Sunday, September 30, 2012

Schostakowitsch-CD: Alexander Toradze spielt, Paavo Järvi dirigiert

Wiesbadener Tagblatt
Stefan Schickhaus
28.09.2012

Sie kennen sich schon lange, der Pianist Alexander Toradze und der Dirigent Paavo Järvi. Als in den späten 1960er Jahren Toradze an einem Klavierwettbewerb teilnahm, wurde das begleitende Orchester geleitet von Paavo Järvis Vater, dem großen estnischen Dirigenten Neeme Järvi. Weil dieser sich in einem TV-Interview so lobend über den georgischen Wettbewerbsteilnehmer äußerte, schloss die Familie Toradze die Familie Järvi in ihr Herz. Über diese lange familiäre und auch künstlerische Familienfreundschaft erzählen Alexander Toradze und Paavo Järvi in einem Youtube-Video, das ein Making Of ihrer ersten gemeinsamen CD darstellt. Im Sendesaal des Hessischen Rundfunks in Frankfurt haben sie die beiden Klavierkonzerte von Dmitri Schostakowitsch aufgenommen, ergänzt durch das selten zu hörende Concertino a-Moll für zwei Klaviere.

Toradzes pianistische Haltung sei sehr speziell, erklärt Järvi. Er tauche stets extrem tief in die Materie ein. „Die Grenze, wo der Komponist sein Werk beendet und wo der Pianist seines beginnt, ist hier nicht immer scharf zu ziehen“. Der Chefdirigent des HR-Sinfonieorchesters nennt den Interpretationsstil des Georgiers, vor allem bei russischer Musik des 20. Jahrhunderts, „exaltiert in jeder erdenklichen Art“.

Und genau so hört sich das auf diesem Schostakowitsch-Album auch an. In Alexander Toradze finden die beiden Klavierkonzerte einen furiosen, burlesken, kompromisslosen Interpreten, der aus zutiefst lyrischen Momenten in Sekundebruchteilen hochschrecken kann in den größten Tastengalopp.

Bei Schostakowitschs erstem Klavierkonzert habe er ohnehin einen Stummfilm vor Augen, und zwar einen kernigen Western, sagt Paavo Järvi. Und entsprechend hart geschnitten legt er die Partitur aus, schwarz und weiß ohne Graubereich.

Diese CD-Produktion ist übrigens die erste im Rahmen einer neuen Kooperation von HR-music mit dem Heidelberger Klassik-Label Pan Classics.

http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/kultur/musik/12460111.htm

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