Friday, September 08, 2006

CD REVIEW: Beethoven: Symphony No. 3 and No. 8/DKAM

Here is a review by Friederike Westerhaus for NDR Kultur of Paavo's recording of Beethoven's Symphony No. 3 and No. 8, recorded with the Deutsche Kammerphilharmonie Bremen and previously released in Japan during their tour there in May. It's European release is scheduled for October 6.
Deutsche Kammerphilharmonie Bremen & Paavo Järvi mit Beethoven-Sinfonien

1995 hat Paavo Järvi die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen zum ersten Mal dirigiert - mit 33 Jahren, noch weitgehend unbekannt. Die Chemie stimmte sofort, persönlich und musikalisch - das sagen beide Seiten. Und so hat man sich gemeinsam auf die Suche gemacht nach dem eigenen Beethoven.

Paavo Järvi: "Er gehört weder ins eine noch ins andere Extrem, sondern in die Mitte, wo es ein großes Verständnis für die Aufführungspraxis gibt, aber auch Wissen um die Tradition; eine Offenheit und auch ein bisschen Respektlosigkeit. Wir haben einen freien Geist in diesem Orchester. Und das ist einer der Gründe, weshalb ich hier so gern arbeitete - speziell an Beethovens Musik."

Beethovens zügigen Originaltempi zu folgen, ist für Järvi eine Selbstverständlichkeit, zuweilen schießt er sogar minimal darüber hinaus. Aber in der Besetzung gehen Paavo Järvi und die Kammerphilharmonie Kompromisse ein: die Streicher spielen auf modernen Instrumenten - weder mit Darmsaiten noch mit Klassikbögen - mit Ausnahme der Kontrabassisten. Sie haben sich bewusst für Klassikbögen entschieden, um ein schärfer markiertes Fundament liefern zu können. Die Bläserriege ist ebenfalls modern - bis auf die Trompeten und Pauken. So wird der Gesamtklang härter und trockener, die Artikulation sprechender.

Ein weiterer Aspekt ist die Größe der Streicherbesetzung. Mit acht ersten und sieben zweiten Geigen, fünf Bratschen, fünf Celli und drei Kontrabässen fast kammermusikalisch anmutend. Genau das beabsichtigt Järvi: ”Die ganze Einstellung ist eine kammermusikalische. Es geht nicht nur um die Anzahl der Streicher, sondern auch darum, wie sie spielen und wie die Balance mit den Bläsern ist. Und jeder fühlt sich hier persönlich verantwortlich, weil das Orchester so klein ist - jeder Tutti-Spieler fühlt sich sehr exponiert."

Historisch informierte Spielweise trotz moderner Instrumente, eine kleine, feine Besetzung, ein transparentes Klangbild: Die musikalischen Aussagen Beethovens neu zu präsentieren - darum geht es Paavo Järvi und der Kammerphilharmonie. Und deshalb haben sie sich entschieden, die neun Beethoven-Sinfonien auf CD aufzunehmen - allen Unkenrufen zum Trotz.

Aber Järvi und die Musiker befinden sich hörbar auf dem richtigen Weg. Eine CD, die vor Vitalität und Energie nur so strotzt. Und eine Interpretation, die der "Eroica" bei aller Seriösität die oft vernachlässigte Leichtigkeit und der 8. Sinfonie bei aller Spritzigkeit die notwendige Tiefe verleiht.

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