150. výročí premiéry byl proto dóm zcela zaplněn; na programu koncertu však bylo pouze Rekviem (v nynější standardní verzi o sedmi větách) - po mnoha diskusích se dirigent a orchestr rozhodli proti přesné rekonstrukci původního programu z roku 1868.


foto: FB Deutsche Kammerphilharmonie




Koncert, který byl navíc natočen pro vysílání na německé stanici 3Sat TV, a zaznamenán na DVD, hraje ústřední roli v současném brahmsovském cyklu orchestru: projekt byl započat v roce 2015, a od té doby provedl orchestr kompletní cyklus skladatelových symfonií na koncertech nejen v Německu, ale i ve Vídni, v Petrohradě, Tokiu a Kanadě. První CD cyklu (Symfonie č. 2, a předehry Tragická a Akademická) vyšlo na labelu Sony/RCA na podzim roku 2017; druhé vyjde letos na podzim (Symfonie č. 1 a Haydn Variations).

Deutsche Kammerphilharmonie patří k nejlepším německým orchestrům (profesionální status získala v roce 1987, a v Brémách působí od roku 1992); v Haydnovi nebo Mozartovi je orchestr schopen uplatnit principy historicky poučené interpretace, v nichž byl vyškolen, u děl z pozdějších období pak větší vibrato apod. Mezi dirigenty, kteří s orchestrem pracovali, byli mimo jiné Heinrich Schiff, Jiří Bělohlávek a Daniel Harding; od roku 2004 je uměleckým ředitelem Paavo Järvi. K významným projektům orchestru, které si vysloužily mezinárodního uznání, patřily v minulosti beethovenovské a schumanovské cykly. Brahmsovský cyklus byl proto logickým pokračováním.

V nedávném rozhovoru v Neue Zürcher Zeitung řekl Järvi, že pro něj není „nic těžšího než dělat Brahmsovu hudbu tak, aby bylo provedení živé a zajímavé". Järviho interpretace Rekviem byla proto nepochybně výsledkem dlouhého a důkladného studia. Orchestrální obsazení bylo při dubnové oslavě přesně totéž jako při premiéře v roce 1868, a Järviho interpretace byla čistší a průzračnější než jiné, které jsem až zatím slyšela - a to přes masivní zvuk, jenž byl orchestr schopen vyprodukovat, a emocionálně drtivé vrcholy (mimochodem, kontrabasy byly umístěny vlevo a harfy napravo, což vytvářelo působivý prostorový efekt). Dirigent, který již provedl dílo několikrát s jinými orchestry, vyrostl „s širokým a dramatickým zvukem Berlínské filharmonie pod Karajanovou taktovkou", a starší nahrávky Brahmse mají vždy monumentální charakter a zatěžkaný, romantický zvuk. Menší orchestry jsou agilnější, a správná rovnováha dává možnost slyšet dobře i vnitřní hlasy.


foto: FB Deutsche Kammerphilharmonie




V Brahmsovi, jak objevili i jiní dirigenti, např. Philippe Herreweghe, jsou navíc také určité odkazy na renesanční a barokní hudbu (Gabrieli, Monteverdi a Schütz), a ty si Järvi plně uvědomil až při práci s Deutsche Kammerphilharmonie: „Je to díky tónu tohoto orchestru a jeho artikulaci," zdůraznil před premiérou v rozhovoru pro Frankfurter Allgemeine.
Rozdíl v Järviho interpretaci byl i v tempech

Brahms, který dirigoval provedení některých svých děl, údajně neměl rád metronom a podle svědectví současníků se jeho tempa velmi různila. „Pro něj měla hudba svůj vlastní čas, svůj vlastní život," řekl Järvi. „Ale najít v Brahmsovi správné tempo je opravdu klíčová záležitost."

Panoramatická stavba díla a Brahmsův symfonismus však byly v Järviho interpretaci zcela evidentní, a navzdory tomu, že sbor zpíval text z Lutherovy verze bible, až do prvního barytonového sóla (Herr, lehre doch mich) bylo to, co jsme slyšeli, vlastně proud absolutní hudby - posluchači se mohli zcela ponořit do toku nádherného zvuku. Matthias Goerne - jehož není třeba českým čtenářům představovat - pak přinesl nový prvek: zpěvák samozřejmě dílo velmi dobře zná, rozumí významu textu, a jeho dramatická interpretace dodala provedení nový rozměr. Rumunská sopranistka Valentina Farcas, která s Deutsche Kammerphilharmonie debutovala, a Rekviem s orchestrem i natočila, má za sebou již řadu vystoupení na předních operních scénách i koncertních pódiích (Salzburg Festival, Theater an der Wien, Wiener Musikverein, Komische Oper Berlin, Semperoper Dresden, Nederlandse Opera Amsterdam, Theâtre de Champs-Elysées a další). Mladá zpěvačka podala velmi dobrý výkon, nicméně v jejím krásném sólu (Ihr habt nun Traurigkeit) bych možná uvítala stříbrnější barvu hlasu. Lotyšský pěvecký sbor Koris Latvija z Rigy (který účinkoval s orchestrem i na jejich nedávném turné v Asii) byl rovněž na vysoké úrovni; jak Brémy, tak Riga jsou hanzovní - a dnes partnerská - města, a v úzkém styku jsou již 800 let.


foto: FB Deutsche Kammerphilharmonie



Vůně starých vín

Koncert k 150. výročí světové premiéry jednoho z nejproslulejších hudebních děl byl zajímavý dramaturgický počin, a celá akce - na niž byli do Brém pozváni novináři nejen z Německa, ale také z Velké Británie, Holandska, Španělska, Austrálie, Japonska a České republiky - byla velmi dobře naplánována a připravena.

Pod brémskou radnicí se nachází vinné sklepy Apostelkeller (zvaný tak podle 12 sudů ze staletými víny z Rüdersheimu a jiných německých vinařských oblastí) a menší Rosekeller; v obou jsou dnes vzácné historické sbírky německých vín, včetně nejstaršího německého lahvového vína, Rüdesheimer Apostelkeller z roku 1727, a bílého sudového Rüdesheimer z roku 1653 (toto však již dnes není možné konzumovat). V minulosti byl Rosekeller - osvětlován dodnes pouze svíčkami - vyhrazen pouze pro místní radní; scházeli se tam vždy, kdy museli diskutovat o problémech, jejichž vyřešení se nemohli v horní části radnice nijak domoci; a o tom, jak ke konečnému rozhodnutí ve sklepě dospěli, pak údajně nikdy mimo něj nemluvili.


foto: FB Deutsche Kammerphilharmonie




Ani Apostelkeller ani Rosekeller nejsou dnes přístupné veřejnosti. Novinářům, kteří se zúčastnili oslav 150. výročí premiéry Rekviem, však byla prokázána zvláštní pozornost, a byli do nich na chvíli zavedeni. Opojný pach starých vín ve sklípku je neuvěřitelný, a ohromující jsou i historické asociace: bylo to totiž právě v Rosekelleru, kde se v roce 1868 shromáždili Brahmsovi hosté - Clara Schumann, Joseph Joachim, Amalie Weiss a další - aby s ním velkolepou premiéru oslavili.

Naslouchat krásnému provedení Rekviem v brémském dómu - kde i letos byla atmosféra opravdu slavnostní - a postát na chvíli tam, kde sám skladatel a jeho přátelé úspěch premiéry oslavovali, bylo velké privilegium.

https://www.casopisharmonie.cz/reportaze/sto-padesat-let-brahmsova-lidskeho-rekviem-v-bremach.html

Tuesday, June 05, 2018

Philharmonia Orchestra/Paavo Järvi – Sorcerer’s Apprentice & Symphonie fantastique – Denis Kozhukhin plays Rachmaninov


classicalsource.com
David Truslove 
5.06.2018


Sunday, June 03, 2018 Southbank Centre, London – Royal Festival Hall

Were it not for The Sorcerer’s Apprentice (and Walt Disney’s Fantasia with Mickey Mouse), the very self-critical Paul Dukas would probably be only known to those familiar with La Péri, Ariane et Barbe-bleue or the Symphony in C. Paavo Järvi conjured an assured and atmospheric Sorcerer, its colourful palette opening out gloriously from a tension-filled opening. His scrupulous approach allowed for plenty of mischief (including a perky bassoon), wild abandon (an exuberant piccolo adding to the brouhaha) and poignancy (a tender viola) – altogether impressive and invigorating.

Much the same could be said for a gripping performance of Rachmaninov’s Third Piano Concerto – an Everest. Yet its fearsome demands are tempered by a dreaming delicacy; two facets superbly articulated by Denis Kozhukhin who valiantly met its challenges head on – the ebb and flow, blood and thunder oratory and wistful intimacies – bounded by an unaffected directness of expression and an integrity of vision aided and abetted by a well-balanced Philharmonia, Järvi coaxing subtle woodwind colouration and allowing passion to spill over at significant moments. A poetically-shaped ‘Intermezzo’ drew eloquence and brilliance, and rumination and variable excitement found their way into the Finale, the measured tempo just denying something edge-of-the-seat, but compensation came in the thunderous closing pages when piano and an unbridled orchestra locked horns to produce a grandstand finish. As an encore Kozhukhin offered ‘Til våren’ (To Spring), the sixth and final piece of Grieg’s Opus 43 set of Lyric Pieces, elegant and understated.

Berlioz’s Symphonie fantastique is of startling imagery to which the Philharmonia responded with efficiency if not always alacrity. Järvi might have conjured a more intense opening for the hallucinations of ‘Réveries’ but nicely captured its sense of longing. Despair and elation were well-drawn in the ensuing ‘Passions’ (with exposition repeat) that built to a raging climax. Polish informed the ‘Ball’ movement, played with fondness but little sense of exhilaration. Cor anglais and (offstage) oboe made companionable shepherds in ‘Scène aux champs’, but quiet passages never quite held the attention, its extensive discourse lacking cohesion. Sinister horns initiated ‘March to the Scaffold’ (no repeat here), well-paced, with gutsy brass, woodwinds wailing and a cinematic execution. Most persuasive was the intensity of the ‘Witches’ Sabbath’; Nigel Black’s horn solo one of the quietest (and cleanest) I’ve ever heard – mesmerising. The phantasmagoria was rhythmically taut and colourfully etched (with a suitably strident ‘Dies irae’) yet its dramatic clangour needed a little more sweep and black magic.

Monday, June 04, 2018

Masterful Dukas and Rachmaninov and a Berlioz with more to be desired from the Philharmonia

bachtrack.com
Young-Jin Hur
4.06.2018

If Romanticism implies evocation of the supernatural and virtuosity of playing, one could say that the evening’s program, led by Paavo Järvi, was indeed a very Romantic one. From the atmospheric opening of Dukas’ The Sorcerer’s Apprentice, a symphonic poem inspired by Goethe’s poem of the same name, Järvi instilled a spirit of unhurried grace. Some may have admired the supple strings and inimitable precision the Berliner Philharmoniker had brought to the Royal Festival Hall a few days ago, but the arsenal conceived by Järvi firmly established that a playing of sobriety without unsubtle embellishments, of judicious alterations between the various lights and shades of dynamics, and of orchestral transparency, had, perhaps, a special place at the hall. In effect, the tuttis had colour and swing, and the climax copious yet far from overwhelming in this little French masterpiece.


© Kaupo Kikkas

In performing Rachmaninov’s Third Piano Concerto, it was the Russian Denis Kozhukhin who replaced Khatia Buniatishvili as soloist. Kozhukhin’s reputation may not be as lofty as what some of the audience tonight might have desired, but this was a concern fated to be futile. At times sensitive, at times visceral, and at times both in an entirely convincing way, Kozhukhin’s pianism demonstrated an immersive musical narrative, complemented with his impeccably crystal-clear technique. Although his audible murmuring was initially worrisome, these vocal intrusions were only proof of Kozhukhin’s musical confidence, as he cadenced through the variegated moods and shapes of Rachmaninov’s maze with natural fervour; musically, any indication of self-consciousness was largely kept at bay. Järvi’s empathic accompaniment proved invaluable, as even the minutest of Kozhukhin’s expressions were attended. Yet this is not to suggest the wanting of orchestral beef. In the soaring coda of the Finale, neither Kozhukhin nor the orchestra compromised any sort of their presence, as the work concluded triumphantly.

It felt only a matter of time for Järvi to craft an incredibly vivid Symphonie fantastique. Järvi opened up the work mysteriously, and the first theme of “Rêveries – Passions” introduced vibrancy into this dreamlike introduction sequence. The exposition repeat observed, Järvi’s rhythmic instincts were applaudable, as a stable pulse led the transparently and almost intimately argued orchestral texture. In contrast to the expansively and hence solemnly taken religiosamente coda of the last 15 bars of this first movement, the “Un bal” transported the hall into a lighthearted ballroom, with woodwind canapés and the fizz of lilting waltz tunes crossing over each other sanguinely. The slowly moving “Scène aux champs”, on the other hand, was made of idyllic repose tinged with gentle melancholy.

The decision to bypass the repeat in the “Marche au supplice” was not exactly unforeseen, as the repeat can affect momentum. Yet given the last two movements’ invocations of drug overdose, death and demonic rites, the steady beat Järvi insisted upon in these movements neither embraced the frenzy nor nodded to the fantastical. While Järvi’s overall clear reading gave a real sense of occasion to the evening, it was simultaneously to this characteristic that one could attribute a certain denial of higher hopes in the end.

Friday, June 01, 2018

Watch on Mezzo: Berliner Phiharmoniker and Paavo Järvi in Bayreuth - Wagner, Beethoven


Berliner Phiharmoniker and Paavo Järvi in Bayreuth - Wagner, Beethoven


Berliner Philharmoniker, Paavo Järvi (conductor)
Eva-Maria Westbroek (soprano)

Ludwig van Beethoven
Leonora Overture No. 3 in C major, op. 72

Richard Wagner
Wesendonck Lieder (orch. by Felix Mottl and Richard Wagner)

Ludwig van Beethoven
Symphony No. 4 in B flat major, op. 60


Recorded on May 1, 2018, at the Markgräfliches Opernhaus, Bayreuth
TV Director, Henning Kasten





http://www.mezzo.tv/en/our-programs/berliner_phiharmoniker_europakonzert_a_bayreuth_2018_01052018?date=2018-05-26

Thursday, May 31, 2018

Pärnu Muusikafestival annab avalöögi Eesti Festivaliorkestri kontserdile BBC Promsil

err.ee
31.05.2018

5.–11. augustini toimub rahvusvaheline klassikalise muusika festival Pärnus, mille kontserdid toovad Neeme Järvi juhatamisel solistina lavale Elina Nechayeva ja publikuni jõuab Jüri Reinvere orkestriteose maailma esiettekanne. Lõppkontsert avab aga uksed Paavo Järvi Eesti Festivaliorkestri välisturneele, kus antakse Eesti 100 kontsert mainekal BBC Promsil Londonis.


Pärnu Muusikafestivali kunstilise juhi Paavo Järvi sõnul on Eesti 100. juubeli tähistamine suvises Pärnus sümboolne nii Eestile kui Järvide perekonnale.

"Enne riigist lahkumist, aastal 1980, kogunes meie perekond siin igal suvel," ütles Järvi. "Samuti on märgilise tähtsusega, et Eesti iseseisvus kuulutati välja just Pärnu Endla teatri rõdult. Pärnu Muusikafestival on võimalus pöörduda oma juurte juurde, tutvustada väliskülalistele meie riigi kultuuri ning inspireerida ja toetada järgmiste põlvkondade muusikuid."

Pärnu Muusikafestivali avakontserdil, 5. augustil Pärnu Kontsertmajas, esitab Tallinna Kammerorkester Neeme Järvi juhatamisel Heino Elleri viis pala keelpilliorkestrile ja Rudolf Tobiase Nokturni (Ööpala). Solistina astub üles Eestit sel aastal Eurovisioonil esindanud Elina Nechayeva.

7. augustil, Veljo Tormise sünniaastapäeval juhib Kristjan Järvi sõprade ansamblit, tutvustades publikule uut vaatenurka klassikalisele muusikale. Solistidena astuvad üles Kadri Voorand ja Liisi Koikson esitades Veljo Tormise kui ka Kristjan Järvi loomingut.

10. augustil toimub Järvi Akadeemia lõppkontsert, mis võtab kokku festivali jooksul toimunud muusikute õpitoad ja meistriklassid.

Paavo Järvi dirigeerimisel saab 8. augustil Eesti Festivaliorkestri esituses kuulata Arvo Pärdi 3. sümfooniat ja Jüri Reinvere uudisteose maailmaesiettekannet, pealkirjaga "And Tired From Happiness, They Started to Dance". Solistina astub üles Elisabeth Leonskaja Griegi klaverikontserdiga.

Festivali lõppkontserdil, 11. augustil on publiku ees Paavo Järvi juhatamisel Eesti Festivaliorkestri ettekandes Sibeliuse viiulikontsert maailmakuulsa viiuldaja Midori esituses.

Tänavune Pärnu Muusikafestival on taaskord avaakord Paavo Järvi Eesti Festivaliorkestri välisturneele. 13. augustil astub EFO Eesti esimese orkestrina üles maailma kõige mainekamal klassikalise muusika festivalil BBC Proms. Enam kui 5000 kuulajat mahutavas Londoni Royal Albert Hallis tuleb ettekandele Pärdi kolmas sümfoonia- ja Griegi klaverikontsert Khatia Buniatišvili soleerimisel ning Sibeliuse viies sümfoonia.

"Pärast BBC Promsi jätkame oma turneed, esinedes Euroopa ühes kõige uuemas kontsertmajas, milleks on Elbphilharmonie Hamburgis," sõnas orkestri juht ja dirigent Paavo Järvi.

Pärnu Muusikafestival on Eesti üks hinnatuim klassikalise muusika festival, mis on kasvamas olulisimaks orkestrifestivaliks kogu Euroopas. Festival on toimunud aastast 2009 ning saavutanud oma kõrge taseme tänu Neeme Järvi ja festivali kunstilise juhi Paavo Järvi pühendumisele.

BBC Proms on maailma suurim ja mainekam klassikalise muusika festival. Festivali korraldab Briti rahvusringhääling BBC ning tegemist on Euroopa ühe vanima klassikalise muusika festivaliga, kus Eesti Festivaliorkester annab Eesti esimese orkestrina kontserdi augustis.

https://kultuur.err.ee/835907/parnu-muusikafestival-annab-avaloogi-eesti-festivaliorkestri-kontserdile-bbc-promsil

Monday, May 28, 2018

シューベルトの交響曲について ー パーヴォ・ヤルヴィ氏へのインタビュー 

yaf.or.jp
28.05.2018



ーパーヴォさんはこのたびドイツ・カンマーフィルとともにシューベルトの交響曲シリーズに着手されました。

 ベートーヴェン、シューマン、ブラームスときて、今なぜシューベルトなのでしょうか。




P:実はシューベルトのシリーズは私の長年の夢で、本当はシューマンよりも先にやりたかったのですが、

  様々な事情で実現せず、ようやくこれから交響曲全曲のシリーズに着手することになりました。

  私たちにとっては新しい方向性になりますが、これは長いこと温めていたプロジェクトなのです。




ーベートーヴェンやシューマン、ブラームスにくらべると、シューベルトの交響曲は、各曲の規模や編成において差が大きいと思うのですが、

 それで今回のウィーンでのプログラムのようにハイドンやモーツァルトの作品と組み合わせていらっしゃるのでしょうか。




P:シューベルトは本質的にウィーンの作曲家ですが、ある意味ではハイドン、モーツァルト、ベートーヴェンの時代と、

  その後ブラームス以降のロマン派の大作曲家たちの時代のちょうど狭間にあって、とりわけ彼の交響曲は損しているように感じます。

  シューベルトの音楽はきわめて繊細で歌のようであることから、一般に彼は歌曲や室内楽の大家だといわれますが、彼自身は交響曲

  の大家になりたいと考えていました。

  実際私にとっては、彼は間違いなく交響曲の大家です。ただ彼の交響曲へのアプローチやスタイルが他の作曲家とは微妙に違うので、

  これまで人々は彼の交響曲をどう位置付けるべきかわからなかったのです。

  ーロマン派寄りのスタイルに位置づけるべきか、あるいはベートーヴェン寄りのスタイルに位置づけるべきか。

  私としては、シューベルトとベートーヴェンの関係はきわめて重要であることから、どちらかというとベートーヴェンの側から

  シューベルトの音楽にアプローチすべきだと考えています。




ーシューベルトの交響曲は、生前に演奏されなかった曲もありますし、たとえばベートーヴェンとは違って、当時どのように演奏されたかに

 ついての記録があまりないと思うのですが、パーヴォさんはシューベルト作品の歴史的な演奏慣習についてはどのようにお考えですか?




P:シューベルトを演奏する上での問題点は、彼自身が聴いた演奏がどうであったかではなく、後世が彼の音楽をどのように解釈し演奏し

  てきたか、だと思います。今日一般なシューベルトの演奏スタイルというのはウィーン・フィルに代表されるいわゆる「ウィーン風」

  のスタイルです。19世紀以来、ウィーン・フィルは同地の音楽の嗜好を形成する上できわめて重要な役割を果たしてきましたが、彼ら

  がシューベルトを演奏するようになったのは彼の死後のことで、後世の伝統なのです。

  それに対して、私たちドイツ・カンマーフィルは敢えてその「ウィーン風」の演奏スタイルから離れようとしているのです。たとえ

  ば私たちはベートーヴェンもモーツァルトもハイドンも、いわゆる「ウィーン風」のスタイルでは演奏しません。もちろん誤解された

  くないのですが、「ウィーン風」が悪いといっているわけではありません。ただ、こうしたウィーン風の美化されたスタイルでシュー

  ベルトを弾くと、彼の音楽が本来持っている男らしさや力強さが失われてしまうように私は感じます。

  彼はすばらしい歌曲の作曲家であったので、すべてを歌うように美しく演奏すべきだというのが彼らの主張かもしれません。しかし

  実際にシューベルトの交響曲のスコアを研究し、また彼の手紙を読むと、たとえば彼が友人宛の手紙の中で交響曲第8番ハ長調「グレ

  ート」について「この曲が、ベートーヴェンのハ長調の交響曲(=第1番)にふさわしい作品になることを願っている」と書いていま

  すが、いかにシューベルトがベートーヴェンに対して強い畏敬の念を抱いていたか、このことからもわかるでしょう。したがって、

  シューベルトの交響曲の楽譜上のさまざまな表記もベートーヴェンのイメージで見なければなりません。私たちはシューベルトの交響

  曲の書法の「弱点」を弱点と見なすのではなく、もっと決然とした態度でこれらの作品に取り組みたいと思います。すなわち、これま

  でに考えられていた以上にシューベルトの交響曲はベートーヴェンとの関係が近いということです。






ー今回ブレーメンとウィーンでは、シューベルトの交響曲第4番と第5番を取り上げられました。

 これらの作品の特色について聞かせてください。




P:シューベルトの音楽語法はひじょうに明快で、すぐに彼の音楽だとわかります。

  すなわち歌のような旋律、独特な和声進行と和声の色彩感などで、こうしたものをどう表現すべきかははっきりしています。しかしそ

  の一方で、これまで私たちはシューベルトの内面的な強さやシンフォニックな面を十分に引き出してこなかったとも感じています。

  もちろん彼は卓越した室内楽および歌曲の作曲家であり、そうした面は重視しなければなりませんが、それとは逆に、たとえば彼が

  スフォルツァート(sforzato=「特に強く」の意味)やフォルテを記したところではその指示を信頼してしっかりと強調し、従来のよ

  うに全体を美しく滑らかに演奏すべきではないと思います。

  たとえばブラームスでさえ、シューベルトの楽譜を編集した際に、不協和音を間違いだろうと見なし修正しましたが、今ではよく

  知られているようにシューベルトはしばしば意図的に不協和音を使ったのです。でも19世紀には、それは彼の美しい音楽のイメージ

  に合わないと思われていたのです。こうしたシューベルトの特徴的な和声進行を強調することも私たちのアプローチの一つです。

  このように、彼の交響曲の演奏の伝統を再検討しようとしているのです。






ーシューベルトの交響曲を演奏する場合、オーケストラの編成・大きさはどうされますか?




P:曲によって異なります。基本的には古典派の編成ですが、「グレート」だけもう少し大きな編成になります。

  そもそも「グレート」は他の交響曲よりも規模も大きいですし、全体のバランスを考えると弦楽器セクションを大きくする必要があり

  ます。ベートーヴェン中期のオーケストラ編成といえるでしょう。






ー来日公演でも取り上げる「グレート」は、パーヴォさんがこれまで様々なオーケストラで指揮してきたレパートリーですよね。




P:ええ、いろんなオーケストラで指揮していますし、ドイツ・カンマーフィルとも何度も演奏しているレパートリーです。






ーところで今年はドイツ・カンマーフィルにとって記念の年だそうですね。




P:はい、オーケストラがブレーメン市に拠点を移してから25周年になります。

  また、今年はブレーメンでブラームスの「ドイツ・レクイエム」が初演されてから150周年なので、その記念の日にブレーメンの大聖

  堂で同曲を演奏します。ブラームス自身が指揮した建物でこの作品を演奏できるのは私たちにとってきわめて意義深い体験になると思

  います。初演当時とほぼ同じ編成のオーケストラで演奏します。






ーパーヴォさんは多くのオーケストラと緊密な関係を築いていらっしゃいますが、その中でドイツ・カンマーフィルはどんな存在ですか?




P:ドイツ・カンマーフィルはきわめて特別なオーケストラです。

  -楽団の形態および自主運営であるという点においても、またもともとユース・オーケストラで弾いていた奏者たちが自主的に立ち上

  げたオーケストラであるという歴史においても。今でも創設メンバーが何人かいますし、その精神は今なお受け継がれています。自分

  たちのオーケストラであるという強い意識があり、その活動方針についても熟慮を重ねて決定しています。

  そしてもちろん演奏そのものもものすごくエネルギーに満ちています。なぜならそれは彼らにとって「仕事」ではないからです。

  ドイツ・カンマーフィルは自分たちのものであり、いわば自分たちの宝なのです。個人の成功とオーケストラの成功は結びついている

  わけで、一人一人が高いモチベーションを持っているのです。






ーパーヴォさんはすでに15年近くドイツ・カンマーフィルの芸術監督を務めていらっしゃいますが、その間に関係に変化はありましたか?



P:もう長い付き合いなので、お互いに安心感がありますし、強い信頼感で結ばれています。数々のツアー、演奏会、レコーディングをと

  もにし、お互いをよく知っているので、人間関係で気を遣う必要はなく、音楽だけに集中することができます。

  私にとってはこのオーケストラはまさに「ホーム」だと言えます。



ー今回の来日ツアーでは、横浜みなとみらいホールや東京オペラシティ・コンサートホールなど、パーヴォさんとドイツ・カンマーフィルが

 これまで大きなプロジェクトを行なってきたホールを再訪されますね。




P:私もこれらのホールと強い結び付きを感じています。みなとみらいホールは私たちが初めてベートーヴェンの交響曲全曲演奏会を行な

  ったホールですし、オペラシティではシューマン、ブラームスのプロジェクトを行ないました。いずれも私たちにとって重要な場所で

  あり、再び訪れることができてとても嬉しく思っています。



ーありがとうございました。



写真:パーヴォ・ヤルヴィ(C)Credit Kaupo Kikkas

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【公演名】パーヴォ・ヤルヴィ指揮 ドイツ・カンマーフィルハーモニー管弦楽団

【日時】2018年12月8日(土)15:00開演(14:20開場) 大ホール

    【曲目】シューベルト:交響曲第5番 変ロ長調 D.485
シューベルト:交響曲第8番 ハ長調 D.944「ザ・グレート」

【料金】全席指定 S席14,000円 A席12,000円 B席10,000円 C席7,000円

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公演の詳細はこちらから

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http://www.yaf.or.jp/mmh/topics/2018/05/post-270.php

Tuesday, May 08, 2018

Tonhalle-Orchester Zürich: Erste Konzerte mit Järvi


musik-heute.de
8.05.2018

Zürich/Berlin (MH) – Das Tonhalle-Orchester Zürich gibt in der kommenden Saison bereits mehrere Konzerte mit seinem designierten Chefdirigenten Paavo Järvi. Allein elf Auftritte sind in Zürich geplant, sagte Intendantin Ilona Schmiel am Dienstag. Hinzu kämen ein Gastspiel in Warschau sowie sieben Konzerte auf einer Asien-Tournee.

"Der asiatische Markt wächst unablässig", erklärte Schmiel. Für das Tonhalle-Orchester Zürich sei es daher von zentraler Bedeutung, in den wichtigsten Zentren Asiens regelmäßig präsent zu sein. "Dies gilt umso mehr im Jubiläumsjahr 2018 der Tonhalle-Gesellschaft Zürich und im Vorgriff auf den zukünftigen Chefdirigenten und Music Director." Järvi übernimmt das Orchester offiziell ab der Saison 2019/20.

Zum 150-jährigen Bestehen der Tonhalle-Gesellschaft Zürich präsentiert das Ensemble zahlreiche Werke, die auf sein Gründungsjahr Bezug nehmen. So wird Rolf Martinsson Orchesterlieder des 1868 verstorbenen Komponisten Franz Berwald neu orchestrieren. Lahav Shani dirigiert die Uraufführung. Daniel Philip Hefti vertont Hans Christian Andersens Märchen "Die Schneekönigin" neu. Mojca Erdmann singt die Titelpartie.

Als "Creative Chair" wird in der kommenden Saison der deutsche Komponist, Dirigent und Pädagoge Matthias Pintscher vorgestellt. Kent Nagano dirigiert etwa die Uraufführung eines neuen Werkes, das der 47-Jährige im Auftrag der Tonhalle-Gesellschaft schreibt. Zudem wird Pintscher am Pult des Tonhalle-Orchesters und des von ihm geleiteten Ensemble intercontemporain stehen sowie Meisterkurse an der Zürcher Hochschule der Künste geben.

Zur Saisoneröffnung interpretiert die "Artist in Residence" Janine Jansen das Violinkonzert von Alban Berg. In weiteren Konzerten ist die Niederländerin unter anderem mit dem Swedish Radio Orchester unter Daniel Harding sowie mit dem Tonhalle-Orchester unter Paavo Järvi also auch Herbert Blomstedt zu erleben.

http://www.musik-heute.de/17847/tonhalle-orchester-zuerich-erste-konzerte-mit-jaervi/

Pole kerge olla planeedi parim

postimees.ee
Nele-Eva Steinfeld
8.05.2018


FOTO: Kaupo Kikkas


Kujutage ette, et töötate kollektiivis, kus kõik on tipptegijad. Oma juhti valite põhjaliku hääletamise teel nagu Sixtuse kabelisse kogunenud kardinalid paavsti ja igaühe arvamus loeb, kui kõne all on raha või tegevuse sisu. Tunnete sajandipikkuseid traditsioone ning sama kaugele ulatuvat uhkust, mille istutas kollektiivi DNAsse üks esimesi juhte Artur Nikisch, lausudes: «Iga tippklassiorkestri muusik võib end õigustatult kunstnikuks pidada.»

Nüüd kujutage ette, et olete dirigent, kel tuleb seda isepäiste kunstnike 125-pealist karja maailma parima muusikalise tulemuse nimel ohjeldada. Ilmselt seepärast ongi Berliini filharmoonikute 136-aastase ajaloo peadirigentide seas olnud tahtejõulisi ja despootlikke figuure, et mitte öelda koletisi poodiumil: Furtwängler, Celibidache, Karajan.

Ei ole kerge olla planeedi parim orkester. Muusikafännide ja kriitikute sõnul lasub see vastutusrikas tiitel Berliini filharmoonikute uhkeil õlul juba möödunud sajandist. See on suur müüt, mis juhtumisi ongi tõsi. Pole ühtegi teist orkestrit, kelle kõla ja muude kõrgete kvaliteetide üle oleks nõnda palju kirglikke sõnalahinguid peetud. Pole aga ühest vastust, mis seletaks lahti orkestri üle inimpõlvede kestva saladusliku fenomeni.

Praegune peadirigent Sir Simon Rattle mainib: «See on müsteerium: orkester võib vahetada küll riideid (mängijaid), ent alasti keha (kõla) jääb ikka samaks.» Sinivereline britt Rattle, kelle ametikoha võtab aastal 2019 üle edevusest ja intervjuudest rangelt keelduv Kirill Petrenko, väidab end ikka veel tundvat, et juhatab «Karajani orkestrit», kuigi orkestri kõige pikaaegsema poodiumivalitseja (Herbert von Karajan oli peadirigent 1954–1989) troonimisest möödub varsti 20 aastat. Hallipäine kinnisilmi orkestrit juhatav mees oligi kui klassikalise muusika paavst, kelle valitsuse all valvasid Berliini filharmoonikud kõige säravamalt maailma muusikamaitset ja müüsid oma kuldkollastest tellistest filharmooniafassaadi taga kõige «kollasemas» plaadifirmas (Deutsche Grammophoni kollane logo) üle kahesaja miljoni plaadi.

Kava teises pooles kõlanud Šostakovitši Kuuendas sai Järvi orkestrilt kätte kõik värvid, karakterid ja varjundid, mida ta vähegi soovis, ja publikult müriseva aplausi.

1960. alguses rajatud superakustikaga Berliini Filharmoonia oli vaid kiviviske kaugusel Berliini müürist, mistap oli pentagoni meenutav ehitis ühes supermusikaalse orkestriga omamoodi kultuuriikoon, mille edevaks esitlemiseks panustas Saksamaa kõvasti. Ent külm sõda vajus minevikku, plaadimüük kahanes ning Berliini muusikaelu ühtlustus nii tiheduse kui ka taseme poolest, seades orkestri uude olukorda. Ent olulisim on tänaseni alles: absoluutne kõrgtase, eriline kõla, traditsioonid ja südames kantav artistiuhkus.

Sakslaste konservatiivset iseloomu arvestades on tuldud ka tänapäeva maailma nõudmistega valutult kaasa: orkestril on digitaalne kontserdisaal, mis taskukohase summa eest mahutab nad igale soovijale otse elutuppa, on noorteprogrammid ja mitmekesine repertuaaripoliitika, mis ei põlga ära kaasalöömist ka popartistide sfääris, ent maitse ja tase sellest ei väärata.

Nüüd kujutage veel ette, et olete palutud selle igas analüüsivõimelises muusikus aukartust äratava orkestri külalisdirigendiks. Sest ka külalisi valivad nad äärmise hoolega ja iga tippdirigendi unistus Berliini filharmoonikute dirigeerimisest küll reaalsuseks ei saa, ka planeedi parimate oma mitte.

55-aastane Paavo Järvi on maailmas üks enim tuntud eesti muusik, ja kuigi dirigeerimist peetakse teise elupoole ametiks (esimesed 30–40 aastat imed enesesse teadmisi nagu janune käsn), on Järvi üha kasvava trendi taustal, kui suurte orkestrite peadirigendiks saavad kohati lausa verisulis noored, äärmiselt küps tegija. Kui arvestada, et viimastel kümnenditel on ta olnud korraga kolme-nelja tunnustatud orkestri peadirigent, tema kogemustepagas on umbes kolm korda suurem, kui vanus lubaks arvata.

Järvi puhul tuuakse tihti esile põhjamaiste autorite (Sibelius) ja viimasel ajal ka vene muusika (Šostakovitš) tähelepanuväärset ja värsket tõlgendamist ning selle muusikaga seotud ootused olid Järvile sel korral ka Berliini filharmoonikutel, kelle ees oli maestro esimest korda aastal 2000. Vahepealsesse aega on mahtunud veel mitu ühist lavalolekut, mis on alati andnud tundelise tulemuse. Pole ka ime, et peale kahe õhtu (5. ja 6. mai) väljamüüdud filharmoonias kutsuti Järvi juhatama ka orkestri traditsioonilist Euroopa kontserti, mis toimub 1991. aastast igal aastal 1. mail, sel korral Bayreuthis Markkrahvi ooperimajas.

Filharmoonias kõlasid Järvi juhatusel Sibeliuse «Öine ratsasõit ja päikesetõus» ja kava esimese poole kese oli Sibeliuse viiulikontserdil, solistiks Lisa Batiašvili, kelle esinemist tormab ummisjalu kuulama iga tõsisem viiulihuviline. Tema mängus on midagi niivõrd orgaanilist, põhjamaiselt karget ja (üle)loomulikku, et on raske ette kujutada veel paremat esitust. Kava teises pooles kõlanud Šostakovitši kuuendas sai Järvi orkestrilt kätte kõik värvid, karakterid ja varjundid, mida ta vähegi soovis, ja publikult müriseva aplausi.

Kui räägitakse, et nimekad orkestrid tõmbavad provintsis esinedes vibu ainult poolde vinna, siis nüüd võin öelda, et aastal 2008 Berliini filharmoonikute külaskäigust Tallinna koos Simon Rattle’iga sain sama suure elamuse kui Berliinis Järviga – ei mingit pooles vinnas vibu kummalgi pool. Ja märkimist väärib fakt, et Šostakovitši kuuendat mängis Järvi tänavu jaanuaris Berliini filharmoonias Eesti Festivaliorkestriga, kes on esimene Eesti orkester sel väärikal laval. Seda orkestrit seitsmel aastal Pärnu muusikafestivalil kuulnuna julgen öelda, et tänu Järvile ja sinna kuuluvatele parimatele Eesti ja välismaa muusikutele on maailma tipporkestritele omane tase olemas nüüd ka Eestis ning Berliini filharmoonikute nivoole aina lähemale pürgiv tulemus meil endil igal suvel Pärnus võtta.


5. ja 6. mail Berliini filharmoonia suures saalis

Esinesid Berliini filharmoonikud, dirigent Paavo Järvi, solist Lisa Batiašvili (viiul)

Kavas:
Jean Sibelius, sümfooniline poeem «Öine ratsasõit ja päikesetõus», op. 55
Jean Sibelius, viiulikontsert d-moll op. 47, solist Lisa Batiašvili
Dmitri Šostakovitš, sümfoonia nr 6 b-moll op. 54

https://kultuur.postimees.ee/4484959/pole-kerge-olla-planeedi-parim

Monday, May 07, 2018

Bei Schostakowitsch laufen die Musiker zu großer Form auf

morgenpost.de
Felix Stephan
7.05.2018

Dirigent Paavo Järvi ist ein Phänomen: Alle Orchester lieben ihn, alle Orchester wollen mit ihm arbeiten. Und wenn sie ihn nicht als Chefdirigent haben können, dann wenigstens als Gast – wohl wissend, dass Järvi aus ökonomischen Gründen viele Werke doppelt und dreifach pro Konzertsaison anbietet, und dies manchmal sogar an denselben Orten. Aktuelles Beispiel: Sibelius' Violinkonzert und Schostakowitschs Sechste Sinfonie, eine Programmkombination, die Järvi bereits am 22. Januar im großen Saal der Philharmonie präsentiert hatte. Gemeinsam mit dem Estnischen Festivalorchester damals, im Rahmen einer Jubiläumstournee.

Dreieinhalb Monate später sind es nun die Berliner Philharmoniker, die dieses Programm mit Järvi spielen. Allerdings mit zwei bedeutsamen Unterschieden. Denn zum einen hatte Järvi wenige Tage zuvor das Europakonzert der Philharmoniker in Bayreuth geleitet und dafür durchaus ein individuell zugeschnittenes Beethoven-Wagner-Programm im Gepäck gehabt. Und zum anderen nutzen die Philharmoniker jetzt in Berlin die Gelegenheit, über Sibelius' Violinkonzert und Schostakowitschs Sechste hinaus eine interessante Rarität wiederzuentdecken: Sibelius' "Nächtlicher Ritt und Sonnenaufgang" op. 55, ein Werk aus dem Jahre 1908, das die Philharmoniker laut Programmheft bislang nur ein einziges Mal auf den Pulten hatten – im September 1935. Herb und seriös lässt Järvi die Philharmoniker diesen 15-Minüter spielen. Etüdenähnlich der punktierte Reiter-Rhythmus, der hier über weite Strecken herrscht. Das ständige Auf und Ab der Streicher, mal im Unisono, mal in Gegenbewegung, entfaltet auf Dauer einen eigentümlich repetitiven Rausch.

Eine Enttäuschung dagegen Sibelius' Violinkonzert mit der Geigerin Lisa Batiashvili, die für die erkrankte Janine Jansen eingesprungen ist. Eine Enttäuschung vor allem wegen der Philharmoniker: von eckig bis verschwommen reicht die klangliche Bandbreite des Orchesters hier, von behäbig bis bollerig. Aber auch Solistin Batiashvili scheint sich an diesem Abend nicht ganz auf der Höhe zu befinden. Denn trotz ihrer triumphalen Dauerpräsenz, trotz ihres geschmackvollen romantischen Tonfalls – Batiashvili ruft hier vorwiegend Vorgefertigtes ab, bietet mehr Routine als spontan Durchlebtes.

Umso beglückender, dass die Philharmoniker in Schostakowitschs Sechster Sinfonie doch noch zu ganzer großer Form auflaufen. Die Musiker beben hier geradezu vor Tatendrang und exzentrischer Spielfreude. Sie bieten einen obsessiven Schostakowitsch, der herrlich in den Ohren schmerzt. Mit schauerlich schief dahinjagenden Holzbläsern im Scherzo und gnadenlos überdrehten Tempobeschleunigungen im Schluss-Presto.

https://www.morgenpost.de/kultur/article214219587/Bei-Schostakowitsch-laufen-die-Musiker-zu-grosser-Form-auf.html

Sunday, May 06, 2018

Wenn Finnlands Seen funkeln

tagesspiegel.de
Udo Badelt
6.05.2018




Im Reich des Bernsteins: Lisa Batiashvili und die Berliner Philharmoniker mit dem Volinkonzert von Sibelius und Schostakowitsch' 6. Symphonie.


Wer beim Hören von Sibelius’ Violinkonzert ganz klassisch an die Sache rangeht, mit Beethoven im Hinterkopf ein Thema identifizieren, ihm durch alle Metamorphosen folgen will – der ist schnell rettungslos verloren. Weil Sibelius völlig anders, flächig komponiert, die Themen hier und dort gewitterartig aufblitzen und wieder verglühen, aber nicht wirklich durchgeführt werden. Da braucht es eine Solistin mit enormem Gestaltungswillen, sonst plätschert alles im Banalen dahin. Lisa Batiashvili, eingesprungen für Janine Jansen, ist so eine Musikerin.

Bezwingend, wie sie sich quasi von der Seitentür ins Werk hereinschleicht, auf dem sphärischen Teppich aus Quarten, den ihr Paavo Järvi und die Streicher der Berliner Philharmoniker in der Philharmonie bereiten. Und wie sie innerhalb von Sekunden die Dynamik anzieht, um das Konzert auf völlig natürliche Weise und ohne jede Überheblichkeit zu dominieren, mit dem Ausdrucksreichtum einer barocken Wunderkammer. Bernsteinfarben ist ihr Strich, mit herrlich vollsattem Timbre auf der G-Saite, glanzvoll und ohne jeden Stich ins Grelle auf der hohen E-Saite. Ein Strich, in dem die Weite Finnlands zu stecken scheint, das Harz der Wälder, das Funkeln der Seen. Ein Strich, prall mit Charakter, Farben und Erotik, selbst wenn die Georgierin die Saiten mit dem Bogen nur ganz sacht anstupst.

Nach der Pause: Schostakowitsch' 6. Symphonie

Zum vollkommenen Sibelius-Glück des Abends gehört auch, dass Järvi und die Philharmoniker im Gleichtakt mit Batiashvili zu empfinden scheinen, die Tutti klug deckeln, dann aber auch beherzt und mit diebischer Freude auf den Gesichtern zugreifen, wenn das Orchester mal unabhängig von der Solistin auftrumpfen kann. Dass die Philharmoniker durchaus einen Zugang finden zu dem oft als sperrig empfundenen Sibelius, haben sie zuvor schon in einer Trouvaille, der Tondichtung „Nächtlicher Ritt und Sonnenaufgang“ op. 55, bewiesen.

Ziemlich sperrig ist auch der langsame erste Satz von Schostakowitsch’ nur dreisätziger 6. Symphonie, entstanden Ende der 30er-Jahre und geprägt von dem Willen, der sowjetischen Kulturnomenklatura zu gefallen und deren Maxime gleichzeitig zu unterlaufen. Paavo Järvi erweist sich als Detailarbeiter am Pult, der nicht viel Aufhebens um sich macht, sich nie in den Vordergrund drängt, aber mit unglaublich definierter, entschlossener Gestik dirigiert – ein ruhiger Steuermann im wildesten Sturm. So führt er die Philharmoniker sicher ins turbulente Presto-Finale, in dem Schostakowitsch die altvertrauten Register zieht: irrwitziger, abgrundtiefer Jubel, dämonische Groteske und falsche Fröhlichkeit.

Saturday, April 21, 2018

Johannes Brahms - Ein deutsches Requiem

3sat.de

Brahms "Deutsches Requiem" ist ein Werk für die Lebenden. Nicht das Seelenheil der Verstorbenen ist sein Anliegen, sondern Trost für die Hinterbliebenen.

150 Jahre nach der Uraufführung der Bremer Fassung kehrt das "Deutsche Requiem" 2018 in den Dom der Hansestadt zurück - mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung von Paavo Järvi, dem Lettischen Staatschor sowie Valentina Farcas und Matthias Goerne in den Solopartien.

Wie viele andere Werke Brahms entstand das "Deutsche Requiem" in mehreren Etappen und über einen großen Zeitraum hinweg. Nach langwierigen Vorarbeiten wurden 1861 erste Teile schriftlich fixiert. Doch es dauerte noch sieben Jahre, bis am Karfreitag 1868 erstmals eine vollständige Fassung mit sechs Sätzen im St. Petri Dom in Bremen erklang. Die Aufführung wurde vom Komponisten selbst dirigiert. Sie war ein großer Erfolg und bedeutete einen entscheidenden Wendepunkt in Brahms Karriere. Vorher eher als Klaviervirtuose wahrgenommen, wurde er jetzt schnell als Komponist bekannt. Nochmal ein Jahr später wurde dann die heute allgemein gespielte siebensätzige Fassung in Leipzig uraufgeführt.

Mehr Oratorium als TotenmesseDer Titel allerding führt auf die falsche Spur, denn die berühmten Requiem-Vertonungen mit ihrer festen Bindung an die Liturgie der katholischen Totenmesse sind kein Vorbild für das "Deutsche Requiem". Eher könnte man es als Oratorium auffassen, das ohne liturgischen Ort konfessions- und religionsübergreifend ist.

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen spielt das Werk in der Fassung mit sieben Sätzen. Allerding orientiert sie sich hinsichtlich der Orchesterstärke an der Anzahl der Mitwirkenden, die Brahms seinerzeit zur Verfügung stand. Und die war deutlich geringer als heute üblich.


Mit
Valentina Farcas Sopran
Matthias Goerne Bariton
Koris Latvija Chor
Deutsche Kammerphilharmonie, Bremen Orchester
Paavo Järvi Musikalische Leitung

http://www.3sat.de/page/?source=/musik/196956/index.html

Friday, April 20, 2018

‘Brexit will isolate British musicians,’ warns Estonian conductor Paavo Järvi

classicfm.com
Maddy Shaw Roberts
20.04.2018

“Brexit won’t make the lives of British musicians any easier. It will isolate a lot of them and create logistical and financial barriers,” the Estonian maestro told Classic FM.


Paavo Järvi is the Estonian conductor and long-time Music Director of the Deutsche Kammerphilharmonie Bremen.

Last week, he conducted the orchestra in a performance of Brahms’ German Requiem, which they played in the same place in which it was premiered 150 years earlier as part of their five year-long Brahms series.

After the concert, Järvi spoke to Classic FM about the potential impact of Brexit on British musicians and music institutions.

“I know a lot of British musicians, and I do a lot of work with the Philharmonia Orchestra in London, who are fantastic. I am a bit sceptical and worried,” he said.

“It won’t make the lives of British musicians any easier, and it will certainly isolate a lot of them and create logistic and financial barriers.”

Paavo Järvi and the Deutsche Kammerphilharmonie Bremen at Bremen cathedral, 10 April 2018

What impact will Brexit have on British music institutions?


“I think a lot of people who would have wanted to come and study music in England will not be able to do so, and they’ll choose to go somewhere else – and students from places like Eastern Europe will no longer look at London as a ‘Mecca’ for studying music.

“It will have a very serious, negative impact. Musicians are all brothers – whether you’re in an orchestra in London or Paris, Birmingham or Lille.

“But some clever opportunists have hijacked the whole country, without thinking about consequences.”

Will Brexit impact your orchestra, the Deutsche Kammerphilharmonie Bremen?

“Yes. Our principal clarinettist is British, and it’s a very serious issue, because he might not be able to work here anymore. Somehow we’ll have to find a solution to keep him, because he’s fantastic.

“But these issues in today’s world shouldn’t be happening. We have evolved as humans enough to not create these unnecessary bureaucratic barriers.”

http://www.classicfm.com/music-news/brexit-isolate-british-musicians-paavo-jarvi/

Thursday, April 19, 2018

TRIPLE CONCERTO ET TRIO DE BEETHOVEN PASSIONNANTS AUTOUR D’ANNE GASTINEL

resmusica.com
Jean-Luc Caron
19.04.2018




Les artistes de ces enregistrements réalisés en Allemagne nous offrent deux lectures du Beethoven trentenaire où se côtoient, avec élégance et détermination, la frénésie et la mélancolie dont était si friand le Maître de Bonn.


Beethoven travailla sur le Triple Concerto pour piano, violon, violoncelle et orchestre pendant les années 1803-1804, alors que la création publique, à Vienne, attendit 1808. Le compositeur concrétisa là son souhait de façonner un nouveau cadre formel s’éloignant des habitudes héritées du passé, à savoir les trios, le concerto grosso et même le concerto de soliste. L’opus 56 n’en prend pas moins les habits d’une symphonie concertante. Les trois solistes, excellents et bien en place, défendent brillamment leur partie sans égoïsme aucun, ni volonté de domination individuelle, au profit d’un déroulement thématique exemplaire tant au niveau de l’expression mélodique qu’à celui de l’entente rythmique.

Sous l’autorité de Paavo Järvi, tout est parfaitement juste et reste sous contrôle, sans que pour autant les solistes n’aient à pâtir d’un excès de contrainte. Tous répondent avec justesse au rôle dévolu spécifiquement par le compositeur aux trois solistes qui affrontent sans timidité aucune les forces orchestrales tout en partageant leurs rôles solistes. Et même si le Triple Concerto ne figure pas au rang des indiscutables réussites de Beethoven, les interprètes de cette gravure nous en offrent une grande lecture, parée de la meilleure façon.

Pour le Trio pour piano, clarinette et violoncelle en si bémol majeur, les solistes précédents (moins Gil Shaham) sont rejoints par Andreas Ottensamer, admirable clarinettiste autrichien. On se laissera emporter par le sympathique troisième mouvement, Allegretto, un thème suivi de neuf variations, inspiré par un air à la mode « Pria ch’io l’impregno » tiré d’un opéra-comique de Joseph Weigl (Le Corsaire par amour) présenté en création au Théâtre de la Cour de Vienne fin 1897. Une belle leçon de musique au service du « Grand sourd ».

http://www.resmusica.com/2018/04/19/triple-concerto-et-trio-de-beethoven-passionnants-autour-danne-gastinel/

Wednesday, April 18, 2018

This orchestra performed Brahms’ Requiem in the place where it was premiered 150 years earlier

classicfm.com
Maddy Shaw Roberts
18.04.2018

A powerful moment of musical history recreated: Brahms’ German Requiem, played in the same place in which it premiered exactly 150 years earlier. Maddy Shaw Roberts reports from Bremen.


There’s something quite moving about sitting in that bubble of pre-concert anticipation, knowing that the last time anyone heard this music in this place was when the composer himself conducted it at the premiere.

Last week, Paavo Järvi was in Bremen Cathedral to conduct the Deutsche Kammerphilharmonie Bremen and the Latvian State Choir in a performance of A German Requiem – the piece that Brahms had conducted in the very same cathedral 150 years ago.

“I’ve always loved this piece,” said Järvi, “not because I liked it at the beginning as a piece of music – but because when I was five years old, my father [Neeme Järvi, also a famous conductor] was listening to it, and he turned to me and said, ‘This is the greatest piece ever written’.

“And to me, it didn’t sound like the greatest piece ever written – because for a five year old, it’s heavy. But as you get older, you start to understand the beauty of it, and the sense of depth that Brahms somehow manages to convey even though he was only 35 years old when he wrote it.

“There’s something profound about it, and also something simple, and enormously beautiful and touching.”



So, what’s the German Requiem all about?

Like most requiems, Brahms’ epic choral composition was a musical response to the death of a loved one: his mother, Johanna, who passed away in 1865.

But there was someone else, too. Eleven years earlier, Brahms started composing the Requiem, but stopped when his best friend and fellow composer Robert Schumann tried to commit suicide. He died two years later – and Brahms said that his composition really ‘belonged to Schumann’.

According to some stories, Robert Schumann’s widow Clara – with whom Brahms was almost certainly in love his whole life – was at the premiere in 1868. We’ll imagine that was a pretty intense evening for both of them…

> Why was Brahms’ Requiem called a ‘German’ Requiem?
A mass for the living

“We always have this idea that Requiems are a mass for the dead. In a way, that’s what they’re supposed to be, but in this particular case, I think it’s a mass for the living,” said Järvi.

“I hear a lot of hope in this music, and I see something very personal that Brahms writes about. He inserts elements which are uncharacteristic of a Requiem, including the soprano solo, which adds a very human dimension.”

(...)


“It’s interesting that one appearance of an angelic female voice changes the DNA of the whole piece, bringing a moment of enormous intimacy,” said Järvi.

“For me, this shows the Requiem has far more to do with living hope and love, than death.”

Why was the Requiem performed in Bremen?

Bremen is renowned for its music – it even has these guys, the ‘town musicians of Bremen’, guarding the town hall:



But it’s also a very small, north German town – and unlike Hamburg or Berlin, it has no big concert hall, just a humble cathedral.

“The good thing about [holding the performance here] is that a lot of the citizens of Bremen came to the concert who ordinarily wouldn’t come – because it was a sense of occasion they wanted to witness,” said Järvi.

“It brought the point home that in this small town, 150 years ago, there was this amazing man, premiering his work. People knew that was something worth celebrating.”

Paavo Järvi and the Deutsche Kammerphilharmonie Bremen will continue their Brahms cycle on 13 June 2018 at the Philharmonie Luxembourg, with Brahms’ Double Concerto and his Symphony No. 2. Click here to find out more.

theartsdesk in Bremen: 150 years of A German Requiem

theartsdesk.com
David Nice
18.04.2018

Paavo Järvi conducts Brahms's dramatic masterpiece in its original cathedral location





They did things differently in 1858. Between the movements of Brahms's surprising new Requiem in the Biblical German of Martin Luther, resounding in Bremen's Romanesque Cathedral on Good Friday, came "Erbarme dich" from Bach's St Matthew Passion, Schumann's "Abendlied" and "I know that my redeemer liveth" from Handel's Messiah. Absent from the Requiem at that time was Brahms's own ineffable movement with soprano soloist. Much as Paavo Järvi and his Deutsche Kammerphilharmonie Bremen liked the idea of resurrecting the original programme 150 years later, to proceed without the "extra" number of Ein Deutsches Requiem would have been like performing Mozart's Don Giovanni in the original Prague version, without Donna Elvira's “Mi tradi,” so they settled on a straight performance of the work as we know it.

Nevertheless this impressively manoeuvred anniversary celebration could only be on the same date, 10 April - albeit not Good Friday, when amateur forces had squeezed in a performance between services - and in the same place: the St Petri Dom. The Dom is one of three remarkable buildings the north side of the Marktplatz, one of the most beautiful German squares. There's also the rival people’s hall church of Our Lady and, in between, the greatest architectural glory of the three, the Rathaus of 1405-10 with its extraordinarily rich facade. That was completed in 1612 in what is known as "Weser Renaissance" (after the river which brought Bremen its prosperity as a member of the Hanseatic League). The idea was to outstrip the Renaissance splendour of the merchant’s hall, the Schütting, on the square’s south side. It succeeded.In the bombing of World War Two which destroyed 60 percent of the city's buildings, the Rathaus was somehow spared along with the gigantic 1404 stone statue of Charlemagne's nephew Roland, champion of the Bremen townsfolk. Both the statue and the Rathaus have UNESCO world heritage status, and Bremen remains a free city-state like Hamburg and Berlin, with senators rather than cabinet ministers sitting in the State Parliament on the main square. Given that the Marktplatz has buildings from so many centuries jostling for attention, it seems a bit churlish to object to the design of Wassili Luckhardt, completed in 1966, which combines symbolic glass transparency with a reflection of the Rathaus’s design. At least this is a square still working with the same purpose for which it was designed.

The one interior that has to be seen is the main hall of the Rathaus, on the first floor above the wooden-beamed Gothic former market and assembly hall. Model trading ships hang from the ceiling; a whale and large fish are featured among the paintings high on the walls, which also include a fresco featuring the Cathedral between Emperor and Archbishop dating from 1532 (pictured below). The Güldenkammer within the hall extends the glory of the Weser Renaissance façade. While on my visit receptions before and after were held in first floor rooms, it was to the secret space in the Ratskeller that Brahms, Clara Schumann and other leading lights of German music came after the premiere of A German Requiem. Bacchus has been vital to Bremen ever since the Church granted monopoly of the wine trade to Bremen in 1405, and the great German wines came travelling northwards along the country’s longest river. Redolent with the port-like aromatic fumes released from the giant caskets, it has an air of mystery, and the Rosicrucian symbol painted on the ceiling. The oldest barrel of wine in Germany, dating from 1653, has pride of place at a kind of altar in a mysterious setting entirely lit by candlelight. Town councillors came here to exchange words which could never be spoken anywhere else. The biggest privilege, though, was to hear an orchestra of about the size Brahms conducted in 1868 in more or less the same impressive Romanesque interior the composer from nearby Hamburg knew and loved. Subsequent remodelling after 1858 meant, for instance, that you would never get chorus and orchestra in the current organ gallery, as they were at the first performance. For Järvi, taking on the same acoustics was always going to be a leap of faith. Most of us have experienced German Requiems in a sharper concert-hall environment, where the demands of Luther's fiery, consonant-spitting text on both choir and soloists can yield surprisingly operatic results.

It was noble, in this centenary year of the Baltic states, for the Deutsche Kammerphilharmonie's Estonian conductor to choose 60 stalwart voices from Riga, the Latvian State Choir. They could, of course, have been coached to a high level of German delivery. But that didn’t seem to have been the aim of their chorus master; and then the eldest of the two Järvi sons, unlike their father Neeme, doesn’t have much experience of opera.


From a conductor who’s won high drama in the great symphonies from the Philharmonia and his remarkable Estonian Festival Orchestra, there was little attempt to get the choristers to project the meanings, little direct verbal communication between conductor and choir. And having witnessed an electrifying theatricality from the last two choruses I’d heard in the work, those of the Royal Opera and English National Opera, the accurate but neutral singing was something of a disappointment.

Not so the very different projection of the two soloists. Matthias Goerne (pictured rightwith Järvi and the other performers), whom I last saw as a Wotan with his head in the score against an otherwise very dramatic team in Jurowski’s concert staging of Wagner’s Das Rheingold, was on top form, hands free to express the Old Testament figure he cut in a text he set on fire, the voice this time free and resonant throughout the range.

Romanian soprano Valentina Farcas (pictured below) had that same evenness, and something even more rare in what has to come over as a deceptively easy and ethereal sound – textural clarity in the upper register. Her fusion with the ineffable Bremen woodwind in the dying fall of her movement was a truly magical moment which the acoustics couldn’t muddy. No doubt there was much inner clarity going on within the orchestra, but you simply couldn’t hear much of it. At least Järvi kept the music on the move; no one wants a stodgy German Requiem, of which there have been plenty failing Brahms in his expressive objectives. Here the interest was held throughout. Though the circumstances provided some of the necessary emotion, then, it was difficult to get a clear picture of Järvi’s interpretation. That it offered food for thought on how to approach Brahms in a week which also entailed mulling over conductor Robin Ticciati’s arguments for the power of word and idea in the composer’s music, the supposedly abstract symphonies included, only added to the non-stop dialogue we all need to have with this most complex and at times elusive of composers. Järvi’s post-concert feeling was that in future he only wants to conduct Ein Deutsches Requiem in an ecclesiastical setting; mine would be that I can’t wait to hear it again in a concert hall with superb acoustics.

I do, though, want to encounter this superlative orchestra again in its revelatory home town, which has the equal riches of the Paula Modersohn-Becker and Roselius-Haus Museums in the 1920s half-Expressionist re-design of Böttcherstraße south of the Marktplatz. Oh, and what about the squally old donkey, cat, dog and rooster of the Grimm fairy tale who’ve led Bremen to be dubbed “the town of the Town Musicians”? Though there’s a splendid statue to them on the Keller-entrance side of the Rathaus by Bauhaus sculptor Gerhard Marcks, erected in 1951, unlike Brahms, these not-so-serious singers never got as far as the centre, settling down instead to enjoy the forest home of the robbers they’d frightened away with their din. In any case, perhaps Bremen was always too good a musicians' city to host them.

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