Friday, January 04, 2008

CONCERT REVIEW: DKAM Cologne, Germany


December 26, 2007

Beethoven für das 21. Jahrhundert erschaffen.
Von Klaus Lipinski
KÖLN Wer wächst hier mit wem? Weder der Deutschen Kammerphilharmonie noch Paavo Järvi hätte man vor einiger Zeit Sternstunden der Beethoven-Interpretation zugetraut. Doch ihr Konzert in der Kölner Philharmonie zeigte deutlich, warum sie derzeit in aller Welt gefeiert werden. Stehende Ovationen belohnten ein neues Weltklasseorchester, das sich selbst erschaffen hat.
Beethovens sechste Sinfonie ist jedenfalls nur ganz selten so spannend zu hören. Man muss schon zu den größten Namen auf diesem Gebiet greifen, Kleiber, Harnoncourt oder Leibowitz, um ähnliches zu erleben.
Überraschende Aspekte
Selbst dann bleiben noch überraschend neu klingende Aspekte: Etwa wenn das erste Thema plötzlich seine tänzerische Seite hervorkehrt, das Herz bei der "Ankunft auf dem Lande" förmlich hüpft. Oder wenn die Pauke mit frappierend beunruhigendem Effekt eingreift, die vibratolosen Streicher manchmal die Grenze zum Unhörbaren suchen, der sehr ruhige Choral am Ende, oder das sehr zügige Tempo im zweiten Satz, das die Bögen perfekt zusammenfasst.
Höchstes Niveau
Es geht dabei nicht um britische Tempobolzerei, nicht darum, der Musik einen äußeren revolutionären Anstrich zu geben. Der Schlüssel ist eher das kammermusikalische Hören, die innere Bewegung der Musik, die alles Statische vermeidet. Järvi zeigte sich auf höchstem Niveau historisch informiert und erschuf trotzdem einen Beethoven für das 21. Jahrhundert. Die Phrasierung ist genau so aufmerksam wie perfekt. Keine lang stehenden Töne, sondern die verklingende Kurve, die damals gefordert wurde. Das bringt eine impulsivere Wirkung der einzelnen Töne, dazu passen auch die kurzen und knackigen Sforzati.
Interessant war der Kontrast zu Sibelius. In dessen Rakastava op 14 zeigte Järvi wie sehr er auch die alte Schule mit eng verschmelzenden tiefen Bläsern und Streichern beherrscht.

http://www.ruhrnachrichten.de/nachrichten/kultur/art1541,143768

Beethoven created for the 21st Century

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