Thursday, August 28, 2008

CD REVIEW: Beethoven 5 &1




August 26, 2008
Beethovens Sinfonien Nr. 5 und Nr. 1
Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Dirigent: Paavo Järvi
Vorgestellt von Friederike Westerhaus
Ob Salzburg, Tokio, Montreal oder New York - mit ihren Beethoven-Interpretationen hat die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter Chefdirigent Paavo Järvi schon weltweit Erfolge gefeiert. Seit ihrer ersten Zusammenarbeit im Jahre 1995 haben sich Järvi und das Orchester kontinuierlich mit Beethoven beschäftigt. Als der aus Estland stammende Künstler im Jahre 2004 Künstlerischer Leiter der Kammerphilharmonie wurde, war schnell klar, dass ein gemeinsamer Beethoven-Zyklus auf CD dokumentiert werden sollte. Sony BMG stieg mit ins Boot und dies war kein Fehler: Die erste CD mit den Sinfonien Nr. 3 und Nr. 8 wurde mit dem "Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik 2007" ausgezeichnet. Nach der ebenfalls hoch gelobten 4. und 7. Sinfonie erscheint nun die dritte CD auf dem Markt. Darauf sind die Sinfonien Nr. 5 und Nr. 1 vereint.
Dynamische Extreme
Im späten 18. Jahrhundert sollen die Damen bei Hofe regelmäßig in Ohnmacht gefallen sein, wenn sie das starke Crescendo eines Orchesters hörten. Und so abwegig ist diese Reaktion gar nicht - das zumindest zeigt die Wucht der Crescendi in Järvis Interpretation der von Beethovens Sinfonie Nr. 5. In nur ein, zwei Takten bringt Järvi das Orchester vom kaum hörbaren Piano-Pianissimo zum tosenden Fortissimo. Er setzt ganz auf dynamische Extreme und zeichnet die Konturen der Musik absolut scharf und präzise.
Die melodramatischen Konnotationen, über die bei der Sinfonie häufig gesprochen werde - wie die Beinamen "Schicksal" oder "Odyssee" - seien für ihn nicht so entscheidend, sagt Järvi. Für ihn gehe es vor allem um einen großen Kampf von c-Moll nach C-Dur. Die Sinfonie sei eine ganze Welt, in der man sich permanent durchsetzen und Widerstände überwinden müsse.
Angeregtes und anregendes Musizieren
Die ungeheure Energie, die das Orchester aufbringt, ist ebenso mitreißend wie die klangliche Prägnanz und die Kontraste: Dieser Beethoven klingt überschäumend lebendig und im nächsten Moment gesanglich und intim. Nichts ist hier steif oder dogmatisch, auch die zügigen Tempi haben immer eine gewisse Flexibilität - ein angeregtes und anregendes Musizieren. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und Järvi haben ihren Beethoven gefunden: einen Beethoven, der im 21. Jahrhundert lebendig ist.
Es sei eine körperliche, ja fast unanständige Freude, dieses Orchester zu dirigieren, sagt Järvi. Und diese direkte Emotion, die überträgt sich auch auf den Hörer.

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