PAAVO JÄRVI DIRIGERT SCHUBERT


WIE EINE GROSSE ÜBERFAHRT AUF EINEM OZEAN

Paavo Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen starten das Jahr mit Schubert und einem neuen Großprojekt. Ein ganzer Symphonien-Zyklus soll entstehen. Nun präsentieren das Orchester und sein Chef-Dirigent den ersten Teil ihrer Schubert-Reise: die "Tragische" und die "Unvollendete".

CD-Cover: Paavo Järvi dirigert Schuberts Symphonien Nr. 4 & 7 | Bildquelle: Sony Classical
CD-Cover: Paavo Järvi dirigert Schuberts Symphonien Nr. 4 & 7 | Bildquelle: Sony Classical
3 Min

Bildquelle: Sony Classical

ALBUM DER WOCHE – 24. JANUAR 2026

Paavo Järvi dirigiert Schubert

Auftakt im Schatten, durch den immer wieder Licht blitzt. Paavo Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen haben sich für den Auftakt ihres Schubert Zyklus' zwei Moll-Werke mit dunkel anmutender Grundstimmung ausgesucht: die "Unvollendete"Siebte und die "Tragische" Vierte Symphonie.

GEWITTER AM HORIZONT DER "UNVOLLENDETEN"

Das Album klingt wie eine große Überfahrt auf einem Ozean aus Schuberts Themen und Melodien. Das Orchester ist dabei kein schwimmender Palast, sondern ein elegantes Segelschiff, das im ersten Satz der "Unvollendeten" über die ruhigen Wellen der Streicher gleitet, die die Bläser später weitertragen. Das Orchester bleibt auf Kurs. Es fährt voran, ohne zu drängen. Und bei aller Harmonie sieht Kapitän Järvi gegen Ende des ersten Satzes auch Gewitter am Horizont, die er als interessante und klare Akzente einstreut. Der zweite Satz zeigt: das Gewitter zieht vorbei. Ruhig und schlicht gleitet das Schiff weiter ins Finale. Järvi hascht dabei nicht nach Effekten, sondern setzt auf die bloße Wirkung der Melodie. 

SCHUBERT RÜCKT MANCHMAL NAH AN BEETHOVEN

Nach dem Verklingen der "Unvollendeten" nimmt die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen Fahrt auf. Die Tonarten werden nun wechselhafter. Diese Wechsel sind ein Zeugnis davon, wie vielschichtig Schubert bereits als 19-jähriger dachte, als er die Symphonie schrieb, und ihr den Namen "Die Tragische" gab. Im Finale kippt die Stimmung. Einmal dunkel, dann bricht es kurz auf. Paavo Järvi zeigt diese Wetterwechsel, ohne zu übertreiben. So rückt er Schubert manchmal nah an Beethoven. Weniger als Kopie denn als Nachbar. 

WARM, FLIESSEND UND DENNOCH STRAF

Zum Start in den angestrebten Schubert-Zyklus wählen Paavo Järvi und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen einen warmen, fließenden und dennoch straffen Kurs. Sie setzen die Segel schwer und dunkel, und lassen trotzdem noch genug Luft für Leichtigkeit und Vorwärtsdrang. Am Ende dieser facettenreichen ersten Etappe bleibt nur eine Frage offen: Wohin geht die Fahrt wohl weiter?

INFOS ZUR CD

Franz Schubert:
Symphonie Nr. 4 c-Moll, D 414 "Tragische"
Symphonie Nr. 7 h-Moll, D 759 "Unvollendete"

Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Leitung: Paavo Järvi

Label: Sony Classical

Autorin: Larissa Schütz

Sendung: "Piazza" am 24. Januar 2026 um 08:05 Uhr auf BR-KLASSIK


https://www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/schubert-paavo-jaervi-symphonien-4-7-album-der-woche-100.html

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