Monday, August 27, 2012

Eine prefekte Sinfonie-Welt

Main-Spitze
Von Axel Zibulski
25/08/2012-Wiesbaden

Ein wandernder Klang zuerst, von den Glocken über die Harfe und das Klavier zu den ätherisch tremolierenden Violinen: „Clouds“ nennt Peter Ruzicka sein jüngstes Werk, „Wolken“.

Als Auftragskomposition des Hessischen Rundfunks eröffnete das zehnminütige Orchesterstück im Wiesbadener Kurhaus das zweite Programm, mit dem das Hr-Sinfonieorchester beim diesjährigen Rheingau Musik Festival zu Gast war.

Von „Feldern der Erinnerung“ spricht der 1948 geborene, bei der Uraufführung anwesende Ruzicka im Zusammenhang mit seinen „Clouds“. Und so bündeln sie zum Beispiel den Raumeffekt elektronischen Lautsprecher-Wummerns mit knappen romantischen Stilzitaten.

Järvi setzt Mahler-Zyklus fort

Zum weiteren Programm immerhin passte das nicht schlecht: Robert Schumanns einziges Klavierkonzert erklang mit der Solistin Khatia Buniatishvili, und Paavo Järvi, Chefdirigent des Hr-Sinfonieorchesters, setzte seinen über mehrere Festival-Sommer angelegten Mahler-Zyklus mit der Sinfonie Nr. 1 D-Dur und ihren Fernorchester-Effekten fort. Järvis Interpretation zeichnete sich durch eine fast haptisch erfahrbare Ausdrucksdeutlichkeit aus, wie sie typisch ist für seine Auseinandersetzungen mit der Sinfonik Mahlers.

Diese sinfonische Welt, die Järvi hier scharf konturiert nachzeichnete, weckte zugleich Assoziationen: Der sphärische Beginn des ersten Satzes erinnerte an Ruzickas „Clouds“, dessen Ende mit seiner überdruckvoll genommenen Beschleunigung an einen Zwang-Jubel im Stil Schostakowitschs.

Im besonders tumb-hinkenden Beginn des zweiten Satzes steckte viel Humor, im Trauer-Kondukt des dritten hingegen tiefer Ernst: Nichts fehlte in dieser Mahler-Welt; am Ende spielte die Hörner-Gruppe im Stehen, klanglich fast schneidend, eben haptisch erfahrbar. Die Begeisterung im ausverkauften Thiersch-Saal war zu Recht groß.

Pianistin mit Kraft und Kühle

Zuvor hatte Pianistin Khatia Buniatishvili den Solo-Part in Robert Schumanns Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 54 übernommen.

Ihre Aufgabe erledigte sie weitgehend poesiefrei mit Kraft und Kühle in den Ecksätzen, dabei unscharf bereits im auftrumpfend eröffnenden Klavier-Lauf, weitgehend matt im Intermezzo des zweiten Satzes. Ihre Zugabe war ein „Liebestraum“ von Franz Liszt.

http://www.main-spitze.de/region/kultur/musik/12346545.htm

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