Thursday, February 21, 2013

Musikalische Reise durch die Jahrhunderte

 Klassik.com
Michael Pitz-Grewenig
21 Feb 2013

Paavo Järvi auf Spurensuche

Paavo Järvi rahmte das Konzert "Musikalische Wahlverwandtschaften" mit zwei einstmals modernen Kompositionen alter Schule ein. Guillaume de Machaut, geboren um 1300, ist einer der ersten großen Komponistenpersönlichkeiten der Musikgeschichte. Seine Motetten bilden einen gewaltigen Fortschritt in der Entwicklung der Kompositionstechnik und Felix Mendelssohn Bartholdys sogenannte "Reformationssinfonie" galt als so modern, dass der erst 21jährige Komponist selbst an seinem kompositorischen Mut zu zweifeln begann. Dazwischen ging es mit zwei durchaus modernen Stücken ziemlich gegensätzlich zu.

Igor Strawinskys 'Monumentum pro Gesualdo die Venosa ad CD annum' aus dem Jahr 1960 verarbeitet Einflüsse Alter Musik mit denen der Zwölftontechnik zu einer spannenden Melange. Paavo Järvi gelang eine subtile und einfühlsame Umsetzung der rhythmisch komplexen Klangstruktur. Das Hilliard Ensemble ließ sich beim Vortrag der von ihnen in Auftrag gegebenen 'Questions ...' für Männerstimme und Streicher von Erkki-Sven Tüür bewundern. Zu recht, boten die vier würdigen Männer des Hilliard Ensembles hier doch eine überzeugenderes Singen als bei den fünf Motetten von Guillaume de Machaut. Deren Vortrag litt nicht nur unter der für diese Musik unpassenden Akustik des großen Saals der Glocke, sondern auch an einer nicht überzeugenden Artikulation und stellenweise unscharfen Intonation.

Wenn Paavo Järvi sich mit Felix Mendelssohn Bartholdy beschäftigt, dann wird es spannend. Die Sinfonie Nr. 5, eigentlich sein zweiter Beitrag zu dieser Gattung, wird seit jeher stiefmütterlich behandelt. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen lieferte eine packende Interpretation. Paavo Järvi interessierte sich merklich für die polyphone Anlage dieser beachtlichen Sinfonie, und hier vor allem für die Umwandlungen der Aggregatzustände der musikalischen Formung zwischen den einzelnen Sätzen. Dies galt vor allem ab dem zweiten Satz und auch für die Übergänge zu den folgenden Sätzen. Folgerichtig und intelligent, wie er den ersten Satz, gewissermaßen als erratischen Monolith der gesamten Sinfonie vorausschickte. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen bot unter dem spannenden Dirigat von Järvi eine kollektive Gesamtleistung, bei der Gleichgewicht und Reaktion zwischen den einzelnen Instrumentengruppen schlichtweg beeindruckte. Als Zugabe gab es das 'Intermezzo' aus Mendelssohn Bartholdys 'Sommernachtstraum'.

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