Monday, December 29, 2008

CONCERT REVIEW: Beethoven 9, DKAM


December 21, 2008


Paavo Järvi und die Kammerphilharmonie Bremen mit einer stürmischen Neunten - Rezension für die Stuttgarter Zeitung (veröffentlicht am 21.12.2008)

Es ist üblich, dass Chefdirigenten ihre Orchester über den grünen Klee loben; nicht immer jedoch findet man den Sinn der Worte im Konzert wieder. Wenn aber Paavo Järvi die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, die er seit 2004 leitet, als „Intelligenz in Bewegung“ apostrophiert, beschreibt er damit genau, was nun auch das Publikum im Beethovensaal zu Beifallsstürmen hinriss. Hier ist man, gerade was Beethovens Sinfonien angeht, verwöhnt: Der legendäre Zyklus von Sir Roger Norrington beim Musikfest 2002 hat die Maßstäbe gesetzt. Mit einer wahrhaft stürmischen Interpretation der neunten Sinfonie stellten sich Järvi und die Bremer Musiker der Konkurrenz: bebend, lächelnd und mit beinahe unfassbarer Phrasierungskunst und Präzision.

Man merkt der Deutschen Kammerphilharmonie ihr Selbstbewusstsein in jedem Takt an: Äußerlichkeiten wie das Sitzen auf der Stuhlkante oder die hohe Aufmerksamkeit, die das bewusst klein besetzte Orchester nicht nur dem Dirigenten, sondern auch sich selbst untereinander schenkt, finden sich in einer Beethoven-Attacke wieder, deren Intensität weit und breit singulär ist. Es ist vor allem der dialogische Charakter, mit dem Paavo Järvi sogar sein Orchester noch immer überraschen kann: Blitzschnell, manchmal fast angriffslustig, aber immer souverän und mit Charme schärft er die Details, ohne das Ganze zu beschädigen. Beethovens 9. Sinfonie als äußerst lebhaftes Gespräch, mal Streit, mal Geplauder – das muss man erst einmal schaffen. Dass kein Pathos aufbrandet, ist gut so, zumal sich der Deutsche Kammerchor dem Konzept ebenso geschmeidig und verblüffend textverständlich anpasst wie die vier Solisten: Perfekt noch in den heikelsten Höhen Christiane Oelzes Sopran, ungewöhnlich markant Annely Peebos Alt, fröhlich-locker Donald Litakers Tenor und zu Herzen sprechend Matthias Goerne in der prominenten Basspartie.

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http://www.paavojarvi.com/
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