Friday, November 04, 2011

Christian Tetzlaff spielt Mendelssohn und Schumann

NDR kultur
Christoph Vratz
04.11.2011

Felix Mendelssohn-Bartholdy: Violinkonzert e-Moll op. 64
Robert Schumann: Violinkonzert d-Moll
Fantasie für Violine und Orchester C-Dur op. 131
Christian Tetzlaff, Violine
Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt
Leitung: Paavo Järvi

Geiger Christian Tetzlaff © Alexandra Vosding Christian Tetzlaff

Auch der Geiger Christian Tetzlaff hat das Label gewechselt. Das liegt derzeit mal wieder im Trend. Jetzt ist er bei Ondine, und seine erste Aufnahme für die Finnen markiert den Beginn einer mehrjährigen Zusammenarbeit. Auf dem Programm stehen zwei bekannte romantische Konzerte, die bislang in Tetzlaffs Diskografie noch fehlten. Als Dirigenten hat er Paavo Järvi zur Seite, mit dem er in Bremen schon manches Mal erfolgreich zusammen gearbeitet hat.

Frei von jedem Kitsch-Verdacht

Wie oft schon ist das Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy als Süßholz-Raspelei gedeutet worden? Selbst prominente Geiger wie Anne Sophie Mutter sind dagegen nicht gefeit. Nun stellt sich auch Tetzlaff dieser Aufgabe.

Schon mit den ersten Takten fällt dem Hörer ein Stein von Herzen: Dieser Mendelssohn ist frei von jedem Kitsch-Verdacht. Selbst bei den Übergängen in die leisen Regionen verzerrt Tetzlaff nichts. Er wechselt die Klangfarbe, aber er dehnt nicht gleichzeitig das Tempo wie Kaugummi.

Wahre Kunst

Bei den virtuosen Stellen, im Finale etwa, will Tetzlaff gar nicht erst vordergründig zaubern. Seine Agilität und Beweglichkeit zeugen von größtmöglicher Selbstverständlichkeit - das ist wahre Kunst!

Umgekehrt findet Tetzlaff im langsamen Satz zu einem sehr innigen Ton. Selbst in den melancholischen Momenten bewahrt er eine eigene Form von Schönheit. So unverfälscht hat man diese Stelle selten gehört.

Großartiges Geigenspiel

Die drei auf dieser CD versammelten Stücke wurden live in der Alten Oper Frankfurt aufgezeichnet. Neben dem Mendelssohn-Konzert enthält diese Produktion die späte Fantasie für Geige und Orchester von Robert Schumann sowie dessen d-Moll-Violinkonzert. Die Bezeichnung des ersten Satzes: "In kräftigem, nicht zu schnellem Tempo" nehmen alle Beteiligten erfreulich wörtlich.

Das Radio Sinfonieorchester Frankfurt wagt sich unter Järvis Leitung aus der Assistenten-Rolle heraus. Orchester und Solist verschmelzen zu einem Ganzen. Dadurch ergeben sich kraftvolle Überleitungen und, vor allem im langsamen Satz, feine kammermusikalische Dialoge.

Tetzlaff ist ein Feinmotoriker, ein Nuancen-Finder, eine Dünnhaut. Er kennt auch die Verletzlichkeit dieser Werke, gewinnt ihnen aber auch ihren silbrig strahlenden Glanz ab. Tetzlaff ist keiner, der ein Feuer erst anzünden muss, damit es lodert. Großartiges, uneitles Geigenspiel!


http://www.ndr.de/kultur/klassik/ncdstetzlaff103.html

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