Sunday, March 08, 2015

Glanzstück eines starken Solisten-Trios

op-online.de
Von Klaus Ackermann 
07/03/2015

Frankfurt - Es war wie immer. Anregend, berührend, bei hohem Qualitätsanspruch. Paavo Järvi heißt der Heimkehrer am Dirigierpult des hr-Sinfonieorchesters, Allerweltsprogrammen abhold. 

Und mit Beethovens Tripelkonzert für Violine, Violoncello und Klavier sowie Dmitrij Schostakowitsch 1. Sinfonie und Robert Schumanns Ouvertüre, Scherzo und Finale brachte der ehemalige hr-Chefdirigent dann auch im Bestseller orientierten Klassik-Betrieb eher seltene Werke heraus. Schumanns Zwitter etwa, 1841 in Leipzig uraufgeführt, hat seine Entstehungszeit nur wenig überlebt, obwohl in dem Mix aus Suite und Sinfonie nichts Anstößiges zu finden ist. Ein grüblerischer Streichereinstieg – und schon sprudelt ein munteres figurenreiches Thema, durchzogen von appetitlichen Holzbläser-Passagen. Ein in punktierten Notenwerten hüpfendes Scherzo mit mildem Bläsertrio und ein kontrapunktisch vernetztes Finale: Für den Romantiker Schumann wohl eher „Business as usual“, von Järvi und den hochmotivierten hr-Sinfonikern akribisch durchleuchtet.
Dass Beethovens Tripelkonzert selten zu erleben ist, liegt an der ungewöhnlichen Besetzung eines Solisten-Trios mit Klavier, Geige und Violoncello. Vor allem an die „Kniegeige“ werden da hohe Ansprüche gestellt, die Anne Gastinel, obwohl nervlich sehr angespannt, ebenso erfüllt wie der US-Weltklassegeiger Gil Shaham mit seinen virtuosen Zwitscher-Dreingaben und der sich so energisch wie hurtig in Szene setzende US-Pianist Nicholas Angelich. Gut im Ohr ist da noch das von den Trio-Partnern fein ausgezierte süffige Cello-Lied und ein folkloristisch getöntes Rondo-Thema, bei erlesener Filigranarbeit noch im doppelten Tempo.
Die Vertrautheit mit dem Ex-Chef macht Schostakowitschs 1. Sinfonie zur reinen Kür. Zeigt doch diese Abschlussarbeit schon Schostakowitschs Hang zur Groteske, seine Fantasie im Konstruktiven, die Marsch Galopp und Walzer wie sinfonische Spielbälle benutzt, unterlegt von wilden, typisch russischen Rhythmus-Skalen. Viel zu tun fürs Schlagwerk samt Klavier, aber auch für Holz- und Blechbläser (exzellente Trompeten) und die sich chromatisch süffig empor schraubenden Streicher. Unheilvolle Paukenschläge steigern diesen grotesken Klangfilm ins Makabre. Und nach dem rabiaten Schlusseffekt dämmert es einem endgültig: Frankfurt kann auf Järvi einfach nicht verzichten.

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