Tuesday, November 06, 2007

CONCERT REVIEW: Introvertierter Mozart

October 29, 2007
Frankfurter Neue Presse

Autor: Matthias Gerhart


Der Pianist Lars Vogt gastierte bei den Rundfunkkonzerten in der Alten Oper Frankfurt.

Die beiden Abende im Großen Saal standen ganz im Zeichen musikalischer Vermächtnisse. Das bedrückend-faszinierende Adagio aus Mahlers zehnter Sinfonie etwa, bei der die alte Stärke und Zuneigung des HR-Sinfonieorchesters zu dem Komponisten wieder erfahrbar wurde. Chefdirigent Paavo Järvi hatte die Streicher hervorragend eingestellt und sorgte damit für einen dichten, weichen Klangteppich. Mit Lars Vogt hatte man einen der führenden Pianisten unserer Zeit gewinnen können. Mozarts B-Dur-Konzert KV 595 ist sein letztes gewesen und atmet einen eher introvertierten Geist. Diese Atmosphäre herauszuarbeiten und plastisch- spannungsvoll zu demonstrieren war die anspruchsvolle Aufgabe des Solisten, die Lars Vogt sehr zur Faszination des Zuhörers gelang. Besonders die beiden lebhaften Sätze brachte Vogt technisch präzise zur Geltung, wobei er sich jederzeit bei dem aufmerksam und gut motiviert wirkenden Orchester Rückhalt holen konnte. Markant erschien wieder der Schluss des ganzen Werkes, der so zart und verhalten wirkt, als habe Mozart es bereits geahnt, dass er soeben mit dem 27. sein letztes Klavierkonzert vollendet hatte. Sibelius' fünfte Sinfonie brachte zum Abschluss ebenfalls viel herbstlich-nachdenkliche Stimmung in den Saal. Hier wäre besonders das idyllische Andante zu nennen. (Ge)

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