Tuesday, October 25, 2016

Musikalische Lustreise mit Lang Lang


derwesten.de
Thomas Becker
24.10.2016

Der stürmische Beifall des begeisterten Publikums ist Lang Lang jederzeit sicher. Der wohl derzeit populärste Pianist der internationalen Klassik-Szene war jetzt in einem konzertanten herbstlichen Nachschlag des Klavier-Festivals Ruhr mit der Deutschen Kammerphilharmonie aus Bremen unter der Leitung von Paavo Järvi in der Mercatorhalle zu erleben. Der 34-jährige Chinese, der als technisch überragender Virtuose gefeiert, aber auch als musikalisch bisweilen oberflächlicher Pop-Star kritisiert wird, zeigte seine Kunst mit Mozarts Konzert für Klavier und Orchester Nr. 24 in c-Moll. Für die Bremer Kammerphilharmoniker blieb an diesem Abend ganz ohne das publikumsträchtige Zugpferd Lang Lang Mozarts Ouvertüre von Don Giovanni sowie die Sinfonie Nr. 2 in D-Dur opus 73 von Johannes Brahms, die auch ohne den gefeierten Superhelden am Klavier viel Freude bereiteten.

Auch wenn der junge Weltklasse-Musiker bisweilen für allzu gefühlsselige Interpretationen der klassischen Werke oder auch für sein zu rasantes Tempo kritisiert wird, so zeugte sein stets etwas dramatisierendes Klavierspiel mit dem sehr guten Orchester und seinem umsichtigen Dirigenten doch von großer Meisterschaft.

Nachdem zuvor das Orchester aus Bremen die Don-Giovanni-Ouvertüre mit einem feinen Glanz versehen hatte, durfte der mit Spannung erwartete Lang Lang am Flügel Platz nehmen. Mit leichter Hand folgte der freundliche Star den Spuren des Salzburger Genies, das an diesem Pianisten vielleicht viel Freude gehabt hätte. Der immer noch sehr jugendlich wirkende Pianist widerstand trotz seiner überragenden Technik der Verlockung allzu virtuoser Selbstdarstellung und harmonierte dafür in allerbester Form mit dem Orchester. Welche Energie in ihm steckt, bewies er dann mit einer furios gespielten Zugabe von Manuel de Fallas „Feuertanz“, für den es donnernden Applaus gab, der nicht enden wollte.

Strahlender Brahms
Dass es auch noch ein Leben nach Lang Lang gibt, dafür stand nach der Pause das Bremer Ensemble, das hier ein wunderbares und strahlendes Brahms-Konzert gab und mit Paarvo Järvi über einen großartigen Dirigenten verfügt, der als temperamentvolle Zugabe den „Ungarischen Tanz Nr. 5“ von wiederum Johannes Brahms mitgebracht hatte. Viel Beifall für ein großartiges Klavier-Festival-Konzert.

Thomas Becker

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