Thursday, June 01, 2017

Neuer Tonhalle-Chefdirigent Paavo Järvi: «Wir sind so etwas wie Missionare»

solothurnerzeitung.ch
30.05.2017
Anna Kardos


Paavo Järvi wird ab 2019 neuer Chefdirigent des Tonhalle-Orchesters. Er will Menschen erreichen und auch mal in den Fussstapfen von Brahms wandeln.

Als Sie im Winter mit der Tonhalle auftraten, waren alle euphorisiert. War zwischen Ihnen und dem Orchester so etwas wie Liebe auf den ersten Blick?


Paavo Järvi: Für uns Musiker spielt Intuition eine riesige Rolle. Und es zeigte sich intuitiv, dass eine Verbindung ist zwischen Orchester und mir. Wir konnten musizieren, ohne alles erst erklären zu müssen.
Was schätzen Sie musikalisch am Tonhalle-Orchester?
Es ist ein Orchester mit Geschichte und herausragenden Musikerpersönlichkeiten. Dass sie sich dennoch als Einheit empfinden, macht aus einem guten Orchester erst ein herausragendes Orchester.


David Zinmans Tonhalle stand für Beethoven, Mahler, Schumann. Bei Lionel Bringuer kam französische Sinfonik dazu. Wohin wollen Sie musikalisch?

Wir werden uns fragen, was unser musikalisches Zentrum sein soll und was von den grossen Meisterwerken wir noch heranziehen möchten. Brahms dirigierte die Eröffnung der Tonhalle, er wird sicher eine grosse Rolle spielen – überhaupt das romantische und klassische deutsche Repertoire. Da ich vom Norden, aus dem Baltikum komme, werden wir zudem auch Ausblicke in diese Richtung planen.


Lionel Bringuier wurde kritisiert, zu wenig präsent zu sein. Wie gehen Sie mit der Frage um?

Wenn man Chefdirigent eines Orchesters von diesem Kaliber ist, muss man auch das Gesicht des Orchesters sein. Um die Menschen zu erreichen. Wir Musiker sind fast so etwas wie Missionare.


Weil klassische Musik nicht mehr in unserem Alltag verankert ist?

Genau. Unser Ziel ist es, hinauszugehen zu den Leuten. Weil Klassik so grossartig ist, dass man den Zugang zu ihr möglichst vielen Menschen ermöglichen muss.

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