Tuesday, October 07, 2014

Musikalische Sternstunde

General-Anzeiger-bonn.de
Von Bernhard Hartmann
06/10/2014
Zwei Siegertypen: Pianist Arkadi Volodos (links) und Dirigent Paavo Järvi. Foto: Barbara Frommann
Zwei Siegertypen: Pianist Arkadi Volodos (links) und Dirigent Paavo Järvi. Foto: Barbara Frommann

Unter Leitung ihres charismatischen Chefs Paavo Järvi erarbeiteten die Musiker in den ersten Jahren alle neun Sinfonien Beethovens, die sie dann 2009 als kompletten Zyklus in der Beethovenhalle vorstellten. Ihr vitales und mitreißendes und immer ganz eng an der Partitur orientiertes Spiel setzte Maßstäbe der Beethoven-Interpretation weit über die Grenzen des Festivals hinaus. Wenn das Festival eine Beethoven-Medaille für Interpreten zu vergeben hätte, Järvi und die Bremer würden die Kandidatenliste zweifellos anführen.

Jetzt war das Orchester vorläufig zum letzten Mal beim Beethovenfest. Die Residency soll unter Nike Wagners Intendanz nicht weiter fortgesetzt werden. Schön, dass sie sich mit einem Werk von Beethoven im Programmzentrum von ihrer Bonner Wirkungsstätte verabschiedeten: Man spielte das Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll, wobei es eine durchaus spannende Frage war, wie das für seinen schlanken und agilen Ton bekannte Ensemble sich musikalisch mit dem in der romantisch-russischen Tradition großgewordenen Pianisten Arkadi Volodos vertragen würde.

Volodos betrat in den 90er Jahren mit zirzensischen Horowitz-Versionen ohnehin schon virtuoser Werke die internationale Bühne, zeigte aber später, dass er auch ein begnadeter Schubert-Interpret ist. Im Beethoven'schen Klavierkonzert kamen beide Seiten dieser Persönlichkeit zu Wort, wobei die seelenvolle Seite durchaus den größeren Anteil erhielt.

Schon die mit feinster Anschlagsnuancierung ausformulierte lyrische Antwort auf die heroische Molldreiklangsgeste hatte ganz große Klasse. Volodos hauchte dem Klavierpart von Beginn an Seele ein, nie, auch nicht in der Kadenz, verlor sein Spiel an musikalischer Intensität. Das einleitende Thema des Largo spielte Volodos extrem getragen und lud es zugleich mit einer immensen Spannung auf.

Dass dieser Ansatz von Järvi und dem Orchester aufgegriffen wurde, zeigte auch noch einmal die Qualität dieses Ensembles. Nie hatte man das Gefühl, dass hier zwei Ideologien aufeinandertreffen würden.

Im Gegenteil: Das Zusammenspiel der Partner funktionierte in schönstem musikalischen Einverständnis. Das finale Rondo führte diese musikalische Sternstunde auf großartige Weise zu Ende, wobei das leichte tänzerische Element ebenso zu seinem Recht kam wie die herrische Geste. Für den Applaus bedankte sich Volodos mit einer romantischen Interpretation einer Bach'schen Vivaldi-Bearbeitung.

Umrahmt wurde das Klavierkonzert mit Werken von Krzysztof Penderecki und Johannes Brahms. In seiner Sinfonietta für Streicher blickt der polnische Komponist stilistisch zurück auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, wobei krachende Akzente Erinnerungen an Strawinskis "Sacre" evozieren, während die lebhafte Polyphonie des finalen zweiten Satzes eher an die Künste eines Hindemith denken ließ. Das Orchester kehrte beide Aspekte dieser mitreißenden Musik virtuos hervor.

Die erste Serenade für Orchester von Johannes Brahms, mit der Järvi und die Bremer den offiziellen Teil ihres Bonner Gastspiels in der ausverkauften Beethovenhalle beschlossen, ist ein merkwürdiges Zwitterwesen, das mehr sein will als nur unterhaltsame Abendmusik, aber sich noch nicht zu wirklicher sinfonischer Größe aufschwingt. Im Grunde ist es eine anspruchsvolle Vorstudie für die vier späteren Sinfonien des Komponisten.

Die Bremer, die sich zuletzt intensiv mit Brahms auseinandergesetzt haben, hauchten dieser Musik mit schönen Bläserfarben und zupackendem Streicherklang musikalisches Leben ein. Das Publikum klatschte begeistert Beifall, und man bedankte sich mit zwei Zugaben, die das Programm sinnig fortsetzten: mit Brahms' Ungarischem Tanz Nr. 3 und Beethovens Prometheus-Ouvertüre.

Beethovenfest in Bonn: Musikalische Sternstunde | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/kultur/Musikalische-Sternstunde-article1467621.html#plx903589576


Zwei Siegertypen: Pianist Arkadi Volodos (links) und Dirigent Paavo Järvi. Foto: Barbara Frommann
 
BONN. Kein anderes Orchester hat den Beethovenklang der Ära der früheren Beethovenfest-Intendantin Ilona Schmiel so sehr geprägt wie die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, die seit 2004 jährlich als Orchestra in Residence nach Bonn reiste.

Unter Leitung ihres charismatischen Chefs Paavo Järvi erarbeiteten die Musiker in den ersten Jahren alle neun Sinfonien Beethovens, die sie dann 2009 als kompletten Zyklus in der Beethovenhalle vorstellten. Ihr vitales und mitreißendes und immer ganz eng an der Partitur orientiertes Spiel setzte Maßstäbe der Beethoven-Interpretation weit über die Grenzen des Festivals hinaus. Wenn das Festival eine Beethoven-Medaille für Interpreten zu vergeben hätte, Järvi und die Bremer würden die Kandidatenliste zweifellos anführen.

Jetzt war das Orchester vorläufig zum letzten Mal beim Beethovenfest. Die Residency soll unter Nike Wagners Intendanz nicht weiter fortgesetzt werden. Schön, dass sie sich mit einem Werk von Beethoven im Programmzentrum von ihrer Bonner Wirkungsstätte verabschiedeten: Man spielte das Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll, wobei es eine durchaus spannende Frage war, wie das für seinen schlanken und agilen Ton bekannte Ensemble sich musikalisch mit dem in der romantisch-russischen Tradition großgewordenen Pianisten Arkadi Volodos vertragen würde.

Volodos betrat in den 90er Jahren mit zirzensischen Horowitz-Versionen ohnehin schon virtuoser Werke die internationale Bühne, zeigte aber später, dass er auch ein begnadeter Schubert-Interpret ist. Im Beethoven'schen Klavierkonzert kamen beide Seiten dieser Persönlichkeit zu Wort, wobei die seelenvolle Seite durchaus den größeren Anteil erhielt.

Schon die mit feinster Anschlagsnuancierung ausformulierte lyrische Antwort auf die heroische Molldreiklangsgeste hatte ganz große Klasse. Volodos hauchte dem Klavierpart von Beginn an Seele ein, nie, auch nicht in der Kadenz, verlor sein Spiel an musikalischer Intensität. Das einleitende Thema des Largo spielte Volodos extrem getragen und lud es zugleich mit einer immensen Spannung auf.

Dass dieser Ansatz von Järvi und dem Orchester aufgegriffen wurde, zeigte auch noch einmal die Qualität dieses Ensembles. Nie hatte man das Gefühl, dass hier zwei Ideologien aufeinandertreffen würden.

Im Gegenteil: Das Zusammenspiel der Partner funktionierte in schönstem musikalischen Einverständnis. Das finale Rondo führte diese musikalische Sternstunde auf großartige Weise zu Ende, wobei das leichte tänzerische Element ebenso zu seinem Recht kam wie die herrische Geste. Für den Applaus bedankte sich Volodos mit einer romantischen Interpretation einer Bach'schen Vivaldi-Bearbeitung.

Umrahmt wurde das Klavierkonzert mit Werken von Krzysztof Penderecki und Johannes Brahms. In seiner Sinfonietta für Streicher blickt der polnische Komponist stilistisch zurück auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, wobei krachende Akzente Erinnerungen an Strawinskis "Sacre" evozieren, während die lebhafte Polyphonie des finalen zweiten Satzes eher an die Künste eines Hindemith denken ließ. Das Orchester kehrte beide Aspekte dieser mitreißenden Musik virtuos hervor.

Die erste Serenade für Orchester von Johannes Brahms, mit der Järvi und die Bremer den offiziellen Teil ihres Bonner Gastspiels in der ausverkauften Beethovenhalle beschlossen, ist ein merkwürdiges Zwitterwesen, das mehr sein will als nur unterhaltsame Abendmusik, aber sich noch nicht zu wirklicher sinfonischer Größe aufschwingt. Im Grunde ist es eine anspruchsvolle Vorstudie für die vier späteren Sinfonien des Komponisten.

Die Bremer, die sich zuletzt intensiv mit Brahms auseinandergesetzt haben, hauchten dieser Musik mit schönen Bläserfarben und zupackendem Streicherklang musikalisches Leben ein. Das Publikum klatschte begeistert Beifall, und man bedankte sich mit zwei Zugaben, die das Programm sinnig fortsetzten: mit Brahms' Ungarischem Tanz Nr. 3 und Beethovens Prometheus-Ouvertüre.

BONN. Kein anderes Orchester hat den Beethovenklang der Ära der früheren Beethovenfest-Intendantin Ilona Schmiel so sehr geprägt wie die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, die seit 2004 jährlich als Orchestra in Residence nach Bonn reiste.

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