Thursday, May 10, 2012

Viktoria Mullova & Paavo Järvi in Frankfurt: Abbruch zum Ich

Baltische-Rundschau.eu
von Redaktion Deutschland
09.05.2012


Frankfurt am Main/BR. Zwei ebenso eindrucksvolle wie klang-mächtige Werke präsentiert das hr-Sinfonieorchester unter Leitung seines Chefdirigenten Paavo Järvi in drei Konzerten vom 16. bis 18. Mai in der Alten Oper Frankfurt: Gustav Mahlers 5. Sinfonie und Sergej Prokofjews 2. Violinkonzert mit der russischen Geigerin Viktoria Mullova.
Donnerstags und freitags gibt es um 19 Uhr im Großen Saal die Konzerteinführung „Musik im Gespräch“. Das „Junge Konzert“ am Mittwoch wird moderiert. hr2-kultur überträgt das Konzert am 18. Mai um 20.05 Uhr live (Wiederholung: 29.5., 20.05 Uhr). Als Video-Livestream ist es auch im Internet zu erleben auf ARTE Live Web und www.hr-sinfonieorchester.de
Die weltberühmte Viktoria Mullova ist nach langen Jahren wieder mit dem hr-Sinfonieorchester zu erleben. Auf ihrer Stradivari spielt sie Prokofjews energisches 2. Violinkonzert, ein von Optimismus und Aufbruchstimmung kündendes Werk, das der russische Emigrant 1935 kurz vor der Rückkehr in seine Heimat geschrieben hat.
Mit Mahlers 5. Sinfonie stellen Paavo Järvi und das hr-Sinfonieorchester zugleich eines der zentralen Werke des großen spätromantischen Sinfonikers vor – eine „Sinfonie der Realitäten“, expressiv in der Anlage und selbstbewusst in der Haltung, in der nach Meinung seiner Frau Alma erstmals die „gewaltige Bataille zwischen Mahlers Ego und der Welt“ stattfand. Ein extremes Werk mit extremen Kontrasten: Dem „ungeheuerlichen Scherzo“, wie Mahler selbst diesen „verdammten Satz“ beschrieb, folgt ein berückendes Adagietto, das spätestens durch Luchino Viscontis Kultfilm „Tod in Venedig“ Weltruhm erlangte.
Konzerte in der Alten Oper Frankfurt:
Mittwoch
, 16. Mai, 19 Uhr (moderiertes „Junges Konzert“),
Karten: 14,50 Euro Abendkasse oder Jugendamt (Telefon 069/212-38517).
Donnerstag, 17. Mai und Freitag, 18. Mai, jeweils 20 Uhr (hr-Sinfoniekonzerte)
Karten: 16 bis 49 Euro beim hr-Ticketcenter (Telefon 069/155-2000) und – soweit vorhanden – an der Abendkasse. Schüler und Studenten erhalten 50 Prozent Ermäßigung.
sowie als Anschlusskonzert:
Samstag, 19. Mai, 19.30 Uhr, Gastkonzert in Aschaffenburg / Stadthalle
Fotoquellen:
Viktoria Mullova – hr-Sinfonieorchester
Paavo Järvi – Werner Siebert
Viktoria Mullova wurde 1959 in Schukowski bei Moskau geboren. Sie studierte bei Leonid Kogan am Moskauer Konservatorium und ist eine der bedeutendsten Violinistinnen der Gegenwart. Internationale Aufmerksamkeit erlangte Mullova, als sie 1980 in Helsinki den Sibelius-Wettbewerb gewann. Beim Tschaikowsky-Wettbewerb 1982 erhielt sie die Goldmedaille. Violistin flüchtete 1983 aus der Sowjetunion, indem sie auf Tournee in Finnland mit Hilfe des finnischen Journalisten Jyrki Koulumies im Auto nach Schweden floh, wo sie um politisches Asyl nachsuchte. Schon vier Tage später befand sie sich mit einem Visum in den USA. Dennoch zog sie zuerst nach Kanada und erst später in die USA, wo sie ihre internationale Karriere begann. 1994 gründete sie ihr eigenes Mullova Ensemble. Mullova ist bereits mit fast allen bedeutenden Orchestern als Solistin aufgetreten. Sie spielt die „Jules Falk“ Stradivari (1723), für das barocke, klassische und frühromantische Repertoire spielt sie eine mit Darmsaiten bezogene Guadagnini.
Paavo Järvi ist 1962 in Tallinn geboren. Sein Studium (Percussion und Dirigieren) begann er in seinem Heimatstadt.1980 umsiedelte er mit der gesamten Familie in die USA und studierte dort Curtis Institute of Music bei Otto-Werner Mueller und am „Los Angeles Philharmonic Institute“ bei Leonard Bernstein. Seine Karriere als Dirigent begann er als Leiter des Kungliga Filharmoniska Orkestern in Stockholm (1995-1998). 2001 bis 2011 war Järvi Chefdirigent des Cincinnati Symphony Orchestra. 2004 wurde er Künstlerischer Leiter der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. 2006 wurde er – als Nachfolger von Hugh Wolff– Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters in Frankfurt am Main. Zusätzlich ist er für die Saison 2010/11 zum Chefdirigenten des Orchestre de Paris in Nachfolge von Christoph Eschenbach ernannt worden.
Der gebürtige Este, der bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde, gehört heute zu den erfolgreichsten Dirigenten im internationalen Musikleben. Bei allen renommierten Orchestern in Europa, Amerika und Japan ist er ein begehrter Gast. In seiner künstlerischen Arbeit schöpft Paavo Järvi aus einem reichen Fundus kultureller Einflüsse: Russische Seele, skandinavische Herbheit und europäische Vielfalt treffen dabei auf ein untrügliches Gespür für Klangsinnlichkeit und einen in Amerika geschulten Anspruch höchster Klarheit und Perfektion. Regelmäßig feiert Paavo Järvi darüber hinaus als Gastdirigent weltweit mit vielen bedeutenden Orchestern Erfolge. Besonderes Engagement zeigt Paavo Järvi dabei auch für die Musik estnischer Komponisten. Die Arbeit mit Jugendorchestern ist für ihn ebenfalls wichtig. Auch mit dem hr-Sinfonieorchester engagiert sich Järvi in der Jugendarbeit, u.a. mit dem Music Discovery Project, einem grenzüberschreitenden Musikevent, das ungewöhnliche Begegnungen von klassischer Musik und Popkultur bietet.
Paavo Järvis Diskografie umfasst zahlreiche preisgekrönte CDs. Mit dem hr-Sinfonieorchester arbeitet Järvi derzeit an Gesamteinspielungen aller Sinfonien Bruckners und Nielsens. Zu den bereits erschienenen, hochgelobten CDs gehören Bruckners 7. und 9. Sinfonie, Brahms’ 1. und 2. Klavierkonzert mit Nicholas Angelich, eine Produktion mit Cellokonzerten von Dvořák und Herbert mit Gautier Capuçon (»ECHO Klassik« 2009), sowie CDs mit den sinfonischen Einzelsätzen und der 2. Sinfonie von Mahler und Brahms’ »Ein deutsches Requiem« mit Natalie Dessay, Ludovic Tézier und dem Schwedischen Rundfunkchor. Darüber hinaus entsteht mit dem hr-Sinfonieorchester gegenwärtig ein kompletter Mahler-Zyklus für DVD.
Im Jahre 2009 spielte die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvis Leitung Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie „Ode an die Freude“ auf Urtext-Basis neu ein, diese Aufnahme wurde von der Kritik mit großem Lob bedacht.


http://www.baltische-rundschau.eu/2012/05/09/viktoria-mullova-paavo-jarvi-in-frankfurt-abbruch-zum-ich/

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