Thursday, September 08, 2011

Fauré-Requiem mit Jaroussky

NDR.de
05.09.2011

Gabriel Fauré: "Messe de Requiem" op. 48 für Sopran, Bariton, Chor, Orgel und Orchester in d-Moll; "Cantique de Jean Racine" op. 11 für Chor und Orchester in Des-Dur; "Elégie" op. 24 für Cello und Orchester in c-Moll; "Pavane" op. 50 für Chor und Orchester in fis-Moll; "Super flumina Babylonis" für Chor und Orchester
Philippe Jaroussky, Countertenor
Matthias Goerne, Bariton
Eric Picard, Cello
Choeur de l'Orchestre de Paris, Orchestre de Paris
Leitung : Paavo Järvi

Vorgestellt von Friederike Westerhaus

Seit einem Jahr ist Paavo Järvi Chefdirigent des Orchestre de Paris. Nach einer CD mit Werken von Georges Bizet liegt jetzt ganz frisch eine zweite gemeinsame CD vor. Dieses Mal ist zudem der Chor des Orchestre de Paris beteiligt. Auch diese CD ist einem französischen Komponisten gewidmet: Gabriel Fauré. Neben einigen Chorwerken und der berühmten "Pavane" in der Fassung für Chor und Orchester erklingt die "Elégie" für Cello.

Im Zentrum der CD steht aber das wohl berühmteste Werk von Fauré: sein Requiem. Als Solisten sind Bariton Matthias Goerne und Philippe Jaroussky dabei, einer der weltweit führenden Countertenöre. Eine ungewöhnliche und mutige Entscheidung, denn die Partie wird üblicherweise von einem Knaben oder einer Sopranistin gesungen.

"Ein sehr idealistisches Stück"

Wie aus dem Himmel scheint diese Musik herabzuschweben, die Bitte um ewige Ruhe für die Toten. Das "Pie Jesu" ist der zentrale Satz im Requiem von Fauré. Diese Arie zu singen, erlebte der Countertenor Philippe Jaroussky als immense Herausforderung: "Das war ein Traum, diese Arie aufzunehmen, aber ich hatte ein bisschen Angst. Denn diese Arie ist für ein Kind geschrieben, und natürlich ist sie ein bisschen hoch für einen Countertenor. Was diese Arie so schwierig macht: Wenn Sie zu viel machen, töten Sie die Musik. Aber wenn Sie nicht genug machen, töten Sie die Musik auch."

Nur dreieinhalb Minuten lang ist das "Pie Jesu", aber wenn sich bei diesem Stück keine Gänsehaut einstellt, stimmt etwas nicht mit der Interpretation. Gerade in der ungeheuren Schlichtheit dieser Musik liegt ihr Reiz. Trotzdem: Auch die tiefen Emotionen, die mit dem Requiem-Text verbunden sind, müssen erfasst sein. "Es ist ein sehr idealistisches Stück mit vielen Farben, aber nicht rot oder sehr aggressiv, sondern es ist ein Blau", erklärt Jaroussky. "Es klingt ein bisschen traurig, aber auch mit Hoffnung darin, mit Licht."

Wunderbare Harmonie

Jarousskys Gesang berührt unmittelbar die Seele, er gibt seiner Stimme einen knabenhaften, reinen Klang. Äußerst kontrolliert setzt er Vibrato ein, um einzelnen Wörtern Nachdruck zu verleihen. Es ist die Symbiose zwischen der Farbe eines Kindes und der reifen Durchdringung eines Erwachsenen. Jaroussky erweist sich als Idealbesetzung. Dass er sich so einfühlen konnte in die Musik, habe auch am Dirigenten gelegen, sagt der 33-Jährige: "Paavo Järvi ist ein wunderbarer Dirigent. Er war wunderbar mit mir, er hat mir vertraut, und es war toll, dass ich seine Energie fühlen konnte. Er war mit mir."

Auch die Energie zwischen Järvi und dem Orchestre de Paris scheint zu stimmen. Das Orchester wächst mit seinem neuen Chef offenbar immer besser zusammen, folgt ihm in seiner fast durchgängig intimen, innigen Gestaltung des Requiems. Gerade in den dunklen Klängen mit geteilten Bratschen und Celli besticht das Orchester, und in den sanften, weich fließenden Melodien. Der Bariton Matthias Goerne fügt sich mit seiner dunklen, warmen Tongebung bestens ein.

Eine gelungene Aufnahme

Den Rhythmus aus dem "Libera me" des Requiems hatte Fauré schon in einem anderen Werk verwendet, das sich auf der CD findet: "Super flumina Babylonis" - ein selten zu hörendes Frühwerk aus der Feder des 18-jährigen Komponisten.

Der musikalische Weg, den Fauré bis zur Komposition des Requiems durchschritten hat, lässt sich anhand der weiteren Werke auf der CD nachvollziehen. Insgesamt eine äußerst gelungene CD, wenngleich der Choeur de l'Orchestre de Paris mit leichten Intonations- und Ensemble-Schwächen nicht so überzeugt wie das Orchester.

http://www.ndr.de/kultur/klassik/ncdsrequiem105.html

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