Saturday, November 03, 2012

Robert Schumann in den MP3-Playlists der heutigen Jugend?

RadioBremen
3. November 2012

Fragen an die Autoren des Films: Schumann@Pier2

Was muss Robert Schumann bringen, um auf die Playlists der MP3-Player junger Leute zu kommen? Mit dieser Frage haben sich zwei Autoren von Radio Bremen beschäftigt. Sie haben drei Jugendliche der Gesamtschule-Ost begleitet, die sich intensiv mit der Musik und dem Leben von Robert Schumann beschäftigt haben. In einem kurzen Interview verraten uns Katja Runge und Henning van Lil wie sie die drei jugendlichen Protagonisten gefunden haben und wie die Drei zu Robert Schumannn und seiner Musik stehen.

Katja und Henning, Wie habt ihr die drei Jugendlichen Protagonisten eures Films gefunden?

Henning van Lil [Quelle: Radio Bremen]  Henning van Lil - Autor von Schumann@Pier2

"Der Schuldirektor der Gesamtschule Ost (GSO), Heribert Ohlig, war uns dabei eine sehr große Hilfe. Er hat uns eine kleine Truppe von Jungs und Mädels zusammengesucht, die als Protagonisten für unseren Film in Frage kommen. Grundvoraussetzung dabei war, dass die Schüler musikalisch sind.

In einem ersten Gespräch haben wir uns lange mit der Gruppe Schüler unterhalten. Wir haben versucht, die Jugendlichen auf lockere Art und Weise kennenzulernen, indem wir uns, zum Beispiel, über Fernseh-Serien und Musik unterhalten haben. Ein erstes Beschnuppern also von beiden Seiten.

Wie seid Ihr dann auf die drei Schülerinnen gekommen?


Während des Gesprächs kristallisierte sich heraus, mit wem es "funkt". Das waren Miriam, Jana und Mitja. Die Drei sind in verschiedenen Musik-Bereichen aktiv: Miriam singt im Gospelchor, Jana spielt Querflöte und Mitja Gitarre. Alle Drei waren bereit, sich auf den großen Romantiker Schumann einzulassen. Die erste Scheu vor der Kamera haben Miriam, Jana und Mitja schnell überwunden und die ganze Zeit über super mitgearbeitet. Während der Dreharbeiten haben sie einen richtigen Prozess durchlaufen.

Und was hat sich bei den Schülern verändert?

Während sie anfangs Schumann und seiner Musik unwissend und skeptisch gegenüber standen, haben sie im Laufe der Dreharbeiten und durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Komponisten und seinem Werk immer besser verstanden und tolle Antworten auf unsere immer wieder kehrenden Fragen herausgearbeitet."

Drei Mädchen aus dem Projekt [Quelle: Radio Bremen] Mitja, Miriam und Jana - die drei Protagonisten unseres Films

Wie begegneten die Schüler denn der klassischen Musik?

Wir können uns nicht davon frei sprechen, dass wir Vorurteile gegenüber den Jugendlichen hatten. Vorurteile in dem Sinne, dass Jugendliche sich kaum mit klassischer Musik auseinandersetzen und/oder sie langweilig finden.

Wir wurden jedoch eines Besseren belehrt. Überraschender Weise standen die Schüler klassischer Musik sehr offen gegenüber.

Schülergruppe mit dem Dirigenten [Quelle: Radio Bremen] Der Dirigent, Paavo Järvi, erklärt den Schülern, wie er die Musik versteht

Während wir mit ihnen zusammen gearbeitet haben, konnten wir feststellen, dass es viele Möglichkeiten gibt, die Neugier Jugendlicher für klassische Musik zu wecken und sie mitzuziehen. Verbindungen zu knüpfen zum Beispiel. Beispiele zu finden, in denen klassische Musik heute noch eine Rolle spielt. Die Hintergrund-Musik in den Harry-Potter-Filmen zum Beispiel. Oder ein Song von Metallica, in dem ein ganzes Orchester spielt. Es macht es einfacher, das Interesse der Schüler zu wecken."

Wie hat Paavo Järvi versucht, die drei Schüler von Schumann zu begeistern?


Er brauchte gar nicht viel zu tun. Paavo Järvi ist so charismatisch, dass er Miriam, Jana und Mitja schnell in seinen Bann gezogen hat. Er versteht es, seine Leidenschaft für die klassische Musik und Schumann zu verströmen, antwortet fundiert und ist witzig. Die Drei fanden ihn cool und ließen sich in den Bann seiner Begeisterung für die Musik ziehen.

Haben Miriam, Jana und Mitja Parallelen zu ihren Stars gefunden?

Parallelen dahingehend, dass berühmte Musiker früher wie heute für ihre Musik leben und sehr oft "Workaholics" sind.

Auch haben sie erkannt, dass der Spruch: "Genie und Wahnsinn liegen oft dicht beieinander" sowohl für die Musiker damaliger, als auch heutiger Zeit zutrifft. Denn zweifelsohne war Schumann ein Genie, aber eben auch ein bisschen verrückt, wie die Drei feststellten. Am Ende trieb es ihn in den Wahnsinn, wie es auch heutigen Stars noch geschieht.

Robert Schumann [Quelle: Schumann-Netzwerk]
Quelle: Schumann-Netzwerk
Robert Schumann, Lithografie von Laurens

Insgesamt haben Miriam, Jana und Mitja jedoch eher die Unterschiede zu ihren Musik-Stars gesehen. Zum Beispiel, dass Musiker früher ganz anders berühmt wurden als heute. Weitestgehend durch Mundpropaganda. Oder dass eine Sinfonie von Schumann um die 40 Minuten lang ist, während ein Song von David Guetta oder Britney Spears grade mal eine Länge von drei bis fünf Minuten hat. Außerdem haben klassische Stücke keine Texte. Sie lassen Möglichkeit zur Eigeninterpretation. Es geht eher um Gefühle, als um eine "Message", wie sie die Interpreten von heute transportieren wollen.

Welches Fazit haben Miriam, Jana und Mitja über Schumann und seine Musik gezogen? Ist er auf der MP3-Liste der Drei gelandet?

Vom Konzert im Pier2 waren alle Drei begeistert und haben sich von der Musik und der Performance mitreißen lassen. Weil sie sich intensiv mit Schumann, seiner Geschichte und seinen Idealen auseinandergesetzt haben, konnten sie sich während des Konzerts sehr gut in seine Musik hineinversetzen und teilweise verstehen, was er versucht hat in seiner Musik auszudrücken. Ob Robert Schumann auf den MP3-Playern der drei Schüler gelandet ist wird der Film zeigen.

Habt Ihr einen Tipp nach der Erfahrung mit diesem Film?

An klassische Musik locker, nicht zu verkopft, rangehen!

Interview bei buten un binnen

Die Flötistin der Kammerphilharmonie, Bettina Wild, und die Schülerin Jana Sievers waren dabei und erzählen im buten-un-binnen-Studio, wie junge Menschen und Klassik zusammen passen.
http://www.radiobremen.de/fernsehen/produktionen/schumann110.html

1 comment:

Anonymous said...

ndGestern waren sie ja bei arte. Ich denke,sie werden Schumann nicht auf ihrem smartphone haben. Zur Musik haben sie sich kaum geäussert. Die Begeisterung, die sie bei einer Gruppe im Schlachthof zeigten, war bei Schumann nicht festzustellen.
Dies ist kein Vorwurf,eine reine Feststellung. Wir erfuhren von einer Lehrerin der GSO, dass die Schülerin einen Pflichttermin bei der Kammerphilharmonie hatten( nicht diese,andere). Unsere eigene Wahrnehmung davon war, dass die meistens dies genau so aufgefasst haben.