Saturday, December 29, 2012

Aasta muusikuks valiti Paavo Järvi

Ohtuleht
Marge Sillaots
27.12.2012
Eesti Rahvusringhäälingu muusikatoimetajad valisid aasta muusikuks dirigent Paavo Järvi kõrgetasemelise kontserttegevuse ja Eesti muusikaelu arendamise eest.
Paavo Järvi kütkestab oma kontsertide ja salvestustega publikut kogu maailmas ning võidab klassikalisele muusikale kõikjal uusi sõpru ja järgijaid. Tema eestvedamisel ja kunstilisel nõustamisel Pärnus toimuv Järvi suvefestival ning suveakadeemia toob välismaal tegutsevad muusikud – Eesti talendid – musitseerima koju.
Oluline koht Järvi tegevuses kuulub Eesti heliloojate teoste esitamisele ja jäädvustamisele, tema repertuaaris on Arvo Pärdi, Erkki-Sven Tüüri, Helena Tulve, Lepo Sumera, Eduard Tubina, Tõnu Kõrvitsa jt helitööd. Eesti heliloomingu ettekannete eest sai Järvi Eesti Kultuurkapitali aastapreemia 2002. aastal.
Järvi on Eesti Riikliku Sümfooniaorkestri kunstiline nõustaja ja külalisdirigent. ERSOga salvestatud album Jean Sibeliuse kantaatidega pälvis 2003. aastal Grammy auhinna. Viimasel ajal on Paavo Järvi üks tegevusi olnud Järvi suvefestivali eestvedamine, sellest on kujunemas Eesti keskne klassikalise muusika suvesündmus.
Aasta muusiku tiitel antakse Paavo Järvile üle 1. jaanuaril Estonia kontserdisaalis toimuval pidulikul uusaastakontserdil, mille vahendavad otseülekandes ETV ja Klassikaraadio.
Tänavu kuulutakse aasta muusiku tiitel välja juba 31. korda. Möödunud aastatel on selle pälvinud teiste hulgas Tiia-Ester Loitme (2008), Aarne Saluveer (2007), Kalle Randalu (1982), Alo Mattiisen (1988), Valter Ojakäär (1993), Erkki-Sven Tüür (1996), Tõnu Kaljuste (1998), Rein Rannap (2002) jt. Aasta muusiku tiitel läheb inimesele, kelle loomingulised saavutused on edendanud Eesti muusikakultuuri ja kes on teinud viljakat koostööd Eesti Rahvusringhäälinguga.
http://www.ohtuleht.ee/504423

Tja, was genau ist Dirigieren?

Deutschlandradio.de
Holger Hettinger
28.12.12

Der Dirigent Paavo Järvi philosophiert über seine Profession


Dirigent Paavo Järvi: "Ich mag es, wenn Musiker mitdenken, auch mal widersprechen, eine klare Meinung haben." (Bild: picture-alliance / dpa / Ingo Wagner)
Paavo Järvi gilt als einer der erfolgreichsten Dirigenten in der internationalen Musikwelt und verfügt über reichlich interkulturelle musikalische Erfahrung. In den USA werde selten hinterfragt, was der Dirigent vorgebe, sagt er. In Deutschland hingegen forderten die Orchester den Dirigenten regelrecht heraus.
Holger Hettinger: Paavo Järvi, Sie kommen aus einer extrem musikalischen Familie. Ihr Vater ist der berühmte Dirigent Neeme Järvi, Ihr Onkel war Kapellmeister an der Oper Tallinn. Als Sie ein kleiner Junge waren, was konnten Sie zuerst - laufen oder dirigieren?
Paavo Järvi: Nun, ich glaube, es muss das Laufen gewesen sein. Aber wissen Sie, wenn man in einer Musikerfamilie aufwächst mit einem Dirigenten als Vater, dann ist man buchstäblich umgeben von Musik. Ich habe Konzerte besucht, Opern, Proben, und auch zu Hause lief ständig Musik. Und irgendwann, da war ich so drei oder vier Jahre alt, war ich mir sicher: Ich werde einmal Dirigent, und zwar, weil mein Vater diesen Beruf hatte. Ich hatte keine Ahnung, was genau man da machen muss, aber es sah so aus, als würde es eine Menge Spaß machen.
Hettinger: Sie haben dann in Tallinn Musik studiert, haben Schlagzeug studiert und haben - für eine kurze Zeit nur, aber immerhin - in einer Band gespielt, gemeinsam mit dem Komponisten Erkki-Sven Tüürs. Also nun ist ja Rockmusik machen etwas ganz, ganz anderes als klassische Musik, da kommt es ja viel mehr auf Groove an, auf das richtige Gefühl, auf Timing. Hat diese Erfahrung Auswirkungen auf Ihre heutige Musizierpraxis?
Järvi: Ich glaube, Sie wären überrascht, wie viele Gemeinsamkeiten es da gibt. Gut, in jungen Jahren, da habe ich Klavier geübt, auch ein wenig Geige, ich habe im Knabenchor gesungen, viel Musik gemacht, Schlagzeug gespielt. Rockmusik war dagegen ein einziger großer Spaß - das musste ich natürlich ausprobieren. Ich glaube aber, am Ende unterscheiden sich Rockmusik und Klassik gar nicht so sehr voneinander. Natürlich gibt es Unterschiede, aber gemeinsam zu musizieren, das stellt ähnliche Anforderungen, egal in welcher Konfiguration.
Hettinger: Sie sind im Jahr 1980 in die USA gezogen, waren dann ab 2001 Chef des Cincinnati Sinfony Orchestra. Auch in Deutschland haben Sie viel gearbeitet, mit dem HR-Sinfonieorchester, dessen Chefdirigent Sie sind, Sie sind der künstlerische Leiter der Kammerphilharmonie Bremen. Nun kennen Sie beide Systeme, das amerikanische und das deutsche. Wo sind die Gemeinsamkeiten, wo sind die Unterschiede?
Järvi: Es gibt gleichermaßen Unterschiede wie Gemeinsamkeiten, mit den Unterschieden meine ich noch nicht einmal solche Sachen wie Mentalitätsunterschiede zwischen Amerikanern und Deutschen. Die Art zu spielen ist ganz anders. Dann ist das Verhältnis zur historischen Aufführungspraxis komplett unterschiedlich - da ist Europa einfach weiter. Entfernungen sind geringer in Europa, dadurch ist der Austausch einfacher. Natürlich haben auch amerikanische Orchester wunderbare Eigenheiten: Der technische Standard ist sehr hoch, die klangliche Geschlossenheit ist enorm, aber auch die Geschwindigkeit, mit der die Musiker neue Stücke lernen. Auf der anderen Seite: Die beiden Orchester, die ich in Deutschland dirigiere, hinterfragen sehr stark, was sie da spielen müssen und wie sie es spielen müssen. Amerikanische Orchester sind da anders, die folgen viel bereitwilliger und machen ziemlich genau das, was man als Dirigent vorgibt.
Hier hingegen fordern die Orchester einen regelrecht heraus, wenn sie etwas nicht einsehen, weil hier jeder ermutigt wird, seinen eigenen Standpunkt zu vertreten. Das gefällt mir ehrlich gesagt besser. Ich mag es, wenn Musiker mitdenken, auch mal widersprechen, eine klare Meinung haben. Es gibt so viele kluge Musiker im Orchester, da wäre es doch dumm, dieses Wissen zu ignorieren.
In Amerika ist es hierarchischer, aber um Unterschiede festzustellen, muss man gar nicht nach Amerika blicken. Sehen Sie sich die beiden Orchester an, die ich hier in Deutschland leite, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und das HR-Sinfonieorchester. Die könnten ebenfalls unterschiedlicher nicht sein. Das eine ist ein selbstverwaltetes Ensemble in der Größe eines Kammerorchesters, das andere ist ein großes Sinfonieorchester, das jede Woche ein anderes Programm spielt, das sich jede Woche mit einem anderen musikalischen Stil auseinandersetzen muss, vom Barock bis zur zeitgenössischen Musik und allem, was es dazwischen gibt. Jedes dieser Gebilde hat ein ganz spezifisches Innenleben, eine bestimmte Kultur. Das dritte Orchester, das ich in Europa leite, das Orchestre de Paris, ist noch mal eine ganz andere Welt. Da begegne ich der französischen Art, die Dinge, die Welt und die Musik zu sehen. Und das ist eine vollkommen andere Oper.
Hettinger: Als Sie den Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau bekommen haben, da hat der Laudator, der Komponist Jörg Widmann, den Beruf des Dirigenten verglichen mit jemandem, der einen Stadtplan besitzt, und der anderen Leuten die interessanten, die markanten, die bemerkenswerten Punkte einer Stadt zeigt. Stimmen Sie Jörg Widmann zu in dieser Beschreibung?
Järvi: Ja, auf der einen Seite ist das so. Das war ein sehr schönes Bild, das Jörg Widmann in dieser Rede gezeichnet hat. Wissen Sie, es ist furchtbar kompliziert, zu erklären, was ein Dirigent eigentlich tut. Wenn es einfacher wäre, zu erklären, was einen guten Dirigenten ausmacht, gäbe es mehr davon. Es ist viel einfacher, Kriterien für einen guten Instrumentalisten festzuschreiben, für einen Geiger oder Pianisten beispielsweise. Für die gibt es handfeste Faktoren, die man einschätzen kann.
Man kann die Sauberkeit des Spiels hören, man kann die Musikalität hören, das technische Vermögen, die Qualität des Tons. Das Paradoxe daran ist: Wir als Dirigenten erzeugen keinen einzigen Ton, und doch klingt das Orchester immer anders, je nachdem, wer dirigiert. Nun haben auch Dirigenten eine Schlagtechnik. Da gibt es Dirigenten, die diese Schlagtechnik virtuos beherrschen - und trotzdem klingt das Orchester nicht gut. Und dann gibt es andere, die so gut wie keine Schlagtechnik haben, aber dafür irgendetwas anderes, was die Aufmerksamkeit der Musiker erweckt und ihre Vorstellungskraft anregt. Und das Orchester musiziert ungeachtet der Frage, ob es nun leicht oder schwer ist, den Vorgaben des Dirigenten zu folgen. Tja, was genau ist Dirigieren? Wer weiß?
Hettinger: Paavo Järvi, ich habe mich auf dieses Gespräch mit Ihnen vorbereitet, indem ich unter anderem diese Box mit Beethoven-Sinfonien hervorgezogen habe, die Sie zusammen mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen aufgenommen haben. Das war sehr interessant, weil ich habe mich entscheiden müssen: Welche Sinfonie höre ich denn zuerst? Ich dachte, na, vielleicht eher was Seltenes, die zweite oder die siebte. Aber ich habe mich dann doch für die fünfte und für die neunte entschieden, also eigentlich so die berühmtesten, die großen, die, ja, jetzt negativ formuliert, die schier totgespielten, und ich habe mich gewundert, denn es wirkte auf mich so, als hätte ich wirklich eine ganz neue Sicht auf diese wohlbekannten Sinfonien, als würde ich dieser Musik zum ersten Mal begegnen. Was ist der Interpretationsansatz?

Järvi: Um zu erklären, was es mit diesem Beethoven-Zyklus auf sich hat, muss ich ein wenig ausholen. Mit diesem Orchester, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, arbeite ich seit 15 Jahren zusammen. Unser erstes gemeinsames Konzert war ein Open-Air-Konzert in einem Park, "Sommer in Lesmona" hieß es. Klingt lieblich - aber es hat die ganze Zeit geregnet. Und trotz dieser frustrierenden Rahmenbedingungen habe ich gemerkt: Da sitzt ein Orchester vor mir, das die Musik wirklich hört und das die Bereitschaft und die Begeisterung hat, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Musik zum Klingen zu bringen. Und während das Orchester so vor mir saß, ist mir klar geworden: Wenn ich jemals eine Aufnahme von Beethoven-Sinfonien mache, dann mit diesem Orchester. Zu diesen Aufnahmen kam es dann erst zehn Jahre später.
Das Merkwürdige an diesem Beethoven-Projekt ist: Ich bin aufgewachsen in einer Dirigentenfamilie, wir haben die Einspielungen von allen großen Dirigenten gehört, Furtwängler, Karajan, Bruno Walter, Fritz Reiner - ich könnte 20 weitere Namen aufzählen. Das waren ziemlich traditionsorientierte Interpretationen, die sehr tiefgründig und ernst klangen - ein Aspekt, den Beethovens Musik absolut hergibt. Dieser Interpretationsansatz ist sehr traditionell, er kommt aus der Nach-Wagner-Zeit. Die Tiefe und Intensität der Musik hat diese Generation sehr mit dem Tempo verknüpft. Wenn etwas ernst klingen soll, muss es langsam gespielt werden. Das ist oft ein Fehler, denn Beethoven hat in seinen Partituren ganz klar vermerkt, in welchem Tempo die Musik gespielt werden soll. Da gibt es eindeutige Metronomangaben, die aber von den meisten Dirigenten ignoriert werden, weil sie Beethoven misstrauen. Die Tempi sind nämlich überwiegend ziemlich schnell.

Ich finde das alles Unfug. Beethoven war ein extrem intelligenter Mensch, der diese Tempoangaben aus einem bestimmten Grund notiert hat. Er wollte nämlich, dass die Interpreten in dem Tempo spielen, das er sich vorgestellt hat. Wir haben unserer Einspielung die Neuausgabe der Beethoven-Sinfonien zugrunde gelegt und haben enormen Wert gelegt auf die präzise Artikulation. Wir haben über jeden Punkt und jeden Bogen in der Partitur nachgedacht. Wir haben die Größe des Orchesters der Besetzung angepasst, die Beethoven damals zur Verfügung hatte. Wir haben die einzelnen Instrumente so ausgesucht, dass sie dem Klang der Originalinstrumente nahekommen. Wir benutzen Naturtrompeten ohne die modernen Ventile. Wir haben also so viele Informationen wie möglich gesammelt, wie es damals hätte sein können.
Als wir dann all diese neuen Aspekte verinnerlicht hatten, da habe ich beschlossen, das alles aus meinem Kopf zu verbannen und stattdessen die Interpretationsideen einzubeziehen, die ich von den traditionell romantischen Aufführungen her kannte, denn Furtwänglers Einspielungen sind ja nicht verkehrt, vieles ist wirklich fantastisch. Was wir machen wollten, war: Wir wollten das Beste aus den beiden Interpretationswelten in unserer Einspielung vereinen. Die Hörerfahrung mit den ganzen legendären Einspielungen, damals als Kind gemeinsam mit meinem Vater, das kam mir sehr zugute, und es hat sich auch sehr gut mit der Gegenwart verbunden. Man kann nichts, was in den letzten 30, 40 Jahren passiert ist, einfach ausschließen mit der Behauptung, es sei nicht wertvoll. Man muss es integrieren. Und das Privileg eines Interpreten heutzutage liegt darin, dass man eine Entscheidung darüber treffen kann, was man davon berücksichtigt und was nicht. Unsere Annäherung an diese Musik war also nicht akademisch-theoretisch, sondern organisch, und aus dem Bedürfnis heraus entwickelt, so dicht wie möglich zum Notentext vorzudringen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1962186/

Wednesday, December 26, 2012

Muusikamaailm

Sirp
Priit Kuusk
20.12.2012

Paavo Järvi sisukas aastalõpp
Novembri algusest kuni oma juubelisünnipäevani 30. XII juhatab kolme orkestri peadirigent Paavo Järvi 19 kontserti, esinemispaikadeks Berliini Filharmoonia ja Kassel (DSO Berlini ees, ainus külalisesinemine), oma Pariisi orkestriga ka turnee (Freiburg, Hannover, Hamburg, Köln, Luzern, Bern, Zürich, Genf), siis Essen, taas Köln. 24. XI anti talle Hindemithi auhind meistri sünnilinnas Hanaus. Nii see kui Saksa-Šveitsi reis leidsid tähelepanu meedias, temast kirjutatakse üldse palju. Kavades klassikud Mozartist Debussy, Stravinski, Dutilleux’ ja Šostakovitšini, Karol Beffa esiettekanne, Deutsche Kammerphilharmonie’ga viis ta 8. ja 9. XII Viini kontserdimajja Schumanni sümfooniad, Frankfurdis oli kavas koguni kaks Hindemithi teost. Järvil olid taas parimad solistid: Janine Jansen, Christian Tetzlaff, Hilary Hahn, Andreas Haefliger, Antoine Tamestit. Sünnipäeval juhatab Paavo Järvi ERSOt Pärnus ja uusaastal Tallinnas, solistideks Tanja ja Christian Tetzlaff.
 1.-2. XII juhatas Paavo Järvi Bremeni Deutsche Kammerphilharmonie kontserte Esseni Filharmoonias ja Kölni Filharmoonia suures saalis: Mozarti balletimuusika ooperile „Idomeneo” ja Viiulikontsert nr 5 (sol Hilary Hahn) ning Šostakovitši Sümfoonia nr 15.
8.-9. XII  Paavo Järvi kontserdid Deutsche Kammerphilharmonie’ga Viini Kontserdimajas, kõik Schumanni sümfooniad, järjestuses: Sümfoonia nr 1 ja nr 4ning Sümfoonia nr 2 ja nr 3.
13.-14. XII mängis Frankfurti Raadio SO lõppeva aasta viimase kava peadirigent Paavo Järvi käe all Alte Operis: Stravinski „Scherzo fantastique”, Hindemithi „Trauermusik” ja „Der Schwanendreher” (mõlem solist Antoine Tamestit), Tšaikovski Sümfoonia nr 1.
http://www.sirp.ee/index.php?option=com_content&view=article&id=16786:muusikamaailm&catid=5:muusika&Itemid=12&issue=3422

Sunday, December 16, 2012

Kurt Masur und Musikerfamilie Järvi feiern 20. Jubiläum des Usedomer Musikfestivals

Kultur-port.de
16.12.2012

2013 feiert das Usedomer Musikfestival sein 20. Jubiläum. Dirigentenlegende und Ehrenschirmherr des Musikfestivals Kurt Masur dirigiert gemeinsam mit Studierenden seines internationalen Meisterkurses zur Einstimmung auf die Festsaison das Baltic Youth Philharmonic in einem Sonderkonzert (13.9.) in der ehemaligen Turbinenhalle in Peenemünde. Länderschwerpunkt des 20. Usedomer Musikfestivals vom 21. September bis zum 12. Oktober bildet „Estland“.

Besondere Höhepunkte werden drei weitere Peenemünder Konzerte mit einer der weltweit bedeutendsten Musikerfamilien unserer Zeit sein: den Järvis aus Estland. Die Dirigenten Neeme, Paavo und Kristjan Järvi sind bei den großen Orchestern und in allen großen Konzerthäusern der Welt zu Hause und bringen die musikalische Vielfalt Estlands auf die Sonneninsel Usedom.

Kurt Masur, dem noch bis zum 28. Februar 2013 eine Sonderausstellung im Historisch-Technischem Mueseum Peenemünde gewidmet ist, zählt seit vielen Jahren zu den herausragenden Unterstützern des Usedomer Musikfestivals. Der erste Schirmherr dirigierte die Eröffnung der 19. Festivalsaison und wurde zum Ehrenschirmherrn des Usedomer Musikfestivals ernannt. Die gesellschaftlich, politisch engagierte und weltweit geschätzte Persönlichkeit setzt mit seinem Meisterkurs und dem Sonderkonzert 2013 am geschichtsträchtigen Ort in Peenemünde Zeichen des Friedens.

Besondere Akzente lassen im Jubiläumsjahr drei weitere Peenemünder Konzerte mit einer der weltweit renommiertesten Musikerfamilien erwarten: Die Järvis sind zu Gast auf Usedom. Neben dem estnischen Komponisten Arvo Pärt ist Neeme Järvi der weltweit bekannteste estnische Künstler. Kein anderer Dirigent spielte so viele nordische Werke auf Tonband ein. Gemeinsam mit dem NDR Sinfonieorchester wird er zum Abschluss der Musiklandsaison MV zu erleben sein (12.10.). Sein ältester Sohn Paavo Järvi zählt zu den engagiertesten Dirigenten seiner Generation. Er ist Musikdirektor des Orchestre de Paris und des Sinfonieorchesters des Hessischen Rundfunks. In der nächsten Saison wird er Musikdirektor des Tokyo Symphony Orchestra. Als künstlerischer Leiter der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen bestreitet er ein großes Peenemünder Konzert (24.9.). Dann erklingen die Sinfonien Nr. 4 und Nr. 7 von Ludwig van Beethoven sowie bekannte Werke Arvo Pärts. Der 10 Jahre jüngere Kristjan Järvi, der in diesem Jahr sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern gab, eröffnet die 20. Saison des Usedomer Musikfestivals gemeinsam mit dem Baltic Youth Philharmonic. Neben der großen Chortradition Estlands mit berauschenden Vokalwerken, vorgetragen von weltweit renommierte Chören, wie dem Schleswig-Holstein Festivalchor (23.8.), dem Estnischen Philharmonischen Kammerchor (27.9) oder dem Estnischen Männerchor (3.10.), stellt das Programm vielfältige Bezüge zum Richard-Wagner-Jahr 2013 her. Estland ist auch der Ursprung der alt-germanischen „Edda“-Sagen.

Für die Peenemünder Konzerte sind Karten in zwei exklusiven Järvi Abonnements sowie für weitere Konzerthöhepunkte ab dem 17.12. zu bestellen.
http://www.kultur-port.de/index.php/kunst-kultur-news/6185-kurt-masur-und-musikerfamilie-jaervi-feiern-20-jubilaeum-des-usedomer-musikfestivals.html

Saturday, December 15, 2012

Paavo Järvi dirigiert Schumann

NDR.DE
Friederike Westerhaus
17.12.2012

CD der Woche
Paavo Järvi © HR / Sascha Rheker Fotograf: Sascha Rheker
Paavo Järvi setzt bei seiner neuen CD auf unvorhersehbare Wendungen und Akzente.

Mit Beethovens Sinfonien haben die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und ihr Künstlerischer Leiter Paavo Järvi weltweit riesige Erfolge gefeiert - ein Projekt, das sie über Jahre beschäftigt hat. Nun setzen sie ausgerechnet auf Robert Schumann, der als schlechter Orchestrator gilt oder - noch polemischer - als zweitklassiger Brahms. Doch schon mit ihrer ersten Schumann-CD mit den Sinfonien 1 und 3 haben die Bremer gezeigt, dass sie etwas zu Schumann zu sagen haben. Jetzt ist die nächste Folge der Gesamtaufnahme erschienen, mit der zweiten Sinfonie und vier Ouvertüren.

Grenzenlos emotional

Das Adagio espressivo aus Schumanns zweiter Sinfonie - schon allein dafür lohnt sich diese CD. Nur diese zehn kurzen Minuten, die weite Räume öffnen und die Ewigkeit einfangen. Musik, die zu Tränen rührt.
Die unfassbare Schönheit dieser Musik, ihre Melancholie und vor allem die Innigkeit werden hier greifbar. Ohne das große Vertrauen zwischen Järvi und den Musikern wäre das sicher nicht so intensiv, denn dieser Satz duldet keine Vorbehalte. Er muss geradezu grenzenlos emotional sein. Wer sich wirklich auf Schumanns Musik einlässt, begibt sich in eine abenteuerliche Gedanken- und Gefühlswelt.
Järvi setzt gerade auf die völlig unvorhersehbaren Wendungen und Akzente, die überraschenden Wechsel von Liebe zu Schmerz, von Abgründen zu Glücksgefühl, von Ruhe zu Getriebensein. "Neurotisch" nennt Järvi das. Genau diese neurotischen Momente müsse man übertreiben, sagt Järvi.

Aufregend, erhellend, mitreißend

Purer Nervenkitzel ist diese Aufnahme. Das liegt auch an Järvis untrüglichem Gespür für Nebenstimmen, die er plötzlich hervortreten lässt. Das Image von Schumann als unzulänglichem Orchestrator stellt er so gründlich auf den Kopf. Dass die Musiker Hürden wie die langsame Einleitung mit den heiklen Bläserakkorden oder dem halsbrecherischen Geigenbeginn des zweiten Satzes souverän meistern, nimmt man schon fast als selbstverständlich hin.
Die Ouvertüren, vor allem aber "Manfred", scheinen wie ein Extrakt der Schumann'schen Welt. Für Järvi eines der besten Stücke überhaupt.
Der Bremer Schumann ist aufregend, erhellend, mitreißend - kurzum: absolut phänomenal.

http://www.ndr.de/kultur/klassik/schumann165.html

Thursday, December 13, 2012

Sunday, December 09, 2012

Himmlische Längen, höllische Gegensätze

DerStandard.at
Daniel Ender
9 Detzember 2012

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und Paavo Järvi im Wiener Konzerthaus

Wien - Mit den Beethoven-Symphonien machten sie vor ein paar Jahren Furore: Der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen gelang es mit ihrem künstlerischen Leiter Paavo Järvi, Publikum und Presse aufzurütteln und zu einem Gutteil zu begeistern.
Entschlackt, aber klanglich immer fokussiert, packend und zupackend setzten sie damals auf großteils, aber nicht ausschließlich moderne Instrumente sowie auf eine denkbar genaue Beachtung all dessen, was in den Noten steht, ohne es deshalb jemals an Spontaneität fehlen zu lassen. Nun widmen sich die Formation und ihr Chef schwerpunktmäßig einem Projekt mit den Symphonien und Ouvertüren von Robert Schumann, das auch auf CD (beim Label RCA) erscheint.
Im Konzerthaus waren an zwei Tagen Schumanns vier Symphonien zu hören, und schon die Vortragsbezeichnung "Lebhaft", die drei von vier Sätze der Vierten tragen, kam dabei am Samstag so unmittelbar zum Vorschein, wie es nur ganz selten gelingt. Järvi betonte - wie schon bei Beethoven - das Wilde und Schroffe, setzte auf deutliche Querbezüge zwischen den Sätzen und ließ sich Zeit für die ausladenden Formen mit ihren " himmlischen Längen" (Schumann über Schubert, aber auch ihm selbst nicht ganz fremd).
Mit Leichtigkeit und Elan (Intonationstrübungen, die nur einem einzigen Musiker zuzuschreiben waren, bildeten den einzigen Wermutstropfen des Abends) blieben Orchester und Dirigent auch bei der Ersten extremen Gegensätzen auf der Spur und zeigten, dass es bei Schumann hinter der Fassade manchmal ordentlich brodelt. (Daniel Ender, DER STANDARD, 10.12.2012)
http://derstandard.at/1353208641895/Himmlische-Laengen-hoellische-Gegensaetze

Tuesday, December 04, 2012

Grabdenkmal und reiner Ton

Kreiszeitung.de
02/12/2012

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit Schostakowitsch und Mozart.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Seine Sinfonien seien „Grabdenkmäler“ sagte Dmitri Schostakowitsch über seine 15 Sinfonien, Grabdenkmäler als Dokumente des Leidens unter staatlichen Repressionen, denen der russische Komponist zeitlebens ausgesetzt war.
© Foto: Ixi Chen
Paavo Järvi
 Früh geriet er ins Visier von Stalins Verfolgungen, rettete mit der fünften Sinfonie 1937 regelrecht sein Leben und fiel 1948 mit den Kulturbeschlüssen der Partei erneut in Ungnade. Gleichwohl zwang man ihn zum Eintritt in die kommunistische Partei. Und nun erklang mit der Deutschen Kammerphilharmonie seine letzte, die 15. Sinfonie in A-Dur, die er 1971 vier Jahre vor seinem Tod schrieb.

Vieles ist rätselhaft in diesem erschütternden Spätwerk, so das Zitat aus Rossinis „Wilhelm Tell“, das von Brünhildes Todesankündigung an Sigmund aus Wagners Walküre, das Tristan-Zitat, die Zwölftonelemente und vieles mehr. Paavo Järvi setzte mit dem phänomenal aufmerksamen Orchester und extremen Tempi im ersten Satz auf Wut und Aggressivität, formte in den folgenden Sätzen vor allem die zahlreichen „Löcher“ und den Stillstand, die das Komponieren selbst infrage stellen: So als wüsste der Komponist nicht mehr, wie es weitergeht und ob es überhaupt weiter geht. Dies vor allem im letzten ausgedünnten Satz. Eine tief bewegende Wiedergabe, die, wenn nicht alles täuscht, den Dirigenten selbst erschütterte. Die „tiefe unaufdringliche Verzweiflung“, die Joachim Kaiser einst stellte, verwandelte Järvi in eine in bestem Sinne „aufdringliche“: alle Huster waren verstummt. Man versuchte sich vorzustellen, wie das Werk in der von Schostakowitsch geforderten Besetzung mit 16 ersten Geigen geklungen hätte – hier waren es nur zehn. Inhaltlich bemerkenswert in einer unendlichen Einsamkeit: das Flötensolo von Bettina Wild und noch mehr das Cellosolo von Tanja Tetzlaff und das Violinsolo von Florian Donderer. „Bitte setzen Sie sich dieser Musik aus, wann immer Sie ihr begegnen“, forderte 1984 der Komponist Wolfgang Rihm. Dem kann man nur erneut zustimmen.
© Foto: MillerHilary Hahn
Forsch und kraftvoll dagegen die eingangs gespielte Ballettmusik zu „Idomeneo“ von Mozart. Regelrecht etwas zu wuchtig gespielt folgten dann aber doch filigrane kammermusikalische Abschnitte. Und die Geigerin Hilary Hahn, seit 2006 eng mit dem Orchester verbunden, interpretierte Mozarts Violinkonzert A-Dur, KV 219. Ihr großer Name basiert auf der schwer beschreibbaren glasklaren Schönheit und Ebenmäßigkeit des Tones, die sie wie unter einer zerbrechlichen Glaskugel zelebriert. Gelegentlich fehlt das Existentielle, das sie dann im wild-chromatischen Mittelteil doch überzeugend herausbrachte. Wenn Mozart über sein eigenes Violinspiel an den Vater schrieb: „Es gieng wie öhl. Alles lobte den schönen reinen Ton“, so könnte man diesen Satz für Hahns wunderschöne Wiedergabe hier wiederholen. Und ebenfalls wunderbar, wie Järvi, der kürzlich bekanntgab, dass er so lange bei dem Orchester bleiben wird, wie dieses ihn will, die zarten Impulse von Hahn aufnahm und zurückgab. Besonders viel Beifall für das Programm.
 http://www.kreiszeitung.de/nachrichten/kultur/lokal/grabdenkmal-reiner-2647130.html

Thursday, November 29, 2012

Lob der Flexibilität

Kreiszeitung.de
29.11.2012

Deutsche Kammerphilharmonie feiert Järvi
Lob der Flexibilität

Bremen - Von Johannes BruggaierWenn vom „Stammgast in der Champions League“ die Rede ist, muss noch lange nicht der Ball rollen. Es ist ein Orchester, das sich gegenwärtig in der internationalen Spitzenklasse wähnt: die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen.
Viktoria Mullova ·
© Foto: Fair Viktoria Mullova
 
Man muss dieses Wortgeklingel nicht mögen. Wie überhaupt ein Kunstverständnis, das sich aus derlei agonistischen PR-Vokabeln speist, einem kulturelles Unbehagen durchaus förderlich ist. Aber es stimmt natürlich, dass sich die Deutsche Kammerphilharmonie in der vergangenen Dekade einen exzellenten Ruf erworben hat. Genauer gesagt: seit Amts antritt von Chefdirigent Paavo Järvi.
Nicht, dass sein Vorgänger Daniel Harding keine Impulse gesetzt hätte. Die endgültige Etablierung des Bremer Klangkörpers in den internationalen Konzertsälen aber ist erst unter Führung des gebürtigen Esten geglückt. Grund zu feiern also, zumal das Orchester mit Järvi erstmals überhaupt eine zehn Jahre währende Zusammenarbeit erlebt, wie Geschäftsführer Albert Schmitt auf der gestrigen Jahrespressekonferenz betont: „Paavo Järvi hat in dieser Zeit sein Engagement in Cincinnati aufgegeben, nächstes Jahr hört er auch in Frankfurt auf. Der Deutschen Kammerphilharmonie aber hat er über all die Jahre hinweg die Treue gehalten.“
In Bremen wird sich diese Treue jetzt unter anderem in Gestalt einer vierten Abo-Reihe auszahlen. Mehr als 700 zusätzliche Anfragen habe es zuletzt gegeben, sagt Schmitt: genug, um ab der kommenden Saison zumindest eine „Mini-Reihe“ mit drei weiteren Konzerten anzubieten.
Paavo Järvi freilich wird sich seinerseits nur dreimal blicken lassen. Erst im Februar, wenn er gemeinsam mit dem Hilliard Vokalensemble Werke von Guillaume de Machaut, Igor Strawinsky, Felix Mendelssohn Bartholdy und dem estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür vorstellt. Dann am 12. September mit einer konzertanten Aufführung von Beethovens Oper „Fidelio“. Und schließlich im Dezember gemeinsam mit der Violinvirtuosin Viktoria Mullova und Werken von Beethoven, Schostakowitsch sowie Schumann.
De Machaut und Tüür, dazwischen ein bisschen Mendelssohn: Dass solche Programme, gemixt aus sieben Jahrhunderten Musikgeschichte überhaupt möglich sind, ist für Järvi einer der herausragenden Vorzüge dieses Orchesters. „Sie klingen in einem Moment sehr barock und leicht. Und im nächsten Moment kannst du mit ihnen einen kraftvollen Schostakowitsch spielen“, lobt Järvi. „Diese Flexibilität ist einzigartig.“
Was steht noch an im Konzertkalender 2013? Ein Abend (11. April in der Glocke) mit Werken von Wagner, Ruzicka, Mozart und Verdi zum Beispiel unter der Leitung von Peter Ruzicka selbst. Als Oboist verpflichtet: Albrecht Mayer. Dirigent Reinhard Goebel erkundet im Mai Kompositionen des Barock. Und im Oktober wird Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager zu einem Konzert mit Werken von Strauss, Wagner und Brahms erwartet.
Auf internationaler Bühne orientiert sich die Kammerphilharmonie südlich, zumindest ist anlässlich des deutsch-brasilianischen Jahres – ja, das gibt es – eine Reise nach São Paulo geplant. Und natürlich geht es auch wieder nach Japan, wo die zweite CD des Schumann-Zyklus schon seit Monaten in den Plattenläden liegt, früher als irgendwo sonst auf der Welt. Doch sich als europäischer Kunde über diese Bevorzugung des fernöstlichen Marktes aufzuregen, lohnt sich nicht mehr: Nur noch wenige Wochen, dann ist das gute Stück auch hier erhältlich.
Bleibt noch, auf die wahre Verbindung der Deutschen Kammerphilharmonie zu Paavo Järvi hinzuweisen. Diese nämlich besteht in Wahrheit gar nicht seit zehn Jahren. Sondern bereits seit 15 Jahren. „Ich hatte das Orchester damals beim Festival ‚Sommer in Lesmona‘ geleitet“, begründet der Dirigent seine eigene Berechnung. Und erklärt anschließend, warum er sich daran noch so gut erinnert: „Es hatte in Strömen geregnet.“ Wie fast immer, in Knoops Park.
http://www.kreiszeitung.de/nachrichten/kultur/lokal/flexibilitaet-2642082.html

Tuesday, November 27, 2012

„Ein neuer Dirigententypus“

op-online.de
Von Dieter Kögel 
26.11.2012

Hanau - Sein Arbeitsplatz, das sind die Dirigentenpulte der großen Orchester dieser Welt. Dennoch wirkte der 1962 in Estland geborene Stardirigent Paavo Järvi bei der Verleihung des 7. Hanauer Paul-Hindemith-Preises im gleichnamigen Saal des Congress Parks überaus bescheiden und ohne jegliche Allüren. Von Dieter Kögel
 Der Este Paavo Järvi erhält aus der Hand von Oberbürgermeister Claus Kaminsky den mit 10.000 Euro dotierten Paul-Hindemith-Preis.

„Eine große Ehre“ sei es ihm, so der bereits vielfach international ausgezeichnete Järvi, den mit 10.000 Euro dotierten Preis entgegennehmen zu dürfen. Aber all das, für was er geehrt worden sei, komme ganz alleine durch die Musiker zustande, mit denen er zusammenarbeite. „Ich bin eigentlich der einzige auf der Bühne, der keinen Ton von sich gibt.“ Und so bezog Paavo Järvi auch alle die Musiker der Orchester, mit denen er bereits gearbeitet hat, mit in die Preisverleihung ein.
Schülerinnen und Schüler der Adolf-Schwab-Musikschule und der Paul-Hindemith-Musikschule führten mit kurzen Kompositionen Paul Hindemiths in die Feierstunde ein. Schön, im klassischen Sinne, wirkten die ausgesuchten Kompositionsbeispiele dabei nicht. Keine gefälligen, melodiösen und dem Ohr schmeichelnden Tonfolgen komponierte der 1895 in Hanau geborene Hindemith damals. Dafür die Zuhörer fordernde, der neuen Zeit des vergangenen Jahrhunderts folgende „musikalische Sachlichkeit“, wie es Hanaus Oberbürgermeister und Kulturdezernent Claus Kaminsky (SPD) ausdrückte.. Damit habe Hindemith die musikalische Welt seiner Zeit nachhaltig beeinflusst.
 Paavo Järvi sei „kein Dirigent, der, wenn er einmal etwas erarbeitet hat, immer das Gleiche macht,“ sagte Professor Jörg Widmann in seiner Laudatio. „Es reizt ihn, am zweiten Abend etwas anders zu machen.“ Das sei symptomatisch für den Dirigenten, der sich mit Erreichtem nicht zufrieden gebe, stets Neues suche und dabei durch den kollegialen Umgang mit den Musikern auch immer fündig werde. Denn die Musiker würden Paavo Järvi folgen. Sie schätzten seine Kollegialität ebenso wie seine fachliche Autorität, über die Järvi eben einfach verfüge, ohne sie in den Vordergrund stellen zu müssen.
Das weiß Widmann, der häufig mit dem Dirigenten zusammengearbeitet hat, aus eigener Erfahrung. Järvi sei bei der Umsetzung von musikalischen Werken nicht auf die Höhepunkte aus. Vielmehr lenke er den Blick auf deren Vorbereitung, setze die gesamte Komposition in Szene, folge dem Fluss der Musik, sorge dafür, dass die Zuhörer die Schönheit darin selbst entdecken können. Gleich einem Stadtführer, der den Plan in Händen habe, die Menschen führe, aber keineswegs nur auf die Attraktionen aus sei.
„Er geht seinen Weg,“ so Widmann, „er verkörpert den neuen Dirigententypus.“ Widmann, Professor für Klarinette und Komposition in Freiburg, widmete dem Geehrten nach seiner Laudatio ein eigenes Werk auf der Klarinette. Auch das Haba-Qurtett begeisterte die Muskliebhaber mit einem Auftritt während der Preisverleihung.
http://www.op-online.de/nachrichten/hanau/esten-paavo-jaervi-paul-hindemith-preis-hanau-2636722.html

Hindemith-Preis für Paavo Järvi

Main-Netz
26.11.2012

Auszeichnung: Estnischer Star-Dirigent gewürdigt - Laudator Jörg Widmann: »Unabhängig von der Mode etabliert«
Hanau Den Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau hat am Samstag der estnische Star-Dirigent Paavo Järvi entgegen genommen. Oberbürgermeister Claus Kaminsky überreichte die mit 10000 Euro dotierte Auszeichnung im Paul-Hindemith-Saal vor rund 100 geladenen Gästen im Paul-Hindemith-Saal des Congress Parks (CPH).
Den Paul-Hindemith-Preis hat der Dirigent Paavo Järvi in Hanau entgegen genommen. Im Beisein von OB Claus Kaminsky (rechts) und Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck verewigte er sich im Goldenen Buch der Stadt. Foto: Karin Klemt

Der 50-jährige Preisträger zeigte sich tief bewegt, vor allem von der Laudatio des Musikwissenschaftlers und Komponisten Jörg Widmann. Jener hatte Järvi als einen in Können und Gebaren idealen Orchesterleiter gewürdigt, dessen weltweiter Erfolg nicht zuletzt auf menschlichen Qualitäten gründe.
Zur Höchstleistung motiviert
So habe sich Järvi unabhängig von der »Mode« etabliert, die laut Widmann vor Jahren Dirigenten und Musiker aus den baltischen Staaten auf internationalem Parkett begünstigt habe. Immer wieder habe er die ihm anvertrauten Klangkörper - darunter die Berliner Philharmoniker oder das Orchestre de Paris, dessen Chefdirigent er seit 2011 ist, seien es Nachwuchsformationen wie das European Youth Orchestra - mit seiner Persönlichkeit zu Höchstleistungen motiviert.
Besonders hoch rechnet Widmann dem Preisträger dabei an, dass er niemals die eigene Rolle, sondern die Intention des Komponisten in den Vordergrund stelle. Järvi motiviere seine Musiker als Vorbild, indem er selbstbewusst agiere und höchste Anforderungen »völlig angstfrei« angehe.
Auch die oft hoch anspruchsvollen Kompositionen Paul Hindemiths, der als einer der wichtigsten Schöpfer »neuer Musik« im 20. Jahrhundert von der Musikwissenschaft zusammen mit Schönberg als Hauptvertreter des musikalischen Expressionismus eingeordnet wird. Das, so erinnerte OB Kaminsky, habe dem am 16. November 1895 in Hanau geborenen Ausnahme-Musiker nicht nur fachliche Anerkennung, sondern auch viel Ablehnung in Deutschland eingebracht. Namentlich unter dem Nazi-Regime sei Hindemith als Vertreter der »entarteten Kunst« verfolgt worden und habe, mit seiner Familie in Frankfurt lebend, emigrieren müssen. Als einer der ersten bedeutenden Intellektuellen sei Hindemith jedoch nach dem Krieg aus den USA zurückgekehrt und habe 1953 ein umjubeltes Festkonzert in Hanau gegeben.
»Würdiger Exponent«
Den diesjährigen Preisträger bezeichnete der OB als einen besonders würdigen Exponenten, für dessen Auswahl er der gemeinsam mit der Paul-Hindemith-Stiftung gebildeten Expertenjury dankte. Kaminsky erinnerte auch an frühere Träger der seit 2000 alle zwei Jahre verliehenen Auszeichnung, darunter Albert Mangelsdorff, Daniel Barenboim und Tabea Zimmermann. Paavo Järvi steht im internationalen Rampenlicht, seit er 2001 Chefdirigent des Cincinnati Symphony-Orchestras wurde. Diese Position behielt er zehn Jahre lang. 2004 wurde er darüber hinaus künstlerischer Leiter der Deutschen Kammerphilharmonie und übernahm 2006 die Leitung des Rundfunk-Sinfonieorchesters Frankfurt. In Paris brachte ihm seine Tätigkeit als Chefdirigent unter anderem die Ernennung zum »Commadeur de l’Orde des Arts et des Lettres« (Orden der Künste und Literatur) ein.
Mit Hindemith hat Järvi, neben der expressionistischen Ausrichtung, unter anderem sein musikpädagogisches Engagement gemein. Auf diesem Sektor wirke in Hanau auch der Hindemith-Preis, betonte der Oberbürgermeister. So habe die Stadt eine Anregung des Preisträgers 2008, Gerd Albrecht, aufgegriffen und fördere die instrumentale Ausbildung von Kindern in Kitas und Schulen mit einem »klingenden Mobil«. Kaminsky wies auch auf eine laufende Initiative hin, Paul Hindemith an der Pestalozzischule, in deren Räumen auch die nach ihm benannte Musikschule untergebracht ist, ein Denkmal zu errichten.
Schüler der Hindemith-Musikschule sowie der Adolf-Schwab-Musikschule bereicherten die Feierstunde durch Hindemith-Interpretationen. Das Habá-Quartett intonierte unter anderem Auszüge aus Hindemiths Streichquartetten Nummer drei und 15. Laudator Widmann überraschte mit einer Klarinetten-Fantasie, die er dem Preisträger widmete. kko

http://www.main-netz.de/nachrichten/region/hanau-offenbach/hanau-offenbach/art11879,2375936

Monday, November 26, 2012

Пааво Ярви наградили Премией имени Хиндемита

Орфей
25.11.2012

Выдающийся дирижер современности Пааво Ярви, который через месяц отметит 50-летний юбилей, в субботу, 24 ноября, награжден Премией имени Пауля Хиндемита в размере 10000 евро, которую присуждает немецкий город Ханау.
Пааво Ярви. Фото: http://www.paavojarvi.com/
Пааво Ярви –представитель знаменитой музыкальной династии, сын крупнейшего эстонского дирижера, народного артиста СССР Неэми Ярви, который в уходящем году отметил свое 75-летие. Родившись в Таллинне в 1962 году, Пааво Ярви вместе с семьей эмигрировал в США в 18-летнем возрасте, где завершил музыкальное образование в Кёртисовском институте музыки и Лос-Анджелесском филармоническом институте под руководством Леонарда Бернстайна. Вскоре его начали приглашать ведущие оркестры Америки, Европы и Азии. Он занял должности главного приглашённого дирижёра в Стокгольмском и Бирмингемском симфонических оркестрах. С 1994 по 1997 годы Ярви был главным дирижёром Симфонического оркестра Мальмё, с 2001 по 2011 годы возглавлял симфонический оркестр Цинцинати, с 2004 года является художественным руководителем Камерного Филармонического Оркестра Бремена, с 2006 года руководит Симфоническим оркестром радио немецкой федеральной земли Гессен во Франкфурте,параллельно с 2010 года – Оркестром Парижа. Его концерты проходят по всему миру с триумфальным успехом при неизменных аншлагах, записи номинируются на различные призы и премии. В 2004 году Пааво Ярви удостоен престижнейшей премии«Грэмми» в номинации «Лучшее хоровое исполнение» за запись кантат Сибелиуса.
Пааво Ярви не раз с успехом гастролировал в нашей стране – и как приглашенный дирижер с лучшими оркестрами (в частности, с оркестром Мариинского театра и Российским Национальным оркестром), и вместе с возглавляемыми им коллективами (в частности, с Оркестром Парижа на III Международном фестивале Мстислава Ростроповича в апреле 2012года).
Премия имени Хиндемитаучреждена городом Ханау в 2000 году и присуждается раз в два года. Город, где выдающийся композитор, теоретик и педагог ХХ столетия родился в 1895 году,отмечает этой наградой заслуги крупнейших музыкантов современного мира. В числе награжденных премией имени Хиндемита в последние годы – такие всемирно знаменитые артисты, как джазовый тромбонист Альберт Мангельсдорф, пианист и дирижер Даниэль Баренбойм.
Коллектив Радио «Орфей»поздравляет Пааво Ярви с присуждением ему Премии имени Хиндемита. В преддверии50-летнего юбилея Маэстро, которого связывают с нашей радиостанцией тесные дружеские узы, мы хотели бы пожелать ему крепкого здоровья, полных залов и осуществления самых дерзновенных творческих проектов.


http://www.muzcentrum.ru/news/2012/11/item7154.html

Saturday, November 24, 2012

Hindemith-Preis der Stadt Hanau an Paavo Järvi verliehen

Die Welt
24 Nov 2012

Der estnisch-amerikanische Musiker ist Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters in Frankfurt am Main

Foto: DAPDHindemith-Preis der Stadt Hanau an Paavo Järvi verliehen

Hanau (dapd). Der mit 10.000 Euro dotierte Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau ist am Samstag an den Dirigenten Paavo Järvi verliehen worden. Der 1962 im estnischen Tallin geborene Järvi war unter anderem von 2001 bis 2011 Chefdirigent des Cincinnati Symphony Orchestra. 2004 wurde der US-Amerikaner künstlerischer Leiter der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und 2006 Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters in Frankfurt.

Die Stadt Hanau verleiht seit dem Jahr 2000 im zweijährigen Rhythmus den Paul-Hindemith-Preis. Sie erinnert damit an den 1895 in Hanau geborenen Komponisten und Musikpädagogen. Unter den bisherigen Preisträgern waren unter anderem der Jazz-Posaunist Albert Mangelsdorff und der Stardirigent Daniel Barenboim.

http://www.welt.de/newsticker/news3/article111469671/Hindemith-Preis-der-Stadt-Hanau-an-Paavo-Jaervi-verliehen.html

Dirigent Paavo Järvi mit Paul-Hindemith-Preis ausgezeichnet

Frankfurter Rundschau
24 Nov 2012

Der Dirigent Paavo Järvi (49) ist mit dem Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau ausgezeichnet worden. Verliehen wurde ...

Hanau. Der Dirigent Paavo Järvi (49) ist mit dem Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau ausgezeichnet worden. Verliehen wurde ihm die mit 10 000 Euro dotierte Ehrung am Samstag im Congress Park Hanau. Der in Estland geborene und in den USA aufgewachsene Musiker ist unter anderem Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters Frankfurt. Järvi arbeitet regelmäßig mit namhaften Orchestern zusammen. Järvi genieße weltweites Ansehen und verfüge über herausragende Fähigkeiten, hatte der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) bei der Bekanntgabe gesagt.

Die Stadt Hanau verleiht den Hindemith-Preis seit dem Jahr 2000 alle zwei Jahre. Der in Hanau geborene Hindemith (1895-1963) gehört zu den bedeutendsten Avantgarde-Komponisten des 20. Jahrhunderts. Järvis Vorgänger zuletzt als Preisträger waren der Violinist Frank Peter Zimmermann (2010) und der Dirigent Gerd Albrecht (2008).

Musik wurde dem Preisträger Paavo Järvi bereits in die Wiege gelegt. 1962 als ältestes von drei Kindern in der Stadt Tallinn geboren, folgten er und seine Geschwister den musikalischen Fußstapfen des Vaters, Neeme Järvi, der selbst ein bekannter Dirigent ist. (dpa/lhe)


http://www.fr-online.de/rhein-main/dirigent-paavo-jaervi-mit-paul-hindemith-preis-ausgezeichnet,1472796,20954368.html

Friday, November 23, 2012

Paavo Järvi und Andreas Haefliger in der Tonhalle Zürich

Neue Bürcher Seitung
Jürg Huber
Nov 2012

Das Orchestre de Paris unter der Leitung seines Chefdirigenten Paavo Järvi präsentierte in der Zürcher Tonhalle Stravinski und Debussy – sowie ein Klavierkonzert von Mozart mit Andreas Haefliger am Flügel.
Hundert Jahre und kein bisschen leise: Dass die im Mai 1913 uraufgeführte Partitur von «Le Sacre du printemps» kein Gramm Staub angesetzt und diese Ballettmusik ihre ungebärdige Wildheit bewahrt hat, bewies das Orchestre de Paris unter der Leitung seines Chefdirigenten Paavo Järvi im Rahmen der Migros-Kulturprozent-Classics-Tournee. Begonnen hatte die Aufführung in der Zürcher Tonhalle indes überaus gepflegt. Der Fagottist des Orchesters verriet eine beeindruckende Tonkultur, als er aus dem Nichts heraus sein Solo gestaltete, in das die andern Blasinstrumente allmählich einfielen – noch nicht mit jener geschärften Artikulation, die im weiteren Verlauf zuweilen den Atem stocken liess. Spätestens gegen Schluss des dritten Satzes war die Energie da: Die Schlagzeug-Sektion mit einem hervorragenden Paukisten an der Spitze trieb das Geschehen nun unerbittlich voran. Das Lyrische, etwa in der nächtlichen Stimmung der Introduktion zum zweiten Teil, hatte durchaus seinen Platz, wurde aber manchmal vom grossen Zug mitgerissen. Wie verstörend modern diese Musik immer noch wirkt, zeigte der brachiale Schlusssatz, den Järvi und sein Orchester mit trockenem Ton exekutierten.
Paradoxerweise ist es gerade Claude Debussys verfeinertes «Prélude à l'après-midi d'un faune», das solchen Klangeruptionen den Weg bereitet hat. Der Beginn litt am übermässigen Vibrato der Soloflöte, weshalb sich die verführerische Farbenpracht der Partitur in Järvis organischer Zeitgestaltung erst allmählich entfaltete. Raum zum Atmen liess der Dirigent auch bei Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert c-Moll KV 491. Andreas Haefliger nutzte ihn zu einer unprätentiösen, klanglich kultivierten Wiedergabe, bei der er besonders mit den Holzbläsern einen intensiven Dialog führte. Lust auf das Erkunden neuer Pfade verriet der Solist mit der Zugabe: «La Vie antérieure» des französischen Komponisten Karol Beffa ist ein kleines, eben erst uraufgeführtes Klavierkonzert, das munteres Motivspiel mit elegischer Stimmung verbindet.

http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/buehne_konzert/paavo-jaervi-und-andreas-haefliger-in-der-tonhalle-zuerich-1.17829691

Gallic flair and Russian savagery

Seen and Heard International
John Rhodes
November 21, 2012

Zurich, Tonhalle, Orchestre de Paris: Paavo Järvi (conductor), Andreas Haefliger (piano) 20.11.12 (JR)
Debussy : Prélude à l’après-midi d’un faune
Mozart: Piano Concerto No. 24
Stravinsky: Rite of Spring
This concert presented the welcome opportunity of hearing France’s premier orchestra with their relatively new Principal Conductor Paavo Järvi, and Swiss-born Andreas Haefliger at the keyboard.
The orchestra had originally programmed Ravel’s Valses nobles et sentimentales but replaced it with Debussy’s Prélude à l’après-midi d’un faune. Järvi allowed the music to glide and breathe, the orchestra shimmered diaphanously, the audience were entranced throughout.
Mozart’s 24th piano concerto followed in the safe hands of Andreas Haefliger. Nothing went wrong, but nothing went particularly right. There were no audible insights and the performance rarely strayed beyond the routine. Haefliger’s delicacy of touch was however impressive, particularly in the slow movement.
By way of an encore at the end of the first half of the concert, pianist and orchestra played a work by modern French composer Karol Beffa entitled La vie anterieure, premiered by the orchestra just a week ago in Paris. This put the Mozart somewhat in the shade with its jazzy rhythms reminiscent of Milhaud and exotic sounds reminiscent of Messaien. Haefliger certainly seemed to be more engaged than in the Mozart. The piece, a mite overlong for an encore, outstayed its welcome and twinkled gently and prettily into nothingness.
It became clear however that most rehearsal time had been devoted to the Rite of Spring which received a blistering portrayal. Written on the shores of Lake Geneva in 1912, one can still fathom today why it must have been both a musical scandal and a triumph when first performed a year later, in Paris under Pierre Monteux.
I feared the Parisian orchestra in its suave haute couture uniforms (somewhat resembling Dickensian undertakers) might not be quite savage enough but I need not have feared. From the very opening from the fine bassoonist, it was evident that suave elegance had been sidelined effectively; Järvi had marshalled and drilled his Gallic forces for a vigorous, virtuosic and impressive display. There were many features which the conductor brought out which one often fails to hear in more peremptory performances. It was certainly loud enough, the percussion section saw to that, the youngster on washboard and cymbals even inserting earplugs at several stages. Star of the show however was the balletic principal timpanist who stood throughout to aid downward momentum. The audience erupted at the end, the piece – in competent hands such as Järvi’s – can still shock.
The audience went home humming Bizet’s charming L’Arlesienne suite, a perfect encore.
Thank you, Migros, for the ample supply of cough sweets (in waxed paper) in the foyer – they worked, thankfully, for the majority of the bronchial audience. Other orchestras and sponsors, please take note!
http://www.seenandheard-international.com/2012/11/21/gallic-flair-and-russian-savagery/

Wednesday, November 21, 2012

"Der estnische Expressionist"

DW.de
Thomas Lindemann
19.12.2012

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet am 28. Oktober 2012 über Paavo Järvis Schumann-Interpretationen.
Der estnische Expressionist
Paavo Järvi ist ein Dirigent für eine neue Zeit. Jetzt holt er auch den Sinfoniker Schumann in die Gegenwart
Es gibt Musikerlebnisse, die können ein Leben verändern. Paavo Järvi saß gerade in Reihe sechs der New Yorker Met, direkt hinter ihm sein Mentor, die Legende Leonard Bernstein. "Ich konnte seine Whisky-Fahne riechen", sagt Järvi. Damals war Järvi Student, noch nicht lange zuvor aus Estland geflohen. Gegeben wurde "La Traviata", Carlos Kleiber stand am Pult. Das Orchester eines der besten der Welt, fast arrogant. Gleich auf der ersten Seite der Noten gibt es eine Fermate, einen Moment, an dem der Dirigent den Ton halten kann - meist nur einen Atemzug. Doch Kleiber hielt. Hielt weiter. Immer länger. "Alle Musiker rissen vor Schreck die Augen auf, wurden hellwach", erinnert sich Järvi. "In dieser Sekunde änderte sich alles. Er hatte sie gefangen und ließ sie nicht wieder los." Es wurde das beste Konzert, das Järvi je gehört hatte. Nach dem Schlussakkord schwieg das Publikum wie hypnotisiert. "Sie hätten eine Stecknadel fallen gehört, niemand traute sich zu atmen." Bloß eine Stimme hörte man stöhnen: "Wow, Man!" Das war Bernstein.
 In dieser Anekdote steckt schon der ganze Järvi: die Komik, die heiße Liebe zur Musik, die Freude an der Überraschung, das charakterisiert den 49-jährigen Esten. Den Mann, der bisher außerhalb der Szene noch gar nicht recht wahrgenommen wird, obwohl er längst zu den Größten der Welt zählt. Er dirigiert in Frankfurt, Paris, Cincinnati und New York - vor allem aber in Bremen. Mit der dortigen Deutschen Kammerphilharmonie, diesem erstaunlichen Orchester, das von einem japanischen Fachblatt unter die zehn besten der Welt gewählt wurde, hat Järvi nun die vier Sinfonien Robert Schumanns wiederentdeckt.

Stiefkind des Betriebs

Eine erstaunliche Wahl. Schumann ist ein Stiefkind des Klassikbetriebs, daran hat auch das Schumann-Jahr 2010 nichts geändert. Der Romantiker wird für seine Klavierstücke geschätzt, wurde aber nie ein populärer Symphoniker. Auf den Spielplänen steht er fast nie als Höhepunkt des Abends. Musikwissenschaftler schrieben immer wieder, Schumann habe schlecht instrumentiert. Im "New Grove", quasi die "Encyclopaedia Britannica" der Musikwissenschaft, steht: "Schumann war kaum fähig, in Kategorien des Orchesters zu denken."

Järvi legt die Stirn in wütende Falten. "Alles, was wir bisher über Schumann denken, ist Unsinn, man muss an ihn glauben. Nicht Schumann spielen und sich gleichzeitig dafür entschuldigen", sagt Järvi mit heftiger Geste. In seiner schwarzen Kleidung - Anzug, drei Knöpfe weit offenes Hemd, Lederhalsband - sieht er aus wie der Barkeeper eines sehr eleganten Clubs. Wenn er über Musik redet, schließen sich seine Augen halb, dann taucht er ab, singt Fragmente, schlägt in der Luft Pauken. Beim Treffen klopft er schon nach wenigen Minuten auf den Tisch im Takt von Schumanns Erster, singt eine Violinstimme, die "immer falsch gemacht wurde", sein Kugelschreiber entlädt die Wut am Wasserglas. Bäng! Hier ist der neue Bond der Klassik. So wie Daniel Craig das Image des Agenten entstaubt hat, gleichzeitig verroht vielleicht, jedenfalls aber in die Gegenwart geholt - so ist Järvi ein neuer Dirigent für eine neue Zeit.

Sezierter Orchesterklang

Perkussionist hat Järvi gelernt und dann getrommelt in der Rockband seines Landsmannes Erkki-Sven Tüür, des anderen großen estnischen Komponisten neben Arvo Pärt. Natürlich sind die drei Freunde und in Estland gleichermaßen Stars. Aber Järvis große Stunde schlug an der Weser. Mit der Bremer Kammerphilharmonie spielte Järvi zuletzt jahrelang Beethovens Sinfonien.

Es wurde ein Welterfolg. Kritiker schrieben Sätze wie: "Endlich kann man die Neunte wieder hören." Die Deutsche Welle, die schon die Arbeit an Beethoven begleitete, bringt nun zum Bremer Schumann eine DVD heraus, die das Traumpaar Järvi und Kammerphilharmonie intim bei der Arbeit zeigt. Der Deutsche-Welle-Redakteur Christian Berger hat eine frische Art von Konzertfilm erfunden - einzelne Musiker werden vor leerem Weiß mit ihren Stimmen herausgenommen, später wieder in den Orchesterklang hineinmontiert. Der Film seziert. Dennoch, auch das sieht man, beschwört Järvi in den Proben immer wieder das Klischee von Schumann als dem großen Romantiker. Dem kompromisslosen Träumer. "He was a mad genius!", ruft er seinen Musikern zu.

Paavo Järvi hat Schumann natürlich gewählt, gerade weil niemand ihn so ernst nimmt. Er sucht die Kraft im Problemfall. Schumann, geboren 1810, vierzig Jahre nach Beethoven, tritt Mitte des 19. Jahrhunderts in eine schwierige Phase der Musik. Der klassisch-romantische Urknall verhallt schon. Der neue Bombast Wagners klingt gerade erst an, Mahler ist noch fern. Franz Schubert klagte 1815 ausdrücklich: "Wer vermag nach Beethoven noch etwas zu machen!" Robert Schumann steht ein paar Jahre später im tiefsten Schatten der Post-Symphonik. Er schreibt Klavierwerke, Lieder, kleine Formen. An Sinfonien wagt er sich erst spät. Erfolge werden sie nicht. Zu Unrecht, wie Paavo Järvi nun beweisen will. "Dass es Schumann geben konnte, ist das größte Faszinosum der Musikgeschichte", sagt Järvi. Sein Einfluss, auch orchestral, sei nicht zu überschätzen. "Heute wird überall nur Wagner, Wagner, Wagner gespielt. Und wo hat der für seinen ,Parsifal' geklaut? Bei Schumann."
Järvi und die Kammerphilharmonie Bremen spielen nun Schumann in direkter Linie von Beethoven. Järvi schwärmt vom Anfang der "Eroica": "Beethoven schlägt uns zweimal ins Gesicht, sagt, haltet alle das Maul, und dann baut er etwas darauf auf. Schumann tut das etwas anders - aber im selben Geist." Das nennt Järvi, zum Leidwesen seiner Musiker, immer wieder "neurotisch". Und erklärt es so: "Man weiß nie, was als Nächstes kommt. Aber es ist nie Slapstick, nie billig, es bedeutet immer viel."

Schumann gilt auch als Charakter der modernen Wahrnehmung wenig. Der Zwickauer, der erst Jura studierte und dann überstürzt zur Musik wechselte, stand im Schatten seiner viel berühmteren Frau Clara. Einige Musikwissenschaftler behaupten, das fünfte Kind des Paars sei eigentlich von Brahms. Schumann stürzt sich in den Rhein, seine letzten zwei Lebensjahre verbringt er im Irrenhaus - Clara besucht ihn genau einmal. So steht er vor der Welt da: als gehörnter Jammerlappen. Beigetragen haben dazu auch manche Biographien und der Spielfilm von 1985 mit Nastassja Kinski und Herbert Grönemeyer, der den Komponisten als weltfremden Trotzkopf spielt. "Nicht Schumann ist das Problem, wir sind es", sagt Järvi dazu nur.

Der wahre Klang

Wurde bei Schumann-Sinfonien traditionell immer viel gestrichen, ganze Stimmen entfernt, so legen Järvi und die Bremer nun den wahren Schumann-Klang frei. Das scheint mitzureißen. "Dieses Orchester arbeitet nicht nur gern, es verlangt Mühe. Viele Musiker kommen zu früh, um ihre Stimmen noch zu üben." Das Wunder ist auch nicht ein Järvi-Sound, sagt Järvi, sondern "etwas Gemeinsames". Fünfzehn Jahre arbeitet er mit ihnen, bestimmt fünfzig Mal hat er Beethovens Siebte aufgeführt. "Wir verstehen uns." Järvi ist kein Autokrat mehr.

Es geht um die Sache selbst.

Etwa: Wenn eine Stimme unterzugehen droht, wurde sie oft verdoppelt. Das war die Wagnersche Megalomanie. Hier läuft es umgekehrt: Hört man die Oboen schlecht, lässt Järvi alle anderen leiser spielen, bis der Klang wieder da ist. So wird er feiner, durchsichtig. Deswegen mag er moderne Hörner nicht, bevorzugt Waldhörner - sie lassen mehr Platz im Klang. Kleinigkeiten, die einen Sound erzeugen. Akkurat.
Schumann wirklich verstehen, das ist seine Mission.

Ein Mittagessen mit ihm wird schnell zum Exkurs über die späte Klassik. "Brahms versteckt alles vor Ihnen, zeigt sich nicht hinter der komplexen Musik", sagt er. "Schumann dagegen kann nicht warten, alles auf den Tisch zu legen, Ihnen alles zu zeigen, bis dem keiner entkommt."

Diese Freude, sich zu offenbaren, teilt wohl auch dieser besondere Dirigent. Übrigens, wie vieles an ihm, ein Erbe von Leonard Bernstein, den er heute noch verehrt. "Von Bernstein habe ich gelernt, dass Musik etwas bedeutet, dass es wirklich um etwas geht. Der alte Mann gebrechlich, langsam, aber am Pult immer wie ein Kind. Auch bei Proben, fern aller Kameras. Er sprang, er jubelte, er lebte die Musik."

Kurz vor Schluss von Schumanns zweiter Sinfonie steht ein langes, breites Adagio, "espressivo" schrieb der Komponist darüber - weite Streicherflächen formulieren alle Sehnsucht nach Vollkommenheit und ihr trauriges Scheitern zugleich. Empfindsame Hörer kann das in den Selbstmord treiben. Und dann, eine Pause kurz wie ein Fingerschnipsen, und plötzlich stürzt Schumann uns in ein karnevaleskes, unbekümmert rasendes Finale. Als wäre doch nichts gewesen. Bei Järvi ist das eine Explosion - ein wahrhaft schockierender Moment eben.

Paavo Järvi und Bremens Orchester haben dem modernen Ohr etwas zurückgegeben, was verloren schien: vier wilde, ungestüme, zügellose Sinfonien, die wirklich berühren können. Damit ist der Sinfoniker Schumann gerettet.

http://www.dw.de/der-estnische-expressionist/a-16389444

Tuesday, November 20, 2012

Das Orchestre de Paris im KKL

Codex Flores
19.11.12

 Die Uraufführung von Strawinskys Le Sacre du Printemps, wohl einer der berühmtesten Eklats der Musikgeschichte, fand am 29. Mai 1913 statt. Sie jährt sich in einigen Monaten also zum hundertsten Mal. Das Orchestre de Paris, obwohl erst 1967 gegründet, kann als authentischer Erbe der Pariser Orchestertradition verstanden werden, die das Ballett verkörpert. Seine Auftritte in der Schweiz im Rahmen der Migros-Kulturprozent-Classics sind denn auch so etwas wie eine Reverenz an das bedeutende Ereignis, das in der Seine-Metropole die Moderne endgültig einläutete.

Vorgesehen war ursprünglich, Strawinskys auch heute noch überaus modern anmutendes Ballett mit Ravels im gleichen Jahr entstandener Orchestrierung der Danses nobles et sentimentales zu kombinieren, was durchaus eine schlüssige Kombination ergeben hätte – ergänzt um Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll KV 491, das sich mit seiner für seine Zeit ebenfalls sehr modern anmutenden Klanglichkeit gut eingefügt hätte.

Dem Orchester stand der Sinn nach anderem. Es ersetzte Ravels gläserne Walzerkünstlichkeit durch Debussys 18 Jahre vor dieser entstandenem «Prélude à l’après-midi d’un faune», ein Schlüsselwerk des französischen Impressionismus. Mit Strawinskys Frühlingsopfer ist es aber ebenfalls eng verbunden, hat doch der Choreograph Vaclav Nijinsky beide 1912 in Bewegung umgesetzt und damit die Tanzsprache gleich zweimal revolutioniert.

Im Luzerner KKL demonstrierte Paavo Järvi, der Chefdirigent des Pariser Orchesters, mit welcher Delikatesse und Präzision in den Pianissimi dieser Klangkörper zu agieren in der Lage ist. Etwas von dem Ambiente schien auch auf die Wiedergabe des Mozart-Klavierkonzertes abzufärben, das in facettenreicher (französischer?) Klanglichkeit aufblühte und auch im tänzerischen Kehraus des dritten Satzes mehr die nobel-sensible Geste betonte als die durchaus auch angelegte rhythmische Ausgelassenheit.

Am Klavier agierte Andreas Haefliger, der Bruder des Lucerne-Festival-Intendanten Michael Haefliger, und dies just am Vorabend der Eröffnung des Lucerne Festival am Piano 2012. Das Konzert wurde so unversehens zum Präludium der Luzerner Klavierwoche. Darauf, dass da durchaus auch einschlägige Fingerakrobtik gefragt ist, verwies Haefliger mit Liszts exhibitionistischem «Orage» (aus dem ersten Band der Années de Pèlerinages) als Zugabe – nicht ganz so perfekt wie gewohnt und im Ganzen des panfranzösischen Abends etwas querliegend. In Mozarts Klavierkonzert fügte er sich wunderbar in die Orchesterästhetik Järvis ein.

Zwischen das Mozart-Konzert und dem tastendonnernden Klaviersolo schob das Orchester allerdings noch eine – Uraufführung. Dem staunenden Publikum präsentierte es das jüngste Werk des zur Pariser Nomenklatura gehörenden Musterschülers und Komponisten Karol Beffa, La Vie antérieure für Klavier und Orchester.

Das Werk des mit Titeln und Preisen bereits höchstdotierten 41-jährigen Musikers und Politik-Sachverständigen folgt typisch französischer Ästhetik. Es entfaltet über knappen Ostinati und Motiven die unter anderem (zufälligerweise?) ein Motiv aus Tschaikowskys sechste Sinfonie zu paraphrasieren scheinen, pulsierende Texturen. Darüber schwingen sich weiter ausgreifende Bläserlinien, bevor ein stetig steigender Marimba-Ton in ein ruhiges Auspendeln führt. Ein insistierend-repetitives Jambus-Motiv tut schliesslich etwas des Guten zuviel. Das insgesamt gefällig-akademisch anmutende Konzert wurde vom Publikum überrascht, aber nicht unfreundlich aufgenommen.

Souverän dann die Wiedergabe des Frühlingsopfers, zugleich präzise und kantig, in einer unprätentiösen Interpretation, die es auch heute noch zum Aufreger machen kann, wie ein nicht ganz geräuschlos den Saal verlassendes Paar demonstrierte. Französisches gab’s auch als Orchesterzugabe: die Farandole aus Bizets zweiter Arlésienne-Suite – ein toller Ausgang eines tollen Abends.
(wb)

18. November 2012: KKL, Tournee II der Migros-Kulturprozent-Classics. Orchestre de Paris, Paavo Järvi (Leitung), Andreas Haefliger (Klavier). Werke von Debussy (Prélude à l'après-midi d'un faune), Mozart (Klavierkonzert KV 291), Strawinski (Le Sacre du Printemps)
 
http://www.codexflores.ch/rezensionen_ind2.php?art=801

Monday, November 19, 2012


Erste Geige hat das letzte Wort

Die Welt
19.11.12
Orchestre de Paris mit Christian Tetzlaff
Igor Strawinskys "Le Sacre du Printemps" ist wohl der gelungenste Versuch, Chaos mithilfe musikalischer Kategorien zu organisieren, ohne den beabsichtigten Eindruck des Chaotischen dadurch auch nur im Geringsten zu stören. Es ist ein Orchesterwerk voll explosiver Kraft und komplexer Polyrhythmik, das von seiner schockierenden Wirkung seit seiner Uraufführung 1913 nichts eingebüßt hat und das Orchestre de Paris bei seinem Pro-Arte-Gastspiel am Freitag in der Musikhalle zu wahren Höchstleistungen herausforderte.
Chefdirigent Paavo Järvi, der das französische Ausnahmeensemble nun schon im zweiten Jahr führt, ließ den Abend mit dem impressionistischen Klassiker "Le Tombeau du Couperin" von Maurice Ravel beginnen. Das Oboensolo zu Beginn des "Prélude" ging fließend in sich kräuselnde Wellenbewegungen des Orchesters über, die sich in einem brillanten Lauf der Harfe am Ende auflösten.
Nicht so forciert wie bei vielen deutschen Orchestern, sondern fein und leicht klang die biedermeierliche Idylle des Menuets. Begeistert vom edlen Klang des Orchestre de Paris ließ es sich Geiger Christian Tetzlaff in der Orchesterexposition von Mozarts Violinkonzert G-Dur KV 216 nicht nehmen, von Anfang an die erste Geigenstimme mitzuspielen und erst Sekunden vor seinem ersten klangschönen Solo eine kleine Verschnaufpause einzulegen. Weil er mit diesem Orchester so gern musiziere, sagte Tetzlaff nach dem Schlussapplaus zum Publikum, wolle er auch die Zugabe mit ihm zusammen spielen und stimmte Mozarts Rondo C-Dur an.

http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article111262661/Erste-Geige-hat-das-letzte-Wort.html

Thursday, November 15, 2012

Typisch französisch?

Badische Zeitung.de
14 Nov 2012

Albert-Konzert: Järvi, Tetzlaff und das Orchestre de Paris.
Seit kurzem Chevalier des „Ordre des Arts et des Lettres“: Dirigent Paavo Järvi Foto: afp
 
Reden wir über Klischees. Französische Orchester haben nicht das beste Image unter den Spitzenklangkörpern dieser Welt. Sie gelten als schwankend in der Form, unzuverlässig. Aber sie haben noch immer einen ganz typischen Klang, einen der ideal zugeschnitten ist auf die Musik ihres Landes, wie sie sich von Berlioz weg hin in den Impressionismus bewegt hat. Soweit die Stereotype. Und dann lauscht man dem Orchestre de Paris beim Albert-Konzert im voll besetzten Freiburger Konzerthaus und seiner Interpretation von Ravels Suite "Le Tombeau de Couperin"… Und findet sich schon nach wenigen Takten im – positiven – Fahrwasser des Klischees. Panta rhei – alles fließt bei den Sextolen-Ketten des Prélude, die Holzbläser-Klangfarben oszillieren unvergleichlich, mit charmantester Delikatesse leitet die Harfe die letzten sechs Takte ein. Charismatischer kann man diese klassizistische Musik nicht spielen.

Solche musikalische Perfektion und Stimmigkeit hat aber noch einen anderen Namen: Paavo Järvi. Der aus Estland stammende Chef des Orchesters strahlt unbedingte Souveränität und Ruhe aus, seine Schlagtechnik ist zurückhaltend, aber dafür umso präziser, was sich vor allem beim Hauptwerk des Abends, Strawinskys "Le Sacre du Printemps", noch deutlicher zeigt. Bei Mozarts G-Dur-Violinkonzert KV 216 kehrt es indes zurück, das Klischee – im negativen Sinne. Hier irritiert der wie von einem Gaze-Vorhang eingedunkelte Streicherklang, wirken die Begleitfiguren allzu oft verwischt, fehlt es mitunter an der Balance zwischen Streichern und Bläsern (Andante-Teil des Rondeau). Man könnte aber auch einwenden, dass diese Abkehr von zu markanter Akzentuierung der bewusste Versuch ist, Mozarts "Straßburger Konzert" über eine Interpretations-Äußerung des Komponisten nahezukommen: "Es ging wie öhl, alles lobte den schönen, reinen Ton." Für den Solisten Christian Tetzlaff gilt das in höchstem Maße, es ist großartig, wie er in diese Musik hineinhört und sie interpretiert – bis hin zu seinen selbst verfassten Kadenzen, in denen ein ideales Ebenmaß von Stilgespür und modernem Effet vorherrscht. Am tiefsten beeindruckt der langsame Satz: Wie Tetzlaff die D-Dur-Kantilene über die ersten vier Achtelschläge aufblühen lässt – das ist die musikalische Umsetzung von Winckelmanns Klassik-Definition: edle Einfalt, stille Größe. Da zeigt sich überdies der erfahrene Kammermusiker Tetzlaff, der seinen Schlusspunkt mit dem Allegro assai aus Bachs C-Dur-Solosonate setzt.
Eruptiv tönende Größe lassen Järvi und sein Orchester Strawinskys "Sacre" angedeihen. Die Modernität dieser gut 100 Jahre alten Musik, ihre Maßlosigkeit, vor allem aber ihre klangliche Raffinesse entfalten in dieser Wiedergabe maximale Wirkung. Und dabei blättern Järvi und die exzellenten Musiker die Partitur so selbstverständlich, so transparent auf, dass man ihre metrische, rhythmische, harmonische Komplexität nur erahnen kann. Panta rhei – und wieder fließt alles. Einschließlich der Klischees: Auch ein Bizet, wie die als Zugabe musizierte Farandole aus der "Arlésienne-Suite" könnte "typischer", will heißen französischer kaum ertönen…

http://www.badische-zeitung.de/klassik-rezensionen/typisch-franzoesisch--65625939.html

Paavo Järvi zum Commandeur de l'ordre de Arts et Lettres ernannt

Klassik.com
15 Nov 2012

Paris, 14.11.2012. Der Dirigent Paavo Järvi ist vom französischen Staat zum Commandeur de l'ordre de Arts et Lettres ernannt worden. Bei einer Zeremonie im Ministerium für Kultur und Kommunikation in der vergangenen Woche wurde Järvi von Kulturministerin Aurélie Filippetti mit dem Orden ausgezeichnet.Paavo Järvi wurde am 30 Dezember 1962 in Tallinn (Estland) als Sohn des Dirigenten Neeme Järvi geboren. Järvi studierte unter anderem am Los Angeles Philharmonic Institut, wo er bei dem weltbekannten Dirigenten Leonard Bernstein lernte. Seit 2006 ist Järvi Chefdirigent des Sinfonieorchesters des öffentlich-rechtlichen Senders HR. Zusätzlich ist er seit zwei Jahren als Chefdirigent beim Orchestre de Paris tätig und wurde für die Spielzeit 2015/16 zum neuen Chefdirigenten des NHK Symphony Orchestra Tokyo ernannt.Der "Ordre des Arts et des Lettres" wird seit 1957 vom französischen Kulturministerium verliehen. Mit der Vergabe des Ordens sollen "Personen, die sich durch ihr Schaffen im künstlerischen oder literarischen Bereich oder durch ihren Beitrag zur Ausstrahlung der Künste und der Literatur in Frankreich und in der Welt ausgezeichnet haben", geehrt werden. Zu den bisherigen Trägern gehören unter anderem Claude Douce, Alain Frere, Jacques Fansten, Serge Lutens, Micheline Maliniak , Barbara Hendricks, Martha Argerich sowie Steve Reich.

http://magazin.klassik.com/news/teaser.cfm?ID=9726

Monday, November 12, 2012

A Pleyel, Le Sacre de Paavo Järvi

Resmusica.com
Patrick Georges Montaigu
Le 12 noembre 2012

Paris. Salle Pleyel. 8-XI-2012. Maurice Ravel (1875-1937) : Le Tombeau de Couperin, version pour orchestre. Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) : Concerto pour piano n°24 en ut mineur K.491. (né en 1973) : La Vie antérieure, concerto pour piano et orchestre (création mondiale). (1882-1971) : Le Sacre du printemps. , piano. Orchestre de Paris, direction :

Ce concert du jeudi reprenait la structure et en partie le programme de la veille, conservant l’ouverture et le plat de résistance, remplaçant les deux œuvres centrales, pour offrir aux auditeurs de la Salle Pleyel un menu fort copieux autant que varié. Ainsi deux œuvres quasi contemporaines des années 1910 signées Ravel et Stravinsky encadraient un concerto de Mozart, le vingt-quatrième pour piano succédant au n°3 pour violon donné la veille, suivi par une œuvre également concertante mais nettement plus moderne, Sur le même accord d’Henri Dutilleux hier, la création mondiale du concerto pour piano La Vie antérieure de ce soir.
Pour la version pour orchestre du Tombeau de Couperin, Ravel n’a retenu que quatre des six mouvements de la suite pour piano, éliminant la Fugue et la Toccata et, pour finir sur un mouvement vif, plaça le Rigaudon en dernier. Si chaque danse est un hommage à des soldats morts au combat pendant la Grande Guerre, il n’y a rien de morbide dans l’écriture de Ravel, et c’est avec une certaine allégresse que le chef attaqua les premières mesures du Prélude, où le legato et la rondeur du son donnèrent un caractère élégant autant que quelque peu nonchalant à cette musique, retirant un peu de netteté à l’articulation et aux interventions des solistes, prépondérantes dans ce quasi concerto pour orchestre. La réécoute du concert sur Medici.tv nous montra que l’acoustique de la salle, à l’endroit où nous nous trouvions, en ajouta une couche dans la fusion des sons, alors que les micros rééquilibraient nettement l’écoute au profit d’une mise en évidence des solistes, tous remarquables tout au long de la soirée, qui rendit l’écoute plus vivante et captivante. Ce même effet se produisit pour le concerto pour piano n°24 de Mozart, qui, en direct nous paru ici ou là un poil indolent, en particulier lors de l’introduction orchestrale qui manqua d’élan. La suite montra à l’évidence que chef et soliste choisirent un style tout en classicisme élégant et distingué, où la simplicité des phrasés, la justesse de tempo et l’attention portée aux équilibres et dialogues instrumentaux furent exemplaires. Cette version raffinée et rigoureuse, fuyant tout spectaculaire, et de fait assez peu dramatique, manqua d’un peu de présence en salle et s’appréciait finalement mieux au travers des micros qu’in situ où les esthétiques quasi chambristes ne sont jamais à la fête.

 et se retrouvèrent ensuite pour la création mondiale du concerto pour piano de Karol Beffa, inspiré par le sonnet de Baudelaire intitulé La Vie antérieure. Si cette pièce a la durée assez habituelle de beaucoup d’œuvres contemporaines qui tournent autour du quart d’heure, elle s’éloigne de la tradition avant-gardiste pour retrouver un langage basé sur l’harmonie et l’exposé de phrases musicales mémorisables. La structure tripartite de l’œuvre et la progression musicale dans chaque section participent à la clarté et la lisibilité de ce concerto qui ne verse jamais dans l’abstrait et la cérébralité mais reste constamment sensoriel. Il est ainsi assez facilement abordable et compréhensible, ce qui le rend « tout public » et explique sûrement son succès auprès du public du soir pour sa première exécution où l’ensemble des interprètes nous semblèrent dignes d’éloge. Pour clore cette copieuse première partie de soirée, Andreas Haefliger se lança dans un bis brillant et vigoureux avec Orage extrait de la Première année de pèlerinage de Liszt.
Avec Le Sacre du printemps, nous allions retrouver le Paavo Järvi plus personnel et original, qui donne à ses interprétations des grands tubes du répertoire tout son intérêt. Cette version du plus fameux ballet du XXème siècle n’échappa pas à cette règle, et cela s’entendit dès la première note solo ad libitum du basson, étirée et crescendo. La suite impressionna le plus souvent grâce à la performance de l’orchestre et à l’animation que sut mettre le chef dans les multiples sections de l’œuvre. Car c’est justement en jouant sur l’énorme dynamique de l’orchestre, les jeux de solistes, les équilibres instrumentaux que le chef construisit son interprétation qui avança un peu par bloc, laissant de côté le jeu sur les phrasés, trop neutres, mécaniquement répétitifs et du coup enlevant de l’expressivité. Ce serait là le seul reproche que nous ferons à cette version, avec peut-être une trop forte sollicitation des percussions auxquelles le chef demanda souvent la plus que pleine puissance, les conduisant à cogner un peu fort quand-même, ce qu’ils firent avec talent, comme le prouva le tout aussi bruyant triomphe à l’applaudimètre qui récompensa , le timbalier en titre de l’orchestre.
Crédits photographiques : Paavo Järvi ; Andreas Haefliger © DR
 
http://www.resmusica.com/2012/11/12/a-pleyel-le-sacre-de-paavo-jarvi/

Friday, November 09, 2012

Le vent en poupe

ConcertoNet
Simon Corley
7 Nov 2012

Paris
Salle Pleyel
11/07/2012 -
Maurice Ravel : Le Tombeau de Couperin
Wolfgang Amadeus Mozart : Concerto pour violon n° 3, K. 216
Henri Dutilleux : Sur le même accord
Igor Stravinski : Le Sacre du printemps

Christian Tetzlaff (violon)
Orchestre de Paris, Paavo Järvi (direction)

C. Tetzlaff (© Giorgia Bertazzi)

Partiellement repris le lendemain (le début et la fin en demeurant inchangés), le programme de ce mercredi soir de l’Orchestre de Paris apparaissait indéniablement composite sur le papier mais se sera finalement révélé stimulant. Absent de l’affiche de l’orchestre depuis 1998, Le Tombeau de Couperin (1917/1919), sous la baguette de son directeur musical, se déploie en privilégiant, parmi les qualités éminemment ravéliennes, le caractère délicatement ouvragé de l’instrumentation davantage que la tendresse ou l’émotion. D’une rondeur hédoniste et melliflue, le propos a quelque peu tendance à s’alanguir, parfois même jusqu’à des effets d’un goût contestable, comme à la fin de la Forlane.

Christian Tetzlaff (né en 1966) est confronté à un effectif considérablement réduit (trente et une cordes): cela tombe bien, car la puissance ne constitue pas son atout principal. Comme pour ses débuts à l’Orchestre de Paris, voici douze ans, le violoniste allemand a choisi le Troisième Concerto (1775) de Mozart, où il ne se contente pas prudemment de s’en tenir aux poudres et perruques du «style galant» mais s’ingénie à épicer le discours de multiples nuances de dynamique et de sonorité, de cadences très personnelles et de brefs commentaires sur les points d’orgue. Voilà qui intrigue et qui bouscule sans doute les habitudes – on n’est pas accoutumé à de tels contrastes dans ce répertoire – mais qui en renouvelle l’intérêt et l’approche: avec ce Mozart bien vivant et provocateur, il prend des risques et se met en danger, mais sait aussi conférer une véritable expression vocale au chant de l’Adagio.

Dédié à Anne-Sophie Mutter, qui en bissa la création française en novembre 2003, Sur le même accord (2002) de Dutilleux trouve également dans son compatriote un soliste inspiré, dont la sensibilité à fleur de peau rend justice aux deux facettes de ce «nocturne», lyrique mais aussi fantastique. Tetzlaff, qui sera de retour à Paris le 6 mars prochain à l’Auditorium du Louvre comme premier violon de son quatuor, répond de bonne grâce aux nombreux rappels du public en offrant une bien ludique et pimpante Gavotte en rondeau de la Troisième Partita de Bach.

En cette saison qui marque le centenaire de sa création, on entendra beaucoup Le Sacre du printemps (1913) dans la capitale, que ce soit sur les lieux de cette naissance aussi houleuse que légendaire – le Théâtre des Champs-Elysées – ou dans d’autres salles. Paavo Järvi ouvre le feu avec une interprétation qui a le mérite de sortir quelque peu des sentiers (désormais) battus du chef-d’œuvre de Stravinski. En effet, le diagnostic d’un Debussy incorrigiblement persifleur («Musique sauvage avec tout le confort moderne») aura rarement semblé aussi pertinent, tant le texte est travaillé – dès la première note, sur laquelle le basson effectue un crescendo – et tant la couleur, dans la continuité de L’Oiseau de feu et de Pétrouchka, se pose en facteur aussi important que le rythme, pourtant généralement considéré non sans raison comme primordial dans ce ballet.

Nul n’en sera surpris: à un déroulement instinctif et à la va-comme-je-te-pousse, à une surenchère de volts et de décibels, le chef préfère une construction minutieuse et une mise en place attentive. Si la pulsation et les pulsions ne dominent donc pas sans partage, la «sauvagerie» ne perd pas pour autant tous ses droits: même si elle est soigneusement dosée, avec un bel équilibre entre les pupitres et une sonorité toujours raffinée, la puissance y est et la progression de la première partie («Adoration de la Terre»), magistralement menée, aboutit à une tempétueuse «Danse de la Terre». La phalange parisienne se présente au grand complet – de façon tout à fait inhabituelle, on remarque ici, dans bon nombre de pupitres (notamment des bois), la présence de leurs deux musiciens principaux – et, surtout, en parfait ordre de marche, au travers d’une discipline et d’une qualité d’exécution impressionnantes.

Décidément, alors que dans la perspective de l’échéance prochaine du mandat de Myung-Whun Chung, Lionel Bringuier, nommé à la tête de la prestigieuse Tonhalle de Zurich, semble ainsi avoir échappé au Philharmonique de Radio France et que le National peine à trouver un rythme de croisière satisfaisant avec ses directeurs musicaux, Daniele Gatti et, à titre «honoraire», Kurt Masur, l’Orchestre de Paris a le vent en poupe.
ttp://www.concertonet.com/scripts/review.php?ID_review=8786

FOTOD: Paavo Järvi pälvis Prantsusmaal kõrge tunnustuse

 Karoliina Vasli
9. november 2012

Foto: Eesti Pariisi suursaatkond

Prantsusmaa Kultuuri- ja Kommunikatsiooniminister Aurélie Filippetti andis dirigent Paavo Järvile Prantsuse Kunstide ja Kirjanduse ordeni komandöri kraadi (Commandeur de l´ordre des Arts et des Lettres).
Orden anti üle Prantsuse kultuuriministeeriumis eile toimunud pidulikul tseremoonial. Paavo Järvi pälvis aumärgi seoses Pariisis ja Pariisi regioonis 2011. aasta oktoobris ja novembris aset leidnud Eesti kultuurifestivaliga "Estonie tonique" ning sellega tunnustakse Järvit panuse eest Prantsuse ja Eesti kultuurisuhete arendamisse.
Prantsuse kultuuriminister Filippetti tunnustas oma kõnes Järvi arvukaid muusikasalvestusi, mis on teiste seas võitnud ka Grammy auhinna. Samuti tõi Filippetti oma kõnes välja Järvi edukad esinemised Pariisi orkestriga turneedel maailma eri paigus. 2011. aasta sügisel esines Pariisi orkester Järvi juhatusel ka Eestis. Kõne lõpetuseks kinnitas minister, et suhted kultuuri ja muusika vallas on parimad toimivad sidemed tänases Euroopas.
Paavo Järvi on Pariisi orkestri peadirigent ja muusikaline juht alates 2010. aastast.
http://www.ohtuleht.ee/499030

Paavo Järvi Decorated With French Cultural Order

ERR News
09 November 2012
Paavo Järvi ( Photo: Postimees/Scanpix )

Estonian conductor Paavo Järvi has been awarded the French cultural title Commandeur de l´Ordre des Arts et des Lettres.
Järvi received the award in Paris yesterday from the French minister of culture, Aurélie Filippetti.
The conductor was recognized for his part in developing Estonian-French relations during the 2011 Estonian culture festival "Estonie tonique."
Järvi has served as the chief conductor and musical director of the Orchestre de Paris since 2010.
He is the latest to be recognized by the French government for "Estonie tonique." Others have included composer Helena Tulve, Vox Clamantis art director Jaan-Eik Tulve, filmmaker Ilmar Raag and producer Lembit Peterson.

http://news.err.ee/culture/ac4a7187-4c9f-46a6-b68a-338c38e3417d

Wednesday, November 07, 2012

Chopin mit Mehwert

Klassik.com
Simon Chlosta
5 nov 2012
 

Chopin, Frederik - Klavierkonzert Nr. 2 op. 21

Label/Verlag: Sony Classical

Khatia Buniatishvili, die 2012 für ihre Debüt-CD mit Werken Franz Liszts den ECHO Klassik als beste Nachwuchskünstlerin erhielt, legt auf ihrer zweiten CD mit Chopin nach.
Auf Liszt folgt Chopin – und diese Reihenfolge ist gut gewählt. Denn mit dem nötigen Abstand zum Chopin-Jahr 2010 hat Khatia Buniatishvilis zweite CD, erschienen bei Sony Classical, die besten Chancen, nicht im Meer der vorhandenen Aufnahmen von Chopins populärem Werk unterzugehen. Das wäre auch äußerst schade, beweist die junge Pianistin doch einmal mehr, dass sie ihrem inoffiziellen Titel als vielversprechendste Nachwuchskünstlerin gerecht wird.
Kleiner Rahmen für große Werke
Auf der CD werden Chopins größere Werke, das Zweite Klavierkonzert sowie die Zweite Klaviersonate und die Ballade Nr. 4 vom cis-Moll-Walzer und der Mazurka in a-Moll eingerahmt. Es sind besonders diese beiden (hinsichtlich der Länge) kleineren Stücke, denen Buniatishvili ihren ganz eigenen Stempel aufdrückt. Ruhig, wie aus der Ferne huscht der Walzer daher, die Mazurka wiederum ist von größter Melancholie geprägt. Hier nimmt sich die Künstlerin den nötigen Freiraum, während Sonate und Ballade konventioneller daherkommen. An musikalischer und vor allem technischer Perfektion mangelt es gleichwohl auch bei diesen Werken nicht.
Rasantes Zweites Klavierkonzert
Chopins Zweites Klavierkonzert f-Moll vollführt Buniatishvili zusammen mit dem Orchestre de Paris unter der Leitung von Paavo Järvi in einem rasanten Tempo. Agogische Verzögerungen lässt sie nur in der Durchführung des ersten Satzes, in welcher das Klavier in den Dialog mit den Holzbläsern tritt, zu. In den überwiegenden Solopassagen nimmt die Fahrt jedoch bald wieder an Tempo auf. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den zweiten Satz, der leicht gehetzt wirkt. Chopins Liebeserklärung an eine junge Dame, die sich im 'Larghetto' widerspiegelt, ist dadurch von drängender Leidenschaft geprägt, für Sentimentalitäten ist hingegen keine Zeit. Das hat aber auch sein Gutes; jeglicher Kitsch wird vom ersten Ton an untersagt. In den schnellen Läufen des dritten Satzes bewegt sich die Pianistin am Rande eines Salto Mortale. Zu diesem kommt es aber nicht, denn Buniatishvili hat das Werk im Griff. Virtuosität und Ausdruck vereint sie auf beeindruckende Weise miteinander. Da es sich bei dem Konzert um einen Mitschnitt von 2011 handelt, mischt sich leider an wenigen Stellen ein Rauschen unter – es lässt sich verschmerzen.
Mehr als eine hübsche Visitenkarte
Das der CD beigefügte Bonus-Video enthält ein kleines Feature in schwarz-weiß, bei dem wir der Künstlerin dabei zusehen, wie sie zu den Klängen ihrer Aufnahme umherstreift, mal wartend am leeren Bahnhof, an anderer Stelle zu zweit verliebt am Strand. Zwar eignet sich Chopins Musik für diese kurzen und emotionalen Momentaufnahmen sehr gut, über den Mehrwert dieser Beigabe darf man sich dennoch streiten. Der Film verdeutlicht jedoch, wie sehr die 25-jährige Pianistin die Musik zur Gänze verinnerlicht hat und welche Bedeutung sie ihr beimisst. Das Ergebnis hört man denn auch in jedem Takt und bis ins kleinste Detail der Aufnahme. Diese CD ist mehr als nur eine hübsch gestaltete Visitenkarte einer aufstrebenden Künstlerin, wie wir sie in letzter Zeit so oft auch auf dem klassischen Markt vorfinden müssen. Sie ist größte Hingabe an eine Musik, die tief berührt – den Zuhörer gleichermaßen wie die Künstlerin selbst.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:




http://magazin.klassik.com/reviews/reviews.cfm?TASK=REVIEW&RECID=23291&REID=13924