Thursday, October 12, 2006

PJ Interview Transcript - NDR Info

Many thanks to our friend Friederike Westerhaus for providing this transcript of the interview she did with Paavo for broadcast on NDR Info Radio today. It's almost like we're there, too. ;-)
VB Paavo Järvi – der neue Chef in Frankfurt

Anmod:
„Aufbruch“ ist das Motto der neuen Spielzeit des HR-Sinfonieorchesters Frankfurt. Und das ist nicht nur programmatisch zu verstehen: heute abend wird Paavo Järvi am Pult stehen, als neuer Chefdirigent und Nachfolger von Hugh Wulff. Sein Chefdirigentenvertrag wurde zunächst für drei Jahre mit der Option einer zweijährigen Verlängerung geschlossen. Der 43jährige Este bleibt weiterhin Chef des Cincinnati Symphony Orchestra, Künstlerischer Leiter der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und Künstlerischer Berater des Estnischen Nationalen Sinfonieorchesters. In Frankfurt will er vermehrt nordische Komponisten ins Programm bringen – darunter moderne Komponisten wie Erkki-Sven Tüür, - aber sich auch unter anderem Bruckner und Mahler widmen. Friederike Westerhaus stellt Paavo Järvi vor.

Eine übermächtige, 30 Meter hohe Papp-Figur von Paavo Järvi ziert derzeit die Fassade eines Kaufhauses in der Frankfurter Innenstadt. „Paavo Järvi dirigiert Frankfurt“. Heute abend gibt er den ersten Auftakt als neuer Chef: zu „Kullervo“ von Sibelius.

Musik Kullervo

Und schnell wird man eines sehen: so unnahbar wie auf dem riesigen Plakat ist Paavo Järvi gar nicht. Er ist nicht der Taktstock-schwingende Chef, der alles besser weiß, sondern sieht sich als Kollaborateur, der zusammen mit den Instrumentalisten neue Ebenen der Musik erforschen will. Seine Motivation: es jeden Tag noch etwas besser zu machen.

PJ: That’s the only reason why I really do music – I otherwise have done everything. It’s just that you can do it better every day. And that’s a nice thought.

Musik Nielsen

Zu dirigieren steckt den Järvis in Fleisch und Blut – nicht nur Paavo, auch sein Bruder Kristjan, sein Onkel Vallo und vor allem Vater Neeme: alle Dirigenten. Die Begeisterung des Vaters für die Musik war es, die den Jungen früh infizierte.

PJ: I learned everything from my father. With me, he was constantly asking when music was playing: stand there, conduct, is this music in three or in four, no your elbow is too high, your wrist is too low. And that was happening when I was six years old. But it was almost like a game.

Ich hab alles von meinem Vater gelernt. Wenn bei uns Musik lief, hat er zu mir immer gesagt: stell dich dahin, dirigier das mal; ist das in drei oder in vier? Nein, dein Ellenbogen ist zu hoch, dein Handgelenk ist zu tief. Und das war so, als ich sechs Jahre alt war. Aber das ganze war wie ein Spiel.


Musik Nielsen

Inzwischen ist Paavo Järvi weltweit gefragt. Er lehnt es bewusst ab, sich musikalisch zu spezialisieren – sein Repertoire erschöpft sich keineswegs der Affinität zu nordischen Komponisten. Mit dem Cincinnati Symphony Orchestra zum Beispiel hat er gerade Britten und Elgar eingespielt, mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen die Beethoven-Sinfonien. Und in Frankfurt wird er den gesamten Bruckner-Zyklus produzieren.

Musik Bruckner 3

Aber welche Musik er auch dirigiert, eines ist für Paavo Järvi zentral: er will die Menschen mit der Musik berühren. Und versucht, auch zum Publikum eine Nähe aufzubauen. Im Saal und über seine Homepage mit persönlicher e-Mail. Denn eines möchte er eben nicht: sich zum übermächtigen Maestro zu stilisieren.

PJ: I think it’s a great compliment if somebody takes even two minutes and locates your email, it shows that it has moved the person a little bit. If we can touch even one person in a performance, then we are doing something right. It’s not worth anything if people are not moved by it.

Für mich ist es ein großes Kompliment, wenn sich jemand nach einem Konzert zwei Minuten Zeit nimmt und eine e-Mail schreibt. Das zeigt, dass es die Person zumindest etwas berührt hat. Wenn wir auch nur einen Menschen in einer Aufführung wirklich erreichen, dann machen wir etwas richtig. Das ganze bringt gar nichts, wenn die Leute nicht berührt sind.

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