Wednesday, May 17, 2006

Friederike's "Diary" - Day 2

Here is the written entry for Day 2 from Friederike Westerhaus's Radio Bremen online diary. If you follow the link given here, you may also listen to a 3 minute 6 second audio clip of Paavo talking with her about Beethoven's Symphony No. 2. The audio clip uses Real Player.
2. Sinfonie in D-Dur , op. 36, (1802)

"Die zweite Sinfonie ist eines meiner absoluten Lieblingsstücke. Ich bin damit aufgewachsen, sie mit sehr romantischen Dirigenten zu hören. Mir leuchteten diese Interpretationen immer sehr ein und haben mich wirklich angesprochen, vor allem die von Bruno Walter. Natürlich weichen die Informationen in der Partitur davon erheblich ab - und da ist es besonders interessant, sich mit der Frage der Metronomzahlen zu beschäftigen (Anm. d. Red.: Beethoven selbst hat in seinen Partituren Metronomzahlen vermerkt, die von vielen Dirigenten als zu schnell abgelehnt werden. Järvi folgt den Originaltempi Beethovens). Man hat beispielsweise Passagen, die (im Originaltempo) nicht gesanglich sind, aber viele der älteren Dirigenten haben versucht, diese Passagen sehr gesanglich und fast wie Bruckner klingen zu lassen. Wir versuchen, das einfach fließen zu lassen. Ganz offensichtlich ist an dieser Sinfonie, das sich alles von Haydn und Mozart weg entwickelt. Beethoven wendet sich in eine neue Richtung, die eigenwilliger ist, engagierter und weniger traditionell. Seine musikalische Sprache entwickelt sich weiter, denn obwohl der unterschwellige Ton sehr leicht ist, ist insgesamt alles viel ernsthafter. Von der zweiten Sinfonie aus kann man schon verstehen, was später mit Brahms passiert, und woher die romantische Musik überhaupt kommt. Wenn man sich zum Beispiel dieses Scherzando-Gefühl im Finale anhört, dann realisiert man, dass das nicht mehr dieselbe freie, freudige Musik ist wie in der ersten Sinfonie. Der ganze Prozess ist viel engagierter und vertrackter." [Autor: Paavo Järvi, Übersetzung: Friederike Westerhaus]

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